Förderschulen: Lehrer für Kinder mit Behinderungen fordern Corona-Schutz

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STUTTGART. Kinder mit Behinderung sollen in Baden-Württemberg trotz des verlängerten Corona-Lockdowns und fast flächendeckender Schulschließungen weiter in Präsenz unterrichtet werden. Die sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) mit den Förderschwerpunkten geistige Entwicklung und körperliche und motorische Entwicklung bleiben nach Angaben des Kultusministeriums geöffnet – trotz des Lockdowns an den anderen Schulformen. Lehrer und Betreuer machen in einer Petition aber auf die besonderen Umstände an den Einrichtungen aufmerksam und fordern, die Schulen an SBBZ nur dann zu öffnen, wenn der Gesundheitsschutz gewährleistet ist.

An Förderschulen lassen sich die Corona-Hygieneregeln praktisch nicht umsetzen. Foto: Shutterstock

«Die Einhaltung der Hygieneregeln gestaltet sich an unserer Schulart als fast unmöglich», heißt es in dem öffentlichen Schreiben an Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU). Abstand zu Schülern zu halten sei bei Pflegetätigkeiten wie Wickeln, Essen reichen und Anziehen unmöglich. «Im Gegensatz zu Pflegekräften im Krankenhaus, steht uns dafür aber keine entsprechende Schutzausrüstung zur Verfügung.» Auch der Unterricht erfordere an vielen Stellen direkte, körpernahe Zuwendung. Viele Kinder könnten nur mit Hilfestellung Regeln beim Husten oder Niesen einhalten oder Hände waschen, wiederum aber keine Masken tragen, machen die Autoren deutlich.

Geistig behinderte Schüler sind stark durch Corona-Infektionen gefährdet

«Am schwierigsten für uns ist es aber, dass unsere Schüler*innen zur Risikogruppe gehören», heißt es weiter. Wegen Einschränkungen bei der Kommunikation könnten sie nur schwer von Krankheitssymptomen berichten und würden daher vermutlich erst deutlich später als andere Menschen zum Arzt gebracht oder getestet. «In der Impfstrategie wurde dies zum Glück bereits berücksichtigt und Menschen mit geistiger Behinderung werden bereits in Gruppe 2 geimpft.»

Die Ausnahmeregelung für die SBBZ scheine all dies aber außer Acht zu lassen. Daher würden dringend Schutzausrüstung und Schnelltests benötigt und die Möglichkeit Wechselunterricht anzubieten, heißt es in der Petition. «Wir müssen so schnell wie möglich geimpft werden.»

Unterstützung kam aus den Landtagsfraktionen der SPD und FDP. «Diese Kinder und ihre Eltern fühlen sich komplett vergessen, die Lehrkräfte und Betreuer sowieso», erklärte SPD-Fraktionschef Andreas Stoch. Sein liberaler Amtskollege Hans-Ulrich Rülke forderte unter anderem, Kinder und Lehrer an den SBBZ sollten bevorzugt geimpft werden.

Das Kultusministerium erklärte seine Entscheidung mit dem hohen Pflege- und Betreuungsbedarf der SBBZ-Schüler. «Bei einem Wegfall des Präsenzunterrichts stünden Eltern dieser Kinder vor enormen Herausforderungen, die sie in der Regel nicht alleine schultern können.» Ein weiterer Grund für die Entscheidung sei gewesen, dass Kinder und Jugendliche mit einer Beeinträchtigung der geistigen oder motorisch-körperlichen Entwicklung noch einmal mehr als andere auf klare und regelmäßige Strukturen in ihrem Alltag angewiesen seien und ihnen das Wegfallen dieser Strukturen enorme Schwierigkeiten bereite.

Das Kultusministerium plant den Angaben zufolge, den SBBZ und den Schulkindergärten zu Beginn dieses Jahres noch einmal Schutzausrüstung zur Verfügung zu stellen, und steht dazu mit dem Sozialministerium in Kontakt. Die Einrichtungen hätten aber auch schon Hygieneartikel und Schutzausrüstung – wie FFP2-Masken, Einwegschutzkleidung und Einweghandschuhe – bekommen.

AOK-Daten: Sonderpädagogen sind öfter als andere Lehrer von Corona-Diagnosen betroffen

Nach einer Erhebung der Krankenkasse AOK sind Sonderpädagogen tatsächlich stärker als Lehrkräfte anderer Schulformen von Corona-Diagnosen betroffen. Angestellte Lehrkräfte (für die zumeist privatversicherten verbeamteten Lehrkräfte liegen der AOK keine Daten vor) waren demnach leicht unterdurchschnittlich von Krankmeldungen aufgrund von Covid-19-Infektionen betroffen. Grundschullehrer kamen auf hochgerechnet 1.004 Fälle je 100.000 Beschäftigte, Sekundarstufenlehrer auf 1.005 Fälle, Berufsschullehrer auf 1051 Fälle. Deutlich darüber rangieren allerdings Lehrkräfte an Sonderschulen mit 1.194 Fällen auf 100.000 Beschäftigte.

Bei der Einschätzung des berufsbedingten Infektionsrisikos ist allerdings auch zu berücksichtigen: In die Zeit März bis Oktober – den Zeitraum der Erhebung – fallen die Schulschließungen sowie die Sommer- und die Herbstferien, sodass die Präsenzzeiten für Lehrkräfte in den Schulen deutlich kürzer waren als die Präsenzzeiten anderer Berufsgruppen an ihren Arbeitsplätzen. Die Berufsgruppe, die am stärksten von Krankschreibungen im Zusammenhang mit Covid-19 betroffen war, sind Kita-Beschäftigte, noch vor Beschäftigten im Gesundheitsbereich. Im genannten Zeitraum haben 2.672 je 100.000 Kita-Beschäftigte krankheitsbedingt im Zusammenhang mit Covid-19 an ihrem Arbeitsplatz gefehlt haben. Damit liegt deren Betroffenheit mehr als das 2,2-fache über dem Durchschnittswert von 1.183 Betroffenen je 100.000 AOK-versicherte Beschäftigte. (News4teachers berichtete ausführlich über die Datenerhebung der AOK – hier geht es zum Bericht.) News4teachers / mit Material der dpa

Im Wortlaut

Lehrkräfte fordern in einer Petition „Schulöffnungen am SBBZ nur, wenn der Gesundheitsschutz gewährleistet ist“. Im Petitionstext, der sich an Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) richtet, heißt es:

„Die aktuelle Ausnahmeregelung für unsere Schulart erweckt bei uns den Eindruck, dass Sie nicht genau wissen, welche besonderen Voraussetzungen gerade an unserer Schulart zu berücksichtigen sind. Wir möchten Sie daher mit diesem Schreiben darauf aufmerksam machen, unter welchen Bedingungen wir arbeiten.  Im Frühjahr und Sommer haben wir viele Schreiben aus Ihrem Ministerium erhalten, in denen dargestellt wird, welche Regeln in Schulen einzuhalten sind, um den Gesundheitsschutz zu gewährleisten. Viele dieser Regeln lassen sich aber nur begrenzt umsetzen an unserer Schulart.

Die Einhaltung der Hygieneregeln gestaltet sich an unserer Schulart als fast unmöglich. Abstand zu den Schüler*innen zu halten ist bei Pflegetätigkeiten (Wickeln, Essen reichen, An-und Ausziehen) natürlich nicht möglich. Im Gegensatz zu Pflegekräften im Krankenhaus, steht uns dafür aber keine entsprechende Schutzausrüstung zur Verfügung. Auch der Unterricht erfordert an vielen Stellen die direkte, körpernahe Zuwendung, z.B. weil Tätigkeiten mit Handführung durchgeführt werden. Die Regeln beim Husten oder Niesen einzuhalten, oder das Händewaschen, können viele unserer Schüler*innen nur mit Hilfestellung.

Wir tragen natürlich Masken – die ausgegebenen, möglicherweise ungeeigneten FFP2-Masken oder eben selbstgenähte Alltagsmasken. Viele unsere Schüler*innen können keine Masken tragen. Wir arbeiten also den ganzen Tag ohne Abstand und können uns selbst vor einer Infektion kaum schützen und dann natürlich auch nicht gewährleisten, dass wir das Virus nicht weitergeben. Wir unterrichten kleinere Lerngruppen, aber natürlich ist die Größe unserer Klassenzimmer diesen kleineren Lerngruppen angepasst. Mit Schulbegleitungen und mehreren Lehrkräften in einer Klasse, ist so auch das Abstandhalten zu den anderen Erwachsenen in der Regel nicht möglich.

Wir möchten möglichst konstante Gruppenzusammensetzungen unterrichten, nicht nur um im Infektionsfall wenige Schüler*innen in Quarantäne schicken zu müssen, sondern vor allem, um möglichst viele weitere Infektionen zu verhindern. Dazu haben wir – wie vermutlich alle anderen Schularten auch – Kohorten gebildet, getrennte Pausen- und Essenszeiten eingeführt, die Wegeführung optimiert, klassenübergreifende Lernangebote ausgesetzt, Lehrkräfte möglichst nur in einer Klasse eingesetzt.

Die schulinterne Kohortenbildung wird allerdings täglich durch die Zusammensetzung im Schulbus ad absurdum geführt. Dort sitzen die Kinder teilweise länger als 30 Minuten neben Schüler*innen aus anderen Kohorten – die teilweise aufgrund ihrer Behinderung keine Maske tragen können. Mit den für die Schülerbeförderung Zuständigen konnten nur bedingt Kompromisse, aber selten zufriedenstellende Lösungen gefunden werden.  Am schwierigsten für uns ist es aber, dass unsere Schüler*innen zur Risikogruppe gehören. Viele Schüler*innen haben Vorerkrankungen und internationale Studien zum besonderen Risiko bei Menschen mit Behinderungen lassen uns immer wieder aufhorchen (vgl. z.B. https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/117733/COVID-19-Extrem-hohes-Sterberisiko-von-Menschen-mit-Trisomie-21).

In der Impfstrategie wurde dies zum Glück bereits berücksichtigt und Menschen mit geistiger Behinderung werden bereits in Gruppe 2 geimpft. Ob wir selbst zur Gruppe der Lehrkräfte (Gruppe 4) gehören oder als enge Kontaktpersonen von Menschen mit geistigen Behinderungen schon früher geimpft werden, ist uns noch nicht klar.  Die meisten unserer Schüler*innen haben Einschränkungen im Bereich der Kommunikation. Sie können also nur schwer von Krankheitssymptomen berichten und werden daher vermutlich erst deutlich später als andere Menschen zum Arzt gebracht oder getestet.

  • Wir unterrichten also täglich Kinder und Jugendliche, die ganz besonders vor Corona geschützt werden müssen.
  • Wir begegnen diesen Kindern nicht mit Abstand, sondern arbeiten körpernah mit ihnen.
  • Die Hygieneregeln können die meisten unserer Schüler*innen nicht selbstständig einhalten.

Die Ausnahmeregelung, die Sie für unsere Schulart getroffen haben, scheint all dies außer Acht zu lassen.  Wie können wir täglich in die Schule gehen, ohne in permanenter Sorge zu leben, uns in der Schule mit dem Virus zu infizieren und es an andere Schüler*innen weiterzugeben?

Wir leben und arbeiten in Stadt- und Landkreisen, die teilweise immer noch erschreckend hohe Inzidenzwerte haben – obwohl die aktuell ja kaum bewertbar sind. Die Gefahr infiziert zu sein, ist also kein unwahrscheinliches Szenario.  Die aktuellen Maßnahmen scheinen nicht ausreichend für eine schnelle Senkung der Fallzahlen. Wir brauchen also Konzepte, mit denen wir die nächsten Wochen und Monate arbeiten können – letztlich bis wir und unsere Schüler*innen geimpft sind.

  • Dazu brauchen wir dringend Schutzausrüstung, mit der wir uns selbst vor einer Infektion schützen können, um zu verhindern, unsere Schüler*innen zu infizieren.
  • Wir brauchen Schnelltest, um frühzeitig Infektionen erkennen zu können.·
  • Wir brauchen dringend die Beförderung in Kohorten, um eine weite Verbreitung des Virus im Falle einer Infektion zu verhindern.
  • Wir brauchen dringend die Möglichkeit Wechselunterricht anzubieten, wenn die Inzidenzwerte in unseren Stadt- und Landkreisen so hoch sind, dass die Kontaktnachverfolgung den Gesundheitsämtern nicht gelingt.
  • Wir müssen so schnell wie möglich geimpft werden.

Wir möchten unserem eigenen Anspruch an Bildung und Unterricht wieder gerecht werden. Das können wir aber nur, wenn wir unter Bedingungen arbeiten können, die der Pandemie und unserer besonderen Schülerschaft gerecht werden.“

Hier geht es zur Petition.

44-jährige Erzieherin stirbt nach Corona-Ausbruch in ihrer Kita an Covid-19 – RKI meldet inzwischen 19 verstorbene Lehrer/Erzieher

 

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31 KOMMENTARE

  1. “ … hochgerechnet 1.004 Fälle je 100.000 …“

    müsste es bei den Angaben der Fallzahlen nicht 1,004 (Komma) usw. heißen?
    Die Schreibweise mit ‚Punkt‘ bei den Fallzahlen vewirrt sehr, da eher an Zahlen im Tausenderbereich gedacht wird – was ich an dieser Stelle nicht vermute -.

  2. Ich finde es außerordentlich traurig, dass nun auch die Sonderschullehrer ihre Kinder mit diversen Benachteiligungen (und zwar starke, sonst wären sie ja dank Inklusion an den Regelschulen) nicht unterrichten wollen und Petitionen starten und was nicht alles … Das haben sie sich anscheinend von den anderen Lehrern abgeschaut. 🙁

    Natürlich müssen alle Lehrer so wie auch andere Berufsgruppen im Rahmen der Möglichkeiten geschützt werden. DAS unterstütze ich vollumfänglich!

    • Auch wir wollen einfach NUR SCHUTZ….Sie dürfen sich gerne ungeschützt anhusten lassen…wissen Sie, wie oft man sich Rotz aus dem Gesicht gewischt hat in vor Corona Zeiten??? Und auch jetzt nicht viel anders, nur dass sich der Rotz nun auf meine Maske und Gesicht verteilt. Nur Schutz auch für unsere Gesundheit und die unserer Angehörigen!!!!!

    • Es geht gar nicht darum, dass wir unsere SchülerInnen nicht unterrichten wollen. Es geht darum, dass ein Großteil der Schülerschaft zur Risikogruppe gehört und diese nicht ausreichend geschützt ist. Die SchülerInnen, die dazu zählen, können sich in den allermeisten Fällen nicht selbst schützen, nicht auf Abstand achten oder eine Maske tragen und benötigen den engen Kontakt zu erwachsenen Bezugspersonen, z.B. bei der Pflege, beim Essen anreichen, aber auch beim täglichen Unterrichtsgeschehen. Ich schränke meine privaten Kontakte seit Beginn der Pandemie absolut ein, ich treffe keine Freunde, weil ich Sorge davor habe meine SchülerInnen anstecken zu können. Nur in der Schule habe ich viele Kontakte, eben ohne Abstand, weil ich den nicht bei meiner Arbeit einhalten kann. Ich sehe das Dilemma, weil gerade diese SchülerInnen den Unterricht, die Therapien etc. dringend brauchen und die Eltern besonders belastet sind. Ich spreche von SchülerInnen, die teilweise dauerhaft beatmet werden oder auch schon wegen einer Grippe auf der Intensivstation lagen und fast gestorben wären. Die Schutzmaßnahmen reichen einfach nicht aus und sind teilweise nicht umsetzbar. Eine Pause haben wir schon das ganze Schuljahr nicht mehr, um die strikte Trennung der einzelnen Klassen leisten zu können, aber das und alle 20 Minuten lüften, sind kein effektiver Schutz vor einer Infektion.

    • @Schuppentier20
      Wenn ich Wert auf einen Heiligenschein lege und mich um jeden Preis für andere aufopfern möchte, werde ich Mönch oder Nonne, aber kein Lehrer für Sonderpädagogik. Was haben Sie denn für Vorstellungen?

    • Was ist das eigentlich generell für ein Kommentar?

      Als ob die Lehrer generell keine Lust hätten zu unterrichten. Was läuft bei dir verkehrt?

    • Lesekompetenz? Setzen,6!
      Es geht nicht darum, dass die Kinder nicht unterrichtet werden sollen, sondern darum, dass Lehrer wie Schüler(!!!) geschützt werden sollen!
      Sind sie Mutter/Vater eines entsprechenden Kindes? Das würde erklären, warum sie von den bösen Sonderpädagogen verlangen, ihre Gesundheit stumm, taub und blind aufs Spiel zu setzen, um die armen Kinder unter allen Umständen zu unterrichten. Wenn Sie ein Elternteil sein sollten, dann sollte doch die Gesundheit Ihres eigenen Kindes doch einen höheren Stellenwert einnehmen als Präsenzunterricht?!
      Mein Tipp: lesen Sie sich doch mit einem Kaffee oder Tee nochmal ganz in Ruhe Wort für Wort die Petition und obigen Text durch und überlegen Sie nach jedem Satz, was Sie gelesen haben. Vielleicht klappt es ja dann besser mit dem Leseverständnis!
      Ja, die Eltern der Schüler mit dem Bildungsgang GEnt und KMEnt sind noch belasteter als andere Eltern, das verstehe ich und kann es mir vorstellen! Und dennoch: Gesundheit sollte über Bildung um jeden Preis stehen!

  3. Wieso? Es sind eintausendundvier Personen auf einhunderttausend Menschen. Also 1.004 auf 100.000. 1,004 auf 100.000 wäre ein bisschen mehr als 1 Person von 100.000. Macht meiner Meinung nach keinen Sinn Wenn die Zahl mit Komma stimmen würde wäre es ja keiner Aufregung wert

  4. Dies ist auch in Niedersachsen der Fall. Die komplette Öffnung von Förderschulen unter den derzeitigen Umständen ist in meinen Augen schlicht grob fahrlässig. Jede/r KuK und SuS bemüht sich seit Monaten mit mehr als 100% die ganzen Regeln einzuhalten und dennoch möglichst regulären Unterricht zu gestalten. Gerade diese SuS benötigen so viel Lebenspraxis und Unterstützung von uns, doch genau dies ist die Gefahr zur Zeit.
    Mir ist klar, dass es auch genau diese SuS sind, welche im Home schooling häufig nicht gut zurechtkommen und sehr auf die volle Unterstützung ihrer Familie angewiesen sind. Natürlich wäre hier der klassische Präsenzunterricht die beste Lösung.
    Doch leben wir zur Zeit nicht in einer Normalität. Es braucht andere Wege und Lösungen.
    Es kann nicht sein, dass wir alle an Förderschule nun gezwungen sind, wider dem gesunden Menschenverstand, mit der Hoffnung zur Arbeit zu gehen, dass jeder von uns verschont bleiben wird, dass all unsere Hygienemaßnahmen ausreichen werden und dass es bis heute zumindest für meine Schule keine Masken oder Schutzkleidung von unserem AG oder Konsorten gab.

  5. @Schuppentier20

    Es geht nicht um „nicht unterrichten wollen“. Im Gegenteil. Bitte den Bericht auch ganz durchlesen. Dann erklärt sich (vielleicht) einiges. Der letzte Absatz ist jedenfalls vom Ende gedacht 😉 Nicht immer helfen „Kniebeugen und in die Hände klatschen“ allein!

  6. 1 004 von 100000 sind 1,04 Prozent.
    1,004 von 100000 waeren 0,00104 Prozent.
    Das 2. Beispiel kann nicht stimmen.
    0,00104 Prozent – da ist es wahrscheinlicher, dass mir im Bett die Decke auf den Kopf faellt!!!

  7. „Die schulinterne Kohortenbildung wird allerdings täglich durch die Zusammensetzung im Schulbus ad absurdum geführt. Dort sitzen die Kinder teilweise länger als 30 Minuten neben Schüler*innen aus anderen Kohorten – die teilweise aufgrund ihrer Behinderung keine Maske tragen können.“ Genauso ist es. Die Schulleiter können sich noch so viel Mühe geben: wenn die Bustransporte Greti und Pleti abholen, und so eine Fahrt dauert bis zu 45 min – dann lohnen alle Abstände, Schutzmaßnahmen etc pp schulintern nicht mehr wirklich. Bei unserem Kind werden nicht nur Schüler anderer Schulen, sondern teilweise auch noch Arbeitende aus einer Werkstatt mitbefördert. Wenn man dann noch einen Busfahrer hat, der nie eine Maske aufsetzt, nur kurz vor der Schule, macht es den Wahnsinn komplett. So nutzt der Lockdown nichts.

  8. Bei Sonderschulen bzw. Foerderschulen stimme ich Ihnen zu, bei allen anderen Schuelern nicht.
    Diese Schuelergruppe gehoert in die Schule, nicht nach Hause!!!

    • „Diese Schuelergruppe gehoert in die Schule, nicht nach Hause!!!“

      Wie üblich: Wenn man das vorschlägt oder gar fordert, dann darf das niemals auf Kosten des Gesundheitsschutzes aller Beteiligten passieren. Das Recht auf Bildung und das Recht auf körperliche Unversehrtheit schließen sich eben nicht gegenseitig aus, auch wenn die KMK das seit Monaten behauptet.

      Wenn man fordert, dass irgendwer sich einer großen Anzahl von Kontakten in der Pandemiezeit aussetzen soll, dann MUSS man ein Schutzkonzept haben, das denjenigen so gut stellt, als wenn er diese Kontakte nicht hätte.

      Das kostet GELD und ZEIT. Man muss also entscheiden, wie wichtig einem das ist. Einfach nur „es ist wichtig“ zu brüllen und kein Geld und keine Zeit bereitzustellen, ist nicht zielführend. Das Geld ist/war da… damit hat man dann halt eine Fluggesellschaft gerettet oder wochenlang einen vollkommen nutzlosen „Lockdown light“ durchgeführt. Die Zeit war auch da… die Probleme sind seit März bekannt.

  9. Ihre Kommentare sind zynisch. Es sollten doch wohl alle geschützt werden – vor allem bei den aktuellen Infektionszahlen.

  10. Kann hier nicht auf eine Diskussion über Kommastellen verzichtet werden???
    Fakt Ist, dass bei schwerbehinderten SUS kein Abstand gewährleistet werden kann. Noch viel weniger als im Regelschulbetrieb.
    Ich wünsche mir für die betreffenden Kuk und deren SuS, dass gerade im Hochrisikobereich Maßnahmen zum Gesundheitsschutz getroffen werden!!!

  11. Bericht aus der Praxis: Ich bin Förderschullehrerin und habe als solche an verschiedenen Förderschulen gearbeitet, außerdem im inklusiven Unterricht in der Primarstufe und Sek I.
    Die meisten Infektionen und somit auch den höchsten Krankenstand hatte ich während meiner Arbeit an einer Förderschule Geistige Entwicklung, v.a. wegen Erkältungen. Viele Kinder können ihre Bedürfnisse nicht ausreichend artikulieren, haben manchmal auch eine veränderte Schmerzwahrnehmung. Die LuL kommen regelmäßig in Kontakt mit verschiedenen Körperausscheidungen.
    Ich bekam u.a. eine schwere Scharlachinfektion, weil das betroffene Kind von den Eltern weiter zur Schule geschickt wurde. Für dieses Kind war ich eine wichtige Bezugsperson.
    Als ich in den inklusiven Unterricht der Grundschulen wechselte, wurde es besser mit den Erkältungen. Seit ich im inklusiven Unterricht der Sek I arbeite, ist es noch etwas besser. Jetzt habe ich vielleicht 20% der Erkältungen, die ich an der Förderschule hatte.
    Eine meiner Kolleginnen war ursprünglich Lehrerin für die Sek I. Sie arbeitet jetzt auch im inklusiven Unterricht. Seitdem ist sie nach eigener Schilderung viel häufiger krank als vorher.

    Preisfrage: Es gibt viele Corona-Viren, die sich ganz offensichtlich ihren Weg von den Kindern zu den Lehrkräften suchen. Warum sollte es ausgerechnet beim Corona-Virus mit der Nummer 19 anders sein???

  12. Es geht wie immer nur um’s Geld. Da die Schulen geöffnet sind, können Eltern keinen Sonderurlaub für die Betreuung beim Arbeitgeber beantragen. Sie fehlen nicht als Arbeitskräfte und niemand muss die Lohnersatzleistung bezahlen ( da streiten sie ja noch, wer die zahlen soll).

    Aus dem selben Grund wird auch ab morgen in BaWü die Notbetreuung für Klasse 1-7 angeboten für alle Kinder, deren Eltern arbeiten.
    Wenn man das Kind zu Hause behalten möchte muss man seinen normalen Urlaub nehmen.
    Trickreich wie immer, die Landesregierung BaWü.

  13. Meine Nachbarin und eine Bekannte haben jeweils ein behindertes Kind und ja sie wollen, dass die Sonderschulen öffnen und die Kinder hinkönnen. Ein Kind hat eine Art spastische Lähmung und kann nicht mal richtig sitzen. Dieses Kind braucht seine Therapien und soziale Ansprache, auch die anderen Eltern in dieser Gruppe werden ihre Kinder bringen. Das andere Kind ist 10 hat Trisomie 21 und auch diese Mutter ist froh, dass die Schule öffnet. Ja diese Eltern haben Kinder in die Welt gesetzt, aber z.T. sind Eltern von behinderten Kindern dermaßen am Ende, wie sich hier Keiner vorstellen kann. Die Sonderschulen sind für Kinder und Eltern wichtig. Es wird hier immer auf den Schutz von Schülern hingewiesen, warum sind in BW 99% der Schüler in den Präsenzunterricht gekommen? Dort ist die Präsenzpflicht ausgesetzt. Ich arbeite als Sozialarbeiterin an einer Schule, wir haben einiges optimiert, aber wenn ich dies hier so lese, denke ich, das ist ein ganz anderer Personenkreis. Außer Gesundheitsschutz wird hier auch nicht klar, was sich der Inhaber der Website und die kommentierenden Lehrer vorstellen.

  14. Das Problem ist, dass diese Schulen oft nicht wahrgenommen werden.
    Einfach alles auszusetzen ist für viele der betroffenen Familien fatal. Hier müssen dringend individuelle Maßnahmen greifen und diese Schulen müssen den gleichen Stellenwert bei Hygienevorschriften haben wie Alten-und Pflegeheime.
    ABER es ist immer noch besser ein Kind zu haben, dass Therapien und Fördermaßnahmen nicht wahrnehmen kann ,weil diese gestrichen werden, als ein totes Kind.

    Wer am Rande der Gesellschaft steht fällt jetzt ganz schnell hinten runter. DAS DARF NICHT SEIN.und ganz ehrlich hier fehlt mit die Debatte in der Gesellschaft. Ich habe noch keine Beiträge zum Thema Menschen mit Behinderungen während Corona gelesen,gehört, gesehen obwohl die Verbände so viel Beschwerden einlegen.

  15. Ja,schickt man sein Kind in die Schule oder die Werkstatt für behinderte Menschen, hat man im Fall eines Falles keinen Plan B.

  16. Wir reden hier doch über Klassengrössen von plus minus 6 Kindern. Entsprechend sind in den SBBZ geistige/motorische Entwicklung 2-4Erwachsene( Lehrer,FSJ,Schulbegleiter ….) dabei. Die Rahmenbedingungen würde ich auf jeden Fall besser bezeichnen als in der Kleinkindgruppe unseres Kindergartens! Es stimmt, dass manche Kinder zur Risikogruppe gehören (nicht alle!!) und es stimmt, dass manche die Hygiene Regeln nicht einhalten können. Aber es sind nicht alle Risikopatienten und manche Kinder halten von sich aus Abstand und tragen Maske.
    Ich würde mir wünschen, dass diese Lehrerenergie konstruktiv eingesetzt wird um Lösungen zu finden, diese Kinder mit maximalem Präsenzunterricht zu beschulen anstatt Gründe zu suchen, es nicht tun zu müssen. So wirkt das nämlich auf viele Eltern. Ganz nebenbei arbeiten auch viele Eltern ununterbrochen und haben nicht das Privileg verbeamtet zu sein. Hier erhält man keine FFP 2Masken vom Arbeitgeber bezahlt. Ich rede von Handwerkern ( im Kundendienst) Arzthelferinnen ( die Anweisung haben trotz Symptom freier Corona Infektion zum Arbeiten zu kommen) Bankangestellten, Supermarkt Mitarbeitern usw…
    Es gibt in diesen Berufen nicht die Möglichkeit sich mit einem ärztlichen Attest über 60 oder als der Risikogruppe Angehöriger vom Arbeiten befreien zu lassen. ( bei voller Bezahlung) Es gibt sicher Optimierungsbedarf in Ihrem Bereich! Manchmal kann es aber auch heilsam sein einmal über den eigenen Tellerrand zu schauen…..
    Grüße einer genervten Mutter dreier Kinder (davon eines mit Behinderung)

    • Ich weiß nicht ob das alles so stimmt. Dann hätte sich einiges verändert.Als meine Tochter noch in die Sonderschule ging, ( Schwerpunkt GE), waren vor allem die oberen Klassen größer (8-9Schüler). Die Klassenräume waren aber größtenteils relativ klein. Vor allem wenn dann noch das eine oder andere Kind im Rollstuhl saß, ging es recht eng zu, d.h. Abstand halten ist in solchen Situationen gar nicht möglich. Das ist aber in der jetzigen Lage das A und O. Sicher ist nicht jedes Kind gleich gefährdet, die Trisomie-Kinder sind es aber allemal, und die Mehrfachbehinderten auch.
      Die Frage ist halt, gibt es genug größere Räume, in die man ausweichen kann? Speisesaal, Sporthalle?
      Oder ist genug Personal da, dass man Gruppen teilen kann? Nicht immer sind 2-4Erwachsene in einer Gruppe, vor allem nicht zeitgleich!
      In der Betreuungsgruppe der Werkstatt,die meine Tochter besucht, sind die Gruppen klein und die Räume fast so groß wie normale Klassenzimmer. Das ist ein enormer Vorteil. Leider ist das nicht überall der Fall und für Lehrkräfte und Betreuer dann wirklich eine Zumutung.

  17. Noch ein Nachtrag: Arzthelferinnen bekomme natürlich die Masken von Ihren Arbeitgebern…Die anderen genannten Beispiele aber nicht..
    Ich würde mir wünschen, dass Lösungen gesucht werden wie man das Infektionsrisiko minimiert, so dass auch Risiko Kinder beschult werden können…
    Allerdings finde ich es schade, wenn man als Elternteil den Eindruck gewinnt, dass Gründe vorgeschoben werden….
    Der Bustransport ist übrigens auch meiner Meinung nach das größte Risiko für die Kinder. Unser Sohn sitzt täglich 3Stunden im Bus mit bis zu 15 Kindern ( nicht mal alle von derselben Schule)

    • Im Bustransport sehe ich auch ein Risiko. Soweit ich informiert bin, ist es grundsätzlich nicht rechtens, wenn ein Kind länger als 60 Minuten für eine Fahrtstrecke braucht. Diese Vorschrift wird gerne mal unterlaufen. Da sollte man mit Lehrkraft oder Schulleitung reden. Menschen mit Behinderungen können ja manchmal nicht einmal ihren Anorak selbständig öffnen oder ihren Schal lockern, und bei einer Busfahrt mit ständigem Zu-oder Ausstieg ist es im Winter mal zu warm, mal eiskalt. Im Sommer kann es durchaus vorkommen, dass ein Kind, das in der Schule nicht genug getrunken hat, ( manche verweigern ja auch zeitweise das Trinken), nach über einstündiger Fahrt beinahe dehydriert sind. Alles schon erlebt.
      Jetzt zu Pandemiezeiten gibt es noch strengere Vorschriften. In unserem Bus dürfen seither nur zwei Rollstuhlfahrer befördert werden und zwei andere Personen. Die Eltern des dritten Rollstuhlkindes wurden vom Landratsamt angewiesen, ihr Kind selbst zu befördern,was natürlich auch sehr unfair ist. Sie haben die kürzeste Anfahrt, aber trotzdem ist es ein großer Aufwand. Eine Ersatzbeförderung gibt es nicht!
      Zeitweise fuhr ein Vertretungsfahrer ohne Mundschutz….

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