Laschets „Zukunftsexpertin“ für Bildung tritt eine Debatte los – um Gendern in der Schule. GEW: Durchsichtig

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KIEL. Ist das die Frage, die Deutschland in Sachen Bildung bewegt? Karin Prien, Bildungsministerin von Schleswig-Holstein und Expertin für Bildung im „Zukunftsteam“ von Unionskanzlerkandidat Armin Laschet, hat eine Debatte um das Gendern in Schulen losgetreten. In einem Erlass stellt sie klar, dass Sternchen oder Unterstrich in Klassenarbeiten als Fehler zu bewerten seien. Der Koalitionspartner ist verärgert. Die GEW sieht ein billiges Wahlkampfmanöver.

Geht es beim Gendern in Schulen um Bildung? Karin Prien, Bildungsministerin von Schleswig-Holstein – und Mitglied im „Zukunftsteam“ von Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU). Foto: Frank Peter / Staatskanzlei Schleswig-Holstein

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) hat am Donnerstag an alle Schulen im Land einen Erlass verschicken lassen, in dem darauf verwiesen wird, dass das Gender-Sternchen oder auch der Gender-Unterstrich nicht zum Regelwerk zum Erlernen der deutschen Rechtschreibung gehört. Sie sollen daher in schriftlichen Arbeiten als Fehler bewertet werden. Die Grünen – Koalitionspartner in der Landesregierung – reagieren verschnupft.

«Dass an Hochschulen mit dem * gegendert werden darf und auch viele Nachrichten mittlerweile mit : gegendert werden, unseren Schüler*innen aber genau dieses verboten werden soll, halte ich für völlig unlogisch», sagt Grünen-Landeschefin Anna Tranziska. Es sei falsch, Kindern und Jugendlichen Fehler anzurechnen, wenn sie mit Genderstern oder Doppelpunkt arbeiten.

«Das hat uns besonders erstaunt, weil sie sich noch im Mai diesen Jahres gegen ein Verbot ausgesprochen hat»

Tranziska betont: «Im Unterschied zur Ministerin trauen wir den Lehrer*innen zu, pädagogisch und angemessen mit dem Thema Diversität und geschlechtergerechter Sprache umzugehen.» Statt dieser «Verbotspolitik» wäre ein Angebot zur fachlichen Unterstützung, wenn es hierzu noch Fragen und Unklarheiten gibt, der angemessene Weg gewesen. Prien habe ohne Absprache mit dem Koalitionspartner über einen neuen Erlass entschieden. «Das hat uns besonders erstaunt, weil sie sich noch im Mai diesen Jahres gegen ein Verbot ausgesprochen hat.»

Schüler und Schülerinnen müssten die Wahl haben. «In einer Koalition, wo wir die Dinge sonst vernünftig miteinander diskutieren, ist ein solches Verhalten nicht üblich und wir vermuten, dass die Union hier auf dem Rücken unserer Schüler*innen Bundestagswahlkampf betreibt», meint Tranziska.

Prien selbst bezeichnete das Thema als unnötig politisch aufgeladen. Sie weise seit Monaten auf die geltende Rechtslage hin, die zuletzt vom Rat für deutsche Rechtschreibung bestätigt wurde. «Dass wir uns an den Schulen Schleswig-Holsteins an die Regeln des Rats für deutsche Rechtschreibung halten, ist nun wirklich nicht neu.» Seit 2006 gelten diese an den Schulen im Norden verbindlich. «Der entsprechende Erlass kam aus einem SPD-Ministerium in einer großen Koalition, das galt in der Küstenkoalition fort und das gilt auch jetzt in der Jamaika-Koalition.» Warum dann überhaupt jetzt ein neuer Erlass notwendig war? Laut NDR behauptet Prien: Die Schulen seien verunsichert gewesen. Sie habe deshalb handeln müssen.

Allerdings hatte erst in der vorvergangenen Woche Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) einen ähnlichen Erlass herausgegeben – also doch eine abgesprochene Wahlkampf-Aktion?

Auch in der ZDF-Sendung Markus Lanz hatte Prien am vergangenen Dienstag vor einem Millionenpublikum das Thema nach vorne gerückt. „Wir müssen doch eine einheitliche Sprache lernen in diesem Land“, sagte sie. Während der Moderator Lanz von „Gespensterdebatten“ sprach und davon, dass es „für Kinder und die Frage, was aus diesen Kindern irgendwann einmal wird, doch total egal ist, ob die ein Sternchen dahin basteln oder nicht“, wollte Prien das Thema prioritär behandelt wissen. „Was nicht egal ist, ist, ob sie eine Chance haben, ihre Sprache zu lernen – und darum geht es doch“, erwiderte die CDU-Politikerin. Zwar könnten Schüler gern über Gendern, Linguistik und Diskriminierung debattieren. Die Frage sei aber: „Kann ein sechs oder siebenjähriges Kind tatsächlich die deutsche Sprache erlernen, wenn in einem Wort solche Sonderzeichen verwendet werden?“

«Niemand wird ernsthaft bestreiten, dass die reine Verwendung von männlichen Formen eine Missachtung von Frauen darstellt»

Die GEW hält Priens Vorgehen für „ziemlich durchsichtig“, wie es in einer Pressemitteilung heißt. „Um für ihre CDU im Wahlkampfendspurt konservative und bildungsbürgerliche Wählerschichten zu bedienen, will sie das * in den Schulen auf den Index setzen. Nach Willen der Ministerin sollen *, :,_, I als Elemente einer geschlechtersensiblen Sprache in Aufsätzen und Texten in Zukunft rot angestrichen werden. Da kommt dann auf die Lehrer*innen, pardon Lehrkräfte, einiges zu“, so schreibt die Gewerkschaft. Sie empfiehlt, das Thema mit Gelassenheit und nicht mit Hysterie zu diskutieren.

„Sprache entwickelt sich genauso wie die Gesellschaft weiter. Weder reden wir, noch schreiben wir wie zu Goethes Zeiten. Niemand wird ernsthaft bestreiten, dass die reine Verwendung von männlichen Formen eine Missachtung von Frauen darstellt. Dominiert sprachlich das männliche Geschlecht, legt dies eine vermeintliche männliche Überlegenheit nahe. Sprache beeinflusst auch das Bewusstsein. Wir halten es daher für richtig, sich in der Schule mit einer geschlechtergerechten Sprache auseinanderzusetzen. Das Bildungsministerium muss daher Regelungen schaffen, die eine geschlechtersensible Sprache in Aufsätzen und Texten ermöglichen – und nicht verbieten.“

Das bedeute aber keineswegs, – wie Prien nahegelegt hatte – schon Grundschulkinder beim Schreibenlernen mit dem Gendersternchen zu konfrontieren. News4teachers / mit Material der dpa

Keine „Lehrer*innen“: Kultusminister verbietet Gender-Kunstwörter an Schulen

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22 KOMMENTARE

  1. Hab ich was verpasst? Ist Corona weg? Oder warum kommt sie jetzt mit so einer Genderdebatte um die Ecke? Ich würde denken, die Schulen in Deutschland haben gerade ganz andere Probleme.

    • Da sieht man, wie ernst die Probleme an Schulen betreffend Corona genommen werden. Sie haben ihren Platz jetzt nur noch als Nebenschauplatz angewiesen bekommen!
      Abgehakt und das wirklich Wichtige an die 1. Stelle gerückt!
      Lebensferne Entscheidung! Keine Ahnung, wie es in Schulen momentan aussieht!

  2. Himmel, hätten wir sonst keine Probleme in den Schulen, könnte man es ja lustig finden!
    Soll sich lieber um Infektionsschutz in Schulen kümmern !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    Hat auch was mit Gendergerechtigkeit zu tun: in den Grundschulen arbeiten vornehmlich Frauen, die jetzt – geimpft oder nicht – wieder der Ansteckung ausgesetzt sind, weil keiner bereit ist, in der Schule für effektiven Infektionsschutz zu sorgen.

    In meinen Augen ist es eine zynische Farce, was in den Schulen geschieht!
    Das ist, als unterhalte man sich über den Grünton und das Geschlecht des Ampelmännchens, während alle Ampeln vor Schulen abgeschaltet sind, weil noch Platz auf den Unfallstationen ist!

  3. Genderdebatte?

    Als DAS FRÄULEIN durch DIE FRAU ersetzt wurde, war ich echt d’accord, da es ja auch nicht DAS MÄNNLEIN für unverheiratete Männer gab.

    Jetzt warte ich schon seit Jahren darauf, dass DAS MÄDCHEN wieder durch DIE MAGD ersetzt wird, denn es heißt ja auch DER JUNGE!

    Achtung, Ironie!

  4. Frau Prien ist – wie alle anderen in Laschets „Zukunftsteam“ (ich komme aus dem Lachen nicht mehr heraus!!) – völlig „out of order“ – oder wie Rezo wahrscheinlich sagen würde „total lost“…

    Man kann nur hoffen, das das Untergangsvirus `Arminid u<18%´ , das Armin – der Aushilfshobbit – Laschet in die CDU eingeschleppt hat, bereits über das "Zukunftsteam" (hua hua hua!!) in weite Teile der ResteRampeUnion eingeschleppt wurde und diese für die nächsten Jahre in Quarantäne auf die Oppositionsbänke verbannt werden ohne sich durch irgendeine Form von PCR-Test (political, correkt, responsible) vorzeitig frei-testen zu können.

    Auf ein nicht so baldes Wiedersehen!!!…die Firma "Stepstones" macht dem KaKa Laschet bereits auf Plakatwänden Angebote zur Jobfindung, weil es ja offenbar weder mit Berlin noch mit Düsseldorf was wird.

    Tipp an "Stepstones": Als Hochschullehrer ist der Mann auch nicht zu gebrauchen. Diesen Vermittlungsversuch könnt ihr euch gleich sparen.. 😉

  5. „… dass das Gender-Sternchen oder auch der Gender-Unterstrich nicht zum Regelwerk zum Erlernen der deutschen Rechtschreibung gehört. Sie sollen daher in schriftlichen Arbeiten als Fehler bewertet werden.“

    Richtig so!

    • Aber wie ist es, wenn Kinder schreiben „bestes Lied ever“ und solcherlei? Darf man, soll man das anstreichen als Fehler? Ist ja auch kein Deutsch!

      • Wenn ich so an die Fragestellung herangehe, dann brauche ich gar nichts mehr „anzustreichen“.
        Wenn mir wichtig ist, dass meine Schüler (ja, und auch meine Schülerinnen) den Unterschied zwischen korrekter Sprache und Umgangssprache kennen lernen, dann thematisiere ich das sehr wohl.

      • @fabianBLN

        „Aber wie ist es, wenn Kinder schreiben „bestes Lied ever“ und solcherlei? Darf man, soll man das anstreichen als Fehler? Ist ja auch kein Deutsch!“

        Das hängt ja wohl vom Kontext ab, was Ihnen – als Lehrer (?) durchaus bewusst ist?
        (Z.B. Äußerung im Fach Deutsch? Äußerung über (!) sprachliche Besonderheiten und den Umgang damit? Äußerung im Fach Musik? … zu welcher Musikrichtung? …)

        Fazit:
        Ihr „blödester Post ever“.

  6. Welche Wichtigkeit muss eine Gendersprache in einem sehr langen Ausnahmzustand einnehmen. Die Politik sollte in dieser sehr schwiergen Lebensphase mit den wirklichen Herausforderungen beschäftigen und den heranwachsenden Kindern endlich eine Wichtigkeit zukommen lassen und für Gesundheitsschutz einsetzen. Der Gesundheitsschutz ist in fast keinem Klassenzimmern vor zu finden und in der vierten Welle immer noch keine bessere Bedinungen geschaffen worden. Die Sternchen Frage stellt sich leider in dieser Lebensphase in der wir uns alle befinden, gerade nicht. Die Problematik haben die Politiker und KM immer noch nicht anerkannt und die letzten in der Reihe sind unsere Kinder bekommen schlechtesten Bedigungen durch diese schwere Lebensphase durch zu kommen.https://www.focus.de/gesundheit/coronavirus/focus-online-kolumne-von-alexander-kekule-uns-droht-virale-detonation-wenn-wir-corona-unter-kindern-jetzt-laufen-lassen_id_20935588.html Ich bin mir sicher den klaren Blick hat die Politik und KM verloren und der Wahlkampf ist so geschmacklos in dieser außergewöhnlichen Lebensphase und verbessert unsere Lebenssituation nicht.

  7. Da steigt ein Ballon
    und alle sollten ihn (er-)blicken.
    Doch die Vir*innen sind weiter
    in Kita und Schule.
    Schade, schon scheint die Luft raus.

  8. Wahlkampf sollte NIEMALS zu Lasten der SuS gehen. Das gilt für Corona ebenso wie für Schreibregeln.

    Wenn der Föderalismus in der Bildungspolitik dazu führt, dass künftig KM je nach Parteibuch alle paar Jahre die Schreibregeln irgendwie umwerfen können (vorzugsweise direkt vor einer Wahl, die sie vermutlich verlieren werden), dann sollte man den Bildungsföderalismus als solchen hinterfragen und lieber zentrale Lösungen anstreben (was auch in der Corona-Krise ein deutlicher Gewinn für den Gesundheitsschutz wäre!).

    Es steht außer Zweifel, dass Geschlechtergerechtigkeit ein sehr wichtiges Thema ist, das sich nicht nur auf die Sprache beschränkt, sondern tatsächlich gelebt werden muss.

    Bezüglich der Sprache gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, Geschlechtergerechtigkeit auszudrücken. Die Lösung kann jetzt aber nicht sein, dass jedes Bundesland je nach Parteibuch der KM die Variante durchdrückt oder verbietet, die gerade passt oder eben nicht passt. Hier muss eine deutschlandweite, überparteiliche Lösung hier und die wird dann überall umgesetzt. Wenn man so etwas in jedem Bundesland anders macht und alle paar Jahre mit einer neuen Landesregierung dann wieder umkippt, dann macht man sich lächerlich. Das schadet am Ende dann der Sache, die man eigentlich erreichen will, wesentlich mehr, als dass sie nutzt.

    Man sollte also deutschlandweit EINE Lösung der geschlechtergerechten Sprache auswählen und die dann umsetzen. Sämtliche Energie, die man aktuell in x konkurrierende Lösungen (und die Bekämpfung der jeweils anderen) steckt, kann man dann nämlich in das Ziel stecken, tatsächlich Geschlechtergerechtigkeit zu erreichen (also wirklich, nicht nur auf dem Papier). Geschlechtergerechtigkeit haben wir erst, wenn die Müllfrau oder der Kindergartenerzieher ebenso selbstverständlich sind wie der Putzmann oder die Automechanikerin und niemand mehr die Nase rümpft, wenn Mädchen mit Autos spielen oder Jungs mit Puppen.

  9. Halleluja. Ein weitere Luft- Blubber-Blase, die das Rumpelstilzchen steigen lässt. Und dabei tanzt er in einer Rauchwolke ums Feuer. Damit man die wahren, existentiellen Probleme und die eigene Handlungsunfähigkeit im Nebel nicht sehen kann

    Nur schade, dass diese ganzen Rauchbomben UNSER Geld kosten. Das dann für sinnvolle Ausgaben fehlt.

  10. Gendern, is wohl halt auch wichtig…

    für wen auch immer,…

    Wie wäre es mit Entlastung des Lehrpersonals?
    Schulsozialarbeiter*_:innen.
    Schulpsycholog*_:innen
    Luftfilter*_:innen (harrharr)

    Facepalm!!!

    Mädel, tu mal ne Prio Liste anlegen, auf der nicht so ein Müll an erster Stelle steht.

    • @Klugscheisser_:*

      Das ist gar nicht zum Lachen.
      Luftfilter*_:außen würden schließlich noch viel weniger gefördert als Luftfilter*_:innen, bestimmt nur in schlecht zu belüftenden Außenräumen. Vielleicht dafür mal ein großherziges Förderprogramm auflegen und sich gespielt wundern, warum keiner die Mittel abruft? So was nennt man Mittelmäßigkeit zum Zweck.

  11. Wenn ich ansonsten keine Sorgen in der Schule habe, werde ich solche schwerwiegenden Fehler auch irgendwann ahnden. Irgendwann mal. In einer fernen Zukunft.

  12. Da wo es problemlos möglich ist:
    Rohrkrepierern mit Ignoranz begegnen!
    Kostet: Nix.
    Spart: Alles weitere.

    PLUS: Diese Strategie ist denen bekannt.

  13. Mutet an wie „populistisches Anbiedern“ an die konservative Stammwählerschaft der CDU/CSU!

    Ein ganz erbärmliches Armutszeugnis!

    Wenn auf solch schlichte, so leicht durchschaubare Wahlkampfmittelchen rekurriert werden muss, lässt das tief blicken.

    Gibt es denn gerade für die Zukunft unseres Landes und unserer Kinder kein wichtigeres Thema als Gendern???

    Darf doch einfach nicht wahr sein!

    • Und Söderlein springt heute auch auf diesen Populismuszug auf. Gibt vielleicht wieder ei paar Kreuzchen mehr! Bayern sei kein „Belehrungsstaat“, er habe den Wissenschaftsminister angewiesen…. so steht’s im Zdf. Ein solches Gebaren eines Regierungschefs ist unmöglich- Minister und Ministerinnen sind keine Befehlsempfänger von „Königs“ Gnaden. Dieses Demokratieverständnis brauchen wir nicht, auch wenn’s in Bavsria so Usus ist.

      Und die Gender- Srachen- Frage zu instrumentalisieren, sie zu ins Lächerliche zu ziehen und zu banalisieren ist ein Unding. Die Sprache schafft Bewusstsein und darum MUSS man da ran- vielleicht wird an manchen Stellen übers Ziel hinausgeschossen- aber dass gerade Frauen dabei mitmachen, lässt mich sprachlos zurück.

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