Studie: Pflichtfach „Wirtschaft“ weckt wirtschaftliche Kompetenz und Interesse

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KOBLENZ. Wissenschaftler der Universität Koblenz-Landau haben den Effekt der Einführung des Fachs Wirtschaft / Berufs- und Studienorientierung (WBS) in Baden-Württemberg untersucht. Eine Übertragung auf andere Bundesländer könnte ihrer Meinung nach die Wirtschaftskompetenz von Schülern deutlich steigern.

Mit dem Bildungsplan 2016 hat Baden-Württemberg das Fach Wirtschaft / Berufs- und Studienorientierung (WBS) für alle weiterführenden allgemeinbildenden Schulen eingeführt, das in vielen Bundesländern bislang nur als Wahlfach angeboten wird.
Sowohl die Wirtschaftskompetenz als auch das Interesse für wirtschaftliche Themen bei Schülern der Sekundarstufe I ist dadurch deutlich gestiegen. Zu diesem Ergebnis gelangt zumindest eine aktuelle, durch die Stiftung Würth initiierte Studie von Günther Seeber und Tim Kaiser von der Universität Koblenz-Landau.

Das Pflichtfach Wirtschaft wirkt, sind Günter Seeber und Tim Kaiser überzeugt. Foto: Adam Grabek / flickr (CC BY 2.0)

„Wirtschaftskompetenz ist mit Blick auf immer komplexere Alltagsanforderungen sowie für die Berufsorientierung der Lernenden wichtig, aber auch hinsichtlich ihrer wirtschaftspolitischen Urteilsfähigkeit“, unterstreicht Wirtschaftswissenschaftler Seeber. Das Fach Wirtschaft auch an weiterführenden allgemeinbildenden Schulen […] einzuführen, wäre ein richtiger und begrüßenswerter Schritt, so der Wirtschaftsdidaktiker. Die Studie zeige deutlich, dass die Beschäftigung mit wirtschaftlichen Themen in der Sekundarstufe eine positive Wirkung im Hinblick auf die Wirtschaftskompetenz und das wirtschaftliche Interesse entfaltet.

Seeber und Kaiser hatten die Ergebnisse eines ökonomischen Kompetenztests von Schülern ohne und mit Fachunterricht in den Klassen 7 und 8 verglichen. Bereits nach einem Jahr Fachunterricht am Ende von Klasse 7 entwickelte sich ein positiver Effekt des Schulfachs WBS auf die Testergebnisse, stellten sie fest. Am Ende von Klasse 8 zeigten sich statistisch signifikante Unterschiede zwischen den Schülern mit beziehungsweise ohne Fachunterricht. Dabei verbesserten sich insbesondere leistungsstarke Lernende im Gymnasium erheblich. In den Gemeinschafts- und Realschulen profitierten vorwiegend sozioökonomisch benachteiligte Schüler. In diesen Schularten schien sich allerdings der „Gender Gap“ zugunsten der Jungen durch den Fachunterricht tendenziell noch zu verstärken.

Insgesamt entwickelten Lernende, die das Fach WBS besuchten, ein deutlich höheres Interesse an Wirtschaftsthemen. Auch sprächen sie Unternehmen in stärkerem Maß soziale Verantwortung zu. Unabhängig vom Fachunterricht habe ein Zusammenhang zwischen Testleistung und sozioökonomischem Status der Schüler bestanden sowie zu ihren Sprachkenntnissen: je höher der Status und je besser die Sprachkenntnisse, desto besser die Leistung. Es bedürfe in dieser Hinsicht also noch weiterer differenzierter Förderung, auch wenn für alle Schüler bereits die Facheinführung hilfreich gewesen sei.

Seeber hält auch die Einführung eines Pflichtfachs auch in anderen Bundesländern für sinnvoll: „Unsere Studie unterstreicht, dass es sinnvoll wäre, ein Pflichtfach Wirtschaft einzuführen und nicht nur auf Rahmenlehrpläne mit Empfehlungscharakter zu setzen“. Denn gerade sozioökonomisch Benachteiligte profitierten vom Fachunterricht. Auch könnten Lernende mit Migrationshintergrund besser gefördert werden. „Wichtig wäre auch eine geeignete methodische Ansprache von Mädchen, um deren im Vergleich zu Jungen geringeres Interesse zu stärken“, so Seeber weiter. Hilfreich könnten handlungs- und kommunikationsorientierte Methoden wie Schülerfirmen oder Rollenspiele sein. Für die Einführung des Fachs Wirtschaft spreche auch, dass dann fachlich gut ausgebildete Lehrkräfte sachgemäß unterrichten würden.

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