Lehrer zeigt sein SS-Tattoo auf Schulveranstaltung – ins Schulamt strafversetzt

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POTSDAM. Ein Lehrer mit rechtsextremen Tattoos ist an einer Oberschule im brandenburgischen Hennigsdorf aus dem Lehrdienst genommen worden. Er sei ins Schulamt versetzt worden, teilte das Landesbildungsministerium in Potsdam mit. Zudem leitete die Staatsanwaltschaft strafrechtliche Ermittlungen ein.

Die Kündigung wird die Gerichte noch weiter beschäftigen. Foto: Carlo Schrodt / pixelio

Ins Kollegium der Oberschule – ausgerechnet einer „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ – soll der Mann als Quereinsteiger gekommen sein. Den Angaben nach hatte es im Sommer vergangenen Jahres erste Hinweise auf rechtsextreme Tattoos des Lehrers gegeben. Da war laut einem Bericht der „Märkischen Oderzeitung“ bekannt geworden, dass er während einer Schulveranstaltung an einem See zwei Stunden mit freiem Oberkörper zu sehen war.

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Fotos, die der Zeitung vorliegen, zeigen auf der Brust drei Nazi-Symbole und Schriftzüge. Auf dem Bauch ist der Schriftzug „Meine Ehre heißt Treue“ zu lesen. Das war der Wahlspruch der Schutzstaffel (SS). In Deutschland ist der Spruch das Kennzeichen einer verfassungswidrigen Organisation und damit strafbar. Laut einer Prüfung durch den Staatsschutz seien die Tattoos „zweifelsfrei der rechten bis rechtsextremen Szene“ zuzuordnen, so erklärte dann auch das Ministerium.

Fristlose Kündigung des Lehrers wurde vom Gericht kassiert

Dem Lehrer wurde laut Bildungsministerium im Februar fristlos gekündigt. Die Gerichte widersprachen der Entscheidung jedoch – aus welchen Gründen, teilte das Ministerium zunächst nicht mit. Es ging in Berufung. Außerdem ermittle die Staatsanwaltschaft Neuruppin gegen den Mann. Der Kündigungsstreit sei noch nicht rechtskräftig entschieden. Bis zum Abschluss muss das Schulamt Neuruppin den Mann weiter vertragsgemäß beschäftigen.

Allerdings gibt es laut „Märkischer Oderzeitung“ Merkwürdigkeiten in dem Fall. Denn im Schulamt sei der Mann zunächst ausgerechnet im Bereich „Migration“ eingesetzt worden. Dort war er dann unter der telefonischen Durchwahlnummer “88” zu erreichen. Die Zahl gilt unter Neonazis als getarnter Hitlergruß. Aus dem Staatlichen Schulamt hieß es laut Bericht zur Begründung: “Herrn K. wurde vom Schulamt seinerzeit das letzte freie Büro zugeteilt, das auch vorher bereits die Durchwahl 88 hatte. Das Schulamt hat die Telefonnummer dann geändert.“ Dass er mit dem Fachbereich „Migration“ betraut wurde, habe personelle Gründe gehabt: Dort habe es einen Engpass gegeben.

Mittlerweile – nach öffentlicher Berichterstattung – wurde der Mann in den Bereich “Konzeptionsentwicklung für Fachdidaktik/Fortbildung” versetzt. News4teachers / mit Material der dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

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4 KOMMENTARE

  1. 88 als Durchwahl? Wegen Engpässen?
    Im Bereich Migration eingesetzt.
    Ach so.
    Scheint so, als wären da noch so der einige oder andere Sessel falsch besetzt und nicht nur der Lehrer falsch im Bildungsbereich.
    Sorry, aber wer in Bildungsverwaltung arbeitet, bei dem muss vorher sicher sein, dass man sich er Bedeutung seines Arbeitsbereich im Klaren ist.
    Das ist hier nicht fer Fall – offenkundig.

  2. Ich finde es ein Skandal, dass ein solcher Lehrer an eine Schaltstelle (Schulamt) “hoch”versetzt wird. Dass das überhaupt in einem Bundesland möglich ist, macht mich sprachlos.

  3. Das mutet wirklich heftig an! Solange jedoch keine strafrechtlich relevanten Taten/Dinge nachgewiesen werden können (Verbot verfassungsfeindlicher Symbole), kann eben auch nicht gekündigt werden, nur weil uns eine Gesinnung so überhaupt nicht passt. (Mir in diesem Falle auch nicht.)

    • Da die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen hat, sind hier womöglich doch strafrechtlich relevante Dinge im Spiel. Und in diesem Fall verstehe ich nicht, wieso eine fristlose Kündigung nicht möglich ist.

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