Söder will den Numerus Clausus fürs Studium aufs Grundschul-Lehramt streichen

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SEEON. Als langfristige Maßnahme gegen den wachsenden Mangel an Grundschullehrern will Bayern 300 weitere Studienplätze einrichten. «Das bedeutet dann, dass nach den Einschätzungen von Kultus- und Wissenschaftsministerium der NC wegfallen wird», sagte Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder am Dienstag bei seiner Ankunft auf der CSU-Landtagsfraktionsklausur im oberbayerischen Kloster Seeon. Unter Numerus clausus, abgekürzt NC, versteht man eine Zulassungsbeschränkung an Hochschulen und Universitäten.

“Absurde Situation”: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Foto: Michael Lucan, Wikimedia Commons, Lizenz: CC-BY-SA 3.0 de

Vergangene Woche hatte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) als kurzfristige Maßnahme gegen Unterrichtsausfälle erklärt, dass viele Grundschullehrer in Bayern vorerst eine Stunde pro Woche mehr unterrichten sollen. Dies hatte viel Kritik hervorgerufen (News4teachers berichtete). Der größte bayerische Lehrerverband BLLV reagierte umgehend: Man lehne die Pläne strikt ab, die Maßnahmen seien kontraproduktiv und demotivierend – und der BLLV werde «massiven Widerstand» leisten. Die GEW zeigt sich gleichermaßen empört.

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Söder betonte nun, dass er den Schritt des Kultusministeriums unterstütze. «Unsere Sorge ist einfach, würden wir nicht diese Maßnahme treffen, dann droht Unterrichtsausfall zum Schuljahresbeginn oder riesige Klassen», betonte Söder. Beides sei nicht im Interesse der Eltern und Schüler in Bayern. Auch die Einstellung fachfremder Lehrer ohne pädagogische Ausbildung – wie in anderen Bundesländern üblich – sei für Bayern keine akzeptable Lösung.

«Im Moment haben wir die absurde Situation, dass wir einen Bedarf an Lehrern haben und zugleich einen Numerus clausus», sagte Söder. An der Ludwig-Maximilians-Universität München etwa lag die Notengrenze im laufenden Wintersemester bei 2,9. Dort kamen 1062 Bewerber auf 452 Studienplätze.

Diese absurde Situation gelte es nun zu beheben, so Söder, da bereits jetzt eine leichte Unterversorgung gegeben sei und diese in den kommenden Jahren noch weiter anwachsen werde. «Die beste Möglichkeit hier vorzusorgen ist es, den NC abzuschaffen, indem wir die Zahl der Studienplätze nochmal um 300 erhöhen.» Die bisherige Planung der Staatsregierung sah 700 neue Studienplätze für Grundschullehrer vor.

Schülerzahl wegen Zuzug nach Bayern schwer vorhersagbar?

Den Lehrermangel begründete Söder damit, dass durch den Zuzug nach Bayern die Zahl der Schülerinnen und Schüler schlecht vorherzusagen sei. Bis einschließlich 2023 prognostiziert die KMK bundesweit eine sehr große Lücke von insgesamt rund 12.400 fehlenden Grundschullehrern. Sie spricht bis dahin von einer “sehr angespannten Situation”. News4teachers / mit Material der dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

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1 KOMMENTAR

  1. Wie sieht es aber mit mit dem Personalschlüssel aus? Gibt es zusätzliche Stellen, wenn mehr Stud. aufgenommen werden sollen (was ja wichtig wäre)? Ich habe gerade mal nachgeschaut. An der LMU München, Bereich Deutschdidaktik/DaZ gibt es drei Professuren (davon ist ein Prof. gerade im Forschungssemester). Keine dieser Professuren ist ausgewiesen für den grundlegenden Lese- und Rechtschreiberwerb (sondern Narrativität, Sprachentwicklung usw.). Wenn der NC wegfällt, dann gibt es keine weitere Entlastung. Es werden einfach ein paar preiswerte Lehraufträge vergeben und das wars dann. Wenn das nicht traurig ist! So sieht Qualität nicht aus!

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