Trotz Lehrermangels: Doppelt so viele Bewerber um ein Referendariat in Hamburg als Plätze

12

Hamburg kann sich trotz eines bundesweiten Lehrermangels seine Nachwuchspädagogen aus einer Vielzahl von Bewerbern aussuchen. Obwohl die Zahl der Plätze für das Referendariat als zweite Phase der Lehrerausbildung nach dem Studium um mehr als 40 Prozent erhöht worden sei, habe es zum neuen Einstellungstermin am 1. August mit 755 Bewerbern fast doppelt so viele Interessenten wie Plätze gegeben, teilte die Schulbehörde am Sonntag mit.

Wer einen Platz im Referendariat in Hamburg ergattert hat, kann sich freuen. Foto: Shuterstock

Demnach starten aktuell 379 Referendarinnen und Referendare ihre eineinhalbjährige vorwiegend praktische Ausbildung zum Lehrer nach erfolgreich abgeschlossenem Studium. Im Vergleich zum vorherigen Einstellungstermin im Februar sei die Zahl der Bewerbungen noch einmal leicht gestiegen.

«In vielen anderen Bundesländern herrscht seit Jahren dramatischer Lehrermangel. In Hamburg haben wir bisher Glück gehabt, weil die Stadt attraktiv ist und weil viele junge Menschen das Hamburger Schulsystem als attraktives Berufsumfeld entdeckt haben», erklärte Bildungssenator Ties Rabe (SPD). «Aber die Situation wird nicht leichter. Deshalb haben wir die Zahl der Ausbildungsplätze deutlich erhöht.» Die Behörde hat die Referendariatsplätze für angehende Lehrer nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren von 570 auf 810 aufgestockt. dpa

„Das ist nicht mal eben zu machen“: Warum der schulpraktische Teil der Lehrerausbildung so wichtig ist – ein Interview

 

Anzeige


12 KOMMENTARE

  1. Tja woran das wohl liegen kann… was hat Hamburg letztens erst beschlossen, was gezielt Lehrermangel entgegengewirken sollte…

    Wie viele davon aus Niedersachsen kommen würde mich interessieren

  2. Lehrermangel hat sich eingestellt, weil zu wenige Lehrer ausgebildet wurden (inklusive zu viele Abbrüche oder Umorientierungen). Es müssen einfach die Ausbildungskapazitäten erhöht werden.

    Jahrelang wurden Stellen an Schulen gestrichen. Das war auch keine attraktive „Einstellungsperspektive“!

  3. Es kommen viele aus Berlin die in HH verbeamtet werden wollen um dann als Beamte nach Berlin zurückkehren zu können…
    Es kommen auch viele aus Süddeutschland. Der Begriff „Lehrermangel“ ist viel zu allgemein gefasst. Es kommt auf die Fächer drauf an…
    Als Mathelehrer kriegt man in jedem Bundesland was. Aber Geschichte, Geo etc ist schon schwieriger…

    • Der Begriff Lehrkräftemangel beschreibt, dass es in bestimmten Regionen seit Jahrzehnten zu wenig Bewerbende auf Stellen gibt, dass in sehr vielen Bundesländern auf Quereinsteigende/Seiteneinsteigende und vor allem auch auf geringqualifiziertere und geringer bezahlte Vertretungskräfte unterschiedlicher Art (Studierende, Eltern) gesetzt wird.

      Wenn man in Bundesländern selbst Stellen mit Deutsch-beliebig nicht besetzen kann, dann hat das nichts mehr mit Mangelfächern zu tun, sondern damit, dass es nicht genug Bewerbende gibt, die Lehrkraft in dieser Region werden möchten.
      Es reicht ein Blick in die noch offenen Stellen für diesen Sommer für NDS unter http://www.eis-online.niedersachsen.de

      Hamburg hat als große Stadt den Vorteil der Attraktivität, aber HH hat auch A13 für alle gesetzt. Da kann man doch aus NDS kommend auch in HH Lehrkraft werden.

  4. Ganz lustig ist Folgendes: Man macht einen Quereinstieg als Lehrer in einem Bundesland, und wenn man das Bundesland wechselt, wird dieser Quereinstieg dort nicht anerkannt und man darf dann für deutlich weniger Geld die exakt gleiche Arbeit tun, wie die verbeamteten Kollegen.

    Noch beschissener geht es nicht.

    Bildungspluralismus hin oder her: als Student aus Madrid kann ich mit einem Bachelorabschluss europaweit für einen Masterstudiengang einschreiben, aber innerhalb Deutschlands ist es unmöglich, die Qualifikation der Lehrer zu synchronisieren?
    Toll.
    Deutschland, Deutschland über alles.
    Das bekommen Dritte-Weld-Länder deutlich besser geregelt.

  5. Die Entwicklung ist leider nicht neu: Kai Obermüller hatte über diverse Anfragen auf FragDenStaat diese Unterschiede zwischen Bewerbungen und Ref-Stellen festgehalten: https://kaiobi.wordpress.com/statistiken/hamburg/ 2017 wurden nur etwa ein Viertel der Bewerbungen angenommen, in anderen Ländern sah es nicht anders aus, siehe auch hier https://kaiobi.wordpress.com/2018/04/25/lehrermangel-ich-stehe-bereit-hilferuf-referendariat/. Er selbst gehörte zu denen, die jahrelang auf eine Stelle gewartet hat. Das Problem des Lehrkräftemangels ist hausgemacht, es liegt nicht an der Attraktivität oder Bezahlung des Jobs. Wie viele Menschen mit 1. Staatsexamen sitzen wohl aktuell (vermeintlich übergangsweise) an der Supermarktkasse oder halten sich mit anderen Zwischenjobs über Wasser?

    • Daskegt natürlich an der Bezahlung. Wenn ich als Lehrer 50 km weiter für denselben Job eine ganze Gehaltsstufe mehr bekomme, wo bewerbe ich mich??? Ist doch logisch!

      • Hier in Hamburg hat man auch das bundesweit einzigartige Arbeitszeitmodell für Lehrer. Insofern kann man von einer besseren Bezahlung nicht sprechen, da man im Vergleich zu anderen Ländern auch mehr arbeiten muss. Von den verpflichtenden Fortbildungsstunden ganz zu schweigen.

    • Wenn HH ein attraktives Angebot macht, können sich dort doch eine Menge Masterabsolvierende auf die Ref-Plätze bewerben und anschließend auch auf die Stellen. HH sucht sich dann die besten darunter aus. Die anderen können wählen, ob sie in HH an die Kasse gehen wollen oder in der Botanik in die Schule.

      Von den genannten Zahlen müsste man ja schlussfolgern, dass es einen Lehrkräfte-Überhang gibt. Dann wären aber nicht so viele Stellen offen und Quereinsteigende gar nicht nötig.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here