VBE fordert von Hubig: Unterrichtsversorgung von „100 Prozent mit dickem Plus“

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MAINZ. Trotz einer besseren Unterrichtsversorgung kann in Rheinland-Pfalz nicht jeder erkrankte Lehrer vertreten werden. Die rot-gelb-grüne Landesregierung will aber noch mehr Vertretungslehrer beschäftigen – nach Ansicht des VBE ist das aber nicht genug. Der Lehrerverband fordert eine Unterrichtsversorgung von „100 Prozent mit einem dicken Plus“.

Unter Druck: Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig. Foto: Georg Banek / Ministerium für Bildung Rheinland-Pfalz

Weniger Schüler und mehr Lehrer: Die Unterrichtsversorgung an den Schulen in Rheinland-Pfalz hat sich nach Darstellung des Bildungsministeriums im laufenden Schuljahr weiter verbessert. Damit noch weniger Unterricht ausfalle, werde unter anderem der Vertretungspool im laufenden Schuljahr um 200 auf 1500 Stellen aufgestockt, kündigte Bildungs-Staatssekretär Hans Beckmann (SPD) am Donnerstag in Mainz an. «Die Herausforderungen, vor denen unsere Schulen stehen, werden immer größer.» Daher sei auch mehr Schulsozialarbeit notwendig. Streit gibt es über Unterrichtsausfall.

Die Landesschülervertretung und die Bildungsgewerkschaft VBE, die CDU-Landtagsfraktion und der AfD-Landesvorsitzende Michael Frisch kritisierten, es falle mehr Unterricht aus als in der Statistik ausgewiesen. Die bildungspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Anke Beilstein, sagte, laut einer Studie des Regional-Elternbeirats Koblenz fehlten in Rheinland-Pfalz rund 3000 Lehrerstellen, um nur die Ausfälle an Pflichtunterrichtsstunden in Höhe von mehr als neun Prozent abzudecken. Frisch spricht von durchschnittlich mehr als neun Prozent. «Versteckten Ausfälle», die durch sogenanntes selbstbestimmtes Lernen oder Umorganisation aufgefangen würden, müssten in die Statistik aufgenommen werden, sagte er.

Die sogenannte Stillarbeit werde nicht als Unterrichtsausfall geführt, in der Praxis bereiteten die Lehrer dafür aber oft keine Materialien vor oder die Stunde falle ganz aus, kritisierte Lucas Fomsgaard von der Landesschülervertretung. An den Grundschulen hätten im vergangenen Schuljahr im Durchschnitt 4,75 Prozent der Stunden nicht wie geplant stattgefunden, kritisierte VBE-Sprecher Oliver Pick. «Wir fordern eine Unterrichtsversorgung von 100 Prozent mit einem dicken Plus.»

Die UNTERRICHTSVERSORGUNG beträgt nach Darstellung des Ministeriums im Durchschnitt aller allgemeinbildenden Schulen 99,2 – nach 99,1 im vergangenen Schuljahr. Am besten ist sie an den Grundschulen mit rechnerisch 100,6 (Vorjahr: 100,3). Am schlechtesten kommen die Förderschulen weg (96,5 – wie im Vorjahr).

SCHÜLER: Die Zahl aller Schüler an allgemeinbildenden Schulen ist im Vergleich zum vergangenen Schuljahr leicht gesunken, um 1200 (0,3 Prozent) – auf knapp 409 200. Gegen den Trend verzeichnen die Grundschulen ein Plus von 1,0 Prozent oder 1346 Schülern. Noch stärker ist das Plus an den Förderschulen mit 2,5 Prozent oder 370 Schülern. Prognosen zufolge wird die Zahl aller Schüler bis 2021 weiter zurückgehen und danach wieder leicht wachsen.

KLASSENGRÖSSE: Mit rechnerisch 18,5 Jungen und Mädchen sind die Grundschulklassen nach Darstellung des Bildungsministeriums die kleinsten in ganz Deutschland. In einer Klasse in einer Realschule plus lernen durchschnittlich 22,0 Schüler, in einer IGS-Klassse 26,7 und im Gymnasium 25,4 Schüler. Das entspricht in etwa dem Vorjahresniveau. In einer Förderschulkasse sind im Schnitt 9,8 Schüler, etwas mehr als vor einem Jahr (9,7).

LEHRER: Im ersten Schulhalbjahr wurden 1100 Lehrer eingestellt, darunter auch 68 für berufsbildende Schulen. 316 Grundschullehrer und 66 Förderschullehrer waren unter den Neueinstellungen. Wegen des großen Mangels in diesen Berufen können den Angaben zufolge erst zum zweiten Halbjahr Anfang Februar noch einmal 31 Grundschul- und 39 Förderschullehrer eingestellt werden.

ALTER DER LEHRER: Mit einem Durchschnittsalter von 44 Jahren sind die Lehrer dem Bildungsministerium zufolge die drittjüngsten in Deutschland – nach denen im Saarland und Hamburg.

LEHRERAUSBILDUNG: Rheinland-Pfalz ist anders als andere Bundesländer nicht auf schlecht ausgebildete Quereinsteiger angewiesen und zuversichtlich, die bis 2030 benötigten Lehrer selbst ausbilden zu können, wie Beckmann sagt. An der Uni Trier werden vom kommenden 120 neue Studienplatze für Grundschullehrer eingerichtet. Zudem wurden die Wechsel-Möglichkeiten für Lehrer anderer Schulformen verbessert. Die Gewerkschaft GEW fordert an der Uni Koblenz das Lehramt Sonderpädagogik einzuführen, um dem drastischen Mangel an Förderschullehrern zu begegnen.

SCHULSOZIALARBEIT ist eigentlich eine kommunale Aufgabe. Vom Land bekämen die Kommunen aber zehn Millionen Euro pro Jahr für inklusiv-sozialintegrative Aufgaben – auch für Schulsozialarbeit. An den 248 weiterführenden Schulen mit Berufsreife (früher Hauptschulabschluss) fördert das Land rund 210 Schulsozialarbeiter. 46 Schulen haben sich zudem für ein mit 10.000 Euro pro Jahr ausgestattetes Programm beworben, das Schulen mit sozial benachteiligten Kindern unterstützt. dpa

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