„Die große Chance der Digitalisierung liegt darin, dass wir endlich individualisiertes Lernen möglich machen“: Bildungsforscher Rolff im Interview

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DORTMUND. Es wird viel über die Defizite bei der Digitalisierung der Schulen gesprochen und wenig über die Chancen eines digital gestützten Unterrichts. Hans-Günter Rolff, emeritierter Professor an der TU Dortmund und als ehemaliger Gründungsdirektor des Instituts für Schulentwicklungsforschung einer der renommiertesten Bildungswissenschaftler in Deutschland, stört sich daran – er hat deshalb ein Buch herausgegeben, in dem 49 wissenschaftliche Autorinnen und Autoren auf knapp 1.000 Seiten die Potenziale beschreiben und das als Standardwerk fürs Lehren mit digitalen Medien in Deutschland gelten kann*. Wir haben mit ihm gesprochen.

„Personalisiertes Lernen ist möglich.“ Foto: Shutterstock

News4teachers: „Potenziale digitaler Medien für Schule und Unterricht beherzt ausschöpfen!“, so fordern Sie in dem von Ihnen herausgegebenen Buch*. Wie beherzt läuft das denn nach Ihrer Beobachtung in der Praxis?

Rolff: Die Schulen stellen sich, getrieben von den Erfahrungen aus der Corona-Krise, dem Thema Digitalisierung, und das durchaus beherzt. Alle Schulen sind auf dem Weg – und viele sind dabei schon fortgeschritten –, sich die nötige technische Infrastruktur anzuschaffen. Aber das Ganze läuft häufig zu oberflächlich. Es geht dabei im Wesentlichen um Apps und Methoden, um Breitband und WLAN für jedem Klassenraum, aber das, worauf nach unserer Überzeugung eigentlich gezielt werden sollte, das steht kaum im Fokus: nämlich eine neue Lernkultur. Meine Beobachtung ist, ich habe dazu ja auch Fallstudien gemacht, dass der Unterricht ziemlich konventionell weiterläuft. Dabei liegt die große Chance der Digitalisierung darin, dass wir damit endlich individualisiertes Lernen möglich machen.

Whitepaper Bildung transformieren

Wie kann die Digitalisierung im Bildungsumfeld weiter ausgebaut und nachhaltig in den schulischen und außerschulischen Alltag integriert werden?

Und zwar so, dass Lernerlebnisse mehr Relevanz und Lebensweltbezug erhalten, Lernende aller Altersklassen auch in Zukunft davon profitieren und digitales Equipment Lehrkräften langfristig Flexibilität und Zeitersparnis bei der Unterrichtsgestaltung bringt?

Fragen wie diese beantwortet das kostenlose Whitepaper „Bildung transformieren – für eine nachhaltige Digitalisierung“, herausgegeben vom Conrad Education Team. Darin kommen Bildungsverantwortliche im Rahmen von ausführlichen Best-Practice Beispielen zu Wort. Bestellen Sie das Whitepaper „Bildung transformieren – für eine nachhaltige Digitalisierung“! Holen Sie sich Ihr Exemplar! – hier.  

Eine persönliche Eins-zu-Eins-Individualisierung ist mit dem vorhandenen Lehrpotenzial nicht möglich – und vielleicht auch gar nicht wünschenswert, das wäre ja eine Prinzen- und Prinzessinnenerziehung. Es gibt ja in der Schulwirklichkeit oft noch nicht mal genügend Lehrkräfte für die Abdeckung des normalen Stundenplans. Aber mithilfe der Digitalisierung lässt sich der Unterricht personalisieren. Das ist die zeitgemäße, auch international gebräuchliche Form von Individualisierung. In Großbritannien und den USA spricht man von „personal learning“. Personalisiertes Lernen ist möglich, wenn die Schule über eine Lernplattform bzw. ein Lernmanagementsystem verfügt, womit die Lehrkräfte den Lernstand ihrer Schülerinnen und Schüler diagnostizieren können – das machen Lehrpersonen bei uns bisher aus Erfahrung oder aus dem Bauch heraus –, aber mit digitalisierten Medien können sie das datengestützt machen. Sie können die Diagnosen nutzen, um den einzelnen Schülerinnen und Schülern gezielte Empfehlungen zu geben und ihnen geeignete Lernmaterialien aus der Lernplattform, die auch Lernmaterialien-Bibliothek ist, zur Verfügung stellen. So lassen sich die guten Schüler anders fördern als die, die Nachholbedarf haben, und die Lernstände regelmäßig prozessbegleitend evaluieren, um gegebenenfalls nachjustieren zu können. Das wäre Individualisierung in konsequenter Form und die ist nur mittels der digitalen Medien möglich – und diese werden dazu bisher extrem selten genutzt.

News4teachers: Setzt das nicht auch gewisse technische Unterstützung voraus? Ich denke an Diagnose-Apps, die erst mal für die benötigten Daten sorgen?

Rolff: Da werden einige angeboten, auch von den großen Silicon-Valley-Firmen. Es gibt aber auch Schulen, die entwickeln selbst, was sie dafür benötigen, das Material-Netzwerk der Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg zum Beispiel. Die Lehrpersonen dort entwickeln gemeinsam Diagnose-, Lern- und Fördermaterialien und tauschen die untereinander aus. Die schulübergreifende Zusammenarbeit wird ja auch durch die digitalen Medien sehr erleichtert. Das ist ein großes Potenzial. Auch innerhalb einer Schule lassen sich solche Netzwerke entwickeln. Das machen bereits etliche Schulen. Die Lehrpersonen legen eine gemeinsame Bibliothek an, in der sie ihre Unterrichtsentwürfe speichern – und die Kolleginnen und Kollegen können das Material dann ebenfalls nutzen oder sich zu Eigenproduktionen anregen lassen. Und das geht natürlich nur auf freiwilliger Ebene beziehungsweise das Kollegium beschließt das gemeinsam.

News4teachers: Das ist aber ein hoher Anspruch, wenn man den Lehrern die Entwicklung der Lernmaterialien auch noch mit auf das Auge drückt…

Rolff: Aufdrücken muss auch nicht sein. Wenn allerdings die Schulen fast alle Materialien von Firmen einkaufen, die natürlich gewinnorientiert arbeiten und nicht unbedingt pädagogisch orientiert sind, dann könnte die Folge sein, dass die Lösungen eher methodenorientiert sind und nicht inhalts- oder zielorientiert. Es wäre schon ein gutes Korrektiv, wenn die Schulen auch einiges selber machen, aber auf freiwilliger Basis und im Netzwerk mit Unterstützung. Darin liegt ein unglaubliches Potenzial. Überhaupt sollten wir mehr über Potenziale sprechen statt immer nur über Probleme.

News4teachers: Sie fordern, den „Kompetenz- und Leistungsbegriff auf die Bildung in einer digitalen Welt auszurichten“. Nun verweisen Verfechter einer tradierten Bildung ja gerne darauf, dass Wissen zunächst mal als Grundstock da sein muss, um Kompetenzen erwerben zu können. Manche sind der Meinung, dass das Abheben auf den Kompetenzbegriff dieses Wissensfundament schwächt. Sie nicht?

„Bildung sollte als Persönlichkeitsbildung verstanden werden und dazu gehören auch Werte und Haltungen“

Rolff: Wenn Bildung nur in Form von Kompetenzen definiert würde, dann wäre das tatsächlich keine vollständige Bildung mehr – und halbe Bildung gibt es nicht. Dass aber ein Teil dessen, was gelernt werden soll, an Kompetenzen orientiert ist, halte ich für sinnvoll. Klar, in den Sprachen zum Beispiel muss Wissen gelernt werden. Die daraus entstehende Sprachfähigkeit wird beispielsweise im verbreiteten Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen in Kompetenzen ausgedrückt, in verschiedenen Kompetenzniveaus – Verstehen der Sprache zum Beispiel, in der Sprache telefonieren zu können, ein Fachgespräch führen.

Zu einem umfassenden Bildungsbegriff gehört allerdings mehr als Wissen und Kompetenzen, nämlich dass man Zusammenhänge erkennt und ganzheitlich darin denken kann. Das ist in einer digitalen Welt, in der Informationen in großer Menge auf die Menschen einprasseln, wahrscheinlich wichtiger denn je. Bildung sollte als Persönlichkeitsbildung verstanden werden und dazu gehören auch Werte und Haltungen, die man kaum digitalisieren kann – und selbst wenn man es könnte, es lieber sein ließe. Ich denke nicht, dass es digitale Bildung gibt, wohl aber digital gestütztes Lernen.

News4teachers: Dann fordern Sie, in den Schulen eine „Evaluations- und Feedbackkultur“ aufzubauen. Lehrkräfte lassen ja Tests und Klassenarbeiten schreiben, um zu evaluieren, wo ihre Schüler stehen. Ist das also nicht sowieso Teil der Schule schon seit Anno Tobak?

Rolff: Ja, aber unvollkommen. Evaluation und Feedback sind nicht dasselbe. Evaluation in Form von Klassenarbeiten gibt es in der Tat schon lange. Aber wenn Sie es als Lehrkraft in digitaler Weise evaluieren, dann können Sie eben personalisiertes Lernen praktizieren. Dann können Sie die Ergebnisse, nicht nur die Zensuren, sondern die individuellen Lernstände speichern und in einer Lernbiografie abbilden, dann können Sie Prozessverläufe analysieren und können Sie auch analysieren, ob ein Förderprogramm gewirkt hat. Das kann man nicht, wenn man vier Mal im Jahr eine Klassenarbeit schreibt oder eine Hausarbeit.

Feedback ist etwas anderes – und das gehört zu den größten Potenzialen digital gestützten Lernens. Die eigentlichen Treiber, die zu besseren Lernleistungen führen, sind drei: Erstens, Zielklarheit – Lehrkräfte müssen wissen, wohin sie mit ihrem Unterricht wollen –, zweitens, kooperative Unterrichtsentwicklung – damit der Unterricht abgestimmt ist und die Vorbereitung nicht zu Überlastungen führt – und, drittens, eine reziproke Feedbackkultur. Das wissen wir seit Langem und Hattie hat uns in seiner weltweit anerkannten Meta-Studie darin bestätigt.

„Bislang kam es nicht so recht in Gang, Schüler-Feedback einzuholen, auch weil es ziemlich umständlich war“

Feedback gibt es schon, solange es Schulen gibt – aber nur in eine Richtung: Die Lehrpersonen sagen den Lernenden, was sie gut machen und was nicht. Dass umgekehrt die Lernenden den Lehrpersonen sagen, was bei ihnen ankommt und Ihnen beim Lernen hilft oder auch nicht, das wird so gut wie gar nicht praktiziert. Nun können Schülerinnen und Schüler ja nicht wissen, ob eine Lehrerin oder ein Lehrer gut vorbereitet ist oder nicht. Den Unterricht und die Lernmöglichkeiten können sie aber schon beurteilen und darüber wissen sie ja auch sehr viel. Sie sehen ja täglich Unterricht von mehreren Lehrpersonen, reden darüber und sind, dazu gibt es Untersuchungen, die das belegen, Experten für Unterricht. Bislang kam es nicht so recht in Gang, Schüler-Feedback einzuholen, auch weil es ziemlich umständlich war. Das kann man digital viel besser machen. Dafür gibt es leicht nutzbare Apps, die in Minutenschnelle Ergebnisse liefern und die Zeit lassen für deren Auswertung durch Lehrende und Lernende zur Verbesserung des Unterrichts.

Das Schülerfeedback ist enorm wirksam. Das können wir bei Hattie nachlesen. Der Messwerte für die Wirksamkeit von reziprokem Lehren und Feedbackkultur liegen bei ihm auf Rang 9 und 10 auf seiner 138 Faktoren umfassenden Rangliste der Einflussgrößen auf Schülerleistungen. Die Werte davor sind kaum größer. Digital gestützter Unterricht wird reziprokes Feedback vermutlich noch weiter nach vorn bringen. News4teachers-Herausgeber Andrej Priboschek führte das Interview.

*Handbuch Lernen mit digitalen Medien, herausgegeben von Gerold Brägger und Hans-Günter Rolff, gebunden, 981 Seiten, Beltz-Verlag, 98 Euro

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Anton
1 Monat zuvor

Ich hoffe auf eine vollständig automatisierte Feedback – und Evaluationskultur – in meiner 10. Klasse Deutsch mit 32 Jugendlichen wäre das ein echter Gewinn!

Dil Uhlenspiegel
1 Monat zuvor

:o) voll süß

Last edited 1 Monat zuvor by Dil Uhlenspiegel
nurmalso
1 Monat zuvor

Vielleicht stehe ich ja ein bisschen auf dem Schlauch…
Also: Personalisiertes Lernen ist angeblich etwas anderes als individualisiertes Lernen. Aber wenn ich digital evaluieren möchte, dann müssten die Schüler*innen schon digital arbeiten, oder? Also jede/r mit dem eigenen Gerät… Da wird’s schon schwierig.
Und nur weil die Expert*innen der Kumis es nicht geschafft haben, eine Lernplattform zu entwickeln, die ähnlich gut läuft wie MS 365, heißt das noch lange nicht, dass wir Kolleg*innen das nicht schaffen sollten, mal so eben nebenbei Förder- und Evaluationsprogramme zu entwickeln, die erheblich besser sind als die von den Verlagen, weil wir nämlich nicht „gewinnorientiert“ arbeiten. Hm…
Und klar, Feedback gibt’s nur bei Klassenarbeiten und Tests. Ansonsten lese ich Zeitung und lasse die Schüler*innen mal machen…
Digitales Schüler*innen-Feedback, vielleicht noch anonym? Wer’s mag…

Walter Hasenbrot
1 Monat zuvor

Bis vor kurzer Zeit hat man uns doch erzählt, lernen in sozialem Kontext sei besonders sinnvoll. Deshalb solle man viel Gruppenarbeit in den Unterricht integrieren.

Jetzt soll individualisiertes und personalisiertes Lernen, man könnte auch sagen: isoliertes Lernen, plötzlich der neueste Schrei sein.

Wie dem auch sei: Die digitalen Möglichkeiten werden dabei offenbar maßlos überschätzt.

Die heutigen Lernprogramme kommen doch über multiple choice Aufgaben und Lückentexte kaum hinaus. Solange Computer keine Texte verstehen können, ist indiviualisietes Lernen am Tablet in höheren Klassen am Gymnasium ( und wohl auch anderen Schulformen) Augenwischerei.

Wie soll denn ein Computer ohne echtes Textverständnis zum Beispiel eine Erörterung evaluieren und auf Grundlage der Bewertung passende Aufgaben vorschlagen?

Georg
1 Monat zuvor

Wie sollen Kinder lernen, in einem Team zu arbeiten, wenn alles individualisiert oder personalisiert wurde?

Wie passen Personalisierung und zentral gestellte Prüfungen zusammen?

Kinder wollen sich gerne mit anderen messen. Wie geht das bei personalisierten Aufgaben?

Wie soll eine KI – völlig unabhängig davon, dass ich nicht weiß, ob der Bildungsforscher wirklich weiß, was dass ist und kann – Aufgaben über Reproduktionsniveau stellen und korrigieren? Aufsätze oder schon längere Rechnungen überfordern sie.

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  Georg

Wir schaffen Aufsätze einfach ab!

Die werden sowieso überbewertet.

Mit Multiple Choice kommt auch eine KI klar.

Ob die auch die Aufgaben – individuell – stellt?!

Carsten60
27 Tage zuvor
Antwortet  Georg

Man sollte auch fragen, ob sich das individualisierte Lernen überhaupt bewährt hat. Hieß es nicht in der Corona-Krise, dass gerade Kinder aus problematischen Verhältnissen damit überfordert sind? Wo bleibt eine Evaluation der neuen pädagogischen Methoden?

Klaus
1 Monat zuvor

Ganz schön viel Bauchpädagogik hier in den Kommentaren.
Nur zur Klärung. Lernen ist immerhin individueller Prozess. Die Gruppe kann nicht für mich lernen!

Den Unterricht kann man nach dem Sandwichprinzip mit individuellen und kollektiven Phasen planen. Da gibt es Literatur von Wahl „Lernumgebungen erfolgreich gestalten“ oder Herold/Herold „Selbstorganisiertes Lernen in Schule und Beruf“.

Dobby
22 Tage zuvor
Antwortet  Klaus

So einfach ist das aber nicht. Ich habe das Buch über SOL, das Sie empfehlen, gelesen und auch mit Martin Herold, dem Autor und Erfinder dieser Methode, telefoniert. Er sagte mir, SOL lasse sich nur dann effizient umsetzen, wenn zumindest alle LuL, die in einer Klasse unterrichten, dabei mitziehen. Im Idealfall macht natürlich die ganze Schule mit.
Wenn SOL nur in einem oder wenigen Fächern einer Klasse umgesetzt wird, klappt es schlecht bis gar nicht, weil die SuS sich beschweren, dass sie da plötzlich so viel selbstständig machen müssen, in einem Unterricht ohne SOL aber nicht.
Herr Herold meinte, die Schulleitung müsse auf jeden Fall dahinterstehen, aber das war bei uns nicht der Fall.
Am Ende des Telefonats sagte Herr Herold mir noch, ich solle mir einen anderen Beruf suchen. Mit meinem Engagement würde ich in der Schule nur zermalmt werden. Das ist 5 Jahre her, aber eine Alternative habe ich noch nicht gefunden.
Auch die Fortbildung vom Ministerium zum Thema SOL war nicht im Sinne von Herrn Herold. Er sagte, die Dozenten würden sich einzelne Elemente aus dem SOL-Konzept herauspicken, aber das sei eben kein SOL mehr. Das Konzept funktioniere nur ganzheitlich und habe auch nur dann den gewünschten Effekt. Die SuS müssten sich auch erst an das selbstständige Arbeiten gewöhnen, was viel Zeit brauche. An unserem Wirtschaftsgymnasium, wo alles zum Abi hin ausgerichtet ist, ist die Zeit sehr knapp. Und gerade MINT-Fächer, von denen ich eins unterrichte, sind sehr unbeliebt. Viele SuS kalkulieren die Naturwissenschaften als unterpunktete Kurse gleich mit ein …

kanndochnichtwahrsein
17 Tage zuvor
Antwortet  Klaus

Ist wohl eher „selbständiges Lernen“ gemeint…

Aber das – egal ob analog oder digital – setzt ja voraus, dass Lernen gelernt wurde, das gewisse Grundtechniken und Fähigkeiten vorhanden sind, konkret: dass Kinder lesen, schreiben, rechnen und verstehen gelernt haben.
DAS alles lernt man am Anfang erstmal nicht digital.

Diese Grundlagen können heute aber immer weniger sicher vermittelt werden, weil Kinder sie nicht aufnehmen (können), Lehrer nicht ausreichend Kapazitäten dafür zur Verfügung haben, nicht genug Lehrer da sind, Lehrpläne durchgezogen werden müssen etc.

Kinder kommen schon unselbständiger in die Schule als früher, viele haben viel länger viel größere Probleme selbständig zu arbeiten als noch zu Beginn meiner beruflichen Karriere. Aber auch damals zeichnete sich diese Entwicklung bereits ab. Alles sollte „Spaß machen“, „gestaltet sein“, „in Gruppenarbeit“ gemacht werden, niemals „demotivierend“ wirken, wir sollten die Kinder „mitnehmen“ (was falsch verstanden umgesetzt wurde in „Bespaßung“, in Konkurennz mit dem Fernsehen – damals noch nicht tiktok und Co., in „Film gucken“ statt trockenen Text zu erarbeiten)…
Durchhalten, anstrengen, konzentrieren, einarbeiten, Grundlagen lernen – alles uncool!?
Wir bekommen die Quittung jetzt.
Digital kann nur der Computer. Menschen nicht!
Der Computer kann nur digital. Menschen könnten viel mehr!
Wollen wir auf all das, was Menschen ausmacht, schon in der Schule verzichten?
Nur, weil wir nicht bereit sind, entsprechend in Bildung, vor allem in ausreichend Lehrer zu investieren?

Riesenzwerg
1 Monat zuvor

Nur so nebenbei….

Sind die Abschlussarbeiten dann auch personalisiert?

Mir scheint auch das (individuelle Differenzierung, personalisiertes digitales Lernen – was übrigens ganz schnell den Aufforderungscharakter verliert, wenn hiermit wirklich g e l e r n t werden muss) ein klein wenig unsinnig, wenn die Abschlussprüfungen doch wieder für alle gleich sind ….

Im übrigen war ich immer der Meinung, dass Menschen von und mit Menschen lernen… Ich Dummerle

Uwe
1 Monat zuvor

„Standartwerk“ => „Standardwerk“, oder?