VBE-Studie zum Lehrkräftemangel: „Viel dramatischer als von der KMK kommuniziert“

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BERLIN. Die Bildungsgewerkschaft VBE geht davon aus, dass in den kommenden Jahren deutlich mehr Lehrkräfte gebraucht werden, als von der Kultusministerkonferenz (KMK) angenommen. Die Modellrechnungen der KMK zum Neuangebot ausgebildeter Lehrkräfte bis 2030 seien «unseriös», hieß es am Dienstag bei der Vorlage einer eigenen Studie des Verbands Bildung und Erziehung. Die Annahmen seien weder durch die Entwicklungen bei den Studierendenzahlen im Lehramtsstudium gedeckt noch durch die Zahl der Schulabsolventinnen und -absolventen in den kommenden Jahren.

„Mogelpackung“: VBE-Chef Udo Beckmann. Foto: VBE

Der VBE kritisierte darüber hinaus, dass die Länder bei ihren Vorausberechnungen zum Lehrkräftebedarf den geplanten Ausbau von Ganztagsplätzen, Zusatzbedarfe für Sonderpädagogen und die von der Ampel-Regierung geplante Förderung von Schulen in sogenannten sozialen Brennpunkten nicht berücksichtigt hätten.

Für den VBE legte der Bildungsforscher Prof. em. Klaus Klemm eigene Zahlen vor. Er geht demnach von mindestens 81.000 fehlenden Lehrkräften bis 2030 aus. Klemms Berechnungen zufolge wird die Zahl der Absolventen, die neu in den Beruf eintreten könnten, deutlich niedriger liegen als von der KMK prognostiziert.

„Etwa die Hälfte der Länder schreiben die aktuellen Angebote von Absolventen bis 2030 einfach fort“

Der renommierte Bildungsökonom nannte die Berechnungen auf der Angebotsseite «abenteuerlich». Das Lehrkräfteangebot werde massiv überschätzt. Etwa die Hälfte der Länder würden die aktuellen Angebote von Absolventen bis 2030 einfach fortschreiben, ohne Rücksicht auf das, was sich verändern könnte. Er kritisierte speziell die Zahlen aus Sachsen, wo die prognostizierte Zahl von Absolventen in den kommenden Jahren genau mit denen der benötigten Lehrkräfte übereinstimmen. Rechnerisch entsteht daraus gar keine Lehrkräftelücke.

Der Bildungsforscher legte für seine eigenen Berechnungen die Zahl der Schulabgänger mit allgemeiner Hochschulreife und den Anteil davon, der ein Lehramtsstudium aufnimmt und abschließt, zu Grunde. Auf Basis dieser Rechnung kommt er mit 286.000 auf ein deutlich geringeres Angebot als die von den Ländern errechneten 350.000 neue Lehrkräfte. Bei einem von Klemm errechneten Bedarf von 367.000 Lehrkräften ergibt sich eine Lücke von 81.000.

Der VBE wies zudem auf den geplanten Ganztagsausbau, den zusätzlichen Bedarf an Sonderpädagogen und die von der Ampel-Regierung geplante Förderung von Schulen in sogenannten sozialen Brennpunkten hin. Für diese Maßnahmen werden der Studie zufolge weitere 74.000 Lehrkräfte benötigt.

In der letzten KMK-Berechnung, die allerdings schon mehr als ein Jahr alt ist, ergibt sich eine rechnerische Lehrkräftelücke von nur 13.000. Zwischen 2020 und 2030 wird demnach von rund 363.000 Lehrkräften ausgegangen, die eingestellt werden müssten, und von einem Angebot an Absolventen von knapp 350.000.

Der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann sprach von einer «Mogelpackung». «Die nun vorliegenden Zahlen zeigen glasklar: Es ist viel dramatischer als von der KMK kommuniziert», sagte er. «Die Politik kann sich nicht mehr aus der Verantwortung stehlen und sagen, sie hätte es nicht besser gewusst.» Die Kultusminister arbeiten momentan an einer aktualisierten Prognose, die voraussichtlich im Frühjahr vorgelegt wird.

„Unser Bildungssystem ist, insbesondere im Grundschulbereich, massiv unterfinanziert“

Beckmann: „Der Lehrkräftemangel ist das derzeit größte Problem im Schulbereich und stellt eine massive Bedrohung für Bildungsqualität, -gerechtigkeit und die Zukunft unseres Landes dar. Die größten Herausforderungen, mit denen Schule aktuell konfrontiert ist und künftig konfrontiert sein wird, – Corona-Pandemie, Integration, Inklusion, Digitalisierung, Ganztagsbeschulung, – werden ohne Bereitstellung der erforderlichen personellen Ressourcen nicht zu lösen sein. Realität ist: Lehrkräfte arbeiten schon seit langem und nochmals verstärkt durch die Pandemie an oder oberhalb ihrer Belastungsgrenze.“

Die notwendige individuelle Förderung von Schülerinnen und Schülern sei unter den gegebenen Rahmenbedingungen in der Regel nicht mehr leistbar. „Unser Bildungssystem ist, insbesondere im Grundschulbereich, massiv unterfinanziert, wie auch die OECD-Berichte zeigen. Bereits seit Jahren notwendige Maßnahmen und Investitionen in die Gewinnung von qualifiziertem Lehrpersonal werden zwar von der Politik öffentlichkeitswirksam angekündigt, die erforderliche Umsetzung aber wird viel zu oft verweigert“, befand der VBE-Chef.

Die Präsidentin der KMK, Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU), sagte, alle 16 Länder seien sich der Lage bewusst und ergriffen landesspezifische Maßnahmen. «Der bereits in der Vergangenheit prognostizierte Engpass wird durch die Folgen steigender Geburtenzahlen und Zuwanderung und vieles mehr noch verstärkt. Solche Ergebnisse von Studien sind für uns also nicht neu und wir haben die Entwicklung im Blick.» News4teachers / mit Material der dpa

Der VBE fordert

Der Forderungskatalog des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) zur Personalbedarfsstudie im Wortlaut:

  • „Wir brauchen eine bundesweite Fachkräfteoffensive, jetzt! Diese muss im Sinne des im Koalitionsvertrag der Bundesregierung verankerten Kooperationsgebotes im Schulterschluss zwischen Bund, Ländern und Kommunen umgesetzt und voll ausfinanziert werden.
  • Planung und Durchführung der Lehramtsausbildung müssen dringend verbessert werden. Es braucht eine Erhöhung der Studienplätze bei gleichzeitiger Verbesserung der Studienbedingungen und der Studienbegleitung, auch um eine Reduzierung der Abbruchquoten zu erzielen.
  • Die Attraktivität des Berufsbildes muss spürbar gesteigert werden. Es braucht die gleiche Bezahlung unabhängig von Schulform und -stufe und eine deutliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen an Schule.
  • Die Politik muss sich ehrlich machen, ob und wie ernst sie es meint mit den schulpolitischen Maßnahmen Ganztag, Inklusion, Integration und der Unterstützung von Kindern in herausfordernden sozialen Lagen. Um diese Maßnahmen bedarfsgerecht umzusetzen, braucht es etwa ein Zwei-Pädagogen-System, was den Lehrkräftebedarf massiv erhöht. Hier muss die Politik endlich Antworten liefern, wie sie dies bewältigen will.
  • Der Lehrkräftemangel kann und muss durch den Aufbau und die Integration von multiprofessionellen Teams abgemildert werden! Verwaltungsaufgaben müssen minimiert oder durch entsprechende Fachkräfte durchführt werden.  Schulpsychologinnen, Schulsozialarbeiter, Schulgesundheits- und IT-Fachkräfte können nicht nur Lehrkräfte entlasten, sondern auch an Schule existente Aufgaben fachgerecht ausführen, für die Lehrkräfte nicht originär ausgebildet sind.
  • Schulabsolventinnen und Schulabsolventen müssen über eine bundesweite Lehrkräftegewinnungskampagne gezielt angesprochen werden, um den zwingend notwendigen schnellen Zuwachs an Studierenden zu erzielen.
  • Kurz- und mittelfristig notwendige Maßnahmen zur Abmilderung des Lehrkräftemangels, wie die Integration von Seiteneinsteigenden oder Pensionisten, müssen stetig evaluiert werden. Zudem muss für Seiteneinsteigende eine mindestens sechsmonatige Vorqualifizierung grundsätzlich sichergestellt sein.
  • Bedarfs- und Angebotsprognosen der politisch Verantwortlichen müssen valide, ehrlich, aktuell und vollumfänglich transparent erfolgen! Es braucht eine methodische Abstimmung zwischen den politisch Verantwortlichen. Zudem benötigt es endlich fortlaufend fächerspezifischer Erhebungen, insbesondere für Mangelfächer, die die Bedarfe von Schulen in Relation zu tatsächlichen und zu realisierenden Hochschulkapazitäten stellen. Die Qualität der Lehre darf dabei nicht ausgehöhlt werden.
  • Das Ausmaß des Lehrkräftemangels verschleiernde und die Qualität der Bildung schwächende Taktiken, wie etwa die Erhöhung von Klassenteilern oder die Doppelberechnung von Lehrkräften bei Campuszusammenlegungen, müssen aufhören.
  • Es braucht weitere, kreative und die Bedürfnisse junger Menschen adressierende Maßnahmen, wie etwa wirksame Anreizsysteme, um (neue) Lehrpersonen für den Dienst in abgelegenen ländlichen Regionen zu gewinnen.“

KMK sucht händeringend MINT-Lehrer-Nachwuchs – Lehrkräfte sollen über Berufsmessen tingeln

 

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Palim
3 Monate zuvor

„Wir haben die Entwicklung im Blick“ bedeutet so viel wie:
Wir sehen den Lehrkräftemangel, der jetzt schon herrscht, der zu Unterrichtsausfall führt und zu dessen Linderung wir seit 20 Jahren ungelernte Kräfte zur Beaufsichtigung einsetzen, statt eine Vertretungsreserve durch Lehrkräfte aufzubauen.

Deshalb können wir jetzt und weiterhin auf den Mangel verweisen und die durch die Arbeitschutzkommission geforderten Entlastungen nicht umsetzen. Lieber verheizen wir unsere Lehrkräfte und halsen ihnen immer mehr Aufgaben und Verantwortung auf.

Susi
3 Monate zuvor

Und man muss DRINGEND Maßnahmen ergreifen, um diejenigen, die jetzt im Schuldienst arbeiten, gesund zu erhalten, anstatt sie zu verschleißen, auszulaugen und in krankmachende Dauerüberlastung zu zwingen. Das geschieht in der Pflege und es geschieht in der Bildung, und den Entscheidungsträgern ist beides offenbar völlig egal.

AusderPraxis
3 Monate zuvor

Ein großer Faktor, den Lehrkräftemangel zu verschleiern, ist auch:
Schwer erkrankte LuL noch als Personal an den Schulen laufen zu lassen, auch wenn diese im Vorruhestand mit entsprechenden Bezügen sind und wohl nie wieder einsatzfähig sein werden.
Zu hoffen, dass alle LuL bis weit über den Renteneintritt hinaus arbeiten werden, ohne dass das bei der Pension honoriert wird
Alle Studienanfänger im Lehramt ihre Referendarzeit in 7 Jahren abschließen werden
Keine Lehrkraft vorzeitig aus dem Dienst ausscheiden wird (zB durch Tod, ja, passiert!)

So schleppt fast jede Schule „Karteileichen“ mit, Lehrkräfte die zwar anscheinend vorhanden sind aber in Wirklichkeit halt NICHT zur Verfügung stehen. Bei uns 2 , eine mit Long Covid, eine mit Krebs!

Realist
3 Monate zuvor

Man beachte auch diesen Handelsblatt-Artikel und die dort genannten Einkommensperspektiven für Mangelberufe jenseits des Lehramts:

https://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/kommentar-150-000-euro-jahresgehalt-bald-ganz-normal-unter-wissensarbeitern-waechst-eine-gefaehrliche-blase/27947596.html

Lessi
3 Monate zuvor
Antwortet  Realist

Wozu soll dieser Artikel nun hier im Forum genau dienen?

Realist
3 Monate zuvor
Antwortet  Lessi

Intelligente junge Menschen entscheiden sich bei der Berufswahl auch und vor allem an den Perpektiven des zu erwartenden Einkommens.

Realist
3 Monate zuvor
Antwortet  Lessi

Ergänzung:
Mit EINEM Lehrergehalt (egal ob A13 oder nicht) lässt sich z.B. in vielen Städten keine Immobilie mehr finanzieren.

Marc
3 Monate zuvor
Antwortet  Realist

Eben. Wegen gestiegener Kosten im Alltag, achten viele Arbeitnehmer heute wieder verstärkt auf ein sicheres und gutes Einkommen. Mit A12 ist man dann im Vergleich zu A13 oder A14 doch dann arg limitiert. Träume wie ein Eigenheim oder ein guter Lebensstandard rücken damit weiter weg. Dafür dann noch Studium und Staatsexamen auf sich nehmen? Das macht keiner mehr. Außer Leuten, die sowieo wenig aufs Geld achten müssen.
Aber um beim Beispiel Immobilien zu bleiben: Da sind 500 Euro Netto Gehaltsunterschied für die Bank schon eine relevante Größe. Und für den Alltag sowieso.

Dil Uhlenspiegel
3 Monate zuvor

Ja, ja, der Lehrkräftemangel. Nach den Gesetzen von Angebot und Nachfrage müsste nun ja … müsste nun dann ja … wow! Leute, wir werden jetzt richtig wertvoll!

Riesenzwerg
3 Monate zuvor
Antwortet  Dil Uhlenspiegel

@Dil Uhlenspiegel

Jepp – wir werden wertvoll.

Als Versuchskaninchen, Tester, Zeitvertreiber, Kinderaufbewahrer (damit die w i r k l i c h wichtigen Menschen = Eltern – aber keine Lehrereltern) richtige Arbeit verrichten können. Die der Wirtschaft gut tut.

Die zweite Aufwertung! Im zweiten Lockdown waren wir immerhin schon systemrelevant.

Als Versuchskaninchen, Tester, Zeitvertreiber, Kinderaufbewahrer (damit die w i r k l i c h wichtigen Menschen = Eltern – aber keine Lehrereltern) richtige Arbeit verrichten können. Die der Wirtschaft gut tut.

Ob noch eine dritte Aufwertung bevorsteht?

Emil
3 Monate zuvor

Zum Lehrermangel: wir unterrichten mit Quereinsteigern, die eine Musikstunde planen können, aber kein Händchen für die Kids haben. Und mit soz-päd. Fachkräften, deren typischer Satz ist „Das kann ich nicht“. In der Summe belasten diese Leute mehr als sie helfen.
Aber leider wird ja jeder genommen, der nicht bei 3 auf dem Baum sitzt.

Zur Finanzierung: Deutschland liegt am unteren Ende der Liste, gemessen an den Bildungsaufgaben im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt. NRW liegt am unteren Ende aller 16 Bundesländer. Die Grundschulen liegen am letzten Platz der Schulformen in NRW.

HAT IRGENDJEMAND NOCH FRAGEN?????

Emil
3 Monate zuvor
Antwortet  Emil

Und die Grundschullehrer reißen sich den A… auf, jeden Tag, um den Kids irgendwie gerecht zu werden…. Und in dem Wissen, für jeden geförderten Schüler 5 andere zurückgelassen zu haben.
Und wer liegt am Ende der Einkommensskala????
IMMER NOCH FRAGEN???

Kirtza
3 Monate zuvor
Antwortet  Emil

Als Soz. Päd. FK die Ihrer Meinung nach nix kann frage ich mich, was genau wir Ihrer Meinung nach genau können sollten. Ich begleite den Unterricht und helfe mit, dass die Lehrer ihre meiner Meinung nach zu wenig geschätzte Arbeit machen kann, vertrete bei Krankheit, helfe bei der Elternarbeit, übernehme und unterstütze die Kommunikation mit ASD, Jugendamt, Kindertageseinrichtungen, Therapeuten und mache am Nachmittag Fördergruppen und Hausaufgabenbetreuung. Was also können wir nicht? Unterricht? Richtig. Wir sind keine Lehrer.
Bitte etwas mehr Wertschätzung für die eigenen Kolleg*innen und den Blick über das eigene Elend hinaus.

AusderPraxis
3 Monate zuvor
Antwortet  Kirtza

@Kirtza
Wir haben inzwischen auch eine solche Perle an unserer GS. Und dafür sind wir mehr als dankbar. Leider nur an 4 Tagen für 4 Stunden. Aber das kann aufgestockt werden, wenn sie es will. Die Stelle ist erweitert worden.

Sie war vorher im Jugendamt beschäftigt, kennt sich aus und ist gut vernetzt! Sie hat Möglichkeiten JA-Mitarbeiter zu erreichen, die Normal-Sterbliche nicht haben! Sie unterstützt uns in den Klassenratstunden und kann Kinder gut erreichen.

Zur Zeit macht sie eine Fortbildung für die Ausbildung von Streitschlichtern und wir vermissen sie sehr. Wir freuen uns aber darauf, dass die Ausbildung von Streitschlichtern (die bisher durch nicht fortgebildete LKs durchgeführt wurde), dann mit viel mehr Kompetenz stattfindet.

Sie hat auch immer gute Ideen zum Umgang mit „problematischen“ Kindern, holt sich Kinder zu Einzel- oder Gruppengesprächen, sogar in der Pause, und hat sogar einmal die Aufsicht über eine Klasse übernommen, als viele Kuk krank waren!

Unterricht kann und soll sie natürlich nicht übernehmen, aber sie moderiert z.B. Streigespräche bei Kindern, die sich in der Pause richtig in die Haare geraten sind, was uns Lehrer sehr entlastet.

Die beiden anderen davor waren aber wirklich „nicht zu gebrauchen“, hatten aber auch keine soz.päd. Ausbildung. Die eine machte eine Ausbildung zur Lerntherapeutin und wollte nur matheschwache Kinder fördern, die andere war zwar Erziehungshelferin, mit den Anforderungen an der Schule aber total überfordert.

Jetzt hoffen wir alle, dass sie aufstockt und uns täglich 5 Stunden zur Verfügung steht.

Marc
3 Monate zuvor

Tja. Eigentlich alles wie seit Jahren beschrieben:

Heftiger Mangel an GS und Sek1. Deutlicher Überschuss in Sek2…..

Woran das nur liegt? Komisch. Dagegen tun will man meist garnichts. A13 für alle, würde hinterher noch dafür sorgen, dass mehr Leute in die GS gehen statt in Sek2 in die Arbeitslosigkeit zu studieren…… das kann man nicht riskieren.

Aber mal ehrlich:

Wenn dir einer sagt: Welcher Lehrer willst du werden? Beide studieren gleich lang, bei einem steigst du schon höher in der Besoldung ein und hast die meisten Beförderungsstellen. Bis zu A16 ist möglich. Beim anderen Lehramt steigst du niedriger ein, keine Beförderungsstellen außer Leitungsfunktionen, mehr Stundendeputat…..

Da überlegen viele eben nicht lange. Wer ist nicht lieber Lehrer erster Klasse statt zweiter Klasse? Man merkt ja welche Lehrer auf dem Schoß der Kumis sitzen und Leckerchen bekommen und welche Lehrer möglichst kurz gehalten werden.

So zieht man in NRW die Besoldung A13 für alle endlos hin und argumentiert mit leeren Kassen, dennoch war eine Einrichtung von 50 A15 Stellen und 400 A14 Stellen für Sek2 im Bezirk Köln noch möglich.

Reisinger850
3 Monate zuvor
Antwortet  Marc

Völlig richtig. Die Straftaten der Landesregierung NRW müssen im Schulbereich gestoppt werden!
A13Z für alle, alles andere ist unsäglich und muss zur Rechenschaft gezogen werden!

Es ist doch so offensichtlich. Da die CDU eh abgewählt wird, wird als nächstes Kutschaty Wort halten müssen…

Andre Hog
3 Monate zuvor
Antwortet  Marc

Lieber Marc,
„Man merkt ja welche Lehrer auf dem Schoß der Kumis sitzen und Leckerchen bekommen…“

Bin jetzt seit 9 Jahren mit A13 besoldet…und seit 27 Jahren im aktiven Schuldienst….mehr als A13 strebe ich auch nicht an, da ich mich in diesem System seitens der SL nicht erpressbar machen möchte, nach dem Motto „Sie wollen doch ne Beförderung – dann machen sie auch das, was ich ihnen auftrage…und zwar ohne zu meckern….Sie wollen doch noch was werden, oder??“

Und die Vorstellung, bei Frau Gebauer auf dem Schoß zu sitzen und mich mit Leckerchen füttern zu lassen ist nicht nur grotesk sondern auch zutiefst ekelerregend.

Marc
3 Monate zuvor
Antwortet  Andre Hog

Mein Vergleich war eventuell etwas schräg, aber ich denke die Kernbotschaft ist angekommen.
Es ist ja tatsächlich so, dass die CDU mit ihrer Nähe zu den Philologen, besonders viele Zuwendungen und Anreize in den Sek2 Bereich steckt. Nicht umsonst werden dort die Beförderungsstellen großzügig ausgebaut. Das setzt sich ja in Unterrichtsverpflichtung, Einstiegsamt, Besoldung, usw. fort. Man erschafft ja quasi ein Klassensystem unter Lehrern. Mag man das bei einer verkürzten Ausbildung der Lehrkräfte an anderrn Schulformen noch rechtfertigen können, wird es in NRW aber jetzt mit jedem neuen Jahr zunehmend lächerlicher.

Ich möchte aber auch nochmal klar sagen, dass ich den Sek2 Kräften jeden Luxus absolut gönne! Sie sollen alle gut und richtig bezahlt werden. Das sind gut ausgebildete, wichtige Lehrkräfte. Aber wenn man gleichzeitig es anderen verwehrt, dann geht mir die Hutschnurr hoch

Riesenzwerg
3 Monate zuvor
Antwortet  Andre Hog

Ja. Es gibt ja auch noch sowas wie Selbstachtung!

Teacher Andi
3 Monate zuvor

Ach, huch!! Wie kann das passieren? Da hat doch irgendjemand seine Hausaufgaben nicht gemacht? Wofür haben wir ein teuer finanziertes Bildungsministerium? Kultusministerium? Ist deren Hauptanliegen, dass sie selbst in trockenen Tüchern liegen und die eigentliche Aufgabe liegen bleibt? Oh je, es muss in allen Reihen aufgeräumt werden, Politik zum Selbstzweck hat hoffentlich bald ausgedient.

Mika
3 Monate zuvor

Frau Prien bringt das Konzept der KMK auf den Punkt:
„ Solche Ergebnisse von Studien sind für uns also nicht neu und wir haben die Entwicklung im Blick.“
Beobachten und nichts weiter tun…
Um den Regelbetrieb an unserem Gymnasium überhaupt noch abdecken zu können, mussten und müssen wir eklatant im Ganztagsbereich streichen: AGs und Förderunterricht fallen weg bzw. sind enorm reduziert. Weiterhin haben manche Klassen in drei Schuljahren mehr als sechs Mathelehrer gehabt, in Deutsch ähnliche Probleme, im letzten Jahr mussten wir die Anzahl der Deutsch- und/oder Mathematikstunden in manchen Klassen um eine Stunde pro Woche kürzen. Ohne Quereinsteiger würde nichts mehr laufen.
An manchen Grundschulen ist der Anteil nicht als solcher ausgebildeter Lehrkräfte bei 50% – nicht darin ausgebildete Menschen versuchen Kindern Lesen, Schreiben, Rechnen beizubringen.
Es ist ein Trauerspiel, und die Landesregierungen – insbesondere die KultusministerInnen beobachten und beobachten….

Riesenzwerg
3 Monate zuvor
Antwortet  Mika

Und insgesamt wird von Bildung, Bildungszielen, Lernstandards gefaselt, um Eltern zu beruhigen.

Na, ich glaube fest daran, dass dieses lächerliche „Bildungs“system mit lauter guten Noten (nicht gutem oder vielem Wissen, geschweige denn dem Beherrschen diverser für das Gemeinwohl wichtiger Kompetenzen) der Wirtschaft um die Ohren fliegen wird.

Klugscheisser
3 Monate zuvor
Antwortet  Mika

Ist ja auch „spannend“

D. Orie
3 Monate zuvor

Danke: für den Bericht und die guten Kommentare!

Riesenzwerg
3 Monate zuvor

‚Die Modellrechnungen der KMK zum Neuangebot ausgebildeter Lehrkräfte bis 2030 seien «unseriös», hieß es am Dienstag bei der Vorlage einer eigenen Studie des Verbands Bildung und Erziehung.“

Das ist einfach lächerlich – wie soll die bestehende Lücke bis 2030 denn überbrückt werden?

Und wem nützt das jetzt?

Alla
3 Monate zuvor
Antwortet  Riesenzwerg

Bei uns im Kreis bin ich anscheinend die letzte Pensionärin, die ihre Vollzeitstelle um ein Jahr verlängert hat.
Allerdings war das auch aufwändig, ich musste eine neue dienstliche Beurteilung machen, mit Vorführstunden, Gespräch und allem, um meine Eignung nach 44 Dienstjahren unter Beweis zu stellen (Note mindestens 2) Der Klassenelternbeirat sowie der Schulelternbeirat mussten eine Beurteilung ( Note mindestens 2) abgeben, die Schule den Bedarf nachweisen, was bei 77 fehlenden Lehrerstunden nicht allzu schwer war.
Meine Krankentage wurden ausgewertet, es durften nicht mehr als 5 Tage in den letzten 2 Schuljahren gewesen sein, sonst hätte ich auch noch ein amtsärztliches Gutachten – auf eigene Kosten – gebraucht. Zum Glück waren es nur 2 Tage.
Meine zusätzlichen Posten wurden gewertet, ob sie „wichtig“ sind ( Personalrat, Fachleitung Sachunterricht, Verkehrlehrer, natürlich alles ohne Stundenausgleich).

Aber klar, ich koste auch mehr als eine Aushilfskraft ohne pädagogische Ausbildung! Sogar mehr als ein Berufseinsteiger, da ich eine höhere Erfahrungsgruppe habe! Nur – Berufseinsteiger sind eine seltene Rarität! Bei uns hat sich niemand beworben!

Die nächsten 2 Lehrerinnen, die in den nächsten 2 Jahren in Pension gehen, werden nicht verlängern, auch ich habe eine 2. Verlängerung dankend abgelehnt, obwohl ich meinen Beruf wie auch „meine“ Kinder liebe! Aber ich bin „aufgebraucht“. Ob ich noch als „Feuerwehr“ zur Verfügung stehe, hängt von den Bedingungen/der Bezahlung ab. Im Moment ist beides indiskutabel! (Auf Abruf in jeder GS des Kreises für netto 17 Euro die Stunde?)

Danke, Frau Prien, dass Sie es uns in SH so schwer machen! Aber „beobachten“ Sie mal schön weiter! Das wird es bringen, ganz bestimmt!

Susanne
2 Monate zuvor

Es ist wirklich schockierend.
– Was haben unsere Politiker die ganzen Jahre getan? Das Bildungssystem kaputtgespart, die Bundeswehr ebenfalls.
– Die Landwirte ausgehungert und dafür gesorgt, dass wir vom Ausland abhängig sind und zwar existentiell.
– Wo sind unsere ganzen Steuergelder hingeflossen? Wir versteuern jeden Euro mindestens siebenfach! Wozu?

Sara
1 Monat zuvor

Manche Bundesländer zwingen den Seiteneinsteigern/inen eine Aufhebungsvertrag zu unterschreiben, weil der Schulleiter ein korrupter Typ ist und Seiteneinsteiger mit Mathematik/Informatik/Physik Kombination mit ihm nicht klar kommt.