Schüler starten Petition an die Kultusminister zur Absage aller Abitur-Prüfungen

25

Eilmeldung: Schleswig-Holstein will seine Abschlussprüfungen absagen

HAMBURG. Zwei Hamburger Schüler haben angesichts der Corona-Pandemie eine Petition zur bundesweiten Absage der Abitur-Prüfungen gestartet. Stattdessen soll in diesem Jahr jede Schülerin und jeder Schüler deutschlandweit ein sogenanntes Durchschnittsabitur erhalten, heißt in der unter anderem an Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und alle Kultusminister der Länder gerichteten Petition.

Die Schüler halten die Abiturprüfungen derzeit für unzumutbar. Illustration: Shutterstock

Dabei soll ein Durchschnitt der einzubringenden 32 bis 40 Semesterergebnisse der vergangenen vier Halbjahre errechnet und als Abiturnote festgelegt werden. „Bei einer erwünschten Verbesserung der Note kann eine mündliche Leistung in einem der vier bereits gewählten Prüfungsfächer erbracht werden (zum Beispiel per Online-Videocall), und wie in den Vorjahren als mündliche Prüfung mit einberechnet werden“, so schlagen die Schüler vor. Die beim Internetportal «change.org» veröffentlichte Petition haben bis Montagmittag gut 18.000 Unterstützer unterzeichnet.

Viele Schülerinnen und Schüler haben Angst

Aus Sicht der beiden Hamburger Schüler sind Abiturprüfungen für die in diesem Jahr rund 350.000 betroffenen Schülerinnen und Schüler gesundheitlich, psychologisch und gesellschaftlich nicht tragbar. Gesundheitlich, weil ein bei der Prüfung ausgetauschter Stift, ein Berühren des Nachbartisches, die Benutzung der Toiletten reichen könnten, um die Epidemie fortschreiten zu lassen. „Mit Bus und Bahn zur Prüfung und dann mehrere Leute für fünf Stunden in einen Raum packen und hoffen, das sich das Virus nicht weiter ausbreitet? Virologen konnten bereits beweisen, dass das Virus SARS-Covid 19 mehrere Tage auf Oberflächen überleben kann“, so schreiben die Schüler.

Lehrerkalender 2020/21
nicht vergessen!
Varianten anzeigen

Stress in der Abiturvorbereitung? Abiklinik hilft!
Abiklinik bietet neben kostenlosen Impulsvorträgen Lernmaterialien in den Fachrichtungen Mathematik, Biologie, Geschichte und Sport. Foto: Shutterstock

Das von Studierenden gegründete Startup Abiklinik erklärt Schülerinnen und Schülern, worauf es bei der Vorbereitung auf das Abitur ankommt.

Neben kostenlosen Lernplänen in den Fächern Mathematik, Geschichte, Biologie und Sport bietet  Abiklinik mit Lehrkräften erarbeitete Lernmaterialien und Prüfungsvorbereitungskurse für angehende Abiturientinnen und Abiturienten an. Auch individuelle Lernberatungen per Telefon gehören zum Programm.

Hier gibt es mehr Informationen dazu.

Psychologisch, weil viele Jugendlichen Angst hätten. «Unsere Familien geraten in Existenznot und wir mit unseren Prüfungsvorbereitungen mittendrin.» Darüber hinaus seien die Lernbedingungen alles andere als optimal. „Nichts ist wie zuvor. Abgesagte Vorabiklausuren, chaotischer Onlineunterricht, Computer müssen mit Geschwistern und Eltern geteilt werden, ausgefallene PL’s und der fehlende Austausch mit Mitschülern und Mitschülerinnen“, so heißt es.

Petition gilt auch für den Mittleren Abschluss

Aber auch gesellschaftlich würden viele angehende Abiturienten für anderes gebraucht. «Wir beschäftigen kleinere Geschwister, facetimen mit den Großeltern, gehen einkaufen, organisieren Dinge und unterstützen unsere Eltern und Nachbarschaften.» Wenn 350 000 kluge Köpfe neben diesen Aufgaben Zeit für kreative Projekte hätten – beispielsweise die Teilnahme an dem Hackathon der Bundesregierung #WirVsVirus und allem, was daraus folgt – dann nützte das der Gesellschaft in dieser Situation mehr als Abiprüfungen.

In einem „Update“ zur Petition heißt es: „Wir haben viele Anfragen von euch, ob unser Lösungsansatz nicht genauso für ESA und MSA Prüfungen funktionieren könnte, da sich die Schülerinnen und Schüler in der identischen Situation befinden. Wir finden ja: Also erweitern wir hiermit die Petition und kämpfen genauso für einen Durchschnitts-ESA und -MSA (hier werden dann die Noten aus dem ersten und zweiten Halbjahr 2019/2020 zur Errechnung herangezogen) Los geht’s.“ News4teachers / mit Material der dpa

Hier geht es zur Petition.

Prüfungen laufen

Die Abiturprüfungen an Hessens Schulen sind auch nach der Verschärfung der Schutzmaßnahmen wegen der Ausbreitung des Coronavirus fortgesetzt worden. Am Montag standen landesweit Arbeiten in mehreren Leistungskursen auf dem Programm, darunter die Fächer Deutsch, Kunst, Musik, Politik und Wirtschaft sowie Religion und Sport.

Der Krankenstand der Schüler habe zwar etwas höher als in den Vorjahren gelegen, sagte ein Sprecher des Kultusministeriums in Wiesbaden. Es gebe auch Kritik, aber die Mehrzahl der Schüler wolle die Abiturprüfungen weiter schreiben. Am Dienstag sind Arbeiten in den Leistungskursen Latein und Spanisch geplant.

Um das Abitur durchführen zu können, wurde zum Schutz vor Infektionen ein ausreichender Sicherheitsabstand zwischen den Schülern bei den Prüfungen eingerichtet. Die Schulen waren zudem angewiesen, die Prüfungsgruppen so klein wie möglich zu halten, am besten unter zehn Schülern. dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Schleswig-Holstein will Prüfungen für Abitur und Mittleren Abschluss absagen – Zeugnisse auf der Basis der bisherigen Noten

 

Anzeige


25 KOMMENTARE

  1. Liebe Schüler,

    Ja, wir befinden uns in einer neuen Lebenssituation. Ja, wir befinden uns in einer Situation, die für Sie, junge Mitbürger, unbekannt ist und noch nicht erlebbar war. Das macht unsicher und es macht Angst. Daher finde ich es sehr lobenswert, dass Sie sich Gedanken hinsichtlich Ihrer Prüfungen machen. Ich begrüße sehr, dass Sie sich im außerschulischen Bereich sozial engagieren.
    Ich kann Ihnen allerdings auch sagen, dass ich Ihre Petition nicht zielführend finde. Kurz zusammengefasst, erkläre ich auch weshalb.
    1. Schulgebäude bieten genug Platz, um alle Schüler mindestens 2 m auseinanderzusetzen. 2. Desinfektionsgele/Sprays/Seife und Wasser können mitgebracht werden und/oder den Schülern zur Verfügung gestellt werden.
    3. Für Sie persönlich sind lebensbedrohliche Verläufe nahezu ausgeschlossen.
    4. Sie können, falls Sie krank sind, oder sich psychisch nicht in der Lage die Prüfung durchzuführen, ein Attest vom Arzt holen und die Prüfung später absolvieren.
    5. Sie müssen so oder so zwischenmenschliche Kontakte vermeiden.
    6. Keine Extrawürste für Schüler mancher Bundesländer (in Hessen laufen die Prüfungen bereits).
    7. Wenn es danach geht, ob psychologische Faktoren von außen wirken: Ja sie tun es und die Prüfungen wurden aber deshalb nicht abgesagt, obwohl diese in ihrer Tragweite mindestens genau so psychisch belastend waren, Bsp. Amokläufe 11. September 2001 von Erfurt, 20. November 2006 in Emsdetten, 11. März 2009 in Winnenden (nur um mal die hiesigen zu nennen), die Flüchtlingskrise in den letzten Jahren, Erdbeben und Tsunami 2014, MERS 2012, 11. September 2001, Pandemie H1N1 2009/10, Grippewelle 2017/18 mit 25000 Toten in Deutschland.

    MfG Ihr*e Lehrer*in

    • Interessant, dass jemand hier mal eben stellvertretend für alle Lehrer/-innen schreibt. Mich repräsentiert „Grenzgänger“ keinesfalls und ich habe zur Zeit auch Abiturkurse.
      Ich habe eure Petition unterstützt, denn in dieser außergewöhnlichen Ausnahmesituation, die im Gegensatz zu Amoklauf oder dergleichen erstmals alle Lebensbereiche massiv betrifft, müssen pragmatische Lösungen her. Als Biologe gehe ich davon aus, dass länger als nur bis nach den Osterferien Maßnahmen aufrecht erhalten werden müssten. Leider kann ich euch aber aus Erfahrung auch sagen, dass die Bildungsministerien wenig offen für sinnvolle Lösungen sind. Ständig wird irgendein Mumpitz verordnet, den Praktiker sofort als totalen Quatsch erkennen. Pragmatisch wäre z.B. auch die geplante Abschaffung der Abweichungsprüfungen im Abitur vorzuziehen, sodass es jetzt schon greift. Das würde euch Abiturienten auch ein Stück Druck aus dem Kessel nehmen. Ich wünsche euch jedenfalls viel Erfolg und gute Gesundheit!

    • Liebe*r Lehrer*in,

      ich möchte kurz ein paar Ihrer Argumente kommentieren.

      Ich sehe durch aus ein, dass das Infektionsrisiko sehr gering ist. Allerdings ist er noch vorhanden. Viel wichtiger ist meiner Meinung nach, dass wir drei Wochen unterricht verloren haben. Ich sogar vier, da ich die Woche zuvor wegen Krankheit fehlte. Dies ist in Hessen und Rheinland-Pfalz übrigens nicht der Fall, in beiden Ländern wurden die Abiturprüfungen schon vor der Kontaktsperre begonnen. Vielen fehlt dieser Unterricht nun, und dieser kann auch nicht vollwertig ersetzt werden. An meiner Schule werden nur wenig Aufgaben vergeben, z.B. in meinem Mathe LK: unsere Aufgabe lautet Aufgaben von der letzten Stunde zu Ende bearbeiten (die meisten waren schon in der Stunde fertig) und mit den Lösungen abgleichen. Wie soll das richtigen Unterricht ersetzten?! Im Chemie LK wurde sollten wir eine Zusammenfassung über Korrosion und Elektrolyse schreiben, am Mittwoch verschickt, seitdem keine individuelle Rückmeldung, lediglich 20 Seiten abfotografiert aus einem Buch, das war’s. Chats wurden mir bisher noch nicht angeboten. Im 3. und 4. Abiturfach sieht es ähnlich aus. Lediglich in Religion bekommen wir fleißig Aufgaben, toll.

      Aus diesen Gründen können die Abiturprüfungen dieses Jahr zumindest nicht wie gewohnt stattfinden.

      Mit freundlichen Grüßen Ihr*e Schüler*in

    • Die hier gezeigten Kommentaren enthalten alle ein Stück Wahrheit und Argumente die sicherlich zutreffend sind.
      Allerdings ist für mich das entscheidende Argument, dass der Zeitpunkt der gleichen Bedingungen bereits vorbei ist. So sind z.B. In BW die Abiturprüfungen längst geschrieben (glaube ich zumindest). Hier müssen Lösungen gefunden werden, die den einzelnen Situationen annähernd gerecht werden.
      Ein Abitur auf Basis der Vornoten, die 2/3 ausmachen, ist m.E. aussagekräftiger als alle jetzt noch möglichen Varianten in den versch. Situationen.
      Dies könnte man mit einer Art Konfidenzintervall ausstatten.
      Es muss in jedem Fall kurzfristig eine Entscheidung getroffen werden, das war ja sogar bei denOlympischen Spielen jetzt möglich. Und nein, Angst, dass dieses Abi „weniger“ Wert ist sollte keiner haben, und hoffentlich gibt es diese Situation nicht noch einmal!

  2. Ich bin Schüler eines Berliner Gymnasiums. Wir haben nur eine Woche Unterricht verloren, in der sowieso nicht mehr wirklich viel passiert wäre. Manche Schüler kommen immer auf neue Ausreden um sich vor irgendetwas zu drücken. Leider könnten sie diesmal damit Erfolg haben. Außerdem ist mein größtes Problem, dass meine Schule eine der anspruchsvollsten Schulen ist. Prüfungen würden den Durchschnitt von mehr als 90% der Schülerschaft steigern. Wenn ich am Ende deswegen mit einem 1,5er Abi rausgehe, dann denkt jeder: „Der hat ja nichtmal richtige Prüfungen gemacht und trotzdem nur 1,5.“ Also am Ende leiden die Schüler drunter, die an Schulen waren, die auch über den Rahmenlehrplan hinaus gelehrt haben. Und das wäre einfach nur unfair.

  3. Servus,
    Um eines deutlich klarzustellen: Das ist meine Meinung und ich habe nicht für alle Lehrerinnen gesprochen.
    Im Prinzip sollten auch alle Lehrer 4 Wochen vor den Prüfungen mit dem Unterrichtsstoff durch sein. Wer den Schülern 2 Wochen vor den Prüfungen neuen Stoff beibringen will, sollte seine Jahresplanung auf Vordermann bringen.
    Wenn sich Lehrer jetzt nicht zurückmelden zwecks Feedback, so fordern sie es doch ein! Jede Kollegin ist im Dienst und auch auf Umwegen erreichbar.
    Ohne Prüfungen gibt es kein Prüfungszeugnis. Die Prüfungen sind aus epidemiologischer und hygienischer Sicht durchführbar, auch wenn es noch 2 Jahre lang Infektionen mit Corona gibt. Ich sehe keinen gerichtsfesten Grund, die Prüfungen aufgrund von Corona deutschlandweit abzusagen.
    Im Übrigen müssten der Fairness wegen die Noten im Durchschnitt nach unten korrigiert werden, falls, wie in der Petition gefordert, nur die Kursnoten miteingebracht werden, um Abinoten zu generieren (Abiprüfungen sind nämlich meist 2 NP schlechter als die Kursnoten).
    Wenn sich die Schüler psychisch und physisch nicht in der Lage fühlen, eine Prüfung durchzuführen, so müssen sie sich ein ärztliches Attest holen.
    Wenn Lehrer erkennbar den Unterrichtsstoff nicht adäquat vermittelt haben, so steht Ihnen der Rechtsweg offen.

    MfG eine Leherin

    • Zitat: „Abiprüfungen sind nämlich meist 2 NP schlechter als die Kursnoten“

      Da bin ich mir nicht sicher, bzw. lasse mich gerne durch Statistiken vom Gegenteil überzeugen. Ich persönlich halte die Abiturklausuren aus NRW für tendenziell etwas leichter als meine normalen Klausuren.

    • Ich bin Vater von zwei Kindern aus der zwölften Klasse, ein Sohn und eine Tochter.
      Beide sind gut in der Schule, sie sind fleißig und gehen gerne in die Schule. Aber aktuell wären Abiturprüfungen ABSOLUT unverantwortlich. Ein Mitschüler meines Sohns hat seine Großeltern am Virus verloren… Die Gefahr ist real. Meine Kinder haben Angst. Meine Frau hat ein Herzleiden, sie gehört also zur Risikogruppe, ich soll also meine Kinder ins Abitur schicken mit dem Wissen, dass sie ihre Mutter töten könnten? Auch wenn man alle Vorsichtsmaßnahmen ausschöpft bleibt doch ein Risiko vorhanden. Viele Schüler müssen an mehreren Tagen in die Schule um die Prüfungen abzulegen, dabei werden die selben Räume und die selben Toiletten verwendet. Es reicht schon ein kranker Schüler, oder eine kranke Lehrkraft und schon währen Menschenleben in Gefahr. Auch miteinander lernen ist in dieser Zeit nicht möglich, gerade meine Tochter hat immer sehr effektiv mit anderen Mitschülern gelernt.
      Der Unterrichtsausfall dieses Jahr ist auch nicht zu vernachlässigen. Der Sturm Sabine hat den Kindern schon eine Woche Unterricht geraubt, und jetzt noch einmal drei Wochen vor den Osterferien und zwei Wochen danach, wobei die zwei Wochen nach den Osterferien immer für die Abiprüfungen sind und die Kinder dann ausschließlich fürs Abitur lernen.
      Zusammengefasst sehe ich es nicht als fair an das Abitur jetzt einfach durchzuziehen, lieber nimmt man die Noten die man ohnehin schon hat und lässt den Rest einfach bleiben. Nach einem Gespräch mit dem Oberstufen Koordinator kann ich sogar sagen dass die Schüler im Abi in der Regel sogar besser abschneiden als im Unterricht, da die Fächerwahl viel flexibler ist, somit kann man bei einem gestrichenen Abi nicht einmal von einem “Geschenk” sprechen.

  4. Also Grenzgänger: Mein Abi und Studium liegen zwar nun eine Weile zurück aber ich kann den Schülern nur wünschen, nicht einen solchen Lehrer wie Sie zu haben. Schon allein der Satz : „Ich erkläre das Euch mal!“ Haben sie das Gefühl mit Kleinkindern zu sprechen? Dazu kommt ja noch der völlig sinnentleerte Vergleich mit 9/11 oder der damaligen Grippewelle. Die Situation zurzeit ist eine ganz andere!

    • Na, die SuS sollen doch dort abgeholt werden, wo sie stehen. Die Forderung nach Entfall der Abi-Prüfungen ist schlicht kindisch.

      Die Vorleistungen aus Q1 und Q2 sind erbracht. Die Zulassung zum eigentlichen Abitur kann somit rechtmäßig (justiziabel) festgelegt werden. Für die Durchführung der Abiturprüfungen stehen einschließlich des zweiten Nachschreibtermins insgesamt 5 Monate zur Verfügung. Selbst wenn die Abiturprüfungen erst zu Beginn des Schuljahres 2020/21 bzw am Ende der Sommerferien staatfänden, wäre der Start ins reguläre WS 20/21 möglich bzw. der Start in das Ausbildungsjahr 20/21. Die meisten Ausbildungsgänge starten mittlerweile im September eines Jahres, die WS der Hochschulen im Oktober.

      Wenn es eine berechtigte Forderung gibt, dann die, ggf. den Beginn des Ausbildungsjahres 20/21 bzw. den Start ins WS zu verschieben, da die Schulabgänger (m/w/d) ja auch noch Bewerbungen auf Ausbildungs-/Studienplätze plazieren können müssen. Anfertigen können sie diese Bewerbungen bereits schon jetzt, es muss dann nur noch eine Kopie des jeweiligen Abgangszeugnisses beigefügt werden. D.h., die zukünftigen Ausbildungsbetriebe und Hochschulen sollten im Juni die bewerbungen annehmen und die qualfikationsnachweise der letzten beiden Schuljahre verlangen, auf deren Grundlage über Zusage/Absage entschieden werden kann. Die Einreichung des Abgangszeugnisses ist dann nur noch ein formaler Akt. erfolgt dieser nicht, komt das entsprechende Vertragsverhältnis eben nicht zustande.

      Es gibt also noch eine Vielzahl von Optionen, es bedarf keiner leistungslosen Abiturprüfungen.

      PS Bis auf wenige Ausnahmen infolge des G8 sind Abiturienten erwachsene Menschen, die nicht in Watte gepackt werden müssen. Ja, das Leben bzw. die Lebensumstände verlangen einem manches Mal viel ab.

    • Hi Zeitzeuge,

      jede neue Situation in der Zukunft ist eine andere Situation, unbekannt und stellt Herausforderungen. Schüler müssen lernen, auch in solchen Situationen Leistung zu bringen. Wie oben schon erwähnt manchen es sich die Abiturienten in meinen Augen etwas zu einfach (Wenn man die Petition liest sind das sehr allgemeine Formulierungen und vor allem Ängste! Siehe: Ausleihen eines Stiftes.).
      Wieso sind Rückblicke auf außergewöhnliche Ereignisse, die Hunderttausende Menschenleben kosteten, die Krankheiten verbreiteten, die massivste wirtschaftliche Einschnitte im Leben der Menschen hatten, etc. „sinnleer“? Wir haben genau aus diesen Ereignissen gelernt, mit schwierigen Situationen umzugehen. Und schaue ich mir die Petition an, so beschleicht mich das Gefühl, dass die Schüler diffuse Ängste haben, die man allerdings ernst nehmen muss. Allerdings fordern sie in meinen Augen nicht die richtigen Konsequenzen.

      Schaue ich auf mein Bundesland, so sehe ich auf 2 Millionen Einwohner knapp 300-400 positiv getestete Menschen (einem Großteil geht es zumindest so gut, dass sie noch nicht in das Krankenhaus müssen). Ich sehe ein massives Hilfsprogramm der Regierung, was die wirtschaftlichen Existenzen der Menschen im Land im Großen und Ganzen sichert.
      Der Unterrichtsstoff ist behandelt worden, die Lehrer sind startklar. Im Übrigen wollen die Schüler an meiner Schule endlich mit den Prüfungen loslegen!

      Haben sich ALLE Gedanken darüber gemacht, wie wir den externen Prüflingen das Abi abnehmen sollen? Was mit den Prüflingen aus den Waldorfschulen ist? Was mit den Abschlussprüfungen für Berufsausbildungen ist? Die Liste lässt sich beliebig weiterführen.
      Die Prüfungen müssen erfolgen! In welcher Form dies geschieht, darüber kann man reden. Ob das nun eine zeitliche Verschiebung der Prüfungen ist, oder eben nicht, muss jetzt festgelegt werden.

      Was niemanden etwas bringt, sind unklare Vorgaben und unnötige Verschiebungen.

      MfG Chemiker

  5. Ein großes Problem haben alle Waldorfschulen, da dort keine Punkte gesammelt werden. Es zählen nur die Abiturklausuren, die in 4 Fächern (gleiche zentrale Aufgaben wie öffentliche Schulen) geschrieben werden. Danach (im Juni) müssten noch zwei mündliche Prüfungen abgelegt werden.
    Außerdem erfolgt dort die gesamte Vorbereitung auf das Abitur in zwei Schuljahren. Durch den Blockunterricht fehlt manchen SchülerInnen nun ca. 25 Schulstunden in einem Abiturfach. Und natürlich wäre da noch Neues durchgenommen worden.

    • Das stimmt. Vor den Waldorfschülern muss man Hochachtung haben, weil die wirklich von unterem oder mittlerem Gesamtschulniveau Sek I nach 11 Jahren innerhalb von zwei Jahren den Oberstufenstoff lernen müssen. Immerhin werden die Waldorfschüler noch intern geprüft.

      Die Ergänzungsschulen haben übrigens ein noch größeres Problem, weil ebenfalls Konzentration auf die Prüfungen, aber an externen staatlichen Schulen mit unbekannten Prüfern mit unbekannten Anspruchsniveaus.

  6. Ich kann den Stress verstehen, unter dem die Abiturient*innen jetzt stehen, nicht zu wissen, wann es weitergeht, wie es weitergeht usw. – eine ganz blöde Situation. Aber zu verlangen, das Abitur ausfallen zu lassen finde ich, gelinde gesagt, ziemlich daneben. Da gäbe es noch andere Möglichkeiten, nämlich es zu verschieben (das Schuljahr geht noch eine Weile…), was einige BL eh schon gemacht haben oder es unter ganz bestimmten Vorkehrungen stattfinden zu lassen (5 Abiturient*innen in einem Raum, Abstand bei der mündlichen Prüfung usw.) usw. Aber ein nicht gemachtes Abitur bleibt ein nicht gemachtes Abitur. Man könnte niemals sagen: Ich habe im Jahr 2020 „Abitur gemacht“. Es ist ein Schulabschluss, der ganz bestimmten Bestimmungen unterliegt, die man nicht einfach über Bord werfen und den Abschluss verschenken kann. Sicher zählen die Halbjahresleistungen schon mit, aber wenn ich sehe, was manche Lehrer für geringe Ansprüche habe und 1er Noten hinterherwerfen, ohne dass diese Schüler jemals etwas im Rahmen des realen Abiturstandards geliefert haben – sorry. Lieber prüfe ich noch in den Sommerferien als dass ich (nicht gemachte) Abschlüsse hinterherwerfe…

  7. Ich möchte hier mal einer Schülerin ein Gesicht geben, meine Tochter ist 18 und geht in Bayern auf die FOS. Sie hat jetzt die zweite Woche keinen Unterricht und drei Wochen stehen ihr noch bevor. Vermutlich werden es noch mehr!!! Die Abiturprüfungen werden Stand heute termingerecht stattfinden!
    Statt zu Hause zu lernen geht sie arbeiten. Die Internetplattform war die ersten Tage absolut überlastet und wurde sogar gehackt und somit konnte kein Schüler irgendwelche Aufgaben oder Übungen erledigen. Ihr war es wichtig zu helfen und natürlich auch ein wenig Geld zu verdienen denn finanziell kann ich sie nicht unterstützen da ich alleinerziehend bin und ihr Vater in Kurzarbeit ist. Sie packt Lebensmittelpakete für Menschen die nicht einkaufen gehen können oder wollen. Das macht sie 6 Stunden jeden Tag! Wenn sie dann erschöpft nach Hause kommt hilft sie ihren Geschwistern bei den Hausaufgaben oder geht einkaufen. Ich kümmere mich noch um die Großeltern und bin froh dass meine Tochter mir wenigstens mit den Geschwistern zur Hand geht. Seit 3 Tagen macht sie dann spät Abends noch ihre schulischen Aufgaben.
    Jetzt frage ich sie alle, die sich hier auf dieser Seite so sehr entbrüstet sind diese Prüfungen abzusagen oder wenigstens zu verschieben oder abzuändern. Hat meine Tochter nicht auch jede Chance verdient ein angemessenes Abitur zu bekommen. Sie kann für die aktuelle Situation nichts und ist ein tolles Mädchen die sich ein schlechtes Ergebnis bei der Prüfung nicht verdient hätte. Warum wird immer ganz schnell an die Wirtschaflichen Auswirkungen und finanziellen Auswirkungen gedacht…wo bleiben die schwächsten in dieser Situation? Kinder und Rentner
    Liebe Grüse
    Von einer besorgten Mama

  8. Hi Lucy,

    Hilfe und Solidarität sind wichtig. Bildung ist wichtig. Deshalb werden z.B. auch fast alle Prüfungstermine verschoben, die jetzt im März/April stattfinden sollten. Das ist doch erst einmal gut.
    Und sicherlich muss der Unterrichtsstoff vermittelt worden sein, andernfalls könnten Sie ja sonst dagegen klagen. Und sicherlich sollte Ihre Tochter, rein vom Prüfen her gesehen, sich lieber um das Lernen des Prüfungsstoffs kümmern. Und ich weiß, dass das sehr schwierig für manche Familien ist. Gerade jetzt kommt aber ein Gesetz von Frau Ministerin Giffey. Gerade jetzt gibt es doch so viele Möglichkeiten, dass es nicht am Geld scheitern sollte, auch wenn es knapp wird.

    Aber die Prüfungen müssen stattfinden, von mir aus auch erst Richtung Sommer/Spätsommer, dann haben meine Mitschüler genug Zeit zum lernen.

    Sonnige Grüße
    Honeymoon

  9. Also dann müssten auch die normalen Abschlussprüfungen abgesagt werden und wir kriegen unseren Abschluss durch unsere Vor Note sonst ist das ja unfair

  10. Warum sollte man das Abitur absagen? Weil alles abgesagt wird, weil mal Pragmatismus , Transparenz und Menschenverstand in Deutschland Normrigidität in den Schatten gestellt hätten. Reifeprüfung, liebe Kollegen, ist einweites Feld.

  11. Guten Abend liebe Lehrer/innen
    Ich(25) bin Abiturient der sein Abi momentan nachholt.
    Es geht gar nicht darum ob man Schüler in Watte packt oder sie nach der Meinung einiger ja sowieso studieren gehen wollen. Es ist nunmal so das ein Lehrer lehrt und ein Schüler lernt und das was die Schüler im Allgemeinbildenden Abitur lernen müssen entspricht nicht immer ihren Interessen meist sogar ziemlich oft nicht. Ein Studierender hingegen sucht sich sein Studium nach seinen Interessen aus. Das lernen zuhause fällt ihm viel leichter weil er sich bewussst mit diesem stoff beschäftigen möchte.
    (Selbstverständlich gibt es auch im Studium Stoff den einen nicht interessiert gar keine Frage dennoch nicht so gehäuft wie im Abitur) Ein Studierender wählt auch bewusst das er was auch immer studiert und es zu hause sich weitmöglichst selbst beibringt.
    Ich hingegen habe mich bewusst dafür entschieden das ich Unterrichtet werde und nun nicht zuhause sitze, meinen Lebensunterhalt bestreiten muss und mir gewisse sachen nebenher selbst anschauen muss, bzw. ohne direkte Rückmeldung eines Profis so wie sie das wohl sind. Bestimmt kann man hierrüber gut reden wenn man weiterhin vom Staat seinen Lohn bekommt. Dennoch gibt es wohl auch einige Abiturienten die nicht mehr zuhause wohnen und die gerade ihren Nebenjob verloren haben oder ihren Job (Abendschulen) und ja Bafög leistungen genehmen einem nun wirklich auch nicht die möglichkeit ruhig zu schlafen.

    Ich finde der Kompromiss läge darin denen zu ermöglichen ein Abi zu schreiben die es möchten, und den anderen ein Durchschnittsabi zu gewähren.
    Ich persönlich möchte mich als Vorerkrankter Abiturient(Lungenkrankheit) nicht dem erhöhten Risiko aussetzen.
    Und es braucht mir auch kein Lehrer erzählen das so etwas absolut hygienisch verlaufen kann. Wir alle haben Routinemäßige Handlungen die wir nicht bewusst kontrollieren.

    Wie auch immer meine Meinung…
    Entschuldigt die mieserable Rechtschreibung und Kommasetzung solange Ich nicht handschriftlich schreibe sind diese mir überwiegend egal…

    Mit freundlichen Grüßen
    und mit bester Absicht
    ein etwas älterer Schüler

    PS: Diese gerede von man könnte ja klagen wegen nicht vermittelten Stoff…. bitte euer Ernst?
    Mein Lehrer hat das Thema Essay 3-4 Wochen unterrichtet
    Jetzt werde Ich Essayist 😀 (..Stoff vermittelt)

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here