Das ist die neue Bundes-Bildungsministerin! GEW und VBE begrüßen Koalitionsvertrag

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BERLIN. Knapp zwei Monate nach der Bundestagswahl haben SPD, Grüne und FDP ihren Koalitionsvertrag vorgestellt. Darin wird auch geregelt, welche Partei welches Ministerium leiten soll: Das Bundesbildungsministerium übernimmt – die FDP. Für die Leitung des Hauses wurde auch schon ein Name genannt. Der FDP-Bundesvorstand schlug die bisherige Parlamentarische Geschäftsführerin der Bundestagsfraktion Bettina Stark-Watzinger vor. GEW und VBE zeigten sich unterdessen erfreut über Inhalte des Koalitionsvertrags.

Schon mal eine erste Duftmarke gesetzt: Bettina Stark-Watzinger. Foto: privat

„Aus voller Überzeugung Politikerin, mit ganzem Herzen Mutter“, so stellt sich Bettina Stark-Watzinger (FDP) auf ihrer Homepage vor. Beruflich: „Im Anschluss an mein Studium der Volkswirtschaftslehre (1992) war ich in der Finanzbranche in Frankfurt tätig. Nach einem Auslandsaufenthalt in London/GB (u.a. Studium der Psychologie) wechselte ich in das Bildungswesen. Dort war ich zuletzt Geschäftsführerin eines Forschungsinstituts in Frankfurt. 2017 zog ich für die FDP in den Bundestag ein. Ich bin verheiratet und lebe mit meinem Mann und meinen zwei Töchtern in Bad Soden/Taunus.“

Auf Twitter setzte die Kandidatin schon mal eine erste Duftmarke in ihrem wohl künftigen Themenschwerpunkt:  „Ich freue mich, dass der Koalitionsvertrag jungen Menschen in unserem Land neue Chancen eröffnet: elternunabhängiges BAFöG, Schulen ähnlich der Talentschulen, Exzellenzinitiative in der Beruflichen Bildung, Lebenslanges Lernen, u.v.m.🔥🚀.“

„Die Bemühungen der GEW für Chancengleichheit in der Bildung und gute Arbeitsbedingungen haben Wirkung gezeigt“

Womit wir bei den Inhalten wären. Mit „vorsichtigem Optimismus“ hat die GEW nach eigenen Worten am Mittwoch auf die Veröffentlichung des Koalitionsvertrages der zukünftigen Bundesregierung reagiert. Die Ampel-Koalition setze im Bereich Bildung die richtigen Schwerpunkte, so die Vorsitzende Maike Finnern in einer ersten Stellungnahme.

Positiv zu werten sei, dass die drei zukünftigen Regierungsparteien ein „Jahrzehnt der Bildungschancen“ ausriefen, die öffentlichen Ausgaben für Bildung deutlich steigern, das Bundesausbildungsförderungsgesetz und das Wissenschaftszeitvertragsgesetz reformieren, in die digitale Infrastruktur investieren sowie das sogenannte Gute-Kita-Gesetz gemeinsam mit den Ländern bis zum Ende der Legislaturperiode in ein Qualitätsentwicklungsgesetz überführen wollten. Ein starkes Signal sei es zudem, dass mit einem neuen Programm „Startchancen“ mehr als 4.000 allgemein- und berufsbildende Schulen mit einem hohen Anteil sozial benachteiligter Schülerinnen und Schüler besonders gestärkt werden sollen. „Das zeigt, dass die Bemühungen der GEW für Chancengleichheit in der Bildung und gute Arbeitsbedingungen Wirkung gezeigt haben“, erklärte Finnern.

Dem von SPD, Grünen und FDP verfassten Koalitionsvertrag müssten aber konkrete Schritte folgen. Dazu gehörten vor allem gute Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten in Kita, Schule, Hochschule sowie in der sozialen Arbeit und der Weiterbildung. Das „Jahrzehnt der Bildungschancen“ müsse durch ein „Jahrzehnt der guten Arbeitsbedingungen“ in allen Bereich der Bildung mit Inhalt gefüllt werden. „Den Worten müssen Taten folgen.“ Die GEW-Vorsitzende kritisierte, dass der Koalitionsvertrag hinsichtlich der Frage, wie die bildungs-, investitions- und wissenschaftspolitischen Vorhaben künftig finanziert werden sollen, vage bleibt. „Angesichts des Festhaltens der drei Koalitionäre an der Schuldenbremse bleibt offen, wie es gelingen kann, alle Vorhaben umzusetzen.“ Die GEW werde die neue Bundesregierung an ihren Versprechen messen, kündigte Finnern an.

„Die Ziele werden sich  nur erreichen lassen, wenn es gelingt, dass dafür notwendige qualifizierte pädagogische Personal zu gewinnen“

Ähnlich äußerte sich der VBE. „Erfreut stellen wir fest, dass einige unserer Forderungen Einzug in den Vertrag der Ampel-Koalition gefunden haben. Insbesondere die geplante engere, zielgenauere und verbindliche Kooperation aller Ebenen ist ein wichtiger Schritt für mehr Chancengleichheit“, sagte Bundesvorsitzender Udo Beckmann.

Auch die Verstetigung des Digitalpakts, die Weiterentwicklung der Qualitätsoffensive Lehrerbildung und das Startchancen-Programm böten Möglichkeiten, Bildung nachhaltig zu verbessern und somit mehr Bildungsgerechtigkeit zu schaffen, so Beckmann. Der VBE begrüßt, dass bürokratische Hürden im Digitalpakt und bei der Ausgestaltung des Ganztages abgebaut und ein niedrigschwelliger Zugang zu Fördermitteln ermöglicht werden soll.

Allerdings: „Die im Koalitionsvertrag beschrieben Ziele werden sich aber nur erreichen lassen, wenn es gelingt, dass dafür notwendige qualifizierte pädagogische Personal zu gewinnen. Wie dies gelingen soll, dazu schweigen die Koalitionäre. Angesichts des bestehenden und weiterhin zu erwartenden Lehrkräftemangels sowie des fehlenden Personals im frühkindlichen Bereich, bleiben deshalb viele Frage offen. Die angekündigte deutliche Steigerung der Ausgaben für Bildung ist unabhängig davon grundsätzlich zu begrüßen.“ News4teachers

Vom „German-Dream-Zuschuss“ über „MakerSpaces“ bis hin zu „weltbesten Lehrkräften“: Das Bildungsprogramm der FDP

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28 KOMMENTARE

  1. OMG! Mehr habe ich dazu nicht zu sagen. Ach doch, Mr. Lindner „Make in Germany“ wird Finanzminister. Ich sollte bereits mittags mit dem Trinken anfangen…

    • Vorschlag für neue FDP Kampagne:

      Fake in Germany

      Weitere bahnbrechende Slogans kommen dann natürlich von der Dame mit G. aus NRW!

  2. Märchentante Gebauer für Bildung- und Forschung wollte Chrissi scheinbar nicht, wobei noch Finanzen, Justiz und Verkehr nun gelben Anstrich bekommen.

  3. Schlimmer als ihre FDP-Parteifreundin Gebauer kann die Frau – zumindest in Bezug auf das Corona-Management – eigentlich nicht mehr werden. Befürchte nur, dass ich trotzdem wieder eines Besseren belehrt werde.

  4. Auf den Lehrermangel hat die leider kaum Einfluss. Sie kann die Länder leider nicht zwingen ihre Lehrer korrekt und fair zu bezahlen. So bleiben die Grundschulen und mancherorts die Sek1 eben unterbesetzt.
    Da helfen alle Programme nix, wenn Lehrer weiter für A12 abgefrühstückt werden und frustriert Dienst nach Vorschriften schieben

    • „+++ 02:37 Designierte Bildungsministerin will Schulschließungen vermeiden +++
      Die designierte Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger will Schulen trotz der steigenden Corona-Infektionszahlen offenhalten. „Wir sind dafür, keine Schulschließungen zu machen“, sagte die FDP-Politikerin bei „Bild Live“. Ihre Partei sei der Überzeugung, dass die Schülerinnen und Schüler „jetzt nicht noch einmal Bildungsrückstände erleiden sollten“.
      https://www.n-tv.de/panorama/08-55-Goering-Eckardt-zu-Impfpflicht-Ich-schrecke-davor-nicht-zurueck–article21626512.html

      Sehr sympathisch, dass die Durchseuchung weitergeht…

      • @Leseratte

        „„Aus voller Überzeugung Politikerin, mit ganzem Herzen Mutter“, so stellt sich Bettina Stark-Watzinger (FDP) auf ihrer Homepage vor.“

        Tja …

      • Die neue Bildungsministerin geht also erstmal zu Bild live.
        Lieber Long Covid als noch ne Bildungslücke. Soll sie doch ehrlich sein und sagen, dass sie die Kinder betreut haben will, damit die Eltern
        weiter arbeiten gehen. Um die Kinder geht’s denen doch nie. Das ist alles vorgeschoben. Und so durchschaubar und einfach nur noch widerlich!
        Das kann ja heiter werden. Ich möchte das nicht!!!

  5. Wieder keine Lehrkraft bzw. keine Wissenschaftlerin als Bundesbildungsministerin? Dann erneut: gute Nacht, Marie! Armes „Bildungsland“ Deutschland. Wir sollten lieber von einem „Unbildungsland“ sprechen. Gilmore girl hat Recht: Grund genug für einen verzweifelten Drink am Mittag wäre diese Personalie allemal.

  6. Typisch FDP – Öffnungsfanatikerin: „ Die designierte Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger will Schulen trotz der steigenden Corona-Infektionszahlen offenhalten. „Wir sind dafür, keine Schulschließungen zu machen“, sagte die FDP-Politikerin bei „Bild Live“. Ihre Partei sei der Überzeugung, dass die Schülerinnen und Schüler „jetzt nicht noch einmal Bildungsrückstände erleiden sollten“.“ (n-tv.de) Bei den Aussagen hätte auch Gebauer den Job machen können, da wären wir sie endlich los geworden.

  7. Warum muss es für dieses Ministerium eigentlich IMMER eine Frau sein? Hier hätte ich mir zur Abwechslung gerne mal einen Mann gewünscht! Aber jetzt bin ich trotzdem mal gespannt – leider ohne allzu große Hoffnungen.

    • @D. Orie

      „Warum muss es für dieses Ministerium eigentlich IMMER eine Frau sein?“

      Die Antwort ist hier versteckt:
      „„Aus voller Überzeugung Politikerin, mit ganzem Herzen Mutter“, so stellt sich Bettina Stark-Watzinger (FDP) auf ihrer Homepage vor.“

      Noch nicht einmal in der FDP (Die können ja wirklich dolle Dinger! Aaaaber …) können Männer
      – Politiker*:In
      – mit ganzem Herzen Mutter
      sein.
      Ich schätze, das ist zumindest ein Teil der Lösung. (Wohlbemerkt: Nicht Teil der Wahrheit. Die Wahrheit hat schon lange Ausgang und hat bei diesem Umfeld auch gar keine Lust mehr zurück zu kommen.)

  8. 12 Kommentare…größtenteils abfällige Bemerkungen über einen Menschen, der bis dato noch nicht einmal im Amt ist.

    Ich denke, das sagt mehr über die Verfasser als über die ggf. neue Bildungsministerin aus.

    (Selbst N4T hat noch nicht mit dem obligatorischen Bashing begonnen und einen neutralen Bericht verfasst)

    • Sehr geehrte/r „Jeder_hat_eine_Chance_verdient“,

      wir „bashen“ nicht – wir kritisieren (was bedeutet, dass wir für dargestellte kritische Positionen auch Begründungen liefern). Das tun wir, weil das unser Job als Journalistinnen und Journalisten ist.

      Herzliche Grüße
      Die Redaktion

    • Natürlich hat jeder eine Chance verdient. Das Amt der Bildungsministerin ist aber keines, bei dem es darum ginge, eine „Chance“ zu bekommen.

      Frau Stark-Watzinger ist studierte Volkswirtin und hat sich bislang dadurch hervorgetan, dass sie sich in der Hessen-FDP und in Frankfurter Hochfinanz-Kreisen bewegt hat. Ihre einzigen Qualifikationen im Bildungssektor sind „Academic Manager“ eines Fachbereichs einer privaten Hochschule und „Policy Advisory Council“ des Leibniz Institute for Financial Research SAFE in Frankfurt.

      Es ist aus meiner Sicht hochbedauerlich, dass die künftige Bildungsminsterin weder Professorin ist und sich somit als künftige Forschungsministerin nicht mit eigener Forschung auskennt noch dass sie Lehrkraft ist oder Bildungswissenschaften oder Pädagogik studiert hätte und dass sie somit keine Kompetenzen im Sektor des staatlichen Schulwesens vorweisen kann.

      Aber Ministerposten weder leider nicht nach fachlichen Kompetenzen vergeben, sondern nach parteipolitischen Aspekten.

    • @Jeder_hat_eine_Chance_verdient

      Cooler „Nick“ … und dann Ferndiagnose der Verfasser …
      Wie gesagt: Cooooool.
      (Falls Sie selber noch nicht aktiv „auf’m Posten“ in der Politik sind: Bitte ändern Sie das umgehend. Chancen wollen ja nicht nur verdient sein, sie wollen auch ergriffen werden.)

      Wenn Sie’s sachlich mögen:
      https://www.youtube.com/watch?v=RigzyTCdu0k
      Das ist vom 24.11.2020.
      Was hat sich in einem Jahr getan bei dem Thema, das im Interview zentral ist? (Sie schaffen selbst den Abgleich mit dem Koalitionsvertrag, der findet sich auch online.)
      Warum ist da nur die Rede von den Frauen in Führungspositionen?
      Aber immerhin redet die Dame von „Präsenzkultur“. Was sie im Bezug auf die Arbeitswelt von Erwachsenen (hier insbesondere Frauen) bezieht, lässt sich sicher leicht auf SuS übertragen – dann kann’s ein richtig großer Wurf werden.

      … jede*r hat eine Chance verdient.
      Bleiben Sie heiter, die Spannung steigt weiter.
      😉

  9. Ist doch egal, wer unter den KM der Länder Bundesbildungsminister:in ist.
    Lasst sie/ ihn doch Statements herausblasen- wen juckt`s?!

    • Ich plädiere dafür, dass jeder Politiker, der offene Schulen fordert, sich persönlich bei jeder Familie entschuldigt, die ein Kind verliert oder deren Kinder Langzeitschäden einer Infektion davontragen.
      Wenn diese Politiker dann noch eine Woche ohne Maske vor vollen Klassen gestanden haben, dürfen sie gerne offene Schulen fordern.
      Wer aber im luftgereinigten Einzelbüro sitzt, sollte ganz still sein.
      Als Vater und Mann einer Lehrerin habe ich im Moment das Gefühl, dass dieses Staatsversagen kolossale Ausmaße annehmen wird. Die Lehrer könnt ihr euch dann backen.

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