GEW: Inklusion benötigt veränderte Strukturen im Bildungssystem – letztlich Gemeinschaftsschulen

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MÜNCHEN. In einer Umfrage des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) unter Lehrkräften zur Inklusion gaben 97 Prozent der Befragten an, unter den derzeitigen Rahmenbedingungen an Schulen sei Inklusion nicht möglich (News4teachers berichtete). Die GEW im Freistaat fordert nun „Mut, die Wahrheit auszusprechen“: Der bayerische Weg der Inklusion – den praktisch fast alle Bundesländer eingeschlagen haben – stecke in einer Sackgasse. „Es benötigt strukturelle Veränderungen, um das Menschenrecht auf Inklusion im Bildungsbereich umsetzen zu können“, meint die Gewerkschaft.

Inklusion ist ein großes Ziel – die Realität sieht vielerorts noch anders aus. Foto: Shutterstock

Lehrkräfte, die im inklusiven Setting arbeiten, fühlen sich allein gelassen. Es fehlten Ressourcen, Personal und Strukturen, die Inklusion ermöglichen – das brachte jedenfalls die BLLV-Umfrage zu Tage, die unter 700 Lehrkräften im inklusiven Setting an Bayerns Schulen durchgeführt wurde. „Das ist keine Überraschung“, sagt Florian Kohl, stellvertretender Vorsitzender der GEW Bayern und selbst Sonderpädagoge. „In Bayern versucht man verzweifelt, dem selektiven Schulsystem die Inklusionskappe aufzusetzen, die aber aufgrund der Strukturen gar nicht passen kann.“

„In keinem Bundesland ist der gesetzliche Rahmen, eine inklusive Schule zu schaffen, abschließend entwickelt worden“

Besonderheit im Freistaat: Es gibt dort (anders als in den meisten anderen Bundesländern) keine Gemeinschaftsschulen. Auch in anderen Bundesländern, wo es Gemeinschafts- oder Gesamtschulen gibt, ist die Inklusion in den Schulen nur unzureichend umgesetzt, wie das Deutsche Institut für Menschenrechte 2019  feststellte: „Über zehn Jahre nach Inkrafttreten der UN-BRK im Jahr 2009 muss mit Blick auf das deutsche Schulsystem exemplarisch festgestellt werden, dass der Umsetzungsstand weit hinter den Erwartungen zurückbleibt. In keinem Bundesland ist der notwendige gesetzliche Rahmen, eine inklusive Schule zu schaffen und zu gewährleisten, abschließend entwickelt worden.“ Seitdem hat sich – bedingt auch durch die Pandemie – in Sachen Inklusion praktisch nichts getan.

Kohl zitiert Volker Arntz, den Schulleiter der Hardtschule im baden-württembergischen Durmersheim, einer inklusiven Gemeinschaftsschule, der am Dienstag auf der Auftaktveranstaltung der Vortragsreihe „Inklusion – und nun?“ der GEW Bayern und der Fachgruppe Sonderpädagogische Berufe das Konzept seiner Schule vorstellte. „Inklusion erhöht den Komplexitätsgrad der pädagogischen Herausforderung extrem. Das kann keine Lehrkraft allein schaffen. Die Organisationsstrukturen innerhalb der Schule müssen sich dem anpassen. Lehrkräfte arbeiten sich sonst daran auf, verlieren das Gefühl der Selbstwirksamkeit und werden den Kindern nicht gerecht.“

Mit einem ausdifferenzierten Schulsystem, wie es sich in Bayern darstelle, sei der Anspruch eines inklusiven Schulsystems nicht umzusetzen, ist sich auch Karo Höbner, Mitorganisatorin der Veranstaltung der GEW Bayern, sicher. „Wenn wir Inklusion als Menschenrecht umsetzen, und das ist keine Frage des Wollens, sondern das müssen wir, müssen wir auch an die grundlegenden Strukturen unsere Bildungssystems ran. Wir können nicht einfach so weitermachen und hoffen, dass wir die Kinder mit zusätzlichen Ressourcen passend ins System gepresst bekommen.“

Den Vorschlag des BLLV, eine neue Berufsgruppe „Sonderpädagogische Inklusionsassistenz“ ins Spiel zu bringen, weisen Höbner und Kohl zurück. „Es macht keinen Sinn, die Inklusion auf Assistenzen abzuwälzen und das als Lösung anzubieten. Inklusion benötigt Professionalität und darf nicht zu Sparmaßnahme verkommen. Man sollte schon realistisch bleiben und sich eingestehen, dass das Menschenrecht auf Inklusion nicht in einem exkludierenden Schulsystem erfüllt werden kann. Und es gibt ja Schulmodelle, in denen Kinder kooperativ und individuell lernen, ohne dass für jedes Kind mit besonderen Bedürfnissen eine Assistenz abgestellt werden muss, beispielsweise die Gemeinschaftsschulen. Das wollen wir ins Bewusstsein rücken.“

„Wir stehen nicht nur aufgrund des Lehrkräftemangels vor einem Scherbenhaufen“

Die Strukturen, die Schulen in die Lage versetzen könnten, sich als Organisationen entsprechend zu entwickeln, müssten aber von oben kommen. Baden-Württemberg etwa machte vor Jahren den Weg frei für die Gemeinschaftsschulen. Volker Arntz‘ Hartdschule stand 2011 als Werksrealschule kurz vor der Schließung. 2020 erreichte sie beim Deutschen Schulpreis als inklusive Gemeinschaftsschule den zweiten Platz. Kinder lernen hier von der 1. bis zur 10. Klasse gemeinsam, individuell und kooperativ. „Wir müssen Bildung weiterdenken und dabei mutig sein. Denn wir stehen nicht nur aufgrund des Lehrkräftemangels vor einem Scherbenhaufen. Die Lehrkräfte brennen aus, kaum noch jemand will den Job machen – dabei sollte er einer der Schönsten der Welt sein“, meint Florian Kohl.

Eine weitere Veranstaltung zum Thema bietet die GEW Bayern am 05.07.2022 um 19 Uhr an. In der Vortragsreihe „Inklusion – und nun?“ wird die Lehrerin Susanne Posselt Einblicke in die Unterrichtspraxis an einer Gemeinschaftsschule bieten. Die Veranstaltung wird per Videokonferenz durchgeführt. Anmelden kann man sich per Mail an inklusion@gew-bayern.de

Umfrage: Fast alle Lehrkräfte halten die Inklusion unter den derzeitigen Rahmenbedingungen für nicht realisierbar

 

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kanndochnichtwahrsein
6 Monate zuvor

Das Leben ist Inklusion. Es sind nich nur „besondere“ oder vorab als „besonders“ bekannte Kinder zu inkludieren, sondern Kinder mit jedweder Begabung und mit fehlenden Begabungen oder Kenntnissen oder Fähigkeiten in bestimmten Bereichen – also trifft das auf alle zu.

Man kann m.E. nicht hingehen und sagen: Wir haben soundso viele I-Kinder und brauchen dazu in Förderschulen oder im gemeinsamen Unterricht soundsoviele Förderlehrer.
Man müsste die Gesamtlage analysieren und anerkennen, dass Kinder (und deren Eltern) heute nicht mehr „pflegeleicht“ sind, nicht mehr in ein immer gleiches Schema pressbar, dass Einflüsse vielerlei Art auf alle Menschen schon von klein auf einwirken, die nicht mehr dazu führen, dass die Mehrheit der Kinder im Alter von 6 Jahren schulfähig und schulwillig sind.

Wir haben es mit einer „Horde“ (sorry, aber so kann man es im Alltag leider empfinden) kleiner Individualisten zu tun, unter denen die in welcher Forma auch immer Lerneingeschränkten nicht einmal die problematischsten Kinder sind. Oftmals haben jene Kinder den höchsten Betreuungsbedarf, die gar keinen anerkannten Bedarf haben – weil sie (in Teilen auch mit Recht) sich nicht mehr in ein vorgefertigtes, gleichmachendes System zwängen lassen.
Ganz schrecklich wird es dann in viel zu großen Systemen, in denen Kinder über den ganzen Tag aufbewahrt – eingesperrt – sind, ohne jemals adäquate Bindungen aufbauen zu können.
Lehrer hasten zwischen Klassen und Kursen hin und her, womöglich noch zwischen Gebäuden und Standorten, zwischen Unterricht und anderen Verpflichtungen, Kinder bleiben sich selbst überlassen (auch wenn gerade ein Lehrer anwesend ist). Oftmals wechselt der Lehrer durch Mangel an Personal, Kranheitsausfall etc. so schnell, dass er nicht mal alle Namen seiner Schüler lernen konnte.

Gemeinschaftsschulen – oder wie immer man Schulen mit gemeinsamem Unterricht nennen mag – müssen ausreichend Zeit, Ruhe, Raum und Lehrkräfte für alle Kinder haben.
Haben wir nicht. Das System ist aufgebläht, hat Ansprüche geweckt, die es mit den vorhandenen Mitteln nicht erfüllen kann.
Wenn wir ehrlich sind und klar ausrechnen, wieviel Schule wir uns leisten können, für wie viel Unterricht und anderes wir Lehrkräfte oder Vertreter anderer Professionen haben, dann zeichnet sich wohl ab, dass Schule wie sie heute ist keine seriöse Zukunft hat.

Außerdem muss die Gesellschaft m.E. wieder mehr den alten Spruch beherzigen, dass es ein ganzes Dorf braucht, um ein Kind zu erziehen. All die Einflüsse, die Kinder wachsen ließen, haben wir heute nicht mehr. Wir bieten keine Beziehungen mehr und geben uns in weiten Teilen (vor allen in benachteiligten Familien, die um ihre Existenz ringen) dait zufrieden, virtuelle Reize auszureizen, die Kinder beschäftigt zu wissen, sie aus den Füßen zu haben.

Gegensteuern kann nur die ganze Gesellschaft; vor allem diejenigen, die es sich leisten könnten, Teile ihrer Zeit mit Kindern zu verbringen – in der Familie, in der Nachbarschaft, im Neben- oder Ehrenamt.
Genau das Gegenteil sehe ich: Eltern aus gut gestellten Kreisen wehren sich vehement dagegen, ihre Kinder auf gemeinschaftliche Schule zu schicken, verteidigen die Gymnasien mit allen Mitteln – wollen natürlich nur Gutes, wenn sie Förderschulen und Schulen für die weniger begabten Kinder (weniger begüterter Familien) befürworten…
Wenn wir es nicht schaffen, EIN wirklich gutes System für ALLE Kinder zu bauen, wird es ein Dreiklassensystem geben: Privatschulen, Gymnasien – und der Rest mit dem leicht verwitternten Aushängeschild „Inklusive Schule“.

Ich habe Angst, dass wir Lehrer am Ende auch noch die Hoffnung verlieren, dass es jemals besser werden könnte.
Mit dieser Hoffnung sind wir vor Jahren/Jahrzehnten zu Beginn unserer beruflichen Laufbahn angetreten.
Viele von uns wollten es mindestens gut, wenn nicht besser machen.
Was blieb davon? Hektik, Überleben, das ständige Gefühl, immer weniger Kindern gerecht werden zu können, immer mehr Aufwand und Kraft zu investieren mit immer weniger Erfolg…

Der Fehler im System ist nicht allein bei der „Inklusion“ zu suchen, schon gar nicht bei „Corona“, auch nicht bei der „Ukrainekrise“ – sondern in der Bereitschaft der Gesellschaft, sich mit ihrem Nachwuchs auseinanderzusetzen und in Zukunft zu investieren.
Jetzt wird in Aufrüstung investiert. Vermutlich richtig, wenn es auch meinem eher pazifistisch geprägten Weltbild widerspricht.
Angst und Bange wird mir aber, wenn ich sehe, dass in der Bildung weiter diskutiert wird statt zu handeln. Wir entlassen in den nächsten Jahren die Menschen in die Berufswelt, die Soldaten, Polizisten oder Lehrer werden wollen.
Was wir heute nicht in sinnvolle Bildung FÜR ALLE investieren, wird uns morgen noch viel mehr kosten. Vielleicht sogar den Frieden, unsere Lebensgrundlagen und die Zukunft weiterer Generationen.
Pathetisch?
Nein! Ich möchte keine Berufssoldaten oder Polizisten ohne gefestigte moralische Vorstellungen, ich möchte keine Forscher ohne die Überzeugung, dem Leben zu dienen und ich möchte auch keine Lehrer ohne den Anspruch und die Vision, den Kindern gerecht werden zu können!

Realist
6 Monate zuvor

„Wir entlassen in den nächsten Jahren die Menschen in die Berufswelt, die Soldaten, Polizisten oder Lehrer werden wollen.“

Eins davon will die aktuelle Schülergeneration aus den Erfahrungen der letzten Jahre bestimmt nicht mehr werden. Es sei denn, man macht dieses Berufsbild zum Ausbildungsberuf, um sich etwas „naivere“, weil jüngere, Berufsanfänger zu erschließen. In einzelnen Bundesländern scheint man dabei schon auf dem Weg zu sein…

Nichtschonwieder
6 Monate zuvor

Sehr guter Kommentar. Danke dafür.

Palim
6 Monate zuvor

Bayern ist doch immer so spät mit der Umsetzung, dass es die Fehler, die die anderen Länder gemacht haben, auslassen kann.
Grundschulen sind Gemeinschaftsschulen, in ihnen gehen alle Kinder zur Schule.

Niedersachsen hat die Förderschule Lernen im Grundschulbereich abgeschafft, es gibt also für diese Schüler nur noch die Grundschule als Förderort. Schulen mit ESE-Schwerpunkt sind überwiegend privat und müssen SuS nicht aufnehmen, Sprachklassen wurden zurückgebaut, haben z.T. Bestandsschutz, Sprachförderung vor der Einschulung wurde eingestellt und soll nun nebenher in den KiTa erfolgen, DaZ-Stunden und Zusatzbedarfe fallen dem Lehrkräftemangel zum Opfer und können seit Jahren nicht eingesetzt werden.
Wie überall haben Eltern freie Wahl und auch Kinder mit anderen Unterstützungsbedarfen besuchen die Grundschulen.

Ich kann nach über 10 Jahren Erfahrung sagen: auch hier funktioniert Inklusion nicht,

  • wenn es kein zusätzliches Personal gibt,
  • wenn Förderschulkräfte generell fehlen,
  • wenn ihre Fehlzeiten nicht ausgeglichen werden,
  • wenn sich das Land auf 2 Stunden pro Woche pro Klasse Grundversorgung (für LE, ESE, Sprache + Prävention) als alleinige Unterstützung beruft, die in den Schulen gar nicht ankommt,
  • wenn es kein Klassenlehrerprinzip gibt, das hilft, den Überblick zu behalten,
  • wenn es Lehrkräftemangel gibt und ständig Vertretungen und Aushilfen in den Klassen stehen.,
  • wenn die Hürden zur Feststellung von Unterstützungsbedarfen immer höher werden, um die Anzahl der inkludierten Kinder und an sich benötigte Stundenzuweisungen zu reduzieren,
  • wenn Lehrkräfte sich in allen Klassen von jetzt auf gleich um Schüler:innen aller Unterstützungsbedarfe kümmern sollen: sobald das Kind angemeldet wird, ist man zuständig,
  • wenn die Hürden dafür, eine Integrationshilfe zu bekommen, immer höher werden, sodass die Kinder ohne Hilfe bleiben,
  • wenn es keine Anerkennung der zusätzlichen Aufgaben in der Inklusion gibt, keine Vergütung und keinen Ausgleich,
  • wenn man Beratungsbüros einrichtet, in denen die Zuständigen damit beschäftigt sind, einem den Mangel als Normalität zu verkaufen und dazu raten, von weiterer Förderung und Unterstützung abzusehen, sprich: das Kind sich selbst zu überlassen…

Immerhin hat BY schon jetzt 3x mehr Schulpsychologen als Niedersachsen, damit kann man mehr Schüler:innen und Lehrkräfte versorgen.

Ich verstehe nicht, warum es gerade in Deutschland für alles DIN-Normen gibt, wie groß/klein/schwer etc. etwas zu sein hat, man aber bei der Betreuung und Beschulung darauf verzichtet, Standards festzusetzen.
Eine Plakette am Haus oder der Name einer Schulform ist noch lange keine Inklusion.

Nora
6 Monate zuvor
Antwortet  Palim

Es ist alles schön und gut, was Sie schreiben. Nur bin ich müde, immer wieder Forderungen zu lesen, die nicht erfüllt werden und auch weitgehend nicht erfüllt werden können.
Die überschießende Bürokratie ließe sich zurückdrängen, der unnötige Papierkram beschneiden, den Lehrer erledigen müssen, ohne dass ihn jemand liest. Aber ansonsten? Alles viel zu teuer, personalintensiv und letztlich utopisch.
 
Ich bin wieder mal stinksauer auf die GEW, die sich sowohl bei der Einführung der Inklusion als auch jetzt beim Ruf nach Gemeinschaftsschulen einen schlanken Fuß macht und die Hände in Unschuld wäscht.
 
Erst reitet sie Schüler und Lehrer ins Unglück, indem sie eine Inklusion ohne entsprechende Rahmenbedingungen (Voraussetzungen) fordert und nur ihre Beifall heischende Ideologie von „Kein Kind darf ausgegrenzt werden“ als Bauchladen vor sich her trägt.
Jetzt will sie unser Bildungswesen mit einem zweiten faulen Ei beglücken, mit den inklusiven Gemeinschaftsschulen, wo so gut wie gar keine Gliederung mehr herrscht und eine Heterogenität an Fähigkeiten und Begabungen herrscht, die keine Schule mehr bewältigen kann, ohne jeden Schüler in seinen Bildungschancen grob zu vernachlässigen und obendrein die Lehrer zu verschleißen.

Echt
6 Monate zuvor
Antwortet  Palim

Die Hürden für den Unterstützungsbedarf werden tatsächlich immer höher. Gerade Kinder im LB- Bereich bekommen kaum etwas. Die Eltern haben große Sorgen. Auch wenn Erzieher und verschiedene Therapeuten sich schon vor der Einschulung dafür einsetzen, dass ein diagnostizierer Schüler zumindest eine Unterrichtsbegleitung bekommt, wartet das Sozialamt mit einer Kostenzusage bis das Kind in der Schule auffällig wird. Das ist für mich eine potenzielle Kindeswohlgefähdung. Daran werden expliziete Kinderrechte im GG auch nichts ändern.

bettina
6 Monate zuvor
Antwortet  Echt

„Daran werden expliziete Kinderrechte im GG auch nichts ändern.“

Im Gegenteil! Wenn behauptet wird, Inklusion und Gemeinschaftsschulen gehörten zu den unumstößlichen Kinderrechten, die (laut Forderung der GEW) ins Grundgesetz aufgenommen werden sollen, wird alles nur noch schlimmer.

Mit „Kinderrechten“ im GG lässt sich alles durchsetzen, sei es auch noch so fragwürdig. Da können auch bildungsinteressierte Eltern nichts mehr machen. Ihre Rechte werden durch die „Kinderrechte“ ausgehebelt.

Carsten60
6 Monate zuvor
Antwortet  Palim

@ Palim: „Grundschulen sind Gemeinschaftsschulen“
Das gilt so strenggenommen nicht. Die neuen Gemeinschaftsschulen in Berlin (die von Klasse 1 bis Klasse 13 gehen) und in Baden-Württemberg (vielleicht auch anderswo) haben die Noten und das Sitzenbleiben bis Klasse 8 oder so ähnlich abgeschafft. An Grundschulen ist das traditionell nicht der Fall, denn in Bayern entscheiden Noten über die Schulempfehlung nach Klasse 4. Und das Sitzenbleiben an der Grundschule versteckt man ja neuerdings in der „Schuleingangsphase“, die eigentlich 2 Jahre umfasst, in der aber manche halt 3 Jahre verbleiben (die „Verweilkinder“). Den Trick könnte man auch für die 3-jährige Oberstufe anwenden, in der einige dann halt 4 Jahre verbleiben, ohne dass das in einer Statistik als Sitzenbleiben auftaucht. Man muss nur die richtigen Vokabeln erfinden. 🙂
Wenn Sie mal in den Bericht zu den Gemeinschaftsschulen in Berlin hineinsehen, werden Sie feststellen, dass da viel linke Parteidoktrin und viel Sozialromantik mit verbunden ist. Nicht zufällig sind die das Lieblingskind von rot-rot-grün. Handfeste Erfolge in Statistiken sind eher Mangelware. Dagegen sind die klassischen Gesamtschulen mit leistungsbezogenen A-, B-, C-Kursen inzwischen bei den Genossen (und wohl auch bei der GEW) in Verruf geraten. Leistung? Das Wort ist bei der GEW gestrichen. Daher gilt auch: Gemeinschaftsschulen und Gesamtschulen sind nicht dasselbe. Und dadurch wird das ohnehin bestehende Chaos im föderalen Bildungsdeutschland nochmal vergrößert. Glückwunsch!

DerechteNorden
6 Monate zuvor
Antwortet  Carsten60

An meiner GemS in SH haben wir aber eine äußere Dreierdifferenzierung.

Carsten60
5 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Das ist ja das föderale Chaos: Bald hat jedes Bundesland ein Schulsystem, das sich von allen anderen unterscheidet. Nur die Gymnasien sind vergleichbar, aber die spalten sich in G8 und G9 auf. Und bei der 6-jährigen Grundschule gibt es dann G6.

Walter
6 Monate zuvor
Antwortet  Carsten60

Stimmt: „Leistung? Das Wort ist bei der GEW gestrichen.“

Ich frage mich, ob es überhaupt gestrichen werden musste, da es nie eine Rolle spielte. Ich kenne die GEW seit über 30 Jahren und kann mich nicht erinnern, dass sie Leistung jemals wichtig nahm.
Deshalb sind Gemeinschaftsschulen für sie auch kein Problem, sondern nur ein erstrebenswertes Ziel.

Martin
6 Monate zuvor

Nur noch Gemeinschaftsschulen sind das Schlechteste, was passieren kann. Ist aber die logische Konsequenz einer Inklusion, deren Auswirkungen in den meisten Schulen ohnehin schon verheerend sind.

Da kann es ruhig bis zum Geht-nicht-Mehr schlechter werden. Hauptsache, keiner wird mehr „ausgegrenzt“ und die (aus ideologischen Gründen) verhassten Gymnasien verschwinden.
Es lebe die Bildungsgerechtigkeit, die Lernen so einfach macht, dass sich wirklich keiner mehr vom Niveau „ausgegrenzt“ fühlt!

Carsten60
6 Monate zuvor

Das sind die typischen Tricks von bestimmten Leuten in der GEW:

  1. Die UN-Konvention wird so interpretiert, dass Förderschulen falsch sind.
  2. Die Inklusion wird als absolut und alternativlos hingestellt.
  3. Als „konsequente Weiterentwicklung der Inklusion“ wird dann behauptet, nur eine Gemeinschaftsschule käme dafür überhaupt noch infrage. Auch die Grünen haben sich diesen Trick zu eigen gemacht.
  4. Und dann wird diese Gemeinschaftsschule einfach hemmungslos in den Himmel gelobt, ohne auf eventuelle Nachteile mal hinzuweisen.
  5. So nebenbei wird mal wieder auf Bayern geschimpft, obwohl in allen Tests die Leistungen der Schüler gut oder zumindest passabel waren. Die Leistungen an den Gemeinschaftsschulen werden aber gar nicht erst näher untersucht. Der Glaube soll nicht durch empirische Tatsachen gestört werden.
  6. Schließlich werden Forderungen nach mehr Ressourcen genannt, die aber nie genauer beziffert werden. Dazu gehören auch kleinere Klassen als sie beispielsweise an Gymnasien üblich sind. Folglich würde bereits die schlichte Umwandlung von Gymnasien in Gemeinschaftsschulen mehr Lehrer und mehr Räume erfordern, zusätzlich zu der bereits festgestellten Lücke. Es soll verschwiegen werden, dass Gymnasien somit praktisch ein Sparmodell sind gegenüber obligatorischen Gemeinschaftsschulen.
hennes
6 Monate zuvor

Warum wundert es mich nicht, dass die GEW mal wieder etwas fordert, was nicht meiner Wunschliste entspricht.
Erst fordert sie die Inklusion, dann will sie überall Gemeinschaftsschulen.
Diese „Gewerkschaft“ ist der Feind ihrer Lehrer-Mitglieder..

DerechteNorden
6 Monate zuvor
Antwortet  hennes

Sorry, es soll sehr viele Lehrkräfte geben, die Gemeinschaftsschulen gut finden. Ich habe am Gymnasium „gelernt“, arbeite aber lieber in einem integrativen System. In meinem Bundesland gibt es Gymnasien und Gemeinschaftsschulen. Mich vertritt die GEW auch nicht wirklich, der PhV aber noch viel weniger, da er NUR Lehrkräfte an Gymnasien vertritt.
Wir werden in puncto Inklusion z.B. nichts erreichen, solange die Gewerkschaften nicht an einem Strang ziehen, sondern nur gegeneinander arbeiten.

hennes
6 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Ich kenne keine Kollegen aus der Praxis, „die Gemeinschaftsschulen gut finden“, sondern nur Theoretiker.
Vielleicht kennen außer Ihnen aber noch andere Leute solche Lehrkräfte.

DerechteNorden
6 Monate zuvor
Antwortet  hennes

Ich kenne ja meine über 100 Kolleg*innen. Und wir sind keine Theoristen.
Integrative Systeme funktionieren in den allermeisten anderen Ländern doch auch. Warum nicht auch in Deutschland?
Es ist doch nur eine Frage der Organisation durch die Politik, oder nicht?

hennes
6 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Diese unkonkreten Erzählungen von anderen Ländern sind in der Regel falsch, erst recht die Behauptung, dort würde alles wunderbar funktionieren. Solche Märchen helfen nicht weiter, ganz im Gegenteil.

Ihre „100 Kolleg*innen“, die alle Gemeinschaftsschulen gut finden, nehme ich Ihnen auch nicht ab. Allmählich frage ich mich, ob Sie wirklich Lehrer sind.
Entschuldigen Sie bitte, dass ich das so offen sage und Ihnen damit vielleicht Unrecht tue.

Carsten60
6 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

„… funktionieren in den allermeisten anderen Ländern doch auch.“
Ja, aber es wird gern übersehen, dass die allermeisten Länder beim PISA-Ranking hinter Deutschland gelandet sind, z.T. abgeschlagen um mehr als 50 Punkte im Durchschnitt, entsprechend einem Schuljahr (oder mehr). Man muss eben auch fragen, WIE die funktionieren.
In Deutschland dagegen hat man sich aufgeregt über das angeblich zu schlechte PISA-Ranking. Aber was ist mit den anderen? Die scheint das nicht zu jucken, von großen Reformen hört man wenig. In Europa sind nur ein paar kleinere Länder (nach Bevölkerungszahl) wirklich besser in Mathematik bei PISA wie Estland (hat weniger Einwohner als Hamburg). Die „großen“ europäischen Nachbarn wie GB, F, E, I, die den Kern der EU bilden, sind nicht besser trotz ihrer wunderbaren integrativen Schulsysteme, auch Schweden und Norwegen nicht (von wegen „die skandinavischen PISA-Sieger“). Das alles wird von der GEW geflissentlich verschwiegen.
„Es ist doch nur (!!!) eine Frage der Organisation durch die Politik“
Das ist zwar grundsätzlich wahr, aber wieviel Organisationstalent trauen Sie denn unseren 16+1 Schulministerien zu? Ich hielte die für unfähig zu einer großen Reform, schon wegen des Einflusses der Parteipolitik mit dem Proporzdenken bei der Besetzung von Posten. Eine Ampelkoalition in Sachen Schule wäre wohl ein Albtraum, oder nicht?

Schattenläufer
6 Monate zuvor

Inklusion durch Gemeinschaftsschulen wird der Hammer. Der Gedanke dahinter lautet wohl.
„Wenn wir die Inklusionsschüler durch ihre Probleme nicht auf das Niveau der anderen bringen können, dann bringen wir die andere eben auf das Niveau der Inklusionsschüler“.

Senkt zwar das Gesamtniveau, ist aber Gerecht. Das Weltbild der GEW eben.

Sorry, so schlimm das ist, echte Inklusion, bei der die Inklusionsschüler wirklich gefördert werden, geht nur mit Geld und Arbeit.

  • Kleinere Klassen
  • Massive Weiterbildung für die Lehrkräfte (bitte nicht für Gottes-Lohn) in der Freizeit)
  • Zusätzliches Fachpersonal zur Unterrichtsassistenz.
  • Spezielle technische Ausstattung.

Wie sieht Inklusion wirklich aus. Da habt ihr die Inklusionsschüler. Viel Spaß!

Das ist nicht zum Besten der Inklusionsschüler und schadet auch den anderen Schülern.

Beispiel:
An unserer Berufsschule wurde ein stark sehbehinderter Schüler „geparkt“.
Der junge Mann kam von einer Blindenschule und hatte eigentlich schon einen Ausbildungsplatz als Ton-Techniker beim Theater. Aufgrund von Umbaumaßnahmen konnte er diese Ausbildung jedoch erst in einem Jahr beginnen. Segen der Schulpflicht, er musste das Jahr in einer Vollzeitform der Berufsschule absitzen.

Tag1:
Schüler sitzt in der ersten Reihe und fragt ob der Lehrer etwas größer schreiben könnte. Bei einer Schriftgröße von 20×30 cm pro Buchstabe wirft der Lehrer das Handtuch.
Ratlosigkeit.

Tag 2: Der Schüler bringt persönliches Equipment mit. Eine Spezialkammera und ein Tablett das das Tafelbild und Arbeitsblätter für ihn lesbar macht.
Danach läuft der Laden.

Dem Ministerium war das alles egal. Hätte der Schüler die Ausrüstung nicht persönlich gestellt, dann wäre das ein Jahr mit 0% Input für ihn geworden oder ein Jahr mit 30% Input für ihn und 50% Input für den Rest der Klasse.
Wie der Lehrer sich eben entschieden hätte.

Das ist einfach nur beschämend für unser Schulsystem.

Rüdiger Vehrenkamp
6 Monate zuvor

Wenn ich mich nicht täusche, hieße dies, konsequenterweise auch Gymnasien abzuschaffen, sodass wirklich ALLE gemeinsam lernen. Das werden sich die Philologen und die entsprechenden Eltern jedoch nicht bieten lassen. Fände Inklusion denn dann auch an Gymnasien statt? So wirkt die Gemeinschaftsschule eher wie eine Resteschule für mich, wo alle die hinkommen, die das Gymnasium nicht erreichen, selbst wenn dort das Abitur möglich ist. Meine Kinder gehen auf eine Realschule und sie sind sehr glücklich damit.

Echt
5 Monate zuvor

Leider gibt es die Realschule nicht mehr überall. In Nds. wurden die meist gut funktionierenden und beliebten Realschulen zugunsten der Oberschulen (ehem. Hauptschule +Realschule) geschlossen mit der Konsequenz, dass die Hauptschulen dadurch keine Aufwertung erfahren haben, sondern viele ehemals gute Realschüler sich aufs Gymnasium quälen. Es wurde eine gute und bewährte Schulform durch dummdreiste Sparkonzepte, die als Aufwertung verkauft wurden, zum Nachteil vieler fähiger Schüler kaputt gemacht.
Statt die Hauptschulen tatsächlich zu stärken, indem Geld in kleinere Klassen und die Aufwertung praktischer Kompetenzen gesteckt wurde, erfuhr die Realschule einen Abwertung und die Situation für die früher eher praktisch begabt und durchaus anerkannten Hauptschüler hat sich nicht verbessert. Als Alternative gibt es für Realschüler die Gesamtschulen oder das Gymnasium. Da haben Ihre Kinder wirklich Glück.
Aber warum wieder die Keule gegen das Gymnasium? Natürlich war das Gymnasium immer schon elitär angehaucht, dennoch macht das dreigliedrige Schulsystem +Gesamtschule als Alternative aus meiner Sicht weiterhin durchaus Sinn, wenn jeder tatsächlich nach Begabung und kognitiven Möglichkeiten gefördert und gefordert werden würde. Die Ideologie der Gleichmacherei im Bildungswesen entspringt m.M.n. der mangelnden Wertschätzung (auch finanziell) für nichtakademischen Berufe. Somit hat sich tatsächlich eher ein zweigliedriges Schulsystem herausgebildet. Und dies wurde in den vergangenen zwei Jahrzehnten politisch forciert.
Durch die Inklusion darf es zu keiner Aufweichung des Bildungsanspruchs in den einzelnen Schulformen kommen. Damit ist weder den Förderschülern noch ihren Mitschülern gedient.
Es geht um die politische Bereitschaft zur Bereitstellung guter bis sehr guter finanzieller und personeller Ressourcen und der parallelen Aufrechterhaltung eines guten Förderschulsystems. So, wie es jetzt ist, funktioniert es für viele Förder- und auch Regelschüler nicht mehr. Letzlich leidet die gesellschaftliche Funktionalität (Fachkräftemangel etc.). Die Bildungspolitik der vergangenen zwei Jahrzehnte ist zu einem reinen Mangelverwaltungkinderverwahrungsirrsinn mit bröckelndem Astrich verkommen. Da nützt es auch nichts, die Gymnasien zu beschimpfen.

anonymus
5 Monate zuvor

„Das werden sich die Philologen und die entsprechenden Eltern jedoch nicht bieten lassen.“

Ich hoffe es, doch was sollen sie machen?
Eine Schule für alle, ist eine grausame Vorstellung – nicht zuletzt für die Kinder.

Sollte sie Realität werden, könnte es einen Boom der Privatschulen geben. Ihre Formen reichen bekanntlich von der Sonderschule bis zum Gymnasium.

Sollte das so kommen, wird die GEW vermutlich wieder lamentieren: „Das ist ungerecht, weil gute Bildung dann vom Geldbeutel der Eltern abhängt.“
So argumentierte sie jedenfalls vor 30 Jahren nach der Wiedervereinigung, als Privatschulen eine Zeit lang wie Pilze aus der Erde schossen.

Andrea Horst
6 Monate zuvor

Auch in NRW würde Inklusion mangelnde umgesetzt! Mit einem Stichtag wurden Hauptschullehrer zu Sonderschullehrer ohne aber deren Gehalt zu bekommen.
Die Klassen wurden größer, Sonderschulpädagogen eingesetzt, krampfhaft Räume umgestaltet, die an anderer Stelle fehlen!
Es müssen Wortzeugnisse geschrieben werden, in denen nicht ehrlich gesagt werden darf, was der/diejenige/r SchülerIn kann oder nicht kann.
Eine riesige Augenwischerei!
Man soll sich nicht wundern, dass immer weniger junge Leute sich für diesen Beruf entscheiden.
Jedes Jahr neue Aufgaben, wobei die alten nicht erledigt sind, keine Handhabe gegen ‚herausfordernde‘ SchülerInnen, Benachteiligung bei der Bezahlung- all das macht Schule und Inklusion nicht einfacher,!

Lera
6 Monate zuvor

Die GEW (=„Gewerkschaft mit extremer Wahrnehmungsstörung“) sollte dringend auch mal eine Umfrage zu den hier verbreiteten Forderungen durchführen, denn (gefühlt)
97% aller Lehrkräfte ziehen ganz andere Schlussfolgerungen aus der allgemein bekannten Tatsache, dass die real existierende Inklusion die Lernbedingungen für 97% aller Beteiligten verschlechtert.

GEW – unser Motto:

„Noch mehr von dem, was seit zwanzig Jahren schon nicht funktioniert hat.“

„Mit Vollgas vor die Wand“

„Wenn die Realität nicht zur Ideologie passt: einfach radikaler werden!“

ysnp
6 Monate zuvor

Als ich, Lehrkraft in Bayern, vor 6 Jahren meine erste Kooperationsklasse mit sonderpädagogischen Förderbedarfen L übernommen habe, sah es so aus, als ginge der Schritt in die richtige Richtung. Die Klasse hatte eine Obergrenze von 24 Schülern (auch das war noch viel, aber an meiner großen Schule sind die Klassenstärken oft höher) und 4 Stunden Doppelbesetzung, davon eine mit dem MSD (mobiler sonderpädagogischer Dienst). In der nächsten Klasse erhielt ich nur noch eine MSD Stunde im 3. Schuljahr. Im 4. Schuljahr erhielt ich trotz einiger sonderpädagogischer Föderbedarfe L nichts mehr, die Klasse wurde auf 26 Schüler aufgestockt. Inzwischen gibt es keine Koopklassen mehr, die Doppelbesetzungen aufgrund Lehrermangels gestrichen. Für meine jetztige 28 Schüler starke Klasse inklusive eines Downkindes mit Schulbegleitung erhalte ich eine Förderstunde in der Woche für dieses Kind.
So sieht es eben aus. Der Lehrermangel greift nun auch in Bayern um sich.
Zu den Schulpsychologen: Diese haben quasi eine Doppelausbildung: Sie sind Lehrkraft und Schulpsychologe, d.h. sie haben auch Unterrichtsaufträge, können sogar Klassenlehrkraft sein.

anonymus
6 Monate zuvor
Antwortet  ysnp

Der Lehrermangel wird auch weiter zulegen. Man bedenke nur, was noch so alles auf die Schulen an Aufgaben zukommt und begleitet wird von einem allgemein wachsenden Fachkräftemangel. Dazu noch die ungünstige Demographie, bei der immer geburtenschwächere Jahrgänge ins Berufslenen starten.

Wer da immer wieder und immer noch für die Inklusion sagt: „Wir brauchen,… brauchen…, brauchen“ und darauf hofft, die Gebete würden erhört, ist entweder ein Gesundbeter der Inklusion oder ein Traumtänzer.

Sie, ysnp, meine ich nicht mit diesen Traumtänzern. Sie schreiben immer wohltuend sachlich, anschaulich und realistisch. Dafür ein herzliches Dankeschön!

anonymus
6 Monate zuvor

@Redaktion
Wo ist eigentlich der erst kürzlich veröffentlichte Artikel „GEW: Kinderrechte ins Grundgesetz…“ geblieben?

Ich sehe eine mögliche Verbindung zwischen der hier erhobenen Forderung der GEW nach Gemeinschaftsschulen und der Forderung nach grundgesetzlich festgeschriebenen Kinderrechten vor ein paar Tagen.

anonymus
6 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Vielen Dank @Redaktion für die prompte Antwort!!

olteho
6 Monate zuvor

Man könnte da auch grundsätzlicher Herangehen:
Wann macht Inklusion Sinn?
Nur dann , wenn die „zu inkludierenden“ Schüler in erster Linie und alle „anderen“ einen echten Mehrwert davon haben. Realisiert wird nur Teilhabe (also gemeinsamer Aufenthalt in einem Raum oder System). Das soll nach Möglichkeit dann mit vorhandenen Ressourcen und der entsprechenden „Haltung“ bei den Lehrkräften und ein bisschen Fortbildung und Beratung hier und da dann irgendwie laufen.
Genau so wird Inklusion in den letzten 10 Jahren im Großen und Ganzen in allen Bundesländern versucht.
Da wo ein Mehrwert sein sollte (den sehe ich nur beim Recht auf Teilhabe) gibt es am Ende aufgrund mangelnder Ausarbeitung durch die Bezirksregierungen und fehlenden Ressourcen leider nur Verlierer.
Und das ist das eigentlich peinliche an der Umsetzung inklusive Bildung:
Es ist jetzt FÜR ALLE schlechter als vor der Einführung der Inklusion.

Indra Rupp
6 Monate zuvor
Antwortet  olteho

Dürfen Frauen auch nur arbeiten gehen, wenn alle davon einen Mehrwert haben? Das ist nämlich bei der hohen Arbeitslosigkeit nicht der Fall und so manche Frau hat wohl schon einem Mann den Job weggenommen.
Ist es nicht eine Zweiklassengesellschaft wenn Männer auf jeden Fall arbeiten dürfen, aber Frauen nur, wenn zusätzlich noch Ressourcen vorhanden sind?
Ich finde, die Arbeitslosigkeit müssen alle mittragen. Da kann man nicht in wichtige und unwichtige Menschen aufteilen und den Einen ihr Vorrecht lassen, während die Anderen nur unter optimalen Bedingungen in den Genuß gleicher Rechte kommen.
Genauso im Schulsystem. Soll heißen, alle tragen, dass was fehlt, mit, zB durch Ganztagsabbau, Stundenzahlkürzung oder dem Privileg in Privatschulen und Gymnasien unter sich bleiben zu dürfen.

Frieda
5 Monate zuvor

@Rüdiger V., also, ich bin fest davon überzeugt, dass die Gymnasien ihren Teil zur Inklusion beitragen werden und das der dort zu leistende Anteil immer größer wird. Gesamtgesellschaftlich gesehen ist das wohl eine Frage des Geldes und der Ressourcen. Es ist schlichtweg einfach nicht möglich, Klassenstärken auf Realschulen etc. auf vielleicht 50 SuS anwachsen zu lassen. Die Zahl halte ich für realistisch, da neben der Inklusion auch die Integration ein weiterer Schwerpunkt ist und wird. Also, wohin mit den betroffenen SuS wenn nicht auch auf die Gymnasien? Viele Eltern haben bereits ihre Kinder entgegen GS-Emfehlungen auf die Gy-Schulform eingebracht, wobei man sich gern mal über die Qualität von GS-Empfehlungen auseinandersetzen darf (sog. falsche Empfehlungen). Die Rolle rückwärts von G8 auf G9 sagt einiges über das tatschächliche Innere von Gymnasien aus.

Uwe
5 Monate zuvor

Natürlich funktioniert die Inclusion nicht in einem dreigliedrigem (vier) Schulsystem. Die Gymnasien sind hier in NRW komplett raus, die Gesamtschulen includieren nur wenn sie Probleme mit den Anmeldezahlen haben und so bleibt der gemeinsame Unterricht bei den Real und Hauptschulen hängen. Damals als das losging (ich bin seit 25 Jahren Hauptschullehrer) hatten die Hauptschulen jedes Jahr das Problem : Wie bekomme ich mehr als 15 Anmeldungen. Also hat man sich auf die Inclusion (und die AK Schüler*innen) gestürzt, genützt hat es nix, Dichtgemacht wurden die Schulen trotzdem. Nun sind die Hauptschulen so auf ein bis zwei pro (Groß)stadt eingedampft und man hat (zusammen mit den Realschulen) die Resterampe des Schulsystems, mit 3 wesentlichen Funktionen: Erstens den Gymnasien das Überleben ermöglichen (die können alles schmeißen was sie pädagogisch überfordert), zweitens den Migrant*innen Deutsch beibringen und den allerehrgeizigsten (oft mit akademischen Hintergrund) den Aufstieg übers Abitur zu ermöglichen (an der Gesamtschule), drittens der Aufbewahrungsort für die (prinzipiell) völlig Schulunfähigen sowie „Inclusions“schüler*innen. Bei letzteren sind wir einfach deutlich billiger als Förderschulen (A12 und größere Klassen)

Indra Rupp
5 Monate zuvor
Antwortet  Uwe

Genau, VIERgliedriges Schulsystem! Das alle von dreigliedrigem Schulsystem sprechen sagt auch schon wieder was aus.

Martin
5 Monate zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Richtig, Frau Rupp, das stimmt aber nur für die jüngste Vergangenheit. Wir hatten ein viergliedriges Schulsystem, zu dem auch die Sonderschulen gehörten. Kinder mit Behinderungen waren also nicht ausgegrenzt, sondern gehörten zum Schulsystem und erhielten sogar besondere Hilfe und Zuwendung, was mehr kostete als der Unterhalt anderer Schulformen.
Durch die weitgehende Abschaffung der Sonder- oder Förderschulen können wir jetzt aber nur noch von einem dreigliedrigen Schulsystem sprechen und demnächst vielleicht nur noch von einem Einheitssystem, weil teure Gliederung abgeschafft wird. Das Einheitssystem ist am billigsten und sogar die GEW fordert es aus ihren typischen Gründen für Gerechtigkeit.
Kuzum: Sie haben recht mit dem viergliedrigen Schulsystem in der Vergangenheit, aber unrecht , wenn es ums Hier und Jetzt geht.

Indra Rupp
5 Monate zuvor
Antwortet  Martin

Die Förderschulen gibt es aber noch und über 50 % der beeinträchtigten Kinder besuchen sie. Das immer vom dreigliedrigem Schulsystem geredet wird, liegt meines Erachtens daran, dass die beeinträchtigten Schulkinder nicht als vollwertige Schulkinder betrachtet werden.

Cornelia
5 Monate zuvor
Antwortet  Martin

Ich habe nie was gehört oder gelesen von viergliedrigem Schulsystem. Auch bei Wikipedia (“ Schulsystem in Deutschland „/“Schulgeschichte (Deutschland)“) ist immer nur die Rede von Dreigliederung. Indra Rupp hat schon Recht, die Sonderformen wurden nie mitgezählt, aus welchem Grund auch immer.
Mich stört es allerdings nicht so. Meistens waren Lehrer überfordert, ein behindertes Kind mit zu unterrichten, was ich sehr gut verstehen kann, nicht nur, weil die Klassen oft 40 oder 50 Schüler umfassten.
Natürlich schlimm für die Eltern. Oft war dann nichts anderes möglich, als das Kind in ein Heim zu geben. Sonderschulen gibt es in manchen Landkreisen erst seit wenigen Jahrzehnten, manchmal mussten Eltern erst großes Engagement entwickeln, dass welche entstanden.

Lisa
5 Monate zuvor
Antwortet  Cornelia

Es waren Sonderschulen oder Förderschulen mit Unterrsichtsschluss und täglicher Rückkehr ins Elternhaus und keine „Heime“.

Cornelia
5 Monate zuvor
Antwortet  Lisa

Vielleicht habe ich mich missverständlich ausgedrückt, ich meine:
Wenn keine Sonderschulen in der Nähe vorhanden waren, war es schlimm für die Eltern, denn sie konnten ja ihr Kind nicht 24/7 zuhause betreuen und fördern.