Gewonnen! Hier freuen sich Lehrer und Schüler über den Deutschen Schulpreis – was ihre Schule so besonders macht

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HANNOVER. Eine Grundschule in Hannover gilt als beste im Land – und wird deshalb mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet. Die Bundeskanzlerin höchstpersönlich ist Teil der Preisverleihung. Was macht die Otfried-Preußler-Schule so besonders? Eine Besonderheit: Schülerschaft und Kollegium leben die Inklusion.

Die städtische Otfried-Preußler-Schule in Hannover hat den mit 100.000 Euro dotierten Deutschen Schulpreis 2020 gewonnen. Die Grundschule wurde am Mittwoch mit dem begehrten Preis für besonders gute Schulqualität ausgezeichnet. «Kinder mit unterschiedlichen Behinderungen lernen in allen Klassen gemeinsam mit den anderen. Und sie lernen engagiert und erfolgreich – dafür braucht man an der Otfried-Preußler-Schule keine Noten», erklärte Prof. Michael Schratz, Erziehungswissenschaftler von der Universität Innsbruck und Sprecher der Jury des Deutschen Schulpreises. Rund 16 Prozent der knapp 400 Schülerinnen und Schüler haben einen sonderpädagogischen Förderbedarf. Der Morgenkreis wird von Gebärden begleitet, die alle lernen.

„Wir sehen, dass jeder Schüler etwas besonderes hat“

«Für uns ist Inklusion nicht ein Plus zur normalen Schulgesellschaft. Wir sehen, dass jeder Schüler etwas Besonderes hat. Und jeder soll das bekommen, was er braucht», erklärte Schulleiterin Alexandra Vanin. In der barrierefreien Schule gebe es vom Fahrstuhl bis zum Pflegebad alles, was man aus medizinischer oder pflegerischer Sicht benötige. Mit dem Preisgeld könnte vielleicht eine lang ersehnte Küche für die Schule Wirklichkeit werden, «in der die Kinder dann selbst probieren können, dass Rosenkohl schmeckt», sagte die Schulleiterin. «Und in der Schüler mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung ein Fundament bekommen, um als Küchenhilfe eine Ausbildung zu machen.»

Die Schule ist der Jury zufolge in den vergangenen zehn Jahren ihren eigenen Weg gegangen und hat sich mithilfe zahlreicher Ideen und Konzepte ein ganz besonderes inklusives Grundverständnis angeeignet. An der barrierefreien Grundschule lernen die Kinder in vier Lernhäusern, die nach den Figuren aus Otfried Preußlers Büchern benannt sind („Räuber“, „Hexen“, „Gespenster“ und „Wassermänner“). An vier Tagen in der Woche befassen sich die Schüler in Gruppen selbstständig mit ihren Aufgaben, die an den Lernrädern, den schulinternen Arbeitsplänen, orientiert sind. An einem Tag der Woche wird jahrgangsübergreifend an einem Projekt gefeilt.

Das Kollegium arbeitet mit Arbeitszeitkonten – und multiprofessionell

Auch die Erwachsenen sollen sich an der Schule wohlfühlen und bekommen Raum, sich selbst und die Schule weiterzuentwickeln. Die Wertschätzung der Schulleitung für die Arbeit des Kollegiums drückt sich in verschiedenen Innovationen aus: Dazu gehören Arbeitszeitkonten, multiprofessionelle Teamarbeit auf Augenhöhe, gut gestaltete Räume und Zukunftswerkstätten, deren Ergebnisse tatsächlich Realität werden. „Die Otfried-Preußler-Schule ist eine Schule in Bewegung, sie verbessert ihre Qualität kontinuierlich“, lobt Schratz. Zum Kollegium gehören 36 Lehrkräfte sowie 15 Unterrichtshelfer und sechs pädagogische Mitarbeiter.

Die Freude unter Kindern und im Kollegium ist groß. Foto: Deutscher Schulpreis

Die Schulpreisvergabe fand in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie online über Video statt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekräftigte dabei erneut, dass Kinder und Jugendliche nicht zu Verlierern der Pandemie werden dürften. „Deshalb gilt es auch, alles daran zu setzen, erneute flächendeckende Schulschließungen zu vermeiden. Unter diesen außergewöhnlichen Umständen sieht sich die Bundesregierung in der Mitverantwortung. Daher werden wir die Bundesländer auch über den Digitalpakt Schule hinaus unterstützen“, sagte Merkel.

Die Jury vergleicht sechs Qualitätsbereiche von Schulen

Der Deutsche Schulpreis wird seit 2006 von der Robert Bosch Stiftung und der Heidehof Stiftung vergeben. Die Jury vergleicht bei den Bewerberschulen sechs sogenannte Qualitätsbereiche, darunter Umgang mit Vielfalt, Unterrichtsqualität und Verantwortung. Über ein hohes Preisgeld konnte sich in diesem Jahr noch eine Einrichtung in Niedersachsen freuen: 25.000 Euro gehen an die Berufsbildenden Schulen BBS Einbeck – ebenso wie an zwei Schulen in Baden-Württemberg und zwei in Nordrhein-Westfalen. News4teachers / mit Material der dpa

Hier geht es zur Homepage der Ottfried-Preußler-Schule in Hannover mit dem Schulprogramm.

Deutscher Schulpreis 20/21 Spezial

Mit der Ausschreibung für den Deutschen Schulpreis 20|21 Spezial reagieren die Robert Bosch Stiftung und die Heidehof Stiftung auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Gesucht werden zukunftsweisende Konzepte, die Schulen im Umgang mit der Krise entwickelt haben und die das Lernen und Lehren langfristig verändern können. 

Für die aktuelle Ausschreibung wurde das Bewerbungsverfahren stark vereinfacht. Erstmals können auch Schülerinnen und Schüler, Eltern, Partner der Schule oder die Schulverwaltung eine Schule für den Preis empfehlen. Die Bewerbungsfrist endet am 15. Oktober. Weitere Informationen unter www.deutscher-schulpreis.de/aktuelles-wettbewerbsjahr

Sechs Punkte, die eine gute Schule ausmachen – Der Jury-Sprecher des Deutschen Schulpreises im News4teachers-Interview

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7 KOMMENTARE

  1. Der Preis wäre gerechtfertigt, wenn der Abschluss der Schüler signifikant besser ist als bei nicht nominierten Schulen. Bei einer Grundschule das Notenbild nach Klasse 4 und die Abiturquote inkl. Durchschnittsnoten ehemaliger ihrer Schüler. Speziell bei den Inklusionskindern auch deren weiterer schulischer Werdegang.

    Ich warte übrigens noch auf die Nominierung von Schulen, die ein striktes Leistungsprinzip an den Tag legen. Ich lese immer nur von Inklusion, Vielfalt, Projekten, Lernbegleitern usw.

      • Dann nennen Sie bitte objektivere Punkte als die Noten und die späteren Abschlüsse. Woher wissen Sie eigentlich, wie sich die Schülerschaft der Gewinnerschule zusammensetzt?

        Ist eigentlich die personelle Ausstattung mit 15 Helfern und 6 pädagogischen Mitarbeitern auf gerade einmal 36 Lehrkräfte auch bei 15% Inklusionsanteil repräsentativ? Mir erscheint sie sehr hoch.

  2. Sicher sind Noten ein sehr subjektiver Gradmesser, aber es fällt auf, dass bei allen Ehrungen Gymnasien schlechte Karten haben. Uns setzt man 30 Kinder in eine Klasse und gibt dafür 2 Lehrerwochenstunden mehr. Ich kann also Montag früh im ersten Block 2 Lehrer einsetzen. Dann müssen die Schüler in 6 Jahren beim Abi in Klasse 12 ankommen – Individualisierung und eine breit gefächerte, bunte Pädagogik kommt da schnell an ihre (auch räumlichen) Grenzen…

  3. Warum können sich Lehrer nicht für die Erfolge ihrer Kollegen freuen? Kaum hat jemand einen Preis oder Erfolg kommen sofort Querschüsse aus Kollegien von anderen Schulen. Besondere Angst erzeugt wohl die Arbeitszeitdokumentation. Warum wohl?
    Die mit unserer Firma verbundene Berufsschule und die DH bekommt auch ständig Kritik von anderen Schulen wegen den guten Prüfungsleistungen. „Ach die haben es ja einfach, bekommen vom Energieversorger ja alles geschenkt“.
    Die beste Beurteilung sind immernoch die Prüfungsergebnisse. Je besser, je höher die Zuwendungen. Gehäuse beim Gehalt der Lehrer, sollte es schlechte Prüfungen geben, dann wird gekürzt.
    Das ist das Einzige was Anreiz verschafft Leistung zu zeigen.

    • Ich hab keine Angst vor einer Arbeitszeitdokumentation. Der Staat hat Angst davor. Würde nämlich wegen der vielen aktuell unbezahlten Überstunden teuer werden.
      Apropos, ich finde nirgends einen Hinweis in den Kommentaren noch im Artikel, dass hier irgendjemand Angst davor hätte. Habe ich etwas übersehen?

  4. Die Schule, die den Deutschen Schulpreis gewinnt, ist die Gewinnerin des Deutschen Schulpreises und mit Sicherheit nicht die beste Schule Deutschlands!

    Bisher nahmen von rund 40.000 Schulen in Deutschland jährlich etwas über 100 an diesem Wettbewerb teil. Bei dem diesjährigen Durchgang (2016) durften erstmals auch deutsche Auslandsschulen teilnehmen.

    Trotz dieser Erweiterung des Teilnehmerkreises haben sich gerade mal 80 Schulen beworben. Das sind nur 0,2 % der deutschen Schulen.

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