Digitalisierung der Schulen: Die allermeisten Eltern sehen darin eine große Chance

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BERLIN. Mehr Tempo wagen, Investitionen erhöhen und Kompetenzen stärken: Wenn es nach den Eltern schulpflichtiger Kinder geht, muss die Digitalisierung der Schulen beschleunigt werden. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung des Branchenverbands Bitkom von etwa 1.000 Eltern mit mindestens einem Kind im Alter von sechs bis 18 Jahren im eigenen Haushalt. Demnach geht drei von vier Eltern (77 Prozent) die Digitalisierung der Schulen „zu langsam“ – für vier von zehn (40 Prozent) sogar „viel zu langsam“. Der Digitalisierung steht die große Mehrheit grundsätzlich positiv gegenüber.

Distanzunterricht ist offenbar besser als sein Ruf. Foto: Shutterstock

85 Prozent der Eltern sehen die Digitalisierung als Chance für die Schulen. Demgegenüber sehen nur 10 Prozent darin ein Risiko. Beim Blick auf die Schulen ihrer Kinder sehen die meisten Eltern großen Nachholbedarf. Acht von zehn (83 Prozent) sind der Meinung, dass verstärkt in die IT und Ausstattung mit digitalen Endgeräten investiert werden sollte.

Der Status quo wird als nur mittelmäßig benotet: Die Eltern vergeben für die Ausstattung mit digitalen Endgeräten auf der Schulnotenskala im Durchschnitt eine 3- (3,4 – „befriedigend“). Ebenfalls „befriedigend“ (3,2) lautet das Urteil zur Verfügbarkeit eines Internetzugangs. Jeweils mit einer 4+ („ausreichend“) werden die Schulen bei der Verfügbarkeit von W-Lan in Klassenräumen (3,5), dem Zustand der digitalen Endgeräte (3,6) und der Hilfe bei IT-Problemen (3,6) bewertet.

„Funktioniert der digitale Unterricht nicht, müssen Eltern neben allem anderen auch noch Hilfslehrkräfte spielen“

Von der Politik fordern Eltern mehr Zentralisierung: Acht von zehn (78 Prozent) sehen den Föderalismus als Bremsklotz für die Digitalisierung der Schulen. Sieben von zehn (69 Prozent) befürworten, dass der Bund mehr Entscheidungskompetenzen in der Bildungspolitik haben sollte. „Die Eltern zeichnen ein eher ernüchterndes Bild von der Digitalisierung der Schulen und erwarten, dass das Tempo angezogen wird. Die Corona-Pandemie hat die Digitalisierung in vielen Bereichen massiv beschleunigt, und diese Beschleunigung brauchen wir auch in den Schulen“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. „Eltern von Schulkindern sind in der Corona-Pandemie ohnehin mehrfach belastet. Funktioniert der digitale Unterricht nicht, müssen Eltern neben allem anderen auch noch Hilfslehrkräfte spielen.“

Dabei ist digitales Lernen in den meisten Haushalten Standard. In acht von zehn Elternhäusern (78 Prozent) benutzen Kinder täglich ein digitales Endgerät im Zusammenhang mit dem Lernen oder der Vorbereitung für die Schule. Bei weiteren 16 Prozent wird zwar grundsätzlich auch digital gelernt, aber nicht täglich. 4 Prozent der Eltern geben an, dass gar nicht mit digitalen Endgeräten gelernt wird. Die durchschnittliche Bildschirmlernzeit beträgt 4 Stunden und 20 Minuten täglich.

Die Bandbreite zwischen intensiver und geringer Nutzung ist allerdings groß: In jedem vierten Elternhaus (26 Prozent) mit Kindern, die ein digitales Endgerät für die Schule nutzen, beträgt die tägliche Nutzungszeit sechs Stunden und mehr pro Kind, bei drei von zehn (29 Prozent) sind es fünf bis weniger als sechs Stunden und bei 9 Prozent vier bis weniger als fünf Stunden. Bei 34 Prozent sind es eine bis weniger als vier Stunden und bei 3 Prozent weniger als eine Stunde. „Die durchschnittliche Bildschirmlernzeit kommt mit mehr als vier Zeitstunden ziemlich nah an die Dauer eines klassischen Unterrichtstages im Klassenzimmer heran. Wenn die Qualität des digitalen Lernangebots stimmt, lassen sich Wissenslücken aufgrund von Schulschließungen weitgehend vermeiden“, sagt Rohleder.

In zwei von drei Elternhäusern (63 Prozent) steht den Schülerinnen und Schülern ein eigenes digitales Endgerät zur Verfügung. In jedem fünften Elternhaus (20 Prozent) können Kinder ein Gerät der Eltern nutzen. In 7 Prozent der Elternhäuser teilen sich mehrere Kinder ein eigenes Gerät. In 4 Prozent der Elternhäuser wird ein von der Schule gestelltes Gerät genutzt. Als Gerätekategorie sind Notebooks sind besonders populär, die in zwei von drei Haushalten (65 Prozent) für Schulaufgaben zum Einsatz kommen.

Während Corona-bedingter Schulschließungen haben digitale Unterrichtsangebote neun von zehn Elternhäuser (91 Prozent) erreicht. Dazu zählen Videokonferenzen (83 Prozent), Online-Präsenzunterricht (77 Prozent) und Lernplattformen (65 Prozent). Aber auch mit klassisch analogen Angeboten haben viele Eltern Erfahrungen gemacht. Die Hälfte (48 Prozent) berichtet von einer telefonischen Ansprache durch die Lehrkräfte. Jedes dritte Elternhaus (36 Prozent) hatte den Fall, dass Aufgaben oder Dokumente aus der Schule abgeholt werden mussten. Bei 8 Prozent wurden Unterrichtsmaterialien per Post zugesandt.

Spezielle Apps zum mobilen und individuellen Lernen sind demgegenüber noch kein Standard, kommen aber immerhin in 44 Prozent der Elternhäuser zum Einsatz. Nur 4 Prozent der Eltern sagen, dass Lehrkräfte solche Apps an allen Unterrichtstagen einsetzen. Bei 28 Prozent ist es regelmäßig, aber nicht an allen Unterrichtstagen. Bei 30 Prozent werden Lern-Apps nur in Ausnahmefällen und bei 29 Prozent nie eingesetzt. Rohleder: „Digitales Lernen bietet auch losgelöst von der Corona-Situation viele Vorteile und kann Schülerinnen und Schüler zusätzlich motivieren und die Lernerfolge steigern. Adaptive Lern-Apps stellen sich genau auf den individuellen Lernfortschritt ein und liefern passende Inhalte.“

Lehrkräfte kommunizieren am liebsten per E-Mail und am Telefon – sagen die Eltern

Wenn Lehrerinnen und Lehrer mit Eltern in Kontakt treten, geschieht dies überwiegend über traditionelle Kommunikationsmittel. Sieben von zehn Eltern (71 Prozent) stehen per E-Mail mit Lehrkräften in Kontakt. Gut die Hälfte (54 Prozent) greifen dafür zum Telefonhörer. Erst dahinter rangieren neuere digitale Kommunikationsmittel wie eine schulinterne Online-Plattform (38 Prozent), Messenger (29 Prozent), Soziale Netzwerke (17 Prozent) und Videotelefonie (9 Prozent). Bei den Messengern wird überwiegend auf WhatsApp gesetzt: 25 Prozent der Lehrkräfte nutzen für den Elternkontakt WhatsApp, 4 Prozent nutzen andere Messenger. Bei 2 Prozent wird noch über das Hausaufgabenheft kommuniziert. „Digitale Technologien sind den klassischen Kommunikationsmitteln in vielerlei Hinsicht überlegen. Speziell auf die Bedürfnisse des Schulalltags zugeschnittene Anwendungen wie Lernplattformen können den Austausch zwischen Lehrkräften und Eltern stark vereinfachen und effektiver gestalten“, sagt Rohleder.

Beim Homeschooling musste die weit überwiegende Mehrheit der Eltern Erfahrungen mit technischen und anderen Problemen machen. Sieben von zehn (71 Prozent) hatten den Fall, dass die Lernplattform nicht erreichbar war. Vier von zehn (42 Prozent) hatten Probleme mit der häuslichen WLAN-Verbindung. Drei von zehn (31 Prozent) berichten von Problemen mit Software oder Apps, die nicht funktionierten. 28 Prozent klagen über eine unzureichende Bandbreite des heimischen Internetanschlusses. In jedem achten Haushalt (12 Prozent) fehlt es an Geräten, damit jedes Kind flexibel lernen kann. In jedem neunten (11 Prozent) wollte das Kind nicht am Online-Unterricht teilnehmen.

Nur 7 Prozent der Eltern hatten beim Homeschooling keines dieser Probleme. „Die auftretenden Probleme beim Ausrollen von Lernplattformen und der Verzicht auf den Einsatz bewährter Technologien haben das Homeschooling in den vergangenen Monaten ausgebremst“, sagt Rohleder. „Ein Hemmnis ist der fehlende Pragmatismus beim Datenschutz. Weltweit führende IT-Unternehmen investieren seit Jahren dreistellige Millionenbeträge in Systeme für die mobile Zusammenarbeit – und das lässt sich nicht einfach so nachbauen. In der Pandemie sollten marktübliche und leistungsfähige Systeme auch den Schulen zugänglich gemacht werden. Außerdem sollte der föderale Flickenteppich an Lernplattformen und -angeboten nun zügig in einer Nationalen Bildungsplattform gebündelt werden.“ Aktuelles Beispiel für eine überhitzte Debatte um Datenschutz: In Baden-Württemberg hat sich eine Initiative gegründet, die Schulen die Nutzung von Microsoft verbieten will, wie News4teachers berichtet.

In der Corona-Krise hat sich in Bezug auf die Digitalisierung der Schulen allerdings auch viel bewegt. Jeweils mehr als acht von zehn Eltern berichten, dass die Schüler nun Zugang zu einer zentralen Lernplattform haben (86 Prozent) und dass neuerdings ein Videokonferenztool für den Fernunterricht genutzt wird (84 Prozent). Auf der technischen Ebene wird zudem von zusätzlich angeschafften Endgeräten an den Schulen (25 Prozent), der Bereitstellung eines IT-Supports bei technischen Problemen durch die Schule (25 Prozent) und der Ausstattung der Lehrkräfte mit digitalen Endgeräten (23 Prozent) berichtet. Auch inhaltlich entwickelt sich der Unterrichtsalltag im Zuge der Pandemie weiter: 56 Prozent der Eltern geben an, dass die Schülerinnen und Schüler jetzt Dokumente in digitaler Form gemeinsam bearbeiten. Und 51 Prozent sagen, dass die Lehrkräfte mittlerweile wissen, wie sie digitale Medien pädagogisch in den Unterricht integrieren.

Ein Fünftel der Eltern wünscht sich Homeschooling auch nach der Pandemie

Die Digitalisierung der Schulen sollte nach Ansicht der großen Mehrheit der Eltern weiter entschieden vorangetrieben werden. Nahezu alle (96 Prozent) meinen, dass der Einsatz digitaler Technologien und Medien an allen Schulen Standard sein sollte. Neun von zehn (88 Prozent) sind überzeugt, dass jede Schule eine Lernpattform zur Verfügung stehen sollte. Acht von zehn (80 Prozent) wollen jede Schule in die Lage versetzt wissen, alle Schülerinnen und Schüler bis zu den Sommerferien per Homeschooling zu unterrichten. Homeschooling bis zum Ende der Pandemie zum neuen Normalzustand zu machen, befürworten 28 Prozent der Eltern. Und ein gutes Fünftel (22 Prozent) möchte, dass auch nach der Pandemie der Unterricht zumindest teilweise per Homeschooling stattfindet.

Auch bei den Unterrichtsinhalten sollten nach Ansicht der meisten Eltern mehr digitale Akzente gesetzt werden. Auf der Wunschliste ganz oben stehen verpflichtende regelmäßige Fortbildungen zu digitalem Unterricht für Lehrkräfte (95 Prozent). Neun von zehn Eltern (92 Prozent) fordern, dass digitale Kompetenzen im Schulunterricht einen höheren Stellenwert genießen sollten. Acht von zehn (83 Prozent) sind der Ansicht, dass Schulen den Kindern die Fähigkeit vermitteln sollten, sich sicher in Sozialen Netzwerken und im Internet zu bewegen. Und fast ebenso viele (79 Prozent) wollen, dass Informatik ab der 5. Klasse ein allgemeines Pflichtfach wird. Rohleder: „In der Corona-Pandemie wurde allgemein verstanden, dass digitale Technologien und Kompetenzen ein unverzichtbares Muss für alle sind.“ News4teachers

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7 KOMMENTARE

  1. Wenn Bitkom eine Studie zur Digitalisierung in Auftrag gibt, so ist das etwa so, wie wenn die katholische Kirche eine Studie zur Notwendigkeit von Religion in Auftrag gibt.
    Nebenbei: Wieviel tägliche Bildschirmzeit (schulische plus private) gilt eigentlich für Kinder als zuträglich? Gibt’s nicht sogar bei Arbeitsplätzen für Erwachsene Obergrenzen?

  2. Was sich mir nicht erschließt – vielleicht bin ich aber auch nur das Idealbild eines dummen Lehrers – ist, was über Haupt das ZIEL ist? Was soll Digitalisierung von Unterricht heißen?
    Jeder schreit (Politik, Gesellschaft), dass das große Ziel Digitalisierung ist. Das ist für mich eine Black Box. Soll es bedeuten, dass SuS besser mit Computer umgehen können? Dann muss das Fach Informatik erweitert und mehr Kollegen dafür ausgebildet werden. Aber mit Verlaub, dafür benötigen sicher keine 95% der Lehrer eine Fortbildung, denn mit Computern umgehen, damit am Ende ABs und Präsentationen, Smartboard-Dateien und andere Unterrichtsmaterialien vorhanden sind oder wir Mails schreiben oder kommunizieren können, konnte die überwiegende Mehrheit schon lange vor Corona.
    Oder heißt es, dass wir Lehrer Apps gestalten können, Videos drehen, kleine Motivationshappen, damit unsere SuS immer nur „Spaß“ am Lernen haben? Heißt Digitalisierung, dass Kinder ein Gerät anschalten und somit auch den Knopf in ihrem Kopf, dass Lernen wichtig und richtig ist und dies nur über Spaß funktioniert. Ich denke was deutlich geworden ist, dass Videokonferenzen – wenn sie nicht nur zum Hallo sagen, sondern arbeiten genutzt werde – und andere Materialien zum Lernen nicht dadurch motivierenden sind, nur weil die Kinder Computer oder Tablets nutzen. Schüler merken schnell, dass Lernen dennoch Arbeit bedeutet. Dinge lernen zu müssen, die einen keinen Spaß machen, ist ein großer Teil im Leben und wir entschuldigen uns schon fast bei den Schülern, wenn es auch mal anstrengt oder öde ist (das kleine Einmaleins ist nun mal eine Fleißaufgabe, da kommt man nicht drumherum, aber auch blinkende Monitore machen aus 7 mal 8 nun mal nur 56). In was sollen wir uns also weiterbilden? Was möchten die Eltern von uns, die dies fordern? Warum muss ich mir seit Jahren anhören, dass XY über WhatsApp irgendwas nicht hinbekommt, die Inhalte von Klassengruppen unschön sind, werde dann aber schief angeschaut, wenn ich sage: „Ihr Kind ist 11 Jahre, WhatsApp ist für dieses Alter nicht zulässig. Wir machen Stunden zum sozislen Umgang miteinander – auch über den mit Soziale Medien -, aber ich kann die Handys nicht checken (sehe ich auch nicht als meine Aufgabe). Ich selbst nutze es nur mit wenigen Menschen privat und werde sicher nicht in Klassengruppen „mitlesen“. Sie können und müssen mit Ihren Kindern die Inhalte und Nutzung der Handys regeln und SIE haben sich bewusst dazu entschieden bei der Anmeldung das Alter IHRES Kindes falsch anzugeben, denn sonst könnte es WhatsApp nicht nutzen.“?
    Auch Politiker schreien nach Digitalisierung. Aber auch bei ihnen scheint nur der Begriff selbst das Ziel. Eine gewaltige Blase unter der sich jeder alles vorstellen kann aber keiner definiert was es für Schule und Unterricht heißt.
    Geht es darum, dass jeder Haushalt Internet hat? Dazu brauchen wir Lehrer keine Fortbildung. Dass jeder mit einem Computer umgehen kann –> KC von Informatik anpassen oder nich ein weiteres Schulfach bilden, aber nicht verlangen, dass alle Lehrer es noch irgendwie irgendwo zusätzlich reinpressen, oder eben KCs so anpassen, dass es SINNVOLL in mehreren Fächern verankert ist. Aber egal wie man es dreht und wendet… auch dann muss klar sein WAS genau erreicht werden soll.
    In Mathe sagt mir auch keiner, dass ich irgendwas mit Zahlen oder in Bio, dass ich irgendwas mit Tieren machen soll, aber bitte motivierend, Spaß machend und alle Schüler erreichend.
    Was mich stört. Denken findet im Kopf statt. Denken ist anstrengend und macht nicht nur Spaß. Warum sind nicht alle ehrlich zu Kindern? Wenn sie was gut machen, dann lobt man, wenn sie was hinschmieren, dann feiert man es nicht, sondern fordert sie auf sich doch mehr anzustrengen und „verkauft“ diese Digitalisierung nicht als Wunderwaffe für Spaß und gute Laune. Bitte nicht falsch verstehen, ich bin nicht dagegen sinnvolle digitale Materialien zu nutzen, aber ich möchte auch nicht ewig hören, dass die Miesere der Bildubg daran liegt, dass Lehrer keinen Plan von Digitalisierung haben und sich dagegen weigern „modernen Unterricht“ zu machen. Aber fragt man jemanden was es genau heißt, dann kommt halt nur… „Ähm… ja, also… da gibt es den Herrn So und So der ist nicht mal über Mail erreichbar… oder… ähm… ja, dass AB von Frau So und So konnte man nicht ausdrucken… und so. Aber Sie haben ja nun als Lehrer bald alle Computer, dann wird es ja besser.“ „Hmmm… Computer haben wir schon seit Jahren. Was ich mit den Tablet, wenn es denn mal kommt, zusätzlich mehr machen kann als mit meinem eigenen… das schauen wir dann…“

    • Sehr guter Kommentar, danke. Das frage ich mich auch alles! Klar müssen die Kinder von heute mit digitalen Medien in Berührung kommen, aber ob man deshalb die Schule digitalisieren muss, ist für mich mehr als fragwürdig! Im Gegenteil, die Kinder schreiben und lesen viel zu wenig (alte Medien, wie Bücher, sind weiterhin wichtig!), außerdem sind viele Kinder viel zu abgelenkt von dem Overload an Möglichkeiten (Apps, Chats, Spiele, Challenges…). Ich als Lehrerin und Mutter sehe das skeptisch und sehe kaum Vorteile in der „Digitalisierung der Schule“ (wenngleich ich mich nicht schwertue mit allen möglichen Tools umzugehen und den DU usw. ohne Fortbildungen hinbekomme), allenfalls Modernisierung durch gelegentliche Einbindung digitaler Medien.

  3. Das ist das Schlamassel, das uns Corona eingebrockt hat. Jetzt meinen manche Eltern sich überall und jederzeit einmischen zu können. Schon vor Corona gab es die Mutter/ den Vater, der mind. zwei E-Mails pro Woche schrieb, aber jetzt sind es mind. 5pro Klasse, Tendenz steigend.
    Corona hat aus Eltern Pseudolehrkräfte gemacht, die meinen mitreden zu können. Nein, noch viel mehr… Jetzt denken manche Eltern, es besser zu wissen und der Lehrkraft zu sagen, wie es richtig geht.

    Meiner Meinung nach müssen Lehrkräfte ganz schnell lernen sich abzugrenzen. Back to the roots. Wir arbeiten seit über einem Jahr am Anschlag und keiner honoriert es. Wir sollten mal langsam lernen runterzufahren, sonst enden wir alle im Burnout.
    Jammerkurs? Nein! Ernstgemeinte Warnung.

  4. Ich bin keine Lehrerin. Was die Digitalisierung speziell der Schulen betrifft, kann ich deshalb wenig sagen. Aber insgesamt betrachte ich den zunehmenden Digitalisierungshype in unserer Gesellschaft mit großer Skepsis. Menschen, die, aus welchen Gründen auch immer, diesem Hype nicht folgen wollen oder es sich nicht leisten können, werden mehr und mehr abgehängt.
    Ich frage mich immer, ob ich inzwischen die einzige bin, dem digitalen „Fortschritt“ so skeptisch gegenüber steht. Das Funktionieren und Überleben unserer Gesellschaft ist komplett von einer Technik abhängig,
    von der ich oft den Eindruck habe, daß nicht wir sie, sondern sie uns im Griff hat. Solange wir in einer netten, freundlichen Demokratie leben, mag das für die meisten kein Problem sein. Aber niemand weiß, ob das ewig so bleibt.
    Wenn ich in Länder wie China oder die Tütkei schaue, dann beunruhigt mich der Gedanke, daß wir inzwischen komplett überwach – und durchschaubar sind, schon.
    Durch Corona erfährt der Digitalisierungswahn einen weiteren kräftigen Schub. Mit dem Argument des Infektionsschutzes wird jetzt in allen Lebensbereichen auf noch mehr Digitalisierung gesetzt. Und keinet hinterfragt das mehr. Alle, die da nicht mehr folgen wollen oder können werden zunehmend ausgeschlossen. Die Jüngeren, die Schlaueren und die Reicheren kommen mit. Die Älteren, die weniger Gebildeten, die Ärmeren oder auch einfach nur die Skeptischen, Kritischen gehören automatisch zu den Abgehängten. Mir macht das Angst. Ich will in keiner durchdigitalisierten Welt leben.

  5. @Lehrer brauchen wohl ne Fortbildung für alles:
    Prima auf den Punkt gebracht!
    Der einzige Zusatz dazu von mir: Dann hat man digital Inhalte für das Homeschooling aufbereitet, hat es auf einer Plattform zur Verfügung gestellt und nur 1/3 der Klasse hat einem Blick drauf geworfen. Davon wiederum nur 2 Schüler den Inhalt auch bearbeitet.
    Oder: Man bietet eine Videokonferenz an für 28 Schüler, es kommen davon nur 14 (dem Rest müsste man nach telefonieren), von den 14 arbeiten 3 aktiv mit. Der Rest macht bei ausgeschalteter Kamera etwas anderes, spielt Musik ein, erzeugt lustige Geräusche etc.
    In der Schule haben wir inzwischen zwar Internetzugang (sehr schwankend) sowie Ipads, doch seit einem Jahr keine Kinder.

  6. Zitat:
    „Auf der Wunschliste ganz oben stehen verpflichtende regelmäßige Fortbildungen zu digitalem Unterricht für Lehrkräfte (95 Prozent).“

    Was nützen die schönsten Fortbildungen, wenn es dann keine Geräte, keine entsprechende Software kein WLan, usw. an der Schule gibt? Wozu sollten sich Lehrkräfte an solchen Schulen fortbilden?
    Der Distanzunterricht funktioniert NUR deshalb, weil fast ALLE Lehrkräfte mit privaten Geräten arbeiten. Würden Lehrkräfte auf die Arbeitsgeräte zurückgreifen müssen, die ihnen vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt werden, müssten sie Arbeitsblätter kopieren und per Post oder Fax verschicken.
    Da könnte Bitcom doch einmal einen Aufruf unter ihren Mitgliedern machen, für kostenlosen Support von Schulen zur Verfügung zu stehen, oder kostenlos die Schulen aufzurüsten.

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