Studie: Gegliedertes Schulsystem sorgt für mehr Leistung und Bildungsgerechtigkeit – vor allem schwächere Schüler profitieren

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MANNHEIM. Eine strikte Leistungsdifferenzierung beim Übergang auf die Weiterführende Schule führt einer neuen Studie zufolge nicht zu stärkerer Bildungsungleichheit. Eine kognitive Homogenisierung führe demnach vielmehr zu einem insgesamt besseren Leistungsniveau, von dem besonders Kinder in den unteren Bildungsgängen profitierten.

Das gegliederte Schulsystem ist offenbar besser als sein Ruf. Illustration: Shutterstock

In kaum einem entwickelten Land ist der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg so groß wie in Deutschland. Mindestens seit der ersten PISA-Studie im Jahr 2000 richtet sich dieser Vorwurf beinah wie ein Mantra an die deutschen Schulen. Vielfach wird dafür das differenzierte Schulsystem maßgeblich verantwortlich gemacht. Dass Schule und Differenzierung eher Ungleichheiten schaffen, als sie einzuebnen, diese Aussage könnte man, dem Mannheimer Soziologen Hartmut Esser folgend, geradezu als „die weithin selbstverständlich geltende Standardposition zu der Sache“ bezeichnen.

Gemeinsam mit dem Bamberger Wissenschaftler Julian Seuring hat Esser nun diese Position unter die Lupe genommen. Mithilfe von Daten aus der „National Educational Panel Study“ (NEPS) für die deutschen Bundesländer haben Esser und Seuring untersucht, wie sich eine unterschiedlich strikt geregelte Differenzierung auf die Leistungen in der Sekundarstufe auswirkt.

„Je strikter die Länder beim Wechsel an die weiterführende Schule vorgehen, desto höher fallen die durchschnittlichen Leistungen aus“

Die Ergebnisse widersprächen der Standardposition deutlich, so Esser und Seuring. Die Differenzierung führe nicht zu einer Verstärkung der Effekte sozialer Herkunft – im Gegenteil: Diese schwächten sich bei einer strikten Leistungsdifferenzierung eher ab. Die Leistungen in der Sekundarstufe nähmen dagegen zu, insbesondere in der Kombination mit einer homogeneren Zusammensetzung der Schulklassen nach kognitiven Fähigkeiten.

Dies gelte gerade für die Kinder der unteren Bildungswege mit geringem Leistungsniveau. Dort fielen die Leistungen bei einer möglichst großen kognitiven Homogenität am besten aus. Eine liberal geregelte oder nachlässig implementierte Differenzierung habe für diese Kinder und Jugendlichen dagegen „geradezu desaströse Folgen“. Dies spiegele sich auch im Vergleich zwischen den Bundesländern wider, wie er etwa in den IQB-Berichten dokumentiert sei. Tatsächlich setzen Seriensieger im Bundesländervergleich wie Bayern und Sachsen auf eine verbindliche Grundschulempfehlung.

„Bei den Übergangsregelungen kann man die Länder grob in drei Gruppen einteilen: komplett liberal, mittelmäßig strikt und ganz strikt. Das haben wir dann mit den Leistungsdaten abgeglichen“, erklärt Seuring gegenüber dem „Deutschen Schulportal“. „Das Ergebnis: Je strikter die Länder beim Wechsel von der Grundschule an die weiterführende Schule vorgehen, desto höher fallen die durchschnittlichen Leistungen der Schülerinnen und Schüler in den siebten Klassen aus – ganz unabhängig von der Schulform. Die sozialen Effekte nehmen dabei nicht zu, wie häufig vermutet. Stattdessen werden sie gedeckelt.“

In heterogenen Klassen „muss man oft das Lerntempo am Durchschnitt ausloten, weil die personellen Ressourcen begrenzt sind“

Mögliche Ursachen: Die kognitive Homogenisierung der Schulklassen erlaube eine stärkere Fokussierung des Unterrichts. Die besseren Anpassungsmöglichkeiten der Curricula an die unterschiedlichen kognitiven Niveaus würden überdies die leistungssteigernden Einflüsse noch einmal verstärken. In heterogenen Klassen hingegen „muss man oft das Lerntempo am Durchschnitt ausloten, weil die personellen Ressourcen begrenzt sind. Schülerinnen und Schüler, die schneller lernen, werden ausgebremst, während andere, die eher noch eine Wiederholung bräuchten, überfordert sind. Für die meisten ist das nicht zuträglich. Hier könnte man eher eine Leistungssteigerung erreichen, wenn man die Schülerinnen und Schüler in unterschiedlichen Gruppen fördert“, sagt Seuring.

Als Konsequenz aus ihren Ergebnissen empfehlen Esser und Seuring den bildungspolitisch Verantwortlichen eine wieder stärkere Orientierung an Kriterien der Leistungsdifferenzierung, um die die Effizienz des Bildungssystems zu stärken und soziale Bildungsungleichheiten zu dämpfen. Dazu sollten insbesondere „Fehlplatzierungen“ bei der Sortierung durch genauere und verbindliche Empfehlungen möglichst vermieden werden.

So gebe es durchaus die Tendenz, dass Lehrkräfte Kindern aus bildungsfernen Familien bei gleichen Fähigkeiten seltener eine Gymnasialempfehlung aussprächen als Kindern aus bildungsnahen Elternhäusern. „Deshalb wäre es ratsam, für die Übergangsempfehlung stärker Kriterien heranzuziehen, die die tatsächlichen kognitiven Potenziale abbilden. Diese sind über den gesamten Lebenslauf relativ stabil und weniger abhängig von einer vorübergehenden Verfassung, wie etwa bei den Klausuren oder Noten. Diese zusätzliche Information könnte die Unsicherheit der Lehrkräfte bei den Empfehlungen verringern“, erklärt Hartmut Esser.

Zur Steigerung von Effizienz und Gerechtigkeit seien aber auch die Schaffung von Anreizen und Strukturen für einen engagierten und fokussierten Unterricht empfehlenswert. Dazu könnte etwa eine stärkere Kontrolle der schulischen Abläufe über regelmäßige Evaluationen, Standardisierung und Zentralisierung beitragen. Insgesamt sei aber die weitere Klärung der Zusammenhänge notwendig, insbesondere auch im Hinblick auf den sinnvollen Einsatz von Ausgleichsmaßnahmen gerade in den in den unteren Bildungswegen und sozial schwierigeren Verhältnissen, die eine strikte Differenzierung begleiten könnten. (zab)

Gewinner ist: das gegliederte Schulsystem – ein Gastkommentar zur IQB-Studie

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74 KOMMENTARE

  1. Leider wieder eine Studie die auf taube Ohren stoßen wird.
    Ist ist doch rein logisch, dass ich in der Institution am besten lerne, in welcher am besten auf meine kognitiven Fähigkeiten eingegangen werden kann. Die Zusammenlegung von Haupt- und Realschule war ein schwerwiegender Fehler, nun müssen sich die Hauptschüler mit fachlichen Ansprüchen rumschlagen welche über ihrem Horizont liegen während ihre evtl. gut ausgeprägten handwerklichen Fähigkeiten in diesen 5 Jahren weitgehend ignoriert werden, während die eigentlichen Realschüler unter ihrem möglichen Niveau rumkrebsen, wenn nicht direkt im Vorraus die Flucht aufs Gymnasium ergriffen wird, wo sich die Frustration dann ähnlich ausprägt. Die Lehrer sind selbstverständlich auch frustriert nicht auf die stärken ihrer SuS eingehen zu können. Was bleibt ist ein Minenfeld sozialer und bildungstechnischer Spannungen welches kaum unbeschadet begangen werden kann.
    Es will mir einfach nicht in den Kopf warum das dreigliedrige System mit der Gesamtschule als Paralelmodell keinen Fuß fasst. Eine Gesamtschule kann fantastisch sein, wenn alle Beteiligten sich im klaren darüber sind, welche Ansprüche hier verfolgt werden und welche Herausforderungen bewältigt werden müssen. Für diejenigen die diese Herausforderungen allerdings nicht angehen wollen oder können muss es noch einen Rückzugsort geben. Dieser Rückzugsort wären Hauptschule, Realschule oder Gymnasium.
    Aber gut, das sind nur die Worte eines Berufseinsteigers welche am Ende ungehört verklingen. Wie so viele andere bereits vorher.

    • „Es will mir einfach nicht in den Kopf warum das dreigliedrige System mit der Gesamtschule als Paralelmodell keinen Fuß fasst.“

      Weil es wie bei Mau-Mau läuft: Ideologie sticht eben Rationalität.

    • Wenn man nur überlegt: Im Sport, in Musik – wenn ich da übe, trainiere und mich weiterentwickeln will, dann arbeite ich doch zusammen mit ähnlich Leistungsfähigen, und nicht totale Anfänger mit Profis. In der Bundesliga trainiert nicht Bayern mit dem Verein Schollenacker, um sich auf ein wichtiges Spiel vorzubereiten, das sieht jeder ein. Aber im Bereich der Schulen will man intellektuell extrem verschiedene Kinder viele Jahre lang gemeinsam in eine Gruppe stecken und behauptet, alle würde davon profitieren – das ist für jede Lehrkraft ersichtlich, dass das nicht funktioniert und ideologischer Quark ist. Die Schnell-Lerner langweilen sich zu Tode, und sie immer als Nachhilfelehrer für die Langsameren zu missbrauchen, ist keine Förderung. Oft habe ich am Gymnasium in den Eingangsklassen erlebt, dass sich Begabte so sehr freuen, ENDLICH anspruchsvolle Themen zu bearbeiten, ohne dass ein Mitschüler 10 mal dasselbe fragt und sie das mit ihm üben sollen! (Wörtliches Zitat!). Für diese Kinder war es ein Segen, dass nach der 4. Klasse nach Leistung differenziert wird.
      Diese Studie bestätigt nur, was viele Lehrkräfte schon wissen. Aber man fragt sie nicht.

      • @KF
        Ich musste grade nochmal nachschauen, ob ich das tatsächlich nicht selber geschrieben habe, so sehr spricht mir Ihr Beitrag aus der Seele 😉

        Habe selber eins dieser Schnell-Lerner-Kinder und genau diese Formulierung, dass sie tagtäglich im Unterricht als Nachhilfelehrer für die Langsameren missbraucht werden anstatt selber entsprechend gefördert zu werden, habe ich auch schon mehrfach gebraucht.

        Mein Kind freut sich (außer dass es die bisherigen Lehrer und einige Schulkameraden vermissen wird) wie Bolle darauf, endlich aufs Gymnasium wechseln zu können wo nicht jede noch so einfache Aufgabe erst x-mal erklärt wird.

        Auch beim Homeschooling freut es sich, dass es einfach mit den Aufgaben loslegen kann ohne dass zuvor schon zigmal gestellte Fragen nochmal durchgekaut werden müssen.

        Wow, ich glaube, ich habe tatsächlich noch nie einen Kommentar gelesen, der genau meine Gedanken zu dem Thema 1:1 ausspricht.

        Wenn es nach mir gehen würde, dürften die Kinder auch gerne schon viel früher entsprechend ihrer Lerngeschwindigkeit differenziert und individueller gefördert werden. Und zwar nicht nur die schwachen sondern auch die schnelleren Kinder, deren Potential im jetzigen, ideologischen Alle-haben-gefälligst-gleich-zu-sein-System eingedämmt und deren Lust am Lernen bei einigen Kindern schon im letzten Kindergartenjahr einen empfindlichen Schlag versetzt bekommt. Sehr schade.

      • Leider ist es dann im Gymnasium auch nicht besser. Auch dort wurde schon immer über all die „Deppen“ geklagt, die „hier nicht hingehören“!
        MERKE: In jeder „homogenisierten Kohorte“ gibt es immer eine sich verdeutlichende Heterogenität. Sei es, weil die Lehrkräfte die Normverteilung systemisch brauchen oder die Schüler:innen die Normverteilung von selber einnehmen!

      • Damit werden Menschen schon im Kindheitsalter gebrandmarkt.
        Wann findet die Sozialisierung und die Integration diesen jungen Menschen in einer homogenen Gesellschaft? Damit wird vor allem die Bildung von Parallelgesellschaften gefördert.

    • Danke für diesen Kommentar! Besser kann man es nicht zusammenfassen. Die jetzige Zerstückelung der Schullandschaft in zwanzigtausend Schulformen ist einfach unglaublich, und das rein aus ideologischem Denken gewisser Parteien heraus. Ich bin auch sehr dafür, das dreigliedrige Modell zu stärken und dann in kleineren, ländlichen Orten damit die Schulwege kurz bleiben, Gesamtschulen zu nutzen als Alternative. Und dann zusätzlich vielleicht in den großen Städten eine als Alternativmodell. Aber ein Gymnasium und eine Gesamtschule und sonst keine weitere Schule in einer Stadt ist einfach dämlich…

      • Leider ist die Gesamtschule in NRW auch ein politisches Opfer. Es gibt dort nur zwei Kursarten pro Fach: Profis und Versager (ja , ich formuliere es sehr provokant, denn so fühlen sich SuS dort einsortiert). Es wird dort auf die Durchschnittsschüler keine Rücksicht genommen. Die sind auf der Kante zwischen Versager und Profi und beide Kursarten frustrieren diese. Das eine ist im Anspriuch zu hoch, das andere ist singen und in die Hände klatschen.
        Ich finde Gesamtschulen gut, ernsthaft, aber auch diese müssen überarbeitet werden. Es gehört einfach dazu, dass auch dort eine angepasste Weiterentwicklung stattfindet. Stattdessen werden Sekundarschulen aus der Taufe geholt und anderer Mist fabriziert, der alles noch unübersichtlicher macht.
        Jede politische Profilneurotiker treibt seine Sau durchs Dorf, und der Umsetzungsdruck bleibt an den Ausführenden hängen.

        Hach, es gibt eigentlich soviel zu tun, …. warten’s wir doch einfach ab.
        Und niemals das Bodenpersonal befragen. Das System könnte dadurch gefährlicherweise verbessert werden, und nachfolgende Profilneurotiker haben keine Aufgabe mehr, sich prächtig und einzigartig in Szene zu setzen.

        • Lösung: Gesamt- oder Gemeinschaftsschulen mit Dreierdifferenzierung in bestimmten Fächern ab spätestens Klassenstufe 7. Geht. Ich arbeite nämlich an einer solchen Schule.
          Dieses Modell hat den Vorteil, dass eben auch Kids mit Schwächen in bestimmten Bereichen nicht abgeschult werden müssen und man trotzdem Kurse hat, die auf die Oberstufe vorbereiten.
          Unser Problem (allerdings ein großes) ist derzeit nur, Inklusion zu organisieren, denn wir haben sehr viele sog. I-S*S, die so gut wie gar nicht von Förderschullehrkräften betreut werden. Die notwendige Viererdifferenzierung kann leider nicht stattfinden und belastet die normalen Fachlehrkräfte immer mehr.
          Man braucht kein dreigliedriges Schulsystem. Gymnasium und Gesamt- bzw. Gemeinschaftsschule mit guter Personalausstattung!!! nebeneinander genügt.

    • Warum kann nicht das System Schule so angepasst werden dass individuelle Förderung und Lernbegleitung tatsächlich der Standard werden? Es ist doch absolut unzureichend dass die Kinder sich den personellen Ressourcen anpassen und auf Durchschnittlichkeit in drei leicht handhabbare Gruppen verteilt werden….

      • Weil das nicht geht. Ich versuche, die Schüler meiner ersten Klasse individuell zu fördern, komme aber regelmäßig an meine Grenzen, weil ich mich nicht zerteilen kann.

    • Großen Dank an die Redaktion für diesen Artikel!!!

      Meine Rede seit Jahren: Sowohl integrierte Gesamtschulen als auch die Inklusion sind fatale Irrwege. Sie bringen allen Schülern mehr Schaden als Nutzen.
      Ich kann so langsam nicht mehr an hehre Motive glauben, wenn es heißt „mehr Bildungsgerechtigkeit“ oder „Abschaffung inhumaner Selektion“.
      Angeblichen Pädagogik-Experten und Bildungsministern kann doch logisches und realitätsbewusstes Denken nicht so fremd sein, dass sie den Schulen mit schöner Regelmäßigkeit immer wieder faule Eier ins Nest legen, aus denen nichts Gutes werden kann.
      Und die Lehrer bekommen dann die Schelte. Sie sollten gegen falsche Theorien mehr Widerstand leisten anstatt nur bessere Rahmenbedingungen zu fordern und damit die Ideen indirekt gut zu heißen.

  2. Komm’se näher, komm’se ran! Einsteigen, die Herrschaften, eine neue Runde beginnt!
    Das Pendel schwingt zurück. Soll mir recht sein, öfters mal was Altes.

    ABER: „Schaffung von Anreizen und Strukturen für einen engagierten und fokussierten Unterricht empfehlenswert. Dazu könnte etwa eine stärkere Kontrolle der schulischen Abläufe über regelmäßige Evaluationen, Standardisierung und Zentralisierung beitragen.“

    Sie meinen sowas wie Fremd- und Eigenevaluation, Bildungsstandards, Vergleichsarbeiten und Lernstandserhebungen? Ei, ei, ei, da müssen Sie dringend nacharbeiten, vlt. sprechen Sie besser mal mit Profis drüber.

  3. Dass in heterogenen Lerngruppen am besten gelernt wird, weil die Starken die Schwachen mitziehen, ist zigmal postuliert, aber leider nie nachgewiesen worden. Man hat dazu allenfalls Studien unter privilegierten Laborbedingungen gemacht. Dass die Schwachen die Starken vielleicht auch als „Streber“ verspotten und mobben, das hat man wohl nicht mit einbezogen. Dass Schulklassen allzu homogen sind, ist ja kaum zu befürchten, es gibt eine natürliche Heterogenität gerade bei der Leistungsfähigkeit, Belastbarkeit, beim Gedächtnis, bei den „kognitiven Fähigkeiten“ und — vor allem — bei der Lerngeschwindigkeit.

    • Ja, es ist tatsächlich nix Neues und war/ist eigentlich common sense. Man sieht es auch am Gymnasium immer wieder. Wir hatten zum Schuljahr 2019/20 sehr heterogene neue 5er Klassen. Da sind sicherlich ein paar richtig gute Schüler dabei, aber es gibt innerhalb der Klassen eine vergleichsweise große Spreizung. Da kann man noch so differenzieren, man wird nie jedem gerecht.

      Zum Schuljahr 2020/21 haben wir jedoch recht leistungsstarke neue 5er Klassen bekommen. Mit denen lauf ich auch im Distanzunterricht Kreise um die jetzigen 6er… Der Unterricht kann so auch viel passgenauer abgestimmt werden, wie auch in der Studie beschrieben… Man merkt in der Praxis auch, dass es nicht nur ein Einzeleindruck ist, wenn die gleiche Feststellung unabhängig von allen übrigen Kolleginnen und Kollegen genauso geäußert wird.

      • Was hat sich von dem einen zum anderen Schuljahr geändert, wie kommt die Änderung in der Leistungsstärke?

        An Corona kann es ja eigentlich noch nicht gelegen haben, die Anmeldungen dürften ja noch vorher oder direkt zu Beginn der Pandemie gelaufen sein.

        Möglicherweise schicken diesen Sommer allerdings weniger Eltern ihre Kinder aufs Gymnasium weil sie Angst haben, dass das Kind durch Corona zu viel verpasst hat, um gut mitzukommen?

    • Sehr wenige schwache können in der Tat von sehr vielen starken in gewissen Grenzen mitgezogen werden, vorausgesetzt die Schwäche ist in erster Linie Motivationsprobleme begründet und die kognitive Differenz nicht zu groß.

      Insgesamt ist diese Studie aber ein Todesstoß für den Bildungssozialismus der Gleichmacherei.

      • „Todesstoß für den Bildungssozialismus der Gleichmacherei“
        Das glaube ich nicht. Es haben sich zu viele bereits festgelegt, dass das längere gemeinsame Lernen unbedingt gut sein muss, weil die eine oder andere Partei das so beschlossen hat. Sogar das Schulministerium in NRW unter Frau Gebauer sieht das so:
        https://www.schulministerium.nrw.de/laengeres-gemeinsames-lernen
        Eine ganze Industrie von Pädagogen, Psychologen und auch empirischen Bildungswissenschaftlern predigt das schon so lange, dass man davon nicht mehr wegkommt, ohne das Gesicht zu verlieren. „PISA hat ergeben, …“ ist zum gebetsmühlenartigen Mantra geworden. Was in den PISA-Berichten wirklich steht, liest ja kaum jemand. Bei TIMSS 2019 habe ich gelesen, dass der Abstand (gemessen in Punkten) zwischen den Migrantenkindern und den anderen in Finnland erheblich größer ist als in Deutschland. Und dennoch wird weiter Finnland gepriesen und Deutschland der Ungerechtigkeit angeklagt. TIMSS 2019 kann man übrigens mit dem Klick auf „Tendenz“ über den von mir unten 12:32 angegebenen Link finden.

        • Danke für die Ergänzung. Ich habe mich verkürzt ausgedrückt. Gemeint habe ich meine Aussage mit dem Todesstoß in Kombination mit Ihrer Ergänzung zum Festhalten an der Totgeburt aus politischen Gründen.

        • „Eine ganze Industrie von Pädagogen, Psychologen und auch empirischen Bildungswissenschaftlern predigt das schon so lange, dass man davon nicht mehr wegkommt, ohne das Gesicht zu verlieren.“

          Ich glaube, da spielt aber auch noch eine andere Perspektiven eine Rolle.

          Es herrscht natürlich auch ein Klima an den deutschen Hochschulen, die das (und nicht nur bei diesem Thema) befördert.

          Also ich erinnere mich nur ungern an die pädagogischen Seminare zu diesem Thema, in denen ein derartiges Klima herrschte, dass man sich nicht traute offene seine Meinung zu sagen, wenn man von der offensichtlich Gewollten abwich.

          So, und nun stelle man sich vor, was man da als „Pädagoge, Psychologe und auch empirischen Bildungswissenschaftler“ noch für Karriereaussichten an der Uni/Ministerium hätte – glauben sie wirklich, das wäre bei so einem Klima noch viel möglich, wenn sie eine andere Meinung vertreten würden?

          Also für mich war das eine sehr ernüchternde Erfahrung, was die Wissenschaftsfreiheit und das Bildungsideal an Hochschulen betrifft, insbesondere in den geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern.

    • Hier gibt’s ein Interview mit den Autoren der Studie schon vom 27.1.2021:
      https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/verstaerkt-das-gegliederte-schulsystem-soziale-ungleichheiten/
      Darin wird als wichtiger Punkt auch genannt, dass viele Kinder MIT Gymnasialempfehlung von ihren Eltern einfach nicht auf Gymnasien geschickt werden. Und daran könne man praktisch nichts ändern, aber das reproduziert natürlich eine gewisse Bildungsungerechtigkeit. Nur ist das dann eben NICHT die Schuld der Schule oder einer falschen Empfehlung der Lehrer.

      • Der umgekehrte Fall wird aber häufiger sein, sprich Kinder mit einer nur mit gutem Willen eingeschränkten Gymnasialempfehlung quälen sich am Gymnasium von der ersten Stunde an.

        • Bei einigen Kindern kommt noch hinzu, dass sie die eingeschränkte Gymnasialempfehlung eigentlich gar nicht „aus eigener Kraft“ erreicht haben sondern schon in der Grundschule dafür vor jeder Arbeit stundenlang büffeln oder zu Nachhilfelehrern gehen mussten.

          Wie sollen solche Kinder dann noch mitkommen wenn das Tempo anzieht, was sind da für psychische Probleme vorprogrammiert…

  4. Blöd nur, dass die soziale Herkunft auch eine sehr große Rolle spielt und den Bildungsweg von früh an zementiert.

    • Das liegt dann weniger an den Lehrern und viel mehr an den Eltern. Schon mit Kita-Eintritt kann man als Erzieher nicht mehr viel machen, an der Grundschule fast nichts mehr, an der weiterführenden Schule ist der Drops weitestgehend gelutscht, es sei denn das Kind entwickelt von sich aus einen Leistungswillen entgegen der Haltung, Kultur, Widerstände der Eltern.

      • Richtig, aber auch das System spielt eine große Rolle. Dem möglichen Leistungswillen steht der Druck, so schnell wie möglich aus dem System rauszukommen um dann schnellstmöglich finanziell auf eigenen Beinen zu stehen. Die Ämter machen schon Druck, dass man sich doch bitte für eine Ausbildung entscheidet, anstatt einem höheren Abschluss nachzugehen. Wer fürchten muss, nach Ablauf der Schulzeit das Amt im Nacken sitzen zu haben, bzw. nach dem nächsthöheren Abschluss, wird sich dann eher für die Ausbildung entscheiden. Während anderen erstmal ein Auslandsaufenthalt oder eine Auszeit zugestanden wird, um sich zu orientieren. So können Bildungschancen auch zerstört werden. Natürlich ist es ab einem Alter die eigene Entscheidung aber fehlende Vorbilder und fehlender Rückhalt kommt auch nicht hinzu.

        • Ich glaube nicht, dass das Amt bei entsprechenden Noten Druck für die Ausbildung macht. Bei freiwilligen Fortbildungen über den zweiten Bildungsweg kann das aber anders sein.

          • Das Amt nicht direkt, aber die prägenden Erfahrungen die man mit Armut aber auch mit dem Amt gemacht hat, schon. Da geht es nicht darum „wie kann ich mich bestmöglich qualifizieren“, sondern „wie komme ich schnellstmöglich aus dieser Sch****Situation raus? Soziale Teilhabe?
            Wenn man die Wahl hat, nach einer Ausbildung (in der man als Bedarfsgemeinschaft als Kind (!!!) die Familie unterstützt!!) finanziell unabhängig zu werden und danach übernommen zu werden, oder nach einer schulischen Ausbildung wieder zum Amt tigern zu müssen und das ganze Spiel mit dem Druck nochmal zu erleben, dann wird man sich eher für die Ausbildung entscheiden. Selbst wenn man dann schlechter qualifiziert ist und sich seine Chancen verbaut. Es zählt ja der kurzfristige Erfolg und der schnellstmögliche Ausstieg aus der Sozialhilfe (die Statistik soll ja stimmen) und nicht die längerfristige Perspektive, später besser qualifiziert zu sein. Auch so gehen Chancen verloren. Raus aus der Armut, rein in die Armut trotz Arbeit. Wer hat mit 16-18 schon die Weitsicht und die Reife für die richtige Entscheidung?

          • Doch, es wird (zumindest wurde es in Niedersachsen vor einigen Jahren) genau so gehandhabt. Da gab’s in Klasse 10 an der Realschule verpflichtend eine Berufsberatung beim Arbeitsamt, bei dem auch Schülern mit Noten im guten und sehr guten Bereich eindrücklich nahegelegt wurde, keinesfalls das Abitur anzustreben, sondern doch lieber eine „solide Ausbildung“ zu machen.

        • „… finanziell auf eigenen Beinen zu stehen.“
          Das ist vollkommen richtig beschrieben, das ist gewiss ein neuralgischer Punkt, aber unabhängig vom Schulsystem. Wie wird das denn nach Klasse 10 an Gesamtschulen sein? Werden alle Eltern begeistert sein über eine bevorstehende Oberstufe, oder werden viele sagen: „Jetzt ist die Pflichtschulzeit vorbei, jetzt such dir einen Job oder mach eine Berufsausbildung, damit du finanziell bald unabhängig bist“ ?
          Ich sehe bei meinen eigenen Kindern, wie quälend lange es dauern kann, sich durch Bachelor – Master – Praktika, evtl. mit Wartezeiten/Auszeiten und/oder Fachwechseln durchzukämpfen, bis endlich mal Geld verdient wird. Leider hängt in dieser Gesellschaft alles am Geld. Aber im DDR-Sozialismus mit dem entsprechenden Schulsystem durfte auch nicht jeder Abitur machen und schon gar nicht jeder studieren. Also welches System ist die wahre Alternative?

    • Was für eine Art von Leistung wird denn im Zukunft gebraucht? Sicher nicht die angepasste, auf outcome und externe Bewertung fokussierte Lernleistung die schnell lernt immer das zu tun was von vorn angesagt wird

      • Vor allem wird in einer sogenannten Wissensgesellschaft auch Wissen benötigt werden.
        Zitat:
        „Sicher nicht die angepasste, auf outcome und externe Bewertung fokussierte Lernleistung die schnell lernt immer das zu tun was von vorn angesagt wird“
        Was denn sonst? Wenn der Chef sagt: Bilden Sie sich hier und dort weiter müssen sich die Arbeitnehmer auch schnell einarbeiten. Wer sich schneller einarbeiten kann wird besser bezahlt. Je mehr man weiß, desto schneller kann man sich in Neues einarbeiten. Wer nix weiß, tut sich schwer.

  5. Interessanterweise gibt es in Gegenden, wo es noch wenige Realschulen gibt, einen Run auf eben diese. Die etablierten Realschulen, die jahrzehntelang hervorragend gearbeitet haben und ebensogut auf das Berufsleben, wie auch auf den Übergang aufs Gynmasium vorbereitet haben, wurden einer Ideologie geopfert. Wieder mal soll die Mitte es richten, und eigene Nachteile in kauf nehmen. In der Tat, quälen sich dann viele gute Realschüler auf dem Gymnasium. Während die Oberschulen viele soziale Probleme zu bewältigen hat. Die Hauptschulen hätten, m. M.n. eine echte Chance gehabt, wenn man willens gewesen wäre, sinnvoll in kleinere Klassen, Sozialpädagogen, Fachpraxislehrer zu investieren. Wenn Bindungs- und Bildungangebote mit Blick auf individuelle Stärken, Fähigkeiten und Interessen, ermöglicht worden wären, hätte ein Imagewandel und Aufwertung praktischer Fähigkeiten (Handwerk) erfolgen können. Jugendliche hätte die Chance, sich als kompetent zu erfahren. Diese kompetenten und praktisch fähigen junge Menschen brauchen wir.
    So, wie es jetzt ist, zementiert sich eine Denke in oben und unten. Die ehemaligen Mittelschüler finden schwer Orientierung. Die Gesamtschule ist für viele keine wirkliche Alternative, auch wenn diese, m.M.n., ihre Berechtigung hat. Ich kenne so viele Eltern, die die Realschule, als eigenständige Schulform, schmerzlich vermissen und die keine wirkliche Alternative für ihr Kind sehen. Somit gibt es für viele dieser eigentlichen Realschüler, die im dreigliedrigem System ja auch die gesellschaftliche Mitte darstellen, keinen guten Platz. Das ist wirklich traurig und belastet viele Kinder und Familien. Ehrlich gesagt, macht es mich sogar eher wütend, wie mit den Chancen und Fähigkeiten der Kinder umgegangen wird. Diese Kinder sollen mit dem Wegfall der Realschule, als eigenständige Schulform, gesellschaftliche Probleme lösen helfen.
    Ein Beispiel: Vor einiger Zeit wurde eine GS in einem sozialen Brennpunkt in eine Ganztagsschule umgewandelt. Eine Familie (bürgerl. Mitte) wünschte diese lange Betreuungszeit für ihre Kinder nicht.
    Antwort der Schulleitung:“ Aber gerade ihre Kinder brauchen wir doch!“
    Sind die Kinder der Mittelschicht die neuen Sozialpädagogen?

    Unser Schulsystem ist zu einem sozialpolitischen Experimentierfeld geworden. Sinnvolle Investitionen in die individuellen Bildungsmöglichkeiten werden nicht getätigt. Die vielbeschworene Bildungsgerechtigkeit soll auf Kosten von (Mittel-)Schülern umgesetzt werden. Die akademische Bildung wird forciert. Das Gymnasium ist für viele gute Realschüler ein Fluchtpunkt geworden, überfordert viele aber.
    Die Gesamtschule hat ihre Berechtigung, ist aber auch ideologisch besetzt. Wir sind sind nicht alle gleich, weil wir die gleiche Schule besuchen. Jeder Mensch hat unterschiedliche Begabungen und Fähigkeiten. Darauf bestmöglich einzugehen, und jedes Kind/ Jugendlichen in seinem Sein anzuerkennen und wertzuschätzen, sollte Ziel der Schulbildung sein.
    Durch die ideologische Bildungspolitik, die einerseits sozialpolitische Verantwortung an die Schulen abgibt, anderseits die praktische Ausbildungen, zugunsten einer forcierten Akademisierung, abwertet, verlieren wir fähige und bildungswillige Menschen durch ein Gefühl der Perspektivlosigkeit oder Überforderung.

    • @Echt

      Ein toller Kommentar, der die Realität darstellt – jedes Wort kann ich nachvollziehen und würde sofort unterschreiben!

      Besonders anschaulich, treffend und leider in gleichem Maße traurig und absurd ist der Aspekt, den Sie in dem Absatz beginnend mit
      „So, wie es jetzt ist, zementiert sich eine Denke in oben und unten. …“
      schildern:
      Die Mittelschicht ist eingewängt, soll „Feuerwehr“ spielen (welch Überforderung nicht nur – aber besonders für Kinder und Jugendliche!) und zugleich die eigenen Ansprüche immer weiter ausblenden!
      Auch hier wird einfach immer weiter „auf Sicht gefahren“, obwohl sich die Sackgasse überdeutlich auftut.
      Für jeden, der weder blind noch blöd ist, ist diese Situation schon seit mindestens 5 Jahren klar zu sehen.
      Aber wie weiter oben in vielen Kommentaren schon mehrfach beschrieben, sind auch hier die Egomanen fest im Sattel bzw. am Ruder. Parteizugehörigkeit macht da keinen Unterschied.
      @ Carsten60 7. März 2021 um 17:13 hat auch sehr schön das Phänomen Gesichtsverlust beschrieben.
      Und nach jeder Wahl dasselbe Spiel: Man setzt die „fähigsten“ (Sarkasmus und Ironie) Parteikumpane auf die Bildungsposten … in der Hoffnung, dass sie dort möglichst wenig in Erscheinung treten … und sich darauf beschänken, eine neue „pädagogische Sau“ fett zu füttern und durch die Schullandschaft zu treiben – für beide Tätigkeiten braucht es natürlich wieder jede Menge „Weggefährten“.

  6. Einheitsbrei ist nicht so toll? Dann müsste man ja mal etwas dagegen machen. Vielleicht ein dreigliedriges Schulsystem erfinden.
    Was, das gabs mal? Ja Himmel!

    • Das ist ja der Punkt. Gemeinsames Lernen als Einheitsbrei funktioniert nicht. Ein gemeinsames soziales Miteinander bei dem jeder in seinem Tempo genau passende Lernangebote bekommt wären auch eine Lösung.. Statt der Abschottung in homogenen Gruppen

      • Was ist der Unterschied zwischen „jeder in seinem Tempo genau passende Lernangebote“ und „Abschottung in homogenen Gruppen“? Aus meiner Sicht keiner, weil das nur in Außendifferenzierung halbwegs wirtschaftlich umsetzbar ist. Gerne können diese Gruppen in den Pausen auf einem gemeinsamen Campus verbringen, aber gerade in kognitiven Fächern funktioniert das nicht.

  7. Deshalb sag ich mir immer vor den Landtagswahlen: Augen auf: Welche Partei hat welches Bildungsprogramm? Mir ist Bildung wichtig: Auf einen Gleichmachereibrei und eine Einheitssuppe mit ideologischen Croutons kann ich dankend verzichten. Gut gebildete Menschen sind unsere Zukunft!!! Seit Stoch und die SPD mit Unterstützung der Grünen das Bildungssystem in BW anno 2011 zerstückelt hat, läuft es nur noch sehr schlecht in den Schulen. Bei den aktuellen Wahlprognosen habe die Befürchtung, dass wir leider vom Regen in die Traufe kommen werden, da zu viele Menschen eine Personenwahl durchführen und nicht auf das Parteiprogramm schauen….

    • Sie können Stoch gerne vorwerfen, dass er das seit Schavan 2004 sich im freien Fall befindliche Bildungssystem in BW nicht gerettet hat. Arg viel mehr aber nicht. Zumindest in Mathematik und Physik (Gym) sind die Bücher samt Lehrplan zwischen 2004 und 2016 qualitativ stetig nach unten gegangen. Von der Grundschule, auf der das Singen englischer Lieder allem Anschein nach wichtiger war als Lesen, Rechnen und Schreiben, will ich gar nicht erst anfangen.

      • Nun ja, der freie Fall war ja erst nach stochscher Ägide. So frei sind wir noch nie gefallen! Und unten sind wir böse aufgeklatscht…

          • Da haben Sie recht! Wir klatschen dann auf, wenn die SPD mitmischt. Dann werden die Realschulen, Werkrealschulen und Hauptschulen ganz abgeschafft. Und dann haben wir das, was im Artikel thematisiert wird…

    • Problem ist, dass es eine Partei immer als Gesamtpaket gibt und niemand mit einem Programm zu 100% übereinstimmt. Bezogen auf eine leistungsorientierte Bildung in einem gegliederten Schulsystem, wie es die Studie empfiehlt, scheiden zumindest SPD, Grüne, Linkspartei aus, die CDU hat Frau Eisenmann, scheidet somit auch aus, FDP weiß ich nicht, AfD ist leistungsorientiert, würde also passen. Bei so ziemlich allem anderen passt die AfD aber nicht mehr.

  8. Woher weiß man denn so genau, dass das bessere Abschneiden an der Segregation gelegen hat?
    Wie sieht es denn mit anderen Parametern aus?
    Wurde erfasst,
    – wie viele Stunden Unterricht die Kinder in besagten Ländern hatten,
    – wie viele Förderung es innerhalb der Schule gab,
    – wie viel Nachhilfe in Anspruch genommen wurde,
    – welche weiteren Unterstützungssysteme es gab?

    Es werden Unterschiede festgestellt, aber wodurch ist nachgewiesen, dass dies an der Drei- oder Mehrgliedrigkeit des Schulsystems gelegen hat?

    Wurde erhoben, welche Kinder in „die unteren Bildungsgänge“ wechselten? Sind das in den gegliederten Systemen vergleichbare Kinder oder wären sie in einem anderen System in einer anderen Schulform gelandet?

    Wurden Kinder unterschiedlicher Bundesländer in schulformübergreifenden weiterführenden Schulen mit in die Studie einbezogen? Zeigen sich bei diesen Kindern bzw. Jugendlichen andere Ergebnisse als bei denen, die eine klassische Schulform (HS,RS, Gym) besuchen?

    Hat man wirklich herausgefunden, DASS es an der Segregation liegt, oder sind dies Vermutungen der Wissenschaftler, die sie in den Raum stellen, die aber gar nicht durch die Studie belegt sind?

    • Zumindest zeigen die Kinder in Bundesländern mit „Selektion“ bessere Leistungen. Es gibt nicht so viele Kinder, die nicht mal das unterste Anforderungsniveau schaffen und mehr die im obersten Anforderungsniveau liegen.
      Jahrelang wurde solchen Bundesländern vorgeworfen wie ungerecht deren Bildungssystem sei. Nun stellt sich heraus – dem ist überhaupt nicht so, im Gegenteil. Länder die sich vermeintlich gerechter Bildungssystem rühmten schneiden schlecht ab. Sämtliche Reformen liefen scheinbar ins Leere.
      Ein zusätzlicher Effekt laut den Machern der Studie:
      „Die Kinder fühlen sich wohler, weil sie, wenn sie ihren Fähigkeiten nach richtig platziert sind, sich besser fühlen und dann auch wirklich besser werden.“

      • Ich würde Palim zustimmen. Obwohl ich Sympathie für die Behauptungen habe, halte ich die Studie für wertlos.
        Welche Länder in Deutschland am besten abschneiden, ist bekannt. Es ist bekannt, dass diese Länder auch den rigideren Gymnasialübertritt haben. Das heißt noch lange nicht, dass letzteres die Ursache für ersteres ist.
        Einige Länder fahren eine leistungsorientiertere, rigidere und konservativere Linie und schneiden besser ab. Selbst dabei ist in Wirklichkeit nicht klar, wierum Ursache und Wirkung sind.
        In der Schule spiegelt sich die Gesellschaft insgesamt. Es ist nicht klar, dass die Leistungsunterschiede zwischen Ländern und Bundesländern überhaupt etwas mit der Schulorganisation zu tun haben und nicht auf andere Unterschiede zwischen den Ländern zurückzuführen sind. Z.B. könnte es auch sein, dass Hauptschüler mehr arbeiten, wenn es in ihrem Heimatort eine berufliche Perspektive für gute Hauptschüler gibt und andererseits nur rauchen und saufen, wenn sie den Eindruck haben, dass sie ohnehin verloren sind.

  9. Komisch für die kognitiv schwachen und verhaltenaufälligen Kindern braucht man am meisten Zeit.
    Notendruck funktioniert auch nicht.
    Das Lösungswort heißt P E R S O N A L
    Ein gutes Konzept hilft auch.

    • Die, die die Förderung und Forderung am meisten verdienen, bekommen sie am wenigsten, weil andernfalls die verhaltensauffälligen am Rad drehen und die Schulleitung oder die Eltern Stress machen, weil die kognitiv überforderten komplett aussteigen.

  10. Ich fasse es nicht. Dieselben Menschen, die hier zurecht darüber schimpfen, wenn Kultusminister kraft ihrer Hybris alles besser wissen als die Wissenschaftler, klatschen jetzt einem emeritierten Wirtschafts- und Migrationssoziologen Applaus, wenn der (im bezahlten Auftrag eben dieser KuMis) das Bildungssystem erklärt. Nicht, weil seine Untersuchungsergebnisse irgendwie schlüssiger oder valider wären als die der ungezählten Bildungsforscher vor ihm, die zu gegensätzlichen Aussagen kamen und kommen, sondern weil es allzu vielen in Deutschland leider immer noch zu bequem ist, an einem Schulsystem aus dem 19. Jahrhundert festzuhalten, statt endlich die Realität zu akzeptieren, dass wir damit von Nordeuropa bis Fernost von nahezu allen relevanten Bildungsnationen abgehängt werden.

    Ja, in Bayern, Sachsen und Thüringen läuft der NaWi-Unterricht offensichtlich besser. Ja, gerade in Bayern und Sachsen wird auch mehr selektiert. Aber in Sachsen und Thüringen kommt man auch schon nach 12 Jahren zum Abitur. Dort hat man auch einen deutlich geringeren Migrantenanteil. Vielleicht spielen hier also noch ganz andere Faktoren eine Rolle? Und weitergedacht: Festzustellen, dass in einem dreigliedrigen (eigentlich ja mindestens viergliedrigen) System diejenigen am Besten abschneiden, die sich dem System anpassen und unterordnen, ist eigentlich nicht überraschend. Dass wir z.B. in NRW immer wieder Bildungsverlierer produzieren, weil Kinder mit eingeschränkter Realschulempfehlung auf Teufel komm raus ans Gymnasium geschickt werden, nur um dann nach Jahren der Frustration und mit massiven Bildungslücken irgendwann auf eine Gesamtschule zu wechseln, ist keine neue Erkenntnis. Aber kann der logische Schluss daraus wirklich nur sein, dass wir strikter trennen müssen, um dann, wie in Bayern, die soziale Herkunft im Bildungsabschluss endgültig zu zementieren? Wollen wir eine Gesellschaft, in der jeder Kevin und Ali zwar ein bisschen besser rechnen kann, aber damit trotzdem nur Geselle auf dem Bau wird, während Emil-Maximilian und Julia-Maria schon mit der Einschulung wissen, dass sie entweder Arzt werden oder irgendwo in der Vorstandsetage sitzen? Oder sollten wir uns nicht lieber mal bei den wirklichen Bildungsgewinnern wie Finnland und Südkorea angucken, was die in ihren eingliedrigen Bildungssystemen so viel besser machen? Kleiner Tipp: Dort ist man auch irgendwie schneller und straffer organisiert, investiert aber vor allem auch viel mehr in Bildung in der Primar- und Sekundarstufe.

    • In Südkorea gibt es noch Schulgeld, und es ist üblich, Kinder nach der Schule in privaten (bezahlten) Nachhilfeunterricht zu schicken. Der Leistungsdruck ist enorm. Wenn wir den einführen würden, könnten wir vielleicht bei PISA mithalten. Und Südkorea ist ethnisch homogen. Wenn es Flüchtlinge gibt, dann kommen sie aus Nordkorea, aber nicht aus der Türkei, aus dem Libanon oder aus Syrien. Fragen Sie außerdem mal, welche Rolle private Elite-Schulen (mit Aufnahmeprüfungen) in Südkorea und auch in Japan spielen. Überhaupt gibt es Privatschulen auch dort, wo man angeblich ein einheitliches Schulsystem hat. Das ist gemogelt.
      In Finnland schneiden neuerdings die Migranten im Vergleich zu den anderen schlechter ab als in Deutschland. Wollen Sie uns das als Vorbild empfehlen? Bei PISA 2000 gab es wohl noch sehr wenige Migranten, da fiel das nicht auf. Bayern hat übrigens ziemlich viele Migranten, aber sie schneiden in Vergleichstests besser ab als die Nicht-Migranten in Bremen. Was folgt daraus? In Bayern sind eben gerade auch die Nicht-Gymnasiasten gut, das ist der Grund für einige Aussagen im obigen Artikel.
      Und dann könnten Sie dem staunenden Volke doch mal eine verlässliche Studie nennen, die ergeben hat, dass das „längere gemeinsame Lernen“ mit der gigantischen „Heterogenität“ in der Praxis (und ohne fernöstlichen Leistungsdruck, sondern mit deutschem Laissez faire) dazu führt, dass mehr und besser gelernt wird, weil „die Starken die Schwachen mitziehen“. Mir scheint eher, das dieses von interessierter Seite als Gerücht in die Welt gesetzt wurde, um aus einer Not eine Tugend zu machen. Warum zum Beispiel haben früher an den Gymnasien die Starken nicht die Schwachen mitgezogen, sondern die Schwachen sind sitzengeblieben? Leistungsmäßig heterogene Klassen gab’s ja wohl schon immer. Von den Grundschulen könnte man dasselbe sagen, bevor das Sitzenbleiben per Federstrich abgeschafft wurde.
      Noch was: weltweit gibt es meist eingliedrige Schulsysteme. Aber in den allermeisten Ländern sind die internationalen Tests schlechter als in Deutschland ausgefallen, auch innerhalb Europas. Sie wollen sich die Rosinen herauspicken.

    • @Tacheles
      Zitat:“Festzustellen, dass in einem dreigliedrigen (eigentlich ja mindestens viergliedrigen) System diejenigen am Besten abschneiden, die sich dem System anpassen und unterordnen, ist eigentlich nicht überraschend.“

      Woher nehmen Sie die Information, dass sich gerade dort die Schüler besser anpassen und unterordnen?

      Zitat:
      „Aber kann der logische Schluss daraus wirklich nur sein, dass wir strikter trennen müssen, um dann, wie in Bayern, die soziale Herkunft im Bildungsabschluss endgültig zu zementieren?“
      Gerade die genannte Studie belegt ja das Gegenteil, außerdem hat auch die letzte Pisa-Studie ähnliche Ergebnisse hervorgebracht.

    • Zitat:
      „Oder sollten wir uns nicht lieber mal bei den wirklichen Bildungsgewinnern wie Finnland und Südkorea angucken“
      In der ersten Pisa-Studie war Bayern auf einem ähnlichen Niveau wie Finnland. Warum erhebt man in Pisa wohl keine Bundes-Länder-Rankings mehr?

      • Für das Ranking der Bundesländer haben wir jetzt den „IQB-Bildungstrend“, anzuklicken über:
        https://www.iqb.hu-berlin.de/bt/BT2018/Bericht
        Es genügt die sog. Pressemappe, die ist nicht so schrecklich lang. Auf Seite 27 davon sieht man, welche Bundesländer in Mathematik überdurchschnittlich und welche unterdurchschnittlich sind, aufgeschlüsselt nach Migranten und anderen. Bayern steht gut da, Bremen ist Schlusslicht. Bei den „sozialen Disparitäten“ findet man: In Berlin und Bremen schlägt sogar der soziale Gradient mehr zu als in Bayern. Warum also soll man auf Bayern schimpfen? Nur wegen der CSU?

  11. So viele Kommentare, so viele Meinungen. Alle wissen alles und vor allem: Alle wissen es besser.
    Schaffen wir doch einfach ab, was nach der Grundschule kommt.
    Lesen, Schreiben und die Grundrechenarten sollte dann jeder soweit beherrschen.
    Wer dann noch mehr wissen will, gehe ins Internet oder in die Bücherei.

    • @Überforderte
      „So viele Kommentare, so viele Meinungen.“
      Außer den „Meinungen“ sind hier doch auch viele Erfahrungsberichte zu lesen! Und dort kommt auch Kritik an der Umsetzung der Schulbildung zutage. Sind diese Erfahrungen allesamt erfunden?

      „Alle wissen alles und vor allem: Alle wissen es besser.“
      Wer behauptet das? Wenn viele Kommentatoren anmerken, dass in dem jetzt existierenden Schulsystem viele auf der Strecke bleiben, weil sie unter- oder überfordert sind, so spiegelt es genau das wider, was viele Bildungsexperten, Eltern und Lehrer derzeit beobachten. Ob das Besserwisserei ist, ist doch nur eine Behauptung, die Sie gar nicht belegen können!
      Um in einen zielführenden Diskurs einzutreten, hilft es doch nichts, mit solchen Totschlagsargumenten alles im Keim zu ersticken!

      Wir wollen Individualität zulassen. In Schulen herrscht aber immer mehr eine Gleichmacherei! Rücksicht auf unterschiedliche Talente gibt es kaum noch, da alles den „kognitiven Fähigkeiten“ untergeordnet wird.

      Am Beginn meiner Lehrerlaufbahn vor 40 Jahren habe ich einige Jahre an einer Brennpunkt-Hauptschule gearbeitet. Im Bereich Gedichtinterpretation, Aufsatz und Physik konnten die SuS nicht mit den Realschülern mithalten, mussten sie aber auch nicht! In den Technikfächern, die auf handwerkliches Können und nicht auf abstraktes Denken setzten, waren sie diesen aber oft weit voraus.
      Dort holten sie sich ihre Bestätigung und den Schulabschluss mit vernünftigen Noten. Und seltsam, als es später im Handwerksbetrieb um Betriebswirtschaft ging, klappte es plötzlich auch besser mit Mathematik, Buchhaltung etc. Weil es halt konkret und nachvollziehbar war!

      Da die Frustration in der Schule nicht so spürbar gewesen war, fühlten sie sich auch nicht als Versager! Sie waren ja auch gute Schüler! Viele haben es geschafft: Vom kleinen Frisörladen bis zur eigenen Bauklempnerei, viele sind selbständig und ehemalige Abiturienten arbeiten als Buchhalter für sie!

      Letztens stand ein ehemaliger Schüler bei mir als Handwerksmeister vor der Tür. Ich war erstaunt zu hören, dass er inzwischen einen großen Heizungsbetrieb in unserer Kleinstadt übernommen hat. Schickes Auto, schickes Haus, toller Umsatz. Der einzige Wermutstropfen ist sein Sohn, der in der Schule kläglich versagt, weil er „- genau wie sein Vater – eher ein Praktiker als ein Theoretiker ist…..“ (O-Ton Vater).

      Können wir uns das leisten, so viel Talent ungenutzt liegen zu lassen? Aus lauter Angst zuzugeben, dass halt nicht jedes Kind gleich ist? Setzen wir nicht viel zu sehr auf kognitive Fähigkeiten und vergessen wir dabei nicht, dass es auch auch ein Leben ohne Abitur geben könnte, wenn wir die Kinder bis dahin nicht total frustriert hätten?

      • @Alla

        Liebe Alla,
        danke für Ihren tollen Kommentar.
        Jeder, der in der Generation 50+ ist, hat genug Lebenserfahrung, um das bestätigen zu können.
        Wer 50+ und Lehrer ist, hat zusätzlich noch genug Berufserfahrung, um das bestätigen zu können.

  12. Genau das ist es doch. Heute zählt nur noch, ob jemand Abitur hat.
    Früher hatte man mit einem guten qualifizierten Hauptschulabschluß
    eine Fülle an beruflichen Ausbildungsmöglichkeiten.
    Wer heute auf die Hauptschule (Mittelschule) geht, gilt doch als hoffnungsloser Fall.
    Als ich Schülerin war, hat niemand ständig das dreigliedrige Schulsystem angezweifelt. Man hat vielmehr darauf geachtet, welche Schulform für ein Kind die richtige ist. Aufs Gymnasium gingen eigentlich nur die wirklichen „Überflieger“. Aus allen anderen ist meisten auch was geworden.
    Heute herrscht schon im Kindergarten ein Bildungs- u. Förderungswahn.
    Wir sollten ganz einfach alle mal wieder ein bißchen runterkommen und unsere Kinder wieder mehr Kind sein lassen.
    Schule ist wichtig aber sie ist nicht alles.
    So vieles lernt man außerhalb davon.
    Ob wir jetzt dieses oder jenes am Schulsystem ändern spielt vielleicht gar keine soooo große Rolle. Wichtiget ist, glaube ich, daß die Kinder spüren, daß sie ernst genommen werden und das Anerkennung nicht nur von der schulischen Leistung abhängt. Ich glaube, eine gute Beziehung zwischen Lernenden und Lehrenden ist entscheidend für schulischen Erfolg .
    Das habe ich gemeint mit „alle wissen alles besser“. Keiner kann doch wirklich wissen, ob mit Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystem wirklich alle Probleme gelöst werden.
    Ich wollte damit nicht Besserwisserei unterstellen, sondern lediglich ausdrücken, daß es nicht hilft jeden Tag eine neue bildungspolitische Sau durchs Dorf zu treiben.

  13. Möchte mich entschuldigen für meinen Kommentar, den ich gestern gepostet habe.
    Den mit „alle wissen alles besser“. War dumm und unüberlegt. Sorry.

    • Liebe @Überforderte
      Sie können wirklich posten, was Ihnen gerade durch den Kopf geht.
      Manchmal kommt dann auch „Gegenwind“. So funktioniert ein Diskurs halt! Kein Grund zum Entschuldigen, wenn wir versuchen, sachlich zu bleiben.

      Wichtig ist doch, dass wir alle irgendwann, unabhängig von Ideologien und Fundamentalisten, Meinungen und Erfahrungen, in einen Dialog eintreten.
      Nichts ist „a priori“ richtig oder falsch, gut oder schlecht.Das würde ja bedeuten, dass irgend jemand sozusagen „gottgleich“ über die „absolute Wahrheit“ verfügt!

      Damit ist doch weder Eltern, noch Schülern, noch Lehrern geholfen! Eine gute Diskussion, (untermauert von wissenschaftlichen Studien) würde doch allen helfen, oder? Meine oben geschilderten „annekdotischen Erfahrungen“ müssen ja auch nicht ein „Dogma“ sein!
      Es ist halt nicht mehr als „Erfahrung“. Wahrscheinlich gibt es auch viele gegenteilige Erfahrungen….

      Aber solange jeder in seiner „Blase“ (bias) verbleibt, wird sich NICHTS verändern, und Leidtragende sind alle im System.
      Jede Kontroverse zwingt zum Nachdenken, ist also gut, solange es nicht auf „bashing“ und andere Totschlagargumente hinausläuft. Aber so etwas kann man ja erkennen und anmerken! ( Z.B. das Wort „Jammern“ wenn es um fundamentalen Arbeitsschutz geht)

  14. Diese Studie belegt eigentlich, dass das Lernen in der Schule viel mehr am einzelnen Kind orientiert werden muss. Je nach Leisrungsstärke und Interessen lernen Kinder unterschiedlich. Auch bei einem bestimmten Leistungs-/Lernniveau gibt es Fächer, mit denen die Kinder unterschiedlich gut klarkommen.
    Wenn der Lehransatz in einer Schule vom Kind ausgeht, das von Anfang an selbstbestimmt und selbstorganisiert lernt, dies durch Zweier- oder Kleingruppenarbeit unterstützt und auch gegenseitig korrigiert/kontrolliert wird, dann bekämen wir Schulen, die dem einzelnen Kind in seinem Lernprozess gerecht würden – unabhängig von der zugrunde liegenden Schulform. Dass solch ein Lernen allen Kindern mit der richtigen Begleitung durch den Lehrer möglich ist, belegen die Schulen, die diese Konzepte erfolgreich umsetzen.

    • Von so einem Konzept können wenn überhaupt nur die Schwachen von den Stärken profitieren, vorausgesetzt alle beteiligten Schüler haben den dafür notwendigen Leistungswillen und das generelle Anforderungsniveau ist nicht zu hoch. In der Mathematik hört es bei vielen bei der Bruchrechnung, bei sehr vielen bis fast allen beim symbolischen Rechnen auf, bei den Fremdsprachen spätestens ab der zweiten und schon bei der ersten, wenn Deutsch nicht vernünftig beherrscht wird oder gar selbst eine Fremdsprache ist.

      Fazit: Ihr Konzept klingt in der Theorie gut, ist aber eher einseitig und setzt eine unrealistisch bildungsnahe Schülerschaft voraus.

  15. Dass der Durchschnitt keinesfalls ein Maßstab sein kann, vor Allem weil viele nicht verstanden haben, was ein Durchschnitt ist und woraus er sich ergibt, wurde schon vor Jahren festgestellt. Auch dass die Intelligenten generell vernachlässigt werden, wessen man begegnen muss, was sogleich erarbeitet wurde. https://www.oqgc.com/veroeffentlichungen/wir_menschen.html#inhaltsverzeichnis34 oder von Anfang an, um zu sehen, woraus sich das vorgeschlagene sinnvolle System ergibt https://www.oqgc.com/veroeffentlichungen/wir_menschen.html#inhaltsverzeichnis29

    Differenzierung über Schulformen birgt immer auch das Risiko der Falschsortierung. Besonders intelligente Schüler werden falsch sortiert weil weniger intelligente Lehrer ihre Leistungsfähigkeit nicht erkennen und oft gegenteilig zur Realität einschätzen. Es ist also nicht nur eine Frage der Differenzierung nach Leistungsfähigkeit, es ist auch eine Frage des Fähigkeitsaufbaus, diese Differenzierung überhaupt durchzuführen.

    • Zitat:
      „Differenzierung über Schulformen birgt immer auch das Risiko der Falschsortierung. Besonders intelligente Schüler werden falsch sortiert “

      Das ist wohl richtig. Die in der Studie angesprochenen Mängel in den Ländern, die „nicht sortieren“ scheinen mir aber weit aus bedeutender.
      1. Eine höhere Zahl von SchülerInnen erreicht nicht einmal die Mindestanforderungen.
      2. Kinder in Systemen in denen „sortiert“ wird „fühlen sich wohler, weil sie, wenn sie ihren Fähigkeiten nach richtig platziert sind, sich besser fühlen und dann auch wirklich besser werden.

    • Es bleibt die folgende Kernfrage, vielleicht kann die Redaktion hier helfen: Wer hat eigentlich die Behauptung aufgebracht, in besonders heterogenen Lerngruppen würde besonders gut gelernt? Von welcher Studie wurde das abgeleitet? PISA kann das nicht sein. Gibt’s solche Studie überhaupt, oder wurde das von (grünen?) Politikern nur postuliert? Da wurde auch behauptet, in heterogenen Lerngruppen „ziehen die Starken die Schwachen mit“, und alles ist in bester Ordnung. Aber wo wurde das mal nachgewiesen (außer vielleicht unter privilegierten Laborbedingungen) ?

      • Sehr geehrter Carsten60,

        PISA gibt schon Hinweise – etwa den, dass Gesamtschul-Systeme mit den Leistungen ihrer Schüler durchaus an der Weltspitze liegen. Allerdings auch weit unten. Kein Wunder: Ein gegliedertes System mit Aufteilung von Kindern ab 10 Jahren gibt es nur in Deutschland und im deutschsprachigen Raum.

        Interessant in diesem Zusammenhang sind die Erkenntnisse von Prof. John Hattie, der in seine Meta-Studie die Ergebnisse von 50.000 Unterssuchungen mit 250 Millionen Schülern einbezogen und die Effekte unterschiedlicher Einflussgrößen auf den Unterricht untersucht hat. „Leistungshomogene Klassenbildung“ liegt mit einem Wert von 0,12 im Bereich unterdurchschnittlicher Effektstärkten (Durchschnitt 0,4) – die Klassengröße mit 0,21 ebenfalls, auch wenn das die meisten Lehrkräfte in Deutschland anders sehen. Was wirklich zählt: „Dabei stellte er fest und, dass Lernen in der Schule insbesondere dann erfolgreich stattfindet, wenn Lehren und Lernen sichtbar werden.“ Vereinfacht gesagt: eine optimierte Interaktion zwischen Schülern und Lehrern.

        Hier nachzulesen: https://visible-learning.org/de/hattie-rangliste-einflussgroessen-effekte-lernerfolg/

        Herzliche Grüße
        Die Redaktion

      • Zu PISA: Die fernöstlichen PISA-Sieger haben auch gegliederte Systeme, allerdings inoffiziell und von außen nicht sichtbar. In Japan und Südkorea hat man schon Grundschulen mit Aufnahmeprüfungen und vorherigen privaten Paukkursen dafür. Glauben Sie, das fördert die gigantische Heterogenität in diesen? PISA ignoriert auch geflissentlich, dass gerade in Japan und Südkorea besonders viel privater Nachhilfeunterricht genommen wird. Bei uns gilt der als Inbegriff des Unsozialen. Und die Chinesen haben vermutlich gemogelt, indem sie handverlesene spezielle Klassen bei PISA testen ließen.
        Zur Hattie-Studie: Wollen Sie im Ernst behaupten, unsere Schulpolitiker ließen sich davon leiten? Die endlos lange Liste in Ihrem Link hat für jeden etwas parat, z.B. JüL mit 0,04. Warum wohl wird denn JüL dennoch so eifrig propagiert? „Webbasiertes Lernen“ steht da mit 0,18. Warum wird uns denn die große Digitalisierung empfohlen (besonders von Bertelsmann)? „Nutzung von Taschenrechnern“ hat 0,27, warum legt man denn so großen Wert darauf? „Inklusive Beschulung“ und „Desegregation“ haben 0,28, das ist ja wohl auch unterdurchschnittlich, gilt aber neuerdings als das pädagogische Nonplusultra. Dagegen steht das „häusliche Anregungsniveau“ mit 0,59 in der Liste, und das auch in Gesamtschulsystemen !! Was heißt denn das?
        Damit ist in keinster Weise begründet, warum eine gesteigerte Heterogenität besonders hilfreich sein soll. Eine allzu große Homogenität hat es wohl nur selten gegeben, in meiner Schulzeit gab’s die auch auf dem Gymnasium nicht und in der „Feuerzangenbowle“ auch nicht. Schon immer gab es Noten von 1 bis 5 oder 6. Das spricht nicht für eine Leistungshomogenität. Und dass die Starken die Schwachen mitziehen, dürfte wohl eher vereinzelt beobachtet worden sein.
        Im übrigen war die Hattie-Studie den Gesamtschulbefürwortern noch gar nicht bekannt, als diese sich in bestimmten Parteien durchgesetzt haben. Die SPD wollte schon 1918/19 das gegliederte Schulsystem abschaffen, hat es aber nicht geschafft, weil das katholische Zentrum dagegen war. Die Pfaffen wiederum haben ihren Überlegungen nie wissenschaftliche Studien zugrunde gelegt, sie wussten aufgrund göttlicher Weisung immer alles besser.
        Alles Herumschwurbeln nützt nichts: Der Nutzen einer gesteigerten Heterogenität (über das natürliche und unvermeidliche Maß hinaus) scheint erfunden und nicht empirisch nachgewiesen zu sein. Dass flächendeckend die Starken die Schwachen mitziehen, ist höchst zweifelhaft, wird uns aber gebetsmühlenartig eingehämmert. Die Studie oben im Artikel jedenfalls spricht klar dagegen. Deshalb ist es auch sehr verdienstvoll, dass die Redaktion das nicht verschwiegen hat. Aber wie geht’s weiter?

      • Die englische Liste bei Hattie in Ihrem Link ist doppelt so lang. Da kann man sich noch mehr aussuchen. Beispiele: „spelling programs“ mit 0,57, „mathematics programs“ mit 0,58, und dann — man höre und staune — „rehearsal and memorizing“ mit 0,73 und „mnemonics“ mit 0,76. Aber gilt nicht gerade heute bei uns das Gedächtnistraining als veraltet, überflüssig oder gar schädlich, weil es nicht kompetenzorientiert ist? Wissen ist out, Google kann das besser. Man könnte sich ja wünschen, dass die Schuladministration oder die Schulreformer sich nach Hattie wenigstens ein bisschen richten, aber das scheint nicht der Fall zu sein.

  16. Vielleicht sollten wir nicht nur auf Mathe und Deutsch gucken, sondern auch auf soziale Fähigkeiten, Handwerkliches Geschick und Alltagskompetenz. Dann kriegen wir ein zwar noch komplexeres Bild aber auch für unser gemeinsames Leben zielführenderes. Mein Vater mit seinem Hauptschulabschluss kann sicherlich sehr viel mehr im Alltag erreichen, als ich mit meinem abi und Studium. Zusammen ergeben wir übrigens ein gutes Team:)

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