Zeugnisse nach Corona-Schuljahr: Maßstab wie immer? VBE widerspricht

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DÜSSELDORF. Dieses Schuljahr war heftig für Schüler, Lehrer und Eltern. Wie sieht es aus mit Noten nach Distanzunterricht? Die Kriterien orientierten sich nur am klassischen Unterricht, rügt die Landesschülervertretung Nordrhein-Westfalen. Der Lehrerverband VBE ist da etwas anderer Meinung.

Geben Noten tatsächlich ein objektives Leistungsniveau wieder? Illustration: pixabay
Nach welchen Kriterien werden in diesem Jahr die Zeugnisnoten vergeben? Illustration: pixabay

Die Vertretung der Schüler und Schülerinnen in Nordrhein-Westfalen hat die Zeugnis-Praxis nach dem Corona-Schuljahr als nicht aussagekräftig kritisiert. «Die Bewertungskriterien sind alle auf Präsenzunterricht ausgerichtet», sagte Xueling Zhou, Mitglied im Landesvorstand der Landesschülervertretung (LSV), vor der Ausgabe der Zeugnisse zum Ende Schuljahres. Deren Bewertung liege aber der Distanzunterricht zugrunde, erläuterte die Kölner Gymnasiastin. Freitag ist der letzte Schultag.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) NRW in Dortmund erklärte, die Messung und Bewertung der Leistung sei stets eine der schwierigsten Aufgaben der Lehrkräfte und nach einem solchen Schuljahr eine besondere Herausforderung. Aber: «Auch im Distanz- und Wechselunterricht können Lern- und Leistungsfortschritte durch die Lehrkräfte beobachtet und bewertet werden», sagte der VBE-Landesvorsitzende Stefan Behlau.

Die außergewöhnlichen Leistungen der Kinder und Jugendlichen würden durch die Lehrer berücksichtigt, meinte der Chef des Lehrerverbandes. «Denn neben dem pädagogischen Personal in den Schulen waren es die Schülerinnen und Schüler, die besondere Leistungen in diesem Schuljahr gezeigt haben»

Die LSV stellte hingegen fest, die Corona-Pandemie habe die Folgen sozialer Ungleichheit vervielfacht. Es gebe eine große Lücke zwischen sozial Starken und Schwachen. «Manche Schüler mussten sich ein digitales Endgerät beim Lernen zuhause mit fünf Geschwistern teilen, andere hatten mehrere Computer für sich alleine», berichtete die Sprecherin. Die Ausstattung der Schulen mit Endgeräten habe wegen der damit verbundenen großen Bürokratie nicht geklappt.

Die LSV hält ohnehin nicht viel vom Notensystem. Eine individuelle Bewertung sei aussagekräftiger, erklärte die Vertreterin des Landesvorstands. dpa

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8 KOMMENTARE

  1. Manche Schüler mussten sich ein digitales Endgerät beim Lernen zuhause mit fünf Geschwistern teilen, andere hatten mehrere Computer für sich alleine

    Das kam mit Sicherheit vor. Wesentlich häufiger aber gerade beim auch schon im Präsenzunterricht nicht durch Aufmerksamkeit und Leistungswillen glänzenden Teil der Klasse war das komplette Abtauchen. Mit sozialer oder finanzieller Stärke oder Schwäche hat das erst einmal nichts zu tun. Das kann ein Lehrer aber bewerten. Ebenso auch Schüler, die gerade wegen der fehlenden Ablenkung durch Mitschüler anfangen zu arbeiten.

    Sie LSV hat aber durchaus recht in dem Punkt, dass die Streuung der Schülerleistungen deutlich zugenommen hat. In NRW wurde das durch eine nicht zählende „5“ aber kompensiert. Das rächt sich ggf. im kommenden Schuljahr. Individuelle Leistungsbewertungen sind vollkommen nutzlos, weil sie dann ähnlich wie Arbeitszeugnisse verschlüsselt werden, und halt die Anzahl Superlative und das, was nicht drin steht, relevant ist. „Kann flüssig im Zahlenraum bis 20 addieren und subtrahieren“ ist für Klasse 1 super, für Klasse 3 und höher miserabel.

  2. Die außergewöhnlichen Leistungen der Kinder und Jugendlichen würden durch die Lehrer berücksichtigt, meinte der Chef des Lehrerverbandes.

    Und der Typ wird auch nicht müde immer wieder diesen normativen ‚bullshit‘ von sich zu geben – die meisten Lehrer sind einfach ‚durch‘ und Notengebung war und ist auch gerne immer ein stückweit Kopf-Sympathie-Notenvergabe, vor allem in Nebenfächern. Und das klappt im Präsenz- und Distanzunterricht gleichermaßen.

  3. ad Mthdnmnn:

    „… Notengebung war und ist auch gerne immer ein stückweit Kopf-Sympathie-Notenvergabe, vor allem in Nebenfächern.“

    Veto! Einspruch!

    Worauf stützen Sie denn Ihre Behauptung?
    Doch nicht etwa auf eigene, persönliche, also rein subjektive Selbstwahrnehmung und Selbsteinschätzung?

    Zur Rechtfertigung, Selbstverteidigung, in Erklärungsnot bei schlechten Leistungen?
    Dann etwa das Totschlagargument „Der Lehrer/ die Lehrerin mag mich nicht“?

    Nee! Echt??? Das wäre doch Kindergarten und würde nur bedeuten, dass sich jemand „in die Tasche lügt“. Einfach und billig.

    Die Realität sieht wirklich völlig anders aus!!!

  4. „…ein Endgerät teilen?“
    Entschuldigung, aber diese Ausrede gilt nicht. JEDER hat für JEDES Kind im Herbst 2020 300 € (in Worten: dreihundert) erhalten.
    Dafür kann man ein gutes Tablet kaufen. FÜR JEDES KiND EINS.
    Was zur Hölle habt ihr damit gemacht?

    • Lassen Sie mich überlegen….könntes sein,dass es Familien gab,wo durch Corona das Einkommen wegfiel,und diese dann den Kindernonus zum Leben gebraucht haben?Ganz schön hohes Ross,auf dem Sie da sitzen.

  5. Wieso soll Notengeben eine der schwierigsten Aufgaben im Lehrerberuf sein?
    Ich persönlich halte es mit etwas Erfahrung für die einfachste Aufgabe im Lehrerberuf überhaupt! Bei ca. 10 Klassen mit ca. 30 Schülern, gebe ich in etwa zwischen 3000 und 4500 Noten pro Halbjahr + ca. 300 Zeugnisnoten. Auch wenn Eltern gerne auf den „der Lehrer kann mich nicht leiden“-Zug ihrer Kinder aufspringen, es gibt im Grunde genommen nur sehr wenig Spielraum und die Noten können, wenn man seinen Job richtig macht, schon kaum nach „Gefallen der Nase“ gegeben werden. Ich würde z.B. niemals eine 5 auf dem Zeugnis vergeben können an jemanden, wo man sich nicht 100% sicher ist, dass er diese Note auch verdient hat. Und wenn ich mir nicht sicher bin, dann sind es Schüler, die die größte Zeit des Halbjahres aus diversen Gründen nicht anwesend waren, dann kann ich mir überlegen, ob ich diese gesondert noch prüfe. Das man also nicht in der Lage sei, Schülern für eine Leistung (egal ob schriftlich oder mündlich) eine Notenstufe zwischen 1 und 6 zuzuordnen, weil dies ja so super schwierig sei, ist ein Schüler- und Elternmärchen, dass sich gut und gerne aufgrund mangelnder Reflektionsfähigkeiten und falscher Selbstwahrnehmung verbreitet.
    Schwierig ist die Notengabe überhaupt nicht! Schwierig wird sie vermutlich nur für Kollegen, die am Ende des Halbjahres feststellen, dass sie überhaupt keine Noten bisher gemacht haben. Diese Kollegen gibt es natürlich, es sind aber vermutlich weit weniger, als in der Bevölkerung angenommen wird.

    Die Zahlen der nicht versetzten Schüler sind in diesem Schuljahr bei uns übrigens nicht höher gewesen, als in anderen Schuljahren. Hätte es in NRW Blaue Briefe mit allen rechtlichen Konsequenzen gegeben, wären sie tatsächlich viel höher gewesen, waren sie so aber nicht.
    Tatsächlich können dieses Jahr noch etliche Schüler von den nicht versetzten Schülern in quasi fast beliebig vielen Fächern Nachprüfungen machen und haben damit noch einmal eine zusätzliche Chance auf Versetzung.

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