Studie: Ökonomische Bildung entscheidet über Erfolg im Wirtschaftsstudium

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KONSTANZ. Ob die Schule jungen Menschen genügende Kenntnisse wirtschaftlicher Zusammenhänge vermittelt ist heiß umstritten. Eine Studie der Uni Konstanz an Schweizer Schülern liefert nun den Befürwortern einer stärkeren Gewichtung ökonomische Unterrichtsinhalte neue Argumente.

Verbraucherschützer, Wirtschaftsvertreter, aber auch Bildungsfunktionäre und -politiker, zuletzt etwa Lehrerverbandspräsident Hans-Peter Meidinger, klagen schon lange lautstark darüber, dass ökonomischen Unterrichtsinhalten in den Lehrplänen wie in der schulischen Praxis ein viel zu geringer Stellenwert zukomme. Auch von den Universitäten ist zu hören, dass viele Schüler nur noch über mangelhafte Kenntnisse verfügten, was teilweise ein umfangreiches Angebot an Vorkursen vor dem eigentlichen Studium erforderlich mache. Nachdem Wirtschaftswissenschaften zu den meiststudierten Fächern gehören, bringt das auch volkswirtschaftlich einige Kosten mit sich. Diese können sich, wie auch die nicht-monetären Kosten noch einmal potenzieren, wenn junge Menschen ihr Studium ohne Abschluss beenden.

Wer nach der Schule bereits über ökonomische Kenntnisse verfügt, hat es in einem Wirtschaftsstudium leichter. Foto: Adam Grabek / flickr (CC BY 2.0)

Sucht man allerdings nach gesicherten Fakten zur Beantwortung der Frage, inwieweit die Schule junge Menschen auf ein Wirtschaftsstudium vorbereitet wird die Luft erstaunlich schnell dünn, auch wenn die Studienerfolgsprognose in den letzten Jahren zunehmende Beachtung in der psychologischen, sozialen und pädagogischen Forschung erlangt hat. Dennoch stellt sich eher der Eindruck eines Meinungsstreits im luftleeren Raum ein. Mit einer Längsschnittstudie hat nun eine Arbeitsgruppe der Universität Konstanz den Zusammenhang von ökonomischen Basiskompetenzen von Schulabgängern und ihrem Erfolg in einem wirtschaftswissenschaftlichen Studiengang untersucht.

Aufbauend auf einer Studie der Universität Zürich, die von 2011 bis 2016 über fünf Jahre lief, untersuchte das Team um Michael Jüttler die Daten von 538 Schülern an weiterführenden Schulen mit Matura-Abschluss, eine für die Deutschschweiz repräsentative Stichprobe. Kernergebnis: Je mehr ökonomisches Wissen Schülerinnen und Schüler am Ende ihrer Schulzeit besitzen, desto größer ist ihr Erfolg in einem wirtschaftswissenschaftlichen Studium.

Die Wissenschaftler konnten nach eigenen Angaben auf umfangreiche Testergebnisse zum ökonomischen Wissen und Können am Ende der Sekundarstufe II zurückgreifen. Überdies habe die Datengrundlage es erlaubt, Facetten, wie Interesse, Motivation, Einstellung und Werthaltung im Bereich Wirtschaft in die Betrachtung einzubeziehen. Die Ergebnisse hinsichtlich der Wirtschaftskompetenzen hätten sich auch dann als stabil erwiesen, wenn die Forscher sie in Beziehung zu anderen Faktoren setzten, die Einfluss auf den Studienerfolg haben, etwa zu mathematischen, verbalen und kognitiven (Grund-)Fähigkeiten, dem sozioökonomischen Hintergrund und den allgemeinen schulischen Leistungen.

Auch wenn natürlich „Wirtschaftswissen“ allein kein erfolgreiches Studium ermöglichen, wenn andere relevante allgemeine Kompetenzen für ein Studium fehlen, fanden sich in den Studienergebnissen klare Vorteile von Lernenden, die bereits während der Schulzeit über ein höheres Wirtschaftswissen verfügen. Das Ergebnis unterstreiche damit die Bedeutsamkeit einer schulischen ökonomischen Vorbildung für eine Person, die in diesem Bereich studieren möchte. Für Michael Jüttler ein eindeutiges Signal: Das Schulfach Wirtschaft müsse auch in Deutschland ein größeres Gewicht erhalten, so der Konstanzer Wirtschaftspädagoge. Nicht zuletzt sei eine wirtschaftswissenschaftliche Bildung auch relevant für die gesellschaftlich-politische Teilhabe im Sinne eines gebildeten Wirtschaftsbürgertums. (zab, pm)

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1 KOMMENTAR

  1. Mehr wirtschaftliche Themen führen wohl eher dazu, dass es (noch) mehr Studenten der Wirtschaftswissenschaften geben wird und damit auch mehr bessere unter ihnen. Diese Studie ist somit eher wenig aussagend oder sogar trivial. Dieselben Ergebnisse würde eine Studie zu jedem beliebigen Fach liefern.

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