Landeskriminalamt ermittelt nach (angeblichen) Cyber-Angriffen auf Schulplattform

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MAINZ. Den zweiten Tag in Folge war die Online-Plattform für den Fernunterricht Ziel einer Hacker-Attacke – sagt das Bildungsministerium. Das System konnte aber wieder zum Laufen gebracht werden. Die CDU will die Probleme im Bildungsausschuss zum Thema machen. Sie glaubt nicht so recht an einen Angriff.

Waren es Hackerangriffe – oder doch nur ordinäre Serverprobleme? Illustration: Shutterstock

Nach Computerangriffen auf die Online-Plattform für den Fernunterricht der Schulen in Rheinland-Pfalz hat das Landeskriminalamt Ermittlungen aufgenommen. Die Leitung der Ermittlungen liege bei der Landeszentralstelle Cybercrime der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz, teilte die Behörde am Dienstag mit. Zur Eindämmung der Corona-Pandemie sollen die Schulen in Rheinland-Pfalz mindestens in den ersten beiden Wochen des Jahres im Fernunterricht bleiben.

Generalstaatsanwalt: Bisherige Erkenntnisse begründen den Verdacht einer DDoS-Attacke auf die Schulplattform

Die bisherigen Erkenntnisse begründeten den Verdacht einer DDoS-Attacke, erklärte Generalstaatsanwalt Jürgen Brauer. Bei einer DDoS-Attacke (Distributed Denial of Service) wird der Web-Server von vielen Computern gleichzeitig massenhaft mit sinnlosen Datenanfragen überhäuft, so dass er nicht mehr antworten kann. Das Verfahren richte sich gegen Unbekannt, teilte Brauer mit.

Nach dem Angriff vom Montag, dem ersten Tag nach den Weihnachtsferien (News4teachers berichtete darüber), habe es am Dienstag eine weitere Attacke in den Morgenstunden gegeben, sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums in Mainz. Nach diesen Schwierigkeiten laufe «jetzt alles», auch das zunächst ebenfalls betroffene Videokonferenzsystem BigBlueButton (BBB).

Techniker hätten einen entscheidenden «Flaschenhals» identifizieren und beseitigen können, teilte das Pädagogische Landesinstitut mit, das die Moodle-Plattform betreibt. So hätten wieder deutlich mehr Schüler und Schülerinnen das System nutzen können. In der Spitzenzeit zwischen 10 und 11 Uhr komme es aber noch zu längeren Ladezeiten.

Die am Rechenzentrum der Universität Mainz eingerichteten Server für die Plattform – also Hochleistungsrechner für Zugriffe von außen – waren am Montag zeitweise nicht erreichbar. Die Lernplattform moodle@RLP ist bislang an rund 900 Schulen in Rheinland-Pfalz im Einsatz. Das nichtkommerzielle Open-Software-Projekt wurde im vergangenen Jahr während der coronabedingten Schließung der Schulen verstärkt genutzt – von März bis August waren die Schulen ganz oder später dann teilweise geschlossen. Moodle soll auch in den neuen Schulcampus Rheinland-Pfalz integriert werden, der ab März an allen 1600 Schulen des Landes eingeführt werden soll.

«Es wird sich zeigen, ob sich der Hackerangriff nicht als bloße Schutzbehauptung der Landesregierung entpuppt»

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Christian Baldauf kündigte an, die Situation auf die Tagesordnung des Bildungsausschusses im Landtag zu setzen. «Es wird sich zeigen, ob sich der Hackerangriff nicht als bloße Schutzbehauptung der Landesregierung entpuppt», sagte Baldauf. Es sei zu fragen, warum die Landesregierung das System nicht rechtzeitig auf Herz und Nieren getestet habe. «Sowohl gegen Hackerangriffe als auch gegen Überlastungsprobleme kann man sich rüsten.» SPD-Generalsekretär Daniel Stich warf der CDU Schadenfreude vor und dabei nicht an Schülerinnen und Schüler oder Lehrkräfte zu denken, sondern nur an den eigenen Wahlkampf.

Die Schulplattformen zahlreicher Länder kämpfen immer wieder mit technischen Problemen und Serverkapazitäten, seit die Schulen weitgehend in den Fernunterricht gewechselt sind. News4teachers / mit Material der dpa

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2 KOMMENTARE

  1. Da bin ich Mal gespannt, wer der Schuldige ist. Hier mein Verdacht: Eine Lehrerin (mir bekannt) hat doch tatsächlich mit ihrem tollen iPad Bilder von Arbeitsblättern in bester Auflösung (die übrigens jeder Schüler daheim im Buch hat) und diese Riesendateien rumgemailt. Natürlich könnte das niemand vernünftig runterladen oder die Postfächer streikten. Sie beschwerte sich noch, dass niemand antwortete. Das nannte sie dann noch online-Unterricht. Sollte es noch mehrere solche „Saboteure“ geben, dann ist mir alles klar. Hoffentlich wird das dann auch hart bestraft. Und vor allem, nehmt solchen Leuten die tablets wieder weg.

  2. Da läuft leider immer noch nicht viel. Mittwoch, Donnerstag, Freitag.. weiterhin Riesenprobleme mit der Plattform.
    Ich sammle Screenshots der Fehlermeldungen und bin bei acht verschiedenen angelangt 😉

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