Lorz kündigt verpflichtende Vorschulkurse für Kinder mit Sprachdefiziten an

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WIESBADEN. „Nur wer seine Lehrer und Mitschüler versteht, kann dem Unterricht auch folgen. Deshalb widmen wir uns vor allem in der Grundschule künftig noch stärker der Förderung von Sprache und Schrift“, meint Hessen Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Konkret kündigte er nun an: „Wir ergänzen zum kommenden Schuljahr den Unterricht in der Grundschule um eine Stunde Deutsch, entwickeln unseren Grundwortschatz zum korrekten Erlernen der deutschen Sprache weiter und machen Vorlaufkurse vor der Einschulung ab 2021 für all jene verpflichtend, die Förderbedarf haben.“ Dafür werde die Landesregierung auch Geld – in Form von zusätzlichen Lehrerstellen – in die Hand nehmen.

Will die Sprachförderung verbessern: Hessens Kultusminister Alexander Lorz. Foto: HKM/ Patrick Liste

In der Schule, so Lorz, könne zwar nicht all das aufgefangen werden, was vorher versäumt worden sei. „Schule ist nicht der Reparaturbetrieb der Gesellschaft. Auch Eltern sind gefordert, wenn es darum geht, Kindern wichtige Kompetenzen für ihren schulischen und beruflichen Werdegang zu vermitteln.“ Um die große sprachliche Heterogenität der Schülerinnen und Schüler in den Fokus zu rücken, habe die Landesregierung jedoch einen Schwerpunkt auf die Stärkung der Bildungssprache Deutsch gelegt. Lorz: „Mit unseren Sprachfördermaßnahmen schaffen wir über alle Schulformen und Bildungsgänge hinweg die Voraussetzung, damit Kinder und Jugendliche ihre Potenziale entfalten und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.“

Nachlässigkeit beim Schreiben? Nicht hinnehmbar

Bei WhatsApp auf eine Nachricht zu antworten, ohne großartig über Rechtschreibung und Interpunktion nachzudenken, sei in unserer schnelllebigen Gesellschaft durchaus nachvollziehbar, ergänzte der Minister – offenbar mit Blick auf die Debatte, die Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kreschmann (Grüne) losgetreten hat. Lorz:. „Die damit einhergehende grundsätzliche Nachlässigkeit beim Schreiben ist es aber nicht. Sich gänzlich in die Obhut von digitalen Korrekturprogrammen zu begeben, halte ich deshalb für verfehlt. An einer soliden Rechtschreibausbildung führt auch künftig kein Weg vorbei.“

Kretschmann hatte erklärt: «Jeder Mensch braucht ein Grundgerüst an Rechtschreibkenntnissen, das ist gar keine Frage. Aber die Bedeutung, Rechtschreibung zu pauken, nimmt ab, weil wir heute ja nur noch selten handschriftlich schreiben.» Kretschmann, der früher als Chemie- und Biolehrer gearbeitet hatte, sagte, es gebe ja «kluge Geräte», die Grammatik und Fehler korrigierten. «Ich glaube nicht, dass Rechtschreibung jetzt zu den großen, gravierenden Problemen der Bildungspolitik gehört.»

Förderbedarf auch bei deutschstämmigen Kindern

Das sieht Lorz anders. Förderbedarf zeige sich sowohl bei Kindern aus Familien, in denen überwiegend die Herkunftssprache verwendet werde, als auch bei solchen, die in einem deutschsprachigen Elternhaus aufwüchsen, sagt der hessische Kultusminister. Auch wenn in Hessen schon viel erreicht worden sei, bleibe mit Blick auf den Koalitionsvertrag in den kommenden Jahren noch einiges zu tun. „Die für die zusätzlichen Lehrerstellen notwendigen Haushaltsmittel nehmen wir gerne in die Hand. Denn jedes Kind hat die beste Förderung verdient – und das von Beginn an“, sagte Lorz. Woher er allerdings die nötigen Lehrer nehmen will, ließ er offen: Auch Hessen bekommt schon jetzt nicht mehr alle Lehrerstellen insbesondere an Grundschulen besetzt. News4teachers

Bessere Sprachförderung? Ja, bitte – stattet endlich die Grundschulen dafür aus!

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3 KOMMENTARE

  1. Gute Idee. Woher dann aber sollen die GS-Lehrkräfte kommen? Die fehlen jetzt schon überall.
    Wird die Maßnahme laufen wie DAZ, über befristete 6 Monatsverträge? Oder wird die Maßnahme in die Zuweisung aufgenommen?

  2. Gute Idee.
    Gab es in Niedersachsen auch: Für alle Kinder gleich welcher Herkunft, die Bedarf hatten, gab es 1 Lehrerstunde pro Kind, sodass die Kinder in Kleingruppen gefördert werden konnten.

    Aber der Lehrkräftemangel hat bewirkt, dass zur Verbesserung der Statistik zur Unterrichtsversorgung diese Stunden gestrichen wurden. Die Lehrkräfte übernehmen andere Stunden, die Förderung bleibt vorerst aus.
    Sie soll nun von den Landkreisen selbst neu organisiert werden.

    Mal sehen, was bis zum Erfassen der nächsten Statistik gestrichen wird.

    • leider fehlen auch die Erzieher, die Elektriker, die anderen Handwerker. Sollte das etwas mit der seit Jahren unter 2,1 liegenden Geburtenrate zu tun haben? Hoffentlich gehen uns wenigstens die Paketbot*innen nicht aus!

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