Weltfremd? Von wegen: Warum Waldorfschulen wichtig bleiben – ein Gastbeitrag

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DÜSSELDORF. Über Waldorf – mit rund 250 Einrichtungen immerhin eine der erfolgreichsten reformpädagogischen Bewegungen in Deutschland – gibt es eine Menge von Vorurteilen. Etwa das, dass an Waldorfschulen grundsätzlich nicht mit digitalen Medien unterrichtet wird. Das stimmt so nicht. Richtig allerdings ist: An Waldorfschulen ist die Digitalisierung kein Selbstzweck. Wie die Bewegung mit der Entwicklung umgeht, beschreibt unser Gastautor Christian Boettger von der Pädagogischen Forschungsstelle beim Bund der Freien Waldorfschulen in seinem folgenden Beitrag.

„Vom realen Erleben über ein analoges Verständnis zu einem Umgang auch mit digitalen Werkzeugen“:
Christian Boettger Foto: Wolfgang Schmidt – info@wolfgang-schmidt-foto.de

Lernen mit allen Sinnen – Waldorfpädagogik heute – Zukunftsperspektiven und Chancen

Waldorfpädagogik versteht sich selbst als eine Pädagogik, die einerseits versucht den Entwicklungs- und Lernbedürfnisse der einzelnen Kinder so gerecht wie möglich zu werden und andererseits die jungen Menschen auf die aktuellen gesellschaftlichen Anforderungen, die auf sie nach ihrer Schulzeit zukommen, vorzubereiten. Schule wird als ein Lernort verstanden, an dem Kinder mit allen Sinnen lernen und vor allem sich auch kreativ und künstlerisch betätigen können.

Die Spannung zwischen den Lern- und Entwicklungsgeschwindigkeiten des einzelnen Menschen und der Beschleunigung[1] der Entwicklung der Gesellschaft wird allerdings immer größer. Gerade die letzten zwei Jahre der Unterrichtsbelastungen durch die Pandemie haben unseres Erachtens gezeigt, dass der digitale Fernunterricht nur sehr bedingt einen nachhaltigen Lernerfolg bei den Kindern erzielt. Gerade den Bedürfnissen der jüngeren Kinder scheint er am wenigsten entsprochen zu haben. Und das, obwohl sich alle Lehrerinnen und Lehrer ganz besonders bemüht haben, auch im digital gestützten Fernunterricht so viel Abwechslung wie möglich zu bieten. So bietet das Projekt #waldorflernt seit Sommer 2020 interessierten Kolleginnen und Kollegen eine digitale Lern- und Austauschplattform an, auf der neue Lern- und Arbeitsformen in analogen, hybriden und digitalen Formaten erarbeitet werden.

Zentral für die Waldorfpädagogik ist der Weg, der vom realen Erleben über ein analoges Verständnis zu einem Umgang auch mit digitalen Werkzeugen führt. Dieser Weg wird nicht nur entwicklungsbezogen auf die Bedürfnisse der verschiedenen Altersstufen als wichtig angesehen, sondern wir sind auch davon überzeugt, dass er zu einer Nachhaltigkeit der Lernerfolge beiträgt.

Aus der Verbindung mit der Welt entsteht Verantwortungsbewusstsein nachhaltiger als durch alle moralischen Appelle und Einsichten

Dieses reale Erleben der Pflanzen und Tierwelt, auch der Erfahrung des realen Wachstums von Getreide auf dem Acker bis hin zur Ernte und dem Genuss des selbstgebackenen Brotes, selbstverständlich mit einer darauffolgenden altersgemäßen Reflektion des Geschehens, kann zu einem nachhaltigen und verantwortungsbewussten Umgang mit der Umwelt führen. Gerade in Zeiten der Diskussion um das Weltklima werden wir den lebensnahen und tätigen Kontakt zur Landwirtschaft und ökologischen Verantwortung in den Waldorfschulen in Zukunft sogar noch stärken. Aus der Verbindung mit der Welt entsteht das Verantwortungsbewusstsein nachhaltiger als durch alle moralischen Appelle und Einsichten.

Ein zweites Beispiel: Wenn heute und in der Zukunft in der Waldorfschule ein großer Wert auf die Handschrift gelegt wird, so geht es bei dem für die Kinder mühseligen Weg um mehr als nur das Schreibenlernen. Auch wenn man davon ausgehen kann, dass in wenigen Jahren nicht einmal die Tastaturen der Laptops gebraucht werden, weil alles nur noch über Sprachsteuerung funktionieren wird, geht es beim Schreibenlernen um die Koordinationsfähigkeit und die Selbstwirksamkeitserfahrung, wenn Kinder ihre Hände so gezielt bewegen können, dass eine wirklich schöne Schrift herauskommt. Dabei werden sehr viele Sinne aktiv verwendet, denn die Wachsfarben, die Buntstifte und schließlich die Tinte riechen jeweils anders, Seh-, Tast- und Eigenbewegungssinn werden in einer fein koordinierten Abstimmung geübt und schließlich kommt es auch darauf an ästhetisch zu gestalten.

Ein weiterer Fachbereich war von Anfang an dabei und sollte in der Zukunft sogar noch intensiver als Lern- und Ausbildungsraum seinen Platz in der Schule behaupten: Es ist das Werken. Im Angebot der Waldorfschulen sind: Holzwerken bis zum Schreinern, Handarbeit vom Stricken und Häkeln bis zur Herstellung eines eigenen Kleidungsstücks an der Nähmaschine, Spinnen und Weben, Metallbearbeitung im Kupfertreiben und Schmieden, plastisches Arbeiten in Ton, Holz und Stein und schließlich auch Kartonage und Buchbindearbeiten.

Die digitalen Technologien werden nicht verteufelt, aber sie werden auch nicht so uneingeschränkt positiv gesehen, wie vielfach propagiert

Einerseits geht es in all diesen Bereichen um ein erstes Kennenlernen dieser Handwerke, aber auch darum, Fertigkeiten im Umgang mit den verschiedenen Materialien zu gewinnen, und schließlich wieder um die Selbstwirksamkeitserfahrung in der kreativen Tätigkeit. Gerade in der heute durch digitale Prozesse bestimmten Welt scheint es dem Menschen wichtig zu sein, diese elementaren Erfahrungen an den Materialien zu erleben. Nicht wenige Berufe heute erfordern von Ingenieuren und Designern eine umfangreiche Materialkenntnis. Die tiefen Erlebnisse in der Schulzeit werden sich nachhaltig in einen kreativen und wertschätzenden Umgang mit der Welt einprägen.[2]

Wenn wir in der Waldorfpädagogik betonen; dass der Lernweg der Kinder immer in der realen Welt der Sinne anfängt, sich in der analogen Welt fortsetzt und schließlich durch die Welt der digitalen Technologien ergänzt wird, so folgt dieser Ansatz auch der Sicherheit, dass viele der heute angewendeten Technologien in der Zukunft unserer Kinder und Jugendlichen allenfalls die Rolle von Dampfmaschinen in unserer eigenen Kindheit spielen werden.

Damit werden die digitalen Technologien nicht verteufelt, aber sie werden eben auch nicht so uneingeschränkt positiv gesehen, wie vielfach propagiert. In einem jüngst mit verschiedenen Preisen ausgezeichnete Dokumentarfilm „#KidsonTech“[3] wird vom Filmemacher Paul Zehrer eindrücklich gezeigt, wie wichtig es ist, die Kinder in ihrer Entwicklung nicht von dem ungeheuren Tempo der technologischen Welt überrollen zu lassen. In der Kürze dieses Beitrags ist nicht der Platz, das Konzept der Medienpädagogik an Waldorfschulen im Detail auszuführen, dieses haben wir kompakt dargestellt in der Broschüre „Medienpädagogik in Waldorfschulen“[4].

Eine Pädagogik der Zukunft geht unseres Erachtens von der Einzigartigkeit und Unverwechselbarkeit eines jeden Menschen aus. Dies erfordert von dem Lernraum Schule das tägliche Bemühen, diese Individualität in ihren Lern- und Entwicklungsbedürfnissen wahrzunehmen und zu fördern. Das bedeutet für uns an der ersten Stelle eine verbindliche Lerngemeinschaft von Schülerinnen und Schülern und ihren Lehrerinnen und Lehrern. An zweiter Stelle folgt die entwicklungs- und altersbezogene Antwort auf die Lernanforderungen, die die Kinder in die Schule mitbringen. Wir denken, dass die Gesellschaft in den letzten zwei Jahren wahrgenommen hat, wie unverzichtbar ein funktionierender Lernort Schule für die gesamte Gesellschaft ist.

Aber es geht um mehr als Aufbewahren und Versorgen der Schüler:innen. Eine Schule, die eine innere und tiefe Befriedigung der Lernbedürfnisse und eine Gemeinschaft von gleichaltrigen Lernpartner:innen ermöglicht und gleichzeitig Selbstwirksamkeitserfahrungen bietet, sichert die Resilienz der gesamten Gesellschaft. Der Anspruch der Waldorfpädagogik an ihre Lehrerinnen und Lehrer ist hoch und sie können dem nicht immer vollumfänglich gerecht werden, aber empirische Studien zeigen, dass Eltern und Jugendliche diesen pädagogischen Anspruch dennoch wahrnehmen und schätzen[5]. Wir haben gezeigt, dass auch unsere Gesellschaft in Deutschland solche Schulen in freier Trägerschaft braucht, um Innovationen in den Bildungsangeboten auszuprobieren. Christian Boettger, Pädagogische Forschungsstelle beim Bund der Freien Waldorfschulen.

Quellen:

[1] Hartmut Rosa, Beschleunigung und Entfremdung: Entwurf einer kritischen Theorie spätmoderner Zeitlichkeit, Berlin, 8. Aufl. 2021

[2] Zu der Geschichte und Entwicklung des Werkunterrichts siehe: Heller, Dieter: Die Entwicklung des Werkens und seiner Didaktik von 1880- 1914, Bad Heilbrunn 1990, Pallat, Ludwig: Werkerziehung in Ansätze zur Werkdidaktik seit 1945, Weinheim1968 und Hinrichsen, Helmut: Das große Buch vom Werken, Stuttgart 2022 (erscheint im Aug. 2022)

[3] www.kidsontech.film (letzter Aufruf 28.3.22)

[4] www.waldorfschule.de/ueber-uns/printmedien/blickpunkte/reader (letzter Aufruf 28.3.22)

[5] Randoll, Dirk / Peters, Jürgen (Hg.): „Wir waren auf der Waldorfschule“. Ehemalige als Experten in eigener Sache, Weinheim 2021

100 Jahre Waldorf-Schulen: „Kopf, Herz und Hand werden gleichermaßen gefördert“ – ist das der bessere Weg?

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Dietmar
1 Monat zuvor

In dem Beitrag weist Christian Boettger darauf hin, dass die Digitalisierung an Waldorfschulen kein Selbstzweck sei und die Digitalisierung auch nicht so uneingeschränkt positiv gesehen werde, wie vielfach propagiert. Wo die Digitalisierung ein Selbstzweck sei und wo Digitalisierung sehr uneingeschränkt positiv gesehen wird, und wo dies propagiert wird, schreibt Christian Boettger nicht. Damit wird ein falscher Eindruck erweckt, nämlich dass außerhalb von Waldorfschulen die Digitalisierung ein Selbstzweck sei und diese uneingeschränkt positiv gesehen wird. Das ist natürlich nicht der Fall.
Weiterhin schreibt Christian Boettger, es ginge Waldorfschulen mehr als um das Aufbewahren und Versorgen von Schüler:innen. Wo Schülerinnen und Schüler nur aufbewahrt und versorgt werden, sagt er wieder nicht. Wieder eine Spitze gegen alle Nicht-Waldorfschulen?
Ähnlich lese ich den Hinweis, dass der Anspruch der Waldorfpädagogik an ihre Lehrerinnen und Lehrer hoch sei und diese dem nicht immer vollumfänglich gerecht werden können. Ist der Anspruch an Lehrinnen und Lehrer, die nicht an Waldorfschulen unterrichten, weniger hoch? Natürlich nicht.
Fazit: Christian Boettger gelingt es nicht den Nachweis zu erbringen, warum Waldorfschulen wichtig bleiben. Haltlose Behauptungen überzeugen mich auf jeden Fall nicht.

Wissenschaftistkeinemeinung
1 Monat zuvor
Antwortet  Dietmar

Vielen Dank an Dietmar für diesen wichtigen Kommentar. Die Grundlage des Selbstbewusstsein von Herr Boettger von der „Pädagogischen Forschungsstelle“ (ein privater Verein) bleibt mir schleierhaft.

Meines Erachtens wäre eher Demut angebracht, noch immer gilt, was der baden-württembergische Antisemitismusbeauftragte (!) Michael Blume (CDU) im letzten Jahr hinsichtlich der Wissenschaftsorientierung der Waldorfgemeinde auf den Punkt brachte, in einem Bundesland mit einer grün-schwarzen Regierung:

„Ich würde mir schon eine klarere Kommunikation wünschen und weniger Geschwurbel. Da muss die Anthroposophie schon ein bisschen taffer werden gegenüber Verschwörungsleuten in den eigenen Reihen.“

Quelle: https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/waldorfschulen-und-coronaleugner-100.html

Küstenfusch
1 Monat zuvor

Der erste Absatz enthielt ein Maximum an Banalitäten. Danach war ich raus.

PrivatvorStaat
1 Monat zuvor

Sehr guter Beitrag, danke dafür !

Alternativen zu öffentlichen Schulen, sind und bleiben wichtig. Ebendiese dürften sich bei den Waldorfs, Montessoris usw. gerne Mal abschauen wie es richtig geht

Kathrin
1 Monat zuvor
Antwortet  PrivatvorStaat

Ich habe nichts gegen die von Ihnen genannten Privatschulen, aber gegen die Hybris, zu wissen, „wie es richtig geht“. Klar muss uns allen sein, dass die Schülerschaft handverlesen ist und diese Schulen nicht wie staatliche Schulen die Gesellschaft abbilden. Kinder aus Familien mit sozioökonomisch niedrigem Status tauchen wohl eher selten auf. Viele Probleme, die wir zu lösen haben, gibt es da einfach gar nicht. Wie viele syrische Kinder wurden 2015/16 integriert? Wie viele ukrainische Kinder werden wohl jetzt aufgenommen? Wie hoch ist der Anteil der Eltern, mit denen man sich nur schwer verständigen kann? Wie hoch ist der Anteil an Familien, die vom Jugendamt betreut werden und eine Familienhilfe brauchen?
Wer sich für sein Kind für so eine Privatschule entscheidet, entscheidet sich nicht unbedingt dafür, dass es später zur Elite gehört, aber auf jeden Fall, dass es in einem elitären Rahmen beschult wird. Muss man wollen…

o.O
1 Monat zuvor
Antwortet  Kathrin

Deutsch sprechen ist bereits „elitär“? Oder wie kommen Sie auf den Begriff?

Kathrin
1 Monat zuvor
Antwortet  o.O

Die Bedeutung von „elitär“ geht in zwei Richtung: ausgewählt, aber auch dünkelhaft, blasiert. Ich weiß natürlich, dass „blasiert“ der Wortherkunft nach nichts mit Blase zu tun hat. Würde hier aber passen…
Ich fand es eigentlich gut erklärt mit den vielen Beispielen, was ich meine: Die genannten Privatschulen drücken sich/können sich drücken vor vielen Problemen, die die staatlichen Schulen händeln müssen. Das macht sie in meinen Augen elitär.
Ich bestreite übrigens nicht, dass es Kinder gibt, für die dies Angebot wichtig und richtig ist. Aber nicht alle diese Kinder bekommen die Chance, auf solch eine Schule zu gehen, z.B. weil die Eltern wegen Bildungsferne nichts von diesen Schulen wissen, sie sich nicht durch das Anmeldeverfahren arbeiten können oder morgens die Kinder nicht quer durch die Stadt kutschieren können zur Walddorfschule. Deshalb bleibt man dort „unter sich“. Das ist für mich elitär.

o.O
1 Monat zuvor
Antwortet  Kathrin

@Kathrin
Okay, danke für die Ausführung. Das mit dem „engeren“ Kreis sehe ich ähnlich. Dort haben die Privatschulen mehr Spielraum – sowohl bei den LuL, als auch bei den SuS/Eltern (der Auswahl).
Das ist die Seite des Vorteils der Privatschulen (und SuS/Eltern).
Daneben gibt es natürlich auch einige Nachteile, die man oft nicht so bedenkt. Mitunter, dass die Privatschulen durch Elternbeiträge teilfinanziert werden und daher auf Eltern/SuS auch anders einwirken (müssen). Daher muss man auch einen „Mehrwert“ irgendwie bieten, sonst würde auch keiner dafür bezahlen nehme ich an?

Dem Gedanken nach wären natürlich auch staatliche Gymnasien elitär? Weil dort auch das SuS-Eltern-Clientel ganz anders als an „Brennpunkt-„Haupt-/Mittelschulen ist. Drücken die sich dann auch durch Aussiebung nach der Grundschule (Übergang)? Dann wäre hier die einzige Lösung eine Gesamtschule – unabhängig der Leistung.

Es gibt SuS/Eltern, welche an staatlichen Schulen besser aufgehoben sind und welche, die an Privatschulen besser aufgehoben sind. Wenn man jedem SuS/Eltern hier eben auch „faire Chancen“ zugestehen wollen würde/müsste, dann gäbe es eben verschiedene staatliche Konzepte. (Bspw. Schule mit/ohne Noten usw.)

„Walddorfschule“ ist falsch. Das hat nichts mit einem Wald zu tun. Der Name kommt, wenn ich mich nicht ganz irre, von einer ehemaligen Fabrik namens „Waldorf“.

Ich würde auch nicht generell sagen, dass Privatschulen alles besser machen. Das liegt halt zum größten Teil auch am Kollegium. Egal ob staatlich oder privat. Abschauen können sich mit Sicherheit beide Seiten genug und auch untereinander.

Es sollte kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander sein.

Lene
1 Monat zuvor

Mein „Vorurteil“ gegenüber Waldorfschulen ist übrigens nicht, dass sie Digitalisierung nicht uneingeschränkt positiv sehen, sondern dass man in der Waldorfpädagogik und der ihr zugrunde liegenden Anthroposophie Wissenschaftsfeindlichkeit, veraltete pädagogische Grundsätze, Rassismus und eine bedenkliche Haltung zu Menschen mit Behinderungen und chronischen Krankheiten findet!

Wolf
1 Monat zuvor
Antwortet  Lene

Die Anthroposophie ist in hohem Grade wissenschaftlich. Sie geht einen anderen Weg als den, der auf Kant und die Kantianer zurückgehende Wissenschaft, die uns unsere Individualität nicht zugestehen will.
Es braucht immer einen Wissenschaftler der uns sagt, was richtig und was falsch ist, was wir tun sollen. Das es aber vor Ort darauf ankommt, dass ich mich mit meinem Umfeld verbinde und aus der Aktualität heraus handle, dass hier der Quellort für Zukunft liegt, entschwindet der heutigen Wissenschaft immer mehr.

Trajian
1 Monat zuvor
Antwortet  Wolf

Entschuldigung, aber das halte ich für Nonsens. Inwiefern ist bspw. eine Einteilung in „Jahrsiebte“ wissenschaftlich? Ist es nicht gerade diese Verallgemeinerung der kindlichen Entwicklung, die dem Menschen seine Individualität nimmt?
Ich möchte nicht alle Waldorfschulen in einen Topf werfen, aber viele sogen. „Waldis“, die ich kennen gelernt habe, verfügten weder über sprachliche noch logische Kompetenz. Lediglich ein ausgeprägtes Selbstbewusstseins war ihnen eigen. Facharbeiten der 11. Klasse behandelten Fragen wie, dass (nicht ob) Bio-Bananen mehr Nährstoffe enthielten als herkömmliche Bananen, weswegen man von ihnen ja weniger essen müsse. Sofern ich das damals richtig verstand, denn der Text war semantisch und syntaktisch kaum nachvollziehbar.

Schattenläufer
29 Tage zuvor
Antwortet  Wolf

Diese Wissenschaftlichkeit hat sich beim Umgang mit Corona gezeigt!

Oliver Rautenberg
28 Tage zuvor
Antwortet  Wolf

Die Anthroposophie basiert auf der Esoterik und dem Okkultismus des Hellsehers Rudolf Steiner. Grundlage sind das „Karma“ der Kinder und ihre „Reinkarnation“ in magischen Sieben-Jahres-Schritten. Darauf sind Unterrichtsmethoden und Inhalte angepasst. Kinder werden ebenfalls nach der 2000 Jahre alten Temperamentenlehre einsortiert. Nichts an der Anthroposophie ist wissenschaftlich, sie ist das exakte Gegenteil davon. Eine esoterische Geheimlehrer, erdacht von einem einzelnen Guru, der alle Geschehnisse der Vergangenheit und Zukunft in der unsichtbaren Akasha-Weltenchronik gelesen haben will und seine Erkenntnisse telepathisch aus „höheren Welten“ erlangte.

Anthroposophie als „alternative“ Wissenschaft darzustellen ist wissenschaftsfeindlich.

Weber
1 Monat zuvor

Wenn die Waldorfschule in einem Gastbeitrag umworben werden darf, würde ich mich über einen kritischen Beitrag freuen, vielleicht könntet ihr Oliver Rautenberg o.ä. für eine entsprechende Kritik der Waldorfschule gewinnen?

Menschenkundix
1 Monat zuvor

Ich schließe mich vollkommen dem Kommentar von @dietmar an: Vor allem die Darstellung, dass außerhalb der Waldorfschulen die Digitalisierung vielfach unkritisch und unreflektiert eingeführt werde, widerspricht vollkommen der aktuellen wissenschaftlichen Debatte, wie sie seit einigen Jahren intensiv in der Pädagogik und Fachdidaktik geführt wird. Ich würde so weit gehen und behaupten, dass die Waldorfpädagogik selbst aufgrund ihrer stark selbstreferentiellen Ausrichtung vor dem Problem steht, hinter dem Wissens- und Diskursstand jenseits des eigenen Tellerrands hinterherzuhinken bzw. sich nur peripher dafür zu interessieren. Hartmut Rosa in den Fußnoten sieht gut und wissenschaftlich aus, hat aber mit der (fach)didaktischen empirischen Forschung herzlich wenig zu tun.
Konkrete oder pragmatisch-analytische Ansätze jenseits der bereits ausgetretenen normativen Pfade bleibt der Autor schuldig, ein Minimum an Selbstreflexion über das tatsächliche Defizit in der Lehrerbildung ließe sich möglicherweise in der Nennung des Krisenverwaltungsprojekts „Waldorflernt“ erahnen – sieht so eine professionelle und reflektiert Aus- und Weiterbildung aus?
Den Eltern von angehenden Grundschulkindern, die in diesem Beitrag wohl umworben werden sollen, mag die Argumentation mit Handschrift, Wachstmalstiften und selbstbgebackenem Brot noch ein wohliges Gefühl vermitteln, mehr als den unberechtigten und impliziten Vorwurf, dass diese Dinge an staatlichen Grundschulen „wegdigitalisiert“ würden, leistet die Aussage aber auch nicht.

Heidi Kurth-Lasar
1 Monat zuvor

Es tut mir Leid, aber diese Kommentare sind die Gleichen wie vor 24 Jahren und damals habe ich schon gesagt: Man hat Angst sich mit Waldorf zu beschäftigen, es könnte ja gefallen, aber
dann kostet es Geld. Waldorf war für die Menschen um uns herum eine Behindertenschule oder Eliteschule. Wurden die Kinder um uns herum nicht in den gewünschten Schulen aufgenommen, oder mussten die Schule
wechseln, wurde man um ein gutes Wort bei den Waldorfern gebeten.

Martin Kuhle
1 Monat zuvor

Den Gastbeitrag fand ich mit seinen Beispielen über Landbau, Schreiben, Werken sehr nachvollziehbar. Denn dass viele Kinder immer weniger Feinmotorik beherrschen, dass Jugendliche wenig Materialgefühl entwickeln konnten, ist vielfach diskutiert worden, nicht nur von der Handwerkskammer.
Wenn Kommentar-Schreiber Dietmar dann eine wissenschaftliche Argumentationskette erwartet, bevor er auf den expliziten Inhalt bzw. auf die Hauptaussage eingeht, zeigt für mein Verstehen auf, dass er und auch andere Kommentare weiter unten aus dem Artikel sich vor allem die Nebenaspekte extrahieren, an denen sie nur die allbekannten Vorurteile wiederholen können. Am stärksten war das bei dem Kommentar Wissenschaftistkeinemeinung: Um erneut die Waldorfschule zu kritisieren, zitiert er Michael Blume von der CDU mit einem Wort, welches keine klar nachvollziehbare Kritik bedeutet, sondern herabsetzt. (Vgl. Wipikedia: „Geschwurbel ist ähnlich wie Geschwafel ein abwertend gebrauchter Ausdruck der Umgangssprache für vermeintlich oder tatsächlich unverständliche, realitätsferne oder inhaltslose Aussagen.“)
Ich fand in diesem Artikel eine klare These und inhaltlich lebendig gezeigte, verständliche, wirklichkeitsnahe Beispiele.

Dietmar
1 Monat zuvor
Antwortet  Martin Kuhle

Lieber Kommentar-Schreiber Martin Kuhle, ich habe oben keine wissenschaftliche Argumentationskette erwartet. Stattdessen habe ich bemängelt, dass Christian Boettger vieles bemängelt, aber nicht sagt, wo er diese Mängel genau sieht. So sagt Christian Boettger nicht wo die Digitalisierung ein Selbstzweck sei, wo die Digitalisierung sehr uneingeschränkt positiv gesehen und wo dies propagiert wird. Weiterhin sagt Christian Boettger nicht, wo Schülerinnen und Schüler nur aufbewahrt und versorgt werden. Allerdings erweckt er den Eindruck, dies sei außerhalb von Waldorfschulen so üblich. Ebenso erweckt Christian Boettger den Eindruck, der Anspruch an Lehrerinnen und Lehrer sei an Waldorfschulen höher als an anderen Schulen. Das ist nicht nur falsch, es ist natürlich auch ziemlich unanständig einen solchen Eindruck auf http://www.news4teachers.de zu erwecken. Schließlich muss auch Christian Boettger klar sein, dass seine pauschalen, verallgemeinernden und falschen Vorwürfe auf http://www.news4teachers.de mehrheitlich von Leserinnen und Lesern ohne Waldorfbezug gelesen werden, die genau dort arbeiten, wo Christian Boettger seine unbewiesenen Mängel vermutet.
Genauso wenig wie Christian Boettger sagt, wo er die diversen Mängel genau sieht, sagen übrigens Sie selber, welche klare These Sie durch „inhaltlich lebendig gezeigte, verständliche, wirklichkeitsnahe Beispiele“ untermauert sehen. Auch Sie erwecken nur Eindrücke, schaffen es aber nicht das Kind beim Namen zu nennen. Vielleicht, weil das auch gar nicht möglich ist?
Vielleicht erläutern Sie mal den Kolleginnen und Kollegen, die in der dualen Ausbildung an kaufmännischen Berufskollegs unterrichten, warum das Holzwerken bis zum Schreinern, Handarbeit vom Stricken und Häkeln bis zur Herstellung eines eigenen Kleidungsstücks an der Nähmaschine, Spinnen und Weben, Metallbearbeitung im Kupfertreiben und Schmieden, plastisches Arbeiten in Ton, Holz und Stein und schließlich auch Kartonage und Buchbindearbeiten für ihren Unterricht Relevanz haben und warum es wichtig ist digitale Medien nicht uneingeschränkt positiv zu sehen. Warum bleiben Waldorfschulen wichtig? Christian Boettger hat diese Frage nicht beantwortet.

Albert L.
1 Monat zuvor

Waldorfschulen sind doch in letzter Zeit auch deshalb in die Schlagzeilen geraten, weil dort die Impfskepsis unter Lehrkräften und auch Eltern besonders stark ausgeprägt und dementsprechend die Corona-Impfquote im Schulartenvergleich am geringsten war. Soviel zum Stellenwert von Wissenschaft in der Anthroposophie!

Kasimander
23 Tage zuvor
Antwortet  Albert L.

Die Waldorfpädagogig ist indoktrinierend und gefährlich. Sie macht Kinder auf Dauer kaputt, da sie auf „elitäre“ Narrative setzt, unreflektiert problematische historische Vergleiche zieht und damit Halbwissen Vorschub leistet. Die Geschichte der Pädagogik der Waldis im Nationalsozialimus muss noch mal aufgearbeitet werden !

Janina
1 Monat zuvor

Meine beiden ältesten Kinder besuchen eine Waldorfschule, die wir selbst mitgegründet haben. Es war eine der besten Entscheidungen unseres Lebens. Ich bin selbst Grundschullehrerin und lerne an dieser Schule so viel Neues! Der Blick aufs Kind ist sehr interessant und die Lerninhalte vielfältig. Unsere Kinder lieben ihre Schule und gehen jeden Tag gerne hin. Ich denke, es ist wichtig, sich die jeweilige Schule anzuschauen. Da gibt es Riesenunterschiede.

Indra Rupp
1 Monat zuvor

Nach vier Jahren nächtlicher Alpträume, einer posttraumatischen Belastungsstörung und einem Schlaganfall kostet es mich zwar etwas Überwindung, aber hier einmal aus dem Nähkästchen geplaudert:

Lernen nach der eigenen Uhr und ein Ausgleich für unsere hektische, konsumorientierte Welt, be“greifendes“Lernen und eine Umgebung, die der Seele gut tut mit Natur und natürlichen Materialien, wohltuende Gerüche von Echtholz, Schafwolle und frisch gebackenem Brot – all das bewegte mich mein Kind bei einem Waldorfkindergarten anzumelden. Esoterisches interessierte mich allerdings nicht so und wie die meisten Eltern dort hatte ich keine Lust eins der 500 Bücher von Rudolf Steiner zu lesen. Die Waldorf Einrichtungen sind staatlich anerkannt, dann wird dort auch alles mit rechten Dingen zu gehen, war mein Gedanke… Ich wollte, wie die meisten Eltern dort, mein Kind nicht in einer Schein-oder Parallelwelt groß ziehen (Klischee über Waldorf Eltern) , es sollte eher ein „Gegengewicht“ zu unserer heutigen Welt sein! Sollen die Kinder dort mal ruhig mit wenig Spielsachen und Natur Materialien spielen und Matsche rühren – Zuhause wartet ja schon die liebe Verwandschaft mit Bergen von Plastikspielzeug und jedem Schrott, dem man im Ein-Euro-Laden bekommt und an jeder Ecke steht ein Ich-habe-auch-schon-ein-Handy-Kind.

Ein bisschen Angst vor alldem, was man so in der Presse über Schulen heute hört, über die Zunahme an Gewalt, über Drogen ect spielte auch eine Rolle. Mein Kind sollte eine schöne Schule haben, etwas heile Welt, im Idealfall wie eine große Familie…

Im Kindergarten war dann soweit alles in Ordnung, manches fand ich komisch und übertrieben, aber ok. Die Erzieherinnen gut ausgebildet und nicht so überlastet.
Den frischen Wind im Kiga fand ich immer wichtig! Das waren nämlich die Eltern, die ihre Kinder dort einfach nur angemeldet hatten, weil sie nebenan wohnten und die ein Ausgleich für die harten Anthroposophen Eltern waren und somit Objektivität ins Haus brachten.

Doch umso mehr es Richtung Schule ging, umso mehr fielen auch die „schicken“ Eltern auf!

Da dachte ich, die ich nie zum Mainstream passte und immer etwas „anders“ war, ich wäre hier bei Waldorf unter Gleichgesinnten und Wertschätzung von Diversität und alternativen Lebensmodellen würde groß geschrieben. Tatsächlich fingen schon im Kiga Eltern an, mich als „sozial Schwache“ zu betrachten, weil ich Straßenmusikerin /Puppenspielerin war und verglichen dieses mit betteln, obwohl ich davon ohne Stütze lebte – wenn auch sehr bescheiden.

In der Schule wurde es dann sehr deutlich. Viele Eltern waren dort, weil es schick ist an einer Waldorfschule zu sein, weil man sich dann für besonders gute, engagierte und somit wertvolle Eltern halten kann und vor allem weil „Die“ aus dem Plattenbau dort nicht sind!

Und genau diese schicken Eltern haben unheimlich anstrengende Prinzessinnenkinder! Und unheimlich anstrengende Ansprüche!

Dann kommen noch ein paar Dinge hinzu, die diese Eltern nicht erwartet hatten:
Wer nämlich ein traumatisiertes Pflegekind hat, meint ebenfalls, die Waldorfschule wäre das beste. Wer ein auffälliges Kind hat, meint das auch! Wer sich in der Regelschule nicht anpassen konnte, wird ebenfalls gerne nach Waldorf gebracht und natürlich, wer es nicht auf das Gymnasium schafft und nicht mit dem Etikett „Oberschüler“ herumlaufen soll. Dann sind da noch Kinder von den „Harten“ , die nie Fernsehen oder Süßigkeiten dürfen, die sich ein Rennauto wünschen aber nur Kasperlepuppen ohne Gesichter zum Geburtstag bekommen und die aggressiv um sich schlagen – weil sie nicht „gesehen“ werden! Sie werden nur als das gesehen, was sie nach anthroposophischer Lehre sein sollen – und nicht als das, was sie sind. Dürfen diese Kinder die Anthroposophie in Frage stellen? Oder-was ist diesen Eltern wichtiger, die Anthroposophie oder ihr Kind?

So haben wir es also ganz ohne Inklusion und Migration mit extrem problematischen Verhältnissen zu tun!

Auf diese Verhältnisse treffen dann noch ganz spezielle Lehrkräfte:

Die einen sind Hardcore-Anthroposophen und ich konnte im Nachhinein eine davon näher kennen lernen und somit auch ihre Einstellung. Diese Einstellung spiegelt Steiner wieder, beziehungsweise das, was aus Steiners Aussagen heraus interpretiert wird und das ist u. a. , daß süd/ostländische Menschen weniger intelligent sind und Menschen mit Behinderung durch ein Vergehen in ihrem früheren Leben mit eben dieser Behinderung bestraft wurden und speziell die geistig Benachteiligten nie das Himmelstor erreichen. Lehrende und Priester wiederum sind höhere Menschen als Andere, zum Beispiel höhere Wesen als Eltern – zumindest wenn es anthroposophische Lehrer*innen und Priester*innen ( und Heiler*innen) sind. Die Kinder sind in ihren Augen nur Mittel zum Zweck um die Anthroposophie zu leben und (als ihren vermeintlichen) Auftrag zu verkünden. Die Kinder sind laut Anthroposophie auch noch keine fertigen, selbständig denkenden Menschen und SOLLEN wie „Lemminge“ folgen, auch wenn dabei welche zu Schaden kommen. Das Denken soll den Anthroposophen vorbehalten sein. Die Schulen wurden ja ursprünglich für Arbeiterkinder gegründet. Die Anthroposophie fließt heimlich mit in die Arbeit ein und geht die Eltern nichts an. Die Welt ist „schön, wahr und gut“ sollen die Kinder denken und alles andere den „Weltenlenkern“ überlassen. Diese „Weltenlenker“ wollen auch gerne hellseherische Fähigkeiten haben und deuten und verurteilen bezüglich des Karmas des Kindes munter drauf los – ebenfalls ohne Rücksicht auf Schäden. Alles fortschrittliche-grüne-rote ist im Grunde ein Tarnmänntelchen, eben das die Welt schön, wahr und gut ist und das Kind zum selbstbewussten „freien“ Denker erzieht. Schaut man sich alles genauer an, stellt man fest, dass rechtskonservativ viel eher zutrifft.

Zu eben diesen Lehrkräften gesellen sich dann noch Lehrkräfte, die psychische Probleme haben und ebenfalls bei Waldorf auf eine heile Welt hoffen. Sie sind hier aber genauso überfordert oder von Depressionen oder anderen Problemen geplagt, wie anderswo auch.

Dann sind da noch die Lehrkräfte, die aus unterschiedlichen Gründen an den Regelschule niemand wollte.

Und ein paar Idealisten, die – ähnlich wie bei anderen Religionen (ja, die Anthroposophie ist auch eine) das Schlechte ausblenden und nur das Gute an der Sache sehen. Diese haben aber keine Chance und sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

So traf ich dann also auf eine Schule, wo bei jedem (alle acht Wochen stattfindenden) Elternabend eine extrem dicke Luft herrschte und man zum Lachen höchstens in den Keller gehen konnte. Die schicken Eltern immer unzufrieden mit dem Waldorf konzept, weil die Kinder später einmal doch eine Bildungselite werden sollen. Die Lehrkräfte von Hass zerfressen auf die Eltern,klagen, sie seien halt auch keine Götter und merken garnicht, dass das in Wirklichkeit ihr eigener Anspruch ist, dem sie da nicht gerecht werden. Und das ist ein hoher Anspruch, denn die Lehrkraft soll „Priester*in“ sein. Entsprechen versagen die Lehrkräfte und weil der Anspruch zu hoch ist, entstehen dann auch tatsächlich schwerwiegendere Fehler, die die Eltern zu Recht so nicht hinnehmen können und vorlegen müssen, was wiederum den Druck auf die Lehrkräfte erhöht.

Und nun kommen wir zum Hauptproblem von idealistischen heile-Welt – Schulen :
Es gibt nirgends eine bessere Welt, weil es nirgends bessere (bzw schlechtere) Menschen gibt. Zwangsläufig kommen diese Schulen also zu dem Schluß, dass sie doch nichts besseres sind – und dass möchten sie nicht wahrhaben, denn genau das war die Motivation, etwas anderes als die Regelschule zu machen. Das heißt, um die heile Welt hochhalten zu können müssen alle blind, taub und stumm sein (die drei Affen) und deshalb geht es an solchen Schulen schlimmer zu als anderswo! Die drei-Affen-Regel ist der Branntherd für Mobbing und Diskriminierung. Es muss einen geben, der Schuld ist an allem, was nicht klappt! Und wenn dieser weg war, dann musste der nächste Schuldige gefunden werden.

In dieser selbstherrlichen, heuchlerischen und somit toxischen Umgebung gedeiht dann so manches. Die vielen Probleme in den Klassen sind ein Selbstläufer und die Kinder reagieren darauf, in dem sie selber auffällig werden, so dass man kaum noch sagen kann, wer hier die „Ursache“ war. Das verängstigt die Eltern! Sie wollen nicht, dass ihr Kind der Buhmann wird und suchen somit umso mehr bei den Fehlern der Anderen – ebenfalls ein Selbstläufer.

Da kommt dann die große Abhängigkeit zum Ausdruck, weshalb ich persönlich die Bezeichnung „Sekte“ durchaus gerechtfertigt finde:
Alle haben „Angst“ vor der Regelschule und um so länger sie bei Waldorf sind, umso abhängiger werden sie und meinen, sie kämen in der Regelschule überhaupt nicht mehr klar. Schon die kleinsten Kinder bei Waldorf sind überzeugt, dass sie an einer besseren Schule (für bessere Leute) sind und das es anderswo ganz schlimm ist. Dies wird bei Waldorf durchgehend suggeriert.

Somit wäre es also das Ende, wenn man gehen müsste oder wenn die Schule, die Lehrkräfte, das Konzept das eigentliche Problem wären. Es MUSS also an einzelnen Leuten, die man dann rauswerfen kann, liegen. Wer gute Erinnerungen an seine Waldorf Zeit hat, war vermutlich privilegiert und somit kein Buhmann-Opfer, da braucht es ja auch nur einige.

Allerdings ist die Fluktuation bei Waldorf dann doch riesig. Von unserer Klasse waren nach zwei Jahren nur noch die Hälfte da. Vom Kollegium nach fünf Jahren nur noch ein Viertel! Anhand der Zahlen, wieviele Kinder bei Waldorf abgemeldet und wieviele im Nachhinein angemeldet werden in Betracht dessen, dass Plätze rar sind und nur jemand im Nachhinein angemeldet werden kann, wenn eben jemand „geht“ aus der Waldorf Welt, kann man ableiten, dass jedes dritte Kind vorzeitig geht! Und man bedenke noch die vielen Unzufriedenen, die sich nur nicht trauen…

So musste also meine Familie auch als Buhmann herhalten, weil arm, alleinerziehend. Die Lehrkräfte knickten vor den mächtigen, reichen Eltern ein und konnten dadurch auch noch ihr eigenes Versagen kaschieren, indem nun an allem wir Schuld waren.

Und ja – ich habe ein gaaaanz schlimmes Kind! Das schlimmste, was man sich bei Waldorf vorstellen kann. Es ist ein Junge, sehr intelligent-vor allem emotional intelligent und stellt doch tatsächlich die ganze Waldorf Heuchelei und das Konzept als kleiner Zweitklässler in Frage! Zugleich ist er aber auch arm und sensibel bzw hat einen Horror vor grausamen, mittelalterlichen Gruppendynamiken, ist kein „taffer Kerl“. Und diese Schwachstelle bewirkte dann, dass er zum Kaspar Hauser dort wurde. Die Kinder merkten, dass sie den Erwachsenen einen Gefallen tun und deren Selbstbildnis bestätigen, wenn sie den Buhmann piesakten und fertig machten, bis der sich wehrte und Ärger bekam. Dabei galten verschiedene Maßstäbe: Meinem Sohn eine Glasscheibe in die Nase stecken = nicht so schlimm. Drohgebärden von meinem Sohn = gemeingefährlich! Es wurde immer bunter. Die Kinder erfanden Geschichten über ihn, schlugen ihn. Er saß mit Strafarbeit auf dem Flur, ohne das das Problem überhaupt geklärt wurde und die ganze Schule konnte an ihm vorbei gehen und Fotos machen, die sie ihm noch drei Jahre später per WhatsApp schickten. Die Eltern schaukelten sich mit Spekulationen über meinen Sohn hoch. Die Lehrkräfte auch. Aber er hatte eigentlich gerade ein super Zeugnis bekommen. Darin stand unter anderem „Er bemühte sich sehr um Fairness…“, “ Es war eine Freude mit ihm zu arbeiten..“. Es hatte auch kein Kind einen blauen Fleck von ihm. Das reichte also irgendwie nicht. So kamen noch ein paar Zusätze. Mir wurde „fehlende Elternmitarbeit“ vorgeworfen, die ich u. a. jede Woche als „Lesemutter“ dort war. Die Schulärztin empfohlen mir, ihn mit ein bisschen Nachhilfe für autistisch erklären zu lassen, denn dann hätte er „gewonnen“. Gewonnen hätten dann wohl nur die Anderen. Und als er ein Mädchen, dass ihn getreten hatte an den Schultern rüttelte, sagte mir seine Lehrerin, er hätte angeblich mehrere Kinder gewürgt. Ich befragte ein paar Jungs und sie machten die gleiche Schultern rüttelnde Geste vor, wie mein Sohn das als Erklärung vor machte. Darauf sprach ich die Lehrerin an und sie änderte ihre Aussage etwas und redete sich raus. Das mit dem Würgen war gelogen!

Und wie geht man nun bei Waldorf mit so etwas um? Gar nicht! „Frau Rupp, wir sind eine andere Schule, wir müssen nicht jeden nehmen.“
Eine Lehrerin bezüglich ihrer Aussage in Frage stellen geht schon mal garnicht. Von Mobbing hat auch noch keiner was gehört, denn das hat nichts mit Waldorf und Steiner zu tun. Andere Schulen schauen sich das Gute bei Waldorf ab (zB begreifendes Lernen) und entwickeln sich weiter. Waldorf schaut sich höchstens bei anderen Waldorfschulen was ab und entwickelt sich garnicht. Ein Gespräch wurde abgelehnt bis die Kündigung schon raus war. Zur Vermittlung zw mir und der Schulsekretärin kam ein ganz parteiischer Lehrer aus der Schule, der gerade in Rente gegangen war. Unsere spätere Grundschullehrerin versuchte ebenfalls noch ein paar Infos zu bekommen, aber „da ist ja niemand für IRGENDWAS zuständig!“ Geschweige denn, sich für unseren Verbleib zu interessieren. Und das gute Zeugnis-ach, alles relativ! Wir gehen bei Waldorf doch eh nicht nach Zeugnissen.

Tja, und dann standen wir vor einem maroden Gebäude namens“ Grundschule“und ich dachte :Na toll! Willkommen im Plattenbau!
Nun, so wie die Waldorfschule von außen war, so war diese Grundschule ( Herzliche Grüße an die Lindenschule Melle-Buer! 🙂 ) von innen und umgekehrt. Da haben wir doch tatsächlich gelernt, dass man Lehrer*innen auch vertrauen kann. Es ist wie ein Schock, wenn man das soziale Miteinander dort erlebt und dann mal am Schulhof der Waldorfschule vorbei kommt. Das Geschrei und Gezanke und Gezicke und Getrete dort, das ignoriert wird, weil es angeblich das Karma der Kinder ist und Waldorf eben Kräfte, und somit auch negative Kräfte weckt…

Und dann trifft man immer wieder im Internet auf ähnliche Geschichten, trifft persönlich auf andere Mütter mit ganz intelligenten Jungen, die alle angeblich von Waldorf auf die Förderschule und in Therapie sollten und dann an der Regelschule sich als ganz normale Jungs entpuppten…

Nein,wir sind kein Einzelfall. Im Gegenteil!

Bla
1 Monat zuvor
Antwortet  Indra Rupp

@Indra Rupp
Ich habe im anderen Bericht geschrieben, dass ich mir das hier mal durchlese und gespannt bin, ob Sie eine Trennung von Waldorf und anderen Privatschulen hier machen.
Die Sache ist: Nein, das machen Sie nicht.
Daher stelle ich mir selbst gerade die Frage, warum Sie das in den Bericht drüben anbrachten und was die beiden Schulformen miteinander zu tun haben?
Die „schlechteren“ Kompetenzen von Privatschule vs. Regelschule kann ich hier auch nicht rauslesen. Es gibt gute und schlechte LuL an beiden Schulformen. Beispiele findet man auch bei beiden Formen genug. Es gibt auch bei beiden Formen sehr gute LuL. Dafür gibt es auch jeweils genug Beispiele.

Daher nochmal konkret: Warum denken Sie, dass Privatschullehrer/innen generell schlechtere Arbeit leisten sollten bzw. weniger Kompetenzen haben?
[Ja, Ihr Beispiel ist echt traurig. Ihren Frust kann ich nachvollziehen (wenn auch nicht empfinden – habe ich zum Glück selbst nie erlebt) Und ich dachte beim lesen Ihres Textes auch -> Ist das eine Sekte?
ABER Sie differenzieren im anderen Beitrag einfach null. Warum stellen Sie dort Waldorf als übertragbar auf andere Privatschulen dar?

Die Waldorfausbildung ist generell komplett anders als bspw. das Montessoridiplom (+Anforderungen an Montessori-LuL).
-> Nur mal als STARKEN Unterschied:
„Mit der Ausbildung zum /-r Waldorflehrer /-in geht kein staatliches Lehramtsstudium einher, sondern du studierst Waldorfpädagogik an Instituten für Waldorfpädagogik oder freien Hochschulen. Hier kannst du dich auf verschiedene Weise spezialisieren.“
Das habe ich im Kontext mit anderen Privatschulen so noch nicht mitbekommen. Das würde ich auch komisch empfinden. (Da würde mich aber auch nicht wundern, warum die von Ihnen genannte Schule/Lehrkraft nicht gut genug auf das Abitur vorbereitet hat? Nur ein Gedanke.)
-> Vgl. Montessori:
„Pädagogen, die an Montessori-Schulen tätig werden möchten, benötigen eine dezidierte Montessori-Ausbildung, die in der Regel nach der staatlichen Lehramts- bzw. Erzieher-Ausbildung in Montessori-Ausbildungsorganisationen absolviert wird.“
Bspw.: Lehramt Mittelschule (staatliche Ausbildung) + Montessori-Diplom
Aber es gibt hier auch andere Wege – bspw.: Master Informatik (+Montessori-Diplom) und dann das Fach Informatik (+ Systembetreuer für die Schule)
Oder bspw.: Ausbildung Bürokaufmann/-frau, AdA-Schein, Montessori-Diplom und das BoZ-Fach Wirtschaft als Fachlehrer/in. (Wenn man die staatliche Zulassung dafür bekommt)

Das sollte man allerdings halt dann als Elternteil auch vorab informieren und kritisch beäugen. Dann kann man sich immernoch überlegen, ob das Vertrauen der Schule gegenüber da ist. Egal welcher Schule.

Indra Rupp
1 Monat zuvor
Antwortet  Bla

Ich finde, Sie betreiben hier eine Täter-Opfer-Umkehr. Sie lenken von der eigentlichen Sache ab und inszenieren sich als Opfer, indem Sie suggerieren, ich würde hier pauschalisieren und alles mit Montessori gleichsetzen. Es gibt tatsächlich parallelen an Privatschulen, wie ich im anderen Artikel erwähnte, die sich dadurch ergeben, dass bestimmte Voraussetzungen gleich sind. Werbung machen, zB. Werben zu müssen, bedeutet nicht kritisch sein zu dürfen. Fehlende Selbstkritik an der eigenen Schulform steigert Probleme durch Ausblenden und dass ist an Lehrerkompetenz ein Nachteil! Hier schreibe ich jedoch über Waldorfschulen und kann somit garnichts über Montessori pauschalisiert haben.

Man kann auch bei den Missbrauchskandalen der katholischen Kirche immer, wenn dass erwähnt oder kritisiert wird, Pauschalisierung unterstellen. Wenn wir bei jedem Missbrauskandal dabei erwähnen müssen, dass es auch Andere gibt, dann lenken wir vom Missbrauchskandal eben auf die Anderen ab und verhindern uns mit diesem Skandal zu befassen. Zudem sind diese Missbrauchskandale nicht zufällig in den katholischen Kirchen passiert. Wenn wir das suggerieren, können wir diese Zustände nicht ändern. Da gibt es nämlich Zusammenhänge. Der Zölibat, die Sexual-und Aufklärungsfeindlichkeit. Die Einstellung über höhere und niedere Menschen – obwohl andererseits doch vor Gott alle gleich sein sollen. Das Bedürfnis nach Macht in der Kirche. Die Einstellung über Sünden und die Möglichkeit auch diesbezüglich wieder Macht über Andere zu erlangen. Und auch Homophobie!
Da kann man nicht einfach sagen: Es gibt hier und da solche und solche!
Es gibt Gründe, warum diese Skandale in der katholischen Kirche passiert sind und das zeigt gerade, dass es hier um das System und nicht einfach um zufällig fehlerhafte Menschen geht. Das ist auch gut so! Denn am System kann man was ändern! Es geht somit auch nicht um einfach bessere oder schlechtere Menschen, im Gegenteil, denn die gibt es so auch nicht. Es geht darum, dass das System schlechte Eigenschaften fördert. Das muss man analysieren um etwas ändern zu können.

Montessori ist Himmel weit entfernt von Waldorf und von Bekenntnisschulen, weil Montessori ein bestimmtes Konzept ist und keine Weltanschauung. Trotzdem ergeben sich durch das Privatschulkonzept auch Parallelen und die können Kritikwürdig sein bzw negative Auswirkungen haben. Mehr habe ich aber auch nicht behauptet!
Was Waldorf – und Bekenntnisschulen betrifft :Wer laut Weltanschauung bestimmte Menschen für verdorben, wertloser, unvollkommen hält, der KANN gar keine guten Lehrerkompetenz haben. Beispielhaft zu meiner und @Ben’s Frage beim Artikel zu Bekenntnisschulen :“Wie gehen die Bekenntnisschulen mit homosexuellen Schüler*innen um?“ Da KANN auch garkeine Antwort kommen, denn die könnte nur entlarvend sein, weil Homosexualität eben mit der Weltanschauung der Bekenntnisschulen korreliert. Und dann kann man auch nicht mehr sagen:“ Alles gut. Der Beitritt ist ja keine Pflicht. Eltern tun dies aus Überzeugung und sonst tun sie es halt nicht, wenn sie dort sind, dann weil sie das alles so gut finden.“
Was aber, wenn der Sohn Jahre nach der Aufnahme feststellt, er ist schwul und somit das, was seine Schulgemeinschaft, Freunde ect für „Dreck“ und „Sünde“ und „Fehler“ halten. Das der Sohn homosexuell ist, konnten die Eltern eben bei der Aufnahme mitunter nicht ahnen. Mit der Schulgemeinschaft führt der Sohn aber mittlerweile eine „Beziehung“ und kann nicht einfach ertragen, nun als „Sünder“ gesehen zu werden im Zuge angeblicher „Meinungsfreiheit“. Somit wird dieser Ort dann zur Hölle für diesen Schüler und darauf haben deren Vertreter eben keine Antwort. Der Schüler ist nämlich nicht das Problem, sondern das Bekenntnis, welches nicht alle Menschen akzeptiert aber sie letztendlich doch, weil zuvor unwissend, aufgenommen hat. Man stelle sich dasselbe mit Hautfarbe vor, wenn dies nicht gleich erkannt werden könnte, zB weil erst im Laufe der Pubertät sichtbar werden würde.

Bla
1 Monat zuvor
Antwortet  Indra Rupp

@Indra Rupp
Wo betreibe ich eine Täter-Opfer-Umkehr?
Sehen Sie sich als Opfer – und mich dementsprechend als Täter? Dann würde ich Sie dementsprechen attackieren? Das ist weder meine Absicht noch sehe ich das so. Zu einem Diskurs gibt es Meinungen. Ich vertrete meine und Sie Ihre. Weder kenne ich Sie persönlich, noch Sie mich. Als Opfer sehe ich mich auch nicht, das würde ja implizieren, dass ich denken würde, Sie würden mich direkt (und als Person) verbal attackieren. Das haben Sie nicht gemacht. Daher gibt es dazu auch keinen Grund für mich in eine Opferrolle zu schlüpfen. (Davon abgesehen, dass das hier relativ anonym ist, wodurch ich sowieso nichts davon hätte)

Also nochmal (hoffentlich sachlicher gefühlt):
Sie haben im anderen Artikel auf den Artikel hier hingewiesen (direkt für mich). Ich habe geschrieben, dass ich mir das ansehe und gespannt bin, ob Sie das differenzieren. Gerade weil es zwischen Privatschulen massive Unterschiede gibt. Das ist die Ausgangslage. Sie haben im anderen Artikel eben über einige Sachen Punkte gebracht, die speziell auf Waldorf (und vllt. andere Privatschulen zutreffen) und hier rein gehören würden. Daher habe ich das natürlich gleichgesetzt. Sonst hätte Ihr anderer Post ja keinen Sinn gemacht bzw. wäre an falscher Stelle gewesen. Warum Sie das gemacht haben weiß ich nicht. Ich hatte auch überlegt, ob ich hier überhaupt antworte (oder im anderen Beitrag). Da ich aber schrieb, dass ich hier antworte, habe ich das so gemacht. Vielleicht ist das deshalb bisschen wirr und durcheinander geraten – entschuldigung, falls das so ist.
Fühlen Sie sich bitte von mir nicht angegriffen. Mir geht es um die Sache, nicht um Sie zu diffamieren. (Das können Sie mir jetzt glauben, oder auch nicht)

Jetzt auf den Inhalt:
Ja es gibt Sachen, die an vielen Privatschulen gleich sind. Darunter Ihr Werbebeispiel. Das ist eine Sache, die Privatschulen machen, damit sie wirtschaftlich durchkommen. Wenn keiner die Schule besucht, dann wird es sie nicht lange geben. Das ist denke ich nachvollziehbar.
Auch ist klar, dass jemand (Schule/Träger usw.) v. A. die guten Seiten bewirbt. Oder sie als gut darstellt. Das wird in der Wirtschaft ja genauso gemacht.
Das mit dem „nicht kritisch sein zu dürfen“ sehe ich anders. Warum sollte ich als LuL nicht kritisch sein dürfen? Das muss ich meiner Meinung nach sogar. Sowohl an/mit der Regelschule, als auch mit der Privatschule. Mag aber vielleicht daran liegen, dass ich kein „Hardcore-Konzepte-Mensch“ bin und durchaus auch andere Systeme gerne anschau, da es nie schadet zu vergleichen und was dazu zu lernen.

Ihrem Punkt mit „Fehlende Selbstkritik an der eigenen Schulform steigert Probleme durch Ausblenden und dass ist an Lehrerkompetenz ein Nachteil!“ sehe ich auch so. Daher sollte man auch als LuL an einer Privatschule immer wieder reflektieren. Manche Schulen können und wollen sich mehr anpassen, andere nicht. Dann ist es immer noch an mir als LuL, ob die Schule (noch) passt.
„Hier schreibe ich jedoch über Waldorfschulen und kann somit garnichts über Montessori pauschalisiert haben“ das meinte ich mit dem wirr. Vllt. auch einfach ein Missverständnis. Das ging mir eben um die Postings im anderen Beitrag. Das wurde oben vielleicht nicht so klar. Hier haben Sie das nicht gemacht, das stimmt.

Puh, der Punkt ist jetzt ziemlich schwierig. Ich versuchs trotzdem mal:
Ja, man sollte sowas nie klein reden. Aber trotzdem ist es mir wichtig zu differenzieren. Das haben Sie irgendwie auch angesprochen. Die Person(en) (LuL/Mitarbeiter) und das System/Institution.
Sonst wäre der Umkehrschluss: Alle katholischen Kirchen (bzw. alle Priester/Pfarrer usw.) missbrauchen Kinder/Jugendliche? (Ist absurd und überspitzt, daher hier aber denke ich gut als Beispiel)
Das Selbe gilt natürlich für Schulen.
Klar muss man das analysieren. Das sollte man auch in/bei anderen Bereichen. Natürlich auch immer wieder bei Privatschulen.

Ich persönlich bin auch nicht für Religionsunterricht, sondern mehr für eine Art „Werteerziehung/Ethik“. Das fände ich persönlich sinnvoller. Auch hätte ich nichts dagegen, wenn die Kirche/der Glaube aus der Schule (und dem Staat) rausgenommen und privatisiert wird. (Glaubensrichtungen aber gerne generell thematisiert werden, da wichtig)
Das sehen viele LuL anders. Daher würde ich mich auch schwer an/mit einer Bekenntnisschule tun.

Ja, das ist ganz klar, dass sich Parallelen ergeben. Bspw. das „Werben“ und die „Privilegien“. Aber es ergeben sich auch Parallelen zur staatlichen Regelschule -> Lehrplan, staatliche Abschlüsse usw…
Ja, kritische Betrachtung schadet generell nicht. Egal ob Regelschule oder Privatschule. Sowohl negative, als auch positive Auswirkungen.

Ja, das empfinde ich auch als schwierig und fragwürdig. Daher würde ich mich an so einer Schule als LuL selbst nicht wohl fühlen.
Ich muss mich dort aber auch nicht bewerben. Und wenn ich das würde, dann ist mir bewusst, dass ich vllt. anecke bzw. das System entweder mittrage (arrangiere) oder mich dagegen entscheide.
Das Selbe gilt für Eltern/SuS.
Davon mal abgesehen, dass ich das Beispiel seeehr schwierig finde, da man hier erst Homosexualität akzeptieren würde, wenn das eigene Kind betroffen wäre. (So eine Schule würde für mich generell raus fallen)
Daher auch hier wieder: Die Schule und das Konzept auch ansehen und sich beraten lassen.

Indra Rupp
1 Monat zuvor

Hinzufügen zu meinem (eh schon sehr langem) ersten Bericht muss ich noch folgendes :
Ich habe Tagelang überlegt, ob ich es mir wirklich antun will, mich zu diesem Artikel zu äußern und werde deshalb jetzt mit Kreislauf und Blutdruck Problemen die Nacht wach liegen. Und das, obwohl die Sache schon sieben Jahre zurück liegt, wir seitdem in der Regelschule immer gut behandelt wurden, ich mir keinerlei Sorgen um die Zukunft meines äußerst intelligenten und sozial reifen Sohnes machen muss und ich in meinem Bericht bezüglich der Grausamkeiten uns gegenüber ja nicht mal ins Detail gegangen bin.
Das die damalige Waldorfklassenlehrerin mich immer fragte, ob ich „schon was neues gefunden“ habe, obwohl ich garnicht arbeitslos war. Das die Eltern meinen, ich sei eine überforderte Assimutter und die ganze Schule glaubt, mein Sohn wäre jetzt als Schwerverbrecher an einer entsprechenden Schwerpunktschule sind tatsächlich noch kleine Fische! Da ist noch übleres geschehen.
Was aber wurde aus den anderen Kindern dort? Ich wusste damals schon, wer das nächste Opfer wird und genau der ist es auch geworden. Von den anderen Kindern habe ich welche gelegentlich auf der Straße getroffen. Sie waren mit Freunden oder Eltern unterwegs und ihr Verhalten war immer das Gleiche. Sie verschränkten die Arme und schauten errötet zu Boden, wenn sie mich sahen, was deren Eltern nicht mal auffiel. Erst konnte ich das nicht deuten, dann wurde mir klar :Die Kinder schämen sich!
Die Sache hatte damals Auswirkungen angenommen, wie bei dem Film „Die Jagd“ mit Mads Mikkelsen, nur mit anderem Thema.
Die Kinder wussten, dass mein Sohn für Dinge von der Schule geflogen war und pathologisiert wurde, die er garnicht getan hatte. Sie standen damals hämisch grinsend da, als ich deswegen heulend auf dem Schulhof stand. Sie mochten mich damals als „Lesemutter“ sehr gerne – bis mein Sohn gequält wurde und ich mich natürlich auf seine Seite stellte. Danach schrien sie mir Beleidigungen hinterher, wenn ich an der Schule lang radelt. Meinen Sohn bewarfen sie mit Essensresten.

Wer ist hier das eigentliche Opfer? Mein Sohn und ich haben keinen seelischen Schaden. Aber was wurde diesen Kindern aufgebürdet, dass sie zu so einem grausamen Verhalten (sie standen damit in der Gunst der Erwachsenen oder wurden als Opfer suggeriert) verleitet wurden? Den Mobbing Stein hatte die Klassenlehrerin losgetreten. Ich glaube, sie schämt sich auch und ist selber erschrocken, was da in Gang gekommen ist. Das schlimme ist, dass durch dieses schämen das ganze erst richtig los geht. Denn niemand möchte ein Mobber sein. Aber das bedeutet nicht, dass man alles sofort beendet. Im Gegenteil! Man verdrängt seine Schuld tiefenpsychologisch und versucht sich dann mit allen Mitteln zu beweisen, dass alles gerechtfertigt war! Soll heißen, dass Mobbing geht dann erst richtig los. So etwas müssen Lehrkräfte wissen. Sie sind Gruppenleiter und haben somit auch Macht über Gruppendynamik. Sowohl bei den Schulkindern als auch bei den Eltern. Doch bei Waldorf mit ihrem Karma und Kräfte – Gedöns ist wenig Interesse an allgemeiner Pädagogik, Psychologie und es fehlt entsprechend an Wissen.
Die Schul“familie“ ist hier ein weiteres Problem, denn Mobbing geht nur durch Abhängigkeit-besonders emotionaler Art. Ja, Problem war, dass ich die Menschen dort eigentlich mochte…
Letztendlich wird bei so etwas dann gerne das Opfer zum Arzt geschickt, obwohl eigentlich der Täter hin müsste und die beste Medizin für das Opfer wäre die Reue des Täters…

Achin
1 Monat zuvor

Der Wunsch vieler Eltern, für ihre Kinder die „optimale“ Schule zu finden ist das eine, problematisch wird es, wenn Privatoffenbarungen als „Wissenschaft“ ausgegeben werden, die von selbsternannten „Forschungsstellen“ dargestellt werden. Anthroposophie ist dabei weit mehr als Klassenzimmer ohne Ecken:

https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/corona-demeter-anthroposophie-esoterik-wissenschaftsskepsis-100.html

Wolfgang Helmeth
1 Monat zuvor

Wenn ich meine persänliche Entwicklung mit all den pädagogischen und reformpädagogischen Idealen vergleiche, dann fehlt mir das, was Prof. Klaus Schleicher schrieb: „Lernen im Leben und für das Leben“.
So wuchs ich ab 1943 auf: Meine Neugierde fesselte mich an Baustellen, wo ich all die technischen Geräte beobachtete, und daheim mit dem Merklinbaukasten nachbaute. Die Bauarbeiter freuten sich über mein Interesse, und gaben mir die Möglichkeit mitzuarbeiten: So half ich mit meinem kleinen Schüppchen, neben dem Bagger, die Kellergrube auszugraben, und war bis zure Fertigstellung des Hauses hautnah dabei. Für meinen Arbeitseinsatz bekam ich auch einen gerechten Lohn von 10 Pfennigen – und war stolz wie Oskar.
Das war nur ein Beispiel. Heute mache ich alles in unserem Haus, und mit Kindern bauen wir Werkstätten –
siehe http://www.Denzlinger-Cleverle.de.
Man muss Kindern auch die Gelegenheiten geben, echt gebraucht zu werden, und unternehmerisch tätig zu sein. Leztlich – ein langer Roman – versuche ich das mit der Initiative http://www.Denzlinger-Cleverle.de modellhaft zu realisieren, und mit dem http://www.Cleverle-Navi.de jedem zu ermöglichen.

Wiebke Vella
1 Monat zuvor

Ich bin selber Waldorfschulen und meine Tochter geht auf eine Waldorfschule. Für sie und für mich ist und war es eine tolle Schule mit ganzheitlicher Bildung, wenig Druck. Mein Sohn allerdings wurde zweimal abgelehnt weil er eine Aufmerksamkeitsschwäche hat und ebenso ging es anderen Familien, die schon ältere Kinder an der Schule haben. Das bedeutet für mich, dass die Waldorfschule ein tolles Konzept ist für Kinder, die es an der staatlichen Schule auch leicht hätten aber dass Kinder, die etwas außerhalb der Norm liegen dort – zumindest an unserer Schule – nicht gewollt sind und betreut werden. Mein Sohn geht jetzt auf die Regelschule und schreibt gute Noten, seine Einschränkungen sind also nicht groß. Für mich und für unsere Familie war die Ablehnung eine sehr enttäuschende Erfahrung, auch weil angeblich ja der Zusammenhalt an der Waldorfschule groß geschrieben werden soll und Elternengagement weit über das normale Maß erwartet wird.