„Tribunal gegen Lehrer“: Einhellige Kritik an Plasbergs Talkrunde zu Schulen

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BERLIN. Selten waren die Reaktionen so einhellig, selten wurde Moderator Frank Plasberg so deutlich Parteilichkeit vorgeworfen: In der Sendung „Hart aber fair“ diskutierten der Gastgeber und seine Gäste über das Thema „Kinder und Schule zuletzt: Scheitern Schulen an Corona?“ Die Frage schien allerdings nur rhetorischer Natur zu sein. Plasberg, so attestieren ihm zahlreiche Medienbeobachter, hatte die Antwort schon vorab parat. Könnte es daran liegen, dass der Journalist als Anwalt in eigener Sache auftrat? Plasberg ist Vater eines Grundschulkindes. Einen aktiven Lehrer suche man in der Runde hingegen vergebens. Wir haben Reaktionen gesammelt.  

Befangen? „Hart aber fair“-Moderator Frank Plasberg. Foto: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Berliner Morgenpost: „Es wurde vor allem ein Tribunal gegen die Lehrer. Das lag allein am Gastgeber: Immer wieder attackierte Frank Plasberg mit harten Fragen Udo Beckmann von der Lehrergewerkschaft VBE. So stellte er etwa dessen Aussage infrage, wonach die Lehrer ‚am Limit‘ arbeiten würden. Auch kritisierte Plasberg, dass viele Lehrkräfte den Brückentag zu Himmelfahrt nahmen – anstatt als Symbol dennoch zu unterrichten. Das hatte einen populistischen Hauch, korrespondierte aber mit dem Gefühl vieler Eltern, wonach die Corona-Zeit für manche Lehrer eine Gelegenheit sei, sich auszuklinken.“

„Auf das Versagen der Lehrer zugespitzt“

Watson: „Eigentlich sollte es bei ‚Hart aber fair‘ um das Thema ‚Kinder und Eltern zuletzt – scheitern Schulen an Corona?‘ gehen. Aber Moderator Frank Plasberg spitzt das Thema (…) dann doch sehr stark auf das Versagen der Lehrer zu. Gleich am Anfang haut Plasberg einen raus: Engagierte Lehrer seien ‚Exoten im Übungsblattzeitalter‘. Während es Selbstständige wie Restaurantbetreiber eilig gehabt hätten, endlich wieder zu arbeiten, habe er ‚bei den Lehrern nicht den Eindruck, dass sie es so eilig haben, den Präsenzunterricht wieder stattfinden zu lassen‘, ätzt Plasberg. ‚Macht es einen Unterschied, ob man Beamter ist, oder um seinen Arbeitsplatz fürchten muss?‘ Das fragt der gut verdienende Freiberufler mit festem Sendeplatz. Er will das alles aber ‚nicht als Lehrer-Bashing verstanden‘ wissen. Nur: Was ist es dann?“

Focus: „Es entwickelte sich (..) eine recht angespannte, bald schon ziemlich verfahrene Debatte, die kurz davor war, in einem unschönen Lehrer-Bashing auszuarten – vor allem weil keine Lehrer anwesend waren. Nie gut fürs Klima eines solchen TV-Talks, wenn die Adressaten der vorgebrachten Kritik fehlen.“

Welt: „Schade nur, dass Plasberg – auch wenn die Frauenquote in dieser Sendung vorbildlich war – ebenfalls und erneut die alten Rollenbilder tradiert: Die Frage, welche Note ihnen ihre Kinder für den heimischen Unterricht geben würden, stellt er Collien Ulmen-Fernandes und Franziska Giffey, nicht aber dem fünffachen Vater und Vorsitzenden des Bundeselternrates, Stephan Wassmuth.“

„Immer wieder das Stichwort ‚Brückentag'“

Merkur: „Die Frage, was die Schulen in der aktuellen Situation brauchen, wurde schnell von den Sticheleien des Moderators übertönt. Wohl im Bemühen um eine kontroverse Diskussion, brachte Frank Plasberg immer wieder das Stichwort ‚Brückentag‘ ins Spiel. Die Empörung darüber, dass viele Lehrkräfte den vergangenen Brückentag nach Himmelfahrt frei machten, anstatt weiter zu unterrichten, nahm Plasberg mehrmals zum Anlass, seine Gäste zu unterbrechen. Eingespielte Erfahrungsberichte verschiedener Eltern in der Krise verdeutlichten, wie schlecht der Online-Unterricht in Teilen funktioniert. Die Erkenntnis, dass die Qualität des Unterrichts stark vom Engagement der einzelnen Lehrpersonen abhängt, führte dann jedoch zu einer zum Scheitern verurteilten Diskussion um die Frage des Beamtentums und vermeintlich ungerechten Privilegien von Lehrkräften.“

Der Westen: „Schon der Titel der Sendung versprach Zündstoff. Scheitern denn nun die Schulen an Corona, oder ist es die Politik, die es nicht schafft, den Lehrern, Schulen und Eltern ordentlich zur Seite zu springen? Für Frank Plasberg schien das Problem schon zu Beginn der Sendung klar. Die Schulen und ihre Lehrkräfte würden es versäumen, sich anständig um die Kinder zu kümmern. Anders lässt sich wohl seine provokante Frage nach dem Brückentag am vergangenen Freitag an den Bundesvorsitzenden des Verbands Erziehung und Bildung, Udo Beckmann nicht erklären.“ News4teachers

Hier – in der Mediathek der ARD – lässt sich die komplette Sendung anschauen.

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Wie die „Bild“-Zeitung in der Coronakrise Stimmung gegen Lehrer macht – „Der neue Vorwurf ist ein alter: Freizeit geht vor!“

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38 KOMMENTARE

  1. Habe es auch gesehen. War echt unverschämt.

    Seit Jahren wird auf Lehrer eingedroschen.

    Ich sage nur noch: Studiert es selber und werdet Lehrer. Dann ist immer ganz schnell Ruhe.
    Wenn Lehrer sein so ein schöner Beruf ist, warum haben wir dann so einen Lehrermangel….

  2. Plasberg und Co sind unser Untergang!
    Wenn Schule und Lehrer öffentlich ständig schlechtgeredet werden – und unsere Kinder das mitbekommen….sehr hilfreich.

  3. War selbst bis vor Kurzem noch aktive Lehrkraft und habe die Sendung auch gesehen. So schlimm fand ich sie nicht, dass der Begriff „Tribunal gegen Lehrer“ gerechtfertigt gewesen wäre. Deswegen verstehe ich auch nicht die ausgewählte Zitierung in der Artikelüberschrift.

    Das kann wieder nur zu einem Sturm der Entrüstung mit Aufzählung der viel zu vielen Lehreraufgaben führen, verbunden mit der Forderung nach endlich mehr Anerkennung.
    Ich glaube, dass dieser immer gleiche Tenor der Öffentlichkeit ebenso auf den Wecker geht wie den Lehrern die immer gleich anmutende Kritik an ihrem Berufsstand.

  4. Ich bin wirklich fassungslos. Wenn er es doch so viel besser weiß und kann als wir und er in uns eh nur unfähige Drückeberger sieht, dann bietet diese Zeit ihm doch die Möglichkeit, alles besser zu machen. Soll er doch…
    Solch unreflektierten Mist ohne Hand und Fuß nenne ich „Stammtischparolen“ und nicht ernstzunehmenden Journalismus.

  5. Vll. sollte die Politik einfach mal allen Lehrern und allen in der Bevölkerung einen Gefallen tun, und für Lehrer Stempeluhren einführen lassen. In Zeiten von Handy und Apps, sicherlich kein Problem!
    Das ist das einzige, was wirklich dazu führen würde, dass die Arbeit in Lehrerkollegien gerecht verteilt würden, und nicht immer die gleichen Lehrer so viel machen, während ein paar wenige den gesamten Ruf mal wieder ruinieren.

    • Ich bin Grundschullehrer und wäre auch dafür, die Arbeitszeit zu erfassen. Ich würde tatsächlich gerne mal wissen, wie viel ich übers Jahr verteilt arbeite und ob die Ferien ausreichen, um das auszugleichen. Dennoch bin ich mir sicher, dass das nie passieren wird, aus dem einfachen Grund, weil unsere Politiker wissen, dass sie sich Schule dann nicht mehr leisten könnten.
      Wenn ich allein die Überstunden zu den Halbjahresgesprächen einrechne (vorbereiten und durchführen sind etwa 1,5 bis 2 Zeitstunden Arbeit pro Kind), kommt allein im Januar locker ne Woche an Arbeitsstunden obendrauf. Dann noch mehrtägige Schullandheimaufenthalte, Elternabende, Klassenfeste, Ausflüge, Inklusion (Hilfepläne, Gesprächsrunden) …, was alles im normalen Wochenarbeitspensum nicht eingerechnet ist und sonderbarerweise immer nur für Klassenlehrer anfällt.
      Die Sendung hab ich übrigens nicht gesehen, weil ich Montagabend noch gut zu tun hatte.

      • Sie sprechen mir absolut aus der Seele. Ebenfalls als Grundschullehrerin mit Klassenleitung habe ich wirklich meine Arbeitszeit mal notiert. Im Schnitt komme ich auf ca. 45-50 Wochenstunden. Die Ferien reichen dafür knapp zum Ausgleich, allerdings sind dann keine Urlaubstage eingerechnet.
        Ich mag meinen Job dennoch sehr, allerdings finde ich die ständige Rechtfertigung und fehlende gesellschaftliche Anerkennung sehr zermürbend. Aber was will man auch erwarten, solange besonders Grundschullehrer auch politisch nur sehr wenig Wertschätzung und Anerkennung erfahren (siehe z.B.im Gehalt).

      • Ich praktiziere das seit ca 1,5 Jahren. Ist vor allem vor dem Hintergrund der Entgrenzung der AZ und gegenüber Vorgesetzten wichtig, aber auch erkenntnisreich ! Inzwischen plädiere ich für einen geregelten 8-9 Stundentag mit Anwesenheitspflicht in der Schule und dann ist Schluss mit Arbeit! Keine Arbeit mehr daheim! Korrekturen nur noch innerhalb dieser 8-9 Stunden! Mal sehen! Was die Eltern etc. dann für Argumente anbringen

        • Wichtig:
          Sollte den Eltern die private telefonnummer bekannt sein, läuft da nach 1700 Uhr nur ein Anrufbeantworter.
          Ich selbst gebe allenfalls meine dienstliche Email-Adresse bekannt und lese die Eingänge nur während der Dienstzeit und beantworte sie auch nur bis spätestens 1730 Uhr. An langen Tagen im Ganztag fällt mit der letzten Unterrichtsstunde um 1600 der Hammer.

  6. Ich bin selbst keine Lehrerin, doch selbst ich fand die Sendung zum Fremdschämen. Dabei sollte Herr Plasberg doch am besten wissen, dass auch Vor- und Nachbereitung zur Arbeitszeit gehört und nicht nur die Präsenszeit. Ich werfe ihm als Moderator ja auch nicht vor, er wäre überbezahlt im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und würde nur GEZ Gebühren einheimsen, wo er doch gerade mal am Montag Abend ne Stunde arbeitet und den Rest der Woche frei hat.

  7. Könnte aber sein, dass mit einer realistischen Arbeitszeiterfassung dann plötzlich doppelt so viele Lehrer gebraucht werden oder jede Menge Mehrarbeit bezahlt werden müsste…

    Vielleicht sollte die Politik einfach mal allen Menschen klarmachen, dass Lehrer ihren Job genauso machen wie alle anderen Leute in allen anderen Berufen auch und gerne jeder dabei helfen kann, unsere Aufgaben noch besser zu tun.
    Manchmal wär es schon ungemein hilfreich, wenn man uns einfach mal unterstellen würde, dass wir einen anderen Grund hatten den Beruf zu ergreifen als den, den man uns immer wieder populistisch unterstellt, weil es so bequem ist, die Folgen einer unterfinanzierten Sozial- und Bildungsarbeit den Akteuren in die Schule zu schieben.

    Einfach mal live reingucken in eine echte Schule von heute und dann beurteilen, ob das eine Lebensaufgabe für einen selbst sein könnte… unverbrauchte Kräfte sind vermutlich in jeder Schule willkommen…
    Es kann zwar nicht jeder Lehrer, aber jeder kann Lehrer lernen!

  8. Plasberg war noch nie gut, so wie fast jeder Talk im ARD zum Scheitern verurteilt ist. Warum hat dieser Schnösel überhaupt Sendezeit? Warum muss man so jemanden mit seinen Rundfunkbeiträgen mittragen?

    • Weil er schön populistisch und polemisch ist und immer gekonnt wunderbar alle unterbricht, die mit seiner Meinung nicht konform sind. Das kann er besonders gut! Dann hat er die Aura eines Intellektuellen und ist dabei auch mal schnoddrig. Wow! So in der Richtung „investigativer Journalismus“ (Muahahahahhihih!!!). Das macht sich auch immer gut im Fernehen…Das wollen die Leute, die für mehr nichts drauf haben!
      Wenn ich da mal aus Versehen reinzappe, kann ich mir das nie ganz anschauen, weil der Mann unerträglich ist und seine Sendungen immer gleich (unkreativ!) aufgebaut sind: Ein Filmchen zum Einspielen oder Zwischenspielen oder Ausspielen, meist inhaltlos und tränendrüsenstark, oft auch unsachlich und suggerierend. Dann Gerede, Salbadern, Anschuldigungen, Unterbrechungen. Betroffenheit. Ratlosigkeit. Angriff……Manchmal variiert da die Reihenfolge aber insgesamt ist es immer dasselbe Szenario. Aber verlässlich. Die Leute brauchen das! Am Ende (wenn ich es bis da hin schaffe!!) bin ich NIE klüger.
      Quintessenz des Ganzen: nicht anschauen. Lohnt sich einfach nicht. Lieber die Sockenfusseln zwischen den Zehen herauspulen; das ist befriedigender und man hat was in der Hand…..

  9. Plasberg hat so getan als hätte man Objektiv auf die Sache geschaut. Dafür haben mir aber die positiv Beispiele gefehlt, da wo es wirklich gut klappt für diese so neue Situation für alle. Das war Lehrerbashing vom feinsten, echtes Bildzeitungsniveau. Natürlich gibt es Negativbeispiele (wie übrigens in jedem Beruf schwarze Schafe sind). Aber ich kenne genauso viele Beispiele von Lehrern, die sich weit über das normale Maß engagieren.
    Traurig und sehr demotivierend für alle die, die sich auch freiwillig in den Ferien zum Dienst gemeldet haben.
    Schlimm ist auch, dass der Mangel an Digitalisierung den Lehrern vorgeworfen werden. An unserer Schule kämpfen wir wie gegen Windmühlen seit Jahren für einen WLAN Anschluss, sowie Medienausstattung in den Klassenzimmern. Wir haben ein Medienkonzept erstellt und bei einer Stiftung wenigstens einen Klassensatz Ipads gewonnen. Sind offen für Fortbildungen (auch Ü50 jährige) und haben bisher eher qualitativ schlechte Fortbildungen gehabt. Stöndig heißt es, dass wir auf Grund der neuen Datenschutzverordnung nichts dürfen. Das Schulamt erlaubt uns nicht mal Emailkontakt (das müsste ja alles verschlüsselt sein). Kompliziert muss alles über die Elternsprechern per email verteilt werden. Geräte müssen wir uns selbst kaufen.
    Ich finde es kommt gerade zur Neiddebatte, verständlicherweise. Wenn ich noch in meinem alten Beruf wäre, hätte ich jetzt Kurzarbeit und müsste mich mit meinen Kindern abplagen. So plage ich mich mit meinen Kindern ab und versorge meine Klasse analog und digital mit Material und fahre bei jedem einzeln vorbei um Lernmaterial nach Hause zu bringen.
    Ich habe ja „Cotonaferien“. Denn ein Lehrer arbeitet ja nur in der Schule.
    Plasberg hat bei mir den Stemple des unseriösen Talkmasters, der die Stammtischparolen aufgenommen hat um Quoten zu erreichen. Sehr billig. Schade, dass dann auch noch das Kultusministerium direkt einknickt und von Schulöffnung spricht ohne uns als Lehrer in irgendeiner Form mitzunehmen oder zu informieren. Danke hierfür. Mehr Missachtung kann kaum ein Beruf erfahren.

    • Mir fehlen auch die positiven Beispiele. Aber nicht bei Herrn Plasberg, sondern im realen Alltag: Mein Sohn (7) hat seine Klassenlehrerin in 10 Wochen 2 x (in Worten zwei Mal) kurz für 5 Min gesehen. Kein Telefonat, von Video-Konferenz ganz zu schweigen, einmal kam ein Brief. Schlecht lesbare Kopien werden 1 x Woche ausgehändigt (2 x von Klassenlehrerin, sonst von einer oder einer anderen Vertretung, die er nicht kannte. Das war‘s. Keine, bzw. kaum Kontrollen der geleisteten Arbeit. So schafft man kein Vertrauen ins (hessische) Schulsystem. Nur eine Erfahrung. Das hat nichts mit Lehrerbashing zu tun. Das ist unsere Erfahrung.

      • Von welchem Telefon hätte sie den anrufen sollen?

        Warum schreien alle nach Kontrolle? Ziel ist es doch die Lernenden zur Eigenverantwortlichkeit zu erziehen. Warum kommunizieren die SuS, die ja alee digital-native sind, nicht untereinander in Partener- oder Gruppenarbeit? Das alles haben die nämlich im Präsensunterricht gelernt. Ebenso die Frage, warum setzen sich die SuS mit den lehrkräften sich nicht von sich aus (intrinsisch motiviert) in Verbindung?

        Die Konsumentenhaltung einiger Schüler*innen und der dazugehörigen Erziehungsberechtigten ist unerträglich. Ich bin laut Arbeitsvertrag und Arbeitsplatzbeschreibung kein Dienstleister. Und ohne IT-Abteilung oder sonstigen Support, wie er in jedem Unternehmen und anderen Stellen der öffentlichen Verwaltung üblich ist, den auf Präsensunterricht ausgerichteten Unterrichtstag in Fernunterricht umzugestalten, ohne jegliche konkrete Vorgaben durch vorgesetzte Dienststellen, muss eben scheitern. Er scheitert aber nicht an den Fähigkeiten und Fertigkeiten von Lehrkräften.

        Wenn der heimische Drucker nicht sonderlich gut ist, werden die Kopien oder mehrfachausdrucke eben nicht besser. You get, what you pay for.

  10. „Könnte aber sein, dass mit einer realistischen Arbeitszeiterfassung dann plötzlich doppelt so viele Lehrer gebraucht werden oder jede Menge Mehrarbeit bezahlt werden müsste…“ Das wäre doch für uns alle das Beste! Endlich keine unsachliche Berichterstattung mehr. Dienstzeit täglich von 7.30 bis 16.30. Elterngespräche und Elternabende finden während dieser Zeit statt. Beim Arzt kann man auch nicht außerhalb der Praxissprechzeiten aufschlagen. Und für Klassenfahrtet gibts dann endlich Nachtzuschlag! Kinder, die nach der Klassenfahrt nicht pünktlich abgeholt werden, werden dem Jugendamt übergeben (ist in jeder Kindertagesstätte so!)

  11. Nein, ein Acht-Stunden-Arbeitstag würde bedeuten, dass die Dienstzeit von 7.30 bis 15.30 gehen dürfte! Sämtliche Planung, Unterrichtsvorbereitung, Elterngespräche etc., etc. muss dann während dieser Zeit stattfinden. Der reguläre 8-Stunden-Arbeitstag wäre der Jackpot für uns Lehrer. Wir sollten uns ausdrücklich und mit allen Kräften (mit GEW, VBE) dafür stark machen!! Alles, was darüber hinausgeht, muss selbstverständlich auch so vergütet werden. Schluss mit dieser Ausbeutung!

    • 0730 bis 1530 Uhr plus eine hlbe Stunde Pause an allen Unterrichtstage. Ich habe schon mehrmals vorgerechnet, dass Lehrkräfte eigentlich netto nur rund 20 Tage mehr unterrichtsfreie Zeit haben als andere Arbeitnehmer arbeiten müssen. Das sind bei einer 8 Stunden Arbeitsverpflichtung je Tag 160 Arbeitstunden. Diese geteilt durch 40 Schulwochen, also 200 Tage, ergibt 160 durch 200 48 Minuten je Tag, die mehr gearbeitet werden müsste.

      0730 bis 1650 Uhr ist also der Arbeitstag dann lang.

        • … abzüglich der drei Vorbereitungstage am End eder Sommerferien. Die sind Arbeitszeit.
          Aber de facto keine Korrekturen oder Prüfungsvorbereitungen in den unterrichtsfreien Zeiten.

          Es wäre schon hilfreich, wenn die Schulbehörden einmal klarstellen würden, dass Schüler und Schülerinnen einen Anspruch von 60 unterrichtsfreien tagen haben, der sich auf die „Betriebsferien“ erstreckt, dass Lehrkräfte – wie andere Arbeitnehmer auch – einen gesetzlich geregelten Urlaubsanspruch haben, den sie während der „Betriebsferien“ zu nehmen haben. Und vor allem dass die Differenz zwischen Urlaubsanspruch und unterrichtsfreier Zeit nicht mehr als die dargelegten 4 Wochen sind. Im gegensatz zu anderen Arbeitnehmern können Schulen aufgrund der beweglichen Feiertage nämlich nur max. drei „Brücken bauen“. Und die müssen – hier in NRW – mit allen Schulen eines Schulträgers abgestimmt werden, damit der Steuerzahler an diesen „gemeinsamen Brückentagen“ keinen Schulbusverkehr finanzieren muss.

          • Btw es wird gerne übersehen, dass die gesetzlichen feiertage, die in die Schulferien fallen, nicht als Urlaubstage zählen. Selbst wenn eine Lehrkraft 14 Tage „Osterferien“ hat, sind das ja nur 8 Unterrichtstage, da Karfreitag und Ostermontag nicht angerechnet werden können. Selbst die bezieher von KuG dürften das an ihrer Gehaltsabrechnung im April gesehen haben. Die Zahl der Kurzarbeitstage umfast nämlich nicht die beiden genannten Feiertage .
            In den weihnachtsferien sind Heiligabend und Sylvester als jeweils halbe tarifliche Feiertage abzu ziehen. Hinzu kommen der erste und der zweite Weihnachtsfeiertag, sofern sie nicht auf ein Wochenende fallen, sowie der Neujahrstag am 1. Januar.

    • Aber auch nur wenn der Lehrer ohne Mittagspause und jegliche andere Pause durcharbeitet. Ansonsten eher 16.30 Uhr inkl.Pausen und man darf auch nicht vergessen, dass eine Schulstunde nur 45 Minuten hat.
      Problem ist wohl eher, dass man es niemals realistisch erfassen kann solange Lehrer nicht Büroräume in den Schulgebäuden haben , in denen die sich bis zum Ende der Arbeitszeit aufhalten müssen. Ansonsten würde die Arbeitszeit auf gut Glauben dokumentiert…und da kann ja jeder dokumentieren was er will. Zuhause wird man nie kontrollieren können ob das auchstimmt….

      • 7.30 bis 16.30/16.50 wäre für mich eine enorme Verbesserung! Ich arbeite an einer Ganztagsschule und komme selten vor 17.00 aus der Schule raus. Die Vorbereitung mache ich dann (nach einer Pause) ab 19.00 bis open end am Abend. Die meisten Menschen „da draußen“ haben keinen Blassen, wie hammerhart so ein Schultag ist (noch dazu im Brennpunkt, wie bei uns). Ich bin alldiese Respektlosigkeiten, Beschimpfungen und Stammtischparolen satt. Lasst uns den „regulären“ 8-Stunden-Tag für alle Schulen in Deutschland forden!!

      • „Ansonsten würde die Arbeitszeit auf gut Glauben dokumentiert…und da kann ja jeder dokumentieren was er will. Zuhause wird man nie kontrollieren können ob das auchstimmt….“

        Nein lieber Hubi,
        Da wir als Beamte einen Diensteid geleistet haben, wie übrigens auch Richter etc., unterstehen wir einem besonderen Treueverhältnis gegenüber unserem Dienstherrn. Das ist jedoch keine Einbahnstrasse, denn auch der Dienstherr ist durch dieses besondere Dienstverhältnis daran gebunden, uns einen entsprechenden Vertrauensvorschuss entgegenzubringen. Es wird also niemals diese Aufzeichnung dienstrechtlich hinterfragt werden dürfen, wenn diese nicht wirklich grob fahrlässig und widersprüchlich ist. Für die Richter ist das dienstrechtlich, soweit mir bekannt, auch schon durchexerziert worden und entsprechend für richtig erachtet worden. Das Dienstrecht ist also nicht nur einseitig zu unseren Nachteilen anzuwenden. VG

      • Man darf auch nicht vergessen, dass es nur zwei Pause a 20 Minuten gibt neben der Mittagspause, die eine Stunde dauert. In diesen Pausen müssen dann aber Teile des Kollegiums Aufsichtführen. Ebenso die Busaufsichten zu Beginn und zu Ende des Schultages. Wenn also Pause, dann keine Verpflichtungen, weder Dienstbesprechungen noch Elterntelefonate oder Schülerbegehren etc.
        Die Dauer einer Schulstunde von 45 Minuten findet in der Anrechnung mit dem Faktor 1,5 für Vor- und Nachbereitung übrigens schon ihre Berücksichtigung.

      • Was geschieht den zwischen den Unterrichtsstunden?
        Kleinere Pausen sind kein Leerlauf für Lehrkräfte, in der Regel nimmt man mindestens Aufsicht wahr, ggf. wechselt man den Raum oder organisiert noch etwas.
        In den großen Pausen hat man Aufsicht. Ist das nicht so, gibt es im Lehrerzimmer eine Menge zu klären und abzusprechen. Das Lehrerzimmer ist kein Ruheraum.
        Mache ich es nicht in dieser Pause, mache ich es in der nächsten oder muss es nach Unterrichtsschluss erledigen.
        Warum sollten bei Lehrkräften lediglich die Unterrichtsstunden im 45-Takt, der es oft nicht mehr ist, gezählt werden, sämtliche anderen Verpflichtungen aber nicht?
        Zählen bei anderen auch nur die Tätigkeiten im direkten Kunden/ Mandanten/ Patienten/ Klienten-Kontakt?

        Warum ist es bei anderen Arbeitnehmern möglich, die Zeit zu erfassen, was schon vor Corona so war?

      • @ Hubi: Ich schaffe es in der Schulzeit manchmal gar nicht, zur Toilette zu gehen, weil die Zeiten zwischen den Schulstunden eben keine Pausen sind. Da gibt es diverse Aufsichten, Vorbereitungen in Fachräumen, Absprachen mit Kollegen, Sekretärin, Schulleitung, Schülerprobleme usw… Ist das bei Ihnen auch so?

        • Sie werden es kaum glauben. Ich kann oft Stundenlang nicht zur Toilette, habe meistens keine Mittagspause und arbeite zur Zeit mindestens 8,5h am Tag mit Mundschutz, teils auch deutlich länger je nach Dienst und ja, das geht alles ohne ständig drüber zu jammern.

      • Ich denke von einem Beamten kann man erwarten, dass er ehrlich seine Arbeitszeit abrechnen würde, alles andere würde das Vertrauensverhältnis wohl so stark belasten, dass eine Entfernung aus dem Beamtenverhältnis der logische Schluss wäre.

        Es gibt übrigens etliche Firmen, die auch ohne Präsenzpflicht die Arbeitszeit durch die Arbeitnehmer erfassen lassen, das funktioniert also selbst in der freien Marktwirtschaft. Wird übrigens bei fast jedem angewendet, der gerade Homeoffice macht. Es wäre bei Lehrern kein Problem und würde zu einer Umverteilung von Aufgaben führen, ich bin mir ziemlich sicher, dass es auch ein paar Kollegen gibt, die nicht an die 41 Wochenstunden herankommen, manche machen sich ja tatsächlich nen faulen Lenz, währen andere immer mehr erledigen müssen!

        • Nennt sich Vertrauensarbeitszeit und ist Bestandteil von vielen Tarifverträgen, meist gekoppelt an das Entgeltrahmenabkommen (ERA).

          Die Bemessung der Arbeitszeit wird in den meisten Fällen immer noch mit der Dauer der Anwesenheit am Arbeitsplatz. Da Lehrkräfte keinen Arbeitsplatz haben, können sie außerhalb des Unterrichtes auch nicht arbeiten.

          Find den fehler!

    • Die Stempeluhr in der Schule wünsche ich mir schon sooo lange und einen warmen Arbeitsplatz, nicht mein kaltes Klassenzimmer am Nachmittag/Abend. Ach ja, ich kann ja auch zu Hause arbeiten in meinem selbst finanzierten Homeoffice mit meinen selbst gezahlten digitalen Endgeräten. Spart dem Staat einen Haufen Geld, aber wir machen ja alles mit. Es gab mal eine Zeit, da konnten wir unser Arbeitszimmer nicht einmal von der Steuer absetzen (oder es war in der Diskussion), da wollten wir aus Protest alle in der Schule arbeiten. Ging nicht lange, da gibt es leider nur 1 PC für alle (der nicht immer geht).

      • Bei einer ordentlichen Ausstattung hätte ich auch nichts, gegen eine generelle Präsenzpflicht. Sehr sehr gerne sogar! Habe das einmal bei einer Schule eines privaten Trägers miterleben dürfen, das war ein Traum.

  12. Herr Plasberg, schämen sie sich, das ist reiner Populismus.
    Ich bin Lehrer und Vater, aber so einen unqualifizierten Journalisten habe ich noch in keiner Sendung gesehen.

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