Streit um Mathe-Abi: Philologen fordern “mehr Vergleichbarkeit auf höherem Niveau”

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BERLIN. Angesichts der Diskussion um das schriftliche Mathematikabitur sieht sich die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Prof. Susanne Lin-Klitzing, bestätigt: „Den zentralen Abituraufgabenpool als die Lösung für eine stärkere Vergleichbarkeit der Länderabiture zu betrachten, war und ist zu kurz gedacht. Die unterschiedlichen Reaktionen der Länder auf das Matheabitur in diesem Jahr (News4teachers berichtete) zeigen aktuell die Begrenztheit dieses von Politik und Wissenschaft vorangetriebenen Weges. Für mehr Vergleichbarkeit auf höherem Niveau sind weitergehende Maßnahmen nötig. Darauf weisen wir schon lange hin.“ Die Vergleichbarkeit des Abiturs durch den bundeszentralen Abiturprüfungspool sei “eher Fantasie als Realität”.

Sieht beim Abitur Luft nach oben: Prof. Susanne Lin-Klitzing, Vorsitzende des Philologenverbands. Foto: Deutscher Philologenverband

Anlässlich der unterschiedlichen Schwierigkeiten von Schülerinnen und Schülern im diesjährigen Matheabitur in einigen Bundesländern fordert Lin-Klitzing die Kultusminister und Kultusministerinnen der Länder auf, sich besser als bisher mit dem Berliner Institut für Qualitätssicherung im Bildungswesen (IQB), das für die Standards und den Abiturprüfungspool zuständig ist, abzustimmen. Dies gelte ebenso für die Länder untereinander. “Gerade dieses Jahr zeigt aber auch, dass eine Konzentration auf Aufgabenpools, Standards und wissenschaftliche Institute nicht ausreicht. Um den Leistungserfordernissen an die junge Generation auf höherem Niveau und gleichzeitig in transparenter Weise Genüge tun zu können, müssen bei Überlegungen zum Abitur auch die unterrichtenden Lehrkräfte und ihre Verbände kontinuierlich einbezogen werden.”

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Der Philologenverband befürwortet eine stärkere Vergleichbarkeit der Abiture auf einem höheren Niveau als bisher. „Dies fängt aber doch nicht erst bei den Abiturprüfungen an“, so Lin-Klitzing. „Ich habe die überstarke Fokussierung auf den bundeszentralen Abiturprüfungspool nie verstanden, sondern immer wieder darauf hingewiesen, dass sich die Abiturnote lediglich zu ca. 25 Prozent aus allen schriftlichen Abituraufgaben zusammensetzt. Das ist nicht wenig, aber der weitaus größere Anteil der Abiturnote, nämlich zwei Drittel, wird durch die Schülerinnen und Schüler in der gesamten Oberstufenzeit erbracht. Hier müssen sie adäquat gefordert und gefördert werden, um gut auf die anschließenden Abiturprüfungen vorbereitet zu sein.“ Da  sei noch viel Luft nach oben.

Mehr Kurse in die Abiturwertung

Deshalb fordert die Philologen-Vorsitzende, dass die Schülerinnen und Schüler mehr als nur die jetzt von der Kultusministerkonferenz festgesetzten minimal 32 bis maximal 40 Kurse aus der gesamten Oberstufenzeit in die Abiturwertung einbringen müssen. Vor der jüngsten Veränderung der Kultusministerkonferenz eben dieser Einbringungspflicht der Oberstufenkurse haben sächsische Schüler beispielsweise mehr als 50 Kurse eingebracht.

Der Philologenverband fordert von der Bildungspolitik zudem seit Langem bessere Regelungen für das notwendige „kontinuierliche Lernen und Leisten“ junger Menschen auf ihrem gesamten Bildungsweg, damit sie besser auf ihre Prüfungen und das Leben nach ihrem Schulabschluss vorbereitet werden. Grundsätzlich setzt sich der Philologenverband für eine verbindliche Grundschulempfehlung ein. An die Stelle der herrschenden Regelbildungsstandards sollten normative, also von der älteren und verantwortlichen Generation im Konsens gesetzte Mindeststandards für alle Schüler sowie Optimalstandards für besonders leistungsfähige Schülerinnen und Schüler treten. „Dies gilt für alle Bildungsabschlüsse, nicht nur für den Weg zum Abitur und nicht nur für Mathe“, ergänzt Lin-Klitzing. News4teachers

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4 KOMMENTARE

  1. “Grundsätzlich setzt sich der Philologenverband für eine verbindliche Grundschulempfehlung ein.”

    Wenn ein Kind ans Gymnasium kommt und 9 Jahre dort verbleibt, ist es wohl geeignet für diese Schulform und sein Abschneiden im Abitur hat dann nichts mehr mit der Grundschule zu tun. In den zwei Jahren im Orientierungsbereich (5. und 6. Klasse) werden die Kinder, deren Leistungen nicht zum gymnasialen Anspruch passen, doch ganz klar “aussortiert”. Wer es schafft, gehört da wohl auch hin.

    • Richtig! Irgendeiner hat den schwarzen Peter des Aussortierens. Das kann das Gymnasium genauso übernehmen, zumal sie dort wirklich sehen können, ob die Schüler die Leistungen im Mindestmaß erfüllen. Den Grundschullehrern wäre es sehr Recht, wenn man sie – wo noch nicht geschehen – von dieser Bürde befreien würde. Allerdings sollte das Gymnasium seine Leistungsanforderungen klar definieren und nicht die Erwartungen mit den Schülern, die aufs Gymnasium gehen, herunterschrauben.

      • Ich stimme beiden Kommentaren zu
        und ergänze, dass sich die klar definierten Leistungsanforderungen auch nicht über die erwünschten Anmeldezahlen definieren sollten. Dies schließt mit ein, dass bei Veranstaltungen zur Schulwahl die Leistungsanforderungen klar genannt werden müssen.

        “… aber der weitaus größere Anteil der Abiturnote, nämlich zwei Drittel, wird durch die Schülerinnen und Schüler in der gesamten Oberstufenzeit erbracht. Hier müssen sie adäquat gefordert und gefördert werden, um gut auf die anschließenden Abiturprüfungen vorbereitet zu sein.“ Da sei noch viel Luft nach oben.”
        “An die Stelle der herrschenden Regelbildungsstandards sollten normative, also von der älteren und verantwortlichen Generation im Konsens gesetzte Mindeststandards für alle Schüler sowie Optimalstandards für besonders leistungsfähige Schülerinnen und Schüler treten.”
        Es ist nicht die Aufgabe von Schule, allen SchülerInnen die Mindeststandards zu vermitteln und dort stehen zu bleiben. In wohl allen Vorgaben steht, die Schülerinnen sollen bestmöglich gefördert werden. Das schließt ein, dass man weit über die gesetzten Mindeststandards hinaus arbeiten kann. Auch würde ich das nicht definieren, weil es m.E. einer Deckelung gleich käme.

        Wenn Frau Lin-Klitzig der Meinung ist, dass da noch viel Luft nach oben sei, wird man daran arbeiten müssen, um eine bessere Vorbereitung auf die Abiturprüfungen erreichen zu können. Aber auch das beginnt nicht mit dem Abitur oder mit der Oberstufe, sondern weit vorher.

        • Wenn das Fundament dieses Hauses aber unter der Verwerfung der geeigneten Ecksteine errichtet wurde, so steht es nicht auf einem sicherem Fundament.

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