„Schamanen“ unterrichteten: Was hinter der ausgehobenen Querdenker-Schule steckt

16

ROSENHEIM. In Oberbayern wollten Eltern ihre Kinder nicht mehr in staatliche Schulen schicken. Lieber gaben sie ihre Söhne und Töchter in eine fragwürdige private Einrichtung. Die Behörden reagierten nach ersten Hinweisen schnell. Die Leiterin ist eine verbeamtete Lehrerin – die für ihren Staatsdienst krank gemeldet war.

Die Polizei stellte Unterlagen sicher (Symbolfoto). Foto: Shutterstock

Im oberbayerischen Landkreis Rosenheim haben offenbar Vertreter der sogenannten Querdenker- und Reichsbürger-Szene versucht, eine eigene Schule aufzubauen. Die Bildungseinrichtung auf einem Bauernhof in Schechen wurde nach Hinweisen aus der Bevölkerung von den Behörden geschlossen, wie News4teachers bereits berichtete. Die Betreiberin der illegalen Schule könne in die Querdenker- und Reichsbürger-Richtung eingeordnet werden, sagte der Sprecher der Regierung von Oberbayern, Wolfgang Rupp.

Dies gehe aus den Unterlagen der Einrichtung hervor. «Es gibt einige eindeutige Hinweise auf den querdenker- und reichsbürger-typischen Sprachgebrauch», erläuterte er. Ob die Eltern der rund 50 an der Schule unterrichteten Kinder auch diesen Szenen zuzuordnen seien, könne aber noch nicht gesagt werden.

Die Leiterin der illegalen Schule sei verbeamtete Lehrerin einer Grund- und Mittelschule im Raum Oberbayern gewesen, sagte Rupp weiter. Sie habe sich seit Längerem im Krankenstand befunden. Rupp äußerte sich ebenfalls unter Verweis auf Datenschutz auch nicht dazu, ob nun disziplinarisch gegen die Frau vorgegangen wird. Die Schule wurde von den Behörden am Mittwoch geschlossen.

Die Frau berufe sich darauf, dass die Schule auf einem alten Bauernhof bei Schechen von einer Stiftung nach russischem Recht getragen werde und deshalb russischem Recht unterliege, sagte Rupp. Es handele sich um russisches Territorium. Von daher sehe man deutsches Recht als nicht geltend oder ausgehebelt an. Es sei ein «reichsbürgertypisches Denkmuster» erkennbar, sagte Rupp, der die Schule aber nicht direkt Reichsbürgern zuordnete.

Laut dem Bayerischen Rundfunk wies die Gründerin der nicht zugelassenen Bildungseinrichtung den Vorwurf zurück, dass es sich um eine «Querdenker-Schule» handele. Die Frau habe erklärt, es handele sich um eine russische Stiftungsschule. Für die Inhalte waren demnach Eltern der Kinder sowie „aus dem System ausgestiegene Pädagogen“, verantwortlich, «unter anderem Kräuter- und Musik-Pädagogen, aber auch Schamanen», berichtete der BR unter Berufung auf die Frau. Sie wolle nicht, dass ihr Name in der Berichterstattung genannt werde.

Nach Angaben des Sprechers der Regierung von Oberbayern handelt es sich um eine «selbst ernannte Stiftung». Diese habe auch Schulverträge mit den Eltern abschließen wollen, es habe zudem Infoflyer für die Einrichtung gegeben. Demnach wollten die Betreiber die Kinder gegen Bezahlung auf dem Bauernhof zu unterrichten. Jungen und Mädchen aus der ersten bis zur neunten Klasse seien in die Einrichtung gegangen.

Vor dem Bauernhof war ein einfaches Schild mit der Aufschrift «Stiftung Freiheit braucht Mut» angebracht. Die Bildungseinrichtung wurde darauf als «Ort der ganzheitlichen Begegnung» bezeichnet.

«Im Fernunterricht war bislang nicht bekannt, dass die Kinder gefehlt haben»

Bei den Schülern soll es sich um Kinder handeln, die wegen der verpflichtenden Coronatests und der Maskenpflicht von den Eltern vom Präsenzunterricht an verschiedenen Schulen abgemeldet wurden. In diesen Fällen müssen Kinder in Bayern derzeit von ihrer Schule im Distanzunterricht betreut werden, beispielsweise mit der Überlassung von Lehrmaterial und der Betreuung per Online-Videoschalte. «Im Fernunterricht war bislang nicht bekannt, dass die Kinder gefehlt haben», sagte Rupp.

Die Behörden hatten die nicht genehmigte Schule am Mittwoch geschlossen. Am Montag habe es erste Hinweise gegeben, dass dort eine schulische Einrichtung in einem alten Bauernhof betrieben werde, erklärte der Sprecher. Die Einrichtung in Schechen soll Schüler aus dem ganzen Landkreis und darüber hinaus aufgenommen haben. Wie lange dort schon Unterricht angeboten wurde, sei unklar. Nach Einschätzung der Behörden hätte die Schule selbst bei einem Antrag auf den Betrieb einer privaten sogenannten Ersatzschule keine Genehmigung erhalten.

Eine Nachbarin berichtete, dass der Hof bereits im Frühjahr neu bezogen worden sei. «Richtig viel los war die letzten beiden Monate», sagte Jacqueline S. der Deutschen Presse-Agentur. Es seien bis zu 40 Autos zu dem ländlich gelegenen Anwesen gekommen. «Das kam uns etwas suspekt vor.»

Nach ihren Angaben hätten sich Nachbarn darüber ausgetauscht, was dort los sei, zumal es sich um schulpflichtige Kinder gehandelt habe. Konkrete Hinweise auf «Reichsbürger» oder «Querdenker» habe es nicht gegeben. «Aber wir haben uns schon gedacht, dass es sowas sein muss, weil die ja alle ohne Masken und auf engem Raum zusammen waren», meinte sie.

Die Behörden hatten auch durch einen Elternteil selbst einen Hinweis auf die illegale Schule bekommen. Dieser habe sein Kind offiziell von einer staatlichen Schule abgemeldet und an der nicht zugelassenen Privatschule angemeldet, sagte Rupp. «Das war strategisch etwas blöd.»

Der Fall erinnert an die Schule, die die Sekte «Zwölf Stämme» einst im nordschwäbischen Landkreis Donau-Ries betrieben haben. Dort hatte der Freistaat der Sekte den Betrieb einer Privatschule allerdings gestattet, nachdem Eltern sich geweigert hatten, ihre Kinder in staatliche Schulen zu schicken. Die Behörden hatten dann aber jahrelang bei der Schule nicht mehr so genau hingeschaut.

Im Jahr 2013 wurde der Sekte die Ersatzschul-Genehmigung entzogen. Zudem wurde bekannt, dass an der Sektenschule das Verprügeln der Kinder zu den üblichen pädagogischen Maßnahmen zählte. Mehrere Sektenmitglieder mussten sich vor Gerichten verantworten, eine Lehrerin der Einrichtung erhielt sogar eine Gefängnisstrafe ohne Bewährung. Die Frau hatte zudem gar nicht die notwendige Qualifikation, um überhaupt als Lehrerin zu arbeiten. News4teachers/mit Material der dpa

Polizei holt 40 Kinder aus Glaubensgemeinschaft «Zwölf Stämme»

Anzeige


16 KOMMENTARE

    • Ja das muss schlimm sein und dann auch noch mit irren Lehrern, die die Kinder dazu nötigen, gesundheitliche Test vor der ganzen Klasse durchzuführen, um zu beweisen, dass sie gesund sind und Masken zu tragen, die freies Atmen und Kommunikation behindern, obwohl selbst bei einer pandemischen Lage keine evidenzbasierte positive Auswirkung dieser Massnahmen nachgewiesen werden kann, die negativen Auswirkungen aber sehr wohl. Systemtreue Erfüllungsgehilfen trifft als Berufsbezeichnung wohl besser zu als Lehrer.

      • Genau, da melde ich mein Kind doch besser bei einer Schule an, deren Leiterin ihren Arbeitgeber betrügt, indem sie sich krank meldet und weiterhin ihre Vergütung kassiert, obwohl sie woanders arbeitet… Ach nee, dir betrügt ja niemanden, weil es die Bundesrepublik Deutschland ja gar nicht gibt! Wir befinden uns ja immer noch im Kriegszustand und fallen unter die Gesetze der Alliierten…. Aber Stopp mal: Als Beamtin muss ich doch einen Amtseid ablegen. Das heisst also, die Leiterin hat diesen abgelegt und auf ein Grundgesetz geschworen, dass keine Gültigkeit hat, weil es ja die Bundesrepublik nicht gibt. Aber warum nimmt diese Lehrerin von solchen dubiosen Quellen wie ihrem Dienstherrn monatlich Geld, auch Vergütung genannt, an? Wo dieses Geld doch offensichtlich der Bevölkerung des nicht vorhandenen Staats abgepresst wurde, indem man es als Steuern tituliert. Aber kann ein Staat, der keiner ist, Steuern eintreiben?
        Sorry, man kann sich in der Tat über die Massnahmen in der Pandemie streiten, aber das rechtfertigt in meinen Augen nicht, seine Kinder auf eine solche Schule zu schicken! Und ja, Lehrer müssen systemtreue Erfüllungsgehilfen sein. Deshalb werden sie verbeamtet, dürfen nicht streiken und sind verpflichtet den Dienstanordnungen folge zu leisten.

      • 6, setzen..
        Es gibt sehr wohl Studien, die die Wirksamkeit belegen. Aber welche Studie bitte belegt, dass Masketragen ein Nachteil für Atmung und Kommunikation sein soll?
        Man muss lediglich etwas lauter reden – mehr nicht. Wenn das dein einziges Problem ist, dann solltest du dich glücklich schätzen.

        • Hallo Diana,
          Maske tragen hat natürlich schon eine Wirkung, das ist den meisten mittlerweile klar nach 1,5 Jahren Pandemie. ABER: Gerade Grundschulkinder sind auf die Mimik des Lehrers und der Klassenkameraden für eine bessere Kommunikation angewiesen, eine Studie habe ich leider nicht parat, aber da gibt es sicherlich welche.
          Unsere Tochter besucht die 1. Klasse, und sie ist das stundenlange Masketragen nicht nur unangenehm, sondern stört das Lernen wirklich erheblich. Und ganz nebenbei: damit die Masken wirklich pandemie-bremsend wirken, muss auch auf Hygiene geachtet werden, was bei Grundschulkindern nicht immer der Fall ist (die fallen im Pausenhof auf den Boden, werden getauscht, usw.), deshalb halte ich die Maskenpflicht bei Grundschulkindern für falsch und nicht sinnvoll. Von den älteren Kindern kann man mehr verlangen, aber selbst da würde ich von einer Maskenpflicht im Unterricht absehen, sondern auf mildere Maßnahmen setzen wie Testen, feste Klassenverbünde, unterschiedlicher Schulbeginn/Schulpausen zur Entzerrung des Schülermassen, ggf. weniger Schulstunden, und natürlich endlich mal flächendeckend die Luftfilter (fehlen bei uns leider auch noch).

  1. Und was ist der Unterschied zu manchen(!) freien alternativen Schulen, die auch keine ausgebildeten Lehrkräfte beschäftigen?
    Warum guckt die Behörde da nicht genauer hin?
    Die sind voll von Querdenkern, Coronaleugnern, Masken- Test- und Impfverweigerern, Schulverweigerern und Attestfälschern. Präsenzpflichtverweigerer werden geduldet und sogar gedeckt. Die Lernpläne mitnichten eingehalten, der Kompetenzerwerb nicht gewährleistet und das Leistungsniveau nicht im Geringsten erreicht. Die haben wohl eine zu große Lobby und zu viel Einfluss in der Gesellschaft.
    Doppelmoral at its best!

    • Wenn sie die Genehmigung haben, können sie in gewissen Grenzen machen, was sie wollen. Im Falle von Ergänzungsschulen gibt es die externen Prüfungen.

      Bei Waldorfschulen soll es Impfskeptiker geben. Wie das beim Thema Corona aussieht, weiß ich nicht.

    • Blödsinn!Das sind Vorurteile at its best,nix weiter.Die Tochter einer Freundin besucht eine freie Schule,da ist nichts mit Querdenkern.By the way,wenn ich eine freie Schule besuche,bin ich kein Präsenzpflichtverweigerer,ich besuche die Schule ja.

  2. Nun, ist es nicht etwas zu einfach gedacht gegen die Pseudo- oder freie Schulen zu schießen?
    Es gibt so einiges an Verbesserungspotential an staatlichen Schulen, vielleicht sollte dort endlich mal angesetzt werden! Ich verstehe wenn Eltern u Kinder nach Alternativen suchen! (was nicht heisst das ich diese spezielle „Schule“ gut finde, aber ich verstehe den Hintergrund, warum nach Alternativen geschaut wird).
    Ich bin der Meinung, dass es dem deutschen Schulsystem gut tun würde, wenn es mehr Alternativen geben würde u die Schulpflicht als reine Präsenzpflicht nicht gelten würde (wie in fast allen anderen europäischen Ländern schon lange der Fall ist).
    Vielleicht würde sich dann an den staatlichen Schulen was ändern (kleinere Klassen, bessere Ausstattung etc)

  3. Das sind keine Vorurteile, sondern aktuelle persönliche Erfahrungen.
    Ich kenne freie Schulen, die gut organisiert und professionell arbeiten, sich bewährt haben, ihr pädagogisches Konzept umsetzen und mit den Landesschulbehörden kooperieren. Und solche Schulen sind notwendig als Alternativen zum maroden 100 Jahre alten staatlichen Schulsystem. Unbedingt!
    Ich spreche hier von den Schulen, die ihre Genehmigungen ausnutzen um alle möglichen Auflagen zu umgehen. Sie ignorieren die Präsenzpflicht, indem sie wegsehen, wenn Schüler im Homeschooling bleiben, weil sie keine Tests machen oder Masken tragen wollen. Die halbe Schulelternschaft inkl. Schulleitung sowie Lernbegleiter haben alle vom selben Arzt Bescheinigungen darüber, dass sie keine Masken tragen oder Tests machen und schon gar nicht sich impfen lassen dürfen.
    Das Schlimmste für mich war allerdings, dass die Kinder an dieser Schule nicht mal den Hauptschulabschluss erreichen werden, wenn sie die Schule verlassen. Das ist Vernachlässigung in meinen Augen. Und alle schauen zu. Diese Kinder sind weder sozial noch fachlich kompetent. Sie werden nie eine Chance auf eine Ausbildung haben.

    • Ok,das ist natürlich etwas anderes.Die Schüler an den von Ihnen genannten kooperierenden freien Schulen sind nämlich in den Abschlussprüfungen meistens so gut,dass von Seiten der regulären Schulen gefragt wird,mensch,wie macht Ihr das.Und da kommt die Alternative zun maroden Bildungssystem ins Spiel.Diesen Kindern wurde die Lust am Lernen noch nicht vergällt,sie WOLLEN lernen und sie wissen wie.Wär es logistisch machbar gewesen,wär mein Sohn auch auf keiner Regelschule.Aber ich schweife ab….Wobei,ein letztes noch,due Präsenzpflicht in einer Pandemie ist eh das letzten

  4. Ob die Bauernhof-Schule gut oder schlecht war, kann ich nicht beurteilen, aber zumindest konnten die Kinder überhaupt eine Schule besuchen, ohne die ganzen Corona-Maßnahmen mitzumachen, und wurden ja offensichtlich von einer verbeamteten Lehrerin unterrichtet, klingt eigentlich nicht so schlecht – dass diese während ihrer Krankmeldung gearbeitet hat, verstösst natürlich gegen Arbeitnehmervorschriften.
    Wir wären trotzdem froh gewesen, wenn wir unsere 4 Kinder während der ganzen Lockdowns in so eine Schule hätte schicken können – es war echt für alle anstrengend, daheim Schule spielen zu müssen und „nebenbei“ zu arbeiten! Aber für uns wäre so eine „Bauernhofschule“ natürlich nur eine Übergangslösung während der Lockdowns gewesen, wir sind froh, dass die Kinder wieder in den Regelunterricht gehen können, wenn auch mit der bl…. Maske.
    Bezeichnend ist hier auch, dass die reguläre Schule offensichtlich wochenlang die Abwesenheit der Schüler gar nicht bemerkt hat – das lief bei uns besser, wir haben viel mit den Lehrern telefoniert, und ab und zu kam sogar mal ein Lehrer persönlich daheim vorbei, das hat schon geholfen.

  5. Zwei Schulebegriffe:
    – ein Ort der zwingenden Erziehung zum Staatsbürger mit Strafandrohung bei Nichterscheinen oder
    – eine Einladung zum gemeinsamen Lernen und Ausbilden, freiwillig unter souveränen Menschen.

    Das scheint mir das, zugegeben etwas polarisierte, Spannungsfeld hier. Die Querdenker sind dann der Nichtstaat, die Souveränen und die Selbstdenkenden. Die staatlichen Schulbesucher sind die Verwalteten, welche fragen was sie denn noch dürfen und regelmäßig überhört werden. Die meisten „freien“ Schulen besiedeln eine Grauzone dazwischen.

  6. Ich finde diese Berichterstattung gruselig. Da wird von Sekte und Reichsbürger-denkweise gesprochen, aber ohne Beweise oder ähnliches.
    Hier findet eine Vorverurteilung statt, die haarsträubend ist.
    Es ist keinem Kind dort etwas zugestoßen, außer das es unterrichtet wurde.
    Und die quereingestiegenen Lehrkräfte an unseren staatlichen Schulen sind häufig nicht besser als eine Kräuterkunde-lehrerin. Ich hätte mich gefreut, wäre die Berichterstattung hier etwas objektiver und nicht so reißerisch.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here