„Ich bin an meiner absoluten Belastungsgrenze“: Lehrerin UND Mutter von Kleinkindern – wer soll das leisten? Betroffene berichten

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BERLIN. Die Belastungen sind für Lehrkräfte, die den Distanzunterricht managen und nicht selten auch noch Schüler in Präsenz betreuen müssen, derzeit groß. Die Belastungen sind für Eltern, die Beruf und Betreuung ihrer eigenen kleinen Kinder samt Homeschooling unter einen Hut bringen müssen, derzeit nicht kleiner. Was aber, wenn beide Herausforderungen in der Corona-Krise gleichzeitig kommen – die im Lehrerberuf und die als Elternteil? Zwei Mütter und Lehrerinnen berichten.

Lehrerin und Mutter: Superkräfte wären nötig… Illustration: Shutterstock

Esreichtmalwieder 28. Januar 2021 um 22:46

Ich selbst bin Lehrerin am Gymnasium, habe nur kleine Klassen (5 und 6) in Mathe und Physik und die ganz großen Schüler in Mathe, also 11 und 12. Die 12er sollen demnächst Abitur machen. Alle, die Schüler und deren Eltern, verlassen sich auf mich, wollen, dass ich den Unterricht so gestalte, dass die Schüler motiviert sind und die Aufgaben alleine lösen können. Außerdem fordert meine Schulleitung, Onlineunterricht entsprechend des normalen Stundenplans durchzuführen, vorzugsweise in Form von Videokonferenzen. Leider reicht es da nicht, stumm und ohne Bild teilzunehmen, sondern man ist der Leiter dieser Veranstaltung.

Die Vorbereitung des Onlineunterrichts dauert dreimal so lang wie normaler Unterricht, wenn man es ansprechend und anspruchsvoll gestalten will, das dann noch mit privater, nicht unbedingt gut geeigneter Technik. Ich bin nicht systemrelevant. Meine Kinder waren zu Hause. Alleine das Beschulen meiner Tochter (1. Klasse) unter der Anleitung ihrer Lehrer nimmt mehrere Stunden mit Pausen in Anspruch.

„Nachts hätte ich dann meine Ruhe zum Arbeiten. Ich kann dann aber meist nicht mehr“

Nebenbei möchte mein dreijähriger Sohn mit mir spielen und meine Nähe. Gleichzeitig werde ich mit E-Mails bombardiert von Schülern, Schulleitung, Kitaleitung, Klassenlehrerin meiner Tochter, neuen Verordnungen und und und. Arbeiten geht tagsüber nicht so richtig, vielleicht etwas Verwaltungskram, wenn die Kinder mal alleine spielen. Nachts hätte ich dann meine Ruhe zum Arbeiten. Ich kann dann aber meist nicht mehr. Wenn die Kinder mal einen oder ein paar mehr Tage bei Oma waren, habe ich von früh zeitig bis spät abends durchgearbeitet, nicht mal geschafft zu essen. Mittlerweile kommen die 11er und 12er wieder in die Schule im Wechselmodell. Damit bin ich systemrelevant und die Kids gehen in die Notbetreuung.

Ich habe, wie alle anderen Eltern auch, die Möglichkeit, Kinderkrankentage zu nehmen, um nicht arbeiten zu müssen. Aber wer kümmert sich dann um meine Schüler? Wer schreibt sie an, um zu schauen, wie es ihnen geht, ob sie zurecht kommen, sich motivieren können. Wer bringt ihnen Mathe und Physik bei? Die Kollegen, die selbst genug mit ihren Schülern zu tun haben?

Ich denke, dass es viele Eltern gibt, die eine ähnlich große Verantwortung haben und nicht einfach ihre Arbeit liegen lassen können. Vielleicht besteht auch die Angst, im Wettbewerb nach hinten zu fallen, weil man seine Kinder betreuen muss. Ich glaube aber nicht, dass es richtig ist, Eltern pauschal zu verdammen, die zu Hause gerade überfordert sind und die Betreuung durch Kita und Schule fordern. Ich könnte mir gut vorstellen, den ganzen Tag alleine mit meinen Kids zu verbringen. Aber die Verantwortung meinen Schülern gegenüber und das schlechte Gewissen, dass sich damit einstellen würde, ist zu groß. Man sagt ja immer, dass man es nicht allen Recht machen kann, aber genau das wird von den Eltern jetzt gefordert.

Wer keine Kinder hat, kann hier nicht mitreden, weil demjenigen die Vorstellungskraft fehlt. Und einfach zu sagen: Selbst schuld, ihr wolltet doch Kinder und damit den Eltern zu unterstellen, sie bekämen nur die Kinder um sie direkt abzugeben, finde ich nicht nur frech und befremdlich, sondern schlichtweg weltfremd. Ich wünsche allen Eltern weiterhin viel Kraft! Ihr leistet wirklich sehr viel in dieser Zeit!

Momo 23. Januar 2021 um 15:54

Ich bin zugleich Lehrerin und Mutter und eigentlich Lockdown mit Distanzlernen Befürworterin (zumindest in der aktuellen Situation)! Aaaaaaaber: Ich fühle mich tatsächlich an meiner absoluten Belastungsgrenze. Wurde im ersten Lockdown noch von Entschleunigung gesprochen, kann ich jetzt nur noch eine Beschleunigung des Alltags feststellen.

Den ganzen Tag hetze ich den eigenen Aufgaben und Terminen sowie den Aufgaben und Terminen meiner eigenen Kinder hinterher. Homeoffice als Lehrer kollidiert permanent mit dem Distanzlernen der eigenen Grundschulkinder, die obwohl sie sehr selbstständig sind, die Aufgaben und Videokonferenzen natürlich nicht alleine bewältigen können. Ich bin den ganzen Tag von 9 Uhr bis 21 Uhr mit Schule beschäftigt. Obwohl ich mich selber für sehr taff halte, ich kann nicht mehr.

Notbetreuung für meine eigenen Kinder kommt für mich nicht in Frage, auch meine Kinder haben ein Recht auf Infektionsschutz. Außerdem werden sie dort nur betreut, die vielen Aufgaben müssten wir also dann nachmittags/abends trotzdem noch zusammen machen. Also lasse ich sie Zuhause und versuche jeden Tag 150% Arbeitseinsatz zu geben auf allen Ebenen, um allen Aufgaben (schulischer und privater Natur) gerecht zu werden. Woran liegt dieser Stress, hat es sich im ersten Lockdown doch anders angefühlt? Es war einfacher. Aber warum?

Es liegt in meinen Augen zum Einen daran, dass Distanzlernen nun oft viel zu ehrgeizig angegangen wird. Meine Kinder werden mit Aufgaben bombardiert, Freunde und Kollegen berichten von ihren Kindern das gleiche, ein flächendeckendes/bundeslandübergreifendes Problem. Für arbeitende Eltern (egal welche Berufsgruppe) gar nicht zu leisten. Wenn leistungsstarke Kinder das Tagespensum an Arbeit nicht schaffen, ist das Ziel eindeutig zu ehrgeizig. Lernen macht gar keinen Spaß mehr, es ist nur noch Stapel abarbeiten. Einen Text zweimal lesen unmöglich, man schafft sonst die restlichen Aufgaben nicht.

„Die Kinder sind zunehmend unzufrieden, ihre sozialen Kontakte nicht wie gewohnt pflegen zu können“

Ein weiteres Problem: Man will außerdem auf Biegen und Brechen digital sein, da wird in der Sek 1/Sek 2 teilweise nach Stundentafel unterrichtet und selbst die Grundschüler müssen nun wöchentlich eine Vielzahl an Videokonferenzen absolvieren. Dabei sei erwähnt: Videokonferenzen ab dem 4./5. Schuljahr mag für Kinder noch ganz witzig sein, für meinen Erstklässler ist es aber purer Psychoterror. Ein sechsjähriges Kind, welches in diesem Alter eigentlich erst einmal mit EINER Person telefonieren lernen sollte, soll nun mit ZEHN weiteren Kindern Videokonferenz machen, daneben sitzen die Mamas, also mindestens insgesamt ZWANZIG Zuhörer. Leistungsdruck pur!!! Mein Kind umklammert meine Hand: „Hoffentlich komme ich nicht dran Mama.“ Natürlich muss mein Kind nichts sagen, wenn es nicht möchte, aber peinlich berührt und bloß gestellt fühlt es sich trotzdem, wenn es die „Aussage“ in der Videokonferenz verweigert.

Was den Druck nun noch zusätzlich verschärft ist, dass die Kinder tatsächlich zunehmend unzufrieden sind, ihre sozialen Kontakte nicht wie gewohnt pflegen zu können. Da Freizeitgestaltung nun sehr eingeschränkt funktioniert, sind die Eltern nun tatsächlich noch mehr in der Rolle, die Familie bei Laune halten zu müssen. Kinder haben außerdem Ängste durch die Extremsituation Lockdown und durch die Angst vor Corona, diese Ängste müssen nun aufgefangen und verarbeitet werden, in der Regel geschieht dieses Auffangen durch die Mütter.

„Ich muss als Lehrerin und Mutter dann doch einmal für die Eltern sprechen“

Ich beschäftige mich gerne mit meinen Kindern und genieße die gemeinsame Zeit, aber diese Situation, in der wir uns gerade befinden, ist belastend für Familien. Das hat rein gar nichts damit zu tun, dass Eltern sich nicht beschäftigen wollen. Familien sind belastet, weil die Situation eine Extremsituation ist und weil die Anforderungen an Familien zu hoch sind.

Ich muss als Lehrerin und Mutter dann doch einmal für die Eltern sprechen. Eltern leisten gerade enorm viel, werden aber gerne, wenn sie „jammern“ in die Schublade „unwillig“ oder „unfähig“ einsortiert. Mit der Haltung „Eltern sollen sich halt auch mal kümmern“ macht man es sich zu einfach. Die Situation erfordert mehr als kümmern, die Situation erfordert einen 24h Job, 7 Tage die Woche.

Eine Lösung für dieses Dilemma sehe ich leider auch gerade nicht. Wir befinden uns in diesem Lockdown, der in meinen Augen notwendig ist. Aber vielleicht muss ein Umdenken stattfinden, Ziele und Ansprüche dürfen nicht zu ehrgeizig definiert werden. Vielleicht sollte doch überlegt werden, ob man dieses Schuljahr werten kann, um den Schülern, Lehrern und Familien den Leistungsdruck zu nehmen. Aber dies ist ein anderes Thema…

Wichtig ist mir an dieser Stelle einmal festzuhalten: Für Eltern ist die Situation nicht einfach. Und das hat rein gar nichts mit Jammern zu tun. News4teachers

Leserposts

Die beiden Kommentare wurden als Leserposts auf News4teachers veröffentlich, wir möchten sie gerne einem breiteren Publikum vorstellen. Deshalb haben wir sie jetzt noch mal als Gastbeiträge gebracht.

News4teachers ist mit im Schnitt mehr als 100.000 Seitenaufrufen am Tag Deutschlands größtes Nachrichtenmagazin für die Bildung – und es versteht sich auch als Diskussionsmedium. Wir freuen uns über jeden Leserbeitrag, der dazu beiträgt, unterschiedliche Perspektiven zu den Themen unserer Beiträge darzustellen.

Für die Veröffentlichung gelten ein paar Regeln, die sich im Grundsatz nicht von denen unterscheiden, die im normalen menschlichen Miteinander gelten – hier sind sie nachzulesen. Besonders interessante Posts  – wie den oben stehenden – veröffentlichen wir dann gerne auch als Gastbeitrag im redaktionellen Teil von News4teachers. Jeder und jede, der oder die sich für die Bildung engagiert, ist herzlich eingeladen, sich (auch anoynm) an den Debatten zu beteiligen. Jeder Beitrag auf News4teachers ist frei zur Diskussion. Natürlich auch dieser.

Klartext eines Lehrers: „Ich habe Kollegen mit Tränen in den Augen gesehen“

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45 KOMMENTARE

  1. Danke für diese Beiträge. Ich finde das alles absurd organisiert. Unser Grundschulkind hat nun das Pech (tja) eine Klassenlehrerin mit kleinen Kindern zu haben und es gibt von ihr eher dürftige Aufgaben und seitdem ihre Kinder zuhause sind weniger Videokonferenzzeit pro Woche – die für UNSER Kind angenehmer und teilweise effektiver ist als Präsenz (!). Andere Schulen haben hingegen teilweise durchgängig Distanzbeschulung, technikferne LehrerInnen wiederum nur einmal pro Woche, die Mathelehrerin bietet optionale Stunden an, falls jemand Fragen hat, aber unser Kind versteht alles, es bräuchte lediglich den Mathespaß in der größeren Gruppe.
    Wir gleichen das zwar aus, aber das kostet natürlich mehr Zeit und Kraft, außerdem fehlt die Zeit für Spaß und Spiel mit der Klassengemeinschaft.
    Zwei Stunden Videokonferenz pro Tag müsste eigentlich Standard sein und von LehrerInnen geleistet, die dafür auch die Zeit haben.

    • Das Problem ist, dass jede Familie etwas anderes wünscht. Die einen wollen jede Stunde als Videokonferenz, die nächste sagen, mein Kind ist davon überfordert (was ich durchaus verstehen kann). Dann sagen manche, es gibt zu viele Aufgaben und die Kinder sind nur am arbeiten bis spät abends, die anderen wollen aber nicht zu wenig Arbeitsaufträge. Dann gibt es die, die sagen, dass es doch nur Unterricht in den Kernfächern bräuchte, die anderen beschweren sich aber, dass manche Lehrer nichts anbieten. Aber was soll ein Kunstlehrer tun? Er/sie bietet etwas an, dann ist es zu viel, wenn er/sie nichts anbietet, dann heißt es, Lehrer sind faul. Als Lehrer hat man das Gefühl, es wird irgendwie die eierlegende Wollmilchsau verlangt.

      • Natürlich ist es so – aber das Problem gibt es im normalen Unterricht doch auch. Dann allerdings ohne Eltern, die jetzt sehr aufmerksam verfolgen, wie genau IHR Kind am besten lernen kann und die auch direkt leiden, wenn das Kind nicht motiviert ist oder überfordert. Unser Kind saß zum Beispiel in der Schule ein halbes Jahr neben dem Störenfried der Klasse und fand den Unterricht der Klassenlehrerin so langweilig, dass sie fast Bauchschmerzen davon bekam, aber das mussten wir einfach hinnehmen. LehrerInnen berichten auch, dass sich jetzt die schüchternen Kinder mehr einbringen – vielleicht auch, weil die Gruppen online kleiner sind. In der Schule wird doch für die Schüchternen oder Ruhebedürftigen auch nicht wirklich der richtige Rahmen geboten.
        Ich meine, der digitale Unterricht sollte im größeren Umfang selbstverständlich angeboten werden … dann wird er für die Kinder auch zur Normalität. Natürlich sollten die LehrerInnen pädagogischen Freiraum beim Gestalten haben.
        Eine digitale gemeinsame Kunststunde ist für die Kinder bestimmt auch eine willkommene Abwechslung – aber vielleicht eher in Kleingruppen? Wir haben neulich mit der Oma zusammen gemalt und das war richtig schön. Und die Sportstunde vielleicht als Youtubestunde von mehreren Sportlehrern für die ganze Schule …

  2. Absolut richtig!
    Unerlässlich wäre, endlich Druck rauszunehmen.

    Auch als „nur“ Lehrer (und nicht gleichzeitig Eltern) spüren wir doch den zu großen Druck auf die jüngeren, aber auch auf viele ältere Schüler und ihre Familien.
    Sie müssen mit einer Situation klarkommen, die in keiner Beziehung mehr ihrem normalen Alltag entspricht.
    Die Schüler erfahren vollkommen neue Organisation (wann stehe ich auf…), neue Anforderungen (digital, nicht/schlecht vorbereitet wegen fehlender Geräte in vielen Schulen), neue Ängste (vor Krankheit, vor Verantwortung, vor „Öffentlichkeit“ im Unterricht…), neuer Umgang mit den eigenen Familienmitgliedern (Homeoffice, neue Regeln, Eltern mit eigenen Ängsten, Eltern die nicht helfen können…).

    Umso wichtiger wäre es, jetzt endlich den Druck für alle rauszunehmen.
    Die Kinder „inteligent binden“ – statt unter zweifelhaften Bedingungen zu Leistung zu zwingen und am Ende vielleicht nur Frust auszulösen.
    Lernfrust wiegt m.E. am Ende schwerer, ist schwieriger wieder aufzuarbeiten, als verpasste Inhalte.
    Man kann die Kids statt in die Videokonferenz doch auch in Wald/Park/Garten schicken, sie kleine Filme oder Lernspiele machen lassen – mit einer kleinen Aufgabe oder einfach nur so. Sie werden etwas lernen.
    Die älteren/die Abschlussschüler brauchen selbstverständlich auch die Gewissheit, zu ihrem Ziel kommen zu können.
    Aber muss es in derselben Zeit sein wie unter normalen Bedingungen?
    Vielleicht würden sie später einen viel besseren Abschluss machen, wenn sie jetzt nur auf Distanz wiederholen, vertiefen (ja, auch Abiturienten haben noch oft massive Schwächen in Grammatik, Rechtschreibung, Grundrechenarten ohne Taschenrechner etc.) und später unter besseren Bedingungen den Abschluss machen.
    Die Firmen warten jetzt auch eher nicht dringend auf neue Lehrlinge, müssen viele doch ohenhin um die vorhandenen Arbeitsplätze kämpfen.

    Uns Kollegen würde Entschleunigung von dem Druck befreien, ohne Voraussetzungen in festgelegter Zeit, die schon normalerweise für viele Schüler viel zu kurz gefasst ist, noch mehr erreichen zu müssen als schon in normalen Zeiten, zu wissen, dass die eh benachteiligten Kinder dann trotz aller Bemühungen einfach nicht mitkommen, immer mehr zu investieren und immer mehr zu merken, dass die Kinder eigentlich etwas anderes brauchen als die nächste Englischnote, zu wissen, dass man damit den Druck und den Stress innerhalb der Familien ohne es zu wollen im Zweifel noch anheizt, obendrein mit der Angst, nicht gut genug zu sein im Distanzunterricht und dadurch die Kritiker noch lauter werden zu lassen, die dann Öffnungen durchsetzen, die wiederum weitere Infektionen, weitere Tote, einen weiteren Lockdown…
    Das kann es nicht sein.
    Ein vorgetäuschter Schulalltag ist kein guter Tausch gegen Gesundheit und Leben.

    Wir müssen m.E. ALLES auf den Prüfstand stellen:
    Lehrinhalte, Methoden, Zeitpläne, Personalplanung, Umfang von Unterricht, räumliche Voraussetzungen, Infektionsschutzmaßnahmen etc.
    Dann müssten wir schauen, was unter Pandemiebedingungen geht – nicht wie bisher versuchen, das Alte ohne entsprechenden Infektionsschutz herbeizureden oder zu erzwingen!

    Der Alltag wird wiederkommen, aber vielleicht anders als vorher, vielleicht sogar besser, wenn wir es schlau anstellen?!

  3. Ich kann die beiden Kolleginnen so gut verstehen. Ich bin mit meinen zwei eigenen Kindern ( 5 Jahre und 14 Monate) zu Hause und muss mich gleichzeitig um meine Klasse kümmern. Da ich nur Teilzeit arbeite, mache ich nur einmal in der Woche eine Stunde Onlineunterricht. An dem Tag kommen meine Eltern eine weite Strecke gefahren, um die Kinder zu betreuen. Den Tag nutze ich dann auch für Absprachen mit meiner Kollegen. An den anderen Tagen muss ich zu sehen, wie ich die Betreuung und den Fernunterricht geregelt bekomme. In der Realität sieht das so aus, dass ich tagsüber Aufgaben erledige, wie zum Beispiel Mails schreiben, Arbeitsblätter hochladen. Die Aufgaben, die meine volle Aufmerksamkeit erfordern, erledige ich abends, wenn die Kinder schlafen und dann meist bis nachts um zwei oder sogar noch länger.
    Eigentlich habe ich in der Woche zwei freie Tage. Von diesen haben ich zur Zeit überhaupt nichts. Die Eltern kontaktieren mich auch an meinen freien Tagen und wenn das Ministerium sich an meinem freien Tag überlegt, dass der geplante Wechselunterricht nicht stattfindet, kann ich auch nicht sagen „Ich habe frei. Dann bekommen die Eltern eben erst morgen alle Infos und ans Telefon gehe ich auch erst wieder morgen“. Das ist absolut unbefriedigend. Zur Zeit habe ich ein Arbeitspensum vergleichbar mit dem meiner Kollegen, die Vollzeit arbeiten. Mein Gehalt ist aber bei weitem nicht das gleiche.
    Für mein jüngstes Kind stehen mir noch 1 1/2 Jahre Elternzeit zu und ich habe in den letzten Wochen mehrmals überlegt, ob ich diese nicht doch noch in Anspruch nehmen soll. Es ist einfach nur noch eine enorme Belastung und gefühlt nicht mehr lange leistbar.

  4. Eltern müssten die Möglichkeit haben, die Arbeitszeit zu halbieren.
    Bei vollem Lohnausgleich durch die Arbeitslosenversicherung.

    Kinderkranktage sind die falsche Lösung.

    Auch die Unterrichtsstunden sollten halbiert werden.
    Zumindest an den Grundschulen.

  5. Diese beiden Darstellungen des Alltags und der damit einhergehenden Belastung für Lehrerinnen+Mütter finde ich sehr treffend. Auch ich vereine aktuell beides, oder versuche es zumindest. Nach zwei Wochen intensivem Unterstützen meiner Privat-Kinder und Organisieren, Gestalten und Begleiten des Distanzlernens für meine Berufs-Kinder, musste ich kapitulieren. Mit meinen Kräften völlig am Ende, habe ich eingesehen, dass ich entweder meine eigenen oder die beruflichen Kinder gut betreuen kann, aber nicht beide. Ist doch für alle Schüler*innen der Vormittag die Kernzeit des Lernens. Sie wollen die ganze Aufmerksamkeit ihrer Lehrerin und nicht störende Stimmen im Hintergrund hören und durchs Bild laufende Gestalten sehen. Letzte Woche habe ich meine Eltern, selber pensionierte Lehrer, um Unterstützung gebeten. Diese genießen gerade den Kontakt, konnten wir uns doch vor dem zweiten Lockdown viele Wochen nur aus der Entfernung sehen. Während sie ihre Enkel betreuen, kann ich mich ohne schlechtes Gewissen um meine Berufs-Kinder kümmern. Hut ab vor allen, die diesen Marathonlauf ohne Unterstützung schaffen müssen.

  6. „Und einfach zu sagen: Selbst schuld, ihr wolltet doch Kinder und damit den Eltern zu unterstellen, sie bekämen nur die Kinder um sie direkt abzugeben, finde ich nicht nur frech und befremdlich, sondern schlichtweg weltfremd.“

    Hab mich dabei auch erwischt. Inzwischen beobachte ich, wie eine große Menge Leuten genau das macht: immer auf die nächste Gruppe zeigen. Es ist immer noch nicht wirklich verstanden worden, dass wir da alle gemeinsam durch müssen, jeder mit unterschiedlichen Hürden… Wenn man ertrinkt, ist es egal, ob es 10 oder 100 Meter bis zum Grund sind.

    Es ist für alle zu hoffen, dass sich alles entspannt. Für alle.

  7. Mal naiv gefragt: Was unterscheidet die Belastungsgrenze von Lehrerinnen mit kleinen Kindern im Distanzunterricht von Müttern aus anderen Berufsgruppen mit festen Videokonferenzterminen mit kleinen Kindern im Distanzunterricht?

    • Vielleicht ist der Unterschied der, dass die Lehrer mit eigenen Kindern im Distanzunterricht und ebenfalls festen Videokonferenzterminen zeitgleich ihre eigenen Schüler in Videokonferenzen betreuen wollen. Dies ist natürlich am Vormittag der Fall. Am Nachmittag wird dann korrigiert, geplant, hochgeladen, telefoniert, gefilmt, etc., aber dann zwischendurch, soweit es die eigenen Kinder zulassen und abhängig davon, ob und wie lange sie sich selber beschäftigen können. Das haben wir Lehrer aber eh schon immer so gehandhabt. In vielen Punkten ähneln oder gleichen sich die Belastungen. Was die Belastungsgrenze angeht, ist die doch eh individuell …

    • Nichts! Deswegen könnten auch sie von der Möglichkeit Gebrauch machen, Kinderkrankentage zur Betreuung ihrer Kinder zu nehmen.

    • Zitat:
      „Was unterscheidet die Belastungsgrenze von Lehrerinnen mit kleinen Kindern im Distanzunterricht von Müttern aus anderen Berufsgruppen mit festen Videokonferenzterminen mit kleinen Kindern im Distanzunterricht?“

      Es ist die Tatsache, dass auf den LehrerInnen herumgetrampelt wird. Dass sie kritisiert werden, wenn sie keine Video-Konferenzen anbieten (weil vielleicht das eigene Kind gerade Betreuung braucht).
      Die Belastung von Eltern, die nicht Lehrer sind, werden zurecht gewürdigt, werden zurecht als zu Hoch angeprangert. Die Belastung von LehrerInnen (mit Kindern) wird einfach abgetan – im Gegenteil es werden noch absurde Forderungen nach Einzelbetreuung der SchülerInnen gestellt.

    • Außerdem betreffen die Videokonferenztermine von „Müttern aus anderen Berufsgruppen“ sind sicher nicht täglich von 8:00 bis 13:00 Uhr.

    • @ Georg: Ich denke es hängt ganz davon ab, wen man wirklich vergleicht. Wenn man eine Teilzeit Grundschullehrerin nimmt, die eine Klassenleitung hat, in dieser Klasse alle Hauptfächer abdeckt und nun zusätzlich kleine Kinder zu Hause, so steht sie vor dem Dilemma: Will ich die Krankentage für meine eigenen Kinder nehmen, wohl wissend, dass die Schulklasse dann evtl. gar keinen Unterricht mehr erhält (oft ist das Personal für eine ordentliche Vertretung einfach nicht da) oder vernachlässige ich die eigenen Kinder? Bei einem Fachlehrer für Kunst an einer weiterführenden Schule, sehe ich dieses Dilemma bspw. nicht.

      • @ DerDip: Als Kunstlehrerin an einer weiterführenden Schule möchte ich das nicht so stehen lassen 😉
        Mit ca 250 SchülerInnen bei einer Vollzeitstelle ist man schon mal ordentlich mit den Feedbacks beschäftigt. Dazu kommt, dass es (bei uns) kein Kunst-Schulbuch gibt. Die MathekollegInnen können auf das Buch und die Aufgaben darin zurückgreifen, Zusatzmaterialien auch digital gibt es haufenweise für die Hauptfächer. Das ist in Kunst etwas anders. Unterrichtsmaterial muss erst noch zusammengestellt werden. Das bedeutet in Nicht-Coronazeiten eine große Freiheit in der Unterrichtsgestaltung, im Distanzunterricht erfordert das einen ziemlich großen Zeitaufwand. Die SchülerInnen sollen es ja hinbekommen, auch wenn ich ihnen nicht die ständigen Impulse wie in einer Kunststunde geben kann und auch mit den beschränkten Zeichen- und Malmaterialien, die sie zu Hause haben. – Zumindest wenn man den Anspruch hat, so ein bisschen wenigstens dem Curriculum zu entsprechen. Und auch die Kunstprüflinge, die ich auf das Abitur vorbereite, brauchen viiiel Zeit von mir.
        Meine eigenen Kinder sind in der Grundschule. Deren LehrerInnen sind sehr unterschiedlich stark engagiert im Distanzlernen, was mir wiederum zeigt, wie wichtig es ist, dass ich mich reinhänge…
        Am krassesten war es in den zwei Wochen vor den Osterferien: Die eigenen Kinder im wochenweisen Wechsel im Szenario B, die Abiturienten im Szenario A und die Sek I im täglichen Wechsel im Szenario B. Dazu jede Menge vom Präsenzunterricht befreite SchülerInnen, die täglich dazukommen konnten…
        Puh, doch ein bisschen Dilemma…

  8. Weltfremd, Hausmütterchen, altmodisch, so werden Sie mich gleich beschimpfen. Ich war für meine Kinder da, als sie drei Jahre alt waren, bin als Lehrerin wieder eingestiegen, als sie selbständig wurden. Was spricht für mich gegen Kita ab einem Jahr oder früher?
    1.Die Kinder lernen Spiel allein unter Erwachsenenanleitung, kein freies Spiel, auch mal sich alleine beschäftigen. Deshalb die Unselbständigkeit und die dauernden Forderungen nach Aufmerksamkeit, die jetzt allen Eltern im Homeoffice zu schaffen machen.Die Kinder kennen nur Spiel und Lernen unter Anleitung und Observierung durch Erwachsene.
    2. Ich möchte meinen Kindern meine eigenen Werte vermitteln und keine vom Staat oktroyierte Einheitserziehung von frühester Kindheit an.
    3. Ich möchte als feste Bezugsperson für meine Kinder da sein, ihnen dadurch Urvertrauen und Geborgenheit vermitteln.Die Erzieherinnen in Kitas wechseln sehr oft und können und sollen die Liebe einer Mutter nicht ersetzen. Mehr als Liebe und Geborgenheit brauchen Kinder im Alter von 1 bis 3 nicht. Weder müssen sie schon Zahlen beherrschen noch teamfähig sein noch wissen, wie man das Lichterfest in Schweden feiert.
    Ja ich bin weltfremd und altbacken, ja es ist momentan eine Extremsituation. Aber diese Krise wirft grelles Scheinwerferlicht auf Missstände in der Familienpolitik, die schon lange gären. Schon vor Corona Burnout, immer mehr psychische Krankheiten bei Kindern und Eltern wegen Leistungsdruck und Überforderung. Muss das sein ? Sind unsere Kinder nicht das Wichtigste und dann kommt die Arbeit?

    • Nein, nicht weltfremd. Es wäre für viele Kinder sicherlich gut.
      Leider können es sich viele Eltern nicht mehr leisten, bei ihren Kindern zu Hause zu bleiben. Da fordert die Wirtschaft immer wieder mehr Nachwuchs, aber diejenigen, die dafür sorgen lassen sie zuerst fallen.

      • @ griasde, ich glaube, dass das bei vielen kein finanzielles Problem ist, sondern ein gesellschaftliches : absolute Verachtung und Belächelung für Frauen, die ein paar Jahre für ihre Kinder da sind. In den Medien und der Politik werden nur Karrierefrauen propagiert gemäß Urschl v.d.Leyen mit 7 Kindern und Spitzenposten. Im Alltag erlebe ich kaum eine Familie, wo die Vereinbarung von Beruf und Kindern super klappt. Schon lange vor Corona nicht. Die Kleinen sind oft krank, dann muss man sich wieder beim Arbeitgeber rechtfertigen, dass man schon wieder fehlt etc. Jetzt hat man als Lehrer aber noch tausendmal familienfreundlichere Bedingungen als in anderen Berufen. Ich musste mich bei meinem Chef richtig rechtfertigen, warum ich für drei Kinder und einen pflegebedürftigen Familienangehörigen eine längere Elternzeit nahm . Da läuft was falsch im Staate.

    • Nein, weltfremd und altmodisch sind Sie absolut nicht, sondern an den Bedürfnissen von Kindern orientiert. Und Sie sind auch nicht allein mit Ihrer Einstellung.
      Mein Mann und ich waren beide im Schuldienst und haben uns aus den von Ihnen oben genannten Gründen dafür entschieden, dass nach der Geburt unseres Sohnes einer von uns sich so lange wie nötig vom Dienst beurlauben lässt. Die dadurch entstandene entspannte Familiensituation und die erfreuliche Entwicklung unseres Sohnes wogen den Verzicht auf ein Gehalt völlig auf.
      Auch im Nachhinein bin ich mit unserer damaligen Entscheidung sehr zufrieden, denn aus unserem Sohn ist ein hilfsbereiter, beruflich sehr erfolgreicher Mann geworden, der an seiner Famile hängt und zudem noch einen sehr netten Freundeskreis hat.

  9. Wir, zwei Lehrkräfte im Präsenzunterricht und beide mit Lerngruppen in Distanz, drei Kinder (5,15,16), gehen auf dem Zahnfleisch. Lieb war dann auch, dass der Kindergarten höflich nachfragte, ob denn nicht die Große auf die Kleine aufpassen könne, wenn die Eltern in der Schule sind im Sinne von Kontaktreduzierung.
    das sollten wir mal den Eltern der Notbetreuung bringen.

  10. Hört endlich auf mit Schule im herkömmlichen Stil!! So kann es nicht funktionieren. Ich kann keinen Distanzunterricht in der GS mit der herkömmlichen Stundentafel stemmen, und … warum auch??
    Uns wird wohl hoffentlich jetzt ALLEN sehr bald klar werden, dass effektives Lernen nur in beziehungsreicher Umgebung stattfinden kann!!!
    Also bitte, nicht mehr so viel Energien ins Distanzlernen „verschwenden“- jedenfalls nicht in der GS! Diese Schüler haben herzlich wenig davon.

  11. Mal so zum zum Thema Videokonferenzen und 1. Klasse:
    Meine Schüler lieben sie, da ich den Eltern verboten habe nach der ersten Minute noch in der Nähe des Kindes zu sein. Nach den ersten Versuchen der neugierigen Eltern, hauptsächlich der Mamas, sich hinter der Kamera zu verstecken, musste ich mehrmals Klartext reden und mit Ausschluss drohen. Die Datenschutzkeule musste ich auch auspacken.

    Die Kinder sind seitdem wie ausgetauscht, viel freier, fröhlicher und scherzen sehr viel. So, wie wir das auch in der Klasse handhaben. Wenn die Konferenzsoftware des Landes mal wieder nicht will, laufen bei den Kindern teils die Tränen.

    Sie sind daher nicht zu verteufeln. Ich verliere meine Klasse so nicht aus dem Blick, die Kinder sehen sich untereinander und für uns alle ist das ein positives Erlebnis.

    Wobei ich sagen muss: Ganz normaler Unterricht mit 20 Kindern im Raum ist ein Ding der Unmöglichkeit. Dafür eignet sich BBB nicht wirklich.

  12. Hier auch. Beide Elternteile Lehrer. 2 Kitakinder, 1 Grundschulkind. Letzteres kommt alleine klar,.auch Videokonferenzen sind nur 3 Klicks auf dem Handy. Eltern verboten.
    Aber Schüler*innen nach Stundenplan zu unterrichten und dabei 2 Kitakinder zu versorgern/betreuen/beschäftigen – kein Zuckerschlecken. Trotzdem Notbetreuung kommt für mich nicht in Betracht.

  13. Mir geht es genauso. Ich habe zwei Kinder, eines davon im Kindergartenalter. Der Grosse hat Onlineunterricht nach Stundenplan, ich unterrichte meine Grundschüler ebenfalls so oft es geht online, also ganze Schulstunden an der Kamera. Ich weiss nicht, wie lange man das aushalten kann. Ich kann nicht mehr. Ich sitze am Rechner, der Grosse ebenfalls und der Kleine wird vor dem Fernseher oder am Tablet „geparkt“. Mein Gewissen mag diesen Zustand nicht mehr ertragen. Manchmal schaut er ins Arbeitszimmer und fragt mich, ob ich denn gar keine Zeit mehr für ihn habe. Das ist nicht ok. Aber es wird erwartet, dass wir funktionieren. Ich entertaine Kinder, damit es die Eltern leichter haben und bloss nicht meckern. Meine eigenen Kinder leiden. Verlieren kostbare Zeit. Mama, ich muss was ausdrucken, aber der Drucker spinnt. Tut mir leid, ich unterrichte gerade. Aber ich muss das machen, sonst kriege ich eine schlechte Note. Ich KANN Dir nicht helfen. Warte…

    Und dann muss ich mir das Gejammer anhören von Menschen, die keine Kinder in diesem Alter haben, die sich ihren Tag einteilen können. Die niemanden bekochen müssen. Die nicht selbst einkaufen müssen.
    Was läuft da schief? Ich soll meine Kinder in die Notbetreuung geben, damit ich auf andere Kinder in der Notbetreuung aufpassen kann. Wo ist da bitte der Sinn?

    Voe ein paar Jahren habe ich diesen Job als Quereinsteiger angenommen. Viel dafür geopfert, um unterrichten zu dürfen. Die Bedürfnisse der eigenen Kinder zurückgestellt. Lehrer sein ist mir eine Herzensangelegenheit, meine Schüler mögen mich, ich mag sie und fühle mich für sie verantwortlich. Ich liebe meine Schule, meine Kollegen sind die Besten. Aber ich kann langsam nicht mehr. Ich sitze um 5 Uhr weinend am Rechner, weil es einfach nicht mehr geht. Mein Mann verdient deutlich mehr als ich, wenn einer seine Coronatage nehmen sollte, dann logischerweise, betrachtet man nur das Gehalt, ich. Aber wie soll man das der Schulleitung erklären? Wie den Schülern? Den Eltern? Hat dafür jemand Verständnis?
    Man ist ja zuhause…

  14. Aber ehrlich jetzt mal, dieses ständige Gejammer und Geklage auf dieser Seite ist doch auch furchtbar. Eben das zieht einen doch immer runter! Ich wünsche mir auch mal ein bisschen Optimismus und Zuversicht. Hier mitzulesen ist oft eine echte Belastung. Alle (fast alle) unterstützen sich darin, wie schlecht alles ist und fühlen sich dann natürlich noch schlechter. Hier herrscht so eine Grund-Negativ-Stimmung!!!

    • Ganz ehrlich? Ich bin froh, mal solche Artikel zu lesen! Wer zwingt Sie denn dazu? Ich bin kein negativer Mensch, bin sowohl in meinen Klassen als auch im Lehrerzimmer immer die mit den Witzen… Es haben halt soviele zur Zeit soviel auszuhalten und es tut einfach mal gut, zu wissen, dass man nicht alleine damit ist. Wir haben leider keine Großeltern, die aufpassen können, wir wussten vorher, dass wir uns das aufteilen müssen, wenn die Kinder krank werden. Aber an so etwas wie „Lockdown“ und wochenlanges Homeschooling haben wir im Traum nicht gedacht. Natürlich hilft Jammern nicht weiter, aber die Probleme rauszulassen, hier anonym, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen, tut halt mal gut. Wenn alle Lehrkräfte mit kleinen Kindern jetzt ihre Coronakindertage nehmen würden, was wäre dann? Oder die Erzieher mit Kindern?

  15. Ich bin sehr dankbar für diese 2 Gastbeiträge, sage nur ENDLICH!
    Jeden Satz kann man auch bei mir 1:1 übertragen, und ich bin von Beruf keine Lehrerin, arbeite „nur“ Teilzeit, mit 2 Grundschulkindern.
    Ich lese sonst hier viel, ohne selbst zu kommentieren da es mir vorkommt, dass sich nur ein“Lager“ mehrheitlich hier äußert + und jegliche abweichende Meinung oder etwas differenzierte Ansichten sofort mit viel Kritik unterbuttert wird.
    Die Welt ist aber nicht nur schwarz oder weiß. Auch wenn oben keine Lösung angeboten wird (ist auch nicht die Aufgabe der Leser), kann man sich aber wohl zugestehen , dass wir viele auf den Zahn gehen und pauschal alle Eltern, die nicht allen Empfehlungen der Politik/Wissenschaft /Virologie usw., usw. nachgehen, zu verurteilen, ist schlichtweg unfair und auch verletzend.
    Danke für diesen Artikel.

    • War klar, dass das versucht wird zu instrumentalieren.
      Ja sicher ist das anstrengend. Und ja sicher gehört der Unterrichtsplan angepasst (wobei wir hier in Klasse 9 gut klar kommen). Und ja sicher ist das alles kein Argument dafür, dass man weiter Menschen verrecken lässt und Mutanten züchtet, weil man nicht in Luftfiltration, bessere Masken und Abstandsmöglichkeiten investiert. Und genau deshalb muss in Grundschulen und Kindertagesstätten Notbetreuung ausschließlich für systemrelevante Berufe angeboten werden.
      Sterben und lebenslang krank werden (Risikosteigerung für Demenzerkrankungen in fortgeschrittenem ALter ist auch für jüngere und jüngste sehr wahrscheinlich) ist schlimmer als Überforderung

      • In meinem Beitrag sehe ich gar keine Instrumentalisierung, schreibe nur meine Meinung. Soweit ich weiß, das ist noch erlaubt.

        Interessante Auffassung zu der potenziellen Demenz…. man könnte darüber auch unendlich philosophieren :
        Wer entscheidet in meinem Leben ob die Demenz in 10,20 oder 30 Jahren wenn sie überhaupt eintritt, schlimmer ist, als meine Psyche von HEUTE? Wer entscheidet, dass die Überforderung (MEINE Überforderung) doch nicht sooo schlimm sein kann als die Covid 19?
        Herr Dorsten? Markus Söder? Angela Merkel?

        Als gläubige Christin glaube ich an Gott und keine „Halbgötter“ auf den Erden.

        Und übrigens, meine Kinder werden zu Hause betreut und beschult.
        Aber ja, ich gebe ehrlich zu, nach dem 15.2.wenn es weiterhin so geht, wie jetzt, überlege ich sie in der Notbetreung ca. 2 Tage anzumelden.
        Schließlich will auch mein Unternehmen von mir Leistungen, die es bezahlt. Ich hoffe, es bleibt dabei, diese Entscheidung den Eltern zu überlassen und keine systemrelevanten Berufe.
        Da wir die Bundestagswahl dieses Jahr haben, könnte ich beruhigt sein, dass es so bleibt.

        Meinerseits ist schon alles gesagt gewesen, und keine Sorge, ich werde hier nichts mehr kommentieren/“instrumentalisieren“

        Schönen Abend.

  16. Ich finde es schade, dass die Eltern meiner Schüler viel fordern für ihre Kinder (obwohl wir wirklich viel machen, online-Unterricht, interaktiv, immer ansprech-/schreibbar, hinterhertelefonieren etc.), aber vergessen dabei, dass die meisten von uns Lehrern auch Kinder daheim haben, die hier und da vielleicht auch mal Hilfe brauchen, ins Internet müssen (wir sind hier zeitweise zu viert in Konferenzen). Ich gebe meine Kinder nicht in die Notbetreuung und setze sie 1. einem höheren Risiko aus als sie es zu Hause hätten und 2. können sie dort mangels Geräten oft nicht an den Videokonferenzen ihrer Lehrer teilnehmen; die Grundschule lässt nichtmal die Arbeitsblätter bearbeiten in der Notbetreuung.
    Ich biete meinen Schülern wirklich viel, aber möchte das gleiche für meinen eigenen Kinder. Irgendwo in der Mitte muss der Kompromiss sein.

  17. Man ist ja zu Hause, richtig, aber man/Frau kann sich auch nicht zweiteilen für die eigenen Kindern und den SuS, oder? Wer meint z.B. jeden Tag mit den SuS Videokonferenzen (in der GS) machen zu müssen…das hat etwas von Präsentismus an sich und führt zu Burnout. Warum nicht das selbstauferlegte Pensum reduzieren und Wechselunterricht quasi online? Oder/Und stellt gerne Aufgaben, die SuS jederzeit oder auch draußen machen können, so können sich die Familien nach eigenen Bedürfnissen einrichten und …den Leistungsdruck mal sausen lassen. Wer mehr als Eltern fordert, es gibt genügend online-Angebote im Netz, auf die ihr verweisen könnt. Und Videokonferenzen kürzen: nach einer halben Stunde sollte bei jedem Medienkonsum eine Pause erfolgen, insbesondere bei jüngeren SuS! Kommuniziert mit euren Eltern, Kolleg☆innen und Schulleitungen, notfalls mit dem Personalrat und setzt euch und Eltern weniger unter Druck, Online-Unterricht muss nicht in gleichem Umfang stattfinden und ist kein Ersatz für 4-5 Std. analogen Unterrichts in der Schule und sollte auch nicht als solcher festgelegt werden.
    Ach und dann gibt es auch noch die LuL mit kranken und pflegebedürftigen Eltern oder Angehörigen, die arbeiten sicher auch nicht mehr 100% ihrer Arbeitszeit wie vorher, oder? Stundenreduktion ist da eine Möglichkeit. Politisch wären auch Angebote sinnvoll z.B. Studenten für entlastende Arbeiten wie Kopieraufträge oder die Notbetreuung anzustellen. Das müsste man wollen und die Not sehen bei den Verantwortlichen. Gesagtes gilt für „meine“ Schulform. GS. Im Kollegium gab es auch vorher chon sehr unterschiedliche Arbeits-und Wochenstunden, jeder wie er kann.

  18. Vielleicht sollte man als Lehrer/in unter diesen Umständen auch mal nicht so tollen Unterricht machen. Wozu 1:1-Videokonferenzen, wenn es nicht leistbar ist. Wenn man dazu auch noch Privatgerät und privates W-Lan verwenden soll, kann man dazu auch nicht verpflichtet werden.
    Vielleicht sollten wir uns organisatorisch einfach mal ein Beispiel an unserem Staat und den Bundesländern nehmen. Ich denke hier besonders an Impfstoff und Impftermine (Ich komme seit Tagen nicht durch bei der Impfhotline. Gab es hier nicht mal so Impfpflicht-Schwurbler?).
    Stattdessen neigen LuL dazu, alles zu geben, sich aufzureiben und sich zum Schluss auch noch für ihre Arbeit kritisieren zu lassen.

    • Videokonferenzen sind doch eh überbewertet. Sie sind ein Feigenblatt für SchüerInnen und Eltern. Schüler denken, sie würden was lernen, wenn sie sich von einer Videokonferenz berieseln lassen. Eltern denken, Schüler würden etwas lernen, außerdem sind sie in der Zeit „beaufsichtigt“.
      Wobei, viele Kameras von SchülerInnen sind (berechtigterweise) ausgeschaltet. So kann man nebenbei noch zocken und den Eltern erzählen „man hat ne Videokonferenz“.

      • Eltern denken, Schüler würden etwas lernen, außerdem sind sie in der Zeit „beaufsichtigt“.

        —-> genau wie im Präsenzunterricht

        • Aber zumindest kann ich im Präsenzunterricht sehen, was die SchülerInnen in ihre Hefte schreiben, wie sie die gestellten Aufgaben bearbeiten. Das kann ich bei Video-Konferenzen nicht.

        • Sagen wir: Fast wie im Präsenzunterricht. Was spricht dann gegen Lernvideos anstelle von Video-Konferenzen? Nichts.
          Diese waren bis vor Kurzem das Maß aller Dinge. SchülerInnen können in ihrem eigenen Tempo lernen usw. Bis die SchülerInnen im ersten Lockdown gemerkt haben, dass es anstrengend ist.

  19. Wenn ich die Kommentare hier so lese, bekomme ich den Eindruck, dass wir Lehrer uns gerade in dieser Krise wieder mehr auf unsere klassischen Stärken besinnen sollten: Organisieren und Standards setzen. Anstatt uns ständig von den (zu recht) unterschiedlichen Wünschen von Eltern, Schülern und Kultusministern jagen zu lassen und zwischen völlig unvereinbaren Widersprüchen aufzureiben, sollten wir vielleicht eine Bestandsaufnahme machen, was wir leisten können ohne in den Burnout zu rennen und wie wir diese begrenzten Möglichkeiten im Sinne von Kindern und deren Familien am effektivsten einsetzen. Den Präsenzunterricht 1:1 per Video abzubilden ist unmöglich und außerdem auch didaktisch nicht sinnvoll. Das selbe gilt für Monokulturen von Arbeitsblättern und Einzelarbeit zu Hause. Wir werden nicht für 24/7 Bereitschaftsdienst bezahlt und können den nicht leisten, ebenso wie unsere Schüler auch einen Anspruch auf Freizeit haben. Und wer nur Teilzeit arbeitet, der sollte seine freien Tage ebenso durchsetzen. Wenn man gegenüber Schülern und Eltern klar kommuniziert, welche Form von Unterricht wann stattfindet und wie die Kommunikation darüber abläuft, dann, so ist zumindest meine Erfahrung, kann man damit alle Beteiligten entlasten.
    Und wenn wir dann unsere Ansprüche den Gegebenheiten anpassen, den Familien ausreichend Zeit lassen, die gegebenen Aufgaben vorzubereiten oder notfalls nachzuholen, dann verringern wir den Druck auf die Familien auch auf ein verträgliches Maß. Vielleicht erfordert das auch einfach etwas mehr Gelassenheit?

  20. Mal ein ganz anderer Ansatz: Wo ist der Vater der Kinder? Warum müssen die Lehrerinnen sich so zerreissen? Sind die Damen alle alleinerziehend?
    Ach ja, die Herren haben bestimmt viiiel wichtigere Jobs außer Haus.
    Und hätten die Mütter deren Jobs… würden sie trotzdem zu Hause bleiben – denn der Mann wäre dann ja Lehrer und müsste ganz doll im Homeoffice arbeiten.
    Unglaublich. Wir reden hier von Lehrerinnen, die von zu Hause aus unterrichten, den Betrieb am Laufen halten, wahrlich einen der wichtigsten Jobs im Moment machen und der Vater der Kinder wird in den Texten nicht mal erwähnt. Auch hier in den Kommentaren: Niemand kommt auf die Idee, dass der Vater sich auch um seine eigenen Kinder kümmern könnte.
    Wenn er nicht gerade Leiter der Corona Station im örtlichen Krankenhaus ist, gibt es keine Rechtfertigung für diese Abwesenheit.

  21. Wohlwissentlich hier anzuecken…. Ihr lasst Euch ja ganz schön vereinnahmen! Also bei mir gibt’s keine Videokonferenzen! Hat Euch einer geschult? Habt Ihr Dienstlaptops bekommen? Also ich hier in Berlin nicht. – Ergo gibt es zu den eigentlichen Unterrichtszeiten Arbeitsmaterial und mich am heimischen Laptop zur Beantwortung von Fragen. Gut, ich bin auch schon etwas älter aber….. Mein Arbeitgeber hat mich den ganzen Herbst und Winter über der Gefahr des Virus ausgesetzt und mich genötigt mit Maske zu unterrichten, das hieß tagtäglich Kopfschmerzen nach der Arbeit….kaum Belüftung in einer Altbauschule……da reiss ich mir doch nicht mehr den A….auf. Nebenbei bemerkt….möchte ich auch nicht in meiner Wohnung gesehen werden. Das geht keinen Schüler was an.

  22. Hier mal an die low-performerin Susanne: Dir ist wohl schon hoffentlich klar das du Dienstleisterin bist und durch Steuergelder bezahlt wirst.

    Man kann auch mal ein privates Notebook nutzen. Müssen Schüler in der Regel auch. Übrigens auch andere Arbeitnehmer. Hintergrund kannst du bei Videokonferenzen verfremden -Thema digitale Kompetenz. Dienstlichens Handeln erstreckt sich nicht nur auf den Lernraum Schule.

    Falls verbeamtet: Das wurdest du mit der Erwartung, dass du auch in für dich ungünstigen Situationen für deine Schüler da bist. Auch unter Virengefahr. Einen Soldaten darf man auch ins Feld schicken.

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