Kinderkliniken stark belegt: Viele Kinder haben Atemwegsinfekt – auch wegen Corona

15

HALLE. Die Kinderkliniken sind momentan stark ausgelastet. Gerade die Jüngsten leiden in diesem Jahr früher als sonst an Atemwegserkrankungen. Das hat auch mit Corona zu tun.

Die Kinderkliniken haben mit RSV-Patienten alle Hände voll zu tun. Foto: Shutterstock

Husten, pfeifender Atem und Luftnot: Viele der kleinsten Patienten in den Kinderkliniken  kämpfen mit einem Atemwegsinfekt. Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) trifft vor allem Säuglinge und Kleinkinder. In diesem Jahr grassiert es schon früher als sonst und auch mehr Kinder stecken sich an.

Teilweise stoßen die Krankenhäuser sogar schon an ihre Belastungsgrenze. «Die Kinderabteilungen sind extremst gefüllt mit diesem RS-Virus», sagte Wolfgang Schütte, Präsident des Krankenhausverbands Sachsen-Anhalt. Teilweise hätten Kinderstationen keinen Platz mehr.

Auch in Dessau ist die Kinderstation des Städtischen Klinikums gut ausgelastet. Seit es Mitte September mit RSV so richtig losgegangen sei, waren im Schnitt 25 Prozent der Betten mit Kindern mit dem Virus belegt, sagte Stefan Fest, der Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Mittwoch. Im Vergleich zum Vorjahr gibt es den Angaben zufolge deutlich mehr Fälle. Allein bei den Testungen sehe man einen krassen Gegensatz, so Fest. Im gesamten Jahr 2020 wurden im Städtischen Klinikum Dessau gerade einmal 14 Tests auf RSV gemacht, davon war einer positiv. In diesem Jahr wurden bis Mitte Oktober schon fast 50 Tests durchgeführt, mit 31 positiven Befunden.

In der Krippe oder der Kita trifft das Virus jetzt auf viele Kinder, die im vergangenen Jahr noch nicht erkrankt sind

Normalerweise steigen die RSV-Infektionen erst im November stärker an. Warum die Infektionslage aktuell so hoch sei, sei unklar, sagte Krankenhausverband-Chef Wolfgang Schütte. Eine Ursache könne sein, dass die Corona-Hygienemaßnahmen das Virus unterdrückt hätten. Dadurch habe es keine kontinuierliche Infektionsrate gegeben. Jetzt schlage das RS-Virus dann plötzlich zu, so Schütte weiter.

Ähnlich formuliert es auch Stefan Fest aus Dessau. Normalerweise bekämen 50 bis 70 Prozent der Kinder im ersten Lebensjahr RSV, bis zum zweiten Lebensjahr seien dann in der Regel so gut wie alle Kinder mit der ersten Infektion durch. In der Krippe oder der Kita treffe das Virus jetzt auf viele Kinder, die im vergangenen Jahr noch nicht erkrankt seien.

Beide Ärzte geben aber Entwarnung: So gefährlich wie das Coronavirus ist das RSV demnach nicht. «Und es ist auch nicht so gefährlich, dass die alle auf die Intensivstation müssen, die Kinder. Aber sie sind doch eben relativ krank», sagte Schütte. RSV lasse sich gut behandeln und nach etwa einer Woche hätten die Kinder die Krankheit dann meist überstanden, so Chefarzt Fest aus Dessau.

Ältere Kinder stecken das Virus den Angaben zufolge in der Regel gut weg und bei Erwachsenen ist es relativ selten. Da spielt es laut Schütte nur bei Risikogruppen eine Rolle. dpa

Kitas und Schulen ohne Virenschutz: Kommen im Winter mehrere Wellen aufeinander?

Anzeige


15 KOMMENTARE

  1. Die Welle der RSV-Infektionen kommt also deshalb, weil wegen Lockdown die Immunsysteme nicht wie sonst trainiert werden konnten. Eine der Warnungen, die Kritiker der Corona-Maßnahmen schon zu Beginn äußerten, hat sich bestätigt.
    „RSV lasse sich gut behandeln und nach etwa einer Woche hätten die Kinder die Krankheit dann meist überstanden, so Chefarzt Fest aus Dessau.“ … wie bei den meisten Kindern ohne Vorerkrankungen im Fall von Covid auch.
    Irgendwie sollte man doch die natürlichen Mechanismen nicht ganz aus dem Blick lassen. Medicus curat, natura sanat.

    • Was ist denn das für eine groteske Logik? Hätten wir mehr Kinder mit Cortona auf Intensivstationen, hätten weniger von ihnen RSV… Alles klar.

  2. Nun in den Stuttgarter Kliniken wurden innerhalb 5 Wochen mehr Kinder an RSV behandelt, als in der ganzen Covidzeit an Corona erkrankte Kinder stationär behandelt wurden. NWZ Göppingen 25.9.21, unisono erklären die Klinikärzte, dass dies Schulschließung, Lockdown und Masken geschuldet wäre. In Stuttgart wurden übrigens auch schwerkranke Kinder auf Intensiv behandelt. Bei Erwachsenen wird eine schwere Influenzawelle erwartet.

    • @Neu 1
      Da zeigt sich mal wieder, wie unterschiedlich Leser einen Bericht interpretieren und auslegen.
      Unisono wird erklärt, dass durch HYGIENEMASSNAHMRN im vergangenen 1,5 Jahren, viele Erkältungskrankheiten und Virusinfekte unterdrückt wurden. Das ist sicher richtig und logisch.
      Sie schieben es allein auf lockdown, Masken und Schulschliessungen.
      Das ist schlichtweg falsch. Vielmehr lag es am allgemeinen, Vorsichtigen Verhalten der Menschen.
      Weniger private und berufliche Kontakte, Masketragen der Eltern. Ständige, konsequente Handhygiene, Abstand halten, etc, das hat die Infektionen in Schach gehalten.
      Wer hat vorher schon so auf Handhygiene geachtet? Gerade bei Kindern?
      Natürlich hat auch der lockdown und die zeitweise Einschränkung des Präsenzunterrichts dazu beigetragen.
      Natürlich haben die Hygienemaßnahmen nicht nur die Verbreitung von Corona eingedämmt.
      Ihrer Logik nach, hätten wir das alles nicht tun sollen?
      Ihrer Logik nach Corona freien Lauf lassen?
      Das ist geradezu grotesk.
      Im übrigen ist sich die Ärzteschaft durchaus nicht sicher, ob eine schwere oder eine schwache, oder gar keine Grippewelle auf uns zukommt.

  3. Das ist wohl eher auf die Hygieneregeln überall und Kontaktreduzierungen im Privaten zurückzuführen als auf Schulschließungen und Lockdowns, da Kleinkinder mit Schulbesuchen oder geschlossenen Schulen und shoppen und dergleichen wohl eher weniger zu tun haben.

    Was die Kitas und Kigas betrifft, die phasenweise und das eigentlich nur recht kurz vom Zeitrahmen her lediglich Notbetreuung anbieten konnten/durften/sollten, so frage ich mich wirklich, wie wir früher ohne die Kinderbetreuung vor der Schulzeit überhaupt überleben konnten. Das geht doch eigentlich gar nicht so im Nachhinein betrachtet. (Das ist jetzt ironisch gemeint.)

    Gegen Grippe kann man sich impfen. Der Impfstoff könnte etwas schützen.

    • Danke @Viva,
      Als ich noch klein war, gab es auf dem Land keine Kinderkrippen und auch kaum Kiga-Plätze. Selbst meine Kinder konnten erst ab 4 Jahren einen Kiga-Spielplatz an wenigen Wochenstunden bekommen!
      Wir alle waren nie im Kinderkrankenhaus!

  4. Ich bin dankbar, dass der Kleine Schnupfen jetzt endlich einmal eine gewisse Aufmerksamkeit erfährt. Der Kleine Schnupfen hatte das Glück, aus seinem früheren Schmuddeldasein in Betreuungseinrichtungen mit der Vollbeschäftigung beider Eltern heraus gefunden zu haben. Nun wird er als gern gesehener und für die Gesundheit der Kinder wichtiger Gast angesehen. Neben Motorik fördernden Klettergeräten und für die Frühkindliche Bildung wichtigen Spielsachen ist er nun ein echter Gewinn zur Förderung des ansonsten brach liegenden Immunsystems aller Ü1 Kinder. Deshalb durfte er auch nach einem eigens für ihn initiierten Schnupfengipfel schon im September 2020 in allen geöffneten Einrichtungen und später auch in den Notbetreuungen wieder mitspielen, auch wenn etwas nachteilig war, dass man ihn nicht von Corona unterscheiden konnte. Jetzt erhält er endlich die Gelegenheit, sein echtes Potential in der Presse wieder zu finden. Was in den meisten Einrichtungen längst bekannt ist, aber nie laut geäußert werden durfte ist nämlich, dass der Kleine Schnupfen fröhlich neben anderen Kindern spielt, tropft, schnieft und hustet, ohne sich im Geringsten unwohl zu fühlen und die anderen Kinder wie von Zauberhand plötzlich mit Fieber, Schnupfen und Bronchitis zu Hause bleiben. Dort fallen nacheinander die Geschwister und die Eltern mit der rätselhaften Krankheit aus. Der Kleine Schnupfen hat nichts und spielt immer einsamer in der Kita weiter. Einige der anderen Kinder bekommen mittlerweile Antibiotika gegen die aufgetretene Mittelohrentzündung und die immer stärker werdende Bronchitis. Eines oder zwei kommen mit Lungenentzündung ins Krankenhaus. Wenn sie nach drei Wochen wieder kommen, empfängt sie in der Kita der Kleine Schnupfen, der dort so fest installiert ist, genau wie die Puppenküche. Den Eltern graut es, aber sie müssen nach dem nun unbezahlten Urlaub wieder arbeiten. Die Kinder, im Darm nach Antibiotikaeinnahme im Immunsystem noch geschwächt, freunden sich zügig nochmal mit dem Kleinen Schnupfen an. Meistens ist es die Mutter, die nach nochmal drei Wochen krankem Kind plus Krankenhaus überlegt, ihren Job aufzugeben, weil ihr Kind mit dem Kleinen Schnupfen gar nicht klar kommt und sie nach den durchgestandenen Ängsten auf Kinderintensiv ihre positive Einstellung zum deutlich hör- und sichtbaren Kleinen Schnupfen schon beim Bringen ihres Kindes verloren hat. Vielleicht hat sie deshalb auch etwas zu den Erzieher/innen gesagt, was achselzuckend von diesen mit leicht rasselndem Atem und geröteter Nase abgewehrte wurde.
    Nein, der Kleine Schnupfen ist jetzt König. Da man mit den wenigen Kinderkranktagen wegen ihm nicht zu Hause bleiben kann, wurde er schlicht zum Wohl für das Immunsystem geadelt, weshalb er nicht in Frage gestellt werden darf. Corona ist ein bisschen eifersüchtig, weil sie für schlicht nicht existent oder zumindest ungefährlich für Kinder erklärt wurde. Und jetzt hat sich der Kleine Schnupfen in den Kinderkrankenhäusern so breit gemacht, dass für Corona ohnehin kein Platz mehr wäre. Ob Corona sich das gefallen lässt?

    • Ja, die vielen netten Antibiotika und Fiebersenker sind und waren auch schon vor Corona sehr förderlich für das Immunsystem der lieben Kleinen. Ganz viel früher steckte man ein leicht fieberndes Kind mit Husten und Schnupfen einfach mit heißem Tee und Wadenwickelnfür 1-2 Tage ins Bett und hat damit das arme Kind total isoliert und dem Aufbau des Immunsystems extrem geschadet. (da hier auch viele Leerdenker mitlesen, schreibe ich sicherheitshalber noch „Ironie off“)

      • @potschenutschka … ja wir haben unsere Kinder damit schwer traumatisiert, wenn sie so isoliert im Bett oder zumindest in der Wohnung sein mussten, mit Zwiebelsäckchen auf den Ohren unter einer Mütze, was zusammen mit Ruhe oft das Antibiotikum erspart hat. Man musste es nur rechtzeitig anwenden und deshalb konnten die armen Kinder nicht noch einige Tage lang mit ihren Viren die anderen Kinder trainieren. Das war ganz schön egoistisch von uns.

        • Bei Fieber, und nicht erst ab 38,1°, wurden wir mit Wadenwickeln, Hühnersuppe und Zitronenlimo ins Bett gepackt!
          Heute gibt es morgens einen Fiebersenker (Aspirinderivat) und die Kinder sitzen mit glasigen Augen dicht an dicht in der Klasse!
          Trotzdem fehlen mehr Kinder gleichzeitig als vor 40 Jahren.
          Die wissen halt nicht, wie gut sie es haben, dass ihr Immunsystem so hervorragend trainiert wird!

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here