Nach Halle: Schulen greifen stärker auf Angebote politischer Bildung zu

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MAGDEBURG. Nach dem Anschlag in Halle erhält die Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt verstärkt Anfragen nach ihren Angeboten. «Die Sensibilität für das Thema ist gestiegen», sagte die stellvertretende Direktorin der Landeszentrale, Cornelia Habisch, in Magdeburg. Es habe beispielsweise 30 Anfragen für ein neues Theater-Angebot gegeben, das als Klassenzimmerstück ab dem Frühjahr das Schicksal eines weiblichen Häftlings in der NS-Zeit in der Strafanstalt Roter Ochse in Halle thematisiere. 10 Vorstellungen seien ausgeschrieben gewesen. «Unsere Ressourcen sind begrenzt», sagte Habisch.

"Arbeit macht frei": Eingangstor des KZ Auschwitz mit dem zynischen Spruch. Foto: Jochen Zimmermann / Wikimedia Commons (CC BY 2.0)
„Arbeit macht frei“: Eingangstor des KZ Auschwitz mit dem zynischen Spruch. Foto: Jochen Zimmermann / Wikimedia Commons (CC BY 2.0)

Die Landeszentrale wolle verstärkt auch mit Partnern zusammenarbeiten, die das jüdische Leben heute thematisieren. Dazu gehöre die Moses-Mendelssohn-Akademie, in der im Mai eine zweitägige Lehrerfortbildung zum Thema Antisemitismus angeboten werde. Je nach Zuspruch werde es Folgeveranstaltungen geben. Habisch betonte: «Das ist für uns kein Konjunkturthema.» Vielmehr handele es sich um eine Daueraufgabe für die Landeszentrale. Mit 16 festen Mitarbeitern hat sie eigenen Angaben zufolge im vergangenen Jahr rund 32.000 Menschen erreicht.

Schülerfahrten zu den ehemaligen deutschen Vernichtungslagern

Eine stetig wachsende Nachfrage habe es in den vergangenen Jahren nach den zu 100 Prozent geförderten Gedenkstättenfahrten gegeben. 2019 nutzten 4300 Schülerinnen und Schüler dieses Angebot. Die Landeszentrale biete im Rahmen eines Bundesprogramms aber auch begleitete Fahrten zu ehemaligen deutschen Vernichtungslagern in Polen und anderen Ländern an. Habisch zufolge ist die Landeszentrale in Gesprächen mit Treblinka mit dem Ziel einer schriftlich fixierten Kooperationsvereinbarung.

Habisch sagte, die historisch-politische Bildung sei wichtig mit Blick auf heute. Sie diene der Stärkung der menschenrechtsorientierten Haltung. Es gehe nicht nur um den historischen Kontext, sondern auch um das Leben vor dem Holocaust und das Leben danach. Die Landeszentrale bemühe sich, Bildungsangebote für alle Schulformen zu unterbreiten.

Seit dem Anschlag in Halle blickt die Landeszentrale für politische Bildung noch genauer auf die Sicherheit bei den öffentlichen Auftritten von Zeitzeugen. «Wir denken nicht nur über Provokationen nach, sondern auch über manifeste Gewalt.» Die Landeszentrale müsse Sorge tragen für die Sicherheit der Überlebenden. Direkte Provokationen seien bislang selten gewesen. Es gebe hin und wieder den Versuch, das Wort zu ergreifen. Nun gebe es eine gute und maßvolle Zusammenarbeit mit der Polizei. dpa

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