Mehrarbeit: Aktionen von Lehrern gegen das Piazolo-Paket reißen nicht ab

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MÜNCHEN. Der Streit zwischen Teilen der bayerischen Lehrerschaft und dem Kultusministerium über eine zusätzliche Unterrichtsstunde kommt nicht zur Ruhe. Vertreter des Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) übergaben am Montag in München an Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) Protestpostkarten von Lehrern, in denen diese darüber klagten, wie sehr sie die zusätzlichen Anforderungen im schulischen Alltag demotivierten.

Bekommt gerade mächtig viel Ärger zu spüren: Bayerns Kultusminister Michael Piazolo. Foto: Andreas Gebert / StMUK

Dabei gehe es nicht nur um die Erhöhung der Unterrichtsstunden, um einem drohenden Lehrermangel vorzubeugen, sondern auch um die generell fehlende Wertschätzung für die vielen zusätzlichen Arbeiten, die die Lehrer seit Jahren auf sich nehmen würden, sagte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann.

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Piazolo verspricht, für Entlastung der Lehrer zu sorgen

Piazolo zeigte sich gesprächs- und kompromissbereit: «Ich weiß, wie viel unsere Lehrkräfte Tag für Tag für ihre Schüler leisten. Mir ist bewusst, dass die Maßnahmen zur Sicherung der Unterrichtsversorgung von den betroffenen Lehrkräften auch einiges abverlangen», sagte er. Es sei daher ein wichtiges Signal, dass der Freistaat im Jahr 2020 deutliche finanzielle Verbesserungen für seine Lehrkräfte umsetzen könne. Zudem werde mit konkreten Maßnahmen wie weniger Korrekturarbeit durch Reduzierung der Proben in der 4. Klasse und weniger Aufwand durch schlankere Zeugnisformulare an der Grundschule für zeitliche Entlastung gesorgt.

Viele Grundschullehrer müssen ab dem kommenden Schuljahr für voraussichtlich fünf Jahre eine Stunde pro Woche mehr unterrichten; diese Stunde soll ihnen später gutgeschrieben werden. Ebenso wie an den Mittel- und Förderschulen müssen viele Teilzeitler ihren Stundenumfang aufstocken, der Vorruhestand ist in der Regel erst ab 65 Jahren möglich, und Sabbatjahre werden ganz gestrichen (News4teachers berichtete).

Was das “Piazolo-Paket” für betroffene Lehrer bedeutet: Manche müssen plötzlich 60 % mehr arbeiten – für andere platzt der baldige Ruhestand

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5 KOMMENTARE

  1. Es ist einfach ein absoluter Skandal. Viele Lehrer arbeiten bereits am Rande ihrer psychischen Leistungsgrenze, diese Entscheidung dürfte zu mehr Krankheitsfällen führen.

    Die einzig kluge Maßnahme ist die Abschaffung des geschlossenen Ganztages mit normalem Fachunterricht an etlichen Tagen der Woche am Nachmittag. Diese Form des Ganztags ist sowieso gescheitert, es gibt keinen einzigen Beweis dafür, dass durch diese Form die Kinder mehr lernen würden.

    • Inwiefern ist der gebundene Ganztag gescheitert? Wer rein in Noten denkt, der verliert den Schüler als Gesamtes aus dem Blick (Wie war das mit „auch Herz und Charakter formen“?). Wir kochen in unserer Schule selbst. Die Schüler helfen mit und schätzen ihr Essen. Außerdem identifizieren sich die Schüler mit ihrer Schule und dem Ganztag, sind begeistert von unserem AG-Nachmittag und unterstützen sogar Aktionen außerhalb der regulären Schulzeit bis hin zu den Ferien, in denen 70% einer AG freiwillig soziale Projekte realisieren.
      Dies alles ist aber nur möglich, wenn man engagierte Kollegien hat. Dies bedeutet, dass der Nachwuchs gestärkt werden muss und auch die Aufgaben der Lehrkräfte entsprechend angepasst sein müssen. Die sehr zeitfressenden Lernentwiklungsgespräche vorzubereiten wäre meines Erachtens nach ein Punkt, an dem angesetzt werden könnte. Mehr Platz und Möglichkeit zur Differenzierung sollten geschaffen werden. Loslösen der Schulleitungen aus der Unterrichtsverpflichtung, zusätzliche Möglichkeiten, weitere Verwaltungskräfte einzustellen, um die zeitintensiven Nebenaufgaben zu erledigen, die sonst auf die Kollegen abgewälzt werden. Sowieso die Verwaltungsfachangestellten – die sollten auch gefördert werden, da sie jetzt schon oft Aufgaben und Verantwortungen übernehmen, die nirgendwo fixiert sind.
      Das grundsätzliche Problem ist ja doch, dass die Schle so wenig wie möglich kosten darf. Deswegen gibt es ja auch für Sportlehrer keine verplfichtende Richtlinie, die einen aktuellen Erste-Hilfe-Kurs vorschreibt; bei Anordnung durch das KM müsste dieses die Kosten ja übernehmen. Dafür wird der Konjunktiv in solchen Schreiben gern bis zum Äußersten zelebriert – könnte müssste sollte -.
      Vielleicht wäre es auch mal gut, einige der hochdotierten Stellen in KM und ISB aufzulösen und diese Kollegen wieder in ihre eigentliche Tätigkeit zu schicken.

      • Dann läuft ihr Ganztag aber auch nicht ab, wie jeder Ganztag, den ich bisher an weiterführenden Schulen gesehen habe.

  2. „Ich weiß, wie viel unsere Lehrkräfte Tag für Tag für ihre Schüler leisten.“
    Offenbar nicht, sonst würden diese Maßnahmen nicht derart entschieden
    UND die Aufgaben in allen Schulformen angemessen vergütet
    UND eine sofortige Entlastung und Unterstützung in allen Schulformen durchgesetzt.

    „Dabei gehe es nicht nur um die Erhöhung der Unterrichtsstunden, um einem drohenden Lehrermangel vorzubeugen, sondern auch um die generell fehlende Wertschätzung für die vielen zusätzlichen Arbeiten, die die Lehrer seit Jahren auf sich nehmen würden, sagte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann.“
    Die Konsequenz? Die vielen zusätzlichen Arbeiten können nicht mehr übernommen werden. Da reicht es nicht aus, ein paar Klassenarbeiten von sehr, sehr vielen in BY zu streichen.
    Tatsächlich ziehen andere BL nämlich nach und erhöhen auch hier den Aufgabenumfang der Lehrkräfte, indem zusätzliche Leistungserhebungen eingesetzt werden oder zusätzliche Aufgaben in die Schulen gegeben werden.

  3. Da müssen sich die Schulen aber auch an die eigene Nase fassen. Vor einigen Jahren sollten in einigen Bundesländern Verwaltungsleiter eingeführt werden, um die Schulleiter zu entlasten. Das ist z. B. in Museen Gang und gäbe. Das scheiterte an den Schulleiterverbänden. Angst vor Machtverlust.
    Erst Reformen torpedieren und dann schreien…

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