KMK sucht händeringend MINT-Lehrer-Nachwuchs – Lehrkräfte sollen über Berufsmessen tingeln

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BERLIN. Die Kultusministerkonferenz hat in ihrer virtuellen Sitzung Vorschläge entwickelt, wie das Bild von Mangelfächern – insbesondere Mathematik und Naturwissenschaften – so verändert werden kann, dass mehr Abiturientinnen und Abiturienten ein Lehramtsstudium in einem dieser Fächer aufnehmen und infolgedessen das Angebot erhöht wird. Ob das reicht? Kein Wort verlieren die Kultusminister zu den Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte (nicht nur) in der Coronakrise, die der Attraktivität des Berufs zweifellos wenig zuträglich sind. Stattdessen soll eine „MINT-Lehrkraft des Jahres“ gekürt werden. Und: Lehrkräfte sollen auf Berufs- und Fachmessen tingeln gehen.

Wer will MINT-Lehrkraft werden – statt als Naturwissenschaftlerin oder -wissenschaftler in der Wirtschaft mit höheren Bezügen und besseren Bedingungen zu arbeiten? Illustration: Shutterstock

Bundesweit bestehen laut KMK für alle Lehrämter in den Fächern Mathematik, Chemie und Physik, für den Sekundarbereich II / Gymnasien im Fach Informatik sowie bei beruflichen Lehrkräften vor allem in den Fachrichtungen Metall-, Elektro- sowie Fahrzeugtechnik aber auch in der Pflege und Sozialpädagogik perspektivisch hohe Einstellungsbedarfe. Mancherorts ist der Lehrkräftemangel bereits so dramatisch, dass die Schulen „auf Unterstützung von Bewerberinnen und Bewerbern angewiesen (sind), die keine reguläre Lehramtsbefähigung aufweisen“, wie es in dem Beschlusspapier heißt.  „In jedem Fall ist es im Sinne einer Qualitätssteigerung des Unterrichts zielführend, bisweilen sogar unerlässlich, die Anzahl an Lehramtsstudierenden in diesen Fächern zu erhöhen.

Ernst: „Die Länder sind sich der herausfordernden Lage sehr wohl bewusst“

Die KMK-Präsidentin der KMK und Brandenburgische Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) erklärt: „Die Länder sind sich der herausfordernden Lage sehr wohl bewusst und werden den Kopf nicht in den Sand stecken. Es zeigt sich, dass wir die Bemühungen zur Gewinnung von Lehrkräften in den Ländern weiter intensivieren müssen, auch deshalb haben wir diese Empfehlungen für Mangelfächer entwickelt. Es muss uns gelingen, den so wichtigen Beruf der Lehrerinnen und Lehrer durch weitere Maßnahmen noch attraktiver zu machen.“

Hierzu wurden Empfehlungen für die Handlungsfelder „Schule“, „Medien und Werbung“, „Studium“ und „Lehrerberuf“ formuliert. Konkret:

  • Es sollen zusätzliche Anreize für Berufseinsteigerinnen und -einsteiger mit Mangelfächern „geprüft“ werden – wie immer die auch aussehen könnten, da bleibt das Papier vage.
  • „Adressatengerechte Werbemaßnahmen insbesondere in den sozialen Medien“ sollen intensiviert werden.
  • Das Ansehen von Lehrkräften in der öffentlichen Wahrnehmung soll gestärkt werden – etwa durch Auszeichnung einer „MINT-Lehrkraft des Jahres“.
  • Abiturientinnen und Abiturienten sollen zum Beispiel durch eigene Unterrichtsversuche, Lehrgelegenheiten in AGs, Ferienkursen oder Grundschulprojekten früh Einblicke in die Arbeit von Lehrkräften bekommen.
  • Zudem sollen Stipendienprogramme für Lehramtsstudierende in den Mangelfächern geschaffen beziehungsweise ausgebaut werden.

Die Empfehlungen weisen zudem auf die guten Einstellungschancen im Schulsystem hin, die angehende Lehrerinnen und Lehrer in den kommenden Jahren in ausgewählten Bereichen vorfinden werden.

Die Kultusminister setzen bei der Werbung um Berufsnachwuchs stark auf die Lehrkräfte selbst: „Wie Abiturientinnen und Abiturienten MINT-Fächer rezipieren, wird wesentlich durch ihre vorschulischen, insbesondere aber durch ihre schulischen Erfahrungen beeinflusst. Wenn ihnen der Unterricht Freude bereitet und ihr Interesse weckt, werden sie eher geneigt sein, ein MINT-Fach auf erhöhtem Anforderungsniveau zu wählen bzw. ein Studium und eine spätere Berufstätigkeit in diesem Bereich anzustreben. Um ein Lehramtsstudium in diesem Bereich in Erwägung zu ziehen, wird vor allem das Erleben der MINT-Lehrkräfte von Bedeutung sein. Werden diese als Vorbilder wahrgenommen, erscheint ein entsprechender Studien- und Berufswunsch eher wahrscheinlich.“

Dafür sollen Lehrkräfte auch tingeln gehen. Vorgesehen ist die „Teilnahme von Lehrkräften an Berufs- und Fachmessen, an Tagen der offenen Tür u. ä., um über Einstellungschancen und Entwicklungsperspektiven zu informieren und für den Lehrerberuf (insbesondere in Mangelfächern) zu werben.“

Personalbedarf der Schulen verschlafen? Die KMK begegnet dem Vorwurf mit einem Rechtfertigungsschwall

Dem Vorwurf, viel zu lange den Personalbedarf der Schulen verschlafen zu haben, begegnet die KMK mit einem Rechtfertigungsschwall. So heißt es (im Original ebenfalls ohne Absatz):

„Die Kultusministerkonferenz setzt sich mit Fragen des Lehrkräftebedarfs aktiv auseinander. Bereits 2013 hat sie mit dem Beschluss ‚Gestaltung von Sondermaßnahmen zur Gewinnung von Lehrkräften zur Unterrichtsversorgung‘ einen Rahmen zur Qualifizierung von Seiten- bzw. Quereinsteigern definiert, der auch Festlegungen für die gegenseitige Anerkennung der über diesen Weg erlangten Lehrerberufsqualifikationen skizziert. Voraussichtlich im Frühjahr 2022 wird die Kultusministerkonferenz eine ergänzende Empfehlung zur Ausgestaltung von Sondermaßnahmen in den Ländern verabschieden, die die im oben genannten Beschluss genannten Rahmenbedingungen durch Umsetzungsempfehlungen weiter konkretisiert. Zudem haben die Länder kurz- und mittelfristigen Absicherung der Unterrichtsversorgung vielfältige Maßnahmen ergriffen, wie die Aufstockung von Teilzeitlehrkräften, die Abordnung von Lehrkräften eines anderen Lehramtstyps, die Ausweitung der Qualifizierung sog. Seiten- bzw. Quereinsteiger, die Ausweitung von Weiterbildungsmaßnahmen, mit denen im Dienst befindliche Lehrkräfte eine Lehrbefähigung für eine andere Schulart oder ein weiteres Unterrichtsfach erwerben können.“

Genützt hat es allerdings: wenig. News4teachers

KMK wirbt für Lehrerberuf – ohne auf Arbeitsbedingungen oder Corona-Schutz einzugehen

 

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64 KOMMENTARE

  1. Harte Naturwissenschaftler wollen angemessene Arbeitsbedingungen (Kunden und Ausstattung), ein angemessenes Gehalt und Sufstiegsmöglichkeiten. Das alles gibt es im Lehrerberuf nicht, unterhalb der Gymnasien sowieso nicht. Ende.

    • Am BK ist es mit dem Gehalt noch okay. Gute Aufstiegschancen und gute Pension. Dazu auch nur 25 Unterrichtsstunden. Aber klar, Grundschule und Sek1 macht keiner der klar bei Verstand ist heutzutage.

      • Es geht um Kundengewinnung, nicht – Verlust. Abgesehen davon bin ich zufrieden mit dem Einkommen, der Ausstattung an meiner Schule, dem Kollegium und den meisten meiner Schüler. Aufsteigen möchte ich nicht, weil das mit mehr Verwaltung oder Politik und weniger Unterricht verbunden wäre.

        Ich hoffe übrigens, dass Sie, wenn Sie Lehrer sein sollten, während der Berufsausübung nicht dauerhaft so Unfassbar und Unerträglich aggressiv drauf sind, wie mir und einigen anderen gegenüber. Herrlasshirnregnen im wörtlichen Sinne wäre mal eine Maßnahme.

    • Aber dafür gibt es doch gratis Erniedrigung durch SuS und den Dienstherren. Wer da nicht *zuschlägt* ist selber Schuld!

  2. „In jedem Fall ist es […] zielführend, bisweilen sogar unerlässlich, die Anzahl an Lehramtsstudierenden in diesen Fächern zu erhöhen.“

    Wir empfehlen hierzu die Einübung des Zerreißens seiner selbst. Denn später ist dies die Basis professionellen Arbeitens.

    • Translokation, also das gleichzeitige Erscheinen an mehreren Orten steht in den Landesseminaren doch schon im ersten Jahr auf dem Plan.
      Wie sollte man sonst drei Klassen in drei Räumen beschulen und beaufsichtigen ohne dabei Regeln zu verletzen?

  3. Dafür sollen Lehrkräfte auch tingeln gehen. Vorgesehen ist die „Teilnahme von Lehrkräften an Berufs- und Fachmessen, an Tagen der offenen Tür u. ä., um über Einstellungschancen und Entwicklungsperspektiven zu informieren und für den Lehrerberuf (insbesondere in Mangelfächern) zu werben.“

    Wer nach dieser Flut von Fürsorge und Anerkennung der Lehrer durch die KMK in der Pandemie als Lehrkraft da mitmacht und nur eine Sekunde an Freizeit opfert um dem Nachwuchs die Hucke voll zu lügen, dem ist nicht mehr zu helfen!

    Ich wäre eventuell bereit über den Beruf des Lehrers und das was da in den nächsten 40 Jahren als junger Lehrer zu erwarten ist an angehende Studenten Auskunft zu geben. Ich bezweifle aber, dass das was ich zu sagen hätte im Sinne der KMK wäre.

    Kurzfassung:
    Die wollen dass du Lehrer wirst?
    Lauf schnell, lauf ruhig, lauf weit aber LAUF!

  4. Dafür sollen Lehrkräfte auch tingeln gehen. Vorgesehen ist die „Teilnahme von Lehrkräften an Berufs- und Fachmessen, an Tagen der offenen Tür u. ä., um über Einstellungschancen und Entwicklungsperspektiven zu informieren und für den Lehrerberuf (insbesondere in Mangelfächern) zu werben.“

    Tingelt doch selber…
    Oder lasst Eure im KM Angestellten tingeln.
    Wir habe andre Sorgen, wie den Betrieb hier aufrecht zu halten.

    Also haben die irgendwo zuviel Eierlikör geschlürft?

    • Moment, nur dass ich das richtig verstanden habe: die wenigen Lehrer, die ohnehin schon „Mangelware“ sind, sollen auch noch auf Messen ihre Zeit verbringen statt in der Schule zu sein?

      Was ist das denn für eine Logik?

      Achso, ja, KMK Logik, na dann…..

        • Nein, man wird in den Ferien dienstverpflichtet. Lehrer haben schließlich wie jeder andere Arbeitnehmer nur Anspruch auf 5 Wochen Urlaub, der Rest ist sogenannte unterrichtsfreie Zeit.

        • War Ironie. Das wäre denen noch zuzutrauen, meinte ich. Da sie dieses Forum aber nicht lesen, ist kaum zu befürchten, dass ich sie erst auf die Idee bringe;-)

  5. Ich frag mich immer was inhaltlich überhaupt bei einer KMK (egal welches Thema) herauskommen soll, wenn da 16 Menschen zusammen sitzen, denen Ihre Karriere wichtiger ist als das eigentliche Thema.

    • Auf den Punkt gebracht, danke. Und was auch nicht zu vergessen ist, die „Bäumchen-wechsel-dich-Mentalität“, die Ressorts können beliebig gewechselt werden, da man ja von allem Ahnung hat. Hauptsache man hat den Posten.

    • Da muss AUDI seine Modellreihen aber deutlich ausbauen, damit sie oberhalb vom A8 auch einen A12 auf den Markt bringen:)

      Vermutlich wird das ein MUV werden – ein Multi Utility Vehicle bzw. „Mitarbeitende, uneingeschränkte Verfügbarkeit“ – wie es vom MSB interpretiert wird.

  6. „Bereits 2013 hat sie mit dem Beschluss ‚Gestaltung von Sondermaßnahmen zur Gewinnung von Lehrkräften zur Unterrichtsversorgung‘ einen Rahmen zur Qualifizierung von Seiten- bzw. Quereinsteigern definiert, der auch Festlegungen für die gegenseitige Anerkennung der über diesen Weg erlangten Lehrerberufsqualifikationen skizziert. Voraussichtlich im Frühjahr 2022 wird die Kultusministerkonferenz eine ergänzende Empfehlung zur Ausgestaltung von Sondermaßnahmen in den Ländern verabschieden, …“

    Also gut – mal sehen, genießen 🙂 und überlegen:
    „Bereits 2013 hat sie mit dem Beschluss … definiert … . Voraussichtlich im Frühjahr 2022 …
    ergänzende Empfehlung … verabschieden.“
    AAAAAAAAH JA !!!
    Ihr ollen Raketen!!! – Seid gelobt, seid meine Vorbilder bis ans Ende aller Tage! …
    Und bitte: Schießt jeden Tag einen neuen Lacher diesen Kalibers ab, einfach unbezahlbar!

    DAS klingt nach einem tollen Job, mit einem Aufgabenvolumen, das bewältigt werden kann. Gute Entscheidungen wollen wohlüberlegt werden, und zwar in angemessener Ruhe.
    Wenn Kultusminister jetzt noch angemessen besoldet würden, könnte man DIESEN Job ruhigen Gewissens weiterempfehlen.
    😉

  7. Ich bin berufsbedingt viel auf Ausbildungstagen und -messen. Was mich schon lange wundert, ist dass Schulen und Lehrer dort NIE vertreten sind um Nachwuchs zu werben oder ihren Beruf vorzustellen. Es wird immer nur gejammert. Sollte ein Schüler Interesse zeigen Lehrer zu werden, wird ihm die Möglichkeit eines Praktikums an einer Schule total verwehrt. Es macht natürlich Arbeit sich um einen Praktikanten zu kümmern. Wenn alle Schüler außerhalb ihr Praktikum machen ist es in dieser freien Woche natürlich lästig, wenn man sich dann darum kümmern muss. Ein bisschen Initiative würde sicher helfen oder gibt es was zu verbergen? Nicht immer nur nach oben schreien, auch selbst Mal was tun.

    • Vielleicht ist ihnen auf diesen Messen auch aufgefallen, dass die sich in erster Linie an Ausbildungsinteressenten, also FOR- oder Hauptschulabschluss richten. Macht also nur sehr begrenzt Sinn, bei einer Ausbildungsmesse für ein Lehramtsstudium zu werben.
      Ein Praktikant könnte natürlich in der Schule hervorragend Formulare von A nach B tragen, Matrizen kopieren, OHP-Geräte von Raum zu Raum fahren, Kreide auffüllen, Röhrenfernseher und VHS-Gerät verbinden, den Rohrstock austauschen usw. -sorry, das war ja die gute alte Zeit- Leider lässt sich der lächerliche Rest -Unterrichtsplanung, unterrichten, soziale Interaktion- nicht ganz so einfach in praktikumstaugliche Teilschritte zerlegen, so dass als Praktikum nicht viel vom Kern des Berufs bleibt. Selbstverständlich haben wir etwas zu verbergen, so viel wie Ärzte, deren Praktikanten meist nur im Verwaltungsbereich arbeiten, nennt sich vertrauliche Daten/Informationen. Die sind für Studentenpraktika dann auch zugänglich und von diesen Praktikanten werden immer einige betreut und in alle Aufgabenbereiche eingeführt. Im Ganztag gibt es übrigens zu jedem Termin Schülerpraktikanten. Ach ja, kleiner Spoiler, es sind sogar mehrere freie Wochen, denn natürlich besucht von dem faulen Lehrervolk niemand seine SchülerInnen und alle Lehrer unterrichten nur im Praktikumsjahrgang, richtig erkannt.
      Nicht nur schreien, auch mal denken würde helfen, eigentlich reicht sogar informieren, dann fällt das anstrengende Denken schon weg.

    • Die Ministerien wissen doch genau, warum sie keine „Mitarbeitenden vor Kreide“ dazu abstellen.
      Glauben Sie wirklich, dass diese Kräfte, die einen authentischen Einblick in den beruflichen Alltag geben könnten, als werbeträger taugen? Dann doch lieber die Mitarbeitenden einer gekauften Werbeagentur, die „Job mit Pultstatus“ an den Mann/die Frau bringen sollen.

      Niemals die Frösche fragen, wenn es um die Trockenlegung eines Feuchtgebietes geht:)

      • Achso, ich vergaß zu erwähnen, dass Lehrkräfte in NRW Beschäftigte der jeweiligen Schulabteilung der Bezirksregierung als personalführender Dienststelle sind.
        Der Chef-Personaler ist der Leitende Jurist der Schulabteilung – vielleicht sollte der sich auf den Berufsmessen der Region hinstellen …
        Immerhin kann er über die dienstrechtlichen Aspekte informieren. – Und wen das nicht genügend abschreckt, der kann ja dann immer noch ein Lehramtsstudium aufnehmen und ggf. auch wieder abspringen. Der Rest kann dann zumindest mit zweitem StEx die Hälfte der genehmigten Planstellen befristet besetzen und abwarten, wann die Politik wieder Vorgriffstunden beschließt, die nach einer dienstzeit von zumindest 75 Jahren zurück gegeben werden können …
        (Kann-Bestimmung, d.h. sie müssen nicht zurück gegeben werden, wenn es die haushaltslage nicht zulässt:)

    • Es gibt Länder, die zwischenzeitlich Praktika an Schulen untersagt hatten.
      Es gibt Schulen, die Praktikant:innen annehmen, wenn die begründete Annahme besteht, dass wirklich Interesse besteht.
      Praktika sind oft auf 5 Zeitstunden begrenzt, das bildet die Berufe nicht ab.

      Die Betreuung von Praktikant:Innen der umliegenden SekI/II-Schulen macht Arbeit, die Betreuung von Studierenden-Praktikant:Innen und Referendar:Innen auch, Anerkennung oder Entlastung gibt es nicht, alles kommt immer zu vielfältigen Aufgaben hinzu.
      Was Sie als Jammern darstellen, ist der Wunsch nach erhobenen Arbeitszeiten, Arbeitsschutz und der Ausbildung mit Qualifizierung nach Master angemessener Besoldung.

      Der Lehrkräftemangel ist übrigens nicht auf MINT und nicht auf Berufsbildende Schulen begrenzt, in anderen Schulformen werden Schüler:innen in der Unterrichtszeit durch 450€-Kräfte beaufsichtigt, damit es den Anschein hat, es sei Unterricht.

      Da werden aktuell Programme zur Unterstützung des Matheunterrichts aufgelegt, z.B. Fortbildungen, leider hat man vergessen, die Schulen mit Lehrkräften auszustatten, die Fortbildungen besuchen und Unterricht erteilen könnten.

      Auch das Tingeln auf Messen ist ein weiterer, billiger Versuch, Lehrkräfte zu gewinnen, ohne auch nur im Ansatz etwas an den Arbeitsbedingungen zu verbessern.

    • Ach Andreas, mal wieder was von sich gegeben? Wer sollte schon wieder jammern oder „nach oben schreien“? Das müssen Sie mir mal erklären, denn es sind ja die „da oben“, die jammern und Lehrermangel feststellen, nicht die Lehrer selbst, die übernehmen gerne noch den Unterricht der fehlenden Lehrer.
      Aber mal zum Thema: wer sich ernsthaft um ein Schnupperpraktikum in der Schule bemüht, bekommt auch eins, ich denke die meisten Lehrer sind dazu bereit. Ich habe als Abiturient auch in meine alte Schule schnuppern dürfen und war plötzlich „auf der anderen Seite“, auch im Lehrerzimmer, was mich sehr beeindruckt hat, aber leider auch davon ünberzeugt hat, Lehrer zu werden, damals in Zeiten der kommenden Lehrerschwemme, die uns keiner vorausgesagt hat
      Und mal so nebenbei: Schüler war doch jeder mal, also kann man sich doch da bereits ein Bild vom Lehrerberuf machen. Diese Chance ohne Mehraufwand hat man doch in keinem anderen Beruf.
      Und haben Sie eigentlich schon mitbekommen, dass die Lehramtsstudenten seit etlichen Jahren schon im ersten Semester (zumindest in den ersten Semester) Pflichtpraktika an den von ihnen angestrebten Schularten haben, damit sie evtl. noch umsatteln könenn, oder auch schon die erste Berufserfahrung sammeln können? Nein? Dann wissen Sie es jetzt. So oft ich gefragt werde, lasse ich Praktikanten in meinen Unterricht, mit Vor- und Nachbesprechung, alles ehrenamtlich zusätzlich. Ist selbstverständlich. Verbergen muss man nur sensible Schülerdaten. Oder was meinen Sie mit dieser Bemerkung?
      Ein bisschen mehr Objekivität und Sachverstand würde nicht schaden. Mich würde schon mal interessieren, bei welcher Gelegenheit Sie das allzu negative Bild des Lehrers verinnerlicht haben.

    • Ich gehe bald als Seiteneinsteiger ins Ref. Vorher Dipl-Ing Uni gemacht und viele Jahre in der Forschung als Wiss. Mitarbeiter E13 gearbeitet. Auf Industrie habe ich keine Lust. Für mich wird der Lehrerberuf mit A13 auf jedenfall wirtschaftlich ein Aufstieg sein:

      -Nur noch Lohnsteuer als Abzug vom Brutto, damit ca. 900€ mehr Netto pro Monat
      -private Krankenversicherung mit all den Luxusvorzügen wie Einbettzimmer im KH, etc. für den halben Preis als in der GKV
      -60 Urlaubstage (Ferien) statt 30, die von der Laune des Vorgesetzen abhängig sind (habe nicht selten Urlaubssperren im Sommer erlebt)
      -Beamter, keine Befristungen mehr

      • Ich bin gespannt auf einen Post von Ihnen in zwei Jahren, wenn Sie Ihre jetzigen Aussagen Revue passieren lassen – falls Sie dann überhaupt noch im Job sind… Herzlich willkommen in der Realität!

        • @Angehender Berufsschullehrer: Kleine Relativierung ihrer Ausführungen:
          – Brutto ist weitaus weniger als in der freien Wirtschaft (bei gleicher Qualifikation)
          – 60 Tage Urlaub? Sie vergessen, dass in die Ferien Feiertage fallen, die der normale Arbeitnehmer zusätzlich hat, und dass man in der unterrichtsfreien Zeit durchaus arbeitet, die Korrekturen würden ohne Ferien gar nicht zu schaffen sein, vor allem Abschlussprprüfungen.
          – Krankenkasse? Sie werden sich wundern, wie teuer die PKV im Alter wird, da würden Sie gerne wieder wechseln.
          – Keine Befristungen, Kündigungsschutz, ja, aber zu welchem Preis? Sie sind der Besitz des Staates und haben treu zu dienen, Zwangsversetzungen und Doppeleinsätze an zwei Schulen sind durchaus drin.
          – Zigaretten- und sonstige Pausen während der Arbeitszeit? Nicht mehr so einfach.
          – Feierabend? Danach fängt es erst so richtig an! Nsach 6-8 Stunden Unterricht ist man erstmal so richtig platt, da kann man nicht gleich an die Aufgaben vom nächsten Tag gehen. Korrekturen bis 2 Uhr nachts sind an der Tagesordnung (nicht immer, nur in Korrektur-Hoch-Zeiten).
          – Motivation und Engagement werden sinken, da von „oben“ keine Unterstützung, sondern meist Knüppel zwischen die Beine kommt. Bürokratismus steht über pädagogischer Arbeit.
          – Und da Sie ja aus der Forschung kommen: das Ihnen bekannte und erwartete Equipment können Sie sich aus dem Kopf schlagen.
          – Oh, jetzt haben sie mich erwischt! Ihr Beitrag war provokativ gemeint und sollte die Lehrer mal wieder auf die Palme bringen. Nun, das haben Sie geschafft, Mist, ich falle immer wieder darauf herein.
          Ich wäre auf Ihre Erfahrungen gespannt.

  8. Also, wer von den Lehrkräften auf den Messen unterwegs ist: Fragt mal nach Schnelltests. In Hessen gehen die an den Schulen aus und die Lehrkräfte werden auf Hamsterfahrten geschickt. Das wären doch zwei Fliegen für eine …. na. Ihr wisst schon.

  9. Aja, die KMK sucht MINT Lehrkräfte, damit die sich später mit Sprachbildung, Inclusion, multiprofessionellen Teams und an Technik desinteressierten Schülern rumplagen sollen.

    • Aber, aber, mit solchen Äußerungen können Sie hier leicht gesteinigt werden als Vertreter der Standesschule des 19 Jahrhunderts. Oder gar als politisch unzuverlässig.

      • Provokant von mir, wohl wahr.
        Mir fehlt eine ehrliche Diskussion darüber, was Lehrkräfte überhaupt leisten können. Darf ich als Lehrer noch für „MINT brennen“ und mich mit meinem Fach identifizieren oder muss ich mich in der Schule um (fast) jedes gesellschaftliche Problem kümmern? Ich empfehle das Buch von Meidinger „Die 10 Todsünden der Schulpolitik“, Kap1 zur Überforderung des Schulsystems.

        Wer zukünftig MINT Lehrkraft werden möchte, der sollte sich vorher mit den zukünftigen Anforderungen an den Beruf des Lehrers auseinandersetzen. Die Motivation sollte auf jeden Fall nicht in erster Linie fachliches Interesse sein.

        Wer für MINT brennt, der sollte lieber Ingenieur oder Naturwissenschaftler werden.

  10. „Und: Lehrkräfte sollen auf Berufs- und Fachmessen tingeln gehen.“
    Sie tingeln nicht über Berufsmessen, sondern sie werden eingeladen!

  11. Die wenigen SuS, die in Ma, Physik, Chemie gut bzw. sogar sehr gut in der Oberstufe ( Lk) sind, haben bereits ganz klar andere Studienwünsche und Berufspläne, die sie mit ziemlicher Sicherheit auch erfolgreich verwirklichen werden. Und die anderen würden über das erste Semester nicht hinauskommen.
    Alternative wäre, die Anforderungen/ Ansprüche herunterzuschrauben. Aber wo soll das hinführen? Dann muß die Uni nicht nur Vorkurse in Mathe, sondern Vorvorkurse geben. Und trotzdem wird das die Abbrecherquote nicht senken. Physik an der TU vor ein paar Jahren über 90%.

    • Die schulischen Ansprüche, insbesondere der Mathematisierungsgrad, werden immer weiter runtergefahren. An der Uni gibt es dann trotz Vorkursen, Tutorien und ebenfalls Niveauabsenkung den Theorieschock.

    • Genau. Und die Guten im Bio-Lk haben oft mehr den Hang zur Medizin und die Schlechten haben Bio eben, weil sie ja ein MINT-Fach belegen müssen. Was natürlich die reinste Freude für alle Beteiligten ist. Und wenn man zwei Fächer hat, die eher Mangelware sind, dann wird es noch schöner. Seit vielen Jahren kann ich froh sein, wenn ich mal 2.Biokurse oder dann eben einen LK bekomme. Und warum soll man es sich geben unter den Arbeitsbedingungen überwiegend SuS zu unterrichten, die auf NAWI wenig Lust haben. Und für die wenigen, die motiviert sind, bleibt wenig Zeit für Förderung. Da kann ich jeden verstehen, der liebe etwas anderes macht. Ich würde es auch nicht nochmal machen, aber nicht wegen der SuS, da gibt es wehr viele nette.

  12. Es sollte mal darüber nachgedacht werden, vorhandene Ressourcen in den Schulen zu nutzen. Zahlreiche Seiteneinsteiger würden sich gerne im Bereich der Mangelfächer fortbilden, dürfen dies aber nicht, weil z. B. ein zweites Staatsexamen fehlt. Da interessiert es auch nicht, ob man schon jahrelang gute und verantwortungsvolle Arbeit leistet.

    • Ohne pädagogische Ausbildung und Erfahrung wird man als Seiteneinsteiger mit noch so viel Fachwissen eher vehement scheitern. Da ist immer noch ein Unterschied zwischen Fachwissen zu besitzen und dies an Schüler jeglicher Altersklasse zu vermitteln. Da sind schon viele an ihre Grenzen gestoßen.

    • „Zahlreiche Seiteneinsteiger würden sich gerne im Bereich der Mangelfächer fortbilden, dürfen dies aber nicht, weil z. B. ein zweites Staatsexamen fehlt.“

      Natürlich – ohne in Mangelfächern gebildet zu sein, dürften Seiteneinsteiger überhaupt gar nicht Seiteneinsteiger geworden sein und dann klappt das auch mit dem 2. Staatsexamen, so wie bei den richtigen Lehrern auch (warum sollten Seiteneinsteiger bevorzugt werden, obwohl sie weniger qualifiziert sind?).

  13. Mangel an Physiklehrern? Kann nicht sein!

    Seit fast 20 Jahren bin ich ausgebildeter Mathe-, Sachunterrichts- und Physiklehrer für GHWRS in Baden-Württemberg.
    Physikstunden die ich seither gehalten habe: null
    Dafür fachfremd Musik, Sport, Deutsch, Kunst und Werken, Englisch und vertretungsweise Religion und sogar türkischen Unterricht gehalten. In manchen Jahren hatte ich sogar nur Deutsch in unterschiedlichen Klassen.

    Das Kultusministerium Baden-Württemberg wird doch nicht so doof sein, Lehrer mit Mangelfächern fachfremd einzusetzen?! (Scheinheiliger Smiley)

    Falls doch darf sich Ommi Schopper gerne bei mir melden. Würde auch gerne mal Chinesisch fachfremd geben…

      • Hallo D. Orie,
        entspricht leider der reinen Wahrheit, ohne etwas übertrieben zu haben. Einige Details, die ich nicht geschrieben habe, lassen die Situation noch absurder erscheinen, wären aber zu umständlich um sie hier niederzuschreiben.

        Als in den Medien im letzten Jahr wieder einmal der Mangel an Physiklehrern beklagt wurde, habe ich mich ohne Einhaltung der Bürokratie an einen benachbarten Schulamtsbezirk gewandt und meine Bereitschaft erklärt, an einer Realschule Physik zu unterrichten.
        Interesse des Schulamtes an einem Vorschlag war nicht vorhanden…
        Stattdessen möchte man in BW Gymnasiallehrer an die Grundschulen bringen, wofür es sogar ein offizielles Programm gibt. Über den „Erfolg“ dieses Programms habe ich noch nichts gelesen.

    • Diese Erfahrung kann ich nur bestätigen.
      Ich bin ausgebildete Mathelehrerin und unterrichte seit vielen Jahren maximal einen Lehrauftrag im Fach Mathematik. In manchen Jahren bekomme ich allerdings überhaupt keinen Lehrauftrag in Mathe. Liebend gerne würde ich auf fachfremden Unterricht verzichten und mehr in meinem studierten und mit sehr guter Note abgeschlossenem Mangelfach unterrichten.

  14. Wenn die nicht merken, dass sie durch ihr unverantwortliches Verhalten gerade so was von Anti-Werbung machen.
    „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen!“, nicht an ihrem Gesülze.
    Wer macht sich den in Zukunft noch abhängig von einem Land, in dem Menschen wie den KMs kein Einhalt geboten wird, wenn sie sich gegenseitig in Lügen und menschenverachtenden Verhalten überbieten.

  15. Ich mache an unserem Gymnasium in den letzten Jahren die Erfahrung, dass meist nur Referendarinnen und Prakikantinnen kommen, der Anteil der Männer dürfte maximal bei 20-25 % liegen. Dementsprechend sind dann auch die Fächer: Deutsch, Spanisch, Englisch, Englisch und nochmal Englisch.

    Man hat den Eindruck, all die Bemühungen der letzten 10-15 Jahre, Mädchen für MINT-Fächer zu begeistern, haben nur wenig gefruchtet.

    Der Lehrberuf scheint für Männer immer unattraktiver zu werden. Aus diesem Grund wird sich der MINT-Mangel eher noch verstärken.

  16. MINT – möchte ich nicht tun. – Im Übermaß vorhanden.
    Abgeschlossenes MINT-Studium und Schule, das klingt so abgefahren wie 4-Sterne-Koch und Autobahnraststätte.

    • „Abgeschlossenes MINT-Studium und Schule, das klingt so abgefahren wie 4-Sterne-Koch und Autobahnraststätte.“

      Könnte aber richtig geil sein, wenn die Rahmenbedingungen (Ausstattung, Klassengröße, Stundenverpflichtung, Erziehung der Kinder, Rückhalt durch die Führung) passen würden.

  17. Kaum ein Maschinenbauer oder E Techniker wird an eine Schule gehen. Wozu auch?
    Um sich von Bildungspolitikern wie ein Leibeigener durch die Coronakrise jagen zu lassen? Sich von Medien und Eltern bashen zu lassen, obwohl man die eigene Gesundheit gefährdet?
    Um weniger zu verdienen als ein Maschinenbauer nach 5 Jahren?
    Um ohne Karriereaussichten zu arbeiten?
    Um unbezahlte Überstunden zu leisten ohne AT zu sein und ohne Benefits?
    Nicht alles ist gut und in den 00er Jahren hätte man diese Leute vom lahmenden Arbeitsmarkt abwerben können, heute nicht mehr.
    Wo war da die Langfristplanung?
    Wir haben selbst Nachwuchsprobleme und man muss als Berufseinsteiger schon sehr risikoavers sein, um als Lehrer anzuheuern.
    Wir bieten Home Office, Gleitzeit und später Dienstwagen.
    Die Schule lebt nur noch von den Lehrern, die ihre Arbeit als Berufung sehen. Ohne diese engagierten Lehrer wäre alles schon längst zusammengebrochen.

  18. „Voraussichtlich im Frühjahr 2022 wird die Kultusministerkonferenz eine ergänzende Empfehlung zur Ausgestaltung von Sondermaßnahmen in den Ländern verabschieden“ …
    Unfassbar!

    • Empfehlungen sind immer gut. Schliesslich hält eh niemand der KMs im eigenen Bundesland dran…

      Manchmal frage ich mich, warum die überhaupt konferieren. Der Nutzen geht in den Minusbereich.

  19. Wenn sie den Lehramtsberuf attraktiver machen wollen:

    – Kräftige Gehaltserhöhungen auch in den oberen Lohngruppen und Besoldungsstufen, also genau das Gegenteil von 2,8% für 24 Monate bei einer gleichzeitigen Inflation von 10% (ca. 5% p.a.).
    – Ein Schulrecht bei dem einen die halbstarken Jugendlichen nicht mehr als Fußabtreter mißbrauchen dürfen, ohne das der Lehrer sich wehren darf.
    – Begrenzung der Arbeitszeit auf die in der freien Wirtschaft gelten Arbeitsplatznormen. Wenn man abends bis 22 Uhr in der Abendschule unterrichtet, darf man am nächsten Morgen nicht um 7.30 Uhr wieder eingesetzt werden.
    – Eine Führung (Schulleiter, Dezernent, Schulministerin, …), die weiß, was sie mit ihren Erlassen im realen Unterrichtsgeschehen anrichtet. Vor allem eine Führung, für die das eigene Personal wichtiger ist als das Schielen auf die nächsten Wahlergebnisse.

    • „ – Ein Schulrecht bei dem einen die halbstarken Jugendlichen nicht mehr als Fußabtreter mißbrauchen dürfen, ohne das der Lehrer sich wehren darf.“

      Genau! Wir Lehrkräfte machen uns immer mehr zu Idioten. Ich (MINT-Lehrer) bin zufrieden, wenn ich aus der Schule raus bin.

      • Ich muss sagen, dass ich mich noch nie als „Fußabtreter“ von Schülern missbraucht gefühlt habe und ich halte die Zahl der wirklich renitenten Schüler für überschaubar. Sicherlich kann der Beruf einen manchmal an seine Grenzen bringen, aber zum Idioten macht man sich dann doch eher selbst.

        Wer sich als Lehrer hilflos fühlt und innerlich damit abgeschlossen hat, sollte zum Wohle aller Beteiligten wirklich aufhören. Ich wünsche Ihnen dann in ihrem neuen Lebensabschnitt positivere Erfahrungen.

  20. „Abiturientinnen und Abiturienten sollen zum Beispiel durch eigene Unterrichtsversuche, Lehrgelegenheiten in AGs, Ferienkursen oder Grundschulprojekten früh Einblicke in die Arbeit von Lehrkräften bekommen.“

    Toll, da freuen sie sich aber! (Sarkasmus aus). Die meisten wollen raus aus der Schule und haben ganz klare Vorstellungen von dem, was sie – zumindest – nicht machen wollen. Insbesondere MINT-affine Schüler*innen werden sich lieber einen gut bezahlten und in späteren Bewerbungen als soziale Kompetenz anzurechnenden Nachhilfejob suchen, als Zeit mit einem u. U. ‚unbezahlten‘ Erfahrungskurs im Lehren zu vergeuden. Für diese ist das Lehramt, wie für viele andere, zweite Wahl, das immer noch greift, wenn alle Stricke reißen.

  21. Ich gehe bald als Seiteneinsteiger ins Ref. Vorher Dipl-Ing Uni gemacht und viele Jahre in der Forschung als Wiss. Mitarbeiter E13 gearbeitet. Auf Industrie habe ich keine Lust. Für mich wird der Lehrerberuf mit A13 auf jedenfall wirtschaftlich ein Aufstieg sein:

    -Nur noch Lohnsteuer als Abzug vom Brutto, damit ca. 900€ mehr Netto pro Monat
    -private Krankenversicherung mit all den Luxusvorzügen wie Einbettzimmer im KH, etc. für den halben Preis als in der GKV
    -60 Urlaubstage (Ferien) statt 30, die von der Laune des Vorgesetzen abhängig sind (habe nicht selten Urlaubssperren im Sommer erlebt)
    -Beamter, keine Befristungen mehr

      • Das ist kein Reflex, sondern Tatsache. Und ja, ich bin auf diesen provokativen Post mal wieder reingefallen (der Kommentar von Angehender Berufsschullehrer wurde wieter oben schon mal abgegeben, einmal reicht wohl nicht), trotzdem: man kann es nicht oft genug wiederholen, damit es auch der Begriffstutzigste kapiert.

    • Was Sie beschreiben, basiert auf der Verbeamtung, die ihrerseits hier im Forum durchaus strittig ist. Die könnten Sie auch als Dipl.-Ing. in unseren Verwaltungen haben (z.B. Bauministerium).
      Übrigens: Das Einbettzimmer zahlen manche Bundesländer bei der Beihilfe nicht mehr, nur noch Zweibettzimmer. Und Drei- oder Vierbettzimmer gibt’s in vielen Krankenhäusern gar nicht mehr.

  22. Sorry, das erste Mal war aus Versehen als Antwort auf irgendeinen anderen Post, konnte ihn aber nicht löschen. Ich wollte diesen als eigenen Beitrag.
    Der Beitrag ist auch nicht als Provokation zu sehen. Ich sage nur: Die Jobs in der Wissenschaft sind wirtschaftlich schlechter. So schlecht haben es Lehrer eben nicht. Es ist kein angenehmes Gefühl, wenn die eigene Lebensstellung vom Erfolg von Forschungsanträgen abhängt. Und in der Industrie ist man der Volatilität des Marktes ausgesetzt. In jungen Jahren ist das egal, aber suchen Sie sich mal mit 50 einen neuen Job.

    Ich komme auch aus einer Lehrerfamilie und weiß, dass Ferien nicht 100% Urlaub entsprechen. Aber naja, da sind vielleicht insgesamt 5 Tage von den 60 abzuziehen. Und seien es 10. Selbst wenn es 20 wären, wären es immer noch mehr garantierte Freitage. Glauben Sie denn, dass man als angestellter in der Industrie sich nicht weiterbilden muss? Das tut man auch hauptsächlich in der Freizeit.
    Und Netto ist als A13 einfach wirklich mehr als E13. Das werden bestimmt auch nicht-verbeamtete Lehrer bestätigen können.
    Übrigens wird an vielen Behörden hauptsächlich nur E12 gesucht, leider unter meiner formalen Qualifikation.
    Zur Krankenversicherung: Guter Tipp, da werde ich nochmal nachsehen, ob diese Zusatztarife wirklich notwendig sind. Wenn nicht, ist die PKV ja sogar noch billiger.

    • In 5-10 Tagen korrigieren Sie nicht bis zu 100 Abitursaufgaben, Projekte, 20 Klassensätze Schulaufgaben, gnauso viele Kurzarbeiten oder Extemporalen, berechnen und dokumentieren Noten, etc., es sei denn, man arbeitet 24 Stunden durch. Ein Deutschlehrer verbringt fast die gesamten Ferien mit Korrekturen. Wenn Sie natürlich als Grundlage zur Berechnung die Arbeitszeit eines Sport- und Religionslehrers nehmen, dann gebe ich Ihnen Recht. Es gibt große Diskrepanzen im Arbeitsaufwand der verschiedenen Fächer, da herrscht noch viel Ungerechtigkeit.
      Übrigens: mit 50 bekomme ich auch keine Lehrerjob mehr, und wenn ich als Lehrer den Dienst quittiere, weil es an die Psyche geht, dann gibt es da wenig alternative Optionen.
      Sie haben auch Recht was die unterschiedliche Netto-Besoldung der Lehrer angeht, ich als angestellter Lehrer bekomme das schmerzlich zu spüren, obwohl ich sicher engagierter bin als so mancher verbeamtete Kollege. Aber ich mache den Job trotzdem gerne und werde die Schüler nicht unter der schlechteren Bezahlung leiden lassen. Obwohl es himmelschreiend ungerecht ist und da schon längst eine Anpassung fällig wäre.
      Aber mein großes Plus: ich kann jederzeit mit Halbjahresfrist kündigen, das ist ein gutes Gefühl, und hauptsächlich deshalb habe ich die Verbeamtung abgelehnt, da bin ich noch so ein bisschen mein eigener Herr, und muss auch nicht um die Gunst des KM buhlen für eine Beförderung, was mir maßlos gegen den Strich gegangen wäre.

  23. Mich wundert es nicht, dass sich keine Lehrer für naturwissenschaftliche Fächer mehr finden. Die Bedingungen an den Schulen werden immer schlechter. Technische Ausstattung eine Katastrophe und vom Schülermaterial ganz zu schweigen!

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