dbb-Umfrage zeigt: Bürger verlieren das Vertrauen in den Staat – auch Lehrer betrifft der Ansehensverlust

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BERLIN. „Wir haben besorgniserregende Anzeichen für einen generellen Vertrauensverlust in die Leistungsfähigkeit des Staates in Deutschland.“ So bilanziert Ulrich Silberbach, Vorsitzender des Deutschen Beamtenbundes (dbb) die Ergebnisse einer von seinem Verband in Auftrag gegebenen Umfrage, nach der 61 Prozent der Befragten den Staat bei der Erfüllung seiner Aufgaben für überfordert halten. Das bekommen vor allem Lehrerinnen und Lehrer zu spüren: Ihr Ansehen wird nur noch von 68 Prozent der Bürger als „sehr gut“ eingeschätzt – sieben Prozentpunkte weniger als vor zwei Jahren. Zum Vergleich: Feuerwehrleute kommen aktuell auf 94 Prozent, Journalisten auf 40 Prozent.

Viele Lehrer sind angesichts überbordender Aufgaben frustriert. Foto: Shutterstock

Auf die konkrete, ohne Antwortvorgaben gestellte Nachfrage, mit welchen Aufgaben der Staat derzeit konkret überfordert sei, nennen die Befragten eine Vielzahl von Bereichen – vom Klimaschutz, über die innere Sicherheit bis zur Rente. Am häufigsten dabei genannt: die Bildung. Immerhin 24 Prozent derjenigen, die den Staat für überfordert halten, sind der Ansicht, der Staat sei vor allem mit den Aufgaben in der Schul- und Bildungspolitik überfordert.

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  • Die Leistungsfähigkeit des öffentlichen Dienstes schätzt ein Drittel (34  Prozent) der befragten Bundesbürger aktuell im Vergleich zu den letzten Jahren niedriger ein. Nur relativ wenige Bundesbürger (17 Prozent) meinen, der Staat sei im Vergleich zu den vergangenen Jahren leistungsfähiger geworden.
  • Seit 2011 werden die Befragten im Rahmen der Bürgerbefragung zum öffentlichen Dienst gebeten, verschiedene öffentliche Einrichtungen nach ihrer Wichtigkeit ein-zuordnen und die Arbeit der Einrichtungen anhand von Schulnoten zu bewerten. An Platz eins (neben Polizeistationen und Krankenhäusern): die Schulen. Sie werden von 98 Prozent der Bürger als „besonders wichtig“ genannt.
  • Bei der Bewertung einzelner öffentlicher Einrichtungen schneiden Kitas gut ab (vergebene „Schulnote“ im Mittel: 2,2)  – Schulen nur mittelmäßig (2,7). Schulen sind um einen Notenwert von 0,3 gegenüber 2017 abgerutscht.
  • Im öffentlichen Ansehen kommen „Lehrer“ gegenüber „Studienräten“ besser weg – die Kategorien werden in der Umfrage getrennt erfasst. Während 68 Prozent der Bürger meinen, das Ansehen von Lehrern sei „sehr gut“, meinen das von Studienräten nur 47 Prozent. Erzieher bringen es auf stolze 80 Prozent.

„Die 2019 wachsende Unzufriedenheit mit dem Staat, der Politik, dem öffentlichem Dienst, etablierten Strukturen und Verfahren ist leider logische Konsequenz einer jahrzehntelangen Spar- und Rückzugspolitik, die wir dringend stoppen müssen“, erklärt Silberbach. Um Vertrauen zurückzugewinnen und den Zusammenhalt der Gesellschaft zu verbessern, müsse die „Performance“ des Staates schnell und nachhaltig verbessert werden. Der dbb-Chef betont: „Wir fordern seit Jahren eine angemessene Personalausstattung, bessere Bezahlung und deutliche Schritte hin zu Digitalisierung, Bürokratieabbau und Serviceorientierung. Das würde nicht nur die Bürger- sondern auch die Mitarbeiterzufriedenheit erhöhen.“

“Ansehensverlust von Lehrern wird Engagement in den Schulen nicht gerecht”

Dem VBE-Bundesvorsitzenden Udo Beckmann stößt der Reputationsverlust von Lehrerinnen und Lehrern bitter auf. „Dass das Ansehen von Lehrkräften sinkt, verdanken sie den ungenügenden Gelingensbedingungen an Schule. Tagtäglich dürfen sie die Suppe auslöffeln, welche ihnen die Politik einbrockt.“ Dass die Zustimmungswerte gesunken sind, werde dem tatsächlichen Engagement in den Schulen nicht gerecht. „Zum anderen ist es in Zeiten des Lehrermangels ein fatales Zeichen an Studieninteressierte. Die Politik muss endlich Wort halten. Wir brauchen endlich die Bildungsoffensive, die uns seit Jahren versprochen wird“, sagt Beckmann. Agentur für Bildungsjournalismus

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4 KOMMENTARE

  1. Ich finde das nicht überraschend, weil die Politik seit den Hartz-Reformen gefühlt nichts mehr für die ärmere Hälfte der Bevölkerung getan hat, seit 2015 wird es für diese richtig extrem. Lehrer waren in Deutschland schon immer die Fußabtreter der Bevölkerung, jedoch gleichzeitig den Ideen der Politik auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.

  2. Ob der Beamtenbund gut beraten ist, mit solchen Umfrageergebnissen an die Öffentlichkeit zu gehen, wonach das Image verbeamteter Berufsgruppen immer schlechter wird, inzwischen eine Mehrheit der Bundesbürger deutsche Beamte für bestechlich hält und die meisten Bundesbürger den Öffentlichen Dienst für überfordert ansehen? Da hat ein Verband, der über Nachwuchsmangel klagt, viel Geld dafür ausgegeben, um der Öffentlichkeit den eigenen Ansehenverlust vor Augen zu führen. Da werden sich zukünftig sicher noch mehr junge Leute überlegen, ob sie wirklich Lehrer oder Polizisten werden wollen.

  3. Jetzt nach der kompletten Lektüre der vom Beamtenbund in Auftrag gegebenen Umfrage verstärkt sich bei mir der Eindruck eines klassischen Eigentors. Immer mehr Befragte finden demnach den Öffentlichen Dienst zu teuer und die Staatsbürokratie zu aufgebläht. Die abzuleitende Konsequenz kann ja nur lauten, Beamte schlechter bezahlen und Stellen massiv abbauen …

  4. Naja, so erlebt man es doch aber auch ständig: Die tatsächliche oder vermeintliche Ohnmacht des Staates vor Gesetzes- und Regelbrechern. Ob nun in der Schule oder in der Kriminalität des Alltags. Staatliche Organe trauen sich immer weniger, Regeln und Gesetze durchzusetzen, scheint es, rücksichtslose und egoistische Mitbürger (gleich welcher Nationalität) machen, was sie wollen.

    Den Staat betrachten alle nur als (zu) melkende Kuh: Möglichst wenig Steuern zahlen, möglichst viel verdienen (netto vom Brutto) und möglichst alles vom Staat erstattet bekommen. Das ist doch die Devise der Meisten.

    Ich meine, so geht der Sozialstaat, der soziale Zusammenhalt, das Gemeinschaftsgefühl zugrunde!

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