Lehrermangel: Viele Lehrer müssen fachfremd unterrichten

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SCHEWRIN. Das Land Mecklenburg-Vorpommern hat Schwierigkeiten, seinen Bedarf an Lehrern zu decken. Nun zeigt sich, dass Pädagogen zudem häufig in Fächern zum Einsatz kommen, für die sie gar nicht ausgebildet sind.

90 Prozent der Lehrkräfte in Grundschulen sind weiblich - und damit finanziell benachteiligt. Foto: Shutterstock
Fachfremd zu unterrichten, ist für Lehrerinen und Lehrer eine Herausforderung. Foto: Shutterstock

An den Schulen in Mecklenburg-Vorpommern wird der Unterricht zu großen Teilen von Lehrern ohne nötige Fachausbildung erteilt. Vor allem Sport, Musik und Kunst werden häufig von Lehrkräften unterrichtet, denen die jeweilige Lehrbefähigung fehlt. Wie aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Landtag hervorgeht, unterrichteten im vorigen Schuljahr 1066 Lehrer das Fach Kunst, ohne eine Ausbildung dafür erhalten zu haben. Im Fach Sport waren 731 Pädagogen fachfremd eingesetzt, in Musik waren es 609.

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Vor allem an den etwa 240 Grundschulen im Land fehlt den Angaben zufolge häufig Fachpersonal. So gaben dort 320 Lehrer Sportunterricht, obwohl sie keine Sportlehrer waren. Musik unterrichteten dort gar 475 Lehrkräfte ohne Fachausbildung. Zahlen für das laufende Schuljahr lagen noch nicht vor.

Überzogene fachliche Anforderungen im Lehramts-Studium?

Linksfraktionschefin Simone Oldenburg macht für den offenkundigen Fachlehrermangel auch die hohen Anforderungen beim Studium verantwortlich. «Lehramtsstudierende, die später die Fächer Sport, Musik und Kunst unterrichten möchten, müssen Aufnahmeprüfungen für Leistungssportler, Starmusiker sowie Picassos ablegen – und fallen reihenweise durch», berichtete die frühere Schuldirektorin. In den naturwissenschaftlichen Richtungen sitzen Lehramtsstudenten mit künftigen Forschern in Vorlesungen und werfen Erhebungen zufolge oft vorzeitig das Handtuch. Die mehrfach angekündigte grundlegende Reform der Lehrerausbildung steht bislang aus.

Durch die zum Teil überzogenen fachlichen Anforderungen und übermäßig anspruchsvollen Aufnahmeprüfungen gingen dem Land jährlich hunderte Lehrkräfte verloren, beklagte Oldenburg. Die Vakanzen an den Schulen müssten dann mit Notbesetzungen gefüllt werden. Zum Teil seien dies Seiteneinsteiger, ohne Aufnahmeprüfung oder gar ohne Lehramtsstudium. «Erneut liefert das Bildungsministerium ein Stück aus dem Tollhaus», sagte Oldenburg. Das Ministerium agiere planlos und an der Realität vorbei.

GEW: Lehrermangel ist größer als bislang angenommen

Das Land hatte nach Angaben von Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) zum Beginn des neuen Schuljahres mehr als 600 Lehrer neu eingestellt. Ein gutes Drittel davon waren sogenannte Seiteneinsteiger, Fachleute ohne reguläre pädagogische Ausbildung, die laut Martin berufsbegleitend qualifiziert werden. Doch hatten Anfang September nur 41 von 220 neu eingestellten Lehrern ohne Lehrbefähigung den Kompaktkurs für Pädagogik absolviert, bevor sie vor die Schüler traten.

Nach Angaben des GEW-Landesvorsitzenden Maik Walm ist der Bedarf an Lehrern größer als bislang angenommen. Bis 2030 benötige das Land 8700 neue Lehrer, als Ersatz für altersbedingt ausscheidende Pädagogen und als Reaktion auf wachsende Schülerzahlen. Das seien 80 Prozent der jetzt arbeitenden Lehrerinnen und Lehrer, machte der Gewerkschafter die Dimension deutlich. dpa

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Jede 7. Unterrichtsstunde betroffen: Viele Lehrer lehren fachfremd

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5 KOMMENTARE

  1. Es ist schon hart, dass nicht zur Kenntnis genommen wird, dass seit Jahren Stellen in der Lehrkräfteausbildung ABGEBAUT werden (alle anderen Probleme kommen dann noch hinzu). Wo es vor 10 Jahren beispielsweise an einer Universität zwei Professuren für einen Bereich gab, gibt es heute bei deutlich mehr Studierenden höchstens eine Professur – wenn man Pech hat gar keine! Vielleicht sollte man hier endlich mal anfangen!

  2. Zitat: “«Lehramtsstudierende, die später die Fächer Sport, Musik und Kunst unterrichten möchten, müssen Aufnahmeprüfungen für Leistungssportler, Starmusiker sowie Picassos ablegen – und fallen reihenweise durch», berichtete die frühere Schuldirektorin.”

    Auch ein Grund, warum wir vor allem in bestimmten Fächern schon seit vielen Jahren einen Lehrermangel haben!

  3. Die Prüfungen in Musik für GHRS sind zumindest in Niedersachsen durchaus zu schaffen. Wenn man Musik unterrichten will sollte man auch was drauf haben. Wer fachlich nicht fit ist kann später nicht gut Musik unterrichten, so ist es halt. Und eine authentische Musikalisierung/Rhythmisierung ist schon ab der 1.Klasse sehr wichtig. Es geht nicht um das Virtuosentum in den Studiengängen! Aber diejenigen die hier ihre Meinung raushauen haben anscheinend Musik nicht studiert.

    Meine Fächer: Musik/Englisch GHRS

    • Es geht ja erst einmal um die Aufnahmeprüfungen … und die sind zu schaffen… für wen?
      Letztlich muss man sich rechtzeitig informieren, darum wissen und darf den Termin nicht verpassen.
      Meines Wissens muss man vorab Gehörbildung u.a. üben, da es im Unterricht in der Schule, der ja zum Studium befähigen soll, nicht oder nicht genügend aufgegriffen wird. Ist das so?
      Die Musterklausuren, die man im Internet finden kann, scheinen machbar, stimmt. Ob einen ein Musik-Grundkurs oder ein Musik-LK dazu befähigen, kann ich nicht beurteilen.

      Für Kunst muss man vorab eine Mappe abgeben, in der auch bestimmte Inhalte sein sollen. Dabei wird manchmal an Unis betont, dass diese Inhalte NICHT aus dem Unterricht stammen dürfen. Dafür gibt es an Unis eine Mappen-Beratung, aber auch von dieser muss man vorab rechtzeitig wissen, dann nach der Vorgabe erarbeiten und weit vor Studienbeginn und Bewerbungsschluss abgeben. Heutzutage gibt es bei einigen Unis Forderungen bzw. Aufgaben, die im Internet einsehbar sind, bei anderen schlicht den Termin.

      Das ist ein Punkt, warum Akademikerkinder eher an Studienplätze kommen. Fern einer Uni und ohne entsprechende Begleitung durch Menschen, die schon studiert haben, muss man schon selbst sehr gut organisiert sein und sich wirklich frühzeitig selbst kümmern, sonst weiß man darum nicht und würde, trotz Begabung, womöglich ein anderes Fach wählen.
      Für Englisch gibt es z.T. Tests, zum Teil muss man eine bestimmte Note im Abitur nachweisen. Warum genügt das nicht?

      Neben der Aufnahmeprüfung ist die andere Überlegung die generelle Fächerwahl. Da gibt es ständig neue Vorgaben, für die Grundschule verpflichtende Fächer. In Nds. sind dies zurzeit verpflichtend D oder M, was auch sinnvoll ist, da man später als Klassenlehrkraft mindestens eines dieser Fächer unterrichten wird.
      Mit Musik als 1-stündigem Fach an der GS hat man viele Lerngruppen als Fachlehrkraft.
      Setzt die Grundschule auf das Klassenlehrerprinzip, das durchaus Vorteile hat, unterrichten viele Lehrkräfte fachfremd in ihrer Klasse, Musik und Kunst sind häufig dabei, andere Fächer auch. Da man inzwischen nur noch 2 Fächer studiert, davon eines Ma oder D ist, kann man sich nur noch für ein anderes entscheiden … wer Sport nimmt, kann nicht Musik und Kunst nehmen, dazu gibt es noch D/Ma, Englisch, Sachunterricht, Religion, Werken, Textiles Gestalten, für die es z.T. eine Zulassungsbeschränkung, nicht aber eine Aufnahmeprüfung gibt.

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