Kultusministerin hält das für normal: Nach dem Referendariat erst einmal arbeitslos

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STUTTGART. Ausbildung fertig, dann erstmal sechs Wochen arbeitslos. Für junge Lehrkräfte ist das ein Ärgernis – schon lange. Doch auch die neue grüne Kultusministerin von Baden-Württemberg will an dieser Praxis nichts ändern. Bei Aushilfslehrern sieht das etwas anders aus.

Nach dem Referendariat – erst mal in die Arbeitslosigkeit. Foto: Shutterstock

Die neue Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) will an der Praxis festhalten, junge Lehrkräfte nach ihrem Referendariat in unbezahlte Sommerferien zu schicken. Die Ausbildung sei mit Ende des Vorbereitungsdienstes abgeschlossen, die Einstellung zum neuen Schuljahr erfolge davon unabhängig zum einheitlichen Termin im September, sagte ein Ministeriumssprecher auf Anfrage in Stuttgart. «Das ist ein regulärer Vorgang, der sich beim Referendariat für Juristen und bei zahlreichen anderen Berufsgruppen genauso verhält.»

Die Praxis sorgt immer wieder für Kritik von Lehrergewerkschaften und der Opposition. Mit einer Reform könne man dringend benötigte Lehrkräfte für den Schuldienst sichern und ihr Abwandern verhindern, wird argumentiert. „Das halte ich für eine Riesensauerei und übrigens auch für dumm“, sagte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) bereits 2019. „Wir haben einen enormen Lehrermangel, Bundesländer jagen sich gegenseitig das Personal ab.“ Der damalige Unionsfraktinschef Volker Kauder befand schon 2017: Wenn Lehrer schlechte Bedingungen vorfänden, würden sie abgeschreckt, anstatt sie für den Beruf zu begeistern. Gute Lehrer werde man nur finden, wenn der Staat fair mit ihnen umgehe, sagte Kauder der Zeitung. «Und da ist es nicht akzeptabel, dass junge Lehrerinnen und Lehrer sehr oft mit Beginn der Sommerferien in die Arbeitslosigkeit entlassen werden und erst im neuen Schuljahr wieder angestellt werden.»

Junglehrerinnen und Junglehrer haben wegen des hohen Bedarfs an Lehrkräften eine «sehr sichere und dauerhafte berufliche Perspektive»

Schon Schoppers Vorgängerin Susanne Eisenmann (CDU) hatte es aber mit Hinweis auf die Kosten abgelehnt, das Verfahren zu ändern. Das Kultusministerium verwies nun darauf, dass die große Mehrheit der Junglehrerinnen und Junglehrer wegen des hohen Bedarfs an Lehrkräften eine «sehr sichere und dauerhafte berufliche Perspektive» hätten. Wenn sich die Referendarinnen und Referendare dafür entschieden, an den Lernbrücken in den Sommerferien teilzunehmen, sei es in diesem wie im vergangenen Jahr möglich, schon zum 31. August in den Schuldienst übernommen zu werden.

Bei den etwa 3500 Aushilfslehrkräften will sich das Land dagegen bemühen, zumindest einen Teil von ihnen künftig auch über die Sommerferien zu bezahlen. Im grün-schwarzen Koalitionsvertrag ist vereinbart, dass zielorientiert geprüft werden soll, wie Lehrkräfte mit einem befristeten Vertrag, der bis zum jeweiligen Ende des Kalenderjahres geschlossen wurde, «in den folgenden Sommerferien weiterbezahlt werden können, sofern sie nach den Sommerferien wieder eingestellt werden».

Bei den Aushilfen handelt es sich um pensionierte Lehrerinnen und Lehrer, Menschen ohne ordentliche Lehramtsausbildung oder Lehrkräfte, die bewusst nur eine befristete Stelle gewählt haben, etwa weil diese ihrem Ortswunsch nicht entsprach, erläuterte das Ministerium. Die Hilfslehrer mit befristeten Verträgen werden gebraucht, um Ausfälle durch Krankheit oder Schwangerschaft auszugleichen. Im Schuljahr 2019/2020 habe das Ministerium ein Programm gestartet, mit dem die Verträge von Menschen ohne anerkannte Lehramtsausbildung entfristet wurden, wenn diese schon mehrere Jahre erfolgreich gearbeitet haben. So seien mehr als 80 Lehrkräfte übernommen worden. Das Programm werde auch in diesem Jahr fortgesetzt. News4teachers / mit Material der dpa

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26 KOMMENTARE

  1. Frau Theresa Schopper führt eine Methode weiter die Menschenunwürdig und ein Armutszeugnis ist, wie mit den Referendaren umgegangen wird. Die Referendare haben in der Corna-Zeit außergewöhnliches geleistet und die Schulen in allem unterstützt und mitgetragen in dieser außergewöhnlichen Zeit.
    Frau Eisenmann hat eisern an Dingen festgehalten und Frau Schopper ist ebenfalls nicht bereit einen neuen Weg einzuschlagen. Keiner der Referendare kann man dazu verpflichten an der Sommerschule teilzunehmen. Frau Schopper die Sommerschule als Zuckerstück unter den Referendaren zu verteilen finde, ich absolut geschmacklos. Jeder an der Schule ob Schulleitungen, Lehrer, Referendare haben Ihre Auszeeit verdient. Die Bedingungen sind für Referendare sehr erschwert und jeder braucht ein Einkommen um seine Lebensunterhaltungskosten bezahlen zu können. Die Zuckerstücke sind für mich eine Erpressung und Ausbeutung von unterster Schublade. Frau Schopper es beginnen in BW bald die Sommerferien auch die Zuckerstücke für Lernförderung im neum Schuljahr für G8 Schüler in BW eine reine Augenwischerei. Sie haben für viele Schüler in allen sozialen Schichten für keine Lösungen beigetragen und ein tragendes Konzept geschaffen. Auf der Bildfläche sieht man Sie nicht und Verantwortung für bessere Bedingungen für alle Schularten haben Sie nicht geschaffen.

  2. Laufbahnrechtlich ist mit dem Bestehen oder dem entgültigen Nicht-Bestehen des 2. StEx der Vorbereitungsdienst beendet. Bei lehramtsanwärter*innen und Lehramtsreferendar*innen ist das Ende anders geregelt, das Dienstverhältnis endet am Ende des jeweiligen Schulhalbjahres.
    Wobei angemerkt werden muss, dass während des Vorbereitungsdienstes das Studienseminar als AG fungiert. Und die zeit an diesem ist definitiv beendet und ein neues Beschäftigungsverhältnis beginnt an anderer Stelle.

    Die Besonderheit in BaWü ist ja die Form der Anstellung während des Vorbereitungsdienstes als versicherungspflichtiger Arbeitnehmer, der Sozialabgaben an die Arbeitslosenversicherung abführen muss und somit Anspruch auf das ALGI hat. Zumindest bei den rechtsreferendaren ist das in BaWü so.

    • Bei den Lehramtsanwärtern ist das anders. Sie sind für die Zeit des Vorbereitungsdienstes verbeamtet und bekommen daher am Ende auch kein Hartz 4.

      • Hartz 4 ist ALG II und das steht den Anwärtern, deren Vorbereitungsdienst ja von vornherein befristet gewesen ist, auf Antrag zu.
        Etwas vollkommen anderes sind befristete Lehrereinstellungen über die Dauer eines Schuljahres, die mit dem Tag der Zeugnisausgabe enden. Die so gekündigten erfüllen die Voraussetzungen zum Bezug von ALG I in der Regel nicht, da sie keine 12 Monate fortlaufend beschäftigt gewesen sind, weshalb sie ebenfalls bei ALG II landen.

        Das Problem beim ALG II-Bezug ist, dass das Haushaltseinkommen zugrunde gelegt wird, also das Eikommen eines Lebenspartners bei der Berechnung mit herangezogen wird

  3. „Die neue Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) will an der Praxis festhalten, junge Lehrkräfte nach ihrem Referendariat in unbezahlte Sommerferien zu schicken. Die Ausbildung sei mit Ende des Vorbereitungsdienstes abgeschlossen, die Einstellung zum neuen Schuljahr erfolge davon unabhängig zum einheitlichen Termin im September, sagte ein Ministeriumssprecher auf Anfrage in Stuttgart.“

    Das erscheint mir allerdings etwas merkwürdig zu sein und ist definitiv nicht in jedem Bundesland so, denn schließlich werden diejenigen, die ihr Referendariat abgeschlossen haben, in den Sommerferien bereits als Beamte auf Probe eingestellt und entsprechend auch bezahlt (geht ja eigentlich auch nicht später, weil sie ja direkt nach den Ferien unterrichten sollen) – wahrscheinlich auch um noch einen kurzfristigen Wechsel in andere Bundesländer zu verhindern und um Planungssicherheit (bei der Besetzung von Stellen) zu haben (eine Verbeamtung ist ja ein gültiger Vertrag aus dem man nicht einfach wieder herauskommt).

    B-W scheint da seinen eigenen Weg zu gehen.

  4. Tja, die Kultusminister glauben auch, dass es demnächst überhaupt noch Lehrer gibt. Ein Zeichen von Ignoranz und Dummheit.

  5. Manchmal überlege ich ganz heimlich so bei mir:
    Hätten die Lehrer ein Streikrecht, hm, wie wären die letzen 15-20 Jahre verlaufen und wie die letzten 15 Monate?

  6. So eine Kultusministerin braucht ja wohl kein Mensch. Arme KollegInnen in BW. Arbeitet sie überhaupt? Sie weigert sich, Gelder für ausreichende Lehrerstellen beim Finanzminister auszuhandeln, sie weigert sich, unvorteilhafte Einstellungspraktiken im Kampf gegen den Lehrermangel zu reformieren, sie weigert sich die Grundschullehrkräfte nach A13 zu besolden. Das grenzt ja fast an Arbeitsverweigerung!

  7. Es zeigt doch eigentlich nur,mit was man die Grünen identifizieren muss – weltfremd – schulpolitisch dumm – beratungsresistent – bildungsfern – gute Nacht Deutschland wenn diese Ökodiktoren bundesweit an die Macht kommen sollten.

  8. Oh man, Schopper, erst so kurz im Amt und schon so unbeliebt! Manche Menschen sind halt einfach Verlierertypen…

  9. In Berlin geht das Schuljahr offiziell vom 01.08.-31.07., zumindest für Zu- und Abgänge der S*S. Warum diese Daten nicht auch für die Dienstverhältnisse hernehmen?

    • Genau das wird in B-W ja näherungsweise gemacht. Nur ist der erste Schultag des nächsten Schuljahres eben erst der 12. September, und erst ab diesem Datum laufen die neuen Verträge.
      Es ist dem Land ja auch nicht zuzumuten, befristete Lehrkräfte schon in den Sommerferien zu bezahlen. Jedenfalls nicht, wenn man Schwabe und deshalb schwäbisch sparsam ist. >Ironie aus>

  10. Der einzige Vorteil ist: Man kann so problemlos in den Sommerferien das Bundesland wechseln. Leider hat BaWü sehr spät Ferien. Aber andere Bundesländer nehmen fertig ausgebildete Lehrer mit Kusshand.

  11. In Bayern, dem Bundesland, aus dem Frau Schopper stammt, geht es doch auch, dass die Refs, die eine Planstelle bekommen, nahtlos beschäftigt werden. Auch Aushilfsnehmer mit Anschlussvertrag werden ohne Lücke weiterbezahlt.

  12. Ja, die zukünftige Stelle ist derzeit vielleicht sicher…aber in den meisten Fällen nicht direkt vor Ort! In den sechs unbezahlten (!!!) Wochen muss man also eine neue Wohnung finden und bezahlen , natürlich auch Kaution hinterlegen, und einen Umzug organisieren ( auch meistens nicht für umme).
    Je nach ( zukünftigem) Wohn- und Arbeitsort benötigt man ein Auto und ebenfalls nicht kostenloses Benzin.
    Achja, was zu essen wäre in der Zeit auch nicht schlecht…
    Wer da keine Unterstützung durch Verwandte und Bekannte hat: Pech gehabt!
    Nach Studium und Referendariat hat man nämlich eher selbst Schulden als ein gut gefülltes Konto …
    Und als Warnung an alle zukünftigen Lehrer in BW:
    Die erste Gehaltszahlung lässt dann nach eigener Erfahrung auch eine Weile auf sich warten…
    ( Überlegt es euch also bitte nochmal gut!!!)

  13. Warum soll es Lehramtsanwärtern und Referendaren anders ergehen als den Anwärtern und referendaren in anderen Bereichen der öffentlichen Verwaltungen?

    Wenn in BaWü das Schuljahr zu Ende ist und somit das „Ausbildungsverhältnis“ aka der Vorbereitungsdienst, dann beginnt z.B. in MV das neue Schuljahr. – Und auch die suchen Lehrkräfte. Ja, auch andere Arbeitnehmer müssen für eine attraktive Stelle ihren lebensmittelpunkt ändern und für den Job umziehen.

    • Was heißt hier attraktive Stelle? Man ist doch froh, wenn man überhaupt erstmal was bekommt. Wenn Lehrerüberschuss ansteht, dann wird man gerne durch das ganze Bundesland geschickt, jedes halbe Jahr an einer anderen Schule, immer auf Zimmersuche, und nach dem Ref. nur Angestelltenverträge ohne Ferien, und das über Jahre!!! Irgendwann schmeißt man das Handtuch, das ist Sinn und Zweck dieser Schikane. Bei Lehrermangel nimmt man wieder jeden, und das ist etwas, was einfach nicht in Ordnung ist. Man kommt sich immer wie der Fußabtreter des Kultusministeriums vor. Ich kenne diese Vorgehensweise nicht aus anderen Bereichen des öffentlichen Dienstes, wer ausgebildet wird, wird auch genommen. Es gibt immer Alternativen. Die werden den Lehrern nie geboten.

      • Ich sprach ja auch in Bezug auf „attraktive Stellenangebote“ von anderen Arbeitnehmern und nicht vom Bildungsbereich.

        Immerhin ist doch erfreulich, dass die Länder die Zeitarbeitsverträge für jeweils mindestens 46 Wochen selbst vergeben und nicht das personal bei Zeitarbeitsfirmen ausleihen …

        btw die den potentiellen Lehrkräften zur Verfügung stehende Alternative direkt nach dem hochschulischen respektive dem staatlichen Examen ein Stellenangebot außerhalb des Bildungsbereiches im Zuständigkeitsbereich eines KuMis anzunehmen. Wer so blöd war, sich für ein lehramtsstudium zu entscheiden, muss eben am Ende der Ausbildung die Weichen neu stellen. Also erst einmal etwas Anderes studieren, Und wenn es unbedingt sein muss, die Länder suchen immer Seiteneinsteiger. Aber bei dieser Variante hat man deutlich mehr Optionen der Leibeigenschaft zu entgehen.

  14. Also, mein Ref endete damals 9 Tage vor Weihnachten. Das hat schon zu der Zeit niemanden interessiert. Meine Festanstellung hatte ich übrigens erst 1,5 Jahre später, bis dahin gab es immer nur Vertretungsstellen, bei den Ferien ganz „selbstverständlich“ nicht bezahlt wurden. Heutige Referendare haben oft schon den Festvertrag, bevor sie die Prüfung überhaupt absolviert haben.

  15. Es wäre auch sehr interessant, wenn man mehr über die Aushilfslehrkräften erfahren würde: „Bei den etwa 3500 Aushilfslehrkräften will sich das Land dagegen bemühen, zumindest einen Teil von ihnen künftig auch über die Sommerferien zu bezahlen.“ Das sind ja eine ganze Menge.

  16. Ich finde es persönlich diesen Umgang sehr grenzwertig. Das hat meines Erachtens etwas mit Wertschätzung meines (wenn auch zukünftigen Personals) zu tun. Schließlich wird auch von den Referndaren erwartet, dass sie bis zum Ende arbeiten. Während die einen in ihren bezahlten Jahresurlaub gehen, (natürlich nur drei Wochen und dann geht es mit der Vorbereitung auf das neue Schuljahr weiter), wird es bei den zukünfitigen LK einfach einspart.
    Aber die können sich ja nicht wehren, denn sonst bekommen sie ja keinen neue Stelle im Herbst.

  17. Mein Gott, nach dem Ref. in die Planstelle- ob daheim oder in einem anderen Bundesland- da kann man in den Sommerferien dazwischen jobben, sparen- whatever.
    Das war bei uns vor fast 30 Jahren auch schon so. Und wir mussten seinerzeit noch mehrere Zehntausende BaföG-Schulden zurückzahlen.

  18. Es geht auch anders: In Schleswig-Holstein hört das Referendariat grundsätzlich am 31.7. auf und das neue Schuljahr beginn am 1.8.

    • Eben!
      Die Landesregierung erwartet schließlich auch, dass die angehenden Kollegen bereits an den Planungskonferenzen des neuen Schuljahres teilnehmen, sich in die neuen Strukturen einarbeiten, das Kollegium kennenlernen, Klassenlisten anlegen, Stoffverteilungspläne vorbereiten,… Die Aufgabenliste ist endlos und in der letzten Ferienwoche bin ich fast jeden Tag an der Schule! All dies machen die neuen Kollegen in ihrer unbezahlten Freizeit – das ist nicht fair. Wenn die Landesregierung will, dass es am 1. Schultag reibungslos läuft, muss sie eben auch Zeit zur Vorbereitung „bereitstellen“.

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