Spanischlehrer ausbilden, obwohl MINT-Lehrer fehlen? Streit um Fächer-Vorgaben für Studenten

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MAGDEBURG. Der Lehrermangel in Deutschland betrifft zwar vor allem die Grundschulen. Händeringend gesucht werden Pädagogen aber auch für andere Schulformen – vor allem für die sogenannten Mangelfächer. Sachsen-Anhalt etwa braucht mehr Lehrer vor allem für die Sekundarschulen, für Hauptfächer und Naturwissenschaften. Sollten die Universitäten deswegen noch mehr Nachwuchskräfte ausbilden – und: Soll ihnen die Wahl der Fächerkombinationen vorgeschrieben werden?

Soll Lehramtsstudenten künftig die Richtung vorgegeben werden? Illustration: Shutterstock

Im Kampf gegen den Lehrermangel in Sachsen-Anhalt hat sich Wissenschaftsminister Armin Willingmann gegen eine weitere Erhöhung der Studienplätze ausgesprochen. Zuletzt seien zum zweiten Mal 1000 Erstsemesterplätze in Magdeburg und Halle angeboten worden, sagte der SPD-Politiker im Gespräch. «Bei 5000 Abiturienten pro Jahr ist es eine Tatsache, dass das sehr, sehr viele Plätze sind.» Eine weitere Erhöhung würde nur bewirken, dass Plätze frei blieben.

Zudem müsse bedacht werden, dass der Lehrermangel nicht endlos anhalte und ein Lehramtsstudium viele Jahre dauere. Zuvor hatte bereits Bildungsminister Marco Tullner (CDU) gesagt, dass 1000 Erstsemesterplätze «ein gutes Level» seien. «Jetzt aber ist die Fächersteuerung das A und O», sagte Tullner in einem Interview der «Magdeburger Volksstimme».

Hoher Lehrer-Bedarf bei Naturwissenschaften und in den Hauptfächern

«Wenn 50 Spanischlehrer ausgebildet werden, ich aber nur 10 brauche und gleichzeitig Lehrer in Mint-Fächern oder Deutsch fehlen, kann ich nicht zufrieden sein», verwies der CDU-Politiker auf den hohen Bedarf bei Naturwissenschaften und Hauptfächern. Vor allem die Uni Halle sei in dieser Frage zu unflexibel.

In der Vergangenheit hatte auch die Opposition im Landtag gefordert, die Ausbildungskapazitäten an den Unis enger darauf auszurichten, in welchen Fächern und Schulformen künftig Personal gebraucht werde. Ändere das Land das nicht, entstehe in fünf bis zehn Jahren ein Mangel, sagte etwa Linken-Fraktionschef Thomas Lippmann.

Wissenschaftsminister Willingmann will keine starreren Vorgaben machen, welche Fächerkombinationen und Schulformen Erstsemester wählen können. Das wirke kontraproduktiv und würde die Zahl der Studienanfänger senken, argumentierte er. Stattdessen sollten Beratungen helfen, die Studienanfänger auf Bedarfsfächer zu lenken.

Mit zwei “Exotenfächern” gibt es womöglich keine Lehrerstelle

Es müsse jedem klar sein, dass er nur eine Einstellungsgarantie bekomme, wenn er bestimmte Fächer oder Schulformen studiere, sagte Willingmann. «Wer zwei Exotenfächer wählt, muss sich vergegenwärtigen, dass er trotz allgemeinen Mangels möglicherweise keinen Job bekommt.»

Sachsen-Anhalt muss einem Expertengutachten zufolge bis 2030 rechnerisch gut 730 neue Lehrkräfte pro Jahr einstellen, um Altersabgänge und steigende Schülerzahlen auszugleichen. Vor allem für Sekundarschulen wird Verstärkung gebraucht. Gerade für diese Schulform entscheiden sich derzeit aber zu wenige Lehramtsstudenten.

Aktuell ist der Personalmangel an den Schulen allgemein sehr groß, auch in den meisten anderen Bundesländern. Das sorgt für Dauerdebatten, wie sich die Situation am besten entspannen lässt. Bildungsminister Tullner verweist immer wieder darauf, dass es nicht an Stellen fehlt, sondern an Bewerbern. dpa

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Gegen den Lehrermangel: Experten fordern neue Lehrerausbildung – samt Verbeamtung schon von Lehramts-Studierenden

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2 KOMMENTARE

  1. Wer Italienisch und Pädagogik studiert, ist selbst schuld. Das mangelnde Interesse an Sekundarschulen ist der Klientel geschuldet. Beides Folgen der freien Studienplatzwahl. Eine Änderung davon wäre sozialistische Planwirtschaft wie in der DDR.

  2. Es wäre alles recht einfach, wenn die KMK eine zentrale Datenbank hunbekäme, in der jeder Student verpflichtet (!) ist, jedes Semester nach Immattikulation an seiner Hochschule anzugeben, wie lange er noch braucht und ob sich irgendetwas geändert hat (Lehrant/Fächerkombi). Im Gegenzug erfährt er hier, welche Bundesländer in den nächsten X Jahren (Zahl politisch festlegen) ihn brauchen könnten – fürs Ref bzw. Eine Planstelle. Welche Note er braucht und ob es noch was zu beachten gibt (Anerkennungen o.Ä.). Die Datenbank wäre also Phasenbegleitend und bräuchte Schnittstellen zur Uni-Software (es gibt eh nur wenige Anbieter) und zu Gateways der Länder, in denen die Daten abrufbar sind.

    Weiterhin wird in der Datenbank bzw. über die Gateways aufgeschlüsselt, wie viel Gehalt zu erwarten ist usw. Man könnte (!) darüber nachdenken, bei früher Festlegung auf ein BL einen Gehaltsbonus und ein Stipendium zu vergeben – hilft vielleicht gegen den Mangel auf dem Land.

    Das zentrale Problem bleibt ansonsten bestehen: Es reden maximal die Unis mit den Ministerien auf Landesebene, alle planen mit unsicheren Zahlen und die Unis bleiben für die Ministerien Blackboxen (Es fangen X Leute an, aber nur Y werden fertig).

    So eine Datenbank zu betreiben wäre auch nicht sonderlich teuer und sicherlich bedenkt der Vorschlag nicht alle Optionen. Aber vielleicht hilft er bei der Lösungsfindung.

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