SPD-Chefin Esken kocht Debatte um Samstagsunterricht wieder hoch

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MAINZ. Die Debatte um einen möglichen Samstagsunterricht ebbt nicht ab – zuletzt befeuert von der SPD-Vorsitzenden Saskia Esken. Befürworter, darunter auch Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU), sehen im Schulbesuch am Samstag eine Möglichkeit, Schülern mehr Präsenzzeiten bis zu den Sommerferien zu ermöglichen. Für viele Kinder ist das Schuljahr sonst nämlich so gut wie gelaufen.

Bringt Samstagsunterricht ins Gespräch: die SPD-Vorsitzende Saskia Esken. Foto: Anne Braun for Wikimedia Deutschland / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Für die Sozialdemokratin Stefanie Hubig steht trotz Corona-Pandemie ein Schulunterricht an Samstagen oder in den Abendstunden nicht zur Debatte. «Wir müssen auch die Belastung unserer Lehrkräfte, aber auch die der Schülerinnen und Schüler wie der Eltern im Blick behalten», sagte die rheinland-pfälzische Bildungsministerin und KMK-Präsidentin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Auch eine Verkürzung oder Verschiebung der Sommerferien halte sie für falsch.

Zuvor hatte SPD-Parteichefin Saskia Esken den Samstagsunterricht wieder ins Gespräch gebracht. «Ein „normaler“ Unterricht ist derzeit undenkbar, auch nicht im neuen Schuljahr», sagte sie der «Süddeutschen Zeitung». Wegen des Abstandsgebotes werde auch nach den Sommerferien lediglich ein Schichtunterricht in kontrollierbaren kleinen Gruppen angeboten werden können, begleitet von digital gestützten Lernangeboten für zu Hause. «Wie lange das so bleibt, hängt womöglich davon ab, wann ein Impfstoff kommt.» Schulen müssten nun ein System aus Präsenz- und Fernunterricht aufbauen, das im neuen Schuljahr Bestand habe. Damit das Schichtmodell gelinge, könne sie sich auch Samstagsunterricht vorstellen.

„Sechs-Tage-Woche logistisch leichter zu bewerkstelligen“

Ähnlich hatte zuvor der Thüringer CDU-Bundestagsabgeordnete Mark argumentiert. «Denkt man die Pläne konsequent weiter, die Jahrgänge schrittweise und gestaffelt zurück in die Schulen zu bringen, wird man den Samstag brauchen, um alle Schüler in einem angemessenen Umfang unterrichten zu können», erklärte Hauptmann. Er halte es für zumutbar, dass Unterricht bis zu den Sommerferien auch an Samstagen stattfinde.

Hauptmann befand, dass mit einer Sechs-Tage-Schulwoche die Belegung der Schulen mit Kindern und Jugendlichen in kleineren Klassen besser verteilt werden könnte und damit das Ansteckungsrisiko zwischen den Schülern verringert würde. «Für die Landkreise wäre es unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln zudem logistisch einfacher, die Schulbusse an sechs Tagen jeweils einmal fahren zu lassen, anstatt sie an fünf Tagen unter Umständen mehrmals einsetzen zu müssen», sagte der Politiker.

Lehrerverband: Keine Ahnung vom Schulalltag

Der Thüringer Lehrerverband wies den Vorschlag entschieden zurück «Abgesehen davon, dass hierfür keine gesetzliche Grundlage existiert, tragen solcherlei Impulse in keiner Weise dazu bei, konstruktive Lösungen zu finden», erklärte der Vorsitzende des Thüringer Lehrerverbandes, Rolf Busch.

Busch: «Wer solche Vorschläge macht, zeigt, dass er von der Realität an den Thüringer Schulen offenbar wenig Ahnung hat.» Bereits vor der Pandemie sei das System dem Kollaps nahe gewesen. In der Corona-Krise gebe es nun immer neue Aufgaben für die Lehrkräfte. «Bisher hat noch niemand Vorschläge gemacht, was statt der zahlreichen neuen Auflagen weggelassen werden kann, um die Mehrbelastung wenigstens etwas auszugleichen», monierte Busch.

Karliczek: „Kein verlorenes Schuljahr“

Zuvor war Samstagsunterricht von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek und Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (beide CDU) ins Gespräch gebracht worden – um zu verhindern, dass manche Schüler in diesem Schuljahr ihre Schule nicht mehr von innen zu sehen bekommen (News4teachers berichtete ausführlich darüber und zwar hier). „Das Schuljahr sollte für die Kinder kein verlorenes Schuljahr werden. Das wird nicht einfach sein. Und wenn es besser ist, dass Kinder abwechselnd zur Schule gehen, also nur jeden zweiten Tag, wird man womöglich den Samstag brauchen, um alle dreimal pro Woche zu unterrichten“, so erklärte Karliczek.

Es sei schwierig, so hatte zuvor Prien betont, wenn einzelne Jahrgänge bis zu den Sommerferien nicht mehr in die Schule kämen. Das wolle sie möglichst vermeiden. News4teachers / mit Material der dpa

Sollen Schüler samstags zur Schule gehen? Prien legt nach – GEW widerspricht

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3 KOMMENTARE

  1. Was sagt eigentlich der Dackel von Wolgang Schmidt aus Berlin Neuköln zum Samstagsunterricht? Der hat da bestimmt auch eine Meinung zu und finde ist vermutlich genau so gewichtig wie jene von Esken oder der „Ich-habe-nei-eine-Universität-von-innen-gesehen“-„Bildungsministerin.

    Beide zeigen in beeindruckender Weise, was in der Politik schief läuft: Die Einmischung in Felder, von denen man keine Ahnung hat noch Kompetenzen.

  2. Dazu müssten bei uns auf dem Land erst mal Busse fahren. Die Eltern werden sich bedanken, wenn sie ihre Kinder am Samstag auch noch in die Schule fahren müssen/dürfen.

  3. Frau Esken scheint unbedingt was sagen zu müssen ohne sich vorher mal sachkundig zu machen. Das gilt auch für die Bundesbildungsministern. Die Politik sollte erst mal die Grundbedingungen für ein funktionierendes Schulsystem liefern: sanierte Schulen, ausreichend Personal und die Grundlagen für digitalen Unterricht.
    Unter den jetzigen Zuständen wäre auch ohne Corona viel zu tun gewesen.

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