Was sich die ostdeutschen Länder gegen den dramatischen Lehrermangel einfallen lassen

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DRESDEN/ERFURT/MAGEDBURG. Kaum Entspannung in Sicht: Die ostdeutschen Bundesländer sind besonders stark vom Lehrermangel betroffen. Auch in den nächsten Jahren werden dort kaum alle freiwerdenden Stellen an Schulen zu besetzen sein – vor allem auf dem Land und für bestimmte Schulformen. Wie ist die Situation kurz vor Beginn des neuen Schulhalbjahres?

Aktuell sind Tausende von Lehrerstellen insbesondere an Grundschulen unbesetzt. Foto: Shutterstock

Wenige Wochen vor Beginn des zweiten Schulhalbjahres drohen zahlreiche Lehrerstellen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen unbesetzt zu bleiben. Vor allem in ländlichen Regionen und für bestimmte Schularten gibt es zu wenige Bewerber. Wie kämpfen die Länder im Osten gegen den Lehrermangel – und gehen die Rezepte auf?

BESONDERE ANREIZE: Seit 2018 versieht Sachsen-Anhalt Stellen, die mehrfach nicht besetzt werden konnten, mit einer Zulage. Zuletzt wurden im Oktober 90 solcher Stellen ausgeschrieben, von denen laut Ministerium ein Drittel besetzt werden konnte. In Sachsen bekommen Lehrer-Anwärter einen Bonus von 1000 Euro monatlich, wenn sie sich verpflichten, nach dem Referendariat fünf Jahre lang auf dem Land zu unterrichten. Dennoch fehlen vor allem auf dem Land Lehrer. «Alle Lenkungsversuche, die jungen Menschen aufs Land zu bewegen fruchten nicht in dem Maße, wie wir uns das wünschen», sagte der Sprecher des sächsischen Kultusministeriums, Dirk Reelfs.

VERBEAMTUNG: Lange hatte sich Sachsen gesperrt, aber seit Januar 2019 können sich Lehrer nun verbeamten lassen. Der Ansturm ist größer als erwartet: Von rund 6600 möglichen Kandidaten haben sich 5500 verbeamten lassen – das entspricht einer Quote von mehr als 80 Prozent. Sachsen-Anhalt dagegen verbeamtet Lehrkräfte bereits seit Jahren und sah das immer als Plus im Wettbewerb mit anderen Bundesländern. Seit neuestem können in Sachsen-Anhalt auch ausgebildete Gymnasiallehrer Beamte werden, die in Sekundarschulen unterrichten. Das Land will damit weitere Stellen an den besonders vom Personalmangel betroffenen Sekundarschulen besetzen. Thüringen hatte im Kampf gegen den Lehrermangel im Jahr 2017 die Verbeamtung von Lehrern wieder eingeführt.

SEITENEINSTEIGER: Anders als andere Bundesländer ist Thüringen beim Thema Seiteneinsteiger bislang eher zurückhaltend. Bis Ende November wurden 99 Lehrer eingestellt, die kein klassisches Lehramtsstudium hinter sich hatten. Ihr Anteil an den Neueinstellungen seit Anfang 2019 betrug damit rund 9,2 Prozent. In den Jahren zuvor lag ihr Anteil im Freistaat jeweils unter fünf Prozent. Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) will die Zahl von Seiteneinsteigern im Freistaat erhöhen, um auf den Lehrermangel zu reagieren. In Sachsen lag der Anteil der Seiteneinsteiger in den vergangenen Jahren schon bei knapp 50 Prozent, im Sommer 2019 betrug er 20 Prozent – und war damit so niedrig wie seit Jahren nicht. Zum 1. Mai 2020 sollen 200 Stellen mit Seiteneinsteigern besetzt werden. Dafür gibt es laut Kultusministerium rund 1400 Bewerber.

In den vergangenen zwei Jahren lag der Anteil der eingestellten Kollegen, die kein klassisches Lehramtsstudium absolviert hatten, in Sachsen-Anhalt laut Ministerium bei etwas unter 20 Prozent. Das Land bietet spezielle Kurse an, um die Seiteneinsteiger für den Job im Klassenzimmer fit zu machen. Am 2. Januar startete ein Kursus mit 50 Teilnehmern, Ende Januar folgt eine zweite Runde mit ebenso vielen Männern und Frauen. Zudem bietet Sachsen-Anhalt an, dass Seiteneinsteiger parallel zum Lehrerjob ihr Referendariat machen, um ein zweites Fach zu unterrichten.

UNBESETZTE STELLEN: In Sachsen werden Lehrer eigentlich überall gesucht – außer in Dresden und Leipzig. In Bautzen sind mehr als 100 Vollzeitstellen zu besetzen, Bewerbungen gibt es nur 44. In Chemnitz kommen auf 185 Stellen gerade einmal 67 Bewerber. Insgesamt sind zum 1. Februar 600 Stellen zu besetzen, dafür gibt es 646 Bewerbungen von ausgebildeten Lehrern – aber vor allem für die Großstädte. Auch Thüringen kämpft seit Jahren mit einem massiven Lehrermangel. Bildungsminister Holter betonte in der Vergangenheit immer wieder, man ziehe alle Register, um mehr Lehrer einstellen zu können. 1200 Lehrer sollten im Jahr 2019 eingestellt werden – 900 Nachbesetzungen und 300 zusätzliche Einstellungen. Ende November fehlten für dieses Ziel allerdings noch rund 120 Pädagogen.

Für Sachsen-Anhalt lässt sich die Zahl der offenen Stellen laut Bildungsministerium nur schwer beziffern. Klar ist, dass derzeit mindestens 1000 neue Kollegen eingestellt werden müssen, um Altersabgänge und steigende Schülerzahlen auszugleichen. Vergangenes Jahr sei das gelungen, hieß es. Bis kurz vor Weihnachten konnten 1118 Lehrerinnen und Lehrer verpflichtet werden. Das Land stellt nahtlos weiter ein. Derzeit sei man mitten im Besetzungsverfahren für 850 Stellen, die im November ausgeschrieben worden waren, sagte ein Ministeriumssprecher. Von den dpa-Korrespondenten

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1 KOMMENTAR

  1. Guten Tag, überall ließt man Lehrermangel auf der einen Seite und auf der anderen Seite muß ich hier ein Bsp bringen,welches unbedingt der Hilfe bedarf.Eine junge alleinerziehende Frau hat das Studium auf sich genommen um mit Freude nach Abschluss an einer Grundschule arbeiten zu können.Das Studium ist lang und schwierig.Sie meistert alle Prüfungen.Durch die Corona Pandemie kann sie ihre geforderte Lehrprobe zum 2.staatsexamen nur in schriftlicher Form leisten.Es gibt keine Durchführung bzw Auswertung.Sie besteht die schriftliche Form nicht.Eigentlich mit Vorfreude und Vorvertrag in der Tasche an einer Grundschule in Chemnitz eingesetzt zu werden,bricht eine Welt zusammen.Doch nicht nur dies,sondern auch das Gefühl alles war umsonst und Zukunftsängste stellen sich ein.Wie kann es sein,dass man Lehrer/Studium ausbildet,braucht,arbeiten lässt und dann doch gehen lässt nur aufgrund dieser vermasselten Lehrprobe,die unter ganz anderen Bedingungen erfolgen musste.Ich hoffe mein Schreiben hier wird gelesen und gehört!! Wer hilft hier weiter und hilft gegen den Lehrermangel …..??!! Danke! Kerstin Franke aus Chemnitz

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