Sachsen-Anhalt: Landeselternrat sieht Pläne zur Öffnung der Schulen skeptisch

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MAGEDBURG. Angehende Schulabsolventen sollen auch in Sachsen-Anhalt ab kommender Woche wieder zum Unterricht in die Schule kommen. Der Landeselternrat kann sich nicht vorstellen, wie dabei die Abstandsregeln eingehalten werden sollen. Ein Schülerverband fordert weitere Schutzmaßnahmen.

Ab Donnerstag sollen die Schulen in Sachsen-Anhalt wieder öffnen – zunächst aber nur für Schüler, die noch in diesem Jahr ihren Abschluss machen sollen. Eltern und Schüler reagierten unterschiedlich auf den Fahrplan der Landesregierung. Der Landeselternrat Sachsen-Anhalt bezweifelt, dass der Plan zur schrittweisen Wiederaufnahme des Schulbetriebs aufgeht. «Wie das funktionieren soll, ist mir noch nicht klar», sagte der Vorsitzende Matthias Rose. «Ich sehe nicht, wie etwa die Abstandsregeln in den Klassenräumen, auf dem Pausenhof oder in Schulen eingehalten werden sollen.»

Ab Donnerstag soll in Sachsen-Anhalt die Schulen wieder öffne. Elternverbände zweifeln an der Umsetzbarkeit. Foto: Alexandra_Koch / Pixabay (P. L.)

Am Freitag hatte Bildungsminister Marco Tullner (CDU) seinen Zeitplan für die schrittweise Wiederöffnung der Schulen vorgestellt. Zuerst sollen demnach Schüler, die in diesem Schuljahr ihren Abschluss machen, wieder zum Unterricht erscheinen. Ab kommendem Donnerstag dürfen Prüfungsvorbereitungen an den Schulen stattfinden. Ab 4. Mai starten dann die schriftlichen Abiprüfungen, eine Woche später die Realschulprüfungen. Ebenfalls ab 4. Mai soll der Unterricht in den Schulen wieder für Schüler beginnen, die im kommenden Schuljahr ihren Abschluss machen sollen.

Elternrat Rose begrüßt zwar, dass die Abschlussprüfungen wie geplant stattfinden können, bezweifelt aber, dass sich in der Zeit der Schulschließungen alle Schüler gleich gut darauf vorbereiten konnten. Das habe viel mit dem sozialen und familiären Umfeld der Schüler zutun. Auch seien die wenigstens Lehrer dafür geschult gewesen, auf Formen des digitalen Unterrichts auszuweichen. «Das Glück hatten nur wenige», sagte Rose.

Die Schüler Union (SU) in Sachsen-Anhalt hat die schrittweise Öffnung der Schulen begrüßt, fordert aber weitergehende Sicherheitsregeln. «Die Maßnahmen, die Schüler möglichst weiträumig zu unterrichten, sind richtig und wichtig – reichen jedoch nicht», teilte der CDU-nahe Schülerverband mit. «Daher fordert die SU eine Pflicht zum Tragen von Mund- und Nasenschutz in Schulen.» Außerdem sollten die Klassen verkleinert und der Unterricht auf den Vor- und Nachmittag verteilt werden.

Noch bis Donnerstag haben die Schulen Zeit, die Vorgaben Tullners an den Schulen umzusetzen. Der Salzlandkreis traf bereits am Wochenende erste Vorkehrungen, um den Schülern eine möglichst reibungslose Rückkehr ins Klassenzimmer zu ermöglichen. «Wir sind gut aufgestellt und werden alles tun, was in dieser besonderen Situation notwendig ist, damit sich die Schülerinnen und Schüler auf ihre Abschlussprüfungen konzentrieren können», teilte Landrat Markus Bauer (SPD) mit.

So sollen die Busse im Landkreis ab kommendem Donnerstag, wenn die Prüfungsvorbereitungen für die Abschlussklassen in den Schulen starten, zu den Schulzeiten wieder normal verkehren. «Damit wollen wir es den Schülern und ihren Eltern nicht unnötig kompliziert machen», sagte Bauer. Der Sicherheitsabstand zwischen den Schülern könne in den Bussen gewährleistet werden. In den Schulen treten außerdem besondere Hygiene- und Reinigungspläne in Kraft: Auf den Toiletten sollen genügend Seife und Einmalhandtücher bereitgestellt werden, außerdem sollen Desinfektionsmittelspender an den Wänden angebracht werden. (dpa)

Städtetag NRW gegen Schulöffnungen in der kommenden Woche („erhebliche Probleme“)

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2 KOMMENTARE

  1. Was im Zuge einer schrittweisen Öffnung der Schulen für immer mehr Klassenstufen passieren wird, wird sich zeigen. Bleibt zu hoffen, dass uns damit nicht erhöhte Ansteckungszahlen, erkrankte Schüler, Lehrer und Eltern sowie ein weiterer Lockdown bevorstehen! Schlussendlich ist es ein Feldversuch. Er kann glimpflich verlaufen, muss er aber nicht.

  2. Bei zunehmenden Belastungen wegen allmählicher Schulöffnung für Lehrer und Schüler, letztere leiden nämlich auch, erübrigt sich die Antwort auf Ferienverkürzung. Stellt sich die Frage nach Einhaltung von Hygiene, Desinfektion ,Abstand, Erste Hilfe, Masken…Wie erfolgt Einsatz chronisch kranker Pädagogen und Ü60? Lehrer werden zu Domteuren und Abstandshaltern. Versuchsfeld eröffnet…

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