Humboldts Vermächtnis gegen rassistische Ausgrenzung gewürdigt

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BERLIN. Als Naturforscher und Gegner der Sklaverei war Alexander von Humboldt seiner Zeit voraus. Zu seinem 250. Geburtstag steht sein Vermächtnis auch für den aktuellen Kampf gegen Rassismus.

Mit Blick auf aktuellen Rassismus auch in Deutschland ist zum 250. Geburtstag Alexander von Humboldts das humanistische Erbe des Wissenschaftlers und Universalgelehrten gewürdigt worden. «Sein Vermächtnis ist aktuell wie eh und je leider auch angesichts rassistischer und nationalistischer Ausgrenzung», sagte Kulturstaatssekretärin Monika Grütters (CDU) am Samstag in Berlin während des Festaktes «250 Jahre jung!» im noch unfertigen Humboldt Forum.

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Alexander von Humboldt auf einem Gemälde von Friedrich Georg Weitsch (Alte Nationalgalerie Berlin). Foto: Karin März / Wikimedia Commons (Gemeinfrei)

Die Weltanschauung von Humboldts (1769-1859) habe nicht einem geschlossenen Weltbild entsprochen. Er stehe für «die Annäherung an das Fremde» und sei besonders aktuell «in einer Zeit, in der vielerorts Welten aufeinanderprallen». Humboldt habe «die Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse über das Fremde kultiviert».

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) nannte den gebürtigen Berliner von Humboldt einen «Vordenker der Globalisierung» mit «hellwachem Blick für Gesamtzusammenhänge».

Das Humboldt Forum in einer gut 600 Millionen Euro teuren Rekonstruktion des Hohenzollern-Schlosses soll im September 2020 öffnen. Mit Ausstellungen beteiligt sind Ethnologisches Museum und Museum für asiatische Kunst der Stiftung Preußischer Kulturbesitz sowie das Land Berlin und die Humboldt-Universität.

Miruna Achim, Humboldt-Expertin und Professorin an der Universidad Autónoma Metropolitana in Mexiko, blickte in ihrem Festvortrag auch auf die Zukunft der neuen Berliner Einrichtung: «Wir freuen uns voller Neugier auf das Humboldt Forum als einen Raum, in dem Themen öffentlich gemacht und dazu viele Standpunkte zusammengebracht werden.»

Mit Blick auf den Forschungsreisenden von Humboldt sieht Hartmut Dorgerloh, Generalintendant des Humboldt Forums, seine Einrichtung auf einer «Expedition ins Unbekannte». Es gehe darum, Bildung und Vermittlung, künstlerische Fragen und Ausstellungen im humboldtschen Geist zusammenzubringen und dabei «die Lust am Experimentieren zu behalten».

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Auch am Samstag öffnete das Humboldt Forum seine Baustellenpforten vorübergehend für die Öffentlichkeit und präsentierte sich im westlichen Teil des 40 000 Ausstellungsquadratmeter umfassenden Kolosses im Herzen Berlins. Zwei Ausstellungen blickten unter zeitgenössischen und historischen Perspektiven aus Lateinamerika auf von Humboldts Arbeiten. Zudem drehten sich Podiumsgespräche und eine Live-Schalte zwischen Berlin, Bogotá in Kolumbien und dem russischen Nowosibirsk um heutige Aktualitäten der Erkenntnisse des Universalgelehrten.

Die Geburtstagsfeier hatten das Goethe-Institut und das Humboldt Forum gemeinsam organisiert. Für die Zukunft haben beide Organisationen eine langfristige Zusammenarbeit angekündigt. Das Goethe-Institut ist mit seinen 157 Einrichtungen in fast 100 Ländern für interkulturelle Beziehungen der Bundesrepublik zuständig. (dpa)

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31 KOMMENTARE

  1. Es ist schon lustig, wie jede der alten Berühmtheiten als Vorbild für die derzeit gängige Agenda eingespannt wird. Nun war Humboldt also gegen Rassismus. Sonst können “wir” ja mit seinem Bildungsideal nichts mehr anfangen.

  2. Tatsächlich dachte Wilhelm von Humboldt auch über die staatsbürgerlichen Rechte der Juden fortschrittlich, siehe Wikipedia unter “Preußisches Judenedikt von 1812”. Allerdings erwartete er im Gegenzug eine Art von kultureller Assimulation. Das ist dort näher beschrieben. Das Ausbleiben dieser Assimilation veranlasste später H. v. Treitschke zu dem berüchtigten Spruch: “Die Juden sind unser Unglück.” Das meinte er aber nicht im Sinne der Nazis (die haben den Spruch nur missbraucht), sondern ebenso wie Humboldt: Die Sonderstellung der Juden und ihr “Nationalcharakter” seien ein unerwünschtes Hindernis für das, was wir heute Integration nennen. Man fühlt sich an die heutige Zuwanderung von Muslimen erinnert. Humboldt würde auch da eine kulturelle Assimilation erwarten (bei Beibehaltung der als privat aufgefassten, aber nicht sonderlich wichtig genommenen Religion), genau das, was Erdogan für ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit hält. So unterschiedlich sind die Einschätzungen. Auch trat W. v. Humboldt (vor 200 Jahren!) für die Trennung von Staat und Kirche ein und für die Möglichkeit der Bürger, ihre Religion selbst zu wählen. Beides lehnen islamische Autoritäten noch heute ab.

    • Ergänzung: Bei den Juden war es aber wohl so, dass sie deutlich leistungsfähiger waren als die einheimische Bevölkerung, insbesondere im mathematischen Bereich. Wie man das diskriminierungsfrei mit dem heutigen Vokabular erklären möchte, weiß ich nicht.

      • Vielleicht, in dem Sie mal aufhören, rassistische Klischees zu verbreiten – vom gut rechnenden (weil reichen) Juden, dem schnell rennenden Schwarzen, dem dummen Araber…

        “Humboldts Haltung enspricht genau meiner” – das ist ein echt guter Witz. Humboldt war Forscher und wollte Erkenntnisse gewinnen.

        • Kulturelle Assimilation, Religion als reine Privatsache und von untergeordneter Rolle, strikte Trennung von Staat und Kirche sind doch genau die Sachen, die ich fordere und deren Nichteinhaltung ich insbesondere bei konservativen Muslimen kritisiere.

          In einer Sache gebe ich Ihnen recht: Ich bin kein Forscher, ich möchte Erkenntnisse aus meinem Fachgebiet an möglichst interessierte und nicht überforderte Schüler weitergeben. Leider stehen die Rahmenbedingungen dem derzeit entgegen.

          • Dann wechseln Sie doch den Job. Hab’ ich auch schon mal gemacht, als ich mit Arbeitsbedingungen unzufrieden war. Kommt bei vielen Arbeitnehmern vor…

          • @ xxx: “…ich möchte Erkenntnisse aus meinem Fachgebiet an möglichst interessierte und nicht überforderte Schüler weitergeben. Leider stehen die Rahmenbedingungen dem derzeit entgegen.”
            Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, wie man im Unterricht bzw. durch Unterricht das Interesse von Schülern wecken kann? Sicherlich nicht durch Überforderung der Schüler, was aber nicht bedeutet, dass man die fachlichen Ansprüche reduzieren muss. Auch im Mathematikunterricht werden Schüler unterrichtet und nicht lediglich Fächer.

          • Die fachlichen Ansprüche werden mit jeder Lehrplanänderung reduziert, ab 2021 beispielsweise durch Schreibzeitverlängerung bei gleichem Inhalt. Die Bestnoteninflation ist doch die Bestätigung davon.

            Von einer Studierbefähigung oder dem Humboldtschen Ideal habe ich mich schon längst verabschiedet, mit dem Teaching to the Zentralabitur haben meine Grundkurse schon genug zu tun.

          • Ich gebe Ihnen recht, xxx. “Die fachlichen Ansprüche werden mit jeder Lehrplanänderung reduziert”.

            Außerdem bedaure ich, dass Ihnen ständig rassistische Klischees vorgeworfen werden, wenn Sie auf Tatsachen verweisen.
            Ich habe schon viele Kinder von Migranten unterrichtet. Es ist einfach Fakt, dass z. B. Kinder aus Japan, Südkorea, China oder auch Südamerika in der Regel erheblich weniger Schulprobleme haben als Kinder aus z. B. afrikanischen Staaten.
            Muss man diese Beobachtung leugnen, um vor rassistischen Vorwürfen sicher zu sein?

          • Nein, aber man sollte als Lehrkraft schon mal etwas von Umständen gehört haben, die zu Lernproblemen führen können.

            Die Herkunft, die Hautfarbe oder die Schuhgröße ist keine Ursache für Lernprobleme – das soziale Umfeld, in dem Kinder aufwachsen, schon. Kinder aus Japan, Südkorea oder den Niederlanden finden sich nunmal deutlich seltener in sozialen Brennpunkten wieder als Kinder afrikanischer oder arabischer Herkunft.

            Ist Ihnen vielleicht schon mal aufgefallen…

          • Testet eigentlich irgend jemand mal soziale Kompetenzen von (angehenden) Lehrern, bevor man sie auf Kinder loslässt?

            Wie sich manche hier öffentlich präsentieren, ist zum Gruseln.

            Vielleicht sind Sie ja auch das Problem, Sabine – so voll mit Vorurteilen, dass bei Ihnen afrikanische Kinder sowieso keine Chance bekommen.

          • @Bernd
            Es ist doch klar, das alles seine Ursachen durch Umstände hat. Das wissen sogar die Lehrer.
            Dennoch darf (und muss) man doch erst einmal auf Faktenlagen verweisen, ohne gleich gescholten zu werden.

            @Anna
            Was soll ich zu dieser Schimpfkanonade noch sagen?

          • @ Anna, testet eigentlich irgendjemand mal soziale Kompetenzen von (künftigen) Eltern, bevor man sie auf Kinder loslässt?

          • Das Problem ist, dass in den zentralen Prüfungen soziale Kompetenzen der Lehrkräfte genauso wenig abgefragt werden wie soziale Probleme der Schüler. Darin geht es trotz Kompetenzorientierung noch hauptsächlich um Wissen und Können. Beim Wissen können Lehrer unterstützen, beim eigentlichen Erwerb, beim Training und beim Festigen sind Lehrer auf die Kooperation der Schüler angewiesen.

            Sozialistische Gleichmacherei hat noch nie funktioniert, wie das Beispiel der DDR eindrucksvoll zeigte. Wieso Anna, Bernd und Gerd Möller das wieder anstreben, verstehe ich ehrlich geschrieben nicht.

          • Der Pädagoge Dr. Peter Petersen hat sich nach seinen Aufenthalten in Townships Südafrikas und in Detroit/ USA ähnlich abfällig über die Schulleistungen von Menschen mit afrikanischen Wurzeln geäußert.
            Das war in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts.
            Sind wir denn heute kein bisschen weiter als damals.
            Das, was wir sind , verdanken wir im Wesentlichen unserer sozialen Umgebung, die uns befördert oder hemmt.

          • Ist es abfällig, lieber AvL, wenn wir an unserer Schule vermehrt Probleme mit albanischen, afghanischen und auch nordafrikanischen Schülern im Vergleich zu anderen Migrantenkindern feststellen und diese auch zur Sprache bringen?
            Unsere Beobachtungen sind nun mal da. Wird diesen Kindern denn geholfen, wenn wir ihre Schwächen verschweigen, um ja nicht in die Nähe von Peter Peterson gerückt zu werden?
            Und handelt es sich um humanitären Fortschritt, wenn wir aus Angst vor Rassismus-Verdächtigungen lieber Defizite dieser Kinder im Sozialverhalten und anderen Lernbereichen unter den Teppich kehren?
            Wie sollen Lehrer denn aufmerksam machen auf die Schwierigkeiten von und mit Kindern aus bestimmten Regionen, die zur Behebung besondere Hilfe und Zuwendung brauchen? Sich in Stillschweigen hüllen und mit purer Teilnahme am Regelunterricht zufrieden geben, schützt einen selbst zwar vor Rassismus-Vorwürfen, wird aber diesen Kindern kaum weiterhelfen und zudem die Lehrer überfordern.
            Sieht so der gewünschte Fortschritt eines Jahrhunderts nach Peter Peterson aus, den Sie vermissen?

          • Es ist eine ungeheure Vermessenheit der Presse, die Leser nicht aufklären zu wollen. Vorurteile kann man nicht abbauen, wenn der Bevölkerung Informationen vorenthalten werden, sie werden dadurch eher verstärkt. Wenn die Vorurteile statistisch belegt sind, dann sind es keine und müssen noch deutlicher angesprochen werden.

          • Wer unter schwierigen sozioökonomischen Verhältnissen mit einer geringen häuslichen sprachlichen Förderung, wie etwa dem fehlenden regelmäßigen Vorlesen in der jeweiligen Sprache, einer fehlenden schulischen Unterstützung von zu Hause und einer fehlenden elterlichen Erwartungshaltung bezogen auf Schulleistungen aufwächst, der hat es in der Tat schwerer als bildungsnahe erzogene Kinder.
            Der Bezug der schulischen Schwierigkeiten zur ethnischen Herkunft ist falsch. Und es spielt auch die Hautfarbe keine Rolle, denn schließlich hängt auch das Bildungsniveau der Geflüchteten von den Beweggründen ihrer Flucht ab, so dass politische Flüchtlinge mit einem höheren Bildungsniveau, wie etwa aus dem Iran und der Türkei, wohl auch ein höheres Bildungsniveau haben, als dieses bei Kriegs- und Armutsflüchtlingen aus Afrika, Syrien oder dem Irak zu erwarten ist und auch der Fall ist. Das ist statistisch nachgewiesen.

          • Dann werden Sie doch mal konkret, Sabine – welche Probleme haben Sie denn in Ihrer Schule mit albanischen, afghanischen und nordafrikanischen Schülern, die andere Migrantenkinder nicht bereiten?

          • Bernd, das wissen Sie doch ganz genau und verklären es immer als “schwierige Ausgangslage”, “Heterogenität”, “Integrationsproblematik” o.ä.

            Seltsamerweise scheinen die Japaner trotz gleich guter oder schlechter Integration wie die von Ihnen genannten Herkunftsregionen im Schnitt weniger Probleme zu machen.

          • Auf welche Schule in Deutschland gehen denn sowohl japanische als auch nordafrikanische Kinder? Japanische Familien leben bekanntlich in der Regel nicht in sozialen Brennpunkten, weil die bei japanischen Firmen in Deutschland arbeiten und gutes Geld verdienen. Und deren Kinder gehen meist auf japanische Privatschulen – sind also herzlich wenig integriert.

          • Gilt es, Problemkindern zu helfen oder Probleme anzuzweifeln oder kleinzureden?
            Ich habe noch nie gehört, dass Schwächen geringer geworden sind durch Ignorieren, sondern nur durch Aufdecken, Wahrnehmen, darüber Reden und gezielt Entgegenwirken.
            Wer verharmlost und beschönigt, lässt die Kinder im Stich.

          • Bernd, natürlich sind die Japaner nicht integriert, aber deren schulische Leistungen sind erheblich besser als die der Deutschen, Nordafrikaner, Araber, Türken usw.

            Und nein, das liegt nicht am Bildungsniveau der Eltern, weil ich kürzlich einen Artikel über die mangels Kriminalität unterforderter tokioter Polizei gelesen habe. In Tokio gibt es garantiert auch viele Millionen Menschen ohne Hochschulabschluss.

          • Anna, mit Problemkinder sind Kinder mit Problemen gemeint, man nennt sie auch Risikoschüler. Das wissen Sie ganz genau.

        • Und wo bleiben jetzt die Schilderungen konkreter Probleme an Ihrer Schule, Sabine?

          Vielleicht haben Sie ja auch Erhellendes beizutragen, xxx, statt immer nur die Parolen der AfD nachzubeten. Berichten Sie doch mal von Ihren konkreten Problemen mit Schülern aus Nordafrika an Ihrem Gymnasium.

          • Wie wäre es hiermit: Sabine arbeitet an einem Schulzentrum. Sie führt Pausenaufsichten und unterhält sich mit Kollegen der anderen Schulformen.

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