Sprachentwicklungsstörungen bestehen oft noch im Schulalter

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BREMEN. Anlässlich des internationalen Tags der Sprachentwicklungsstörung am letzten Freitag weist die Bremer Pädagogin Anja Starke auf die besonderen Probleme betroffener Kinder hin.

Kinder mit einer Sprachentwicklungsstörung haben Schwierigkeiten im Verstehen von Sprache und beim Sprechen. Da das schulische Lernen stark darauf aufbaut, fällt ihnen das Lernen allgemein oft schwer. Studien zeigen, dass rund sieben Prozent der Kinder von einer solchen Störung betroffen sind. Das sind etwa zwei Kinder in jeder Kindergartengruppe oder Schulklasse.

Durchschnittlich sind in jeder Schulklasse und jeder Kindergartengruppe zwei 2 Kinder von Sprachentwicklungsstörungen betroffen. Foto: klimkin / Pixabay (P. L.)

„Häufig wird das Verhalten betroffener Kinder fälschlicherweise als unaufmerksames oder schlechtes Verhalten interpretiert“, sagt Anja Starke von der Universität Bremen. „Dem Kind werden dann allgemeine Lernschwierigkeiten unterstellt oder die Ursache wird bei den Eltern gesucht.“ Denn Kinder mit einer Sprachentwicklungsstörung werden beispielsweise als ängstlicher oder hyperaktiver erlebt als andere Kinder.

Sprachentwicklungsstörungen können als Folge einer primären Erkrankung auftreten, zum Beispiel einer Hörstörung, oder als isolierte Störung im Laufe des Spracherwerbs. Dabei können verschiedene Bereiche der Sprache und des Sprechens betroffen sein, wie zum Beispiel Wortschatz, Grammatik, Aussprache und Kommunikationsverhalten. Typisch sind auch individuelle Unterschiede.

Je nach Schweregrad und Komplexität kann sich diese langfristig auf die Entwicklung eines Kindes auswirken und auch noch im Schulalter weiter fortbestehen. Starke, die sich auf die inklusive Bildung spezialisiert hat, betont, dass Kindern und Jugendlichen mit einer Sprachentwicklungsstörung geholfen werden könne. Eine frühzeitige logopädische oder sprachtherapeutische Behandlung könne die sprachliche Entwicklung der Kinder unterstützen und massive Folgeerscheinungen abmildern oder sogar verhindern. Im schulischen Bereich könnten ausgebildete Lehrkräfte mit sonderpädagogischer Expertise das Lernen der Kinder und die soziale Teilhabe fördern. (ots)

Logopäden-Verband: Sprachprobleme bei Kindern werden oft zu spät behandelt

 

 

 

 

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9 KOMMENTARE

  1. „Im schulischen Bereich könnten ausgebildete Lehrkräfte mit sonderpädagogischer Expertise das Lernen der Kinder und die soziale Teilhabe fördern.“

    Und zwar bis zu 90 Minuten pro Woche – dank „Inklusion“. Das wird es voll bringen. Vieeel besser als früher, wo die Kinder den ganzen Tag mit Sonderpädagogen in kleinen Gruppen verbringen mussten. Das war ja sooo ineffizient. Die Lehrer haben ja auch nur unterrichtet, ohne durch die Gegend zu fahren, weil ihre Schulform weggespart wurde. Kaum vorstellbar heute, wo dank „Inklusion“ alle SuS richtig toll gefördert werden. Leistungen und Disziplin werden immer besser – können Sie jeden fragen.

  2. Und wenn nach den „Ehrenpflegas“ nun auch noch die „Alltagshelfas“ in die Kitas kommen, werden Erzieherinnen hoffentlich einmal freimütig darüber reden, wie nahezu unmöglich eine gute Sprachförderung der Kinder unter den legalen Betreuungsbedingungen ist. – Was hätten wir zu verlieren?

  3. Bedanken für den sachlichen Artikel möchte ich mich selbstverständlich an dieser Stelle auch. Ich bin nur etwas gereizt, angesichts der Dreistigkeit, mit der von Seiten der Ministerien die Bürger verschaukelt werden sollen.

    Die Bildungskoffer der Ministerien, Bildkarten und die Bücher der Serie mit dem bemerkenswerten Titel „Keiner ist so schlau wie ich“ haben wohl nicht den erwünschten Erfolg gebracht. Überhaupt war vieles, was am Ende kostenlos in den Kitas landete tatsächlich „umsonst“.

  4. Wie groß ist denn der Anteil Kinder, deren Sprachentwicklungsstörungen krankheitsbedingt sind? Bitte getrennt nach allen Kindern und nach den auffälligen Kindern auflisten.

    Wenn ich raten muss, liegen die kritisierten Ersteinschätzungen der Lehrkräfte in dem meisten Fällen richtig, besonders bei Migrantenkindern mit sehr schlechtem Deutsch, aber fließend gesprochener Muttersprache.

  5. „ Häufig wird das Verhalten betroffener Kinder fälschlicherweise als unaufmerksames oder schlechtes Verhalten interpretiert“, sagt Anja Starke von der Universität Bremen. „Dem Kind werden dann allgemeine Lernschwierigkeiten unterstellt oder die Ursache wird bei den Eltern gesucht.““

    Wie kommt sie auf solch eine Einschätzung?

    Tatsächlich hat NDS die schulische Sprachförderung vor der Einschulung gestrichen, sodass es kein kurzes und ggf. ein längeres Screenings in der Schule und anschließend 1jährige Förderung in den Schulen mehr gibt. Diese war kein Ersatz für logopädische Therapien, durchaus aber ein Türöffner, frühzeitig mit den Eltern ins Gespräch zu kommen und im Jahr vor der Einschulung die Testung beim Pädaudiologen anzuraten und außerschulische Sprachtherapie noch vor der Einschulung zu beginnen.

    Nun fallen diese Kinder in den Schulen erst später auf, der Besuch der Sprachheilklasse ist nur nach erfolgreichem Verfahren sonderpädagogischem Unterstützungsbedarfes möglich, das Verfahren kann aber häufig nicht vor der Einschulung zum Abschluss gebracht werden, da es zeitintensiv ist und ein abschließendes Votum der Landesschulbehörde benötigt.

    Mit oder ohne „Status“ sitzen die Kinder in der inklusive Schule, in der es für den Schwerpunkt Sprache keinerlei ausgewiesene Förderstunden, sondern nur die allgemeine Grundversorgung von max. 2 Std pro Klasse pro Woche für alle Kinder für Prävention, Testung, Förderung und Beratung gibt.
    Nicht einmal ein Mobiler Dienst Sprache ist eingerichtet, sodass man als Lehrkraft keine Fachberatung erhalten kann oder vermittelt bekommt.

    Die Fachleute der Kliniken, Unis und Schulbehörden streiten sich zudem seit Jahren, ob oder wann man bei einem Kind mit AVWS einen Förderbedarf einsetzen könnte. Das ist eher der Bereich Hören, aber es bestimmt häufig die sprachlichen Fähigkeiten.

    „ Eine frühzeitige logopädische oder sprachtherapeutische Behandlung “ … müsste von Kinderärzten unterstützt werden.

    „ Im schulischen Bereich könnten ausgebildete Lehrkräfte mit sonderpädagogischer Expertise das Lernen der Kinder und die soziale Teilhabe fördern. “, wenn sie überhaupt in Schulen zur Verfügung stünden, aber derzeit kann nicht einmal die Grundversorgung in allen Schulen mit Förderschulkräften gewährleistet werden.

    Auch TherapeutInnen könnte man, ähnlich der Teams der Frühförderung, in die Förderung der Schulkinder einbeziehen, diese Förderung läuft aber mit dem Eintritt in die Schule aus.

  6. @ Palim: „Tatsächlich hat NDS die schulische Sprachförderung vor der Einschulung gestrichen, sodass es kein kurzes und ggf. ein längeres Screenings in der Schule und anschließend 1jährige Förderung in den Schulen mehr gibt.“ Stimmt das wirklich? Das ist ja grauenhaft! Danke für die Infos.

  7. Ich wunder mich, dass dieses komplexe Thema in solch einem kurzen Artikel so vereinfacht und am Ende einseitig beleuchtet wird, aber das ist wohl im inklusive Gedankengut eingebunden. So vertritt die ein oder andere Schulrätin die Meinung, es gäbe keine Sprachentwicklungsverzögerte Schüler und schon gar nicht welche mit sonderpädagogischem Förderbedarf, Sonderpädagogen müssten nur besser fördern, dann gäbe es auch keine Schüler mit LRS mehr. Und so ähnlich kurz gedacht empfinde ich diesen Artikel, der an der Realität des Schulwesen, der Inklusion und am schlimmsten an den Kindern mit sprachlichen Entwicklungsstörungen vorbei geht und bitte, das hat nix mit Mehrsprachigkeit zu tun. Da fällt mir auch nur ein Wort zu ein: Ignoranz

    • „und bitte, das hat nix mit Mehrsprachigkeit zu tun“
      Das eine schließt das andere aber auch nicht aus. Es gibt tatsächlich auch mehrsprachige Kinder, die eine LRS oder eine Sprachentwicklungsverzögerung aufweisen.

      Die Sprachförderung vor der Einschulung in NDS bezog alle Kinder mit ein und alle Kinder, die in ihrer Sprachentwicklung auffällig waren, mussten daran teilnehmen (Schulpflicht).
      Aber wenn man vor der Einschulung keine Screenings und keine Feststellungsverfahren durchführt, wenn man die Hürden für sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf weiter erhöht, kann man leicht behaupten, es gäbe keine Kinder, die entsprechende Förderung benötigen.

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