Wissenschaft selbstgemacht – Bildungsbehörde bestätigt Bildungssenator mit eigener Studie: Schulen sind sicher!

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HAMBURG. Was tun, wenn die Wissenschaft partout nicht zu Ergebnissen kommen will, die die Politik gerne hätte? Dann macht die Politik ihre Wissenschaft eben selbst: Die Hamburger Bildungsbehörde hat eine „Studie“ veröffentlicht, die den Hamburger Bildungssenator Ties Rabe (immerhin der Sprecher der SPD-geführten Kultusministerien in Deutschland) bestätigt. „Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Infektionen im Schulkontext vermutlich in geringerem Umfang vorkommen als außerhalb des Schulsettings – also für SuS (Schülerinnen und Schüler, d. Red.) in Schulen eine geringere Ansteckungsgefahr als in anderen Kontexten besteht“, heißt es in dem Papier, das pünktlich zum heutigen Bund-Länder-Gipfel erscheint. Die Datengrundlage ist windig.

Angeblich kaum Infektionen in Schulen: Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe, Sprecher der SPD-geführten Kultusministerien in Deutschland. Foto: Michael Zapf / BSB

„Das Institut für Bildungsmonitoring und Qualitätsentwicklung (IfBQ) ist ein Dienstleistungszentrum der Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB) in Hamburg“, so heißt es auf der Seite der Hansestadt. „Die Tätigkeit des IfBQ umfasst folgende Schwerpunkte: Durchführung der Schulinspektionen einschließlich einer schulbezogenen und schulübergreifenden Berichterstattung, Koordination und ggf. Durchführung der Evaluation besonderer bildungspolitischer Maßnahmen, Vorbereitung, Durchführung und Auswertung von Schulleistungstests und Befragungen, Regelmäßige Erstellung eines Bildungsberichts für Hamburg…“

Mit Virologie hat das Institut erkennbar wenig zu tun. Bis jetzt jedenfalls nicht. Denn das IfBQ hat eine Corona-Studie herausgegeben, die – Überraschung! – Bildungssenator Ties Rabe (SPD) und seine Behauptung, Infektionen von Schülerinnen und Schülern fänden zumeist nicht in Schulen statt, bestätigt.

„85 bis 90 Prozent der Infektionen von Schülerinnen und Schüler erfolgen zu Hause oder in der Freizeit“

Am 19. November 2020 – sechs Tage vor einem Bund-Länder-Gipfel, bei dem es um mögliche Schulschließungen gehen sollte – hatte Rabe eine Pressekonferenz veranstaltet, auf der er behauptete, Daten seiner Bildungsbehörde belegten, dass sich Schüler nur äußerst selten in der Schule anstecken würden. Recherchen der Gesundheitsämter, der Schulleitungen und der Schulbehörde hätten ergeben, so Rabe, „dass 85 bis 90 Prozent der Infektionen von Schülerinnen und Schüler zu Hause oder in der Freizeit erfolgten – und eben nicht in der Schule. Das Risiko, sich außerhalb der Schule zu infizieren, ist rund acht Mal höher als eine Infektion in der Schule.“ Forderungen, die Schulen zu schließen, „sind angesichts dieser Zahlen nicht nur pädagogisch, sondern auch aus gesundheitlichen Gründen kontraproduktiv und nicht nachzuvollziehen“.

Die Pressekonferenz erregte bundesweit Aufmerksamkeit. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ zum Beispiel titelte ohne Fragezeichen oder Anführungsstriche: „Die meisten Schüler stecken sich nicht im Klassenzimmer an“. Der „Tagesspiegel“ schrieb im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des angeblichen Befunds von „Hamburger Zahlenspielen, um die Schulen offen zu halten“. News4teachers war ebenfalls skeptisch – und hakte nach: Wie konnten die Infektionsketten zu den Schülern denn so präzise nachvollzogen werden? Eine konkrete Auskunft von der Pressestelle gab es dazu nicht (zum damaligen Bericht geht es hier).

Die Ministerpräsidenten entschieden dann tatsächlich, sich dem Wunsch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu widersetzen (die entsprechend der Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts auf Wechselunterricht gedrungen hatte) und die Schulen unbeschränkt offenzulassen. Ein dramatischer Fehler, wie sich dann spätestens im Januar zeigte, als die Schulen dann doch geschlossen werden mussten – monatelang.

Rabe hatte auf seiner Pressekonferenz angekündigt, die gesammelten Daten der Kultusministerkonferenz „für weiterführende wissenschaftliche Studien“ zur Verfügung zu stellen. Das ist offenbar nicht passiert. Die Hamburger Bildungsbehörde hat sich wohl dann doch entschieden, eine „wissenschaftliche Studie“ selbst zu erstellen. Heute kommt sie damit heraus. Ergebnis: „Nur ein Drittel der infizierten Schüler steckte sich in Schule an“, so betitelt die Deutsche Presseagentur eine aktuelle Meldung dazu – ungeachtet der unsicheren Datenlage, auf der die Studie fußt.

„Größere schulische Ausbruchsgeschehen wurden nur selten beobachtet“ – von der Hamburger Bildungsbehörde jedenfalls nicht

Wörtlich heißt es in der Nachricht: „Nur rund ein Drittel der in Hamburg mit Corona infizierten Schülerinnen und Schüler hat sich einer Studie zufolge auch in der Schule angesteckt. Das hat eine Auswertung von 7165 zwischen August 2020 und Oktober 2021 von den Schulen an die Schulbehörde gemeldeten Infektionsfälle durch das Institut für Bildungsmonitoring und Qualitätsentwicklung ergeben, wie das Robert Koch-Institut in seinem am Donnerstag veröffentlichen Epidemiologischen Bulletin berichtete. «Größere schulische Ausbruchsgeschehen wurden nur selten beobachtet. Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Infektionen im Schulkontext vermutlich in geringerem Umfang vorkommen als außerhalb des Schulsettings.»

Zwar zeigten die Ergebnisse, dass im Beobachtungszeitraum Übertragungen in Schulen stattfanden, diese in der Regel jedoch keine Ausgangspunkte für umfangreiche schulische Ausbrüche gewesen seien. Schülerinnen und Schüler in höheren Jahrgangsstufen seien häufiger von einer Infektion betroffen gewesen als in niedrigeren Jahrgangsstufen. Insgesamt wurden im Beobachtungszeitraum 656 Ausbrüche an 276 Schulen beobachtet. Bei der überwiegenden Zahl der Ausbrüche seien neben dem ersten Infizierten, dem sogenannten Indexfall, lediglich ein oder zwei weitere Infektionen von der Schule an die Schulbehörde gemeldet worden.“ Ende der dpa-Meldung.

Nicht nur, dass die Nachricht verschweigt, dass die Studie von der Hamburger Bildungsbehörde praktisch selbst geschrieben wurde. Als Autor der Untersuchung firmiert ein promovierter Erziehungswissenschaftler und Soziologe. Auch die – im Papier durchaus benannten – Schwächen bei der Datengrundlage werden in der dpa-Meldung nicht erwähnt. Nämlich: „Bei der vorgestellten Erhebung soll darauf hingewiesen werden, dass es sich um Daten handelt, die von den Schulen an die Behörde für Schule und Berufsbildung in Hamburg gemeldet wurden. Diese weichen von den entsprechenden Daten des RKI hinsichtlich der Quantität von Infektionsfällen und möglicherweise ebenso hinsichtlich der zeitlichen Parameter ab.“

Nochmal deutlich: Grundlage der „Studie“ sind Daten, die die Schulen (Schulleitungen?) größtenteils in einem Zeitraum erfasst haben sollen, in dem Schülerinnen und Schüler nicht regelmäßig getestet wurden und in dem die Gesundheitsämter zumeist überfordert waren, die Infektionswege nachzuvollziehen.

„Nicht ausgeschlossen werden kann, dass es neben den gemeldeten Infektionen noch weitere an den Schulen gab“

So heißt es denn auch in dem Papier: „Nicht ausgeschlossen werden kann, dass es neben den gemeldeten SARS-CoV-2-Infektionen noch weitere Infektionen an den Schulen gab,
weil diese entweder nicht von den Schulen angezeigt wurden, keine weiteren anlassbezogenen Tests stattfanden oder asymptomatische Infektionen nicht identifiziert wurden.“ Anders ausgedrückt: Es könnte auch alles ganz anders sein. Ist es wohl auch, wie aktuelle Daten des Robert-Koch-Instituts nahelegen. Das registrierte im Herbst 2021 bundesweit so viele Schulausbrüche wie nie.

Rabe geriet nach seiner Pressekonferenz massiv unter politischen Druck. Kurz darauf wurde nämlich bekannt, dass er eine unabhängige Studie, die einen großen Ausbruch an einer Hamburger Schulen nachvollzog, monatelang in seiner Schublade verschwinden ließ, wie News4teachers ausführlich berichtete. News4teachers / mit Material der dpa

Hier lässt sich die „Studie“ des IfBQ herunterladen (S. 48ff).

Hat die KMK dem Bundestag Erkenntnisse über Schulschließungen verschwiegen, damit der ein Verbot beschließt?

 

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53 Kommentare
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Trulla
7 Monate zuvor

Frei nach Astrid Lindgren: Ich mach mir die Welt … wie sie mir gefällt.
Und bei der Plutimikation haben die 16 sowie gefehlt.

Joshua Aust
7 Monate zuvor

Macht kriegt was man wählt.

Jan aus H
7 Monate zuvor

Aha… und wie erklären sich diese Genies, dass die Inzidenzen unter den SuS während der Weihnachtsferien deutlich gesunken sind? Nach deren Theorie hatten die SuS doch über Weihnachten noch viel mehr Zeit, um sich in der Familie anzustecken.

Fakt ist: Bei den allermeisten Infektionen ist vollkommen unbekannt, wo sie stattgefunden haben. Wenn man einen Ausbruch mit Weitergabe nachweisen wollte, müsste man das Erbgut der Viren untersuchen – wird quasi nie gemacht.

Wie man unter diesen Umständen solche „Daten“ raushauen kann, ist unbegreiflich.

Zudem zeigt das Datum der Veröffentlichung sehr deutlich, was das eigentliche Ziel ist, nämlich die ungebremste Vorführung der Durchseuchung der SuS unter gleichzeitiger Kostenminimierung (von Forderungen nach Luftreinigern oder bestimmungsgemäßer Maskenverwendung lese ich da nichts).

Die einzige Frage, die offen bleibt, ist: Sind sich die Autoren dieser „Studie“ bewusst, dass sie zumindest moralisch eine Mitverantwortung für das tragen, was daraus abgeleitet wird?

Schattenläufer
7 Monate zuvor

Neuers aus der Wissenschaft.

Toll die KMK hat nicht nur morgens das Rad, mittags das Feuer und abends das Pulver erfunden, die 16 Helden haben auch noch einige unglaubliche Durchbrüche in der Wissenschaft gemacht.
– Die Schulen sind sicher.
– Für Kinder und Jugendliche ist nichts besser als Präsenz-Unterricht.
– SuS sind lieber tot als im Distanzunterricht.
– Der Mond besteht aus Käse.
– Den Weihnachtsmann gibt es wirklich und er ist ein unehelicher Sohn des Osterhasen.
– Die FDP will nur das Beste für die Bevölkerung, unabhängig vom Einkommen.
– Die Erde ist eine Scheibe.
– Mettwurst ist vegan.
– Unsere neue Regierung handelt verantwortungsvoll und zum Wohle der Bürger.
– Den Klimawandel gibt es gar nicht.
– Russland ist eigentlich ganz nett und will nur Spielen.
– Luftfilter funktionieren nicht und sind sogar gefährlich.
– Delfine sind nichts als schwule Haie.
– Die Hosen haben Bügelfalten, damit die Mitglieder der KMK wissen wo hinten und vorne ist.

Ich bin begeistert.

Als nächstes wenden si wahrscheinlich noch folgende brennenden Fragen klären:
– Wenn schwimmen schlank macht, was machen dann Wale falsch.
– Wenn die Tankstelle an 7 Tagen die Woche für 24 Stunden geöffnet hat, warum hat die Tür ein Schloss?
– Warum hält das Corona-Virus sich nicht an die wissenschaftlich hochwertigen Hygienepläne der KMK?
– Die Thermoskanne hält im Sommer den Tee kalt und im Winter den Kaffee heiß! Woher weis die Kanne ob jetzt Sommer oder Winter ist?

Man darf gespannt sein.
Bleiben Sie positiv.
Alles wir gut.

Pit2020
7 Monate zuvor
Antwortet  Schattenläufer

@Schattenläufer

Klasse Kommentar! Ich habe sehr gelacht und das angesichts dieser „Hamburger Mischung“ aus Unverfrorenheit, Dummheit und schlechter Vertuschung.
🙂

Lametta
7 Monate zuvor
Antwortet  Schattenläufer

Danke Schattenläufer, damit ist alles gesagt und da, wo ich schon wieder verzweifelt schreien wollte, konnte ich jetzt lachen.

Faszinierend und erschütternd, dass diejenigen, die Wissenschaftspropädeutik und Kritisches Denken in die Bildungspläne schreiben, offenbar selbst von Grundsätzen wissenschaftlichen Arbeitens keine Ahnung haben und/oder diese verachten und/oder LuL und SuS für entsetzlich dumm und unkritisch halten und/oder uns verachten.

Lehrer mit Seele
7 Monate zuvor
Antwortet  Schattenläufer

Sie schaffen es wirklich, dass man trotz dieser grenzenlosen und leider folgenlosen Dummheit noch lacht.

Aber dumm sind die Kumis nicht. Sie kennen den Satz: „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“

Kurze Anmerkung. Ich habe auch, wenn eine Hausarbeitl über Nacht schnell gestrickt werden musste, mal Fünfe gerade sein lassen. Aber hätte ich das auch nur ansatzweise so unprofessionell gemacht, hätte das weit mehr als ein Schmunzeln erzeugt.

Rosa
7 Monate zuvor

Schön reden ist eine Kunst und die KM und Politik hat dies im Ausnahmezustand für sich entdeckt! https://www.tagesschau.de/newsticker/liveblog-coronavirus-freitag-319.html#Unionsgefuehrte-Laender-wollen-epidemische-Lage-feststellen-lassen Das Buschfeuer sollte Beweis genug sein!

Digitaler Unterricht
7 Monate zuvor
Antwortet  Rosa

Was mich so fassungslos macht ist, dass auch der NDR als öffentlich-rechtlicher Sender im Netz mit der Überschrift „Nur jeder dritte infizierte Schüler steckt sich in Schule an“ (ohne Anführungszeichen) aufmacht und sich durch dieses „nur“ das vermeintliche Anliegen des Senators schon in der Überschrift zu Eigen macht statt es zu hinterfragen oder statt zumindest neutral darüber zu berichten. Ein Drittel klingt auch nicht gerade wenig – insbesondere wenn man bedenkt, dass die Schülerinnen und Schüler weniger als ein Drittel des Tages in der Schule verbringen.

Schattenläufer
7 Monate zuvor

NDR = staatlicher Sender = Nähe zur Regierung = FDP abhängig.
Wer wird sich für die Wahrheit schon das Wohlwollen der Mächtigen verscherzen.
Eifriges Kopfnicken ist bequemer und bringt mehr.
Warum wird die Schnecke Chef und nicht die Ziege?
Mit schleimen kommt man weiter als mit Meckern!

Lametta
7 Monate zuvor

„Was mich so fassungslos macht ist, dass auch der NDR als öffentlich-rechtlicher Sender im Netz mit der Überschrift „Nur jeder dritte infizierte Schüler steckt sich in Schule an“ (ohne Anführungszeichen) aufmacht und sich durch dieses „nur“ das vermeintliche Anliegen des Senators schon in der Überschrift zu Eigen macht statt es zu hinterfragen oder statt zumindest neutral darüber zu berichten.“

Entsprechendes ist mir auch schon öfter als schwer irritierend aufgefallen. Und gleichzeitig bietet der NDR den Corona-Podcast, zuletzt wieder mit Drosten, Folge 107, der dort ab Minute 11 herum deutlich sagt, dass Schulschließungen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens ein erwiesenermaßen wirksames Mittel sind; was darauf hindeutet, dass die Zahl der Ansteckungen an Schulen natürlich gerade nicht zu verharmlosen ist.
Im aktuellen „B-Brief“ der Hamburger Behörde an die Schulen (s. online Schulbriefe zur Pandemie, Januar 2022) wird auch wieder explizit das Gegenteil behauptet.

F. H.
7 Monate zuvor
Antwortet  Lametta

Warum „fassungslos“, Lametta? Die öffentlich-rechtlichen Sender sind doch keine Heiligen. Auch hier sitzen in den Redaktionen nur Menschen, die eine eigene Meinung haben und darum auch eigengefärbte Interessen an der öffentlichen Meinungsbildung durch entsprechende Berichterstattung.

Carsten60
7 Monate zuvor

Das ist schön, dass jetzt auch die Redaktion von news4teachers entdeckt hat, dass diese Landesinstitute für Schulentwicklung, für Bildungsmonitoring, für Bildungsqualität usw. keine unabhängigen wissenschaftlichen Institute sind und es auch nie sein sollten, sondern Ableger der jeweiligen Kultusministerien. Diese sollen den jeweiligen politischen Maßnahmen der Kultusministerien ein wissenschaftliches Mäntelchen umhängen und deren Akzeptenz gegenüber der Öffentlichkeit unterstützen, neuerdings sogar in zwei Landesinstituten pro Bundesland. Aber nach meiner Einschätzung war das von Anfang an so, nicht erst jetzt bei der Corona-Diskussion. Das gilt auch für Schulreformen aller Art. Nicht zufällig war der Herr U.Vieluf (Ex-Staatssekretär für die Grünen) vorher im Landesinstitut in HH tätig. Er ist ein glühender Gesamtschulbefürworter und produziert „Studien“, in denen eben solche Schulen hochgejubelt werden, auch eine Studie zu den neuen Gemeinschaftsschulen in Berlin. Auf Bundesebene gibt es das IQB, das dieselbe Funktion gegenüber der KMK hat. Geleitet werden solche Institute dann schon von Wissenschaftlern, die aber nicht unabhängig agieren dürfen, sondern von Parteipolitikern abhängig sind. Unser gesamtes Bildungssystem wird von Parteipolitikern gestaltet und umgestaltet, nicht von Wissenschaftlern.

PaPo
7 Monate zuvor

Diese DIY-social science empfinde ich (nicht nur als Sozialwissenschaftler) abermals als intellektuell beleidigend. Die Datengrundlage ist… Mist. So einfach ist das.

Die Schulen hatten und haben überhaupt nicht die Möglichkeiten…

… (a) Infektionsfälle in der Schülerschaft hinreichend zu erfassen:
Dies gilt einerseits insb. im Erhebungszeitrum, wo die Schüler nicht anlassunabhängig, d.h. nicht ohne konkrete Symptome, getestet wurden. Zudem wurden selbst konkrete Symptome oftmals nicht als Symptome [z.B. Schnupfen, den aber de facto 1/4 aller registrierten Infektionsfälle als einziges(!) Symptom hatten] gewertet. Weiterhin oblag es faktisch den Personensorgebrechtigten, ob sie mit ihren mglw. infizierten Kindern tatsächlich beim Arzt vorstellig wurden und sie mittels PCR-Test haben testen lassen, während seitens des Ministeriums auch legitimiert wurde, dass die Personensorgebrechtigten die lage nach Gutdünken selbst(!) beurteilen sollten (hat das Kind ’nur‘ einen Schnupfen, so solle es ein paar Stunden von den Personensorgebrechtigten beobachtet werden, kam kein weiteres Symptom hinzu, galt das Kind als nicht entsprechend infiziert und konnte zurück in die Schule). Zudem wurde in keiner Weise sichergestellt, dass die SchulenInformationen über die gleichsam opake Infektionslage im Rest des Hausstands ihrer Schüler erhielten, im Gegenteil (das solle die Schulen ja nichts angehen).
Andererseits stehen den weiterführenden Schulen ja weiterhin nur Antigentests zur Verfügung, die das Gros insb. der asymptomatischen Infektionsfälle (also der absoluten Mehrheit der Infektionsfälle) nicht hinreichend erfassen.

… (b) Infektionsketten selbst zu verfolgen. Neben dem Fehlen von anlassunabhängigen Testungen kommt ja hinzu, dass es auch keine Gensequenzanalysen o.ä. gab (die hätten die Schulen auch nicht durchführen können… wie auch?), die überhaupt die Wirkrichtung der Infektionen, also wer wen infiziert hat, hätten aufdecken können. Es konnte damit, sofern überhaupt ein infketionsfall mit weiteren Infektionsfällen in der Familie, der Klasse / dem Kurs etc. aufgedeckt wurde, überhaupt nicht geklärt werden, wer wen wo angesteckt hat. Dass die Schüler sich nicht in der Schule, sondern andernorts angesteckt hätten, war und sit eine Behauptung, die ohne eine entsprechende (nicht geleistete) Datenerhebung mittels Gensequenzanalysen überhaupt nicht belegt werden kann… sie ist vollkommen willkürlich (und auch die überforderten Gesundheitsämter können das mit einer lediglichen telefonischen Erfragung von Kontakten – gerade auch mit Blick auf die regelmäßige Opazität einer Infektion – nicht leisten… da braucht es Laboruntersuchen für).

„Bei der vorgestellten Erhebung soll darauf hingewiesen werden, dass es sich um Daten handelt, die von den Schulen an die Behörde für Schule und Berufsbildung in Hamburg gemeldet wurden. Diese weichen von den entsprechenden Daten des RKI hinsichtlich der Quantität von Infektionsfällen und möglicherweise ebenso hinsichtlich der zeitlichen Parameter ab.“

Nochmal deutlich: Grundlage der „Studie“ sind Daten, die die Schulen (Schulleitungen?) größtenteils in einem Zeitraum erfasst haben sollen, in dem Schülerinnen und Schüler nicht regelmäßig getestet wurden und in dem die Gesundheitsämter zumeist überfordert waren, die Infektionswege nachzuvollziehen.

Was wir hier beobachten, dass sit die Herrschaft der Unfähigen.
Wenn man nciht denkt, dass es noch dümmer kommen kann, wird man quasi im Tagesrythmus eines Besseren belehrt….

Ich muss da mal was loswerden
7 Monate zuvor
Antwortet  PaPo

Oder halt: Center of Incompetence….

Minna
7 Monate zuvor

Hallo Herr Senator Rabe,

könnten Sie bitte ausdrücklich die Präsenzpflicht für die Kinder aussetzen, die ihre Impfserie noch nicht abgeschlossen haben, aber mindestens schon einen Termin vereinbart haben? Das wäre ein schönes Statement pro Impfung und Ihre Rechtsabteilung hätte Zeit für wichtigere Aufgaben. „Eltern, die angesichts der Omikronwelle für ihre Kinder den Schutz der Impfung wünschen, dürfen bis zur abgeschlossenen Impfserie – zwei Impfungen plus zwei Wochen – ihre Kinder zuhause behalten. Als Nachweis genügt die Bestätigung eines Impftermins in den nächsten vier Wochen. Bei Schwierigkeiten einen Impftermin zu vereinbaren können die Schulärzte aushelfen. Diese Möglichkeit endet Ende März/April.“
Auf den Booster bestehen wir (erstmal) nicht.
PS: Die Luftfilter waren schon mal prima

Mein Name ist Hase
7 Monate zuvor

Vielleicht sind Studien wie diese nur noch aus dem Bedürfnis der Rechtfertigung zu erklären.
Auch die ganzen Kehrtwendungen der obersten Volksvertreter in den letzten Wochen möchten doch im Grunde als völlige Verwirrung erscheinen:

Bundesbildungsministerium forderte noch im Dezember die Vorbereitung von Distanzunterricht, im Januar ist davon keine Rede mehr. Ähnliches in Thüringen unter Verweis auf Novelle des IfSG. Aber keiner stellte auch nur die Frage, ob so ein Bundesgesetz nicht genau in diejenige Kultushoheit der Länder eingreift, auf die im Frühjahr noch so gepocht wurde. Und dann sollen Schulen einmal zur „kritischen Infrastruktur“ gehören, ein andermal nicht.

So nebenbei wird der Anspruch auf „wissenschaftliche Politikberatung“, ja auf „Wissenschaftlichkeit“ selbst ad absurdum geführt: z.B. in NRW scheinen neue Tests die Viruslasten noch unzuverlässiger anzuzeigen als die alten.

Fast könnte man versucht sein zu vermuten, dass diese Versuche der demokratischen Konsensfindung und Rechtfertigung von Außen leicht als chaotisches Durcheinander betrachtet werden und damit geeignet sein könnten, das vorhandene Vertrauen in geregelte Entscheidungsprozesse zu unterminieren. Am laufenden Band scheinen die politischen Akteure Steilvorlagen für irgendwelche Radikalinskis am Stammtisch zu liefern: Warum werden Kneipen, Gaststätten usw. de facto als Infektionsherde angesehen, aber Schulen, als Massenveranstaltung, bleiben als „sicherer Ort“ usw. „solange wie möglich“ auf? Wie, außer mit Mitteln wie o.g. Studie oder anderen Kunstgriffen, kann das versucht werden, zu rechtfertigen? Da wird sich in etwas verrannt, was sich als Sackgasse herausstellen dürfte. Und m. E. steht leider so langsam zu befürchten, dass das Vertrauen in die demokratischen Institutionen selbst beschädigt werden könnte.

Monika, BY
7 Monate zuvor

https://www.tagesschau.de/ausland/europa/corona-gb-armee-101.html

Was ich nicht verstehen kann, warum denkt man, dass diese Lage ein Ende haben wird.

Wir sind immer noch am Anfang. Schon zwei Jahren.

Rike
7 Monate zuvor

Jeder, der mit Schule zu tun hat, weiß, wie wenig im Großteil des Beobachtungszeitraums unter SuS getestet wurde. PCR Tests wurden ja geradezu verweigert und selbst Symptome als Erkältung abgetan. Eltern mussten hartnäckig auf einen PCR Test für ihr Kind bestehen.
Später gab es die Selbsttests, die zuerst freiwillig waren und bis auf die erste Woche bei uns IMMER zu Hause ohne Zeugen durchgeführt und das negative Testprotokoll von den Eltern unterschrieben in der Schule vorgelegt wurde.
Ein Schelm, wer Schlechtes dabei denkt.
Die Zuverlässigkeit der Selbsttests tut ein Übriges.
Die Tests der Lehrkräfte waren freiwillig, wurden nach der Erstimpfung verwehrt und sind jetzt erst wieder bei uns als Selbsttests verfügbar.
Soviel zur Belastbarkeit der Daten.
Weitere Aspekte wie Distanz- oder Wechselunterricht sowie die Jahreszeit müssen in die Betrachtung mit einfließen.

Eine echt wissenschaftliche Untersuchung sieht anders aus. Das spärlich vorhandene Datenmaterial unter SuS und Lehrkräften kann jedenfalls nicht für eine fundierte Analyse herangezogen werden. Aber das haben wir ja hier in diesem Forum schon vor einem Jahr diskutiert.

Es ist einfach ein Armutszeugnis, aber Hauptsache, wir sind systemrelevant…

Hellus
7 Monate zuvor

Das frage ich mich seit Beginn der Pandemie, warum man in einer so großen Gruppe (SuS) nicht anlassunabhängig statistische Erhebungen durchgeführt hat. Dadurch wäre einiges an Erkenntnisgewinn möglich gewesen.
Sollte wohl nicht sein, Erkenntnis.

Hellus
7 Monate zuvor
Antwortet  Hellus

Reaktion auf @PaPo

Rosa
7 Monate zuvor

Das ist die Krönung zur Booster Impfung von einer Ärztin! https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/corona-booster-laut-kinderaerztin-fuer-kinder-nicht-dringend-100.html
Immer wieder fallen die Sätze der Verlauf bei heranwachsenden Kindern verlaufen nicht schlimm. Herr Lauterbach Sie werden doch hoffentlich sich dazu äußern.

Amanakoku
7 Monate zuvor

Christian Drosten sagt ja nun auch, dass sich nur noch Infizierte isolieren sollen und nicht mehr die Kontaktpersonen. Er scheint auch für eine „vorsichtige Durchseuchung“ zu sein?!?

„Auch für eine Verkürzung der Isolationsfristen für Infizierte etwa auf nur eine Woche zeigte Drosten sich offen, wenn sie in essentiellen Branchen wie etwa der Medizin arbeiteten, milde Verläufe aufwiesen und negative Schnelltests zum Ende der Erkrankung vorlegen könnten. „Wir reißen das Tor nicht komplett auf, aber wir müssen die Tür für das Virus an einigen Stellen öffnen.“ Die Politik müsse entscheiden, an welchen.“
https://www.tagesspiegel.de/wissen/nur-infizierte-sollen-sich-isolieren-drosten-fuer-abschaffung-der-quarantaene-bei-kontaktpersonen/27946026.html

S.
7 Monate zuvor
Antwortet  Amanakoku

Er ist nicht für eine „vorsichtige Durchseuchung“, sondern empfiehlt eine Aufweichung der Quarantäne lediglich für jene Personen, die wichtig sind zur Aufrechterhaltung des öffentlichen Lebens. Es ist eine aus der Not geborene Lösung. Lesen Sie den Artikel bitte richtig!!!

Amanakoku
7 Monate zuvor
Antwortet  S.

@S. da steht: „……. wir müssen die Tür für das Virus an einigen Stellen öffnen“

Das bedeutet „vorsichtige Durchseuchung“, sprich Hinnehmen, dass sich Menschen anstecken.

Rabe aus NRW
7 Monate zuvor
Antwortet  S.

Das heißt: Wenn ein Feuerwehrmann oder eine Lehrerin jemand anstecken kann (man weiß es ja nicht genau) dann ist das nicht so schlimm wie wenn ein Büroangestellter oder Minister jemanden anstecken kann, es ist sozusagen eine Ansteckung mit Auszeichnung ’systemrelevant‘ – bald gibt es ein bleiernes Kreuz dafür!

Monika, BY
7 Monate zuvor

Unsere Wohnung ist seit zwei Jahren ein Schweinstall.

Das gute Essen, Bewegung und die Schule – Bildung haben Priorität.

Tagtäglich wird bei uns gelernt, geschrieben, gelesen, sehr viel thematisch diskutiert (!), gesungen, Musik gemacht, am Abend Brettspiele (Risiko und Co.).

Sprung in der Entwicklung ist eindeutig.

Oberdrauf verfolgen wir bayrisches Schulprogram haargenau.

Und wo liegt das Problem?

Ich will meine Kinder und uns gesund sehen, wie lange es möglich ist. Punkt.

Diese Lügen können SIe gerne Herr Rabe jemanden anderen verkaufen.

S.
7 Monate zuvor

Danke, lieber Herr Priboschek, danke liebe News4Teachers-Redaktion, dass Sie diesen Artikel bringen und über die Datenlage aufklären sowie über die gesellschaftlich-sozialen Verbindungen und Verpflechtungen, unter denen diese Hamburger „Studie“ entstanden ist. Es bräuchte mehr solche Aufklärungsarbeit in der deutschen Medienlandschaft.

Das, was Ihre Recherchen zutage befördern, lässt mich allerdings immer weiter am politisch-administrativen System in Deutschland zweifen. Immer wieder in der Pandemie lässt sich das gleiche Ritual beobachten: Die KuMis, von den MPs unter Druck gesetzt (die wiederum von Wirtschaftslobbyist*innen unter Druck gesesetzt werden), suchen nach billigen Wegen, wie sie ihr Wegsehen und Nichtstun begründen können: Dafür benötigt es „Studien“. So, wie Hubig im Herbst 2020 begeistert einer „Studie“ einer studentischen Hilfskraft und zwei promovierter Wirtschaftswissenschaftler vom privaten Institute for Labour Economics folgte (die herausgefunden haben wollten, dass sich SuS und KuK weniger in Schulen anstecken würden als außerhalb des Massenbetriebs „Schule“), so hat Rabe nun einen Soziologen gefunden, der ihm diese absurde These bescheinigt. Jeweils wurden unvollständige Datenerhebungen so lange umgebogen, bis sie passend waren. Virolog*innen oder Epidemiolog*innen wurden dagegen nicht zu Rate gezogen.

Vermutlich wird die Süddeutsche Zeitung mit ihrem Redakteur Paul Munzinger Rabes Studie auch wieder feiern und offene Schulen fordern – und natürlich wird die Springer-Presse Rabes Machwerk voller Freude aufgreifen.
In der Tat ist die Lage komplex und es ist schwierig, Lösungen für die Pandemie-Probleme der Schulen zu finden. Aber Hausaufgaben, die gemacht werden könnten sind:

– Luftfilter in jedes Klassenzimmer, in Umkleidekabinen, Toiletten, Mensen, Gänge.
– zusätzlich Sanitäranlagen bauen und renovieren, Waschbecken und Seife in jedes Klassenzimmer
– zusätzliches Hilfspersonal rekrutieren
– IT-Kräfte in Schulen anstellen
– WLAN in jede Schule
– alle Lehrkräfte und SuS mit Laptops und Tablets ausstatten
– allen FFP-2-Masken zur Verfügung stellen
– mindestens drei und angesichts von Omikron fünf Covid-19-Tests pro Woche verpflichtend anbieten.

Dies wäre für eine Industrienation wie Deutschland finanziell und organisatorisch machbar, wenn dieser Nation tatsächlich so viel an den SuS liegen würde. Schließlich behaupten die KuMis ja, ihnen läge alles an jungen Menschen und deshalb müssten Schulen um „jeden Preis“ offenbleiben.

Dann bezahlt doch endlich diesen Preis und macht endlich die überfälligen Hausaufgaben, ihr KuMis!

Rosa
7 Monate zuvor
Anonymous
7 Monate zuvor

Wenn die Studie wirklich handwerklich so schlecht ist: Warum publiziert das Robert Koch-Institut sie dann in seinem Epidemiologischen Bulletin?

Mein Name ist Hase
7 Monate zuvor
Antwortet  Anonymous

Das RKI ist eine dem Bundesgesundheitsminister nachgeordnete Bundesoberbehörde, die mit dem Bulletin ihrer entsprechenden Dokumentationspflicht zum Infektionsgeschehen nachkommt.

Anonymous
7 Monate zuvor

Okay, danke. Aber das RKI publiziert doch wohl selektiv. Und man sollte meinen, dass das RKI bei der Auswahl der in seinem Bulletin veröffentlichten Studien darauf achtet, dass diese gängigen wissenschaftlichen Standards entsprechen.

Hellus
7 Monate zuvor
Antwortet  Anonymous

Zu Selektionskriterien ist dort nichts zu finden. Ein Bulletin hat Berichtscharakter = ohne Wertung.

Mein Name ist Hase
7 Monate zuvor
Antwortet  Anonymous

Es ist eine reine Bestandsaufnahme – Knicken, Lochen, Heften.

Ronja
7 Monate zuvor
Antwortet  Anonymous

Sonst schwören doch alle hier immer nur auf das, was das RKI sagt. Und jetzt, wo sich das RKI mal nicht wie gewünscht äußert, wird es sofort madig gemacht?!
Sogar die Redaktion hat kürzlich gesagt, dass sie die Aussagen des RKI für besonders vertrauenswürdig hält und sich deshalb im Meinungsstreit der Experten an dessen Ansichten hält.
Was denn nun? Ist alles nur gut und richtig, wenn es dem Vorurteil dieses Forums gefällt? Ansonsten wird auch das RKI fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel.

Hellus
7 Monate zuvor
Antwortet  Ronja

Eine Meinung hat das RKI dazu nicht geäußert, weder Zustimmung noch Kritik. Wie gesagt, es ist die wertungsfreie Wiedergabe.
Das RKI äußert zudem selten Meinungen, sondern Fakten, auf die man sich sehr wohl berufen kann.
Ihr Post @Ronja ist ein gutes Beispiel für die Verdrehung von „Meinung“ und „Fakten“.

S.
7 Monate zuvor
Antwortet  Anonymous

Wie „Mein Name ist Hase“ sagte, das RKI muss auf alle Studien, die von Behörden in Auftrag gegeben werden, eingehen. Ich zitiere aus dem Bulletin, damit Sie sehen, dass das RKI die „Studie“ durchaus kritisch würdigt und hervorhebt, dass auch diese Untersuchung zeigt, dass das Infektionsgeschehen nicht „ohne“ ist:

„Trotz der Einschränkungen der vorliegenden Datenanalyse (s. Abschnitt „Zur Einordnung der Studie/Limitationen“) lassen sich die Ergebnisse damit als weiteren Beleg interpretieren, dass auch Schulen vom allgemeinen Pandemiegeschehen betroffen sind und das Infektionsgeschehen an Schulen den Trend außerhalb der Schulen widerspiegelt.
(…)
Zudem fielen die Anteile der Infektionen in den Übergangs- und Abschlussklassen (Jahrgangsstufen 4, 6, 10, 12 und 13) tendenziell höher als in den angrenzenden Jahrgangsstufen aus. Dies kann mit deren früherer Rückkehr zum schulischen Präsenzbetrieb zusammenhängen oder möglichweise ein methodisches Artefakt des Monitorings sein. In jedem Fall deuten die unterschiedlichen Anteile zwischen SuS ähnlicher Altersgruppen an Gymnasien und Stadtteilschulen darauf hin, dass auch in Hamburg ein Zusammenhang zwischen dem Sozialstatus und der Infektionswahrscheinlichkeit besteht – denn die Schülerschaft an Stadtteilschulen weist im Vergleich zu Gymnasien ein höheren Anteil an SuS aus sozial benachteiligten Familien auf.
(…)
So ist davon auszugehen, dass in Phasen des schulischen Präsenzbetriebs die Wahrscheinlichkeit der Meldung einer Infektion durch die Schule an die Schulbehörde höher als in Phasen ohne schulischen Präsenzbetrieb ist. Die Analysen lassen annehmen, dass bei knapp einem Drittel der Infektionen unter SuS ein möglicher schulischer Kontext bestand. Dieser Anteil lag am Ende des Beobachtungszeitraums bei 31,8% und damit – aufgrund der unterschiedlichen Vorgehensweise und der unterschiedlichen Beobachtungszeiträume – über dem Anteil, der im November 2020 für Hamburger Schulen berichtet wurde. Diese Ergebnisse weisen für das Hamburger Schulsetting darauf hin, dass das schulische Umfeld in der Regel zwar keinen Infektionshotspot darstellt, aber durchaus eine relevante Rolle für das Infektionsgeschehen spielt.“

Und als Fazit heißt es im Bulletin:
„Die verfügbaren Daten lassen jedoch keine infektionsepidemiologisch sichere Aussage zum Umfang von SARS-CoV-2-Übertragungen innerhalb des Schulsettings zu (s. Limitationen). Erforderlich wären dazu serologische Longitudinalstudien, die auf breiten Stichproben fußen und die Rahmenbedingungen sowie Infektionspräventionsmaßnahmen berücksichtigen.“

Monika, BY
7 Monate zuvor

Gering, mild, wenig…wirklich?

Und dann fast schon 115 000 Tote und Tausende (ne, Millionen schon jetzt) post/long Covid Leidende.

Mathematik kann man nicht täuschen. Covis ebenso nicht.

Krisenqueen
7 Monate zuvor

Ich hatte mich vorallem über eins gewundert:Ich hab schon lange den Newsletter der Hamburger Schulbehörde abonniert. Jeden Freitag werden dort die Zahlen der infizierten Schüler/innen und Schulbeschäftigten der letzten 10 Tage (ja, passt nicht zu einem wöchentlichen Meldetag, verwischt sich mit der jeweiligen Vorwoche….egal!) mitgeteilt– und jede Woche stand darunter, DASS MAN NICHT WISSE, OB DIE KINDER /SCHULBESCHÄFTIGTEN SICH IN DER SCHULE ODER IN IHRER FREIZEIT INFIZIERT HÄTTEN!

Und jetzt auf einmal weiß man das ?? Ach, was… liest die Behörde ihren eigenen Newsletter nicht???

Und seit heute wird nicht mehr die Gesamtzahl der Infizierten in den Newsletter geschrieben, sondern nach Altersklassen. Da sehen die Zahlen auf den ersten Blick ja nicht mehr so hoch aus ;)…

Und die Daten von August 2020-Oktober 2021 zu nehmen, wo allein ca 22000 Fünftklässler von Jan 21-Mai 21 einfach mal komplett zu Hause waren (ca 22000 Kinder werden pro Jahrgang in HH eingeschult….), ist ja wohl mehr als mangelhaft.
Ohne Worte….

xy
7 Monate zuvor

Doppelmoral überall.
Um seine eigenen Kinder zu schützen, weil er Kontaktperson ist, zieht MP Daniel Günther in Hotelzimmer.
https://twitter.com/chaosimkittel/status/1479395741038784512?s=20

Ein 3fach geimpfter Politiker,der nicht infiziert ist,sondern nur Kontaktperson,geht in ein Hotelzimmer,um seine Kinder vor einem Virus zu schützen.
Der gleiche Politiker schickt ab Montag Kinder+Jugendliche zum forciertem Infektionsangebot mit Teilnahmezwang in die Schule

Mein Name ist Hase
7 Monate zuvor
Antwortet  xy

In gewisser Hinsicht nur konsequent: „Wir fühlen uns gut gerüstet für die nächsten Wochen. Aber es könnte sein, dass eine Veränderung der Lage uns zu weiteren Schritten zwingt“ (Günther, 21.12.21) Und NIE vergessen, liebe Nordelbier: „Aber wenn wir es in Schleswig-Holstein nicht schaffen können, wer dann?“ (Garg, 21.12.21)

vgl.: https://www.schleswig-holstein.de/DE/Landesregierung/I/_startseite/Artikel2021/IV/211221_corona_ergebnisse_mpk.html

Monika, BY
7 Monate zuvor
Antwortet  xy

Dumme Schafe sind wir. Für mich war das jetzt das letzte Tröpfchen.

celanon
7 Monate zuvor

Naja, das ist doch nichts Besonderes: Jeder präsentiert die Studie, die das bestätigt, was er gerne bestätigt haben möchte. Und tendenziell bestätigen Studien das, was der Auftraggeber bestätigt haben möchte.

Und wenn nicht, dann wird das Ergebnis relativiert, kleingeredet, schön- oder schlechtgeredet, kurz es gilt nicht wirklich, selbst wenn es eindeutig ist.

Man denke an die ersten Berichte über die milderen Omikron-Verläufe und all die Versuche, das irgendwie wegzureden, denn die Ergebnisse stammen ja aus Südafrika und das ist ja nicht vergleichbar usw.-usf. Naja und was ist nun? Auch in Großbritannien mildere Verläufe (um rund 20/25%) und in Dänemark sogar um 50% milder…

Aber wer das nicht wahrhaben will, warum auch immer, findet auch da Gründe, das infrage zu stellen und anzuzweifeln.

Hellus
7 Monate zuvor
Antwortet  celanon

Südafrika hat ein Durchschnittsalter von 28 Jahren, Deutschland hat ein Durchschnittsalter von 45 Jahren. Südafrika hat Sommer, wir haben Winter.
Und weil Südafrika eine Geburtenrate von 6 Kindern/Frau hat bekommen wir jetzt einen Babyboom? Und in Südafrika braucht man jetzt verstärkt Schal und Mütze, weil wir Winter haben?
Bei unterschiedlichen Bedingungen erhält man wahrscheinlich nicht die gleichen Ergebnisse. Genau diese Bedenken wurden zuvor geäußert, und das zu Recht.
In GB und DK sind die Bedingungen den unseren ähnlicher, was auf eine ähnliche Entwicklung hoffen lässt.
Und wenn WIR es hinkriegen könnten, dass prozentual noch weniger Menschen als in DK oder GB beatmet werden müssen, die Intensivstationen füllen, an Long Covid erkranken oder sterben, dann wäre das wunderbar, denn jeder von ihnen, ist einer zuviel.
Das könnten wir schaffen, mit Vorsicht, Umsicht und Weitsicht von jedem von uns.

Alla
7 Monate zuvor
Antwortet  celanon

In den USA war in der ersten Welle zunächst fast nur die White Community betroffen, warum auch immer.
Das veranlasste eine große Anzahl von Menschen zu behaupten, Schwarze hätten eine „natürliche Immunität“ gegen das Virus. Die Wissenschaftler, besonders Dr. Fauci, verwiesen immer auf die noch viel zu unsichere Datenlage und forderten alle Menschen auf, sich an die Abstandsregeln zu halten.
Trotzdem verbreitete sich die Meinung schnell und führte dazu, dass viele Schwarze sich zu sicher fühlten, die Abstandsregeln vernachlässigten und sich das Virus explosionsartig in der Black Community verbreitete. Sie ist inzwischen die am schlimmsten betroffene Gruppe.
Genau das ist der Grund, warum Wissenschaftler sich erst einmal die Daten genau anschauen und vergleichen. Meinung und Erkenntnis müssen nämlich nicht immer übereinstimmen.

Kerstin
7 Monate zuvor

Ihrem Kommentar stimme ich voll zu, celanon: „Jeder präsentiert die Studie, die das bestätigt, was er gerne bestätigt haben möchte. Und tendenziell bestätigen Studien das, was der Auftraggeber bestätigt haben möchte.“
Der erste Satz ist mir besonders wichtig, weil er das Forum hier betrifft. Ich beobachte, dass hier immer nur Studien erwähnt und breitgetreten werden, die Angste schüren und diejenigen im Kommentarbereich zu Wortführern machen, die am liebsten die Schulen schließen und alles Mögliche an Fragwürdigem mehr tun würden.
Und nicht zu vergessen: der Umgang mit Politikern. Ich bin weiß Gott kein Waisenknabe in politischer Kritik, aber was hier oft an Unterstellung und Beschimpfung betrieben wird, kann ich beim besten Willen nicht mehr gutheißen.

MachsGut
7 Monate zuvor
Antwortet  Kerstin

Ich Kerstin, dann ließ doch woanders. Die Bild Zeitung oder Facebook? Irgendwo wirst du schon Gleichgesinnte finden.

W.
7 Monate zuvor
Antwortet  Kerstin

@Kerstin
Ich stimme nicht zu.
Nicht dem ersten Satz und auch sonst ( fast ) nicht, vgl. letzter Absatz.

Auffällig ist aber seit etwa zwei Monaten das verstärkte „Aufploppen“ der immer gleichen Figuren ( laut Nutzername ) mit
– immer gleicher „Botschaft“ pro Nutzer ( teilweise wortgleich unter verschiedenen Artikeln )
– immer gleiche Behauptungen ( z.B. „Schulschließungen“ ), die geduldig aus dem Forum ( sehr oft mit Links zu anderen Medien, Studien, „correctiv“-Fakten-Check usw. ) korrigiert werden, aber dennoch immer wieder stumpf als Behauptung gepostet werden.

Und was hier oft an Lehrer-Bashing ( Unterstellung ) und Lehrer-Beschimpfung betrieben wird, kann ich beim besten Willen nicht mehr gutheißen.
Genau.

Jan aus H
7 Monate zuvor
Antwortet  Kerstin

„die am liebsten die Schulen schließen und alles Mögliche an Fragwürdigem mehr tun würden.“

NIEMAND hier will die Schulen schließen!

Was die Kommentatoren hier wollen, ist GESUNDHEITSSCHUTZ für die SuS. Das wird nicht erst seit gestern gefordert, sondern schon seit Beginn der Pandemie. Gesundheitsschutz beim Präsenzunterricht ist mögliich, nur kostet es sehr viel Geld. Man bräuchte Luftreiniger, viel mehr Personal, mehr Räume, ganz viele hochwertige Masken, Tests und noch einiges mehr. Grob geschätzt, würde es vielleicht auf 10-20 Milliarden hinaus laufen, das wären etwa 1000-2000 Euro je SuS.

Genau darum geht es. Dieses Geld ist niemand bereit, auszugeben. Statt dessen werden nur Parolen rausgehauen, wie wichtig die Präsenz ist usw. Ja… natürlich ist sie wichtig, aber in einer Pandemie gibt es so etwas nicht zum Nulltarif. Wenn man sich anschaut, was die Pandemie in DE bislang gekostet hat, dann erscheinen diese 10-20 Milliarden plötzlich als Peanuts (zum Vergleich mal nachschauen, was jede Woche Lockdown gekostet hat – auch das hätte man mit Schutzmaßnahmen im Schulbereich deutlich reduzieren können). Dennoch will man sie nicht ausgeben, denn der andere Weg ist billiger: Alibimaßnahmen + Schulpräsenzpflicht… schon hat man die Präsenz auf Kosten des Gesundheitsschutzes anderer erzwungen.

Schulschließungen sind das ultimative Ergebnis dieser Politik. Man hatte fast zwei Jahre Zeit, etwas zu tun. Getan wurde NICHTS. Im Sommer, als die Inzidenzen niedrig waren, hätte man sich auf den absehbaren Herbst und Winter vorbereiten können. Hat man aber weder 2020 noch 2021 getan, sondern nur Parolen rausgehauen, dass die Pandemie ja vorbei sei. War sie aber nicht und das war vorher klar.

JETZT ist zu spät für solche Maßnahmen, denn die brauchen Zeit. Die Zeit hatte man. Jetzt ist es verantwortungslos, die Kinder anderer die Folgen des Nichtstuns tragen zu lassen. DAS ist das Problem.

Statt wenigstens jetzt Maßnahmen zu ergreifen, werden Studien beauftragt, die zeigen sollen, dass es gar kein Problem gibt und man sich weiter durch Nichtstun durchwursteln kann.

Enttäuschung
7 Monate zuvor

Wenn man hört, was Politiker, Eltern und eine Gesellschaft alles von Schule erwarten, wird gleichzeitig verdrängt, dass das am Ende einfach mal viel Geld kostet.

Beruflich bin ich regelmäßig in verschiedenen Schulen in HH. Bisher habe ich nicht gesehen, dass, seit Corona, grundlegende Investitionen zu erkennen wären.

Es mag ja naiv sein, aber ich hatte mir das zu Beginn der Pandemie erwartet. Schließlich wurde ja, in Dauerschleife, das hohe Lied auf die Unverzichtbarkeit von Schule gesungen.

Immerhin sollen ja nun nicht nur Kinder unterrichtet werden, sondern Schule soll auch ein Ort der Glückseligen sein, der für die Entwicklung der Kinder zuständig ist (Scheinbar ist eine zu lange Zeit zu Hause sehr gefährlich!
Das ist natürlich, in einigen Fällen, richtig – aber hat das, bis vor zwei Jahren, in der Politik ernsthaft jemanden interessiert?). Darüberhinaus noch ein bisschen technischer Support, ein bisschen Corona Testen und Bürokratie bewältigen…. Das ist doch kinderleicht! Zumindest in den Augen der Politik und sicher auch vieler Eltern.

Vor Ort sehe ich, keinen Fitzel an technischen Neuerungen, oder mehr Personal. Ach doch – ein paar neue Lab Tops gibt es, die zur Zeit ein ungenutztes Dasein in den Lehrerzimmern fristen. Viele Lehrer gehen auf dem Zahnfleisch, geben das aber nur hinter vorgehaltener Hand zu (Ach nein. das ist ja gar nicht möglich – die haben ja ständig Ferien)

Man kann sich ja darüber streiten, ob Politik/Medien versucht der Bevölkerung ein x für ein u zu verkaufen, aber die Frage ist doch, warum erwartet wird, dass man sich darüber nicht wundert, oder gar verärgert ist.

Wenn ich meinen Kindern sagen würde, dass es eine Straße gibt, in die sie auf keinen Fall gehen dürfen, weil es da sehr, sehr gefährlich ist, aber es völlig ok ist, wenn sie in dieser Straße sind, um in ihre Schule gehen, weil das alternativlos ist, dann würden die sich auch wundern.

PS – eine Frage: schreibt jemand hier das auch mal persönlich an den ein, oder anderen Minister? Also ich hab das gemacht und sogar eine Antwort bekommen….immerhin

Fed up
6 Monate zuvor

Es gibt auch viele Lehrer in den Schulen – viele sind älter als 60 und nicht alle sind besonders fit. Sie sind in keiner Weise vor Corona geschützt. Keine Luftfilter, keine Möglichkeit, Abstand zu halten. Heute hatte ich wieder eine Vertretungsstunde: 53 SuS in der Sporthalle, die alle herumliefen, schwer atmeten, kaum jmd. Geimpft und von denen keiner eine Maske trug. Herr Rabe sollte sowas ausprobieren.

dickebank
6 Monate zuvor
Antwortet  Fed up

Na, halt auch nur eine denkbare Möglichkeit hohe Pensionslasten zu senken.