„Unterirdische Unterrichtsversorgung“: CDU will Lehrermangel verstärkt mit Prämien bekämpfen

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Mit Prämien will Niedersachsens CDU-Landtagsfraktion mehr Lehrer in die Provinz locken. «Es gibt einzelne Schulen, die wirklich eine unterirdische Unterrichtsversorgung haben, weil da keiner mehr hin will», sagte ihr kultuspolitischer Sprecher Christian Fühner am Freitag in Hannover. Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) hatte kürzlich schon auf die sogenannte Flächenprämie hingewiesen, die in benachteiligten Regionen und Schulformen gezahlt werden kann.

Ob sich Lehrkräfte mit etwas mehr Geld locken lassen? Foto: Shutterstock

Die Unterrichtsversorgung an Niedersachsens Schulen ist in diesem Schuljahr so niedrig wie zuletzt vor 19 Jahren. Das Verhältnis von Schülern und Lehrerstunden lag zum Stichtag am 16. September 2021 bei lediglich 97,4 Prozent des Solls. Tonne führte den Rückgang etwa auf die Corona-Pandemie und einen hohen Teilzeit- und Elternzeitanteil bei den Lehrern zurück.

Das Ministerium betonte, dass die Situation im Vergleich zum Wert von 2002 mittlerweile eine andere sei. Damals habe es kaum Ganztagsbetreuung oder Inklusion gegeben. Mit dem Wert der Unterrichtsversorgung werde nun viel mehr abgedeckt als noch vor fast 20 Jahren. Zudem gebe es mehr Lehrkräfte. dpa

VBE-Studie zum Lehrkräftemangel: „Viel dramatischer als von der KMK kommuniziert“

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Mary-Ellen
3 Monate zuvor

@Redaktion:
Ein „r“ aus „unterrirdische“ ‚rausnehmen…
Ganz herzliche Grüße und immer wieder ein Riesendank für Euer unermüdliches Engagement!

Palim
3 Monate zuvor

Prämie? Nehme ich. Man nennt es A13, aber der Finanzminister des Landes Niedersachsen, selbst CDU, ist dagegen.
Entlastungen entsprechen der Vorschläge der Arbeitszeitkommission (des Landes wohlgemerkt) kann man nicht gewähren, da man kein Personal findet, und man findet kein Personal, das bereit ist, die Aufgabe samt Überlastung für A12 zu übernehmen.

Die CDU hatte sich ins Wahlprogramm geschrieben, dass alle Lehrkräftestunden in den Pflichtunterricht gehen sollen. Also werden über Jahre Förderstunden gestrichen, ohnehin viel zu knappe Inklusionsstunden der Grundversorgung gar nicht mehr verteilt und auch ausfallende Lehrkräftestunden können nicht durch Lehrkräfte ersetzt werden, da man diese Vertretungsreserve nicht vorhalten will.

Da hilft nun auch kein Schönrechnen mehr, wie in den letzten 20 Jahren.
Was soll die Prämie bringen, wenn man sonst nicht gewillt ist, die Bildung, die man sich wünscht, angemessen zu finanzieren?

Grundschullehrer
2 Monate zuvor
Antwortet  Palim

„Man nennt es A13, aber der Finanzminister des Landes Niedersachsen, selbst CDU, ist dagegen.“ In Sachsen-Anhalt ist es auch an der CDU gescheitert. Aber die anderen Koalitionspartner haben sich auch nicht gerade übermäßig dafür stark gemacht. Immerhin zahlt Niedersachsen eine Zulage und „…die Verhandlungen laufen“. Die GEW in Niedersachsen ist anscheinend auch nicht mehr das, was sie mal war. Waren es nicht die Gymnasiallehrer in Niedersachsen, die sich seinerzeit erfolgreich gegen eine höhere Stundenzahl gewehrt haben? Damals war man noch kämpferisch… oder mag man sich für die Grundschullehrer einfach nicht so sehr einsetzen? Sind ja schließlich mehrheitlich Frauen, die auch unter schlechten Bedingungen immernoch einen guten Job machen…

Palim
2 Monate zuvor
Antwortet  Grundschullehrer

Für die Gymnaiallehrkräfte hat sich auch der Philologenverband eingesetzt, der hat offenbar mehr Gewicht, bei A13 stellen sich einige Philologen dagegen.

Als die Gymnasiallehrkräfte die eine Stunde Mehrarbeit, die zuvor schon als Ansparstunde in allen Schulen erteilt worden war, nicht zurückerhalten sollten, sondern das Deputat erhöht werden sollte, gab es Protest und daraufhin dann ja auch die umfassende Erhebung der Arbeitszeit.
Die Ergebnisse wurden vom Land anerkannt, eine Kommission wurde eingesetzt, um Vorschläge der Entlastung zu erarbeiten, auch das wurde anerkannt, aber mit dem Verweis auf den Lehrkräftemangel nicht umgesetzt. Der Klageweg wird bestritten … das kann dauern.

Inzwischen sind viele Gymnasiallehrkräfte eingestellt worden, zwischenzeitlich in den GHR-Schulen geparkt gewesen, um dann G9 auszustatten. Die GHR-Schulen haben noch immer Lehrkräftemangel und A12.
Bleibt noch, die Gymnasiallehrkräfte mit A13 in die GHR-Schulen abzuordnen.

Im Dienst ergraut
3 Monate zuvor

Es ist nicht das Geld. Es sind andere Sachen, die frustrieren und die deutlich machen, dass das Land weder seine Fürsorgepflicht ernst nimmt noch die fachliche Expertise seiner Lehrkräfte schätzt. Ein paar Beispiele aus 30 Jahren Dienstzeit im Land Niedersachsen:

– Die Beihilfe streicht konsequent jedes Mal den 3,5-fachen Faktor und weigert sich auch mit erneuter Begründung, ihn zu bezahlen, obwohl der Arzt ihn korrekt angesetzt hat. Man muss sich überlegen, gegen den eigenen Arbeitgeber zu klagen. Selbst angefertigte Kopien von ärzlichen Verordnungen erkennt das Land nicht an, es muss vom Dienstleister kopiert werden. Sonst könnte ja jeder … Tiefes Misstrauen gegen die eigenen Beamten.

– Wer einmal in einem schlecht versorgten Landkreis sitzt, hat keine Chance mehr, von dort wegzukommen. Pflegebedürftige Eltern an einem anderen Ort oder Amtsärzte, die wg. eigener Krankheit ausdrücklich einen wohnortnahen Arbeitsplatz empfehlen, spielen keine Rolle. Stattdessen kommen süffisante, anzweifelnde Kommentare von Dezernenten, wenn der 8. Versetzungsantrag gestellt wird.

– Es geht in der Regel nur um Fassade, nicht um inhaltlich gute Arbeit in den Schulen. Überall klebt das Etikett „Inklusion“ darauf. In Wirklichkeit gibt es entweder ein „Mitschleifen“ der Kinder mit Förderbedarf oder aber es werden intern dann doch Lernhilfeklassen eingerichtet, vielleicht geführt von einem Hauptschullehrer. In der einen Hälfte unseres Kreises gibt es derzeit noch 10 arbeitsfähige Förderschullehrer an allgemeinbild. Schulen, davon einige in Teilzeit. Alles andere wird mit anderen Kräften „abgedeckt“ oder eben auch gar nicht. Zudem werden Förderschullehrer an den allgemeinbild. Schulen oft nur als „Hilfskraft“ gesehen, eine kollegiale Wertschätzung fehlt und man ist in stetigem Kampf oder endet mit Resignation.

Initiativen, die fruchtbare Veränderungen bringen könnten, aber gerade von oben nicht geplant sind, werden radikal abgeschmettert und die von Kollegen investierte Zeit in Konzepte ist wieder mal vergeblich. Das betrifft z. B. die Erweiterung von bestehenden Förderschulen um weitere Klassen oder andere so.päd. Richtungen.

Der Beispiele gäbe es noch viele. Zusammengefasst: Es fehlen die fachliche Wertschätzung des Arbeitgebers und jegliche Bereitschaft, seinen Lehrern einen angemessenen Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen, der deren eigenen pädagogischen Ansprüchen genügt. So bekommt man keine neuen Leute, geschweige denn gute Leute.

Reisinger850
2 Monate zuvor

Für mich ist es als A12 besoldeter Realschullehrer sehr wohl das Geld.

Wenn es nicht bald A13 gibt, bricht es zusammen und das absolut zurecht.

Carsten60
2 Monate zuvor

„Überall klebt das Etikett ‚Inklusion‘ drauf.“
Das ist wie im sog. realen Sozialismus: Da klebte überall das Etikett „Sozialismus“ drauf, intern wusste man aber, was alles nicht funktioniert, und hat die sozialistischen Prinzipien dann doch aufgeweicht durch „kapitalistische“ Geschäfte.
Oder einfacher: die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

fabianBLN
3 Monate zuvor

Verbeamtung soll helfen bei der Beseitigung des Lehrermangels. Man frage in Berlin nach. Die wissen das. 😉

Carsten60
2 Monate zuvor
Antwortet  fabianBLN

Das ist doch erst angekündigt, und Teile der Regierungsfraktionen sind nach wie vor dagegen und schlucken das nur als „Kröte“, die GEW auch. Angeblich ist die Finanzierung immer noch unklar. Und es ginge in Berlin eher um die Abwehr von Abwanderungen als um ein Aufstocken der Zahl der Lehrer.

Realist
3 Monate zuvor

Das Schulsystem hat fertig. Vor Corona kroch es schon auf dem Zahnfleisch und stand vor dem berühmten Abgrund. Jetzt sind wir einen Schritt weiter…

Es gibt nur zwei Sachen, die jetzt noch helfen:

Die erste geht auf Kosten der Steuerzahler und natürlich auf Kosten aller, die von staatlichen Geldern in anderen Bereichen (auch auf Kosten der an allen Ecken und Enden massiv subventionierten „freien Wirtschaft“) leben: Die Attraktivität des Lehrerberufs deutlich erhöhen, d.h. mehr Geld (Bezahlung wie in anderen Berufen der öffentlichen Versorgung, also analog zu Ärzten) und massive Entlastung (weniger Unterrichtsdeputat, Fachkräfte für IT, Verwaltung und Soziales in die Schulen). Dann und nur dann lockt man auch wieder mehr qualifizierte Leute in den Lehrerberuf.

Das zweite geht auf Kosten der bereits im System vorhandenen Lehrer: Deputatsstunden heraufsetzen, Entlastungen herabsetzen und Klassenfrequenzen erhöhen. Wenn man dann noch Lohn-/Besoldungserhöhungen deutlich unterhalb der Inflationsrat ansetzt (d.h. Reallohnverlust wie aktuell, d.h. -4% pro Jahr), dann hat mittelfristig man etwas Geld über, um ein paar Quereinsteiger zusätzlich einzstellen und die nicht ganz so leistungsfähigen Stunden ins Lehramt zu locken (z.B. indem man den NC für das Lehramtsstudium abschafft).

Wir wissen alle, wohin die Reise geht…

Marc
3 Monate zuvor

Eine Prämie? Wieso nicht A13?
Achsoooooo… Prämien sind befristet oder kann man streichen.
Genial CDU. Genial.
So lange man den Lehrern unterhalb des Gymnaisum jedesmal so grob ins Gesicht schlägt, wird man kein Personal finden. Wer will gerne ein Lehrer zweiter Klasse sein, wo die Minister klar raushängen lassen, dass man in sie nur das nötigste investieren will. Wertschätzung Fehlanzeige. Minimaler Sold, minimale Ausstattung. Alles so knapp wie möglich. Hauptsache am Gymnasium sitzen über 50% auf A14.

Die raffen es einfach nicht. Oder wollen es nicht raffen.

Marie
2 Monate zuvor
Antwortet  Marc

Noch schlimmer wird es, wenn dir die Frau, deren Partei mit dem Versprechen auf A13 in NRW zum Koalitionspartner wurde, ganz dreist sagt, dass du jetzt erst mal die Coronamaßnahmen des Landes bezahlen musst.
https://twitter.com/westpol/status/1492755419038580736

Grundschullehrer
2 Monate zuvor
Antwortet  Marc

„Hauptsache am Gymnasium sitzen über 50% auf A14.“ Ist das in Niedersachsen so?? Das klingt ja nach Traumbesoldung im Gymnasialbereich…

Marc
2 Monate zuvor
Antwortet  Grundschullehrer

In NRW sind zumindest 45% bis 50% in A14 oder höher. Denke mal in NDS wird es ähnlich sein. Das Gymnasium und die BK sind mit Beförderungsstellen großzügig ausgestattet im Gegensatz zu den anderen Schulformen.

MeinSenf
3 Monate zuvor

Und Schulen, die gerade mal so eine ansatzweise passende Unterrichtsversorgung haben, werden dann gezwungen haufenweise Abordnungen zu stellen, sodass im Endeffekt alle unterversorgt sind. Logik in Niedersachsen.

Zu bestaunen an meiner Schule: Wir wären gerade so über die Runden gekommen, mussten aber diverse Stunden, insbesondere in Fächern, die auch bei uns schon knapp an der Grenze zur Unterversorgung oder auch schon darüber hinaus sind, abordnen. Das führt zusammen mit den immer mehr werdenden Ausfällen (häufig wegen Corona, aber auch wegen immer deutlicher spürbaren krankheitsbedingten Ausfällen wegen Überlastung) dazu, dass wir keinerlei Vertretungsreserve mehr haben und nicht selten gleichzeitig zwei Klassen von einer Lehrkraft beaufsichtigt werden müssen.

So erhöht sich bestimmt die Qualität des Unterrichts und die Attraktivität des Job ist natürlich deutlich gesteigert! 😉 🙁

Palim
3 Monate zuvor
Antwortet  MeinSenf

Ja, und die aufnehmende Schule ist sonst 50% im Stamm versorgt oder hat schon zuvor abgeordnet, erhält nun nur einen Teil der Pflichtstunden ersetzt, muss die außerunterrichtlichen Aufgaben im Stammkollegium verteilen, fängt den Unterricht in den mangelnden Fächern möglichst auf und dreht den Stundenplan so lange im Kreis, bis es irgendwie vielleicht mit NN aufgeht, verteilt auch irgendwie die doppelten Klassenleitungen, da 2 Stunden von hier und 4 Stunden von da keine Klassenleitung ermöglichen,
die Vertretungs-Aufsichten durch pädagogische Mitarbeitende (teils ohne Pädagogik. Ausbildung) werden nach jahrelanger Pool-Lösung bei neuen Verträgen auf eine bestimmte Wochenstundenzahl gesetzt, sodass 3 Mitarbeitende den Ausfall einer einzelnen Lehrkraft nicht auffangen können.

Wofür soll es nun die Prämie geben?
– für die Schulen, die nicht zu 100% aller per Erlass geregelten Stunden versorgt werden,
– für die Schulen, die seit Jahren die Inklusion stemmen, obwohl ihnen die Stunden der Grundversorgung von 2 Std. pro Woche nicht gewährt werden können, die ohnehin schon ein Sparbrötchen sind,
– für die Schulen, die seit Jahren Kindern Deutsch als Zweitsprache vermitteln, ohne die per Erlass geregelten Stunden zu erhalten,
– für Schulen, die seit Jahren Förderung und Herausforderung betreiben, aber auch dafür die Stunden gestrichen bekommen,
– für das Aufrechterhalten des Unterrichts trotz jahrelangen Mangels,
– für KollegInnen, die über Gebühr Fächer, Fachleitungen, Beauftragungen übernehmen müssen,
– für Lehrkräfte, die sich in Abordnungen einarbeiten, in neue Schulformen und Fächer, die laufend neue Abordnungen, ReferendarInnen, Aushilfen, pädagogische MitarbeiterInnen … einarbeiten,
– für KollegInnen, denen seit Jahren der Ausgleich entsprechend der Vorschläge der Arbeitszeitkommission verwehrt wird,

Die Prämie würde die Wertschätzung der unentgeltlichen Mehrarbeit ausdrücken und sollte A13 aller Lehrkräfte mit 2. Staatsexamen nach entsprechend absolviertem Studium ergänzen.

Kann man ja sofort umsetzen. Die CDU ist Teil der derzeitigen Landesregierung und hält das Finanzministerium mit Minister Hilbers. Nur zu. Kann der Partei-Kollege ihm bestimmt schnell vermitteln:
https://www.news4teachers.de/2021/05/finanzminister-will-sparen-bei-lehrerstellen-gewerkschaften-warnen/

Da war doch auch noch Geld der nicht besetzten Lehrkräfte-Stellen übrig, das das Land anderweitig einsetzen wollte. Man hätte es in multiprofessionelle Teams stecken können, die in den am geringsten versorgten Schulen unterstützen würden. So werden die Standorte attraktiver und zusätzlich bald mit Lehrkräften verstärkt, die gerne dort arbeiten, wo die Aufgaben zwar ausgesprochen herausfordernd, aber im aufgestockten Team miteinander besser bewältigt werden können.

Da müssen wir auch gar nicht bis zur Wahl im Herbst abwarten. Wäre es nicht eine gute Werbung für die Partei, wenn statt Wahlversprechen schon vor der Wahl mit Taten überzeugt würde?

HeuteHierMorgenDa
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

Moinsen,

Das Land Nds wird ernten, was es gesät hat. Wir gehen hier sehr schlimmen Zeiten entgegen! Ich warte nur noch auf den Vorschlag, wieder AZ-Konten einzuführen!! Wir haben ja viele junge Kollegen und Kolleginnen, die sich sicher darum reißen werden. Erinnert mich ein Wenig an meine Anfangszeit 1999 mit der sog. Zwangsteilzeit. Es wurde hin- und herklabustert, damit es irgendwie funktionierte! Dann wurde es vom OVG kassiert, wenn ich mich recht erinnere? Es bleibt spannend!

AusderPraxis
3 Monate zuvor

Sitźt man erst einmal in so einem „Schwarzen Loch“, in das alles hineingeht aber NICHTS mehr herauskommt, wird es schwierig! Eine veränderte Lebenssituation (man lernt einen Partner kennen, der aber nicht im strukturschwachen Raum arbeitet) darf einfach nicht passieren! Einem Versetzungsantrag wird nicht stattgegeben, eine Familienzusammenführung kann auch schon mal 6 bis 7 Jahre dauern. Trotz gemeinsamer Kinder!
Wer tut sich das an?

D. Orie
3 Monate zuvor

Schlimm: „Also werden über Jahre Förderstunden gestrichen, ohnehin viel zu knappe Inklusionsstunden der Grundversorgung gar nicht mehr verteilt und auch ausfallende Lehrkräftestunden können nicht durch Lehrkräfte ersetzt werden, da man diese Vertretungsreserve nicht vorhalten will.“ (Palim, richtig beschrieben, vielen Dank). Aber wieder fehlt mir insgesamt der Hinweis, dass man AUSBILDEN muss. Es kann nicht sein, dass die Unis für die Grundschullehrkräfteausbildung so knapp gehalten werden! In vielen Unis gibt es keine (!) einzige Professur im Bereich Sprachdidaktik! In ganz Deutschland werden es immer weniger Professuren, die angehende Grundschullehrkräfte im Bereich Rechtschreibdidaktik ausbilden. Und die wenigen haben dann 500 oder mehr Studies zu betreuen. Das macht krank! Und die Studies brechen auch eher ab. Gerade wird z. B. an der Uni Siegen (also anderes Bundesland) eine der wenigen Sprachdidaktikprofessuren neu besetzt. Früher waren hier renommierte Wissenschaftler auf dieser sprachdidaktischen Stelle. Lasst mich raten, ob auch diese Stelle thematisch anderweitig besetzt wird.

Jessica Lanser
2 Monate zuvor

Es wäre wirklich mal an der Zeit was zu tun!

Meine Tochter ist September 2021 in die Schule gekommen seitdem gab es 6 Klassenlehrer für Sie. Immer wieder sind sie 2- 4 Wochen geblieben und dann gegangen. Teilweise sind sie nicht mit den Schülern klar gekommen (in der Klasse gibt es 7 Verhaltensauffällige Kinder) oder sind schwanger geworden (2 davon).
Die Dame, die eigentlich die Klasse leiten sollte am Anfang, hatte ein dramatisches Erlebnis so dass sie nicht mehr unterrichten konnte.

Das dies alles psychische Probleme bei Kindern hervorrufen kann ist allen egal.
Mein Kind hat zum Beispiel große Verlustangst, durch diese ständigen Lehrerwechsel wird es bestimmt nicht besser. Habe sogar schon einen Schulpsychologen an ihrer Seite. Wenn dir dann dein Kind sagt: „Mama, ich möchte der neuen keine Chance geben weil diese ja sowieso wieder geht!“ oder „Ich denke unsere Klasse mag gar keiner!“ dann tut mir das als Mutti verdammt weh!

Alla
2 Monate zuvor
Antwortet  Jessica Lanser

Das tut mir Leid für Ihr Kind!
Der Lehrkräftemangel schreit zum Himmel! Es gibt viel zu wenig Ausbildungsplätze an den Unis und auch zu wenig Qualifizierungsmaßnahmen für Seiteneinsteiger, sowie viel zu wenig Interessenten für dem Beruf!

Oft haben Schulen weniger ausgebildete Lehrer als Klassen, auch bei uns fiel im Oktober 2020 eine Lehrkraft aus (Burn out) ohne dass wir eine neue Lehrkraft bekamen! Die Klasse wurde immer wieder neu besetzt, allerdings nicht mit einer „richtigen“ Lehrerin.

Seiteneinsteiger und Junglehrer machen sich oft eine viel zu „rosige“ Vorstellung vom Lehrerberuf. Vormittags Schule, nachmittags frei und viele Ferien!
Dann kommen sie zum Örtlichen Personalrat und machen eine Überlastungsanzeige. Oft bleibt da nur die Stundenreduzierung, man kann ihnen auch noch die Klassenleitung wegnehmen, aber das geht auch nur auf Kosten der Klassen! Einige hören auch ganz auf, gehen in ihren alten Beruf zurück.

Wir haben im Moment so einen Fall. Die Frau arbeitete in der Tourismusbranche, machte dann ein Studium zur GS-LK und hat ihr zweites Staatsexamen. Sie sieht sich jedoch außerstande, mehr als 2/3 zu arbeiten, da dass „nicht zu schaffen ist“.
Und dass, obwohl sie in ihren alten Beruf teilweise 7/24 gearbeitet hat, zumindest in den 6 Monaten Hauptsaison.

Auch Seiteneinsteiger unterschätzen die Belastung oft, reduzieren die Stunden weiter und merken dann, dass sie nicht mehr von ihrem Gehalt leben können. Im Moment muss ich mich mit 2 Seiteneinsteiger-Kolleginnen beschäftigen, die in der Realität angekommen sind. Wir haben ihnen schon so gut wie jede außerunterrichtliche Belastungen abgenommen, aber nun beschweren sich die älteren KuK, die alles zusätzlich on top stemmen müssen!

Irgendwie bin ich froh, dass ich in 5 Monaten mit knapp 67 Jahren in Pension gehen kann.
Wer dann die Fachleitung Sachunterricht und den Personalratsposten (alles ohne Stundenausgleich) übernimmt, ist mir inzwischen egal! Noch eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit halte ich nicht durch!

Peterle
1 Monat zuvor
Antwortet  Jessica Lanser

Ja, leider sind unsere jungen Kolleginnen überhaupt nicht belastbar, oder leben z.T. in den Wolken! Unterricht gibt es nicht mehr, es werden z.T. nur noch Mandalas gemalt!

Realist
2 Monate zuvor

„Irgendwie bin ich froh, dass ich in 5 Monaten mit knapp 67 Jahren in Pension gehen kann.“

Respekt, dass Sie so lange durchgehalten haben. Das Durchschnittsalter für den Eintritt in den Ruhestand liegt in Deutschland bei 61 Jahren. Nein, nicht für Lehrer oder Beamte sondern im Durchschnitt ALLER Beschäftigten: Während der gemeine Lehrer noch ackert, versüßen viele Unternehmen ihren Beschäftigten den Vorruhestand mit Einkommensaufstockungen und Abfindungen. Auch das weiß mittlerweile die junge Generation und kommt daher gar nicht mehr auf die Idee sich bis 67 und demnächst wohl bis 70 als Lehrer verheizen zu lassen.