Kita-Fachkräfte fehlen – Kommunen befürchten Ende von Vollzeitbetreuung

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Nach der Tarifeinigung für kommunale Kitas warnt der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund (NSGB) vor den Folgen des Mangels an Erzieherinnen und Erziehern. Seit langem fordere der NSGB die Einrichtung einer einheitlichen dualen dreijährigen Erzieherinnen-Ausbildung mit Bezahlung durch die Kommunen, sagte NSGB-Präsident Marco Trips am Montag in Hannover.

Es fehlt an Kita-Fachkräften – bundesweit. Foto: Shutterstock

«Wir wären jetzt schon weiter, wenn nicht seit zehn Jahren die Fachverbände ein zu niedriges Qualitätsniveau befürchten würden», kritisierte Trips. Notwendig sei keine Akademisierung der Kinderbetreuung, sondern «praxisnah und kompakt ausgebildete Kräfte, die nach drei Jahren in der Lage sind, eine Kita-Gruppe zu leiten». Weil Fachkräfte fehlten, hätten einige Kommunen schon die Betreuungszeiten einschränken müssen.

Im Tarifstreit der kommunalen Sozial- und Erziehungsdienste hatten sich die Gewerkschaft Verdi und der Beamtenbund dbb am Mittwoch mit den kommunalen Arbeitgebern auf zusätzliche Entlastungstage sowie monatliche Zulagen für die rund 330 000 Beschäftigten geeinigt.

Die deutlichen Verbesserungen in der Arbeitszeit und Bezahlung seien in Ordnung, um die Attraktivität des Berufs zu verbessern, sagte Trips. Allerdings mache die Kita-Betreuung schon jetzt in allen Gemeinden den allergrößten Anteil im Haushalt aus. «Wenn immer bessere Standards und vor allem zusätzliche Betreuungszeiten eingerichtet und gefordert werden, sprengt das irgendwann die finanzielle Masse der Kommunen», warnte Trips. Das Land müsse alle Beteiligten an einen Tisch holen, um Problemlösungen zu entwickeln. News4teachers / mit Material der dpa

„Die Kinder haben sich verändert. Sie tun sich viel schwerer damit, Regeln zu akzeptieren“: Eine Kita-Fachkraft berichtet

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Angelika
1 Monat zuvor

Was geht in den Köpfen vor, die ein Ende der VOLLZEITBETREUUNG für Kinder tatsächlich fürchten? Wo bleibt das Mitgefühl für Kinder, von denen viele irgendwann im Laufe des Tages von Lärm und Enge überfordert sind? Das Problem des Fachkräftemangels lässt sich auf längere Zeit nicht lösen. Und gerade wenn man sich auf Laien in der Betreuung verlassen möchte, sollten die Betreuungszeiten verkürzt und die Gruppen verkleinert werden.

Es ist schade, wiie sehr sich Eltern beruflich unter Druck setzen lassen.

AusderPraxis
1 Monat zuvor
Antwortet  Angelika

Welches Kind braucht denn etwas Ruhe, stabile Beziehungen und selbstbestimmte Zeit? Das wird komplett überbewertet!
Kinder sind so gebaut, dass sie auch mit den widrigsten Umständen (Dauerlärm, Enge, ständig wechselndem Betreuungspersonal) problemlos zurechtkommen!
Wichtig ist doch nur, dass sie nicht dauernd mit ihren übergriffigen, überforderten Eltern zusammen sind!
Auch wenn ein Elternteil in Elternzeit ist, ist die Aufbewahrung des älteren Kindes in der Betreuung von 7-17 Uhr nur vorteilhaft!

Ok, im Moment kann ich nicht anders als ironisch/sarkastisch!

Aber wenn ich höre, dass Eltern meinen sie schaden ihrem Kind, wenn sie es nicht ab dem Ende des ersten Lebensjahres Vollzeit „betreuen“ lassen, kann ich nicht anders! Nein, auch Mamas/Papas können GUT für das eigene Kind sein! Ich habe einige tolle „Exemplare“ in meiner Klasse, die erst mit 3 Jahren in den Kindergarten gegangen sind!

Last edited 1 Monat zuvor by AusderPraxis
Angelika
1 Monat zuvor
Antwortet  AusderPraxis

Nun werde ich auch ironisch. Die armen Kinder, die erst mit drei oder gar vier in die Kita kommen! Ihnen fehlt vor Schulbeginn die wichtige Phase, wo Kinder den Kindergarten als einen Ort der Wiederholung der Wiederholung erleben… Und – Ironie off: Kinder, die im Krieg im Kosovo erlebt haben, was ihre Eltern alles auf sich genommen und geleistet haben, um pflegebedürftige Angehörige und Kleinkinder zu betreuen, haben meist tiefen Respekt vor ihren Eltern. Statt besonders saugfähigen Windeln mit Geleinlagen und ebenfalls sehr wirkungsvollen Inkontinenzhilfen für Pflegefälle wurde in Kriegsgebieten stundenlang Strom und Wasser abgestellt.
Kinder, die nach der Kita noch von der Kinderfrau oder gar wechselnden Au-pairs abgeholt werden, kennen Dankbarkeit und Respekt in dieser Intensität oft nicht. Und viel zu viele Kinder werden Zeugen belastender Abschiedsszenen. Diese Bilder – das ist die eigentliche frühkindliche Bild-ung.

potschemutschka
1 Monat zuvor

Keine Vollzeitbetreuung = keine Vollzeiterwerbstätigkeit für die Eltern! – Eine Lösung für das Problem wären m. M. nach Betriebskindergärten (gab es in der DDR viele). Das würde den Betrieben und auch vielen Eltern und Kindern zu gute kommen, die müssten dann nicht noch vor und nach der Arbeit quer durch die ganze Stadt. Vielleicht sollten größere Betriebe finanziell an der Erzieherausbildung beteiligt werden.

Echt
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Tatsächlich gibt es aber auch etliche Eltern die ihre Kleinkinder vom Homeoffice aus quer durch die Stadt zur Betriebskita (-krippe) bringen. Für Kleinbetriebe ist eine Betriebskita kaum umsetzbar, eher Kooperationen mit naheliegenden Einrichtungen.

Angelika
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Erzieherinnen, mit denen ich gesprochen habe, möchten nicht – oder nicht mehr in einer Betriebskita arbeiten. Der Grund: Vom Träger wird erwartet, dass die Erzieherinnen selbstverständlich auch kränkelnde Kinder betreuen. Auch die Eltern nutzen die besondere Atmosphäre einer Betriebskita schon mal für sich aus. „Ich weiß, dass mein Kind krank ist – aber ich muss jetzt… und hole es gleich nach der Sitzung ab.“

Hat jemand Hintergrundwissen zum Betrieb von so genannten „Minikitas“? Dass weniger Kinder betreut werden, ist bestimmt ein Vorteil. Allerdings gelten für Mini-Kitas nicht die gleichem Vorschriften wie für Kitas. So brauchen Mini-Kitas oft kein eingenes Außengelände.

AusderPraxis
1 Monat zuvor

Habe heute gehört, dass über 100.000 Handwerker fehlen die benötigt würden, um die Energiewende und den Neubau von bezahlbarem Wohnraum umsetzen zu können.
Allein die Isolierung der Berliner Wohnungen würde mit dem vorhandenen Personal 100 Jahre dauern!
Andererseits stehen tausende von Akademikern, besonders im Bereich Journalismus, Linguistik, Archäologie, Geschichte usw. auf der Straße.
Wo ist der „5-Jahresplan“ schief gelaufen?

Last edited 1 Monat zuvor by AusderPraxis
Dreamghost
1 Monat zuvor

„Notwendig sei keine Akademisierung der Kinderbetreuung, sondern «praxisnah und kompakt ausgebildete Kräfte, die nach drei Jahren in der Lage sind, eine Kita-Gruppe zu leiten».“
G8 lässt grüßen

Angelika
1 Monat zuvor
Antwortet  Dreamghost

Früher haben viele Erzieherinnen, nachdem sie die staatliche Anerkennung erworben haben im Rheinland freiwillig als Zweitkraft in katholischen Kindergärten gearbeitet haben, weil ihnen die Verantwortung als Gruppenleitung erst mal zu viel war. – Sie wechselten dann später auf eine Fachkraftstelle als Erzieherin. So hatte man gerade in konfessionellen Kindergärten auch auf den Zweitkraftstellen gut ausgebildete Fachkräfte. Bei Städten und Gemeinden ließ es die Bindung an Tarifverträge nicht zu, dass Fachkräfte unter Tarif bezahlt wurden, hieß es früher. Weiß jemand, ob das so war.

Auf jeden Fall sind definitiv nicht alle nach dem Abschluss der Ausbildung fähig eine Gruppe zu übernehmen. Viele wählen die Ausbildung, um mit dem Abschluss auch das Abitur zu erwerben. Sie wollen bald studieren, um möglichst nicht im Gruppendienst arbeiten zu müssen.