Schulöffnungen! Bundeselternrat schimpft: «Jedes Bundesland macht schon wieder, was es will»

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BERLIN. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz liegt inzwischen deutlich unter 50, nur wenige Regionen liegen noch darüber. Viele Bundesländer kehren zum Regelunterricht mit voller Klassenstärke zurück – allerdings nach eigenen Regeln. Der Bundeselternrat kritisiert das scharf.

In vielen Bundesländern gibt es nun wieder Präsenzunterricht für alle Schüler. Foto: Shutterstock

Die Corona-Zahlen sinken, die Zeit des Distanz- und Wechselunterrichts ist vielerorts vorbei: Immer mehr Bundesländer kehren zum Regelbetrieb in den Schulen zurück. Dazu zählt das bevölkerungsreichste Land Nordrhein-Westfalen, wo die Schulen an diesem Montag flächendeckend wieder mit Präsenzunterricht starten. Voraussetzung ist, dass die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen unter 100 liegt. Dies war am Freitag in allen Kommunen der Fall. Die Masken- und Testpflicht gilt aber weiterhin.

Auch Länder wie Niedersachsen, das Saarland oder Hamburg kehren zu Wochenbeginn weitgehend zum Normalbetrieb mit ganzen Klassen zurück. In Brandenburg gilt das zunächst nur für die Grundschulen. Einzige Ausnahme ist die Stadt Brandenburg/Havel, wo die Zahlen noch zu hoch sind. In einer Woche sollen auch die weiterführenden Schulen folgen. Stufenpläne gibt es auch anderswo. In Mecklenburg-Vorpommern, dem Land mit der bundesweit geringsten Inzidenz, sind die Schülerinnen und Schüler schon am Donnerstag in die Klassen zurückgekehrt.

Berlin dagegen will bis zu den Sommerferien (Beginn 24. Juni) am Wechselunterricht festhalten. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte zuletzt darauf verwiesen, dass in der Hauptstadt die Inzidenz unter Schülern höher sei als im Durchschnitt, das könne man nicht wegdiskutieren. Auch Rheinland-Pfalz lässt sich noch etwas Zeit. Dort stehen nach dem Ende der Pfingstferien in einer Woche noch zwei Wochen Wechselunterricht auf dem Stundenplan, bevor es für alle ins Klassenzimmer zurückgeht.

Auch in Süddeutschland sind noch Pfingstferien. In Bayern ist danach (ab 7.6.) bei stabilen Inzidenzen unter 50 überall Präsenzunterricht ohne Abstand geplant. Vor den Pfingstferien gab es das nur an Grundschulen und Teilen von Förderschulen. In Baden-Württemberg sollen nach den Ferien zumindest Grundschulen sowie die Grundstufen der Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren zum Präsenzunterricht zurückkehren, sofern die Inzidenzen zwischen 50 und 100 liegen. Ab dem 11. Juni soll dies auch für alle Schüler von Klasse fünf gelten, die derzeit noch im Wechselunterricht sind.

Der Bundeselternrat kritisierte die unterschiedliche Marschroute der Länder. «Es ist wie seit Ausbruch der Pandemie: Jedes Bundesland macht, was es will», sagte die Vorsitzende Sabrina Wetzel dem «Handelsblatt». «Wir fordern auch bei den Öffnungen eine einheitliche Linie.» Für Eltern seien die unterschiedlichen Regelungen nicht nachvollziehbar. Und: «Es ist auch ungerecht den Kindern gegenüber.» (dpa)

Bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz unter 50 – War es das mit der Corona-Krise?

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16 KOMMENTARE

  1. In Sachsen auch. Der Nachbarsjunge hat grad berichtet, er ist nicht sehr begeistert mit Maske in vollen Klassenzimmer zu sitzen. Er fand den Wechselunterricht/Distanzunterricht besser.

    Naja, Hoffen wir dass die Zahlen nicht gleich wieder hoch schießen.

  2. Angemessene Schutzmaßnahmen? Fehlanzeige. Mit genau diesem Vorgehen wurde schon die zweite und die dritte Welle provoziert. Mit welcher Begründung hofft man, dass es dieses Mal anders ausgehen wird?

    Wir haben nun so lange durchgehalten. Ein paar Monate noch, dann hatte jeder, der geimpft werden möchte, eine Chance, auch geimpft zu werden. Ist es wirklich nötig, jetzt noch eine Welle von Toten und LongCovid-Fällen zu produzieren?

    Sollte man nicht spätestens jetzt auch über den Herbst nachdenken und überlegen, wie man dann mit den immer noch ungeimpften (und noch nicht impfbaren) Grundschülern SICHEREN Unterricht macht? Inzwischen sollte der letzte verstanden haben, dass „Augen zu und durch“ nicht funktioniert.

    • Die Hoffnung kannst du aufgeben, was ändern?-was ist das???
      Es wird weiter laufen wie bisher, Gesundheitsschutz kennen die nicht. Es ist wirklich mehr als armselig, immer und immer die selben Fehler. Eltern sollten sich zusammen tun und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen, wenn es sein muss auch auf dem Rechtsweg, obwohl da habe ich auch langsam Zweifel an unserer Justiz. Was steht noch mal im Grundgesetz?
      Ich habe die Schn…voll- wie es unser Ministerpräsident einmal formulierte, ja aber genau von den Entscheidungen oder nicht Entscheidungen von den oben. Ich bin auch für Prävention (Herbst z.b.), aber KM und MP machen erst mal schön Urlaub und sind nach dem Sommer dann wieder überrascht das schon wieder Herbst ist. Bei uns ist heute hier Aufbruchstimmung alles voll überall, sind wir schon aus der Pandemie raus? Habe ich das verschlafen?

  3. Der Bundeselterrat hat sich bislang – abgesehen von Bundeselternsprecher a.D. Stephan Wassmuth und einigen Landesdelegierten – nicht besonders für Corona-Schutzmaßnahmen eingesetzt.

    Eine gute Zusammenfassung der aktuellen Covid-19-Lage sowie zu Kinder-Impfungen findet sich auf der Website der Harvard Medical School. Hier finden man Argumente für und wider Impfungen sowie zur Infektionsprävention in Schulen. Schade, dass eine deutsche Universität so etwas (bislang) nicht hinbekommen hat:
    https://www.health.harvard.edu/diseases-and-conditions/coronavirus-outbreak-and-kids.

    Hier heißt es:
    „The guidelines prioritize five key mitigation strategies, which, when layered together, should minimize the spread of COVID-19 in schools:

    universal, correct use of masks that cover the mouth and nose
    physical distancing
    frequent hand washing
    cleaning high-touch surfaces and maintaining healthy facilities
    contact tracing, in combination with isolation and quarantine.“

    In Deutschland werden nun in vielen Bundesländern die Punkte 1-4 fallen gelassen. Wir werden sehen, wohin das führt.

    Ansonsten setzen die USA auf Impfungen für Jugendliche. Hätte Biontech nicht mit Pfizer kooperiert, gäbe es vermutlich immer noch keinen zugelassenen Impfstoff aus Deutschland.

    • Eine SEHR SEHR gute Frage, die ich mir schon über ein Jahr stelle …. 🙁
      In NRW ist man leider mit am schlechtesten getroffen, wenn man schulpflichtige Kinder hat: die ersten die komplett öffnen, und die ersten die knapp unter 100er Inzidenz auch den Wechselunterricht über Board werden?!?!?!
      Laschet & Gebauer haben maßlos versagt, wie mit Eltern & Schülern in der Pandemie umgegangen wird, sie wurden regelrecht entmündigt…

  4. In Hessen sind Schüler aus Abschlussklassen exakt vom 16.12.-18.12.2020 also d r e i Tage im Homeshooling gewesen. Sonst täglich von Montag bis Freitag mit vollem Stundenplan, ohne Luftfilter oder sonstige Infektionsschutzmassnahmen, außer Masken (Alibi), keine Plexiglastrennwände usw., usw….
    Gerade in dieser Gruppe 15-19 Jahre hohe Inzidenz, das nenne ich doch mal Fürsorgepflicht von Seiten KM Lorz und MP von Hessen. (War ironisch gemeint)
    Es ist einfach zum kotzen!!!!!
    Sowas wie online oder Wechselunterricht kenne ich als Mutter nicht. Man hat den Eindruck, das Gesundheit keine Rolle hier spielt. Einfach jämmerlich!!!!

    • In Bbg sind Abschlussklassen nie im homeschooling gewesen, höchstens einzelne Schüler Quarantäne bedingt. Bei uns waren also mindestens 250 SuS immer da, egal welche Inzidenz.

    • Hätte nicht gedacht, das es noch eine Steigerung gibt. Wie gesagt: vorsätzliche Gefährdung der Gesundheit und in Kauf nahme (oder so ähnlich) das Schüler, Eltern und Angehörige im hohen Alter mit schweren Vorerkrankungen sich infizieren, gleichgültiger geht es schon nicht mehr.

  5. Ob unsere „Oberen“ bei der nun dritten fast vorhersagbaren Welle, wenn die Schulen unter den vorgesehenen Bedingungen geöffnet haben, endlich kapieren werden, wie „der Hase läuft“? Ich unke nur sehr ungern, aber ich denke in etwa drei Wochen dürfte es wieder so weit sein, dass der Knick in der Kurve wieder nach oben geht und die Inzidenzen steigen, weil weder die Kinder noch deren Eltern schwerpunktmäßig geimpft wurden. Dazu kommen die Auswirkungen der Ferienreisenden.
    Kann das keiner „da Oben“ verstehen? Kann keiner den berufenen und kompetenten Stellen wie dem RKI Beachtung schenken? Muss es immer wieder heißen „The same procedure as …last time“?

  6. Ich möchte hier einen User, Adeo60, aus einem anderen forum zitieren, weil ich wirklich lachen musste und ihr könnt es auch gebrauchen :

    „Wer nach allen Seiten öffnet kann meiner Meinung nach nicht ganz dicht sein.“

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