Ärztepräsident zweifelt öffentlich an Maskenpflicht – „Vermummungsgebot“

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HAMBURG. Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, zweifelt am Nutzen von Alltagsmasken bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie. Er sei von den Alltagsmasken nicht überzeugt, „weil es auch keine tatsächliche wissenschaftliche Evidenz darüber gibt, dass die tatsächlich hilfreich sind“, sagte er in ZDF-Talkshow „Markus Lanz“ vom Mittwochabend. „Schon gar nicht im Selbstschutz und wahrscheinlich auch nur ganz wenig im Schutz, andere anzustecken.“ Im Zusammenhang mit der Maskenpflicht sprach der Mediziner an einer Stelle von einem „Vermummungsgebot“.

Hält Masken für weitgehend überflüssig: Ärztekammerpräsident Klaus Reinhardt. Foto: StagiaireMGIMO / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach bezeichnete das in einem Tweet als „unentschuldbar“ für den „ranghöchsten deutschen Ärztefunktionär“. „Aus meiner Sicht ein Rücktrittsgrund, wenn er das nicht sofort zurücknimmt“, schrieb er. Das Robert Koch Institut (RKI) empfiehlt das Tragen von Alltagsmasken in bestimmten Situationen als Baustein, um Risikogruppen zu schützen und die Ausbreitungsgeschwindigkeit zu reduzieren. In den vergangenen Tagen haben einige Bundesländer eine Maskenpflicht im Unterricht der weiterführenden Schulen eingeführt. News4teachers / mit Material der dpa

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14 KOMMENTARE

  1. Es ist bedenklich, in welche Positionen es Corona-Verharmloser schon geschafft haben.

    Natürlich sind Masken nicht das Allheilmittel, aber sie sind ein unverzichtbarer Baustein und ihre Notwendigkeit ist bereits mehrfach erwiesen. Insbesondere sind die an vielen Stellen die einzig verbliebene Bremsung der Ausbreitung.

    Es ist unverantwortlich, wenn dann jemand in so einer Position solche Sprüche äußert. Was werden die wohl bei Leuten bewirken, die ohnehin nicht so ganz hinter dem Maskentragen stehen?

  2. Gibt es eigentlich Kinderärzte, die online einen Vortrag für Eltern halten und darlegen, wie wichtig es ist, dass nur fitte Kinder ohne ansteckende Krankheiten in den Kindergarten gebracht werden? Früher kamen Kinderärzte ohne Honorar dafür zu den Elternabenden der Kindergärten.

    Und nun können wir nicht mehr darauf vertrauen, dass Ärzte im Interesse der Kinder dazu stehen, dass kränkelnde, von einer großen Gruppe überforderte Kinder endlich mal wirklich daheim betreut werden. Ganz schrecklich finde ich, dass sogar körperlich und geistig schwerst behinderte Kinder zur Schule müssen. Ihnen würde es oftmals besser gehen, wenn sie mit jemandem Musik hören oder selbst musizieren könnten oder wenn ihnen einfach nur jemand mit einer weichen Bürste das Gesicht streichelt und sie zum Lachen bringt.

  3. Habe die Sendung gestern gesehen und mir ist fast der Teebecher aus der Hand gefallen…
    Nachdem der Herr Klaus Reinhardt dann aber gefühlte zwanzig Mal vor- und zurück und hin- und hergerudert war, konnte ich weder eine klare Aussage in seinem Wortbeitrag entdecken noch irgendeinen Sinn…
    Also: Tee trinken und Maske auf!

  4. Endlich mal jemand mit Verstand und zugleich eine sehr mutige Person!!!!

    Danke für diese Aussage, hoffentlich trauen sich immer mehr Mediziner zu solchen Aussagen.

    • @Wolle78728

      Ob Herr Klaus Reinhardt eine – wie Sie anführen – „sehr mutige Person!!!!“ ist, vermag ich an Hand seiner Redebeiträge in der Sendung von Markus Lanz vom 21.10.2020 nicht zu beurteilen.
      Persönlich kenne ich Herrn Klaus Reinhardt nicht, so dass auch hier eine Einordnung entfällt. Diese Einordnung „Mut des Herrn Klaus Reinhardt“ wäre jedoch auch im Zusammenhang mit dem Thema „Maskenpflicht“ aus sachlogischen Gründen fehl am Platze.
      Sie ist es auch, wenn Sie von Ihnen getroffen wird.

      Ob und in welchen Teilleistungsbereichen Herr Klaus Reinhardt über Verstand verfügt, kann ich aus obigen Gründen ebenso wenig beurteilen.
      Er verfügt über eine Berechtigung, den Beruf des Mediziners ausüben zu dürfen. Das trifft auf sehr viele andere Mediziner ebenso zu. Diese kommen manchmal zu ähnlichen und manchmal zu gegenteiligen Aussagen.

      Allerdings ist vor Herrn Klaus Reinhardt noch kein Mediziner dadurch auffällig geworden, seinen Standpunkt zum Thema „Maskenpflicht in Corona-Zeiten“ zu verquicken mit dem Thema „Vermummung“ und „Terrorismus in den 70er Jahren“!

      Hier möge sich jeder Teilnehmer des Forums seine eigene Meinung bilden, ob in diesem Zusammenhang mit den Begriffen „Verstand“ und „Mut“ gearbeitet werden kann.

      Eine Diskussion hierüber sollten wir uns aber ersparen, weil sie vom eigentlichen Thema bzw. dem obigen Artikel zu weit wegführt.
      (Ganz im Sinne der ebenfalls in der Sendung zu Gast gewesenen Historikerin, Journalistin und Autorin Gabriele Krone-Schmalz. Sie erläuterte die Ursachen und Folgen der veränderten Debattenkultur. Ihre Aussgen waren erheblich erhellender und auch verständlicher – vermutlich hat Frau Krone-Schmalz sogar selbst ihre eigenen Aussagen verstanden.)

      (Abgesehen davon ist die Aussage von @ Mary-Ellen 22. Oktober 2020 um 16:56 zutreffend.)

  5. Wo genau liegt das Problem? Ich denke es ist wichtig auch mal anzusprechen, dass die Maskenpflicht nicht nur eine medizinische Diskussion ist. Natürlich ist es aus medizinischer Sicht sinnvoll eine Maske zu tragen, aber hier müssen auch andere Aspekte, vor allem psychologische, berücksichtigt werden. Selbst wenn die Masken Schutz bringen, muss man natürlich Nutzen und Schaden abwägen

    Herr Lauterbach sollte sich dazu als allerletztes äußern. Wenn einer zurücktreten sollte, dann ist er das. Seine Weltuntergangsthesen sind nicht mehr zu ertragen

  6. In der Kita meiner Tochter wurde Prä-Corona im U3-Bereich den Kleinsten das Trinkwasser in für alle frei zugänglichen Flaschen auf dem Boden bereit gestellt. Viren- und Bakterienparty vom feinsten! Das Vorgehen war anscheinend auch mit dem Amtsarzt als völlig in Ordnung abgesprochen…
    Ich wurde nur wie eine völlig hysterische Mutter abgekanzelt, als ich meine Bedenken daran äußerte. Soviel zum Infektionsschutz vor Corona.

  7. Es ist einfach nur peinlich, wie der gewählte Bundesärztekammerpräsident durch in der Öffentlichkeit vorgetragene persönliche Einschätzungen zum Tragen von Alltagsmasken, die Bemühungen des RKI und der meisten verantwortungsbewussten Ärzte um einen präventiven Eigenschutz der Bevölkerung durch widersprüchliche Aussagen konterkarriert.

    • Ja, stimmt.
      Da ist er offenbar ein schlechtes Vorbild für die Ärzteschaft, erinnere ich mich doch sehr konkret, dass ein Zusammenschluss von Kinderärzten und auch hier mehrere Ärzte vor ein paar Wochen selbst das Risiko kleingeredet haben und Schutzmaßnahmen nicht notwendig fanden, allen Warnungen, welche Folgen solche Aussagen nach sich ziehen werden, zum Trotz.

      • Das Gesundheitsrisiko von SARS und ähnichen schweren Krankheitsbildern ist für Kinder laut Datensätzen des RKI äußerst gering.
        Der Beitrag von Kita- und Grunschulkinder zum Infektionsgeschehen von Covid-19 und desser Ausbreitung ist ebenfalls gering als das von Erwachsenen. Dieses steigt aber mit dem Alter, sodass ab 15 Jahren das Übertragungsrisiko sich dem von Erwachsenen angleicht.
        Ab 70 Jahren aufwärts steigt laut RKI das Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko von Covid-19 steil an.
        Etwas anderes wurde nicht vermittelt.

  8. Ist „die Maske“ (Mund-Nasen-Schutz) gefährlich?

    https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/aktuelle-stunde/video-aktuelle-stunde—1172.html

    Ab Minute 12:45 zeigt die Anmoderation, dass Ärztepräsident Herr Klaus Reinhardt sich von seiner eigenen Aussage bei „Markus Lanz“ (21.10.2020) distanziert: Masken würden doch schützen, das sei doch erwiesen!

    Dazu schildert der folgende Beitrag (leider ohne Herrn Klaus Reinhardt, dafür mit Leuten, die sich mit diesem Thema forschend auseinandergesetzt haben) u. a. die Ergebnisse eines Forscherteam der Universität Tokyo:
    Ab Minute 13:50 „Maske macht Sinn: Neue Studien und Mythen“
    – Schon einfache Baumwoll- oder OP-Masken halten etwa 50% des Virenmaterials zurück.
    – Masken sind unhygienisch? – Wir atmen nur unsere eigenen Keime aus … und teilweise wieder ein. (Dies gilt für den sachgemäßen Umgang.) „Andere Keime kann man sich damit gar nicht einfangen.“ so der Hygienemediziner Prof. Klaus-Dieter Zastrow.
    – Bekommen wir durch die Maske im Alltag zu wenig Sauerstoff? – Herr Prof. Zastrow verweist auf das OP-Personal, was mit diesen Masken 8 Stunden lang arbeitet „also nicht irgendwo in der Ecke rumliegt. … Und da ist noch keiner aus den Latschen gekippt weil er zu wenig Sauerstoff bekommen hätte. Das ist irgendwo ein Märchen.“
    – Ausnahmen sind Menschen mit schweren (!) Lungen- oder Herz-Kreislauferkrankungen.

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