Wie Unterricht ohne Abstandsregel laufen soll – Hubig legt Hygienekonzept vor

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MAINZ. Mit Corona-Warn-App, Seifenspender und Hygiene-Beauftragten soll die Wiederaufnahme des Regelbetriebs an den Schulen gelingen: Rheinland-Pfalz hat als erstes Bundesland nun ein umfassendes Hygienekonzept für das kommende Schuljahr vorgelegt. Bildungsministerin und KMK-Präsidentin Stefanie Hubig sowie Mediziner beantworteten Fragen dazu.

Sichert das Hygienekonzept das kommende Schuljahr? Foto: Shutterstock

Das neue Schuljahr bringt Kindern und Jugendlichen in Corona-Zeiten ein Stück Normalität zurück – das ist jedenfalls die Hoffnung. Am 17. August soll der Regelbetrieb wiederaufgenommen werden. Das wirft bei Schülerinnen und Schülern, ihren Eltern und den Lehrkräften viele Fragen auf. Antworten gaben am Mittwoch das Bildungsministerium und zwei Professoren der Universitätsmedizin Mainz.

Ist das nicht viel zu riskant, wenn 30 junge Menschen in einer Klasse zusammensitzen?

In Abstimmung mit Medizinern und Hygiene-Experten hat sich nach Angaben von Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) gezeigt, dass angesichts der seit Wochen niedrigen Infektionszahlen die Klassengemeinschaft wieder in ihren gewohnten Räumen zusammenkommen kann. Dafür gilt eine Ausnahme vom Abstandsgebot. «Aber dafür brauchen wir auch Disziplin», sagte Hubig. Auf Körperkontakte, Umarmungen und Händeschütteln muss weiter verzichtet werden. Das Abstandsgebot gilt auch weiterhin außerhalb der Klassenräume.

Wird die Ausnahme von der Abstandsregel nicht dazu führen, dass sich die Schülerinnen und Schüler auch außerhalb des Klassenraums nicht mehr daran halten?

«Das wird eine Aufgabe für uns alle sein», antwortet die Ministerin. In den Schulen sollen die im neuen Hygieneplan vorgeschriebenen Hygiene-Beauftragten darauf achten, dass sich die Kinder und Jugendlichen an die außerhalb der Klasse geltenden Bestimmungen halten. So schwer es auch fällt: «Auf Körperkontakte, Umarmungen und Händeschütteln ist zu verzichten.»

Wie will der neue Hygieneplan das Infektionsrisiko gering halten?

An erster Stelle steht die persönliche Hygiene mit gründlichem Händewaschen, Husten- und Niesetikette, Mund-Nasenschutz in Fluren, Gängen und Treppenhäusern oder beim Einkauf im Schulkiosk. Ebenso wichtig ist die Raumhygiene mit Stoßlüftungen über mehrere Minuten hinweg. Sie habe in einer Schaltkonferenz mit den Schulträgern deutlich gemacht, sagte Hubig, «dass es wichtig ist, dass die Schulen funktionierende Fenster haben, nicht nur gekippt, sondern weit aufgemacht werden können». Dritter Punkt ist die Hygiene im Sanitärbereich – mit ausreichend Seife, Einmalhandtüchern und täglicher Reinigung. In jeder Schule soll es Hygiene-Beauftragte geben, die dies sicherstellen.

Wie wird der Schulbetrieb aussehen, wenn mit der ersten Erkältungswelle die Angst vor Corona-Infektionen wächst?

Niemand mit Schnupfen, Husten, Fieber oder Halsschmerzen darf die Schule betreten, heißt es im Hygieneplan. «Bei Auftreten von Symptomen während der Unterrichtszeit sind die betreffenden Schülerinnen und Schüler zu isolieren und die Eltern zu informieren.» Wolfgang Kohnen von der Abteilung für Hygiene und Infektionsprävention der Universitätsmedizin Mainz hofft, dass die zunehmende Beachtung der Hygiene-Regeln dazu führen wird, «dass wir diese großen Norovirus-Ausbrüche oder Influenza weniger sehen werden».

Tragen Kinder und Jugendliche nicht in besonderem Maße zur Verbreitung der Pandemie bei?

Das ist wissenschaftlich umstritten. «Nach heutigem Wissensstand sind Kinder keine Superspreader», sagt der Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz, Fred Zepp, beim Termin mit der Ministerin. «Sie bekommen das Virus eher von den Älteren.» Kinder seien eher weniger infektiös als Erwachsene und litten seltener unter einem schweren Krankheitsverlauf von Covid-19 mit einer schweren Lungenentzündung. «Je älter die Jugendlichen werden, desto ähnlicher wird die Viruslast der von Erwachsenen», schränkt der Mainzer Virologe Bodo Plachter ein.

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Plachter hatte am 18. Juni im SWR-Fernsehen noch gewarnt: «Wir haben im Augenblick noch wirklich keinen Überblick, wie gefährlich die Schule ist. Das Problem ist, dass natürlich nach Auftreten dieser Pandemie fast in allen Ländern weltweit die Schulen eben geschlossen wurden, so dass wir nicht wirklich gute Daten haben, was in den Schulen wirklich passieren kann.»

So warnte auch der Chef-Virologe der Berliner Charité, Prof. Christian Drosten, noch vor wenigen Tagen (in seinem NDR-Podcast, Folge 50): «Wir müssen unbedingt damit aufhören, zu sagen, die Kinder sind ja gar nicht betroffen – das ist eine Fehlinformation. Die kann uns auf die Füße fallen.»

Was geschieht, wenn krankheitsbedingt nicht genügend Lehrkräfte für den Regelbetrieb zur Verfügung stehen?

Zurzeit stehen nach Angaben von Bildungsministerin Hubig 13 Prozent der Lehrkräfte nicht zur Verfügung. Sie gehe davon aus, dass dieser Anteil zu Beginn des Schuljahres geringer sei. «Und wir kümmern uns mit Hochdruck darum, dass wir den Vertretungsbedarf abdecken.»

Kann die Corona-Warn-App einen Beitrag zum Gesundheitsschutz an den Schulen leisten?

«Die Nutzung der App soll allen am Schulleben Beteiligten ausdrücklich empfohlen werden», heißt es im Hygieneplan. Einen Konflikt zur Einschränkung der Handy-Nutzung durch Schüler sollte es nicht geben. «Man kann ein Handy auch in der Tasche haben», sagt die Bildungsministerin. «Es muss nicht eingeschaltet auf dem Tisch liegen zum Daddeln.»

Die Abstandsregel ist doch in der Landesverordnung vorgeschrieben, wieso können Schulen jetzt eine Ausnahme machen?

Zur juristischen Absicherung der Ausnahme wird die Corona-Bekämpfungsverordnung entsprechend geändert.

Hier geht es zum vollständigen Hygieneplan für die Schulen in Rheinland-Pfalz, der ab dem 1. August gilt.

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Philologen verlangen von Hubig eine ehrliche Debatte um Corona-Risiken für Schüler und Lehrer – und: einen Milliarden-Pakt für die Schulen!

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37 KOMMENTARE

  1. Ich lese immer „Kinder“… Was ist denn mit den weiterführenden Schulen? Da sitzen Jugendliche und junge Erwachsene und keine Kinder bis 10 oder 12. Und die Einschränkung, die der im Artikel zitierte Virologe diesbezüglich macht, wird wohl einfach unter den Tisch gekehrt. Das wundert mich schon die ganze Zeit, dass immer nur von Kindern die Rede ist, aber nie über die wesentlich älteren Schüler an Gymnasium, Realschule usw. gesprochen wird. Das kann man doch nicht alles über einen Kamm scheren. Da wäre eine differenziertere Herangehensweise angesagt. Aber sicher zu umständlich und zu teuer.

  2. „ Zurzeit stehen nach Angaben von Bildungsministerin Hubig 13 Prozent der Lehrkräfte nicht zur Verfügung. Sie gehe davon aus, dass dieser Anteil zu Beginn des Schuljahres geringer sei. «Und wir kümmern uns mit Hochdruck darum, dass wir den Vertretungsbedarf abdecken.»“. Das glaube ich gern. Wenn man sich den verlinkten Hygieneplan durchliest, findet man dort, dass RP sämtliche LK wieder zurück holt. Eine Befreiung gibt es nur noch mit Attest und einem durch das Gesundheitsamt bestätigten oder Verdachtsfall und einer Bestätigung durch den Amtsarzt – also quasi nie, es sei denn, das Gesundheitsamt ordnet Quarantäne an.

    • Stimmt! Das ist ein Absatz, der 3 Voraussetzungen in Kombination aufweist. Quasi nie ist die richtige Deutung.
      Wie sagte schon Frau Gebauer:“ Es wird Tote geben“. Nur das Wort „Lehrer“ hat sie sich verkniffen….

      • Wird noch „ besser“: Schwangere Lehrerinnen müssen arbeiten kommen, schwangere Schülerinnen erhalten Fernunterricht. Häh? Schwanger ist schwanger, oder sehe ich das falsch?

  3. Die Schulen in Leicester schließen aufgrund einer „ungewöhnlich hohen Inzidenz“ von Coronavirus-Fällen bei Kindern. Der Anteil der Kinder, die in der britischen Stadt positiv getestet wurden, ist von 5% Mitte Mai auf derzeit rund 15% gestiegen.

    https://www.expressandstar.com/news/uk-news/2020/06/30/leicester-has-unusually-high-incidence-of-covid-in-children-minister-says/

    Hessen:

    Die Altersstruktur der Corona-Infizierten hat sich im Zeitverlauf geändert. Seit Mai wächst der Anteil der Altersgruppe von 5-14 Jahren – als die Schulen geschlossen waren, war ihr Anteil an den Neuinfektionen gering; im Mai und Juni stieg er deutlich an.
    Das passiert, wenn man sich auf eine Studie beruft, die während der Schulschließungen erstellt wurde. Als Spielplätze geschlossen waren……. als Kinder nur zu Hause sein durften.

  4. „Wird die Ausnahme von der Abstandsregel nicht dazu führen, dass sich die Schülerinnen und Schüler auch außerhalb des Klassenraums nicht mehr daran halten?“ «Das wird eine Aufgabe für uns alle sein».
    Wenn es nicht so realitätsfern wäre, könnte man darüber lachen. Der Hygienebeauftrage tut mir jetzt schon leid. Er hat eine unlösbare Aufgabe. Und wenn das ein Lehrer sein soll—hat er dann noch Zeit für Unterricht? Schon mal pubertierende Mädels gesehen, die Umarmungen und Küsschen zelebrieren? Und erst recht, wenn sie sich wochenlang nicht gesehen haben. Und überhaupt…Das Bewusstsein für die Notwendigkeit der Abstandsregel wird immer weiter schwinden, sieht man ja jetzt schon im Alltag. Das Ganze kann man als Erwachsener schon nicht ernst nehmen, wie sollen da erst Kinder klarkommen. Völlig widersprüchlich. Bei der Öffnung der Grundschulen und Kitas wurde ja als Ausgleich für den Infektionsschutz wenigstens noch auf feste Gruppen mit einem Lehrer gesetzt, damit man Infektionsketten nachvollziehen kann und nicht alle Gruppen betroffen sind. Das geht ja in den weiterführenden Schulen nicht, also wie will man an Schulen mit mehreren 100 Schülern Infektionsketten klären? Das muss dann wahrscheinlich auch der Hygienebeauftragte machen…

    • Ehrlicherweise merkt man eine entsprechende Wirkung schon bei sich selbst. Wenn ich morgens 5 Stunden ohne Maske und Abstandsregel mit knapp 30 Personen in einem Raum sein darf, tue ich mich echt schwer, für 20 Minuten Einkaufen noch eine Maske aufzusetzen, zumal ich dabei im großen Supermarkt wunderbar auf Abstand achten kann.

  5. Hauptsache, wir helfen jemandem an der Schule den Posten des Hygienebeauftragten über, der oder die am Ende die Verantwortung zugeschoben bekommen kann.

    Wie soll denn einE Hygiene-BeauftragteR an der Schule die angesetzten Maßnahmen sicherstellen, wenn weder das Land noch der Träger zur Umsetung imstande sind?

    Wie wäre es, wenn der oder die Beauftragte dann bei unzureichender Umsetzung der Konzepte auch die Befugnis erhält, zum Schutz aller dort Lernenden, Lehrenden oder Tätigen die Schulen schließen zu können, bis nachgebessert wurde?

  6. Ergibt sich die Frage, ab welchem Punkt eines erhöhten Infektionsgeschehens der Schutz für Risikogruppen bei Schülern, Eltern und Lehrern wieder greift, der Abstand wieder auch im Klassenzimmer eingehalten und die Gruppen geteilt werden müssen usw. Wenn da genauso zögerlich gehandelt wird wie in NRW beim explosiven Ausbruch bei Tonnies… Aber Rabe aus HH hat ja im Hinblick auf Schulschließungen schon verkündet : „die Schulen zuletzt“. Da darf man gespannt sein, wie lange man es in den Schulen laufen lässt…

  7. Sehr schön der letzte Absatz:
    „Zur juristischen Absicherung der Ausnahme wird die Corona-Bekämpfungsverordnung entsprechend geändert.“
    So sieht es aus: was auf einmal juristisch möglich ist, um sonst geltende sinnvolle Regeln auszusetzen und den Arbeitsschutz ausser Kraft zu setzen.
    …Politik macht sich die Welt wie sie ihr gefällt.

    Mal abgesehen davon, dass ausdrücklich Erwähnung findet, dass die älteren Schüler der weiterführenden Schulen ein Übertragungsrisiko wie Erwachsene haben.
    OmG ich fühle mich ja sowas von ver…..t

    Sprachlos, wie menschenverachtend mit allen Akteuren der Schule umgegangen wird. Es ist so offensichtlich, wie hier Rechte mit Füßen getreten werden.

  8. Jetzt mal ganz ehrlich, ich habe in der Schule in den letzten 2 Monaten so gut wie keine Gruppe gesehen, die wirklich die Abstandsregeln eingehalten hat. Nicht im Klassenverband, nicht in der Pause und teilweise nicht im Unterricht. Der Regelbetrieb unterscheidet sich da quasi nur in der Gruppengröße. MNS bleibt sowieso bestehen aber in der Schule umarmt sich eh jeder, von dem was ich bisher gesehen hab. Die meisten Jugendlichen treffen sich sowieso schon so viel untereinander Privat, dass bei ihnen jegliches Verständnis für die Abstandsregelungen dahin ist (ist ja teilweise zu 10.- zu 20. ohne Abstand wieder erlaubt).
    Wenn man wirklich sieht, wie es momentan in den Schulen wieder abläuft, dann ist das quasi normal, ohne Abstand, nur eben kleine Gruppen und MNS!

  9. Als Mutter frage ich mich, warum ich meine Kinder in den Ferien zum Einhalten von Abstand etc verpflichte, sie nicht ohne weiteres mit Freunden spielen lasse, um sie dann nach den Ferien gegen meinen Willen einem unkalkulierbaren Risiko auszusetzen.
    Ministerin Hubig kommt mir vor wie Pippi Langstrumpf „ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt“.
    Und glaubt jemand dass wirklich alle Eltern ,die Urlaub im Risikogebiet gemacht haben, das auch brav melden?
    Wer versorgt Schüler, die wegen einer Erkältung zuhause sind mit dem Lehrmaterial? Ist ja wieder normaler Unterricht. Alles Dinge, die nicht durchdacht sind. Und ja, die älteren Kinder werden einfach ignoriert.

  10. Alle reden von Schülern und den Lehrern aber was ist mit dem Reinigungs Personal die sich täglich den Arschaufreisen jetzt mehr leisten und weniger Lohn bekommen

  11. Ich meine mich erinnern zu können, dass ich letzte Woche einen Artikel über Israel gelesen habe – Inhalt: Israel steuert direkt auf eine zweite Welle zu bzw. ist schon mitten drin. Man hat zu schnell alles geöffnet und dadurch seine Erfolge an die Wand gefahren. Schulen hat man explizit als Hotspots ausgemacht.

    Ist in Deutschland bestimmt anders…

    Ich habe schon bei der Ankündigung der Schulöffnungen gesagt: „Corona ist vorbei – die Schüler werden es sich nicht gefallen lassen, in die Schule zu müssen, sich aber gleichzeitig nicht privat treffen zu dürfen…“
    Schon am Wochenende davor waren hier dutzende Jugendliche des Nachts „unterwegs“.

    Und ganz ehrlich: ich würde es mir als Jugendlicher auch nicht gefallen lassen, in die Schule zu müssen, mich aber privat nicht treffen zu dürfen.
    Das ist natürlich etwas übertrieben, treffen darf man sich. Aber kaum jemand verzichtet auf Körperkontakt oder trägt Masken.

    Und wie gesagt, ich verstehe das. Die Jugendlichen lassen sich doch nicht für dumm verkaufen. In der Schule ist es „ungefährlich“ – außerhalb nicht. Haha!

    In der Grundschule meiner Tochter wurde damit sehr gut umgegangen – das Risiko war vertretbar.
    In der weiterführenden Schule meiner beiden großen Töchter, wurde schon von Anfang an nichts richtig umgesetzt. Im Verlauf ließ man alles noch mehr schleifen. Heute kümmert sich kaum ein Lehrer noch um die Einhaltung der Regeln.

    Lehrer und Gewerkschaften haben jetzt 6 Wochen Zeit, einen Widerstand zu organisieren. Aber machen wir uns nichts vor – es wird nicht passieren.
    Das wissen die Politiker, darum machen sie ja was sie wollen…
    Aber machen wir uns auch da nichts vor, sie werden trotz allen Unmutes wieder gewählt. Das machen wir seit 70 Jahren so. Corona wird daran nichts ändern.

    • Ich nenne hier mal die Daten von RLP, genauer unserem Landkreis SÜW/LD: Einwohner 160.000, Anzahl Infizierter (nicht notwendigerweiser Erkrankter!): 4 => Prävalenz=0,0025%. Des Weiteren findet das Infektionsgeschehen betreffend SARS-CoV-2 nur noch in Clustern („Hotspots“) statt (Aussage RKI/WHO).

      In ganz RLP sieht es ähnlich aus, mit Ausnahme des Nachbarkreises vielleicht, wo sich ein Cluster gebildet hat (mit ca. 2 Dutzend Infizierten).

      Frage: Wofür wird der ganze Unsinn eigentlich veranstaltet? Nur aufgrund der hypothetischen Gefahr, dass sich an einem Ort eventuell und mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit ebenfalls nochmal ein Cluster bildet? Wenn man dann noch in Betracht zieht, dass Covid-19 beim größten Teil der Betroffenen asymptomatisch oder milde verläuft und bei Jugendlichen Infektion und Weitgerbae gering wahrscheinlich sind, ist ganz dringend zu fragen, ob jene Politiker, die solche überdies vollkommen widersprüchlichen Regeln in die Welt setzen (Mundmaske im Klassenzimmer: NEIN, auf den Fluren: JA), noch alle Latten am Zaun haben.

      • Wieder so ein Oberschlauer, der den Erfolg der Corona-Maßnahmen zum Anlass nimmt, die Corona-Maßnahmen für sinnlos zu erklären. Die Zahlen in Deutschland sind so niedrig, WEIL es „diesen ganzen Unsinn“ gab und gibt.

        Schauen Sie in die Länder, die das so handhaben, wie es Ihnen gut gefallen müsste – etwa die USA, dann wissen Sie, wofür der „Unsinn“ gut ist: „Neue Infektionswelle überrollt die USA – aber Trump gibt sich unbesorgt. Die Zahl der Infizierten klettert rasant. Viele Bundesstaaten machen wieder dicht. Und die Hoffnungen auf eine Erholung der Wirtschaft schwinden.“

        https://www.handelsblatt.com/politik/international/corona-pandemie-neue-infektionswelle-ueberrollt-die-usa-aber-trump-gibt-sich-unbesorgt/25971114.html?ticket=ST-7397392-tTq0Mw39ZWaYQ5KZJnDV-ap3

        • „Die Zahlen in Deutschland sind so niedrig, WEIL es „diesen ganzen Unsinn“ gab und gibt. “

          Nach einer wissenschaftlichen Herangehensweise ist das Gegenteil bewiesen, sobald ein einziger Gegenbeweis vorhanden ist.

          Ich nenne Taiwan. Kein „Lockdown“, kein anderer „Corona“-Unsinn aber extrem niedrige Prävalenz: 0,0017% für Covid-19.

          Gegenbeweis erbracht, These falsifiziert. Danke für’s Gespräch!

          • Ich hätte noch Grönland und Mikronesien anzubieten.

            Was genau soll das widerlegen, Herr Wissenschaftler?

            Taiwan hat von Anfang an seine Bevölkerung so umfassend getrackt und Infizierte so konsequent isoliert, dass die Verschwörungstheoretiker, Corona-Leugner und Reichsbürger in Deutschland vermutlich zu den Waffen gegriffen hätten. In Südkorea hat das auch funktioniert – dort allerdings sind zuletzt die Infizierten-Zahlen trotzdem wieder gestiegen. Nu?

  12. Für uns der wichtigste Punkt in diesen jetzt veröffentlichten Leitlinien:

    Auch Schüler und Lehrkräfte mit Vorerkrankungen werden wieder in die Schulen geholt, da das Ansteckungsrisiko angeblich so gering ist!

    Von Risikopersonen in den Familien ist gar keine Rede mehr!

    Zur Zeit gibt es in den Schulen um uns herum immer wieder „Hotspots“ und ich glaube nicht, dass die sich nach den Sommerferien in Luft aufgelöst haben!

  13. Dieser Hygieneplan berücksichtigt außer, dass er einen Freifahrtsschein zum Leute verheizen bietet, so gut wie fast nichts. Weder wird auf die Bereitstellung von FFP2 und FFP3-Masken eingegangen, noch auf klimatechnische Belüftungsmöglichkeiten für die Herbst- und Wintermonate. Ich weiß gar nicht, ob den Menschen, die diesen Plan verfasst haben, eigentlich klar ist, dass in kurzer Zeit bis zu 30 Menschen berufsbedingt oder schulpflichtbedingt, zum Teil gegen ihren Willen oder den Willen ihrer Eltern in einen Klassenraum gedrängt werden. Diese Menschen haben dann mit so einem defizitären Hygieneplan kaum eine Chance, sich vor einer Corona-Infektion zu schützen. Da vieles um „schwere Covid-19-Verläufe2 herum noch ungewiss ist, haben wir zurzeit mehr oder weniger nur die Möglichkeit uns auf unsere Intuition, unsere innere Stimme, zu verlassen, die uns vor einer Infektion warnt oder uns auch ganz locker bleiben lässt. Und daher muss es individuelle Beschulungsmöglichkeiten geben. Die Unbesorgten müssten ihre Kinder gemeinsam mit anderen Unbesorgten auch wieder über längere Zeiträume zur Betreuung in die Schule geben können. Für Risikokinder oder besorgte Kinder, die einen Angehörigen nicht anstecken wollen, müsste es aber kleinere Gruppen Extra-Präsenzbeschulungen geben. Und, wenn gewünscht, natürlich auch nur Homeschooling. Die Unbesorgten dürfen jetzt nicht den Anspruch erheben: Unbesorgt gilt für alle und die Besorgten natürlich nicht davon ausgehen, dass jetzt alle ihre Lebensbereiche einschränken müssten. Meine Kinder sind zwar aus der Schule, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ihre Schulen keine unüberwindlichen Schwierigkeiten gehabt hätten, für einen bestimmten Zeitraum solche Sondermodelle zu kreieren. Der Hygieneplan von Frau Hubig hat es gezeigt. Die Politik hat wirklich ein simples Hochfahren des Regelbetriebes und somit für besorgtere Menschen nichts zu bieten. Christian Drosten hat in seinen letzten Podcast darauf hingewiesen, dass vor Beginn des neuen Schuljahres eine öffentliche Diskussion über Beschulungskonzepte geführt werden sollte. Und das geht nicht ohne die Sender und ohne die Presse. Ich empfehle alle, die hier lesen, sich jetzt an die Zeit und an Sendungen wie TTT, Monitor, Panorama, Report Mainz, Hirschhausen, Quarks & Co zu wenden. Und Rezo nicht vergessen. War ich gestern von dem verantwortungslosen Hygieneplan noch niedergedrückt, musste ich heute, als ich mir vorstellte, was Rezo wohl aus dem Hygieneplan so macht, schon wieder lachen. Und weil man ja anderen nichts raten soll, was man selber nicht macht, habe ich heute morgen schon 2 mails an das Panoramateam geschrieben. In 6 Wochen ist in einigen Bundesländern schon wieder Schulbeginn. Wir können hier nicht sitzen und wie die Kaninchen auf die Schlange gucken. Es geht um Eure Gesundheit und um die Gesundheit Eurer Kinder. Und diese, der Hygieneplan hat es gezeigt, ist den Kultusministern ziemlich egal.
    Ich weise an dieser Stelle nochmal auf die Petition der GEW-Köln für die Einhaltung der Abstandsregeln hin:

    https://www.openpetition.de/petition/online/gesundheitsschutz-fuer-kinder-und-beschaeftigte-an-schulen-statt-unkalkulierbares-Risiko

  14. Mary: Danke und genauso „unterschreibe“ ich ihren Standpunkt!
    Es muss eine Freiwilligkeit an der Teilnahme dieses Feldversuchs gegeben werden! Unter diesen Vorgaben kann doch nicht ernsthaft Schulbetrieb stattfinden.
    Werde auch weitere Sender anschreiben. Das kann doch alles gar nicht wahr sein.
    Wie gesagt wenn wir uns gemeinsam organisieren hat unsere Stimme mehr Kraft.
    Ich denke es ist an der Zeit jetzt etwas gegen diese Entscheidungen zu unternehmen.

    • Auch bei Radio WDR 4 kann man direkt thematisch anknüpfen, die hatten heute einen Kommentar zur Kündigung der Dame, die das Foto aus der Tönnieskantine veröffentlich hat – ihr wurde zum Dank gekündigt, sie wird aber auf Wiedereinstellung klagen:
      https://www1.wdr.de/radio/wdr4/wort/zur-sache/kommentar-toennies-whistleblowerin-100.html

      Tönnies hat ja auch angekündigt, dass alles besser werden würde … und so sieht es aus wenn „aufgeräumt“ wird …?

      Wie oft wurde denn schon angekündigt, dass sich weiß Gott was alles in Schulen verbessern wird? Richtig – kurz vor Landtagswahlen! Mehr Lehrer, bessere Betreuung und und und … Und in erster Linie geht es ja jetzt auch um die Betreuung, damit berufstätige Eltern wieder arbeiten gehen können – was ja auch nachvollziehbar ist, keine Frage.

      Lehrerbashing bitte direkt runterschlucken – ich bin nur im Office tätig, aber ich habe auch mal gelernt wie man liest, schreibt und denkt. Und diese ganze Entwicklung auf dem Schulsektor MUSS jedem Bürger zu denken geben.
      Deswegen bitte auf meinen Beitrag keine Reaktionen mit einem Niveau unterhalb der Tischkante.
      Danke schön.

      Aber unter den derzeitigen Bedingungen kann auch kaum mehr als Betreuung geleistet werden. Gefaselt wird aber vom Recht auf „Bildung“! Für Bildung braucht man ein entsprechendes Arbeitsklima. So wie Erwachsenen auch in einem angstfreien Klima am besten arbeiten können. Das ist NICHT möglich bei ständiger Angst vor Ansteckung im Hinterkopf – egal ob es die Erwachsenen (Lehrer und sonstiges Schulpersonal) oder auch Schülerinnen und Schüler betrifft.
      Letztere gibt es – so wird gemunkelt – sogar in der Altersklasse 10+ (ab da werden sie zunehmend mehr zu Virusträgern und erkranken auch selbst öfter, hierzu gab es schon sehr viele gute Beiträge mit Links, deswegen spare ich mir das hier).

      Und das hier geht an alle Eltern, die so richtig versessen darauf sind, ihre Kinder unbedingt in Form von Präsenzunterricht beschulen zu lassen … Unabhängig vom Alter gilt: Viele Kinder reden mit Eltern NICHT immer über alles was sie besorgt oder auch übelst bedrückt. Kaum ein Kind würde solch „bildungsfanatischen“ Eltern sagen, dass es Angst habe zur Schule zu gehen!
      Die kleinen Kinder trauen sich nicht, den Eltern das zu sagen – weil Mama und Papa quasi der Regelrahmen im Leben der Kleinen sind! Sie können das noch gar nicht hinterfragen, weil sie in ihrem Entwicklungsstand altersgemäß noch gar nicht so weit sind.
      Die älteren Kinder (10+) haben sich – vielleicht auf Grund von Bildung? – schon ein Bild von ihren Eltern gemacht. … und machen dann vielleicht lieber blau. (Dann kann man ja sagen „Mein Kind macht so etwas nicht!“ – Soll ja sehr beliebt sein …)

      Es ist gut, wenn sich mehr Eltern äußern und an die Öffentlichkeit gehen, denn nur Öffentlichkeit sorgt für den nötigen Druck.
      Das schaffen die paar Lehrer in einem Bundesland (egal in welchem) nicht – es sind einfach zu wenige! Und dann dürfen sie ja auch noch nicht mal den Mund aufmachen!

      • Nachtrag:
        Liebe Eltern,
        das eben war KEIN Angriff auf Sie – ABER bitte bedenken Sie: Was macht es mit einem Kind, wenn es mit den oben erwähnten Ängsten alleine klar kommen muss (oder dies auch nur glaubt)?

        Sehr oft wurden hier die seelischen Probleme angesprochen. Und ja – die wird es geben – in verschiedenster Form und aus verschiedensten Gründen.
        Natürlich belastet es ein Kind, wenn es seine Freunde im wahren Leben lange Zeit nicht mehr sehen kann.
        Aber diese (Verzeihung) Sch…angst ist eben auch nicht ENTlastend, insbesondere wenn sie ein Geheimnis bleiben muss. Da wird es auch nicht besser, wenn etwas ältere Kinder sich vielleicht ihren gleichaltrigen Freunden anvertrauen.

        Wer bleibt denn dann noch?
        Ach ja: Kinder können sich ja dann den Lehrern anvertrauen! Aber wie sollen die denn den ganzen Irrsinn glaubwürdig erklären, um glaubwürdig die Ängste zu nehmen?

        Bei meinem letzten Aspekt freue ich mich aber tatsächlich auf sachliche und konstruktive Lösungsvorschläge! (Die können gerne höflich formuliert sein.)

    • Illy,

      wie könnte ein gemeinsames Organisieren denn aussehen? Je mehr Eltern jetzt den Landeselternbeiräten ihre Bedenken mitteilen, desto besser. die Interessen besorgter Eltern müssen doch berücksichtigt werden.

      • Sammelklage? Petiton…? Ich weiss auch nicht mehr.
        Öffentlichkeit schaffen aber mit 100000 im Hintergrund….?

        Ich befürchte jeser alleine wird schlicht übersehen.
        Das sehe ich ja schon an der vorgefertigten Antwortmail der Kultusministeriums NRW zu einer konkreten Frage, die nicht in dem Standard Katalog beantwortet wird. Dennoch wirs mir dieser als Link zugesendet.

        Ich befürchte die individuellen Anfragen und Briefe werden schlicht nicht gelesen…

        • Interessen besorgter Eltern werden doch eher als „irrationale Ängste “ deklariert und ignoriert.
          …so ist meine Erfahrung in diesen Zeiten.
          Daher glaube ich, dass eine grosse Interessengemeinschaft wahrscheinlich ein anderes Gehör findet

        • Petition, Sammelklage? Ich fürchte, dazu ist es zu spät. außerdem ist eine öffentliche Auseinandersetzung mit Thema wichtig, damit unbesorgte Menschen überhaupt nachvollziehen worum es den besorgten geht: Unkalkulierbares Infektionsrisiko, stille Infektion untereinander, sorge der Eltern von Risikokindern etc. Außerdem müsste geklärt werden warum die politisch Verantwortlichen in so einer ernsten Situation die Zusammenarbeit mit unmittelbar betroffenen (Elternverbände und Schülerkammer) und der Profis für Schule (Lehrerverbände, Personalräte) nicht gesucht hat. Viele fragen sich, warum die Gewerkschaften ihre Ideen und Unterstützung anbieten aber offensichtlich, und der Hygieneplan zeigt es, nicht gehört werden. wir könnten vielleicht schon längst menschenfreundlichere Konzepte als Regelbetrieb für alle entwickelt haben. Die Lehrer sollten jetzt vielleicht ihre Verbände kontaktieren und die Eltern ihre Elternvertretungen.
          Hat einer hier eine Idee wie man Rezo kontaktieren kann?

  15. Ich verstehe in keinster Weise, warum hier immer vom Unterschied zwischen Schule und realem Leben gesprochen wird. Auch im Freizeitbereich dürfen die Kinder in vielen Bundesländern bereits jetzt mit 30 anderen Kontaktsport ohne Abstand betreiben.

    • Jonas,

      es geht um geschlossene Räume (Klassenzimmer) die ab Oktober nicht mehr in dem umfang gelüftet werden können, dass eine ausreichende Frischluftzufuhr die eventuelle virengeschwängerte Luft austauschen könnte.
      Ob der Kontaktsport im Herbst in Hallen zugelassen wird, ist noch überhaupt nicht entschieden.

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