Bioinformatiker: Durch Schnelltests wird nur die Hälfte der Infizierten erkannt

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GREIFSWALD. Für Bioinformatiker und Regierungsberater Prof. Lars Kaderali sind deutlich steigende Infektionszahlen nur eine Frage der Zeit – auch wegen der angekündigten Lockerungen. Bei Corona-Schnelltests, die flächendeckend in den Kitas und Schulen eingesetzt werden sollen, sieht er einen Haken.

„Ein ‚Freitesten‘ ist mit Schnelltests nicht möglich.“ Foto: Shutterstock / nitpicker

Der Bioinformatiker Lars Kaderali rechnet noch im März mit deutlich höheren Corona-Infektionen auch wegen der sich anbahnenden Lockerungen. «Wir haben aktualisierte Simulationen gerechnet», teilte der Leiter der Bioinformatik der Universitätsmedizin Greifswald auf Anfrage mit. Den Effekt der am Mittwoch auf der Bund-Länder-Konferenz beschlossenen Lockerungen könne man zwar noch nicht genau abschätzen. Die Lockerungen würden aber zu mehr Kontakten und mehr Infektionen führen. «Die Frage ist nicht ob, sondern wie schnell das passiert».

Die Zahlen könnten sich laut Kaderali, der mit seinen Simulationen die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern berät, am Monatsende «wieder auf dem Niveau wie um Weihnachten bewegen». Vor Weihnachten hatte die Sieben-Tages-Inzidenz im Land etwas unter 100 gelegen und war über die Feiertage unter 80 gesunken. Das Robert Koch-Institut hatte darauf hingewiesen, dass möglicherweise weniger Fälle gemeldet wurden, weil zu Weihnachten weniger Menschen einen Arzt aufsuchten und sich testen ließen.

«Die Daten bedeuten, dass bei einem Schnelltest von zwei Infizierten nur einer richtig erkannt wird»

Neben den Lockerungen spielen laut Kaderali zwei weitere Faktoren eine wichtige Rolle: «Dass der Anteil des mutierten Virus weiter ansteigen wird, ist sicher und wird sich nicht mehr verhindern lassen.» Dadurch werde es auch insgesamt zu einem Anstieg der Infektionszahlen kommen. Außerdem zeigten Mobilitätsdaten, dass sich die Menschen wieder deutlich mehr bewegten. Die Mobilität liege auf einem Niveau wie im November nach dem Teil-Shutdown. Mögliche Gründe seien die gesunkenen Inzidenzen im Januar und die Diskussionen um Lockerungen.

Schnelltests – wie sie in Kitas und Schulen flächendeckend zum Einsatz kommen sollen – könnten zwar helfen, das Infektionsgeschehen zu kontrollieren. Kaderali verwies allerdings auf eine Studie, an der er beteiligt gewesen sei. Danach würden nur etwa die Hälfte der Infizierten tatsächlich durch einen Schnelltest als infiziert erkannt. «Die Daten bedeuten, dass bei einem Schnelltest am Eingang eines Restaurants von zwei Infizierten nur einer richtig erkannt wird.» Jeder gefundene Infizierte verringere zwar die Zahl der Folgeinfektionen, weshalb Schnelltest wichtig seien. «Aber ein „Freitesten“ ist mit den Schnelltests eben nicht möglich.» Das betrifft natürlich auch die Bildungseinrichtungen.

Auch ein «Herausimpfen» aus der dritten Welle sei beim gegenwärtigen Tempo nicht möglich. Es sei noch kein starker Effekt zu sehen. Auch das Argument, die Pflegeheime seien durchgeimpft, ließ er nicht gelten. Nur ein kleiner Teil der Menschen, die älter als 60 Jahre sind, sei tatsächlich geimpft. Je nach Definition zählten zwischen 25 und 50 Prozent der Bevölkerung zur Risikogruppe. Insgesamt seien aber nur etwa vier Prozent geimpft. News4teachers / mit Material der dpa

Stehen die angekündigten Schulöffnungen auf der Kippe? Wann die dafür versprochenen Schnelltests kommen, ist unklar

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6 KOMMENTARE

  1. Sorry, hab es immer noch nicht ganz begriffen.
    Wie genau schützt mich als Lehrerin – die jeden Tag in der Grundschule mit 60 – 80 Haushalten, je nach Stundenplan, Kontakt hat – der Schnelltest vor einer Ansteckung?
    Kann mir das mal jemand erklären, bitte?
    Damals, beim Schwangerschaftstest, hat das mit dem Schutz nicht geklappt. Irgendwie mache ich da wohl etwas falsch!
    Ein Test ist doch Prävention, oder? Oder wird nur so getan als ob?

    • Ein Test zeigt mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit, ob Sie Antigene zu Corona in sich haben.
      (laut https://healthcare-in-europe.com/de/news/corona-schnelltest-fakten-gegen-halbwahrheiten.html) Dann können Sie sich krank melden, in Quarantäne gehen und behandeln lassen. Es ist also Prävention gegen das Weitergeben des Virus. Vor der Ansteckung schützt der Test nur die anderen.
      Auf Dauer ist Fernunterricht minderwertig, obwohl ich mich 10 Stunden täglich ins Zeug lege. Ich bin für die Schulöffnungen, weil ich die Notwendigkeit für die Bildung meiner Schüler sehe. Natürlich halte ich die Hygieneregeln ein und schütze mich, natürlich weiß ich, dass ich mich infizieren kann. Nu, dann werd‘ ich halt krank, ich habe weder schwer Übergewicht noch Diabetes oder andere Risikofaktoren und bin unter 60, das Risiko für schweren Verlauf ist überschaubar. Dauerhaft eingesperrt und in Angst leben empfinde ich als schlimmer.

      siehe
      https://experience.arcgis.com/experience/478220a4c454480e823b17327b2bf1d4/page/page_0/

      • Letzte Woche Gespräch mit meiner Hausärztin: sie betreut derzeit 5 vorher kerngesunde, junge Frauen, alle im Oktober oder November mit nur leichten Symptomen erkrankt, aber jetzt, 4 Monate später, auf Grund der Langzeitfolgen immer noch nicht wieder arbeitsfähig. Daher sehe ich ein „nun, dann werd ich halt krank, bin jung und gesund“ definitiv nicht so leichtfertig wie Sie.
        Meine Drittklässler haben übrigens in den 6 Wochen intensiv gearbeitet, wir sind voll im Zeitplan, alle kommen so gut (oder auch schlecht) mit wie auch vorher schon,insofern verwahre ich mich gegen Aussagen, Fernunterricht wäre minderwertig.

      • Ich möchte Sie gerne Folgendes fragen:
        -Sie haben um sich selbst keine Sorge, ok – was aber wenn Sie ggf. asymptomatisch andere infizieren?
        -Innerhalb einiger Wochen könnten Sie und viele weitere geimpft sein, lohnt sich da nicht noch das Durchhalten für Sie selbst und für die Leute in Ihrem Umfeld?
        -Und wer sperrt Sie dauerhaft ein?

  2. Heute ein Podcast -aus der letuten Eoche- mit Dr. Spinner gehört, er arbietet u.a. an der Schwesterstudie zu Johnson& Johnson: Schnelltests verhindern natürlich keine Infektion und ja erkennen nur jede 2 Infektion und in der Latenzzeit ohne Sxmptome können viele Infizierte nicht erkannt werden. Nutzen würden sie, wenn jdm. mit Symptomen schnell getestet würde. Deshalb wäre ich sehr dafür SuS mit (plötzlichen) Bauchschmerzen, Schnupfen etc. in der GS von den Eltern testen zu lassen, bevor sie die Kids mit nach Hause nehmen. Dann würden Schnelltests schnelle Ergebnisse bringen und die Etern müssten einen PCR Test machen lassen und das Gesundheitsamt handeln, um eine Ausbreitung zu verhindern.

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