Appell an Notenkonferenzen: SPD-Chefin ruft Schulen zum Versetzen auf Probe auf

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SPD-Vorsitzende Saskia Esken hat die Schulen in Deutschland dazu aufgerufen, Schülerinnen und Schüler das Schuljahr möglichst nicht wiederholen zu lassen. «Schüler*innen, die besonders unter den Einschränkungen während der Pandemie gelitten haben und in Schwierigkeiten gekommen sind, dürfen dafür nicht mit Nichtversetzen bestraft werden», sagte Esken laut einer Mitteilung am Mittwoch in Berlin.

Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken appelliert an Schulen – entsprechende Regelungen von den (SPD-)Kultusministern fordert sie nicht. Foto: SPD

«Ich appelliere an die Notenkonferenzen, diesen Schüler*innen eine Chance zu geben, sie auf Probe in die nächste Stufe zu versetzen und ihnen im Rahmen des Corona-Aufholpakets die Unterstützung zukommen zu lassen, die sie jetzt brauchen.» Ihr besonderer Respekt gelte allen, die digitale Lösungen gefunden und Unterricht ermöglicht hätten. Lernerfolge dürften aber nicht das Maß aller Dinge sein. dpa

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18 KOMMENTARE

  1. Ja und wenn sie die Probezeit nicht bestehen??
    Die nachfolgenden Klassen sind mehr als voll, da dort ja auch Schüler auf Probe sitzen!
    Wie lang darf denn die Probezeit ausfallen Frau Esken?
    Was ist, falls das Kind dann die Probezeit nicht besteht und der Stoff der Klasse darunter auch wieder nachzuholen ist, da dieser Stoff im Vorjahr schon nicht verstanden und jetzt schon durchgenommen wurde???
    Wir armen Lehrkräfte dürfen das dann wieder ausbaden, auf Kosten der guten, während der Schulschliessung hauptsächlich aktiven Schüler*innen!
    Damit ist keinem gedient,das würde ein halblebiges Schuljahr, indem man kaum jemandem gerecht werden kann!

  2. „mit Nichtversetzen bestraft werden“ und „Lernerfolge dürften aber nicht das Maß aller Dinge sein“

    Wooow, Frau Esken, so mal unter uns Schul-Profis: Nichtversetzung ist gar keine schulische Disziplinierungsmaßnahme. Und die Schuljahre sind aufsteigend organisiert, somit geht es total um Lernerfolge, im Sinne von „das kann ich und daher kann ich nun eine Stufe weiterrücken zur nächsthöheren Herausforderung“.
    Soll ich also SuS „nicht bestrafen“, indem ich sie wissentlich, dass sie nicht so weit sind, in die nächste Stufe schicke, um dann zu sehen, wie sie dort weiter in den Seilen hängen? Und immer so weiter dann in den kommenden Jahren? Ist das dann „nicht bestraft“ genug, weil es in der Bilanz gut aussieht?
    Oder mach ich doch einfach die Augen fest zu, weil nächstes Schuljahr seh ich diese SuS dann vielleicht gar nicht mehr – sollen sich die KuK damit mühen … ah, zu einfach, viel zu einfach

  3. Aber konsequent Zurückstufen und Wiederholen lassen, das will auch keiner Verantworten. Eine Klasse ist immer ein homogenen Haufen mit guten und weniger guten Schülern. Die Eltern von letzteren höre ich schon vor den restlichen Arbeiten stören.. ja wann wird den jetzt wiederholt und verfestigt was im Lockdown versucht wurde ans Kind zu bringen. Meine Antwort, in den Sommerferien habt ihr 6 Wochen Zeit dazu, war irgendwie nicht das was sie hören wollten.

  4. Im letzten Schuljahr wurden alle Schüler versetzt. Das hatte zur Folge, dass in diesen Jahr sehr viele Schüler die Abschlussprüfungen nicht geschafft haben.
    Versetzung auf Probe ist in keiner Verordnung geregelt. Sollen Schulleiter nach Gutsherrenart entscheiden? Eine solche Entscheidung würde doch von jeder Schulaifsichtsbehörde kassiert werden.
    Ein Vorschlag der mur von Unkenntnis zeugt und teines Wahlkampfgelaber darstellt.

    • Richtig, eine „Versetzung auf Probe“ gibt es (zumindest in NRW nicht. Entweder versetze ich das Kind oder eben nicht. Wenn ich rin Kind versetzte, habe ich als LK keine Möglichkeit, nach einigen Wochen zu sagen, nö, wird nix, zurück bitte. Die Eltern können darauf bestehen, dass das Kind bleibt. Und dann?? Sitzt das Kind vollkommen frustriert in einer Stufe, in der es nicht mitkommt. Steigert die Lernmotivation ungemein …

    • Genau, wer Prüfungsfächer hat, konnte genau das beobachten. Wer schon 2020 nicht wirklich mitkam und dennoch versetzt wurde, bekam die Quittung spätestens 2021 zur Prüfung. Freizeit für Vorbereitung zu opfern ist seit Jahren out. Und was ist mit den vielen SuS, die einfach geschwänzt haben? Sollen die einfach durchrutschen ohne jede Konsequenz für ihr Verhalten? Was ist das für ein Signal an leistungswillige SuS und deren Eltern? Die SPD wäre gut beraten, zum Thema Schule mal auf Fachleute zu hören, vor allem in NRW!

  5. Welche Sicht auf Schule und auf Lehrer hat Frau Esken, wenn sie Wiederholen als Bestrafung des Schülers betrachtet? Meiner Kenntnis nach werden Schüler deshalb nicht versetzt, weil die gezeigten Leistungen nicht erwarten lassen, dass das Anforderungsniveau der neuen Klassenstufe gemeistert werden kann. Mit Strafe hat das nichts zu tun (was soll da auch bestraft werden und wozu?).
    Welche Aufgabe hat Schule nach Ansicht von Frau Esken, wenn der Lernerfolg eines Schülers nicht „als Maß aller Dinge“ betrachtet wird? Wozu braucht man Schule, wenn der erzielte Lernerfolg irrelevant ist? Kita für Kids nach dem Kitaalter?
    Ich empfehle Frau Esken, sich mit Kindern und Jugendlichen zu unterhalten, die innerhalb einer Jahrgangsstufe an den beiden äußeren Enden des Leistungsspektrums stehen. Dann könnte sie erfahren, wie es ist, immer wieder selbst festzustellen, dass man den Anforderungen nicht gewachsen ist, immer wieder trotz Lernens die geforderte Leistung nicht erbringen zu können. Und sie könnte auch erfahren, wie es sich anfühlt, den Inhalt nach zehn Minuten verstanden zu haben, sich aber noch Stunden langweilen zu müssen, weil es eben auch die anderen gibt, welche die volle Zuwendung der Lehrkraft benötigen.
    Eine große Leistungsschere innerhalb einer Lerngruppe ist innerhalb der derzeitigen Struktur von Schule bremsend für alle.
    Um es ganz einfach auszudrücken: die nächste Stufe erreicht nur, wer die Anforderungen der aktuellen Stufe gemeistert hat. Klingt logisch, ist es auch.

    • „… die nächste Stufe erreicht nur, wer die Anforderungen der aktuellen Stufe gemeistert hat.“
      Klingt in der Tat logisch, entspricht aber nicht der Sichtweise der linken SPD, der Linkspartei und der Grünen. Die letzteren schwärmen von den „inklusiven Gemeinschaftsschulen“ in Berlin und anderswo, in denen das Sitzenbleiben ohnehin längst abgeschafft ist. Da heißt es, die schwachen Schüler würden einfach von den starken lernen, die starken würden sich um die schwachen kümmern, und alles ist in Ordnung. Das große soziale „WIR-Gefühl“ wird postuliert. Wo bleibt mal eine empirische Untersuchung, die das verifiziert oder auch falsifiziert?

    • @WiMoKa
      „Welche Aufgabe hat Schule nach Ansicht von Frau Esken, wenn der Lernerfolg eines Schülers nicht „als Maß aller Dinge“ betrachtet wird?“
      Ich denke, dass Frau Esken diese Frage nicht beantworten wird, aber erlauben Sie mir, eine Antwort zu finden. Vorsicht, Sie könnten über Sarkasmus stolpern.
      Aaaalso, wenn ich mich nicht sehr irre, dann vertritt Frau Esken die bildungstheoretischen Ideen ihrer Partei. Nach dem pädagogischen Impetus der SPD hat die Schule die Aufgabe, alle Schüler gleich zu machen. Das Maß aller Dinge sind die Schüler: Wenn jetzt die Hälfte der Klasse den Anforderungen der Klassenstufe nicht genügen, so muss die Lehrkraft dafür sorgen, dass alle gleich schlecht sind (weil man ja aus einem VW Käfer ja keinen Porsche machen kann. Andersherum kann man aber dem Porsche Luft aus den Reifen lassen, dann wird er langsamer). Somit ist wieder alles ganz gerecht für alle. Dann stehen alle dort, wo man sie abholen soll: ganz hinten. Außerdem hat die Frau nicht ganz unrecht, weil wenn ich nach dem Lernerfolg meiner Schüler bezahlt werden würde, dann müsste ich mich an Sonntagen mit einem Hütchen vor die Kirche stellen und betteln gehen….
      „Wozu braucht man Schule, wenn der erzielte Lernerfolg irrelevant ist?“ Nun, wozu wir die Schule brauchen, ist mir persönlich jetzt während der Pandemiezeit glasklar geworden (ich ahnte es aber auch vorher schon irgendwie): Die Schule ist dafür da, dass die Kinder beaufsichtigt (entweder vor dem Monitor oder im Klassenraum), getestet und irgendwie bespaßt werden (weil nach der bildungstheoretischen Idee der SPD muss die Schule ja ganz viel Spaß machen). Lerninhalte oder Lernziele sind derzeit (und waren vorher eigentlich auch schon) nicht relevant. Das wurde seit Jahren auch politisch forciert.
      Außerdem hat die Schule schon seit Jahren die Aufgabe, die Kinder wegzusperren, damit sie am Vormittag nicht in der Stadt rumlungern und öffentlich pubertieren und den Konsumenten auf den Wecker gehen mit ihrem Herumprolete. Das sollen sie bitte hinter verschlossenen Türen unter Aufsicht von zu gut bezahltem, ständig freifeierndem Fachpersonal veranstalten.
      Seit einigen Jahren ziehe ich mir, wenn ich die Schule betrete, den imaginären weißen Kittel an, weil ein Lehren oder Bilden aus vielerlei Gründen kaum mehr möglich ist oder nicht gewollt wird.
      Und da bin ich wieder bei Frage 1, was den Lernerfolg angeht. Der Kreis schließt sich.

    • „Kita für Kids nach dem Kitaalter“, das trifft ziemlich genau das, was Politiker (nicht nur Frau Esken) offensichtlich über Schule denken und vielleicht auch wollen.

  6. In diesem Semester saßen Leute in meinen Kursen, die versetzt wurden, weil im Coronasemester keiner ’sitzenbleiben‘ konnte. Sie hatten z. T. keine Chance, aber große Hoffnung und Erwartungen!
    In diesem Schuljahr nun traut sich das Ministerium nun nicht mehr, wieder alle einfach zu versetzen – ABER die neue Regelung sagt: eine 5 in einem Fach, in dem man im vorigen Zeugnis keine 5 hatte, zählt nicht. Außerdem kann man in ALLEN Fächern so lange Nachprüfungen machen, bis man durch ist, die bisherigen Begrenzungen fallen alle weg.
    Sieht also so aus (für Außenstehende), dass da wieder Normalität eingetreten ist und ‚richtig‘ versetzt wird. Stimmt aber nicht – am Ende der Ferien werden wir von Nachprüfungskandidaten überrannt. Alle glauben, sie können es in den 6 Ferienwochen noch schaffen.
    Absurdistan!

    • Etwas genauer: in EINEM Fach zählt eine ‚neue‘ 5 nicht, wer das in weiteren Fächern auch geschafft hat, muss über die Nachprüfung gehen. Die allerdings nicht beliebig oft, sondern in BELIEBIG VIELEN Fächern jeweils ein Versuch.
      Nicht dass die Sache damit besser würde, wir stehen momentan bei ca 50 Nachprüfungen in der letzten ‚Ferien‘woche allein im Jahrgang 9 (5 Klassen).
      Aber immerhin dürfen wir ab Mitte Juli im Schulportal NRW die dann freigeschaltete Übersicht zu ‚Aufholmöglichkeiten für SuS‘ studieren, damit dann bis Ende August ‚Ankommen und Gruppenbildung‘ gespielt werden können. Danach allerdings bitte nicht vergessen, bis zu den Herbstferien Leistungsstände zu evaluieren. Selbstverständlich spricht niemand von einer Anpassung der Lehrpläne aber es sind ja auch weder Pflichtthemen nachzuholen noch auf zentrale Prüfungen vorzubereiten. Nebenbei konnte auch niemand vorhersehen, dass Anträge auf freiwillige Wiederholung im abschlussnahen Jahrgang 9 oder 10 häufiger vorkommen, Folge: Klassengrößen jenseits des Absurden, aber wir werden einfach besonders intensiv fördern, dann schaffen es alle beim zweiten Anlauf.
      Schule ist leider für Politiker zu komplex, deren Geschäft ist radikale Vereinfachung, darum bitte keine Fakten einwerfen.

      • Jo, bis Ende August „Ringelpietz mit Anfassen“, aber 2 Wochen später „erfreut“ uns unsere Yvonne mit den verschobenen Vergleichsarbeiten. Super timing!

  7. Wer das Klassenziel verfehlt, kommt nicht weiter. So einfach ist das. Wer die 5%-Hürde nicht schafft und keine Direktmandate bekommt, der sitzt doch auch nicht auf Probe im Bundestag.

    Wenig Ahnung und Leistungsfeinlich, willkommen im Willy-Brand-Haus. Der namensgebende Mann würde im Grab rotieren, würde er mitbekommen, was für blasse Abziebildchen eines Politikers heute die Sperspitze der sPD sind.

    • Vielen Dank für diese Stellungnahme….auch ich höre das „hochfrequente Sirren“ , das Willy gerade verursacht, bis zu mir nach Hause.

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