Schülerin klagt mit Eilantrag gegen die Abiturprüfungen – und scheitert

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WIESBADEN. Das Wiesbadener Verwaltungsgericht hat den Eilantrag einer Schülerin auf Aussetzung der Abiturprüfung in Hessen wegen einer drohenden Gesundheitsgefährdung durch das Coronavirus abgelehnt. Sie könne nicht die vorläufige Aussetzung des Abiturs für alle Schüler in Hessen verlangen, weil ihr dafür die Antragsbefugnis fehle, teilte das Gericht in seiner am Montag veröffentlichten Begründung mit. Unterdessen protestieren Schüler in Brandenburg und Berlin in offenen Briefen an die Bildungsbehörden dagegen, dass die Abiturprüfungen in der Krise stattfinden.

Das Gericht hat entschieden – vorerst allerdings nur. Foto: Shutterstock

Auch auf die Aussetzung ihrer eigenen Klausuren habe die Schülerin keinen Anspruch, befand das Verwaltungsgericht (Aktenzeichen 6 L 342/20.WI). Die Abiturprüfungen laufen in Hessen unter verschärften Hygienebedingungen. Die Schulen sind angewiesen, die Prüfungsgruppen klein und die Abstände zwischen den Prüflingen während des Abiturs groß zu halten, um eine mögliche Ansteckungsgefahr zu vermeiden.

Die Schule der Antragstellerin habe die Vorgaben des hessischen Kultusministeriums eingehalten, erklärte das Gericht. Auch wenn sich ihre Mitschüler nicht durchgängig an das Abstandsgebot halten sollten, führe dies nicht zu einem Anspruch der Antragstellerin, ihren Abiturtermin zu verlegen. Zudem könne sie es vermeiden, einer Ansammlung von Schülern beim Betreten des Schulgebäudes zu nahe zu kommen. Gegen den Beschluss des Verwaltungsgerichts kann den Angaben zufolge innerhalb von zwei Wochen Beschwerde beim hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel eingelegt werden.

Offener Brief an Bildungsministerin Ernst

„Wir sind eine 5-zügige Schule, in der sich in den Pausen über 900 Menschen durch die Gänge drängeln. Wir haben inzwischen verstanden, dass wir das Virus nicht weiterverbreiten dürfen, dass wir nicht Überträger sein dürfen, dass es unserer sozialen Verantwortung obliegt. Haben Sie das auch verstanden?“, so fragt eine Schülerin, die vor den Abiturprüfungen steht, in einem offenen Brief „im Namen von AbiturientInnen der Brandenburger Schulen“ an Landesbildungsministerin Britta Ernst (SPD).

„Zum einen haben wir kein Vertrauen, dass Sie das Social Distancing, sowie die notwendigen Hygienemaßnahmen im Prüfungsprozess gewährleisten können“, so heißt es in dem Schreiben. „Zum anderen empfinden wir es als höchst unfair, uns in Prüfungen zu schicken und die Prüfungsvorbereitungen ausfallen zu lassen.“ Trotz Engagement und gutem Willen auf allen Seiten hätten die letzten beiden Wochen gezeigt, dass der Präsenzunterricht in der Schule so nicht ersetzbar sei.

Nicht jeder Schüler hat einen eigenen Computer zu Hause

„Das digitale Lernen scheitert an:

  • Datenschutzbestimmungen, die den technisch möglichen Kontakt zwischen Lehrkräften und Schülern stark behindern;
  • fehlenden Fortbildungen unserer Lehrkräfte, für bereits vorhandene technische Möglichkeiten des digitalen Lernens. Wir verfügen über die Software, aber nicht übers Knowhow;
  • viel zu geringen Serverkapazitäten, die die Kommunikationswege immer wieder blockieren;
  • fehlenden Lizenzen für existierende Lernplattformen.“

Nicht jeder habe Akademiker als Eltern zuhause, nicht jeder habe einen eigenen Computer zur Verfügung. „Hier hat die Politik ihre Hausaufgaben nicht gemacht“, meinen die Schüler. „Gleichzeitig leben wir – wie alle – unter psychischem Druck. Es ist nicht fair uns so in die Prüfungen zu schicken.“ Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat nach einem Bericht des „Tagesspiegels“ einen ähnlich lautenden offenen Brief von Schülern erhalten. News4teachers / mit Material der dpa

Schülerproteste auch in Hamburg

HAMBURG. Die SchülerInnenkammer Hamburg hat sich wegen der Corona-Pandemie gegen die reguläre Anhaltung des Abitur und der Prüfungen zum ersten allgemeinbildenden und mittleren Schulabschluss ausgesprochen.

Nach Ansicht der Schülervertreter sollen die Hamburger Abiturienten die Wahl haben, ob sie die Prüfungen regulär schreiben wollen oder ob sie die Vor-Abiturklausuren oder ihre Durchschnittsnote als Abiturklausur werten lassen wollen. Die Prüfungen zum ersten allgemeinbildenden Schulabschluss und mittleren Schulabschluss müssten verschoben werden.

«Es ist unser Ansicht nach unverantwortlich das Abitur in der jetzigen Situation regulär in Hamburg durchzuführen», sagte der Landesvorsitzende der SchülerInnenkammer Hamburg, Henry Behrens. Durch die hohe Anzahl an Infizierten mit zum Teil sehr milden Symptomen könne trotz Sicherheitsmaßnahmen nicht sichergestellt werden, dass die Schüler sich nicht gegenseitig ansteckten. Das Risiko treffe vor allem Schüler, die selbst zur Risikogruppen gehören oder direkten Kontakt zu Personen aus Risikogruppen haben. dpa

Schüler starten Petition an die Kultusminister zur Absage aller Abitur-Prüfungen

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