Wie ein depressives Mädchen in der Corona-Krise an der Schule verzweifelt

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BERLIN. Schule auf, Schule zu, Masken auf, Masken runter – viel mehr fällt den Kultusministern in Deutschland in der Corona-Krise nicht ein. Hin und wieder kommt ein Appell an die Lehrkräfte hinzu, die belasteten Schülerinnen und Schüler nicht mit Leistungsansprüchen zu überfordern. Wie die Kollegien den Druck herausnehmen sollen, bei nach wie vor geltenden Lehrplänen und Anforderungen, bleibt dann ihnen selbst überlassen. Meist passiert deshalb gar nichts. Darunter leiden dann vor allem psychisch vulnerable Kinder und Jugendliche, die schon mit dem regulären Schulbetrieb ihre Probleme hatten. Welche Dramatik dabei entstehen kann, zeigt der folgende Bericht einer Mutter. Ihre Tochter leidet unter Depressionen und wurde durch unsensible Entscheidungen der Schule in eine akute Krise getrieben.

Psychisch vulnerable Kinder und Jugendliche bleiben in der Corona-Krise häufig auf der Strecke. (Symbolbild) Foto: Shutterstock

Lebensgefährliche Entscheidungen der Schule statt Unterstützung für psychisch erkrankte Schüler – auch das kann die bittere Realität sein!

Es wäre schön, wenn Schulen generell die psychischen Nöte von Kindern und Jugendlichen wahrnehmen würden. Mit Sicherheit bemühen sich viele Lehrer/innen und Schulleitungen in dieser Hinsicht, meist merken aber doch die Eltern viel früher, dass etwas nicht mehr stimmt.

Corona hat zusätzliche psychische Belastungen für Kinder und Jugendliche mit sich gebracht. Aber ein stereotypes Verweisen auf die Auswirkungen der Schulschließungen greift zu kurz. Schule kann auch der entscheidende Auslöser für eine Verschlechterung der psychischen Verfassung sein. Vor allem, wenn sie sich nicht einmal dann für Symptome und Auswirkungen einer psychischen Erkrankung interessiert, wenn sie von den Eltern darüber informiert wird. Wir haben mit unserer Tochter leider an einem Gymnasium in Baden-Württemberg erlebt, wie sehr sich die psychische Verfassung durch fehlendes Verständnis, mangelnde Kommunikation und ungünstige Entscheidungen verschlechtert hat.

Unsere Tochter ist seit mehreren Jahren, lange vor Corona, depressiv erkrankt und in fortlaufender Behandlung. Im Zeitraum September 2019 bis März 2021 war sie relativ stabil, trotz der Schulschließungen. Bei Schuljahresbeginn im September 2020, nach dem ersten Lockdown mit nur insgesamt zwei Wochen Präsenzunterricht zwischen 20. März 2020 und Schuljahrsende, ging es ihr sogar so gut wie noch nie seit Beginn ihrer Erkrankung, leider im normalen Schulbetrieb dann aber schon bald wieder etwas schlechter. Aktuell geht es ihr jetzt so schlecht wie noch nie. Was ist dazwischen passiert?
Angefangen hatte es schon im Herbst im Präsenzunterricht: Wenn eine (bekannt!) depressiv erkrankte Schülerin sich sehr wenig mündlich beteiligt, sich nicht einmal traut, die zuhause in Ruhe gemachten und richtig im Heft stehenden Hausaufgaben vorzulesen, kann man das als Leistungsverweigerung einordnen. Oder man könnte wahrnehmen, dass dies durch die Erkrankung bedingt ist.

Wenn die gleiche Schülerin sich im Distanzunterricht in Online-Konferenzen nur ganz selten mündlich beteiligt, bei direkter Ansprache oft Panik bekommt und dann Internet-Probleme vorschiebt, kann man pauschal in Frage stellen, ob sie überhaupt mitarbeitet. Man könnte aber auch Verständnis haben, dass die mündliche Beteiligung in der Online-Konferenz noch schwerer fällt als im Klassenzimmer, und stattdessen z. B. Inhalte schriftlich abgeben lassen oder außerhalb der Konferenz nachfragen.

Wenn die Schülerin trotz Depression und damit schlechterer Konzentrationsfähigkeit sich durch den täglichen Berg an Aufgaben im Distanzunterricht arbeitet, dabei manchmal zuhause um Hilfe und Erklärung fragt, wenn sie etwas nicht versteht, und diese dann weitgehend ordentlich abgibt, kann man – ausgehend von dem schon vorhandenen negativen Bild – erst mal in Frage stellen, ob sie die Aufgaben denn auch selbständig gemacht hat und man sie überhaupt zu ihren Gunsten werten kann. Man braucht sich auch nicht davon irritieren lassen, wenn sie eine Präsenz-Arbeit während des Distanzunterrichts plötzlich eineinhalb Noten besser schreibt als bislang in diesem Fach üblich.

Beim Wiederbeginn des Präsenzunterrichts entscheiden wir uns nach sehr sorgfältiger Abwägung, unsere Tochter bei hohen Inzidenzen vorerst noch im Distanzlernen zu belassen. Es ist uns bewusst, dass dies gerade bzgl. der obigen Zweifel eine für die Schule schwierige Entscheidung ist. Auch haben wir Bedenken, dass das Distanzlernen für nur einzelne zu Hause lernende Schüler noch mühsamer werden wird, was auch so eintritt. Der Grund für unsere Entscheidung ist zum einen die Sorge vor dem akuten Verlauf einer Covid-Erkrankung, denn das Risiko für einen schweren Verlauf ist laut Auswertung der Barmer Krankenkasse bei depressiv Erkrankten höher als für Vorerkrankte mit Lungenerkrankung oder Dialyse. Noch mehr Sorgen macht uns aber, dass die Depression bei unserer Tochter unmittelbar im Anschluss an einen heftigen, langandauernden Virus-Infekt begonnen hatte, wir befürchten, dass sie besonders anfällig für Long Covid sein könnte und dies zu einer weiteren Verschlechterung der Depression führen könnte. Nach mühsamen Jahren mit Depression wollen wir eine weitere Virus-getriggerte Verschlechterung nicht riskieren. Wir teilen der Schule die Gründe mit, kündigen an, dass sie in den Unterricht kommen wird, sobald sie wenigstens einmal geimpft ist (das war noch vor Delta) und hoffen auf Verständnis dafür, dass die Gesundheit vorgeht. Wir bemühen uns auch noch vor der EMA-Zulassung für 12-15-Jährige aktiv um eine Off-Label-Impfung, haben dabei aber leider keinen Erfolg.

Wirklich schief geht alles dann im Zeitraum ab den Osterferien: Ende März nimmt die behandelnde Psychiaterin eine beginnende Verschlechterung wahr und schlägt mittels eines Attests eine präventive Entlastung im Zeitraum zwischen Ostern und Pfingsten vor. Wörtlich: „[..] Ich möchte Sie bitten, zu prüfen, ob es möglich ist, dass sie die Klassenarbeiten und Tests zwar mitschreibt, aber nicht regulär benotet wird, um ihr so die Angst und den Druck zu nehmen. […]“. Genau die gleiche Maßnahme wurde an der gleichen Schule zwei Jahre früher bereits erfolgreich über mehrere Monate hinweg praktiziert, so dass Psychiaterin und Eltern darauf vertrauen, dass das wieder eine gute Lösung sein kann. (Ja, damals ließen sich mit der damaligen Stufenleitung tatsächlich gute, entlastende Lösungen umsetzen!) Anscheinend ist das aber in der jetzt aktuellen Klassenstufe nicht mehr möglich, d. h. ein Mitschreiben ohne Benotung nicht machbar.

Nun hätte der Klassenlehrer oder die Stufenleitung dies ja rückmelden können und man hätte gemeinsam überlegen können, welche Art von Entlastung stattdessen hilfreich sein könnte. Die Schule hätte auch mitteilen können, dass gar keine Nebenfach-Arbeiten mehr geplant sind und im Zeitraum bis Pfingsten nur eine einzige Hauptfach-Arbeit und ein Vokabeltest anstehen. Sie hätte auch darauf hinweisen können, dass in Hauptfächern unbedingt zwei Arbeiten im Schuljahr geschrieben werden müssen, damit Noten erteilt werden können. Und dann hätte man festgestellt, dass es am besten wäre, alles ganz normal laufen zu lassen und insbesondere auch eine wegen akuter Krankheit verpasste Hauptfach-Arbeit von vor Ostern noch zeitnah nachschreiben zu lassen, solange nichts anderes ansteht. Damit wären die Anforderungen in diesem Zeitraum auch für unsere Tochter überschaubar gewesen und sie hätte das leisten können.

„Nachdem nun die Versetzung in Frage gestellt wird, ergibt sich nicht die erhoffte Entlastung, sondern es entsteht zusätzlicher Druck“

Stattdessen gibt es keine Rückmeldung, weder die Information, dass ein unbenotetes Mitschreiben nicht möglich ist, noch einen Hinweis, dass jeweils zwei Hauptfach-Arbeiten dringend nötig sind für die Versetzung. Die Klassenkonferenz kommt schließlich Ende April zusammen und beschließt nicht die beantragte Entlastung, sondern eine Aussetzung der Notengebung bis Pfingsten ohne die Möglichkeit, Arbeiten mitzuschreiben. Wir erhalten die folgende schriftliche Rückmeldung:

„[…] ‚Die Klassenkonferenz setzt aus gesundheitlichen Gründen für […] vorübergehend die Notengebung bis Pfingsten aus.

Ist ein uneingeschränkter Unterrichtsbesuch inklusive schriftlicher Leistungsnachweise nach Pfingsten weiterhin nicht möglich, kann es zum Schuljahresende zu einer Aussetzung von Noten kommen.‘

Wir hoffen sehr, dass es […] bis Pfingsten wieder besser geht, und dass wir durch unsere Unterstützung einen Beitrag zur Besserung ihres Befindens leisten können. Bitte halten Sie uns informiert, sollte sich bis Pfingsten etwas ändern. […]“

Es wird uns also immer noch nicht (!) mitgeteilt, dass das Mitschreiben von Arbeiten in diesem Zeitraum dann nicht möglich ist. Wie es aussieht, ist sich die Klassenkonferenz anscheinend sogar dessen bewusst, dass diese Lösung die Versetzung gefährden kann, beschließt sie aber trotzdem ohne eine Suche nach Alternativen.

Anscheinend wird auch entgegen dem Vorschlag der Psychiaterin beschlossen, dass dann sonstige Leistungen, die abgegeben werden, ebenfalls nicht benotet werden, aber auch das wird nicht mitgeteilt. Für eine größere schriftliche Aufgabe in Ethik in dieser Zeit, die wie eine Klassenarbeit zählen soll, arbeitet die Tochter etliche Stunden, bekommt aber bis Schuljahrsende weder eine Benotung noch eine sonstige Rückmeldung.

Nachdem nun erstmals die Versetzung möglicherweise in Frage gestellt wird, ergibt sich für die Tochter nicht die erhoffte Entlastung, sondern es entsteht zusätzlicher Druck, die Depression verschlechtert sich. Wir fragen zweimal explizit per Mail an, was denn noch ansteht und welche Leistungen wann dringend erbracht werden müssen, erhalten dazu aber keine Informationen.

Zwei Wochen vor den Pfingstferien ist dann die einzige Arbeit in diesem ganzen Zeitraum angesetzt, aufgrund von Wechselunterricht zunächst für die halbe Klasse. Unsere Tochter lernt trotz der bereits verschlechterten Depression mehrere Nachmittage für die Arbeit (in kleinen Einheiten, weil nicht viel auf einmal geht). Erst am Nachmittag vor der Arbeit erfahren wir, dass sie nicht mitschreiben darf, und halten das zunächst für ein Missverständnis. Ein Mitschreiben wird aber tatsächlich kategorisch abgelehnt.

Daraufhin schreiben wir den Klassenlehrer und die Stufenleitung an, erklären, dass der Beschluss so nicht dem Antrag entspricht und dass der Druck für unsere Tochter noch größer wird, wenn diese Arbeit auch noch auf die Zeit nach den Pfingstferien verschoben wird. Auch, dass die Aussetzung der Benotung nun völlig an der Intention vorbeiläuft und wir sie nie beantragt hätten, wenn Informationen dazu vorgelegen hätten, dass nur eine einzige Arbeit in dem ganzen Zeitraum geschrieben wird. Wir bitten darum, ein benotetes(!) Mitschreiben in der darauffolgenden Woche mit der anderen Hälfte der Klasse zu ermöglichen, und erhalten als Antwort: „[…] Wir können nicht die Notenfeststellung aus gesundheitlichen Gründen aussetzen und dann spontan Klassenarbeiten schreiben lassen (und diese optional bewerten). […]“.

Wirklich beim besten Willen nicht? Wie war das weiter oben mit „Bitte halten Sie uns informiert, sollte sich bis Pfingsten etwas ändern.“? Wie wäre es mit dem Eingeständnis, dass die beschlossene Maßnahme nicht dem Vorschlag der Psychiaterin entspricht, die Schülerin nicht entlastet, sondern zusätzlich belastet? Und sie deshalb nicht zur Anwendung kommt?

„Aufgrund akuter Suizidalität wird meine Tochter von ihrer Psychiaterin für den Rest des Schuljahres krankgeschrieben“

Die Tochter ist danach zutiefst frustriert, mit immenser Anstrengung hat sie versucht, diese Leistung zu erbringen, und darf es dann nicht. Stattdessen wird der Berg für die Zeit nach Pfingsten noch größer.

Für sie wird der Berg damit zu groß! Lebensgefährlich groß! Aufgrund akuter Suizidalität wird sie kurz vor Ende der Pfingstferien von ihrer Psychiaterin für den Rest des Schuljahres krankgeschrieben.

Für uns beginnt damit das Bangen, was die Krankschreibung für die Versetzung bedeuten wird. In der Halbjahresinformation hatte die Tochter einen Schnitt von 3,0 und alle Fächer zwischen „gut“ und „ausreichend“, also keinerlei Versetzungsgefahr. Bis Pfingsten hatte sie regulär am Distanzunterricht teilgenommen und durch die Aussetzung der Benotung nur eine Hauptfach-Arbeit und einen Vokabeltest verpasst. Bei einer weiteren wichtigen Hauptfach-Arbeit, die sie vor Ostern wegen akuter Krankheit verpasst hatte, hatten wir – sobald klar war, dass sonst keine Arbeiten geplant waren – ebenfalls darum gebeten, sie doch noch vor Pfingsten nachschreiben zu dürfen. Auch das wurde abgelehnt.

Die Schule gibt trotz des Attests der Psychiaterin noch eine amtsärztliche Untersuchung in Auftrag, um „eine gute Lösung […] finden zu können“. Der Termin dafür ist ausgerechnet am Tag nach ihrer Zweitimpfung, aber ziemlich kurz vor der Notenkonferenz, so dass wir die Tochter, für die der Termin bereits psychisch eine riesige Herausforderung ist, mit erhöhter Temperatur und Abgeschlagenheit (in Absprache mit der Amtsärztin) mit äußerster Mühe zu diesem Termin bringen, damit er vor der Konferenz wahrgenommen wird. Ihr psychischer Zustand wird dadurch für mehrere Tage noch schlechter. Die Amtsärztin bescheinigt, dass sie grundsätzlich schulfähig ist, aber die Schulfähigkeit aktuell durch eine psychische Störung beeinträchtigt ist. In welcher Form das für die Entscheidung der Notenkonferenz relevant ist, erfahren wir nicht, hoffen aber immer noch auf eine „gute Lösung“. Die Schule ist darüber informiert, dass die Tochter sich an einem beruflichen Gymnasium beworben hat, dort sicher einen Platz hätte, diesen aber nur mit einer regulären Versetzung annehmen kann. Die Amtsärztin empfiehlt der Schulleitung dringend, zusammen mit der behandelnden Ärztin, der schulpsychologischen Beratungsstelle und dem Sozialdienst der Schule die weiteren Möglichkeiten der Beschulung zu besprechen und zu planen. Diese Gespräche finden aber nicht statt.

Die Notenkonferenz beschließt schließlich, die Versetzung aufgrund der Corona-Verordnung für ein halbes Jahr auszusetzen. Als Grund wird angegeben, dass in manchen Hauptfächern (krankheitsbedingt) keine zwei Arbeiten geschrieben wurden. Soweit wir den Überblick haben, fehlen genau die zwei Arbeiten, bei denen wir explizit darum gebeten hatten, dass unsere Tochter sie vor Pfingsten schreiben darf und bei denen die Schule dies abgelehnt hat. Zwei Arbeiten, auf die sie beide jeweils schon gelernt hatte und die sie ohne Probleme gut genug geschrieben hätte! Das macht es besonders bitter.

Fachgipfel berät: Mehr psychisch belastete Kinder und Jugendliche – was tun?

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19 KOMMENTARE

  1. Ich bin absolut entsetzt!
    Das muss ich erst mal sacken lassen.
    Der gesamten Familie und natürlich dem Mädchen drücke ich ganz fest beide Daumen, dass sich bald eine Lösung findet, vielleicht ist das „Gras woanders grüner“?
    Und ich hoffe, dass die Familienmitglieder zusammenhalten und einander eine Stütze sein können.

  2. Als Elternteil verstehe ich die Frustration und die Sorge der Mutter um ihre Tochter. Als Lehrkraft kenne ich die Abläufe und rechtlichen Vorgaben an Schulen. Da ich das ärztliche Gutachten nicht kenne und in den beschlussfassenden Konferenzen nicht dabei war, kann ich mir kein Urteil dazu erlauben, ob eine andere Beschlussformulierung günstiger gewesen wäre, und warum diese nicht erfolgte. Fakt ist jedoch, dass man tatsächlich nicht einfach auf Bitte der Eltern vom gefassten Beschluss abweichen kann, erst recht nicht in Einzelsituationen. Hierzu ist ein erneuter Beschluss notwendig, um Rechtssicherheit herzustellen.
    Was mich beim Lesen dieser verzweifelten Zeilen jedoch umtreibt, ist die Frage, ob die Jugendliche durch die Auswirkungen ihrer Erkrankung überhaupt im Rahmen der Regelschule beschult werden kann, oder ob man da nicht zuviel von ihr und der Regelschule fordert. Wenn das Mädchen angstbedingt nicht mehr in der Lage ist, vorbereitete Aufgaben vorzutragen, sollte nicht das Absolvieren der Regelschule im Vordergrund stehen, sondern die Behandlung der Erkrankung und in diesem Zusammenhang vom Schulamt und den behandelnden Ärzten Krankenbeschulung im Sinne der häuslichen Klinikschule in Betracht gezogen werden.
    Depression ist eine miese, langwierige, unberechenbare und gefährliche Erkrankung. Ich wünsche Eltern und Kind, dass alles gut werden möge, und ich wünschte für die Schulen, die erkrankte Kinder im Regelunterricht beschulen sollen, mehr Unterstützung und mehr Freiheiten im Ausgestalten dieses Unterrichts.

  3. Es tut mir sehr leid, wie es Ihrer Tochter ergangen ist. Ich selber kämpfe seit langem mit Depressionen. Leider muss ich sagen, es wird auch für Erwachsene nicht besser. An Depression erkrankte Menschen passen nicht in die Abläufe und Strukturen der Welt. Sie verlangsamen alles, bringen eingespielte Abläufe durcheinander. Inklusion? Auch hier nicht existent. Ich kann Ihnen als Familie nur alles Gute und Kraft für die Zukunft wünschen. Stehen Sie Ihrer Tochter weiter so bei.

  4. Die Hilferufe von Kliniken und Therapeuten sind von den KM und Politiker schamlos überhört worden. Das Zentralinstitut in Mannheim hat eine sehr lange Warteliste und hat mehrmals an die Politik viele Mahunungen ausgesprochen und haben kein Gehör gefunden. Auch bei einem Psychologen einen Platz zu erhalten ist mit einer Warteziet verbunden. Viele Kinder und Jugendliche sind in eine tiefe Lebenskrise geraten und warten noch auf freien Platz! Manche Kliniken haben sogar Spielzimmer aufgelöst um noch mehr Patienten aufnehmen zu können und Psychologen haben Ihre Arbeitsziet verlängert um der Notlage der heranwachsenden Generation gerecht zu werden. Die Schulpolitik hat der Schülergeneration gegenüber versagt und auch in der vierten Welle keine tragende Konzepte geschaffen und Pespektiven. Es gab auch Schulen die Kinder und Jugendliche in der Ihrer persönlichen Krise mitgetragen haben und sich sehr für diese Gruppe eingesetzt haben und nach tragbarer Unterstützung sich eingesetzt haben. Es gab auch Schulen die dies nicht geleistet haben und somit die Lebenskrise verschlimmert haben. Die außergewöhnliche Lebenszeit wird für viele auch erst richtig nach den Sommerferien ersichtlich und die heranwachsende Generation wird noch lange mit diesen Auswirkungen beschäftigt sein. Das Rückenwindprogramm von Frau Schopper startet in BW und wird nicht ausreichen für G8 Schüler und dies hat Frau Schopper immer noch nicht anerkannt. Frau Schopper übergeht die Notlage der heranwachsenden Generation und nimmt die Lebenskrise vieler Schüler und deren Eltern nicht ernst. Die Ernsthaftigkeit der Lebenskrise hat Frau Schopper nicht im Blick und die Bereitschaft die Notlage der Schülerschaft zu sehen. Es ist nur eine Krise und dabei sind etliche Schüler dabei, denen es den Boden unter den Füssen weg gezogen hat und zwar in allen sozialen Schichten. Für die Eltern die schon lange auf dem Zahnfleisch gehen fehlt jegliches Entgegenkommen von Frau Schopper für eine tragende Aufarbeitungszeit unter fairen Bedingungen für G8 Schulen. Einen neuen Bildunsweg ein zuschlagen, dazu ist Frau Schopper und Kretschmann nach diesem langen Ausnahmezustand nicht geglückt. Frau Schopper und Kretschmann betreiben Augenwischerei und Blendwerk und leisten für die Schüler keine angemessene Aufarbeitungsziet an den Schulen. Die Situation kann sich auch im neuem Schuljahr nicht stabilisieren weil jegliches Konzept fehlt für die angehäuften Lernlücken nicht vorliegt. Die Wünsche der Schüler und Eltern geht frau Schopper und Herrn Kretschmann am Arsch vorbei und haben sich verannt in Ihr festgelegtes Konzept. https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/lernbruecken-starten-in-bw-100.html

  5. Ich fasse mich kurz: Die Eltern des kranken Mädchens hätten schon längst die Reißleine ziehen müssen.
    Das Mädchen gehört nicht in die Schule, sondern in eine psychiatrische Fachklinik, in der die schulpflichtigen Patienten auch unterrichtet werden können. Diese Situation und die Vorwürfe gegen Schule und Lehrer sind unerträglich und haltlos, da keine Ausbildung und Zeit im Umgang mit derartigen Erkrankungen vorliegen.
    Das Mädchen braucht Ruhe, Zuwendung und fachlich kompetente Betreuer.
    Nichts von alldem ist an einer „normalen“ Schule wirklich und erfolgversprechend leistbar.
    Bin selbst von manchen Inklusionskindern überfordert. Das läuft hier einiges in eine falsche Richtung.
    RIKE

  6. Ich kann Rike voll zustimmen. Das Mädchen muss dringend raus aus dem System und das geht nur mittels Fachklinik.

    Ggf über einen Schulwechsel nachdenken. zB Realschule mit Qualifikation machen und dann zu einem Berufskolleg für das Abitur wechseln. So nimmt man den ganzen Lerndruck raus.

    Und wenn es Mal ein Schuljahr wiederholen muss: vollkommen egal, da fragt später kein Mensch mehr nach. Auch nicht nach dem Notenschnitt.

  7. Habe in meinen 44 Dienstjahren 3- mal ein krebskrankes Kind in der Klasse gehabt (Leukämie).

    Niemand, wirklich NIEMAND wäre auf die Idee gekommen, das Kind während der monatelangen Chemotherapie mit heruntergefahrenem Immunsystem in die Schule zu schicken oder von der Schule zu verlangen, entsprechende aseptische Verhältnisse herzustellen! Dafür gibt es Klinikschulen, auch im häuslichen Bereich mit Lehrerbesuch!

    Und den Eltern wurde zwar zugesichert, dass das Kind durch die Krankheit kein Schuljahr versäumt (Notenschutz), aber nur ein Elternpaar hat das in Anspruch genommen. Die anderen wollten ihr Kind dem Druck nicht aussetzen, waren froh, ihr Kind genesen zu sehen!
    Ok, ist nur Grundschule!

    Depressionen sind genauso anstrengend und gefährlich! Warum gönnt man dem Kind keine stressfreie Genesungszeit mit therapeutischer Begleitung?

    Die Regelschule ist kein Therapiezentrum! Das kann sie unter den gegebenen Regularien und den fehlenden Therpeuten einfach nicht leisten!

    Es ist schon schlimm genug, dass Autisten (nicht Asperger) in die bunt gemischten, überfüllten Klassen geschickt werden! Auch dort sind die Eltern sauer, dass die Rituale, die das autistische Kind so zwingend braucht, nicht ununterbrochen von der einzigen Lehrkraft und den Mitschülern umgesetzt werden können!

    Es ist zwar kostengünstig, von allen im Klassenraum zu erwarten, auf schwere Erkrankungen Einzelner zu jeder Zeit Rücksicht zu nehmen, aber nicht umsetzbar! Dazu sind es zu viele Kinder mit speziellen Bedürfnissen.

    • Bei meiner Enkelin leider erleben müssen: Ihr Satz“ „Ok, das ist nur Grundschule“ lässt sich leider nicht generalisieren. An der GS meiner Enkelin wurde, trotz andauernder hochrosiko-Erkrankung, während der Pandemie auf Erfüllung aller Pflichten bestanden. Sie musste krankheitsbedingt ärztlich attestiert seit März 2020 zu Hause bleiben, ein Hauslehrer wurde vom SA keiner beauftragt. Selbst auf Erarbeitung und Ausfüllen der Arbeitsmaterialien des täglichen Präsenzunterricht – Materials der Klasse zuzüglich der Hausaufgaben wurde bestanden. Tägliche Abgabe per Moodle, oder in den Briefkasten der Schule, wurde gefordert. Als manchmal mehrere Tage keine Abgabe möglich war, weil die Kleine zu erschöpft war, wurde angedeutet, (völlig unprofessionell und falsch angedroht) dass sich dafür „vielleicht sogar das Jugendamt interessieren könne“.
      Der geschaffene Druck waren für die Mutter (die noch 2 weitere Kinder hat) und das kranke Kind kaum zu ertragen, auch wenn ich laufend versuchte zu relativieren und Druck herauszunehmen. Ich durfte auch nicht mit den Kolleginnen sprechen, weil die Mutter fürchtete, dass dann ihr nächstes Kind, unser Enkel, der dort in die Schule käme, es schwer haben dürfte.

      Man sieht: Auch in manchen GS-Schulleiterinnen und Klassenlehrerinnen können sekundarstufenmäßige, gefühlskalte und menschlich inkompetente Wesen stecken…

      Aber man darf nicht vergessen(!), dass die meisten LehrerInnen an GS so nicht handeln würden.

      @ Emil: Ich bin selbst Lehrer und bin entsetzt, wie sich manche meiner KollegInnen verhalten. Also haben die Eltern durchaus (manchmal, oft?) recht und die Lehrer sollten in sich gehen! Hochnäsigkeit bei solchen Dingen „ich rege mich schon nicht mehr auf“, bringt uns alle nicht weiter, sondern fördert nur das Klischee von der bösen Schule und dem schlimmen Lehrer. Ohne echte Kenntnis einer Situation, wer mit wem gesprochen und ob überhaupt jemand etwas abgelehnt hat, sollte man auch nicht oberschlau, arrogant und grundsätzlich alle Aussagen in Zweifel ziehen, sondern die berühmten Körnchen Wahrheit suchen!
      Gegen solche „deformations professionelles“ gibt es gezielte Kuren, für frustierte Kollegen und Kolleginnen. Wer schon so weit ist, mag dem Burnout nicht mehr allzu fern sein…

  8. Es ist wie immer, die Eltern haben Recht und die Lehrer sind Schuld.

    Gähn!!! Ich rege mich über solch einseitige Berichte von Eltern nicht mehr auf. (wär mal interessant, wie die Version der Schule aussieht. Und wie oft die Psychiater eine stationäre Aufnahme empfohlen haben und die Eltern dies abgelehnt haben.)

  9. Auch ich kann mich da leider meinen Vorschreibern nur anschließen: das Kind sollte nicht weiter in die Regelschule gehen müssen. Ich kenne einen vergleichbaren Fall, der Junge ging irgendwann in eine Schule für geistig Behinderte, wo er aufblühte. Mathe, Deutsch etc ohne Notendruck erlernen konnte, und dann später auf dem zweiten Bildungsweg im eigenen Tempo die Haupt- bzw Realschule nachholen….

  10. Verschiedene Sachen irritieren mich an dem Artikel, insbesondere die Sache mit der Nichtversetzung. Wenn bis Ostern alles gut gelaufen ist, konnte diese doch gar nicht mehr angemahnt werden und wäre demzufolge rechtlich anfechtbar. Gerade wegen der Coronaverordnung, die ja nicht beinhaltete Versetzungen auszusetzen, sondern ganz im Gegenteil, sie durchzuführen, auch wenn die Leistungen nicht passen.

  11. „Jeder Lehrer sollte so ein Kind haben“.
    Aussage einer erfahrenen Kollegin, die durch ihr eigenes Enkelkind viel dazulernte.

    • Und jeder Arzt sollte ein chronisch krankes Kind haben, oder wie? Ich bin froh, kein depressives Kind zu haben und brauche das auch beruflich nicht. Da bin ich in meiner Klasse mit 2L-Kindern, einem DAZ-Kind und einem LRS-Kind, für die ich aus Personalmangel keinen Förderlehrer bekomne, und 2 Förderstunden für alle zusammen, gut ausgelastet

      • Es geht im weiteren Sinne um Kinder, die aus welchem Grund auch immer schwierig sind, krank sind usw.
        Manchmal mag es besser sein, sie speziell zu beschulen, manchmal nicht. Das ist schwierig von außen zu beurteilen in dem obigen Fall.
        Es geht darum, dass man durch die eigene Erfahrung manches mit anderen Augen ansehen lernt. Und das hat schon manchen Pädagogen geholfen, gute Entscheidungen zu treffen.
        Nicht mehr und nicht weniger möchte ich damit sagen.
        Natürlich wünscht man niemandem ein krankes oder behindertes Kind. Die Lehrerin, die das uns sagte, erzählte gerne von ihren wohlgeratenen Töchtern. Motto: Wenn man nur richtig erzieht, dann klappt es. Viele Jahre später waren wir hocherstaunt über ihren Gesinnungswandel auf Grund ihrer Erfahrung. Ich achte sie sehr dafür, dass sie darüber berichtet hat.

    • Das kann ich nur unterstützen-bei mir ist es zwar die Enkelin, aber ich hätte nie gedacht, dass es Kolleginnen gibt, die derart übel handeln. Siehe etwas weiter oben…

  12. Ich finde, da wird der Schule und den LehrerInnen manchmal auch zu viel abverlangt. Ich habe öfter mal eine depressive Schülerin, erfahre es aber oft nur ganz nebenbei. Mir fällt zwar auf, wenn eine sehr ruhig ist oder depressiv / traurig wirkt, aber anhand dessen kann ich ja keine Diagnose stellen, schon gar nicht als Lehrerin. Meist bekommen wir viel zu wenig Informationen (auch wegen des Datenschutzes / Schutz von Patientendaten) darüber, wie es einem Kind wirklich geht, wie man am besten mit ihm umgeht und welche Störung überhaupt vorliegt. Wenn ich mal nachhake, bekomme ich hinter vorgehaltener Hand mal eine Info zugemurmelt. Und dann soll ein/e Lehrer/in auch noch im Distanzunterricht (auch ein völlig neues Feld in diesem Beruf!) auch noch wissen, wie man mit so einem Kind am besten umgeht? Sorry, aber das geht einfach gar nicht.

    Mit solchen Fällen kann ich als Lehrerin nur umgehen, wenn ich ganz konkrete Informationen und Anweisungen der Schulleitung oder Schulpsychologin bekomme. Aber offensichtlich war in dem Fall völlig unklar, wie nun am besten in diesem ganzen Corona-Chaos mit dem Mädchen umzugehen war. Was können die LehrerInnen dafür, frage ich mich!?

    Ansonsten schließe ich mich den anderen an, eine Schülerin, der es so schlecht geht, dass sie kaum am Unterricht teilnehmen kann (mündlich) oder korrekte Hausaufgaben nicht vorlesen kann, braucht dringend eine ganz andere Lösung als die Regelschule…

    • Bei einem guten Elterngespräch, am besten bei einem Hausbesuch, gibt es keinen Datenschutz und man erfährt (wenn nicht bewusst gemauert wird, was selten vorkommt) vielen über das Kind und das Umfeld der Familie-auch wie sich das Kind in der Familie verhält ist (und behandelt wird) ist immer wieder interessant und man viele Schlüsse daraus ableiten. Meist unterschreiben die Eltern auch, weil sie sich selbst Entlastung versprechen, die Schweigepflichtentbindungen für Lehrer und med./psych. Gesprächspartner.
      Die gute schwäbische Regel: „Mr muass halt mitanander schwätza“, bringt einen einen hier wirklich weiter, auch wenn es sehr zeitintensiv ist, alle „Kummerkinder“ zu besuchen…Aber: Es rentiert sich! Vor allem für das betroffene Kind.

      • @Alter Pauker
        Soweit ich es verstanden habe, geht es in diesem Fall um ein suizidales Kind, nicht um ein „Kummerkind“.
        Vielleicht verstehe ich da aber auch den Dialekt falsch!

        Ich würde es mir in diesem Fall nicht zutrauen, mit etwas „miteinander schwätze“ eine gute schulische Ausgangslage herzustellen!

        Nach 2 Suiziden in meiner Umgebung habe ich einen Heidenrespekt vor der Krankheit Depression, der ich nie und nimmer mit etwas „Küchenpsychologie“ entgegentreten würde!
        Selbst geschulte Psychiater konnten die beiden Suizide in einer entsprechenden Einrichtung nicht verhindern!
        Wer bin ich als kleine Lehrerin, das in einer Klasse mit 25 Schülern aufzufangen?

        • Als Schwäbin verstehe ich hier in diesem Zusammenhang unter “ ….miteinander schwätze….“ als ein „miteinander reden“ , also in diesem Zusammenhang sicher unter vier oder sechs Augen, Klassenlehrer und Eltern. Ganz konkret wie geht es dem Kind zu Hause, wie geht es ihm in der Schule. Dafür hat sich „Alter Pauker“ durch Hausbesuche erstaunlich viel Zeit genommen, und meistens ist es für beide Parteien hilfreich zu erkennen: dem anderen geht es genauso um das Kind.
          Was Suizidalität betrifft, lese ich im obigen Artikel am Anfang gar nichts davon, erst zum Schluss, als sich die Lage zugespitzt hat. Man liest sogar, dass unter der vorigen Stufenleitung sich die Situation des Mädchen verbessert hat.
          Möglicherweise hat man bis zum Schluss aufgrund der positiven Vorerfahrung gehofft, dass eine gute Lösung gefunden wird (….“ hoffen aber immer noch auf eine „gute Lösung“…“ ), das ist verständlich. Ein Herausnehmen aus der Schule ist schon eine schwerwiegende Entscheidung.

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