Schulen „sobald wie irgendmöglich“ öffnen? Lehrer stellen sich dagegen: Leopoldina weiß nicht, wie es in der Praxis aussieht

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BERLIN. So einmütig wie selten fällt die Reaktion von Lehrern auf das Gutachten der Leopoldina aus, in dem eine schrittweise Öffnung der Grundschulen und der Schulen der Sekundarstufe I „sobald wie irgendmöglich“ gefordert wird: ablehnend. Vor allem Praxisferne wird dem höchsten deutschen Wissenschaftler-Gremium attestiert, das am Montag sein Papier vorgelegt hatte – welches als wichtige Entscheidungsgrundlage für die heutigen Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten über Lockerungen der Auflagen in der Coronakrise gilt (News4teachers berichtete). „Für uns ist offensichtlich, dass die im Raum stehenden Vorschläge, zunächst mit den jüngsten Schülerinnen und Schülern zu beginnen, nicht von der Expertise der Virologen und der Schulpraktiker geprägt sind“, meint etwa Horst Audritz, Vorsitzender des Philologenverbands Niedersachsen. Wir haben Stellungnahmen gesammelt.

Schulen schnellstmöglich öffnen? Lehrer sehen die Forderung kritisch. Foto: Shutterstock

Oliver Hintzen, stellvertretender Landesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg:

„In der Expertengruppe sind Psychologen, Bildungswissenschaftler, Theologen, Wirtschafts­wissenschaftler, Biologen, Physiker, aber leider niemand aus dem Bereich der Schullei­tung oder der Schulpraxis, der dem wissenschaftlichen Beirat aus der Realität berichten könnte. Klar ist, dass es nach den Osterferien in irgendeiner Weise weitergehen muss und dass in Schulen und Kindertageseinrichtungen auch noch bis auf unbestimmte Zeit die Notbetreuung aufrechterhalten und ggf. sogar noch ausgebaut werden muss. Was die Ad-hoc-Stellungnahme jedoch nicht berücksichtigt, ist die Tatsache, dass insbeson­dere Grundschulkinder nicht nur für Deutsch und Mathematik in die Schule gehen, sondern auch, um endlich ihre Freunde wieder treffen zu können. Ältere Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I und II haben in der Regel Verständnis dafür, warum sie auf Abstand gehen müssen. Jüngere Kinder suchen aber bewusst die Nähe und die Be­stätigung der Lehrkräfte, auch noch in der 4. Klassenstufe. Es muss daher gut überlegt werden, ob für die dann notwendigen vielen Kleingruppen genügend Personal für Be­treuung und Unterricht zur Verfügung steht, und dass diese Personen nicht zu den bekannten Risikogruppen gehören dürfen.“

Horst Audritz, Vorsitzender des Philologenverbands Niedersachsen:

„Es geht in der Hauptsache um den schnellen Ausstieg aus den Schulschließungen und um die Abfederung psychischer, sozialer und wirtschaftlicher Folgen der Krise. So sehr ein schrittweiser Ausstieg aus den Schutzmaßnahmen zu begrüßen ist, so gerne wir alle die vielen ungeklärten Fragen beantwortet hätten und zur Normalität zurückkehren möchten, so gefährlich erscheint dennoch eine vorschnelle Lockerung. Das Virus hält sich nicht an den Kalender und Prognosen, es reagiert auf günstige Bedingungen. Und die sind vorwiegend große Menschenansammlungen, große persönliche Nähe und mangelhafter Selbstschutz, alles was in Schulen schwerfällt. Es muss daher alles vermieden werden, um eine neue massenhafte Infektionswelle in Gang zu setzen.

Der Grundsatz muss aus unserer Sicht daher lauten: Nicht so früh wie möglich, sondern so sicher wie nötig zu handeln. Der Gesundheitsschutz muss absolute Priorität haben. Schulkinder dürfen das Virus nicht in die Elternhäuser tragen, Schutzausrüstungen müssen in den Schulen vorhanden sein, besonders gefährdete Lehrkräfte wären nur eingeschränkt einzusetzen, Mindestabstände wären einzuhalten, Gruppengrößen zu reduzieren und Hygienestandards strikt einzuhalten.

In der Praxis ist das schwierig bis unmöglich, selbst dann, wenn der Unterricht auf das Mindestmaß reduziert wird. Gefragt ist hier die Beratung durch Schulpraktiker. Auf keinen Fall ist zu akzeptieren, dass nach dem Prinzip „Versuch und Irrtum“ verfahren wird.“

Jürgen Böhm, Bundesvorsitzender des Deutschen Realschullehrerverbands (VDR):

„Die Schulen müssen Vorkehrungen treffen können, damit ein Wiedereinstieg funktioniert.“ Dazu gehöre, dass die Schule nicht zuerst für die Jüngsten an den Grundschulen wieder öffnen dürfe, sondern zunächst mit den Schülerinnen und Schülern, die kurz vor ihrem Abschluss stehen. Eine Infektionsgefahr an Grundschulen oder auch in Kindertagesstätten hält Böhm für viel zu hoch.

Die Verantwortlichen seien gefragt, auf Länderebene einheitliche Lösungen zu finden, die jedoch die Grundstrukturen wie Ferien oder Abschlussprüfungen nicht angriffen oder in Frage stellten.

Stefan Behlau, Landesvorsitzender des VBE Nordrhein-Westfalen:

„Bei allen Überlegungen zur Wiederaufnahme des Unterrichts müssen der größtmögliche Schutz und die Gesundheit deutlich im Vordergrund stehen. Erst wenn diese gewährleistet sind, kann es zu einer stufenweisen Wiedereröffnung kommen.“

Reinhard Schwab, Vorsitzender des Hessischen Philologenverbands:

„Der Gesundheitsschutz muss bei der stufenweisen Rückkehr zum normalen Schulbetrieb absolute Priorität haben. Für eine verantwortungsvolle Öffnung nach den Osterferien sind die Schulen derzeit nicht vorbereitet. Unabhängig von der Frage, ob der Beginn des Schulbetriebes auf den kommenden Montag oder einen späteren Zeitpunkt fallen soll, ist völlig ungeklärt, wie ein wirksamer Infektionsschutz an den Schulen gewährleistet werden soll. Weder stehen den Schulen Mund-Nasenschutz-Masken noch Desinfektionsmittel in ausreichendem Maße zur Verfügung. Oftmals fehlt es sogar an Waschmöglichkeiten mit warmem Wasser und Seife. Klassenfrequenzen bis zu 30 Personen in einem Raum widersprechen dem Abstandsgebot. Für ‚Schichtunterricht‘ fehlen die nötigen Lehrkräfte. Schutzscheiben für Bedienstete sind auch nicht vorhanden. Lehrkräfte und Schülerschaft müssen wirksam vor Covid 19 geschützt werden können. Aus meiner Sicht wäre es verantwortungslos, diese Gruppen einem ungewissen Experiment auszusetzen.“

Der Hessische Philologenverband fordert daher eine Verlängerung der Schulschließungen mit entsprechender Vorbereitungszeit auf die Zeit „danach“, sukzessive Schulöffnungen nur mit entsprechenden Hygienekonzepten, den Ausbau und die Strukturierung des digitalen Unterrichts und klare Vorgaben für die Leistungsbewertung und die Versetzungsentscheidungen.

Joachim Maiß und Eugen Straubinger, Vorsitzende des Bundesverbands der Lehrkräfte für Berufsbildung (BvLB):

„Höchste Priorität hat der Gesundheitsschutz von Lehrkräften und Schülern. Daneben müssen die Risikogruppen klar benannt werden und die notwendigen hygienischen Bedingungen müssen dem Infektionsschutzgesetz genügen. Andernfalls kann der Unterricht an beruflichen Schulen nicht starten.

Zwischen Theorie und Praxis klaffen gleich zahlreiche Lücken. Der Weg zur Schule ist hochproblematisch. Wer öffentliche Verkehrsmittel nutzt, erhöht tagtäglich aufs Neue sein Infektionsrisiko und damit das seiner Mitmenschen. Tägliche Schnelltests vor dem Schulgebäude sind nicht realistisch und stehen auch nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung. Der vorgeschriebene Zwei-Meter-Sicherheitsabstand in Klassenräumen hätte zur Folge, dass nur ein Drittel bis maximal die Hälfte einer Klasse gleichzeitig unterrichtet werden können. Um faire Chancen für alle Schülerinnen und Schüler zu gewährleisten, hieße das: die Lehrkräfte müssten im Zwei- beziehungsweise Dreischichtbetrieb unterrichten. Was im Bildungsalltag unrealistisch ist.

In der beruflichen Bildung ist in den Bundesländern mal an festgelegten Wochentagen Unterricht oder aber Blockunterricht gängiger Standard. Die übrige Zeit der dualen Ausbildung findet in den Betrieben statt. Da ist zeitlich kein Spielraum, um Unterrichtseinheiten zu strecken oder zu verlegen. Und weiter: Ein Mundschutz für Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler ist ebenso zwingender Bestandteil wie eine ausreichende Anzahl von Desinfektionsspendern im gesamten Schulgebäude. Die Frage der Verfügbarkeit treibt bereits das gesamte Gesundheitswesen um, beides ist Mangelware. Die sanitären Einrichtungen müssen neben der täglichen Grundreinigung mehrfach am Tag gesäubert und desinfiziert werden. Dafür müssen die Verträge mit den Reinigungsunternehmen ausgedehnt werden. Daneben müssen Einmal-Handtuchspender installiert und die Papierkörbe im Stundentakt geleert werden. Sämtliche Einrichtungsgegenstände – von Stühlen über Tische bis hin zu den Tastaturen der Computer – müssen nach jeder Unterrichtsstunde desinfiziert werden. Das ist nur ein Teil des Alltäglichen, der mitgedacht werden muss. Und hier brauchen wir bundesweit einheitliche Mindestanforderungen, ohne die der Schulalltag nicht funktionieren kann. Die Koordination all dessen braucht eine Vorlaufzeit von mindestens zwei Wochen. Alles andere wäre grob fahrlässig und kann von den Berufsbildern nicht mitgetragen werden.“ News4teachers

Schulen schnellstmöglich öffnen? GEW und VBE kritisieren Leopoldina: Vorschläge gehen an der Unterrichtsrealität vorbei!

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20 KOMMENTARE

  1. Selbst wenn wir in mei verwegen 4 Wochen wieder zu einem halbwegs normalen Betrieb übergehen würden – was ich für ausgeschlossen halte – müssten wir uns för September oder Oktober voraussichtlich auf die nächste Welle einstellen.

    Ich bin ja mal gespannt, ob die Turbo-Digitalisierung bis dahin stattgefunden hat. Denn beim nächsten Ausbruch kann sich kein Verantwortoicher mehr herausreden. Da muss jeder Haushalt Internet haben und Schulen Lernplattformen.

    Im Grunde begünstigt die Krise damit auch die von vielen geforderte Verstaatlichung von Telekommunikationsinfrastruktur. Was nur zu begrüßen ist. Denn ohne dieses Vorgehen wird flächendeckende Digitalisierung weiterhin nicht möglich sein.

  2. Verantwortungslos!

    Schüler jetzt vorzeitig in ein bereits vor der Corona-Pandemie disfunktionales Schulsystem zu schicken ist schlicht verantwortungslos.

    Im Gymnasium unseres Sohnes zahlen die Eltern die Kosten, die anfallen, um die Sanitäranlagen in halbwegs nutzbarem Zustand zu halten. Unser Schulsystem war schon zu Nicht-Corona-Zeiten nicht in der Lage, den Kindern saubere Und hygienisch einwandfreie Toiletten und Waschräume zur Verfügung zu stellen.

    In den Klassenräumen sind größtenteils keine Möglichkeiten, sich die Hände zu waschen. Und wenn, dann nur mit kaltem Wasser. In dem Schulzentrum lernen über 1000 Kinder. In den Toilettenräumen sind max 2×5 Waschbecken. Wie soll sich eine so große Anzahl von Kindern regelmäßig die Hände waschen, wenn keine ausreichende Zahl an Waschbecken zur Verfügung steht und die Abstandsregeln eingehalten werden sollen? Von den fehlenden Lehrkräften und Räumlichkeiten, um die reduzierten Klassen- und Kursgrößen umzusetzen, dem desolaten Zustand der Schulgebäude (defekte Heizungen über Monate im Winter, defekte Fenster und elektrische Anlagen, bedauernswerte Ausstattung mit modernen Unterrichtsmitteln, etc) ist hier schon vielfach berichtet worden.

    Am Anfang der Pandemie waren die Schulen und Kindergärten die ersten, die geschlossen wurden, weil die Kinder durch den engen Kontakt als Virenverteilzentren betrachtet wurden. Vermutlich zurecht. Nun sollen ausgerechnet diese Virenverteilzentren als erstes wieder geöffnet werden? Und dass, obwohl bereits jetzt klar ist, dass die aufgestellten Hygiene- und Abstandsregeln unmöglich einzuhalten sind.

    Und mal ganz im Ernst: was ist so schlimm daran, wenn jetzt ein Jahrgang ein paar Wochen Unterricht verpasst oder die Abschlussklassen ihr Abitur als Durchschnittsnote der letzten Halbjahre bekommt? Meiner Meinung nach wird die letzte Klausur nach 12 Schuljahren ohnehin völlig überbewertet. Und: Unser Schulsystem hat ganz andere Probleme.

    Die Verantwortlichen, die jetzt „am grünen Tisch“ über die Wiederaufnahme des Unterrichts entscheiden, waren offensichtlich schon lange nicht mehr in einer echten Schule!

    Ich finde das höchst verantwortungslos!

    Herr Laschet, Ihre Ambitionen, Herrn Söder diesmal die Deutungshoheit abzukaufen und den „First-mover-Preis“ zu gewinnen, werden Ihnen auf die Füße fallen.

    Wenn am Sonntag gewählt würde, bekämen Sie meine Stimme schon mal nicht …

    • Als Lehrer kann ich leider jedes einzelne Wort von Ihnen unterstreichen. Ich wünschte ich könnte dagegen argumentieren, aber sie hab schlichtweg mit jedem Wort Recht.

  3. Wer früher stirbt ist länger tot. – Die Letalität von unter 40-jährigen, nicht vorerkrankten ist statistische gesehen zu vernachlässigen. Wenn die Grundschulkinder dann allerdings nicht mehr davon abgehalten werden können, Oma und Opa in den Seniorenheimen zu besuchen, dann wird die Zahl der fehlenden Heimplätze auch wieder eine andere Gewichtung in der öffentlichen Diskussion erhalten.
    Minister Laumann (CDU) macht auch andere Aussagen zu den Lockerungsmaßnahmen als die Bildungsministerin und der Familienminister, die beide der FDP angehören.

  4. Diese Lehrerreaktionen waren schon vorher klar.. und sind traurigerweise mal wieder typisch. Man fragt sich warum Erzieher nicht alle fordern, dass die Kitas langfristig geschlossen bleiben. Ach ja , die bekonmen dann irgendwann kein Geld mehr…Lehrer können natürlich bei vollen Bezügen den jetzigen Status endlos beibehalten, sehr bequem…Aber die meisten anderen müssen irgendwann wieder arbeiten und können nicht ewig zuhause auf ihre Kinder aufpassen. Ihr seid Staatsdiener, da kann man nicht immer nur die Beamtenprivilegien für sich beanspruchen…da können auch mal Pflichten und evtl.auch gewisse Risiken mit verbunden sein. Ich arbeite im Krankenhaus, das Risiko ist ungleich höher, zahlreiche Kollegen haben sich schon infiziert aber da hört man niemanden heulen, dass ältere Kollegen und Risikogruppen nicht mehr arbeiten dürfen. Im Gegenteil man rekrutiert berentete Ärzte und auch alle ab 60 arbeiten normal weiter. Wir könnten halt auch nicht bei voller Kohle zuhause bleiben….
    Wenn ich schon lese, dass 50 Prozent der Lehrer meinen aufgrund ihres Risikos nicht mehr arbeiten zu können….Klar der Beamtenstatus macht es natürlich bequem, das Geld fließt und sich dem Risiko aussetzen um anderen zu helfen oder Geld zu verdienen können andere………
    Eine Krankenschwester hat ein höheres Risiko bei niedrigerem Gehalt und da heulen nicht alle rum und ja…auch Krankenschwestern mit Bluthochdruck, über 60 oder mit Asthma arbeiten ganz normal weiter. Das ist die Realität, die offenbar viele Lehrer nicht kennen.
    Und sowohl an Kitas als auch an Schulen muss es irgendwann zeitnah weitergehen wenn Experten das für vertretbar halten. Mag sein, dass das noch 2-3 Wochen dauert aber die Öffnung wird kommen (müssen) und das Virus wird so bald nicht verschwinden.
    Ich hoffe sehr, dass die Lehrer dann wenn es soweit ist ihrer Pflicht nachkommen und nicht in Massen krank feiern bzw. sich krank schreiben lassen.

    • Wenn Sie schon auf Beamte eindreschen wollen, dann müssten Sie eigentlich wissen, dass die nicht krank sondern lediglich dienstunfähig sein müssen, um nicht zur Dienststelle kommen zu müssen. Ob über 60-jährige Lehrkräfte wieder unterrichten müssen oder nicht, ist eine Entscheidung der Dienstherren, die er in Abwägung seiner Fürsorgepflicht und dem allgemeinen Interesse an einem geregelten Schulbetrieb abwägen muss.

      Genau das muss jeder andere Arbeitgeber auch.

      PS Auch Ärzte über 60 (m/w/d) an Kliniken in Trägerschaft des Landes sind aus Gründen der Fürsorgepflicht anders zu behandeln als die jüngeren Kollegen (m/w/d).

      In anderen Behörden und auch in der Privatwirtschaft gilt die regelung, dass vor allem ältere Mitarbeiter (m/w/d) nach Möglichkeit im Home-office arbeiten sollen. Nur in diesen Bereichen gibt es entsprechende IT-Infrastruktur. Rächt sich halt, dass im Bereich Schule die IT-Ausstattung noch nicht im 21 JAhrhundert angekommen ist – und Letzteres liegt nicht am lehrenden Personal.

    • @K
      Vielleicht ist Ihnen entgangen, dass Lehrer ihren Schülern Unterrichtsmaterialien zur Verfügung stellen, auf Online-Unterricht umgestellt haben, den Schülern Aufgaben zukommen lassen usw.
      Lehrer haben während dieser Zeit nicht frei, sondern arbeiten – und betreuen wie viele andere Berufstätige auch eigene Kinder nebenbei. Übrigens klagen Berufstätige anderer Sparten, dass ihr Home-Office anstrengender ist als der normale Alltag.

      • Übrigens beurteilt ein großer Teil der Elternschaft (über 80 Prozent nach einer Umfrage in BY) die Online-Betreuung ihrer Kinder durch die Lehrer als gut.

    • Als Urlaub sehe ich das gerade nicht an als Lehrer. Und das obwohl ich sogar noch länger daheim bin, da ich mit der Klasse spontan von einer Minute zur nächsten in die Quarantäne geschickt wurde, weil in der Klasse ein Fall aufgetreten ist. Wir Lehrer haben aber nicht frei. Das wäre tatsächlich ungerecht. Nein, ich war an zahlreichen Tagen in der Schule um die Einschreibung für nächstes Jahr zu machen und sonstige Dinge, von denen Eltern in der Regel gar nichts wissen und mitbekommen zu erledigen. Sonst drehen wir Lernvideos (übrigens alles mit einer Ausrüstung, die wir NICHT gestellt bekommen, sondern selbst zahlen), telefonieren mit Kindern und Eltern (auch das ist mit unseren privaten Geräten natürlich), schreiben Mails, müssen Statistiken erledigen, versuchen Wege zu finden, um die Arbeittsergebnisse unsere Schüler zu korrigieren und auch wertzuschätzen und ja, nebenbei sind viele von uns auch Eltern und normale Menschen mit Ängsten und Sorgen, die von dieser Situation überrollt wurden. Auch wir müssen unseren eigenen Kindern einen Computer stellen, für sie da sein, unsere Arbeit erledigen und den Haushalt führen. Wie jeder andere. Nein, es lief nicht sofort alles optimal. Aber wir arbeiten in Jahrgansteams in der Schule (mit Abstand natürlich!) und in Konferenzen online an einer Verbesserung des ganzen. Wir haben uns nicht ausgesucht, dass wir plötzlich YouTuber werden und perfekte Videos drehen und mit 25 Kindern gleichzeitig online Unterricht machen. Wir tun aber unser Bestes und versuchen uns zu optimieren. Bitte stehen sie uns auch Fehler und Anlaufschwierigkeiten zu! Übrigens mussten wir unsere Schule die komplette Zeit, auch über die „Ferien“, besetzen. Schulleitungen hatten somit keine freien Tage seit Monaten. Auch ist die Notbetreuung nicht mal eben so nebenbei gemacht. Wir betreuen übrigens bis 16.00 wenn nötig. Meine Mutter ist Krankenschwester und im Alter, in der sie zur gefährdeten Gruppe gehört. Zwischen uns gibt es aber kein Berufsgruppenshaming. Wir wünschen uns Solidarität und Verständnis für jeden in dieser besonderen Zeit. Dazu gehört auch Anerkennung der Leistung des anderen. Und wenn ich nicht verstehe, was der andere den ganzen Tag tut, dann frage ich doch mal freundlich und interessiert nach. Vielleicht lassen sich so Missverständnisse klären. Ich denke doch, dass in allen Berufsgruppen das Ziel der Arbeitenden ist, den Job unter diesen besonderen Bedingungen bestmöglich zu erledigen. Schwarze Schafe gibt es natürlich in jeder Berufsgruppe.

  5. Ich kann nur jedes Wort unterstützen, aber ich erlebe derzeit weder, dass ein Politiker sich von Menschen aus der Praxis Rat holt, noch dass sich einer der Volksvertreter überhaupt um die Meinung des Volkes schert. Es gab einmal eine Demokratie in Deutschland…

  6. K.,… MEINE TOCHTER IST KRANKENPFLEGERIN….ICH BIN LEHRERIN…. EINE SO VORURTEILSBEHAFTETE EINSTELLUNG GIBT ES BEI UNS NICHT…. MIT SICHERHEIT GIBT ES AUF LEHRERSEITE ÜBERVORSICHTIGE CHARAKTERE, JEDOCH GAB ES AUCH IN DER PFLEGE VIELE KOLLEGEN, DIE SICH DAUERHAFT KRANKGEMELDET HABEN… ICH FINDE ES NICHT ZIELFÜHREND ALLE ÜBER EINEN KAMM ZU SCHEREN…. AUSSERDEM STELLT SICH HIER NICHT DIE FRAGE, WER ARBEITET MEHR UND IST WICHTIGER FÜR DAS SYSTEM. DIE FRAGE IST, WAS PASSIERT AN DEN SCHULEN, WENN DORT EVTL. INFIZIERTE KINDER WIEDER ZUGANG ERHALTEN?! WIR LEHRER FÜRCHTEN DIE SITUATION NICHT SO SEHR, WIR WÄREN GERNE WIEDER IM UNTERRICHT, JEDOCH WISSEN ALLE, DIE KINDER HABEN, DASSS DIE NICHT IMMER TUN, WAS SIE SOLLEN….HYGIENE ETC… WIR SCHAFFEN DANN EINE HERVORRAGENDE GRUNDLAGE FÜR WEITERE MEHRARBEIT IN DER PFLEGE…. ALSO…. NACHDENKEN, WAS WIRKLICH SINN MACHT….

  7. Hallo Herr K.,

    wenn ich mich abgesehen von verbalen und mitunter auch physischen Attacken durch Schüler einem gesundheitlichen Risiko aussetzen hätte wollen, hätte ich mich für eine Arbeit im medizinischen Sektor entschieden.

    Den Frust über Ihre unmöglichen Arbeitsbedingungen im Krankenhaus sollte an geeigneter Stelle geäußert werden.

    MFG!

  8. Ich bin Wählerin. Die Gesundheit meiner Kinder, beide besuchen die Grundschule, mein Mann ist ein Risikopatient, diese sind die wichtigsten Menschen in meinem Leben. Wir haben uns seit der Schulschliesung an alles gehalten, was von der Regierung empfohlen worden ist.

    So wie ich, denken viele Mitbürger.
    Übernehmen Sie die Verantwortung, für diese unzähligen Kinder, Lehrer, Busfahrer und die Menschen die die Busse benutzen, Reinigungskräfte.
    Genügend Dezinfiktionsmittel und Mundschutz für alle muss ja vorhanden sein, ansonsten wäre das ja absolut VERANTWORTUNGSLOS.

  9. Wenn man noch einen Beweis für die Praxisferne von Bildungsforschern benötigt hat. In diesem Empfehlungskatalog ist er schwarz auf weiß zu finden.

  10. Hallo zusammen,

    ich empfinde das Kommentar von K total daneben!!! Auch die Lehrer sitzen nicht bei voller Kohle einfach da Heim. Viele Lehrer arbeiteten bei der flugartigen Umstellung auf Homeschooling drei Wochen lang (inkl. Sa und So) quasi ohne Pause bis spät in die Nacht! Viele versuchten so es die Zustände erlaubten, die Schüler zu motivieren und auch aufzubauen und nicht zuletzt zu unterrichten. Stellen Sie sich vor, viele haben sich sogar Arbeitsmaterial (PC oder IPad) selbst finanzieren dürfen um von zu Hause aus arbeiten zu können und gegebenenfalls auch Tutorials für die Schüler erstellen zu können uvm.

    Stellen Sie sich vor in Vollzeit hat ein Lehrer auch mal über 190 Schüler zu bedienen. Man muss auch sicherstellen, dass man auch alle in der Woche erreicht hat und natürlich soll man auch via E-Mail oder auch Mebis oder auch andere Kanäle erreichbar sein! Ja eigentlich von 8 bis 24 Uhr bekam man Nachrichten von den Schülern und Eltern.

    Also unter zu Hause zu sitzen bei vollen Gehalt. Da stelle ich mir ehrlich gesagt was anderes vor.

    Viele Lehrer würden sehr gerne wieder in die Schule gehen, wenn ich es ehrlich sagen darf. Aber ich fürchte, dass sie sich jetzt zur Abwechslung das ganze Schutzmaterial selber finanzieren dürfen und so wie es oft der Fall ist auch das der Schüler, wenn sie sich selbst schützen wollen. Das ist ein Unterschied zu dem was sie schildern. Unterschiede Hygienischer Natur kann man denke ich in einer Schule mit über 1000 Schülern und einem Krankenhaus auch nicht vergleichen.

    Übrigens ich könnte auch über das Gesundheitswesen mäckern (ich würde vor ca. 2 Monaten operiert… ) Aber ich gehe davon aus, dass jeder im Moment das Beste was er tun kann tut oder zumindest versucht und solche Kommentare gegenüber anderen Berufsgruppen (die man nicht mal wirklich kennt) absolut nicht in Ordnung sind!

    Ich denke so Lehrer wie auch Arbeitnehmer im Gesundheitswesen haben es auf eigene Art und Weise im Moment nicht einfach! Ein Unterschied bleibt aber den Einen Dankt man aber über die Anderen schimpft man nur…
    Ich wünsche einen recht schönen Tag

  11. Die Schulen sollen bei uns in Hannover bis zur 10.Klasse bitte zu bleiben. Der Unterricht von zu Hause klappt prima.Ich und meine Nachbarn haben Angst unsere Kinder in die Schule zu schicken.

  12. Ich bin Grundschullehrerin und arbeite gerne. Mein Beruf ist im Normalalltag anstrengend und ich habe unter den Eltern meiner SchülerInnen in über 25 Jahren Schuldienst auch noch niemanden gefunden, der mit mir tauschen wollte, d.h. die Arbeit machen wollte. Ich bin sicher, dass Eltern jetzt noch mal viel bewusster gewoden ist, welcher Dienst da täglich von Lehrern geleistet wird.
    Ich habe nun 30 SchülerInnen drei (z.T. fünf Wochen, weil sie vor den Osterferien ihr Arbeitspensum nicht geleistet hatten) aus dem Homeoffice betreut. Mein häuslicher Arbeitsplatz und die sonstigen Arbeitsbedingungen daheim sind um ein vielfaches angenehmer als der seit Jahrzehnten veraltete, verdreckte Klassenraum, die unzumutbaren Lehrer- und Schülertoiletten sowie die sonstigen hygienischen Zustände (z.B. Flüssigseife kaufe ich, Einmalhanddtüchern laufen ich oder die SchülerInnen manchmal tagelang auf der Suche nach dem Hausmeister hinterher, Reinigungkräfte haben max. 5 Minuten Zeit zur Reinigung eines Klassenraumes, Tische werden nur 1x wöchentlich abgewischt, Fenster und Regale nur 1x jährlich, Fensterrahmen noch nie in 10 Jahren …), die (un)vorhersehbaren Schülerprobleme, die Lautstärke, der schulische Normalalltag. Vor diesem Hintergrund arbeite ich derzeit tatsächlich sehr gerne täglich viele Stunden von zu Hause aus und versuche, meine GrundschülerInnen mit leistbaren Unterrichtsinhalten zu versorgen und sicherzustellen, dass sie arbeiten, ihnen Rückmeldung zu geben, auch die Eltern zu begleiten und für alle Beteiligten da zu sein. Übrigens wurschtelt sich da an meiner Schule jede/r irgendwie selber durch, denn wirklich hilfreiche Unterstützung oder flankierende verbindliche Vorgaben blieben aus bzw. waren dann doch so unverbindlich, dass die ersten KollegInnen sie schon nach wenigen Tagen umgingen/missachteten. Gut, verbuchen wir das unter „pädagogischer Freiraum“.
    Und dennoch sehe ich die Notwendigkeit, dass der Schulbetrieb nun bald wieder starten sollte. Selbstverständlich unter und erst nach gründlicher Abwägung aller Aspekte und entsprechender Vorbereitung an den Schulen. Meine Schule scheint mir derzeit meilenweit entfernt von einem angemessenen Hygienekonzept und ich bin mir auch nicht sicher, ob wir am Ende dann so aufgestell sein werden, dass wir allen Anforderungen und Beteiligten gerecht werden. Sicher bin ich mir aber, dass es für etwa die Hälfte meiner SchülerInnen schon jetzt überaus wichtig wäre, dass sie wieder einen mehr oder weniger geregelten Schulalltag haben, um nicht einen nur schwer aufzuarbeitenden Nachteil zu haben oder sogar Schaden zu nehmen. Und wenn ich die Eltern meiner SchülerInnen richtig verstehe, stoßen auch sie überwiegend an ihre Grenzen. Die Eltern nämlich arbeiten regulär weiter, treibt Homeoffice oder existenzielle Sorge um den Arbeitsplatz um, quälen sich im Homeschooling damit, ihre Kinder zum Lernen zu motivieren und übernehmen die Lehrerrolle und sind, zusätzlich belastend, in ihrem Bewegungsradius sowie ihrem Freizeitverhalten stark eingeschränkt. Vielfach wurden sie (und die Kinder) „genötigt“, schulische Angelegenheiten über Smartphone, PC, Laptop oder Tablet zu erledigen, sich in Lernplattformen reinzufuchsen, massenhaft Arbeitsblätter auszudrucken, für Unterrichtsstunden via Internet zu festgelegten Zeiten parat zu stehen und Rechenschaft über das Geleistete abzulegen. Eigentlich eine Zumutung für die Eltern! Auf der Strecke bleiben bei dem Ganzen der häusliche Friede, die Nerven, die Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern, Kinder mit Migrationshintergrund, deren Eltern der deutschen Sprache kaum mächtig sind, Kinder aus sozial schwachen Elternhäusern, Kinder Alleinerziehender Elternteile. Um all die mache ich mir schon im schulischen Normalalltag Sorgen. Für diese Kinder ist es zwingend notwendig, dass die Schule wieder startet. Mit jeder Woche die vergeht werden die bestehenden und zukünftigen Schulprobleme dieser Kinder größer. Wie wollen wir das je wieder auffangen? Wir konnten das ja nicht mal ohne/vor Corona! Meine SchülerInnen brauchen mich und vermissen übrigens ausnahmslos alle die Schule!!
    Deshalb macht es Sinn, nun wirklich bald mit guten Konzepten und im Bewustsein eines Restrisikos für alle Beteiligten schrittweise wieder zu starten. …. so gerne ich auch auf all die geschilderten Unannehmlichkeiten meines Berufs verzichten würde und mein Homeoffice schätze!

    • Das ist der einzig vernünftige Lehrerkommentar hier. Endlich mal jemand, der nicht ausschließlich an seine eigene Befindlichkeit denkt und ein mögliches Restrisiko nicht überbewertet. Danke, dass es auch solche Lehrer noch gibt.

  13. Ich kann mich den kritischen Stimmen oben nur anschließen: Die Vorschläge der Leopoldina gehen weit an der Praxis vorbei. Wenn von wissenschaftlichen Gremien konkrete praktische Hinweise gegeben werden, müssen auch Praktikter*innen gefragt werden und das wurde hier offensichtlich versäumt.

    Schade ist allerdings, dass hierzu nur männliche Kollegen zu Wort kommen (was die Überschrift allerdings auch schon vermuten lässt: „LEHRER stellen sich dagegen…“). Wieso wurde keine Frau hierzu befragt? Weil Frauen selten Vorsitzende in den Verbänden sind? Finde den Fehler…

  14. Denen ist doch egal ob kinder ob erwachsene die verdienen ihren geld hanen alles andere sind denen egal vor allem kinder grundschule sekunder gemeinscahft schule alle sind noch minderkâhrige kinder und keiner word sich an die regeln in der schule einhalten können nach stuffe öffnung was soll das heißen ob das was bringt es wird nur noch schlimmer schule 1.5 abstand weg glaubt das wir schüller familien werden als versuchskanischen gesehen verngesteuertes spielzeug mesken wie sollen kinder mesken tragen neim lernen wie sollen pausen sein mit abstand es wird nicht klappen manche kinder müssen bvg fahren langen weg haben so leicht können die entscheidung treffen wie sollen die sich auf prüfung konzentrieren wen das kopf mit angst gefahr aufpassen voll ist haben familien großeltern es gibt chronisch kranke kinder kein bewußte eltern werden ihre kinder schicken wollen erst garantie sicherheit das kein risiko gefahr mehr ist ansonsten sind die jâhnigen schuld sind verantwortlich sein wen was pasieren solte keiner wird dann ruhe geben und ihr recht suchen klagen

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