BERLIN Dem Robert-Koch-Institut sind in der vergangenen Woche offensichtlich vier neue Corona-Todesfälle unter Kindern und Jugendlichen gemeldet worden. Schon wieder. Dies geht aus einem Vergleich der Covid-19-Wochenberichte vom 3. März und dem 24. Februar. Damit hat das RKI nach eigenen Angaben während der gesamten Pandemie 57 Corona-bedingte Todesfälle in der Altersgruppe von null bis 19 Jahren registriert und validiert. Bereits in den beiden Vorwochen waren jeweils drei Kinder und Jugendliche als verstorben gemeldet worden. Für die Kultusminister hat sich die Pandemie trotzdem weitgehend erledigt: So entfällt am Montag in Hessen und in Mecklenburg-Vorpommern die Maskenpflicht im Unterricht.
Zum Jahreswechsel hatte das RKI in den mehr als anderthalb Jahren Pandemie 38 Todesfälle unter Kindern und Jugendlichen registriert. Seitdem macht sich das von der Omikron-Variante getriebene Infektionsgeschehen augenscheinlich auch bei den Sterbezahlen bei Unter-20-Jährigen bemerkbar: In den zwei Monaten seitdem sind dem Robert-Koch-Institut damit 19 neue Todesfälle in der Altersgruppe gemeldet worden, davon allein zehn in den vergangenen drei Wochen.
Besonders beunruhigend: Nur bei zwei der vier vergangene Woche registrierten Todesfälle unter Kindern und Jugendlichen waren Vorerkrankungen bekannt. Insgesamt lagen bei 40 der 57 Fälle entsprechende Hinweise vor.
Die Zahl der registrierten Kita- und Schulausbrüche ist nach wie vor hoch. Allein in den vergangenen vier Wochen registrierte die Bundesbehörde 847 Schulausbrüche und 746 Kita-Ausbrüche, Nachmeldungen sind dabei noch möglich. Die offiziell registrierten Inzidenzen unter Kindern und Jugendlichen sind in den vergangenen drei Wochen gesunken, liegen aber nach wie vor auf einem Niveau, das keine andere Altersgruppe erreicht: 2.412 etwa bei den Grundschülern. Dabei werden aufgrund von knappen PCR-Testkapazitäten längst nicht mehr alle Infektionen festgestellt.
«Deshalb geben wir den Kindern und Jugendlichen ein Stück Freiheit zurück»
Trotzdem verkünden immer mehr Bundesländer die ohnehin wenig wirkungsvollen Corona-Schutzmaßnahmen in Schulen weiter zu lockern. Die Omikron-Welle sei gebrochen, die Infektions- und Quarantänezahlen in den Schulen seien deutlich gesunken, erklärte etwa Hessens Kultusminister Alexander Lorz «Deshalb geben wir den Kindern und Jugendlichen ein Stück Freiheit zurück», teilte er mit. Die Maskenpflicht am Platz soll ab Montag (7. März) wegfallen.
Seit Beginn des Jahres wurden in Hessens Schulen den Angaben zufolge wöchentlich im Durchschnitt mehr als 2,1 Millionen Antigen-Selbsttests auf das Coronavirus von den Schülerinnen und Schülern durchgeführt. Dabei erreichte die Quote positiver Tests mit 0,65 Prozent (14.500 Tests) Anfang Februar ihren Höhepunkt, wie das Ministerium mitteilte. Zu diesem Zeitpunkt hätten sich rund 27 500 Kinder und Jugendliche in Quarantäne befunden. Seitdem sei die Quote positiver Antigen-Selbsttests auf 0,28 Prozent (6.200 Tests) gesunken, die Zahl in Quarantäne befindlicher Schülerinnen und Schüler verringerte sich im selben Zeitraum auf 7.800 Kinder und Jugendliche, wie das Ministerium erläuterte.
Die Aufhebung der Maskenpflicht bedeute natürlich nicht, dass Kinder und Jugendliche im Unterricht keine Maske mehr anlegen dürften, ergänzte Lorz. «Wer sich mit Maske sicherer fühlt, darf sie selbstverständlich weiterhin tragen.» Die Testpflicht bleibe vorerst bestehen: Alle nicht geimpften Schülerinnen und Schüler müssen sich bis auf Weiteres dreimal pro Woche testen lassen. Geimpfte oder genesene Kinder und Jugendliche dürfen sich ebenfalls testen.
Auch in den Schulen in Mecklenburg-Vorpommern entfällt von Montag an die Maskenpflicht im Unterricht – trotz der weiterhin hohen Corona-Infektionszahlen im Land. «Wir gehen schrittweise vor und behalten die Situation gemeinsam mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie den Schulpraktikern im Blick», sagte Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke) am Freitag in Schwerin. Ebenfalls aufgehoben werde die Hygienevorschrift, sich in festen Gruppen zu bewegen. Oldenburg appellierte jedoch daran, trotzdem weiterhin verantwortungsvoll zu handeln, eine Empfehlung zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes bleibe deshalb weiter bestehen. Die Pflicht zum Tragen einer Maske bestehe zudem weiterhin in den Pausen und auf den Gängen. Daneben werde auch weiter dreimal die Woche ein Corona-Test durchgeführt.
Kleiner Hoffnungsschimmer: In der achten Kalenderwoche mussten laut aktuellem RKI-Wochenbericht 1,7 bis 2,7 Prozent der Kinder in Deutschland aufgrund von Corona-Infektionen mit Symptomen ärztlich behandelt werden – in der Vorwoche waren es noch 2,0 bis 3,4 Prozent gewesen – so viele wie nie. Zumindest der Scheitelpunkt der Welle scheint damit erreicht worden zu sein.
„Ein wichtiger Faktor für den weiteren Verlauf ist, wie stark infektionsrelevante Kontakte im Rahmen der Lockerungen zunehmen“
Allerdings kündigt sich womöglich bereits die nächste an. Der Anteil der wohl noch leichter übertragbaren Omikron-Untervariante BA.2 wächst seit Jahresbeginn kontinuierlich. Auf 38 Prozent beziffert ihn das Robert Koch-Institut (RKI) am Donnerstagabend. Die Angabe bezieht sich aber auf vorletzte Woche. Falls BA.2 nicht aktuell schon dominiert, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis es soweit ist. «BA.2 hat offensichtlich hohes Wachstumspotential», sagte der Bremer Epidemiologe Prof. Hajo Zeeb. Das könne an besserer Übertragbarkeit und/oder noch stärkerer Immunflucht liegen, also der Fähigkeit, Antikörpern von Geimpften und Genesenen zu entgehen. Zeeb berief sich auf dänische Angaben, wonach die Wachstumsrate von BA.2 im Vergleich zu BA.1 um etwa 30 Prozent höher liege.
Fachleute befürchten seit Wochen, dass die Ausbreitung von BA.2 die Omikron-Welle verlängern und den Rückgang der Fallzahlen verlangsamen könnte. Berliner Modellierer sprachen von einer erwarteten Trendwende, also wieder steigenden Fallzahlen.
Am Donnerstag hatte das RKI nach längerem Rückgang wieder einen leichten Anstieg der bundesweiten Sieben-Tage-Inzidenz gemeldet. Am Freitag war der Anstieg sogar deutlich, von 1174 auf 1196. Die absehbare Entwicklung? „Ein wichtiger Faktor für den weiteren Verlauf ist, wie stark infektionsrelevante Kontakte im Rahmen der geplanten Lockerungen zunehmen“, so heißt es im Wochenbericht der Bundesbehörde. Ein erneutes Anschwellen ist also nicht ausgeschlossen. News4teachers / mit Material der dpa
Hier geht es zum aktuellen Corona-Wochenbericht des RKI.
