Schüler dürfen freiwillig sitzenbleiben – Schulleiter warnen vor übervollen Klassen

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DÜSSELDORF. Wegen der langen durch die Corona-Pandemie verursachten Fehlzeiten an den Schulen können Schüler in immer mehr Bundesländern die Jahrgangsstufe nun freiwillig wiederholen. Hamburg, wo es eigentlich kein Sitzenbleiben mehr gibt, und Nordrhein-Westfalen haben entsprechende Regelungen angekündigt. In Berlin protestieren Schulleiter gegen Pläne, allen Schülern das freiwillige Sitzenbleiben zu ermöglichen. Die Direktoren und Rektoren fürchten eine «schulorganisatorische Katastrophe».

Sitzenbleiben – sinnvolle pädagogische Maßnahme zur Bewältigung der Corona-Folgen? Foto: Shutterstock

Eine aktuelle Umfrage habe alarmierenden Handlungsbedarf zutage gefördert, so teilt die Landeselternschaft der Gymnasien mit: Demnach erwarten mehr als 40 Prozent der über 41.000 Eltern, die geantwortet haben, mittelgroße bis schwerwiegende Wissenslücken durch den eingeschränkten Unterricht in der Corona-Pandemie. Unter den 224 Gymnasialdirektoren, die im Januar ebenfalls an einer Befragung der Elternschaft teilgenommen hatten, sieht nur eine Minderheit keine coronabedingten Lernlücken. 22 Prozent der Direktoren sehen sich nicht in der Lage, Schüler und Eltern am Ende der 6. Klasse zuverlässig über einen angemessenen Schulwechsel zu beraten.

Schüler können freiwillig wiederholen, ohne dass das auf die maximal zugelassene Verweildauer an der Schule angerechnet wird

Was tun? Die nordrhein-westfälische Landesregierung reagiert mit einer Lockerung der Regeln fürs Sitzenbleiben. Die Schüler im Land müssen am Ende dieses zweiten Corona-Schuljahres keine «blauen Briefe» fürchten. Es würden keine Schreiben zu gefährdeten Versetzungen verschickt, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). Anders als im vergangenen Schuljahr können leistungsschwache Schüler aber trotzdem sitzenbleiben. Es werde am Ende des Schuljahres «Versetzungsentscheidungen» geben, sagte die Ministerin. Zugleich würden aber erweiterte Nachprüfungsmöglichkeiten geschaffen. Schüler könnten eine Klasse auch freiwillig wiederholen, ohne dass das auf die maximal zugelassene Verweildauer an der Schule angerechnet werde.

Die Maßnahmen sind im Bildungssicherungsgesetz 2021 enthalten, das vom Kabinett beschlossen wurde und nun in die Verbändeanhörung geht. Mit dem Gesetz sollen laut Gebauer «faire und gerechte Bedingungen in Pandemie-Zeiten» ermöglicht werden. Den Schülerinnen und Schülern sollten auch in diesem Jahr durch die Pandemie keine Nachteile für ihre Bildungs- und Berufswege entstehen. Am Ende der Erprobungsstufe nach Klasse 6 sollen dieses Jahr nach Beratung durch die Schule ausnahmsweise die Eltern entscheiden können, ob ihr Kind eine Ehrenrunde dreht oder die Schulform wechselt. Die Klassenkonferenz soll trotzdem eine Aussage dazu treffen, ob ein Schüler an der gewählten Schulform bleiben kann.

Wegen der langen durch die Corona-Pandemie verursachten Fehlzeiten an den Schulen können auch Hamburgs Schüler die Jahrgangsstufe nun freiwillig wiederholen. Die Schulbehörde habe das in der Hansestadt seit Jahren geltende sogenannte Verbot des Sitzenbleibens für dieses Schuljahr aufgehoben, sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD). «Nach den langen Schulschließungen wird es nicht immer gelingen, dass Schülerinnen und Schüler wieder Anschluss an ihre Lerngruppe finden.» Daher sollen freiwillige Klassenwiederholungen im kommenden Schuljahr großzügig zugelassen werden, wenn sie pädagogisch sinnvoll und erforderlich seien.

Bisher ist das Wiederholen einer Klasse in Hamburg nur im Ausnahmefall etwa bei einer besonders großen Belastung wie einer langen Krankheit oder der Scheidung der Eltern möglich. Diese Einschränkung entfalle nun. Es werde grundsätzlich angenommen, dass die Corona-Pandemie eine große Belastung sei. Ob nun ein Wiederholen des Schuljahres oder der Verbleib in der Klasse für das Kind oder den Jugendlichen besser ist, entscheidet den Angaben zufolge die jeweilige Schule allein. Das gelte auch für die Jahrgangsstufe 10. Die Wiederholung einer Jahrgangsstufe in der gymnasialen Oberstufe werde wegen der besonderen Umstände in diesem Schuljahr nicht auf die Verweildauer angerechnet.

Schulleiter: Es droht ein nicht planbares Schuljahr – und ein Verlust von Sozialbeziehungen für die Schüler

Berlins Schulleiter protestieren gegen Pläne, allen Schülern in der Bundeshauptstadt das freiwillige Wiederholen des Schuljahrs zu ermöglichen. Über eine entsprechende Änderung des Berliner Schulgesetzes soll am heutigen Donnerstag im Abgeordnetenhaus vor dem Hintergrund der anhaltenden Corona-Pandemie und deren Auswirkungen auf den Unterricht entschieden werden. Alle Schulen müssten dann jede von den Eltern gewünschte Wiederholung einer Klasse möglich machen, das könne zu einer «schulorganisatorischen Katastrophe» führen, warnten fünf Schulleiterverbände in einer gemeinsamen Erklärung.

Dem Protest angeschlossen haben sich die Vereinigung der Oberstudiendirektoren des Landes Berlin (VOB), die Vereinigung Berliner Schulleiterinnen und Schulleiter in der GEW, die Vereinigung der Leitungen berufsbildender Schulen, der Interessenverband Berliner Schulleitungen und die Vereinigung der Berliner ISS Schulleiterinnen und Schulleiter.

Weil nicht in jedem Jahrgang so viele Schüler die Klasse verlassen, wie möglicherweise freiwillige Wiederholer dazukommen, befürchten die Verbände übervolle Klassen zum Beginn des neuen Schuljahrs, fehlendes Personal für neu einzurichtende Klassen und eine prekäre Raumsituation. Es drohe ein schlichtweg nicht planbares Schuljahr, warnten die Schulleiter. «Vor allem aber: Ein noch größerer Verlust von Sozialbeziehungen der schon jetzt nach gelebter Gemeinschaft dürstenden Kinder und Jugendlichen.» News4teachers / mit Material der dpa

GEW ist sich mit Schulleitungen einig: Das Schuljahr ist nicht mehr zu retten – sagt Prüfungen ab! Kein Sitzenbleiben!

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72 KOMMENTARE

  1. Auch das ist typisch Gebauer : Gewarnt werden die Schüler nicht , aber sie können sitzen bleiben . Das ist wieder einmal sehr gut überlegt .

    • Das habe ich mir auch gedacht. Viele Eltern wissen nicht, wie es um ihre Kinder im Distanzunterricht steht und dann wird eines der wenige Mittel gestrichen, das Eltern bisher „aufweckte“.

    • Nur keine Sorge, dazu kommt bestimmt am letzten Schultag vor den Ferien nachmittags noch eine Neuregelung von der Reno-Gehilfin, die dann über die Sommerferien umgesetzt werden muss.

    • Wieso auch, diejenigen SuS, die auf dem Halbjahreszegnis aus Januar ein „mangelhaft“ in einem Fach hatten, sind doch bereits gewarnt.

  2. Ich finde es absolut sinnvoll, ein Wiederholen auf freiwilliger Basis zu ermöglichen- allerdings würde ich in die Entscheidung auch die Lehrkräfte einbeziehen, da diese die Leistungsfähigkeit und die Leistung ihrer Schüler ja gut einschätzen können. Das ist organisatorisch schwierig, klar, da es bereits seit langem personelle Engpässe gibt. Dann haben die Schulämter jetzt halt Stress, das Personal zu besetzen – man könnte ja politisch gewollt den Beruf attraktiver gestalten?
    Die Frage ist für mich: wie löst man das Problem mit den Wissenslücken alternativ? Einfach übergehen? Weiter so? Sommerschulen werden eben gerade nicht von denen besucht, die es bräuchten. Letztlich haben die Verantwortlichen in den Kultusministerien und die Schulträger es versäumt, die Schulen technisch so auszustatten, dass auch während der Pandemie Präsenzunterricht sicher stattfinden kann. Und alle, Schüler und Lehrer, tragen die Folgen dieser Sparpolitik.

  3. JETZT macht man sich Sorgen um die Schüler und sie „dürfen“ sitzenbleiben.

    „Bisher ist das Wiederholen einer Klasse in Hamburg nur im Ausnahmefall etwa bei einer besonders großen Belastung wie einer langen Krankheit oder der Scheidung der Eltern möglich“

    Ich durfte seinerzeit noch nicht mal das. Ich war damals in einer solchen Situation, erlebte als Kind aufgrund dessen einen sozialen Absturz in die Armut und wurde schwer depressiv was sich auf meinen schulischen Leistungen negativ auswirkte. Wider Erwarten aber durfte ich die Klasse noch nicht mal wiederholen, sondern wurde von der Schule geworfen. Für mich eine traumatische Zeit. Inkl. Mobbing der Schüler und sogar der Lehrer aufgrund meiner Armut.
    Das Erlebnis hatte sich auf meine weitere Laufbahn ausgewirkt, weil mir das immer hinterherhing.
    Jahre später auf dem 2. Bildungsweg korrigiert, und das mit sehr guten Leistungen, als einer der Jahrgangsbesten! Aber die Wut über die damalige Zeit bleibt. JETZT entdeckt man plötzlich die Sorgen der Schüler? Wo waren die Sorgen damals? Mich macht das einfach nur wütend.

  4. Das freiwillige Sitzenbleiben finde ich akzeptabel. Das werden keine Massen sein. Schlimmstenfalls muss dann eine weitere Klasse aufgemacht werden „im unteren Jahrgang“.

    Ich wünschte mir vielmehr, dass man Sitzenbleiben auch anordnen kann, wenn Eltern es gar nicht wollen. Für solche Kinder, die im Distanzunterricht verlorengegangen sind. Sie sind oft nicht schuld daran, aber Sitzenbleiben ist auch keine Strafe, sondern eine 2. Chance !!!

    • Das unfreiwillige Sitzenbleiben sollte ja u.a. deswegen abgeschafft werden, weil es volkswirtschaftlich zu hohe Kosten verursacht. Das freiwillige Sitzenbleiben verursacht offenbar keine Kosten. Und dass es in der 4-jährigen Grundschule sog. „Verweilkinder“ gibt, die halt 5 Jahre dort verweilen, das hat auch noch nie Kosten verursacht. Allein die Umbenennung scheint die Dinge entscheidend zu verbessern. Ein Hoch auf unsere Bürokraten.

      • Und genau das ist von der Wand zur Tapete gedacht. Möglichst früh in die Schule, möglichst früh raus, um dem Arbeitsmarkt schnellstmöglich zur Verfügung zu stehen. Und wenn versetzt wird, wenn es angebracht wäre, das Jahr zu wiederholen, dann schleppen sich die schlechten Leistungen durch die ganze schulische Laufbahn und man erwirbt einen schlechteren Abschluss und hat schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Ist schlechter qualifiziert, verdient weniger und muss notfalls aufstocken.
        Wenn an Bildung spart, hat am Ende höhere Kosten.

        • Ja, aber nur, wenn Sitzenbleiben wirklich aus Kostengründen vermieden werden soll. Ich halte das für ein Gerücht! Sitzenbleiben wird nur zu oft, wie Senkrechtstarter richtig schreibt, als Strafe verstanden, was sie nicht ist, sondern, auch da stimme ich zu, eine 2. Chance.

  5. Also das Wort „freiwillig“ in der Überschrift trifft zumindest für Hamburg nicht zu.

    In der Pressemitteilung
    https://www.hamburg.de/bsb/pressemitteilungen/14925064/2021-02-24-bsb-klassenwiederholungen-grosszuegiger-moeglich/
    heisst es:
    „… In diesem Schuljahr müssen die Schulen somit lediglich prüfen, ob durch eine Wiederholung eine Schülerin bzw. ein Schüler besser gefördert werden kann als in seiner bisherigen Klasse. Diese Voraussetzungen sind zwar nicht in jeder individuellen Konstellation erfüllt, sie sind aber deutlich häufiger gegeben als bisher. Zudem entfällt die strenge Prüfung durch die Schulbehörde, die in der Vergangenheit oft dazu geführt hat, dass viele Wiederholungsanträge nicht genehmigt wurden. …
    … Über Wiederholungsanträge entscheidet die jeweilige Schule allein, der Behördenvorbehalt wird ausgesetzt. …“

    Jeder kann sich nun ausrechnen, dass wenn aus Schülerschaft/Elternschaft erheblicher Wunsch nach Wiederholung besteht, die Schulen dies häufig nicht umsetzen können. Nicht weil sie nicht wollten, sondern weil Lehrkräfte und räumliche Voraussetzungen fehlen und auch nicht mal eben herbeigewünscht werden können. Also wird wieder einmal häufig nur der Notstand verwaltet werden können.

    • „sondern weil Lehrkräfte und räumliche Voraussetzungen fehlen und auch nicht mal eben herbeigewünscht werden können“.
      Hätte man, wenn (Lehramts)studenten aufgrund Corona und der fehlenden Unterstützung ihr Studium nicht unterbrechen müssten bzw den Abschluss nicht verschieben müssten und man auf die Idee gekommen wäre, sie vielleicht jetzt schon zur Unterstützung hinzuziehen. Kommt man aber nicht.

    • In Berlin braucht man schon drei Fünfen zum Sitzenbleiben. Zwei Fünfen oder sogar eine Sechs können ausgeglichen werden (außer bei einer Sechs in Kernfächern):
      https://www.tagesspiegel.de/berlin/schule/ein-schuljahr-wiederholen-wann-bleibt-man-sitzen-und-was-bringt-es/13860540.html
      Da wird auch das wunderbare Argument genannt, dass die Sitzenbleiber ja hinterher oft wieder so schwach sind und dass sich das deshalb nicht lohnt. Ist das nicht Kapitulation? Und es heißt, an nicht-gymnasialen Schulen kommt das Sitzenbleiben ohnehin kaum noch vor. In den Gemeinschaftsschulen ist es explizit abgeschafft von Klasse 1 bis 8. Jetzt das freiwillige Wiederholen als große „Fördermaßnahme“ (in HH) ins Spiel zu bringen, ist eher ein Zeichen von Hilflosigkeit.
      Meint man eigentlich, im Bewusstsein, ohnehin nicht sitzenbleiben zu können, wird dann mehr gelernt? Oder verführt das nicht erst recht zum Schlendrian bei denen, die dazu neigen?
      Beim Bachelor an Hochschulen gibt es übrigens gnadenlose Regelungen: Jede durchgefallene (Einzel-)Prüfung muss wiederholt werden (meist erst ein Jahr später möglich), und beim zweiten Durchfallen (manchmal erst beim dritten oder so) ist es aus. Dann bekommt man diesen Bachelor nicht mehr. Man kann dann noch das Fach wechseln und erneut sein Glück versuchen.

  6. Meine Informationen sind folgende. Egal mit welchem Lehrer ich rede, mir wird immer gesagt, alles läuft bestens und wir sind voll im Zeitplan. Weshalb dann solche Pläne? Eigentlich müsste es ja einen Jahrhundertjahrgang geben, wenn ich mir diese Sprüche anhöre. Von den Eltern hört man das totale Gegenteil, wie: Die Frau X oder Herrn Y? Von denen haben wir seit Monaten nichts mehr gehört. Man wird bis in einem Jahr hören, was die Industrie zu ihrem Nachwuchs sagt, der doch ach so gut in der Schule ausgebildet wurde. Ich hoffe nur, dass die schuldigen Lehrer dafür in Regress genommen werden oder wenigstens Garantie für ihre „Arbeit“ übernehmen müssen. Leider ist das nur Wunschdenken von mir. Denn es gilt wieder, aus den Augen aus dem Sinn… Arme Schüler

    • Die Industrie bewertet und entlarvt also im Nachhinein die Qualität der schulischen Arbeit der Lehrer*innen anhand der Leistung von (ehem.) Schüler*innen? – Könnten Sie näher erläutern?

      • Dazu kann ich etwas beitragen. Als Industrieausbilder mit 60 Azubis und 10 Studenten in unserem Ausbildungszentrum bin ich ein Teil der Leidtragenden. Auch andere Industriebetriebe stehen schon länger vor dem Dilemma nichtsaussagender Schulzeugnisse. Für Handwerksbetriebe kann ich nicht sprechen. Wir haben in Zusammenarbeit mit anderen Industriebetrieben Aufnahmetests erarbeitet, die wir bei den Bewerbern anwenden. Es gibt Abiturienten, die haben nahezu NULL Lesekompetenz. Wir werden auch trotz den Zuschüssen des Bundes unsere Ausbildungsabteilung nicht voll besetzen, wenn wir nicht absolut sicher sind, der Bewerber passt. Durch eine abgebrochene Ausbildung entstehen exorbitante Kosten. Partnerbetriebe denken auch so und die kleinen Firmen stellen aus Zukunftängsten weniger ein. Solche Bewerber schicke ich regelmäßig mit den Worten: Bedanke Dich bei Deinem Lehrer, nach Hause. Manchmal bekomme ich von denen auch sehr „emotionale“ Feedbacks…

    • Sorry, aber da muss ich widersprechen.
      Viele Schüler arbeiten gut mit. Hut ab.
      Trotzdem sind wir nicht im Zeitplan und es wird Lücken geben.
      Andere Schüler- und dafür verwende ich einen Großteil meiner Arbeitskraft- tauchen ab und lassen sich mit intensiven Versuchen höchstens kurzfristig mal zur Mitarbeit im Distanzunterricht motivieren.
      „Aus den Augen, aus dem Sinn“ ist definitiv nicht die Einstellung der Lehrer (Ausnahmen mag es geben).
      Aber uns Lehrern sind natürlich noch mehr denn je die Hände gebunden, denn Lernen kann man nicht erzwingen und die Beziehungsarbeit läuft nicht wie gewohnt trotz aller Mühen.
      Dass Lernen und schulischer Erfolg zunehmend keinen Wert mehr darstellt, ist wohl eher ein gesamtgesellschaftliches Problem. Ausbleibenden Lernerfolg kann man wohl kaum nur den Lehrern ankreiden, weder in der Pandemie noch in anderen Zeiten.

      • Mit „Aus den Augen, aus dem Sinn“ meine ich die Einstellung der Lehrer, dass wenn der Schüler die Schule verlassen hat. Es ist den Lehrern egal, Hauptsache der Kunde ist weg. Was versäumt wurde ist egal. Jegliche Verantwortung wird dann abgelegt. Spricht man Lehrer darauf an, ist es ihnen schlichtweg egal, was mit den Schülern später passiert. Obwohl sie oftmals die Schuld am fehlenden Wissen tragen.

    • Es ist doch so, dass die Menschen eben alles auf die Lehrer, diese faulen Säcke, schieben wollen! Kleine Episode aus der letzten Woche: Mir wurde erzählt, die Lehrer eines bekannten Kindes würden nicht korrigieren, es gäbe fast keine Onlinekonferenzen und es würde sowieso kaum etwas passieren. Zufällig kenne ich die Rektorin und Kollegen der betreffenden Schule. Dort nachgehakt wurde mir ein anders Bild aufgezeigt. Als ich mich darauf bei den betroffenen Eltern erkundigte, wurde alles relativiert und letztendlich war an den ganzen Vorwürfen nichts, aber auch gar nichts, dran! Das Bild hat sich einfach nach drei Ecken in diese negative Richtung entwickelt.
      Ich kenne sooo viele Lehrer. Aber nicht einen, der sich nicht für seine Schüler voll einsetzt und nach Möglichkeit alles gibt. Allein schon bei meinen 45 Kollegen gibt es niemand. Kein fauler Sack dabei!

  7. Zu überlegen, wie das entgangene kompensiert werden kann, würde ja Arbeit bedeuten.

    Sitzenbleiben lassen ist doch viel einfacher.

  8. Wiederholen – für alle, die Bock drauf haben – quasi zum „Nulltarif“?

    Wie passt das jetzt zusammen?
    – Seit Wochen wird der „Lobgesang“ auf die sozialen Bindungen (nur über Klassenkameraden im Live-Modus möglich, sonst nirgendwo) immer lauter und schriller. Es drohten nicht mehr zu reparierende seelische Schäden, wenn der Kontakt zu BFFs vorübergehend fehlt.
    – Klassenverbände werden in wenigen Monaten leichten Herzens aufgegeben. (Machste halt neue Erfahrungen, liebes Kind.) … Die meisten Kinderfreundschaften gehen erfahrungsgemäß verloren, wenn das Kind ein Jahr wiederholt. (Ist ja bei Erwachsenen auch nicht möglich, beim Jobwechsel alle alten Kollegen weiter zu treffen – die neuen aber zusätzlich auch, denn der Tag hat nur 24 Stunden und die Gemeinsamkeiten werden weniger wenn man weniger gemeinsam erlebt.)
    – Kann es sein, dass die Wirtschaft (um die es ja eigentlich immer ging, weil Eltern verständlicherweise arbeiten müssen), dann auch wieder Nachwuchsprobleme hat oder bekommt?

    Täglich neue Klopper, morgen ist Freitag – da muss noch dringend was raus!

  9. „Faire und gerechte Entscheidungen in Pandemie-Zeiten“ und durch die Pandemie keine Nachteile für ihre Bildungs- und Berufswege…. Hat die Werbebranche nicht noch ein feines Plätzchen für eine Schulministerin frei.
    Warte auf moderne Lernangebote an sonnenverwöhnten manuell klimatisierten ergonomischen Sitzplätzen überwiegend mit vorbereiteter Highspeed Glasfaseranbindung für eine digitale Zukunft. Diese Perle eines bei Liebhabern besonders begehrten architektonischen Meisterwerkes mit unverbaubarer Südlage erwartet Ihre Kinder schon zurück. Die individuell geschnittenen Raumaufteilungen in stilvoller, teils luftig und lichtdurchfluteter Atmosphäre laden auch mit MNS ohne Abstände einhalten zu müssen zum längeren Verweilen ein. Dazu das herausstechende Ambiente überwiegend ohne Meerblick bei gesichert angebotenen Präsenzzeiten natürlich inklusive 24/7 Facilitymanager vor Ort.

    Spaß beiseite, denn Schüler in Nordrhein-Westfalen können eine Klasse auch freiwillig wiederholen, ohne dass das auf die maximal zugelassene Verweildauer an der Schule angerechnet wird, ABER:

    Keine Blauen Briefe, was zur Folge hat, dass Minderleistungen aus dem zweiten Halbjahr in einem Fach nicht berücksichtigt werden, so das Ministerium. Heißt: Bei wem die Versetzung nur von einem Fach abhängt, bleibt nicht sitzen. Aber bei zwei Fächern dann Pech gehabt, da scheinbar dann zusätzlich doch die Wiederholung angerechnet wird. Wer informiert bis wann bei mehr als einem Fach?

    Glücklicherweise sind es ja noch ca. 70 Unterrichtstage, in Distanz(?), bis zu den Zeugniskonferenzen. Wenn es mit den DU-Ausfällen – ohne Quarantänefälle – wegen Klausurprüfungen und erhöhten Aufsichten seit dieser Woche zukünftig so weitergeht, sind ausschließlich die SuS die so richtig Angeschmierten.

  10. Und wieder wältzt Gebauer Ihre Verantwortung ab. Nun dürfen sich wieder die Schulen und Schulleitungen mit den zu Recht sorgenvollen Eltern über Plätze für Wiederholer*innen streiten, weil es diese Plätze nicht gibt, weil es die Lehrkärfte nicht gibt, weil es die Räume nicht gibt.

    Die einzige praktikable Lösung wäre : Kein Sitzenbleiben, kein Wiederholen (außer in Fällen, die auch ohne Corona sinnvoll gewesen wären), sondern ein Aussetzen der lehrplanbezognenen Kompetenzerwartungen sowie ein Plan, wie das Aufholen der Wissenslücken über mehrere Schuljahre und in Kooperation der Schulformen gestreckt werden können.

    Aber Gebauer hat anderes vor. Sie will eine leistungs- und wirtschaftsorientierte Schule einschließlich neuer, strenger Lehrpläne für die Grundschule, diese sollen schon ab dem kommenden Schuljahr gelten. Da käme ein Aussetzen sehr ungelegen. Diese „secret Angenda“ einer 5%-Partei, die kein Interesse ander wirklichen Situation der Schulen und der Schüler*innen hat, ist ein bildunsgpolitischer Skandal Trumpschen Ausmaßes – ganz zu schweigen von der Farce um praktikable Schutzmaßnahmen.

    • Eigentlich gibt es hierfür eine einfache Lösung. Lehrkräfte sind sehr wohl vorhanden. Sie sind nur noch nicht fertig ausgebildet und hätten das nötige Wissen. Sie werden aber nicht gefragt!
      Vielen Studenten ist aufgrund der Krise der Job und die Finanzierung weggebrochen.
      Hilfe vom Staat? Fehlanzeige. Man fürchtet nächstes Jahr ein Chaos?!? Was ist das denn jetzt bitteschön?!? Auf der anderen Seite sind die schwachen Schüler, die drohen, abgehängt zu werden. Student: hat Fachwissen. Schüler: suchen Wissen. Lehrer und Eltern: benötigen Entlastung. Auf die Idee, Lehramtsstudenten hinzuziehen, ihnen die Existenz zu sichern und das Studium zu finanzieren, wenn sie im Gegenzug:
      Kleingruppen betreuen, Lernpatenschaften übernehmen, in die Schule in kleine Klassen kommen, die Schüler besuchen und die Eltern beim Homeschooling entlasten, von Lehrern einige Schüler zugeteilt bekommen und sie zusätzlich beschulen, und und und, darauf kommen die Politiker nicht!!! Das wäre eine win-win-Situation für Alle. Evtl. könnte man diese Tätigkeiten auf einige Studienleistungen anrechnen, die sich jetzt schwer erbringen lassen. Den Eltern, Lehrern, Schülern wäre geholfen. Den Studenten auch und sie müssten den Studienabschluss nicht ewig hinauszögern oder das Studium gar abbrechen! So wird der Lehrermangel auch nicht gelöst!!!!
      Aber nein! Die Studenten werden im Regen stehen gelassen. Und bei den schwächsten Schülern schaut man wissentlich zu, wie sie den Anschluss verlieren! Ich würde diese Hilfen sogar ehrenamtlich anbieten, aber das kann ich mir in meiner existenzbedrohlichen Situation nicht leisten!
      Mich macht diese Inkompetenz einfach nur wütend!

      • @Student

        Ihre Überlegungen sind schlüssig, greifen sinnvoll ineinander und sind klar verständlich.
        Genau darum ist das kein Teil der „Ideenwelt“ in den Kreisen der Verantwortlichen und Entscheidungsträger.
        Auch ohne Corona: Das war vor etwa 30 Jahren schon das Problem.

      • Bieten Studenten die Hilfe als unentgeltliches Praktikum an?

        Bildung darf bekanntlich nichts, zumindest nichts zusätzlich kosten. Und neue Regelungen unbürokratisch ermöglichen ein Unding. Die lobbyierte Reise-, Sport- und Lufttransportbranche ist da „systemrelevanter“ als Schulen.

        Ein Interesse an (schnellen oder unbürokratischen) Lösungen scheint mir sowieso abhanden gekommen zu sein.

        • „Bieten Studenten die Hilfe als unentgeltliches Praktikum an?“

          Würde ich gar machen! Blöderweise muss ich ja noch das Geld für die Miete zusammenkratzen. Mein Mieter lässt mich nicht unentgeltlich wohnen. Und die Krankenkasse bietet ihre Versicherung auch nicht unentgeltlich an, sondern verlangt jeden Monat 200 Teuro, auch wenn ich KEIN EINKOMMEN habe!!!!
          Dann noch die Kredite, die ich stunden muss…
          Aber wenn mir jemand meine Existenz sichert, dann biete ich meine Hilfe gerne ehrenamtlich an…

        • @Student

          ‚„Bieten Studenten die Hilfe als unentgeltliches Praktikum an?“
          Würde ich gar machen!‘

          Lieber @Student,
          fangen Sie mit dieser Haltung besser gar nicht erst an!
          Sie kennen bestimmt die Story mit dem kleinen Finger und dem Arm …?
          Welche „Wertschätzung“ man den Menschen entgegenbringt, die im Bereich Erziehung und Bildung tätig sind, haben Sie bereits festgestellt.
          Bei Ihnen geht es aber um die pure Existenzsicherung, da hört der „Spaß“ aber auf!
          Verkaufen Sie sich nicht „unter Preis“ und schon gar nicht zum Nulltarif! (Versuchen Sie lieber, private Nachhilfe zu geben und so Ihre Lebenshaltungskosten zu decken. Private Nachhilfe müsste in diesen Zeiten auch digital möglich sein, je nach Fach ist vielleicht auch draußen etwas möglich. Hören Sie sich in Ihrer Nachbarschaft um.)
          Liebe Grüße und viel Erfolg!

          • Hallo Pit,

            lieben Dank für die Antwort. Paradoxerweise ist die naheliegendste Lösung nicht meine Rettung. Denn das war meine Finanzierungsquelle, inkl. privatem Intensivunterricht und Tutorien. Das ist wegen Corona weggebrochen, weil die SuS aufgrund des Unterrichtsausfalls keine Aufgaben hatten und die Eltern somit keinen Bedarf sahen. Dann sind die Eltern selber in finanziellen Nöten. Die Nachfrage ist also gesunken. Dann ist das Angebot gestiegen, weil viele mit demselben Problem die Idee hatten, das online anzubieten. Auch fachfremd. Dadurch sind die Honorare, die die Eltern bereit sind zu zahlen, weiter gefallen. Bis auf Mindestlohnniveau. In Präsenz kann ich erfahrungsgemäß mein Fach auch wesentlich besser vermitteln als online. Ich habe wochenlang online geworben und es gab ein Verdrängungswettbewerb. Anstelle von Eltern meldeten sich dann Institute, die mich gegen Honorar weitervermitteln wollten. Denen sind die Anfragen aber ebenfalls ausgegangen und ich hätte mein Honorar bei einem Auftrag nach oben schrauben müssen, wo die ausbleibende Nachfrage genau das Gegenteil erfordert. Der Kuchen wird kleiner, aber mehr Leute wollen zugreifen. Ich habe es aufgegeben und nun einen Job gefunden, der mich rettet und wodurch ich bald wieder im Plus bin. Der Job erfüllt mich nicht, da ich viel lieber unterrichten würde. Aber besser als nichts. Alleine durch den Angestelltenstatus spare ich 200€ Krankenkasse. Meine Wut aber bleibt. Und der Frust, dass mir die Zeit für das Studium fehlt, auch.
            Lieben Gruß,
            Ein Student

          • @ Student 26. Februar 2021 um 14:40

            Es tut mir unendlich leid, dass Sie mit Ihrem Engagement dermaßen „unter die Räder“ gekommen sind.
            Allerdings: Im System Schule geht das später oft so – wenn auch auf andere Art, die Gelegenheiten sind zahlreich. Jedoch werden Frust und Wut als treue Wegbegleiter an Ihrer Seite bleiben, das nicht zu nahe an sich herankommen zu lassen kostet sehr viel Kraft. Die Alternative wäre schrittweises Abstumpfen, das kann es also auch nicht sein. Wenn Sie nach der eigenen Schullaufbahn direkt oder recht rasch mit Ihrem Studium begonnen haben, wäre es ein guter Zeitpunkt und vielleicht nicht die schlechteste Idee, mal über eine Alternative zum Beruf des Lehrers nachzudenken …?
            (Das ist durchaus ernst gemeint.)
            Wenn Ihr augenblicklicher Job nicht erfüllend ist … dann ist es vielleicht ein ganz anderer Job?
            Gönnen Sie sich bitte die Zeit zum Nachdenken, auch so kann man aus Situationen wie der aktuellen vielleicht noch etwas Gutes „zaubern“.

            Nochmal herzliche Grüße!

          • Hallo Pit,

            danke für die aufmunternden Worte.

            „Wenn Sie nach der eigenen Schullaufbahn direkt oder recht rasch mit Ihrem Studium begonnen haben, wäre es ein guter Zeitpunkt und vielleicht nicht die schlechteste Idee, mal über eine Alternative zum Beruf des Lehrers nachzudenken …?“

            Ich habe 2 schulische Laufbahnen und ich habe nach dem Abitur in der Tat rasch mit dem Studium angefangen. Allerdings ist die 2. schulische Laufbahn und das drangehängte (vorher nicht geplante) Studium bereits „die Alternative“. Das ist bereits „Plan B“ in meinem Leben. (Die Entscheidung dafür kam auch aus Frust und Wut über den vorherigen Weg. Trotz Arbeit an der Armutsgrenze und keine Aussicht voranzukommen.)
            Im Aktuellen Job bin ich ja kein Lehrer. Unglücklich mit der Perspektive als Lehrer bin ich lediglich mit meinem 2. Fach, weshalb sich mein Studienabschluss vor Corona etwas zog und sich nun nochmal verschoben hat. (In der Hinsicht war die Entscheidung für das Studium aufgrund des 2. Fachs ein Schnellstart. Ich musste aber aus finanziellen Gründen die Entscheidung treffen)
            Wenn, dann suche ich eher einen „Plan B2“ oder so…
            In meinem ersten Fach bin ich ganz happy, habe auch Lehrerfahrungen sammeln können (siehe meine Finanzierung) und bin in meinen Tutorien ganz aufgegangen. Mein 1. Fach vermittle ich mit Leidenschaft. Aber diese Erfahrungen zählen halt leider nicht und ohne Abschluss samt Ref komme ich nicht voran.
            Ich weiß ehrlich gesagt nicht, welche Alternativen ich zum Lehrerberuf nach dem Studium haben soll. Das ist jetzt einer andere Baustelle. Ich könnte mehr erzählen, aber das wird dann doch zu privat.
            Es grüßt,
            ein Student

    • Ich habe es noch nicht verstanden: Warum braucht man mehr Lehrer, wenn SuS wiederholen? Die Zahl steigt ja nicht an … Sie verteilt sich nur anders!?

      • Dann fragen Sie das doch mal die Schulleiter, die vor übervollen Klassen warnen. Sollten die nicht besser aufgeteilt werden?
        Wenn mehr Schüler neu hinzukommen, als ältere abgehen, weil sie die Klassen wiederholen bzw. den Abschluss nicht machen können, steigt die Zahl natürlich an.

  11. Wie oft sollen SuS denn noch die Untätigkeit der BM ausbaden? Letztes Jahr sind schon viele „sitzengeblieben“ aka haben wiederholt, dieses Jahr wieder und dann? Sollen die Kinder bis sie 25 sind in den Schulen bleiben? Hat mal irgendwer daran gedacht, dass das auch ein Lebensjahr des Kindes bedeutet? Nein, haben sie nicht. Die Herrschaften in den BM sind ja nicht betroffen. Und deren Kinder werden privat unterrichtet.

    Und wer jetzt sagt, das sei freiwillig, nein, in manchen BL wird Druck seitens der Schulleitungen bzw Schulämter ausgeübt, damit die Eltern diesen Schritt gehen.

  12. Da das mit dem freiwilligen Sitzenbleiben viele Jahrgangsstufen betrifft, dürfte sich das mit den übervollen Klassen in den meisten Stufen wegmitteln. Problematisch können eventuell die vollere Klasse 5 und die Kurswahlen in der EF bzw. Q1 werden. Allerdings kann ich mir kaum vorstellen, dass übermäßig viele Schüler, bei denen die Versetzung ansonsten nicht gefährdet wäre, das Angebot nutzen werden.

    In sich widersprüchlich find ich aber in der Tag den Wegfall der Warnungen bei gleichzeitigem Festhalten an die Versetzungskriterien und kann ihn höchstens mit einer geringfügigen Arbeitserleichterung für die Lehrer erklären.

  13. Das ein Sitzenbleiben „gesellschaftsfähig“ wird für dieses Schuljahr, zeigt doch nur was für einen unglaublich schlechten Job diese Frau und andere in ihren Rängen gemacht haben. Wenn sie einen guten Job gemacht hätten, wäre diese Option auf freiwilliges Sitzenbleiben gar nicht nötig gewesen.

    Kultusminister sind nicht nur Treiber der Pandemie (als Krankheit), sie sind auch Treiber von sozialer Isolation und Bildungsungerechtigkeiten. Sie werden auch damit ganz unmittelbar zu Treibern von gewaltigen wirtschaftlichen Schäden in Deutschland, weil sie die Lockdowns mit ihrer grauenvollen Schuldesasterpolitik künstlich in die Länge ziehen und immer wieder Mitverursacher davon sind und durch das schlechte Pandemiemanagement die Bildungsniveaus unserer Kinder nun auch noch nachhaltig beschädigen.

    • @ Ich muss da mal was loswerden: also bitte, die Lufthansa musste schon zweimal gerettet werden und bitte denken Sie an Tui! Da können doch Schüler nicht mithalten. Die können 1. (noch) nicht wählen und 2. verdienen sie (meist) kein Geld.

      Man könnte heulen ob der Unfähigkeit der BM.

  14. Der heilige Kral der Bildung lautet eben: Bildung darf nichts kosten.
    Das ist doch seit Jahren bekannt!
    Reformen die nur die Lehrer mit Mehrarbeit belasten und sich pressewirksam vermarkten lassen sind ok. Wenn es wirklich ans Geld geht ist Schluss mit lustig.
    Schade, dass dies auch gilt, wenn die Gesundheit der Beteiligten akut gefährdet ist.
    Alte Muster lassen sich eben schwer aufbrechen.
    Warum sollte heute falsch sein, was jahrelang richtig war.
    Die Schüler kommen doch auch schon seit Jahren mit Toiletten aus, die wirken als wären sie aus einem russischen Gulag. Was sollen da jetzt Investitionen für Luftfilter. Fü Nü Nü.

  15. Für mich ist das freiwillige Wiederholen nicht das Problem – an bestimmten Schulformen ist es eher umgekehrt: Diejenigen, denen es empfohlen wird, gehen trotzdem weiter, da Minderleistungen nicht angerechnet werden, und sitzen dann völlig überfordert in der nächsthöheren Stufe. Das ist das Problem, das ich im Augenblick in meinen Kursen sehe.

    • Absolute Zustimmung….bei uns werden im Sommer SuS in den 8ten Jahrgang versetzt, die noch nicht mal die Orientierungsstufe erfolgreich / ausreichend absolviert haben…denen hat die Pandemie ihren Verbleib am Gymnasium beschert…und quasi zwei Versetzungen geschenkt….dass die dann im kommenden Schuljahr völlig überfordert in Klasse 8 hocken und eine Versagenserfahrung nach der nächsten einkassieren, weil die Eltern bei der eingeschränkten Realschulempfehlung schon auf die Aufnahme am Gymnasium gedrängt haben, das spielt keine Rolle. Die lieben Kleinen sollen halt Atomphysiker, Chefarzt oder irgendwas mit Nobelpreis werden…und wenn das nicht klappt, dann haben selbstverständlich die LuL abgeloosed – dieses unengagierte, unfähige und v.a. ungerechte Pack.

  16. Ich schlage vor, die ganze Republik geht lebenslang zur Schule, dann muss man nie wieder etwas leisten und braucht nicht erwachsen zu werden, man muss sich zwar ein bisschen rumschubsen lassen, Pausenhof und so, hat’s dafür aber meist schön warm, geregeltes Mittagessen und kann immer seine Freunde treffen. Seien wir doch ehrlich, das alles ist doch eh viel wichtiger als Bildung. Lehrer braucht man dafür auch nicht mehr. Die abzuschaffen oder wenigstens möglichst einzusparen ist eh das Ziel aller Bildungs- und Finanzpolitiker. Dichten und Denken kann man auch getrost sein lassen, hohle Phrasen und leeres Geschwätz gibt es dafür zuhauf, aber auch das passt in ein System, in dem die Oberfläche wichtiger ist als tiefschürfende Erkenntnisse.
    Nie wieder Klassenarbeiten, nie wieder Prüfungen, öffnet die Schulen für alle lebenslang! Wie bequem!

  17. Ich würde mir wünschen, dass ausnahmslos Alle dieses Schüljahr wiederholen. Der Stau, der dadurch im Kindergarten entstehe, könnte man mit einer Klasse 0 begegnen. Würde man jetzt so eine mutige Entscheidung treffen, dann hätte man noch genügend Zeit dies vorzubereiten. Dieses Schuljahr ist verloren.

    • Wo soll denn diese Klasse Null „beheimatet“ sein? Weder in der KiTa noch in den Grundschulen gibt es Platz für einen ganzen zusätzlichen Jahrgang. Ganz abgesehen davon, dass für diese Klassen ja auch Lehrpersonal gebraucht wird. Die Schulen sind so knapp besetzt, dass es mit Ach und Krach für die Jahrgänge 1 bis 4 reicht.

      • @Marie

        „Heimat“ in Containern, das ist flexibel, die kann man auch schön übereianader stapeln.
        Lehrpersonal = Denkfehler (passiert mir auch immer wieder), Betreuung reicht und wird ja auch so gewünscht und mittlerweile ganz offen benannt.
        Also kommt jeder in Frage, der auch mal möchte oder schon immer wusste, wie es besser geht.
        Falls gelegentlich „Ansprache“ von den Kindern gewünscht wird, kommt in jeden Container 1 „Alexa“, die nimmt auch Pizzabestellungen entgegen.
        (Ironie)

    • Warum keine freiwillige Wiederholung? Ich habe viele SuS, die fleißig im Distanzunterricht gelernt und mitgearbeitet haben. Warum sollen die mit einem zusätzlichen Schuljahr „bestraft“ werden?

    • Moment: und die 0 wird im darauf folgenden Jahr doch die Klasse 1, oder? Aber Stopp, dann kommt ja noch eine Klasse 1 dazu, oder nicht? Nämlich die, die dann regulär in die 1. Klasse wechseln würden.

    • So. Und was machen wir mit den bereits abgeschlossenen Ausbildungsverträgen, den Einschreibungen an den Unis? Es würden Mietverträge abgeschlossen an den Ausbildungsorten. Was sagt die Sozialversicherung zu einem Jahr Totalausfall? Das ist Lehrern ja egal, sie sind ja privat versichert und brauchen keine Rente. Nur fehlt dem Land auch ein Jahr Steuern und wird sich irgendeine Kostenstelle suchen müssen um dies zu kompensieren. Ein Schuljahr zum Nulltarif für die Lehrer wäre ein Anfang aber nur ein kleiner Teil diesen Schadens. Auch nur Peanuts: Wir haben bereits Handys, PSA und Laptops für die Azubis ab August beschafft. Das kann dann auf den Elektronikschrott, weil es nächstes Jahr alt ist. Und in 10 Jahren soll dann die doppelte Anzahl eingestellt werden? Wie wäre es mit einer Lösung dafür?

      • „Was sagt die Sozialversicherung zu einem Jahr Totalausfall?“
        Das wird dadurch mehr als ausgeglichen, dass wir gleich DREI Jahre länger arbeiten müssen, um die Rente mit 70+ genießen zu können!

        Wow. Das spricht doch Bände, die Schüler, die sich Sorgen um ihre Leistungen machen, nur als „Sozialversicherungsbeitragszahler zu sehen“!!!!
        Reicht das G8 und die früher Einschulung mit 5 nicht?
        Rente erst mit 70?

        Als künftiger Lehrer werde ich nicht privatversichert sein. Und als Lehramtsstudent, der Corona-bedingt zeitweise ohne Einkommen war, hat die Krankenkasse auch keine Rücksicht auf meine Lage genommen. Mein Studienabschluss verschiebt sich da ich erst meine Existenz sichern muss.
        Komisch, da haben die Sozialversicherungen kein Problem damit, dass ich erst später als „Gutverdiener“ einzahlen kann. Aber zahlen soll ich trotzdem, wo ICH zeitweise einen finanziellen Totalausfall habe?

        Was nützen die Ausbildungsverträge, wenn die Schüler Corona-bedingt keine guten Leistungen erbringen können, mit schlechten Noten von der Schule abgehen und dann trotz Ausbildung immer wieder auf die schlechten Noten reduziert werden?

        „Nur fehlt dem Land auch ein Jahr Steuern und wird sich irgendeine Kostenstelle suchen müssen um dies zu kompensieren.“
        Am Besten noch G7 und Einschulung mit 4, damit die Abiturienten möglichst früh Steuern zahlen können?

  18. Heyyyy bin Schüler bin zufällig auf diesen Artikel gestoßen. Bedeutet dass Schüler der Q2 NRW freiwillig wiederholen dürfen? Denn eigentlich wäre es ja ohne Corona nicht möglich. Liebe Grüße.

    • @Alexi: Fragen Sie bitte die Person, die an der von Ihnen besuchten Schule für die Organisation der Oberstufe zuständig ist. Dort bekommen Sie in aller Regel kompetente Auskunft, weil diese Leute spezialisiert sind darauf, die entsprechenden Regelungen zu kennen.

  19. Ich würde mich als Lehramtsstudent ja gerne anbieten, den Schülern zu helfen, ihre Wissenslücken zu schließen. Und Eltern und Lehrer zu entlasten.
    Aber leider werde ich ja nicht gefragt…So weit denkt die Politik nicht.

    • Kann ich Sie engagieren, meine Kinder im Fernlernunterricht zu beschulen?

      Ernsthaft gemeint.

      Die Schule schafft es aktuell ja nicht.

      • Das kommt drauf an in welchen Fächern, und ob es als Fernlernunterricht auch machbar ist. Private Nachrichten zur Kontaktaufnahme sind hier leider nicht möglich.

  20. Dass massenhaftes „freiwilliges Sitzenbleiben“ drohe, ist eine Schimäre und Panikmache. In Thüringen darf schon seit 1 Jahr freiwillig wiederholt werden. Das hat nicht zu einem Massenandrang geführt. Ich fände es gut und richtig, wenn Kinder mit deutliche Defiziten wiederholen. Das sollten eigentlich die Lehrer selbst vorschlagen!

  21. Ich kann einfach nicht mehr. Alles Versäumte wird uns Lehrern angekreidet. Und jetzt noch das Impfdebakel, ehemals gute Freunde greifen mich deshalb an, ob ich mich nicht schäme den Alten und Kranken ihre Dosis zu stehlen. Selbst Einkaufen ist zum Spiessrutenlauf geworden. Aus meinem Musikverein werde ich austreten, selbst im Lockdown werde ich von ehemaligen Kameraden seit Wochen beschimpft. Mein Sohn wird auch seit geraumer Zeit von seinen Freunden wegen mir angegriffen. Meine Schüler fragen mich, warum ich ihren Omas die Impfung wegnehmen will, ich sei ja noch jung.
    Nächste Woche habe ich einen Arzttermin, da werde ich mich für den Schuljahresrest krankschreiben lassen. Ich habe niemandem etwas getan!

    • @Bauklötzchen:

      1. Das tut mir unendlich Leid. Diese Leute brauchen ein Ziel für ihre aufgestaute Frustration und Verzweiflung. Dieses Ziel sind in diesem Fall leider Sie. Das ist nicht logisch, nicht gerecht und absolut widerlich. Aber diese Unmenschlichkeit ist nur allzu menschlich.

      2. Es kann keine Rede davon sein, „den Alten und Kranken ihre Dosis zu stehlen“, da Ihnen der Impfstoff durch die Politik angeboten wird – Sie entwenden ihn nicht.

      3. Die Schüler müssen sehr, sehr junge Großeltern haben, um Ihnen die Frage stellen zu können, „warum ich ihren Omas die Impfung wegnehmen will“ – denn AstraZeneca wird in Deutschland nur bei Leuten unter 65 verimpft.

      4. Sie haben völlig Recht, wenn Sie sich in dieser Ausnahmesituation entschließen zum Arzt zu gehen und ihm Ihre Notlage darzulegen – was Ihnen widerfährt, dürfte nur noch mit dem Wort Mobbing zu beschreiben sein. Sie müssen aus der Situation da jetzt erst mal rausgeholt werden – das können Sie nicht alleine und da hilft Ihnen Ihr Arzt.

  22. Die meisten meiner Schüler haben überhaupt keine Lücken bislang. Und die, die welche haben, haben auch im Präsenzunterricht kaum Leistung gezeigt, die Lücken wären sowieso da gewesen.
    Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass viele Schüler freiwillig sitzen bleiben. Das Wichtigste in der Schulzeit ist doch die Klassengemeinschaft – das gibt man nicht so schnell auf.

  23. Mir kommt das recht, seit Corona haben wir die Defizite unser Kinder erst wahrgenommen. Und das Zusammenspiel von Politik, Schulamt, Schule und Lehrern ist erschreckend. Da wird alles getan um die Noten hoch zu halten. Dabei hinkt der Wissensstand 2Jahre hinterher. Online Unterricht ist erst seit 3 Monaten 7 Stunden die Woche. Aber ohne Bewertung der Schriftlichen Aufgaben. Anwesenheit ist ausreichend. Und die einzige Aussage die gemacht wird. Auch gegenüber unseres Kindes. Keine Sorge das holen wir schon auf der Stoff wiederholt sich ab der dritten Klasse immer wieder?! Ihr werdet nicht zurück gestuft. Danke aber wir als Eltern sollten da gefragt werden. Immerhin versuchen wir seit Corona dem Kind bei zu bringen das es Selbständig lernen muss.
    Aber es nie gelernt hat, anwesendheit hat wohl im Unterricht gereicht. Wie die doch sehr guten Noten auf den Zeugnis entstehen ist für uns total unverständlich.
    Aber die wenigen Hausaufgaben mit sehr leichtem Inhalt sind nun verständlich.

    So ein Blindes Vertrauen in die Bildung ist seit Corona nicht mehr möglich. Und ich hoffe das die Rückstufung wenigsten etwas auffängt.

    Die Zukunft unsere Kinder und Wirtschaft geht uns alle an. Schlimm das so viele ein so schlechtes Schulsytem mittragen.

    • „Dabei hinkt der Wissensstand 2Jahre hinterher.“
      Ja. Leider wurde ja zugunsten der Wirtschaft Lobbyarbeit betrieben, um das G8 durchzusetzen, woraus in der aktuellen Lage sogar noch ein G7 wird. Bildung braucht Zeit um sich zu setzen.

  24. Ein Zeitraum von 11 Monaten für ein mögliches Szenario „Klasse 0“, wenn auch als worst case, sollte bei gewissenhafter Herangehensweise an Lösungsstategien einer Pandemie vorhanden sein.
    Erst planen und Konzepte erstellen, wenn das Problem real da ist, würde von Inkompetenz zeugen.
    Eine Machbarkeitsstudie wird es möglicherweise längst unter Verschluss gehalten geben, oder gibt es in den Schlüsselpositionen einfach wirklich nur Nullen?
    Aber die benötigten Millionen sind bereits für die wichtige Wirtschaft abgeflossen.

    • @N.
      Versäumnisse gibt es in verschiedenen Bereichen:

      In diesem Fall geht es darum, wo noch weitere Gründe für die Impfproblematik liegen … und vor allen Dingen, warum sehr viel Geld in die Suche nach Impfstoff geflossen ist, aber so gut wie nichts in Medikamente zur Behandlung von Covid19.
      Im folgenden Link ab Minute 13:40 als Video-Beitrag:
      https://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/mittagsmagazin/videos/die-sendung-vom-26-februar-2021-102.html
      Ab Minute 18:00 ungefähr wird gesagt, der Unternehmer wünsche sich mehr Beachtung seitens der Politik … Woher nur kommt mir das bekannt vor?
      Zum Nachlesen:
      https://www.presseportal.de/pm/51580/4849708

      … ist so’n bisschen wie im Bereich Kita und Schule, Erziehung und Bildung:
      Die guten Ideen sind da, aber sie werden nicht beachtet bzw. sollen nicht bekannt werden.
      Das Geld ist eigentlich auch vorhanden. Aber es wird lieber an anderer Stelle „verballert“, gerne auch sinnfrei.

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